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[Rezension] Emma Wildes: Eine unzüchtige Lady

Originaltitel: An Indecent Proposition

Inhalt:
Was für ein Skandal! Die beiden berüchtigtsten Londoner Lebemänner haben gewettet, wer von ihnen der bessere Liebhaber ist. Ausgerechnet Lady Caroline Wynn, die respektable junge Witwe mit dem kühlen Blick, willigt ein, bei dieser skandalösen Wette als Schiedsrichterin zu fungieren. Die lustvollen Nächte mit der schönen Caroline wecken in Nicholas, Duke of Rothay, schon bald ungeahnte Gefühle …

Kommentar:
Ich bin ja inzwischen vorsichtig geworden, was Rezensionen bei Amazon und in Foren angeht; die ausschließlich positiven Kritiken zu Emma Wildes Buch haben aber doch mein Interesse geweckt. »Eine unzüchtige Lady« ist das erste Buch der Autorin, das in Deutschland erschienen ist, obwohl die Autorin seit ihrem Debüt 2005 eine ganz beachtliche Backlist von über 40 Titeln (vorwiegend erotische Bücher) aufgebaut hat. Im deutschsprachigen Raum wird der zweite Titel von Emma Wildes im Herbst bei Blanvalet erscheinen: Schön und ungezähmt (Lessons from a Scarlet Lady).

Aufhänger dieses Regency-Romans ist eine Wette, die Nicholas, Duke of Rothay, und Derek, Earl of Manderville, in nicht gerade nüchternem Zustand abschließen: Die beiden Freunde wollen herausfinden, wer von ihnen der bessere Liebhaber ist – wie Männer nun mal so sind, versuchen beide, auf diese Weise ihre Frustration über eine enttäuschte Liebe kompensieren. Als Schiedsrichterin bietet sich die schöne, aber als unterkühlt geltende Witwe Caroline an, und nachdem man ihr Anonymität zugesichert hat, einigen sich die Beteiligten auf die Modalitäten: Lady Wynn soll zunächst eine Woche mit Nicholas, danach eine Woche mit Derek auf dem Land verbringen; anschließend wird sie ihr Urteil anonym im Gesellschaftsteil der Zeitung veröffentlichen. Bei dieser Konstellation tut sich natürlich ein grundsätzliches Problem auf: Es gehört sich in historischen Liebesromanen einfach nicht, dass die Protagonistin mit zwei Männern schläft. Auch Emma Wildes beachtet dieses ungeschriebene Gesetz und löst die Sache ziemlich konventionell: Sie teilt die Geschichte nämlich an dieser Stelle in zwei gleichwertige Haupthandlungsstränge, von denen sich einer mit Nicholas und Caroline beschäftigt, der andere mit Derek und seinem Schwarm Annabel, die Grund für seinen Frust ist.

Nicholas setzt sich in der Folge mit Lady Wynn in eines seiner unzähligen herzögliche Landhäuser ab, um dort seine Fähigkeiten als Liebhaber unter Beweis zu stellen. Zu seiner Überraschung ist Caroline aber – obwohl Witwe – sexuell weitgehend unerfahren und sogar regelrecht traumatisiert, da ihr Mann sie immer nur benutzt hat. Es gilt also, ihr Vertrauen zu gewinnen und sie langsam und gefühlvoll an die körperliche Liebe heranzuführen. Unterdessen bleibt Derek in London und gesteht sich ein, was für seine gesamte Umgebung schon seit Ewigkeiten offensichtlich ist: dass er die junge Annabel liebt. Endlich erhellt, setzt er alles daran zu verhindern, dass seine große Liebe einen anderen heiratet, nur weil er selbst sie vor einiger Zeit tief enttäuscht hat.

Die beiden erzählten Liebesgeschichten sind nichts besonderes, aber in Ordnung; die Aufbereitung allerdings lässt doch ein wenig zu wünschen übrig. Auffällig sind beispielsweise die teils ganz schön langweiligen, ausufernden Dialoge, die das Geschehen nicht recht voranbringen und in deren Verlauf häufig die gleiche Sache mehrfach wiedergekäut wird. Hinzu kommen endlose Beschreibungen von Äußerlichkeiten – ich weiß gar nicht, wie oft Carolines kastanienbraunes Haar und ihr elfenbeinerner Säulenhals erwähnt wird, viel zu oft, auf jeden Fall – sowie überflüssig dramatische Verwicklungen am Ende des Buches, die augenscheinlich nur dazu dienen, noch ein paar Seiten herauszuschlagen. Natürlich gibt es auch jede Menge Sexszenen, die mit bebenden Brüsten, einstürzenden Himmeln, brandenden Wellen und erklommenen Gipfeln einhergehen, aber leider nicht prickeln.

Dass mich das Buch zwar einigermaßen unterhalten, aber nicht richtig gepackt hat, hängt sicher auch mit den Figuren zusammen. Diese sind zwar prinzipiell alle sympathisch, haben aber trotz ihres zum Teil tragischen Hintergrunds keinerlei Tiefe. Sie sind eindimensional, erschreckend gut und ebenso langweilig. Nicholas beispielsweise verwandelt sich im Handumdrehen von einem notorischen Weiberhelden zum Frauenversteher, der unschlagbar sensibel, geduldig, rücksichtsvoll und vollkommen geläutert ist, kaum dass er Caroline trifft. Caroline, die Zeit ihres Lebens nie von jemandem geliebt wurde und nach den Erfahrungen mit ihrem verstorbenen Gatten nie wieder einen Mann wollte, ist ihrerseits rasend schnell in Liebe entbrannt – was aufgrund ihres angeblich tief sitzenden Traumas wenig glaubwürdig ist. Zu diesem Trauma passt übrigens auch ihr Motiv, die Schiedsrichterrolle zu übernehmen, nicht im Mindesten. Die junge Annabel ist einfach ein kleines trotziges Mädchen, das ziemlich blass bleibt, während Derek weinerlich wirkt, kaum Eigeninitiative zeigt und unfähig zur Selbstkritik zu sein scheint – wie sonst könnte er glauben, das wenig brillante Argument, er sei ein Mann, würde sein Verhalten in der Vergangenheit entschuldigen? (»Ich bin ein Mann, ein Mann, der dieselben normalen Fehler begeht wie jeder andere seiner Geschlechtsgenossen«, S. 213, bzw. »Ich bin nicht der erste Mann, der vor dem Gedanken an Liebe oder gar Hochzeit zurückschreckt«, S. 219.)

Sprachlich wirkt das Buch zum Teil ziemlich angestaubt und wartet gerade bei den Sexszenen mit blumigen Formulierungen zu all dem »schwelgerischen Vergnügen« auf, wobei ich nicht nachvollziehen kann, ob das schon im Original so ist oder auf die Übersetzung zurückzuführen ist. Tatsache ist: Die Übersetzung ist zwar nicht völlig daneben, passt aber an vielen Stellen im Detail nicht und wirkt deshalb manchmal ein wenig sinnentstellend (s. auch LeseLustFrusts Kommentar zum ersten Satz). In regelmäßigen Abständen bin ich über Kleinigkeiten – z.B. eine »plumpe Hand« – gestolpert (nur im Wortsinne zu verstehen!) und so aus dem Lesefluss gerissen worden. Um aber keinen falschen Eindruck zu erwecken: Ich hatte schon mit weit schlechteren Übersetzungen zu tun; die Qualität der vorliegenden wirkt sich höchstens unbewusst auf die Bewertung aus.

Fazit:
8/15 – Ein durchschnittlich unterhaltsamer Regency-Roman, der nicht aus der Masse hervorsticht und phasenweise etwas antiquiert wirkt. Fans von Liebesgeschichten ohne großen Tiefgang dürften sich aber dennoch sehr gut unterhalten fühlen.

[Rezension] Ilona Andrews: Die dunkle Flut

Originaltitel: Magic Burns
Kate Daniels/Stadt der Finsternis, Teil 2

Inhalt:
Alle sieben Jahre wird die Stadt Atlanta von einer magischen Flut heimgesucht, die das Gleichgewicht der Mächte gefährlich ins Wanken bringt. Als die Söldnerin Kate Daniels von Curran, dem Herrn der Gestaltwandler, den Auftrag erhält, gestohlene Landkarten aufzuspüren, wird ihr bald klar, dass diesmal weitaus mehr auf dem Spiel steht: Zwei uralte Gottheiten wollen das Aufflammen magischer Energie nutzen, um die Herrschaft der Welt an sich zu reißen. Und wenn Kate sie nicht aufhalten kann, droht die Vernichtung Atlantas … Fortsetzung der erfolgreichen Urban-Fantasy-Serie mit ihrer charismatischen Heldin.

Kommentar:
Wie gut, dass ich trotz einiger Kritik am ersten Band der »Stadt der Finsternis«-Serie dem zweiten Teil eine Chance gegeben habe – »Die Dunkle Flut« hat die Kinderkrankheiten nämlich weitgehend hinter sich gelassen.

Diesmal gerät Kate unversehens in den Kampf zwischen zwei Göttern und muss verhindern, dass Atlanta vom Bösen überrannt wird. Sie muss sich mit Hexen, Druidenmagie und keltischer Mythologie herumschlagen und noch dazu auf ein Kind aufpassen, dessen Mutter verschwunden ist. Natürlich gibt es wieder jede Menge blutiges Gemetzel, das für meinen Geschmack immer noch zu viel ist, die Beschreibung der magischen Welt, die ich beim Auftaktband noch als verwirrend und sehr komplex empfunden hatte, ist hier aber sehr viel besser, prägnanter und vor allem verständlicher geraten. Außerdem ist die Handlung weitaus spannender, zielgerichteter und scheint ausgefeilter; obwohl es Kate mit einer Vielzahl von kleineren Aufträgen zu tun hat, laufen die Fäden nach und nach zusammen, sodass sich am Ende ein schlüssiges Gesamtbild ergibt.

Protagonistin Kate Daniels, die in jeder Hinsicht schlagfertige Söldnerin mit dem Autoritätsproblem, ist ebenso überzeugend wie im ersten Teil der Serie, gewinnt sogar noch ein wenig an Profil. Außerdem trifft man einige ihrer alten Weggefährten wieder, darunter Curran, den unbestreitbar attraktiven Herrn der Bestien, die Gestaltwandler Jim und Derek, aber auch Ghastek, den Herrn der Toten, der die Vampire lenkt und Kate fürchterlich auf den Wecker fällt. Weiterhin werden einige neue Personen eingeführt, von denen vor allem Bran, der selbstgefällige Diener einer Göttin, sowie Julie, das Mädchen, das auf der Suche nach seiner Mutter ist und eher zufällig in Kates Obhut gerät, eine größere Rolle spielen. Ob Haupt- oder Nebenfiguren – sie sind durchweg hervorragend gelungen und glaubwürdig; die Personenzeichnung ist eine ganz große Stärke des Autorenpaars.

Unklar ist nach wie vor Kates Abstammung und der Grund für ihre große Macht – dieses Geheimnis wird offenbar über mehrere Bücher der Serie hingezogen. Die Einzelbände der Serie sind aber zumindest bislang problemlos unabhängig voneinander zu lesen; die Geschehnisse aus Teil 1 werden, so sie von Bedeutung sind, soweit erklärt, dass sie das Verständnis garantieren.

Fazit:
13/15 – Richtig gute, humorvolle Urban Fantasy mit tollen Figuren und Entwicklungen – ein Buch, das definitiv Lust macht auf mehr.

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Serieninfo:
01 Magic Bites | Die Nacht der Magie (Rezension)
02 Magic Burns | Die dunkle Flut (Rezension)
03 Magic Strikes | Duell der Schatten (Rezension)
–– Magic Mourns (novella in »Must Love Hellhounds«-Anthology) | —
04 Magic Bleeds | Magisches Blut
05 Magic Slays (Mai 2011)

[Rezension] Ilona Andrews: Die Nacht der Magie

Originaltitel: Magic Bites
Kate Daniels/Stadt der Finsternis, Teil 1

Inhalt:
Kate Daniels verdient ihr Geld damit, übersinnliche Phänomene zu bekämpfen. Bewaffnet mit ihrem Schwert Slayer und ihren magischen Fähigkeiten macht sie auf den Straßen Atlantas Jagd auf Vampire und andere finstere Kreaturen. Ihr Leben nimmt jedoch eine unerwartete Wendung, als ihr Freund Greg ermordet wird. Bei der Suche nach dem Täter stößt Kate auf Ungereimtheiten: Neben Gregs Leiche wird ein geköpfter Vampir gefunden, und alles deutet darauf hin, dass bei der Tat nekromantische Magie im Spiel war. Hat womöglich der geheimnisvolle Curran, der Anführer der Gestaltwandler, etwas mit dem Ganzen zu tun?

Kommentar:
»Die Nacht der Magie« ist der erste Teil der Urban-Fantasy-Serie »Stadt der Finsternis« des Autorenpaars Ilona und Andrew Gordon. Im Zentrum steht die Magierin Kate Daniels, die in Teil 1 den Mord an ihrem Mentor Greg aufklären muss. Dabei geht es ziemlich blutrünstig und wenig kriminalistisch zu; klassische Ermittlungsmethoden wie Spurensuche, zielgerichtete Befragungen und daraus resultierende logische Schlussfolgerungen treten deutlich hinter viel Action in Form von zahlreichen Kampfspektakeln und dem Aufbau der Fantasywelt zurück.

Das magische Atlanta von Kate Daniels ist interessant, aber auch komplex, sodass ich einige Probleme hatte, diese Welt zu erfassen. Obwohl nicht gerade wenig Zeit auf die Erklärung und Wirkungsweise von Magie in ihren verschiedenen Facetten und all der Wesen mit ihren besonderen Fähigkeiten verwendet wird, konnte ich – zumindest stellenweise – nur bedingt folgen, und es blieben einige Fragen offen. Das mag aber auch damit zusammenhängen, dass das Eintauchen in die Welt von Kate bedeutet, sich von einigen Vorstellungen hinsichtlich klassischer mythologischer Wesen zu verabschieden. Das gilt zum Teil für die Gestaltwandler, ganz besonders aber für die Vampire, die hier nur ferngesteuert werden und mit menschlichen Wesen nicht mehr viel zu tun haben.

Hervorragend gelungen und durchweg überzeugend sind sämtliche Figuren, ob Mensch, Magier oder Gestaltwandler. Ganz besonders gilt das für die Protagonistin Kate, die ein echtes Problem mit Autoritäten hat und deshalb als Söldnerin magisches Gefahrengut aller Art beseitigt. Sie kann extrem starke Magie wirken und metzelt sich mit ihrem Zauberschwert »Slayer«, das regelmäßig gefüttert werden muss, durch die Welt. Dabei hat sie immer einen sarkastischen Spruch auf den Lippen und sorgt für einige amüsante Dialoge mit Freund und Feind; phasenweise zeigt sie aber auch ihre empfindsame, fürsorgliche Seite, was sie weniger unnahbar macht. Um ihre Herkunft, in der ganz offensichtlich der Grund für ihre starke magische Macht liegt, rankt sich ein Geheimnis, das in diesem Buch noch nicht aufgeklärt wird.

Fazit:
10/15 – Ein unterhaltsames Buch mit tollen Figuren, für meinen Geschmack allerdings mit einem zu hohen Actionanteil und zu ausführlichem Weltenaufbau. Band 2 der Serie werde ich in jedem Fall lesen; manchmal brauche ich ja etwas, um mich in eine neuen Fantasywelt einzufinden.

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Serieninfo:
01 Magic Bites | Die Nacht der Magie (Rezension)
02 Magic Burns | Die dunkle Flut (Rezension)
03 Magic Strikes | Duell der Schatten (Rezension)
–– Magic Mourns (novella in »Must Love Hellhounds«-Anthology) | —
04 Magic Bleeds | Magisches Blut
05 Magic Slays (Mai 2011)

Will Elliott: Hölle

Originaltitel: The Pilo Family Circus

Inhalt:
Als Jamie eines Nachts einen Clown überfährt, der urplötzlich vor seiner Motorhaube auftaucht, ist ab sofort nichts mehr wie es war. Jamie erhält unheimliche Drohungen, und eine Horde mordgieriger Geschöpfe in Clownskostümen macht Jagd auf ihn. Die Clowns entführen Jamie in den Pilo-Zirkus, eine bizarre, jenseitige Welt, beherrscht von unheimlichen Akrobaten, Zwergen, Freaks und Wahrsagern. Ein geheimnisvolles Pulver erfüllt jeden Wunsch, und auch Jamie verfällt ihm. Doch wer es einnimmt, wird zum eiskalten Killer. Wenn Jamie dieser Hölle entkommen will, muss er nicht nur den Zirkus zerstören, sondern auch seinen größten Feind besiegen – die eigene dunkle Seite …

Kommentar:
Nomen est omen, sag ich nur – selten hat ein Titel meine Einschätzung eines Buches besser wiedergegeben: Dieses Buch war für mich tatsächlich die reinste Hölle. Leider nicht im positiven Sinn, weil es höllisch spannend oder höllisch angsteinflößend gewesen wäre (wie es sich für ein Buch aus dem Horrorgenre gehören würde), sondern weil es für meine Begriffe einfach höllisch unerträglich und höllisch hohl war. Deshalb hab ich nach 211 Seiten beschlossen, meine Zeit nicht länger mit dieser konfusen Freakzirkus-Geschichte zu verschwenden; dafür hab ich einfach zu viele Bücher im Regal, die mich weniger nerven.

Warum ich das Buch denn überhaupt gekauft habe, wird sich der eine oder andere fragen, wenn ich doch Horrorgeschichten nicht mag. Dafür gibts eine einfache Erklärung: Ich habe für Hollys »Ich bilde mich weiter«-Challenge ein Buch aus dem Horrorsektor gesucht und bin aufgrund der vielen positiven Rezensionen auf »Hölle« aufmerksam geworden. Ob das Buch möglicherweise als Vertreter seines Genres taugt, wage ich ehrlich gesagt nicht final zu beurteilen – meine Erfahrungen mit Horrorstoffen beschränkt sich auf einige wenige Erfahrungen mit älteren Büchern von Stephen King (Friedhof der Kuscheltiere, Es, Christine, Shining, Cujo), die ich in meiner Jugend gelesen habe und damals tatsächlich faszinierend und beängstigend fand. Mit meinem beschränkten Horrorhintergrund kann ich einfach nur feststellen, dass ich Elliotts Buch als albern, überzogen und nervig empfand – und als überhaupt kein bisschen gruselig; das mag aber auch daran liegen, dass der auf dem Klappentext angepriesene »schockierend gute Humor« vollkommen unbemerkt an mir vorübergegangen ist, der mit der Fantasy-Horror-Geschichte gepaart sein soll. Irgendwas muss ja wohl dran sein an diesem Buch, immerhin hat es einen der wichtigsten Literaturpreise Australiens gewonnen und war außerdem für den Horror Guild Award nominiert.

Fazit:
Ich habs wirklich versucht, aber die Challenge hat gezeigt: Das Horrorgenre ist wohl nicht meins!

[Rezension] Lynn Viehl: Versuchung des Zwielichts

Originaltitel: When Angels Burn
1. Band der Darkyn-Serie

Inhalt:
Dr. Alexandra Keller ist eine erfolgreiche Schönheitschirurgin, die ihre Praxis auch des Öfteren für Bedürftige kostenlos zur Verfügung stellt. Eines Tages erhält sie einen Anruf von dem Millionär Michael Cyprien, der dringend ihre Hilfe braucht. Als sich Alexandra weigert, seinen Fall zu übernehmen, lässt dieser sie kurzerhand entführen. Was Alexandra nicht weiß: Michael ist ein vierhundert Jahre alter Vampir. Er wurde von seinen Feinden furchtbar entstellt, doch seine raschen Heilungskräfte machen eine Operation nahezu unmöglich. Alexandra muss all ihre Fähigkeiten als Chirurgin aufwenden, um ihm zu helfen.

Kommentar:
»Versuchung des Zwielichts« ist der Auftakt der Darkyn-Serie von Lynn Viehl, die in den USA schon seit Jahren große Erfolge feiert. Das Buch wird üblicherweise den paranormalen Liebesromanen zugeordnet, gehört jedoch meines Erachtens nicht wirklich in dieses Genre. Man hat es eher mit einem Urban-Fantasy-Buch mit Kirchenthriller-Elementen zu tun; die implizierte Lovestory spielt nämlich nur eine untergeordnete Rolle, und ich konne mich zudem des Eindrucks nicht erwehren, dass die Beziehung zwischen Alex und Michael eher sexuell als emotional motiviert ist.

Der Roman fesselt von der ersten bis zur letzten Seite mit einer stellenweise übertriebenen, aber spannenden Handlung und interessanten Figuren. Die Haupthandlung wird aus verschiedensten Perspektiven erzählt und dreht sich um den Überlebenskampf der Darkyn, einer vampirähnlichen Rasse, deren genaue Entstehung im Mittelalter (noch) im Dunklen liegt, und die inzwischen – weitgehend unerkannt – unter den Menschen in einer modernen Welt lebt. Bereits seit Jahrhunderten werden die Darkyn vom kirchlichen Geheimorden der guten Brüder verfolgt; der Kampf zwischen diesen Gruppen wird mit großer Brutalität geführt. Es gibt zahlreiche Folter- und andere Gewaltszenen, über die zwar meist nur rückblickend oder andeutungsweise berichtet wird, die aber deshalb nicht weniger erschreckend sind – für Zartbesaitete dürfte das Buch insofern eher nichts sein. Eingebettet in die Haupthandlung sind nicht nur die Beziehung zwischen Alexandra und Michael, sondern darüber hinaus viele Schicksale und kleine Geschichten der auf beiden Seiten in den Kampf verwickelten Personen.

Der Fokus liegt auf Alexandra Keller. Die renommierte plastische Chirurgin, die von Michael Cyprien entführt wird, damit sie sein vollkommen zerstörtes Gesicht wiederherstellt, ist eine wirklich tolle Heldin. Sie ist selbstbewusst, entschlossen und loyal und punktet mit ihrem Sarkasmus; im Umgang mit Michael Assistentin und zum Teil auch mit ihrem Bruder ist sie für meinen Geschmack allerdings ein wenig zu ordinär, wodurch sie ihre sonstige Souveränität schmälert. Die Existenz der Darkyn und ihre eigene Rolle akzeptiert sie ein wenig zu schnell und selbstverständlich, davon abgesehen gibt es aber nichts an der Figur auszusetzen.

Im Gegensatz zu Alexandra ist Michael Cyprien etwas blass geraten. Er ist zwar fraglos attraktiv, für einen so mächtigen Mann, der vor nicht allzu langer Zeit fürchterliche Qualen erlitten hat, erscheint er aber dennoch eine Spur zu weichgespült, zu geduldig und nett und schlicht nicht dominant genug. Dafür gibt es aber jede Menge interessanter Nebencharaktere in den Reihen der Darkyn, etwa Lucan, Thierry oder Philippe, auf deren Geschichten man sich freuen kann.

Fazit:
13/15 – Ein toller Serienauftakt, der richtig Lust auf mehr macht – vorausgesetzt, man kann sich damit anfreunden, dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund der Handlung steht.

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Serieninfo:
01 If Angels Burn | Versuchung des Zwielichts
02 Private Demon | Im Bann der Träume (August 2010)
03 Dark Need | Dunkle Erinnerung (Februar 2011)
04 Night Lost
05 Evermore
06 Twilight Fall
07 Stay the Night

[Rezension] Deborah Crombie: Wenn die Wahrheit stirbt

OT: Necessary As Blood
Duncan Kincaid und Gemma James, Buch 13

Inhalt:
Der Psychotherapeut Tim Cavendish ist besorgt, da sein Patient, der Rechtsanwalt Nazir Malik, nicht zur vereinbarten Sitzung erschienen ist. Vor einigen Wochen war Nazirs Frau spurlos verschwunden, und der Rechtsanwalt stand längere Zeit unter Verdacht, ihr etwas angetan zu haben. Als kurz darauf seine Leiche gefunden wird, übernimmt Superintendent Duncan Kincaid den Fall. Handelt es sich um Selbstmord? Oder wurde Nazir ermordet? Gemeinsam mit seiner Frau Inspector Gemma James kommt Duncan einem grausamen Geheimnis auf die Spur.

Kommentar:
In ihrem dreizehnten Fall ermitteln Superintendent Duncan Kincaid und Detective Inspector Gemma James im Londoner East End. Zunächst befasst sich Gemma – zu Hilfe gerufen von ihrem alten Freund Tim Cavendish – eher inoffiziell mit dem Verschwinden des Anwalts Naz Malik. Als nicht viel später dann die Leiche des Mannes gefunden wird, übernimmt Duncan Kincaid die Sache offiziell, während Gemma auf eigene Faust im Hintergrund weiterermittelt – allerdings in eine etwas andere Richtung: Ihr vorrangiges Interesse gilt der knapp dreijährigen Tochter des Anwalts, deren Zukunft ungewiss ist. Einige Monate vor der Ermordung ihres Vaters ist nämlich bereits ihre Mutter spurlos verschwunden, und Gemma setzt alles daran zu verhindern, dass das Mädchen bei der zweifelhaften Verwandtschaft untergebracht wird, weshalb sie versucht, deren mangelhafte Eignung als Vormund nachzuweisen. Bei ihren Nachforschungen kreuzt sie aber immer wieder Duncans Weg und erfährt einige wissenswerte Dinge, die auch ihrem Lebensgefährten nutzen.

Wie gewohnt ist der Kriminalfall sehr solide aufgebaut: Es gibt viele lose Fäden, die im Laufe der Zeit logisch zusammengeführt werden, und die Ermittler und ihre Assistenten leisten richtig gute Ermittlungsarbeit, in deren Verlauf die Informationen mühsam schrittweise zusammengepuzzelt werden müssen; auf einen reißerischen Showdown mit viel übertriebener Action kann daher zum Glück verzichtet werden. Zusätzliche Spannung bezieht der Fall aus der Frage, ob die verschwundene Frau des Toten möglicherweise noch lebt. Ziemlich gut eingefangen sind auch Atmosphäre und gesellschaftliche Probleme im Londoner East End, über das man jeweils zum Kapiteleingang viel Interessantes erfährt.

Dass Crombie das Privatleben ihres Ermittlerpaares in die Handlung einbindet, daran hat man sich inzwischen schon gewöhnt, und obwohl ich sowas nicht besonders mag, geht die Autorin dabei so unaufdringlich vor, dass es mich bislang nicht weiter gestört hat. Diesmal war es mir aber erstmals ein bisschen zu viel: Nicht nur wegen Gemmas Liebe-auf-den-ersten-Blick-Beziehung zur kleinen Tochter des Toten, sondern auch, weil wieder einmal Bekannte der Ermittler in den Fall verwickelt sind, wenn auch nur oberflächlich. Zudem hadert Gemma mit ihrer Familie, sorgt sich um ihre leukämiekranke Mutter sowie um ihre Freundin Hazel, die just aus Schottland zurückgekehrt ist, und kriegt kalte Füße wegen der anstehenden Hochzeit mit Duncan. Ich hoffe, dass die Familienprobleme der Ermittler die Fälle nicht irgendwann gänzlich überlagern und dass die Autorin die privatem Aspekte wieder etwas zurückschraubt.

Fazit:
13/15 – Wie immer ein richtig guter Krimi aus Crombies Feder, der allerdings sehr auf die privaten Belange der Ermittler setzt.

Serieninfo:
01 A Share In Death | Das Hotel im Moor
02 All Shall Be Well | Alles wird gut
03 Leave The Grave Green | Und ruhe in Frieden
04 Mourn Not Your Dead | Kein Grund zur Trauer
05 Dreaming Of The Bones | Das verlorene Gedicht
06 Kissed A Sad Goodbye | Böses Erwachen
07 A Finer End | Von fremder Hand
08 And Justice There Is None | Der Rache kaltes Schwert
09 Now May You Weep | Nur wenn du mir vertraust
10 In A Dark House | Denn nie bist du allein
11 Water Like A Stone | So will ich schweigen
12 Where Memories Lie | Wen die Erinnerung trügt
13 Necessary As Blood | Wenn die Wahrheit stirbt

[Rezension] Mary Balogh: A Secret Affair

The Huxtables, Book 5

Inhalt:
Hannah, ein Mädchen vom Land, hat mit neunzehn Jahren den sagenhaft reichen, aber viel älteren Duke of Dunbarton geheiratet. Nach seinem Tod zehn Jahre später und einer einjährigen Trauerzeit, ist die Herzogin endlich frei, und sie ist entschlossen, ihre Freiheit auszukosten. Ihr vordringlicher Wunsch ist es, sich einen Liebhaber zu nehmen – und sie hat auch schon jemandem im Augen: Constantine Huxtable, den illegitimen Sohn eines Earls, der einen ebenso teuflischen Ruf hat wie Hannah selbst …

Kommentar:
»A Secret Affair« ist der letzte Band der fünfteiligen Serie um die Huxtable-Familie, in dem es um Constantine geht, den undurchsichtigen Cousin der vier Huxtable-Geschwister, die in den ersten Teilen unter die Haube gebracht werden. Wie viele andere Fans der Serie habe ich Constantines Geschichte bereits nach seinen Auftritten im ersten Band herbeigesehnt; umso größer war die Gefahr einer Enttäuschung.

Tatsächlich startet das Buch wenig ansprechend, was vor allem mit der Figur der Duchess of Dunbarton zusammenhängt. Sie hat beschlossen, Constantine zu ihrem Liebhaber zu machen, und weil sie immer bekommt, was sie will, setzt sie alles daran, ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sie ist berechnend, selbstherrlich, unterkühlt und über alle Maßen herrisch – mit anderen Worten: eine der schrecklichsten und unsympathischsten Liebesromanheldinnen, die man sich vorstellen kann. Constantine, der zunächst ein wenig blass wirkt, durchschaut ihr Spiel von Anfang an; seine Reaktion darauf ist zwiespältig: Einerseits lässt er sich darauf ein, andererseits hält er aber auch dagegen, weshalb es zuächst vorrangig um Kontrolle, Macht und Manipulation geht – nicht gerade mein bevorzugtes Thema bei einem Liebesroman.

Im Verlauf der Handlung aber, etwa mit Beginn des zweiten Drittels, wandelt sich dann das Bild mehr und mehr. Constantine erkennt, dass Hannah – ebenso wie er selbst – einige Geheimnisse mit sich herumträgt, und er erlebt einige Überraschungen, als er diese aufdeckt. Schritt für Schritt lernt er eine andere Hannah kennen, die Hannah, die hinter der Maske der eingebildeten Schönheit verborgen ist und die der Öffentlichkeit normalerweise verborgen bleibt: eine warmherzige, gefühlvolle Frau. Im Gegenzug offenbart er Hannah seine eigenen Geheimnisse, die ein neues Licht auf seine Figur werfen.

Vom schwachen Start abgesehen ist das Buch einfach ganz typisch Balogh, zumal der Plot im Grunde der gleiche ist wie bei den vier vorherigen Huxtable-Büchern. »A Secret Affair« erzählt von einer wachsenden Liebe zwischen zwei starken Persönlichkeiten, die aus einem zunächst eher praktisch motivierten Arrangement das Beste machen. Innovativ ist die Geschichte mit anderen Worten zwar nicht wirklich, aber sie ist gut erzählt und beinhaltet interessante und glaubwürdige Protagonisten – nachdem sie erst mal ihre Masken abgelegt haben und ihr wahres Ich zeigen. Ebenfalls typisch Balogh ist, dass es – obwohl sich das Buch zunächst vorrangig um eine Affäre dreht – keine nennenswerten Sexszenen gibt, und dass der Wert von Familie und Freundschaft betont wird. So begegnet man natürlich auch den anderen Huxtables nebst ihrem Anhang wieder, die zum Teil gewichtige Auftritte haben und den Seriencharakter unterstreichen; die fünf Bücher sind allerdings problemlos auch unabhängig voneinander lesbar (wobei ich davon ausgehe, dass sie dann etwas weniger Spaß machen).

Fazit:
11/15 – Nach einem schwachen Start aufgrund der sehr eigenen Persönlichkeit der Herzogin, entwickelt sich das Buch mehr und mehr zu einer typischen Balogh-Geschichte, die alles in allem sehr solide Liebesromanunterhaltung bietet.

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Serieninfo: The Huxtables:
01 First Comes Marriage (Rezension)
02 Then Comes Seduction (Rezension)
03 At Last Comes Love (Rezension)
04 Seducing an Angel (Rezension)
05 A Secret Affair (Rezension)

[Rezension] Julia Quinn: Ten Things I Love About You

The Bevelstokes, Book 3

Inhalt:
London, 1822. Annabel Winslow, das älteste von acht Kindern, soll durch eine gute Partie ihre verarmte Familie retten. Sie wird vom Land nach London geschickt, wo ihre Großmutter ihr eine Saison ermöglicht. Tatsächlich zeigt der Earl of Newbury reges Interesse an ihr – er braucht auf seine alten Tage dringend einen Erben, damit sein Titel, sein Besitz und sein Vermögen nach seinem Tod nicht an seinen verhassten Neffen Sebastian Grey fallen. Trotz des beträchtlichen Altersunterschieds ist Annabel eigentlich fest entschlossen, ihre Pflicht zu erfüllen, doch dann lernt sie ausgerechnet besagten Sebastian Grey kennen und verliebt sich in ihn …

Kommentar:
Zehn Gründe, warum dieses Buch zwar alles in allem ganz nett ist, aber bei Weitem nicht an andere Bücher der Autorin heranreicht.

Eins: Die Geschichte ist ziemlich dünn; insbesondere in der ersten Hälfte passiert sehr wenig und die Handlung mutet aufgeblasen an. Zwei: Wenn sich die beiden Helden mal treffen – was anfangs nicht allzu häufig der Fall ist –, schäkern und scherzen sie, die Dialoge sind aber sehr oberflächlich und erscheinen relativ bemüht auf witzig und flapsig getrimmt. Drei: Lord Newburys extreme Abneigung gegen Sebastian sowie sein ganzes Auftreten und Verhalten am Ende des Buches sind wenig glaubwürdig; die Konfrontation zwischen ihm und Sebastian sowie sein Angriff auf Annabel sind einigermaßen überzogen. Vier: Die Sexszene zwischen Annabel und Sebastian erscheint deplatziert und nur der Vollständigkeit halber angehängt, weil in so ein Buch nun mal eine Sexszene zwischen den Protagonisten gehört. Ungewöhnlich für Julia Quinn ist auch fünf: dass vor allem im ersten Teil des Buchs ihr typischer feinsinniger Humor viel zu kurz kommt und durch maßlos ausgewälzte Witze und endlose Wortwiederholungen ersetzt wird – was ganz schön nervt.

Punkten kann das Buch aber mit sechs: einer wunderbare Heldin, die durch ihre Natürlichkeit und Liebenswürdigkeit beeindruckt, und sieben: einem ebenso wunderbaren Helden, der ein ehemaliger Scharfschütze ist und unter weiblichem Pseudonym Schauerromane schreibt. Obwohl eine Verbindung zwischen den beiden zunächst ausgeschlossen scheint, kann man acht: die wachsende Liebe zwischen den beiden spüren und tatsächlich nachvollziehen. Diesen wunderbaren, warmherzigen, witzigen Protagonisten stehen neun: bemerkenswerte und liebenswerte Freunde zur Seite, vor allem in Gestalt von Annabels adlige Cousine Luisa, die hoffentlich bald ihr eigenes Buch kriegen wird (ich bin mir ziemlich sicher!), sowie Sebastians liebenswerte Cousine Olivia, die Protagonistin aus »What Happens in London«.

Das alles führt zu zehn: Vor allem die Figuren retten das Buch, für das das gleiche gilt wie schon für die beiden Vorgänger in dieser Serie: Es gibt zwei sehr unterschiedliche Hälften. Hier kann der erste Teil der Geschichte leider überhaupt nicht überzeugen, während der zweite das Buch immerhin auf 8/15 Punkten hebt (wobei da evtl. ein kleiner Quinn-Bonus inkludiert sein mag, der andererseits wahrscheinlich durch die hohe Erwartungshaltung neutralisiert wird!).


Serieninfo:
01 The Secret Diaries of Miss Miranda Cheever (Rezension) | Für immer und ewig, Viscount (Cora)
02 What Happens in London (Rezension)
03 Ten Things I Love About You

[Rezension] Jens Lossau/Jens Schumacher: Der Elbenschlächter

1. Teil der IAIT-Serie

Inhalt:
In den Straßen Nophelets, der Hauptstadt des Königreichs Sdoom, werden in rascher Folge die Leichen von fünf Elbenjünglingen gefunden. Als bekannt wird, dass die Opfer auf magischem Wege ihres gesamten Bluts beraubt wurden, bricht Unruhe unter der Bevölkerung aus. Ein Fall für das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie, das sich der Aufklärung magischer Verbrechen verschrieben hat. Seine besten Mitarbeiter, Meister Hippolit und der Troll Jorge, werden ausgeschickt, um dem mysteriösen Elbenschlächter auf die Spur zu kommen. Die Entdeckungen, die sie dabei machen, überraschen jedoch sogar die beiden erfahrenen Ermittler …

Kommentar:
Um es vorweg zu nehmen: Wer glaubt, mit diesem Buch – wie angepriesen – einen echten Thriller zu erhalten, der im Fantasy-Milieu spielt, wird möglicherweise eine Enttäuschung erleben: Mit einem spannungsgeladenen Thriller hat »Der Elbenschlächter« nämlich ebenso wenig zu tun wie ein Miss-Marple-Krimi. Es handelt sich bei der Koproduktion der beiden deutschen Autoren Lossau und Schumacher eher um einen durchschnittlich spannenden fantastischen Krimi, der relativ leicht durchschaubar ist, aber deshalb nicht weniger gut unterhält – mit seinem grandiosen Ermittlerpaar Hippolit und Jorge nämlich, das gegensätzlicher nicht sein könnte und in allerlei skurrile Situationen gerät.

Meister Hippolit ist ein Magier oder genauer: ein hochqualifizierter Thaumaturg und Lichtadept, dessen Intelligenz und magische Fähigkeiten außergewöhnlich sind. Er hat allerdings ein Problem: Infolge eines verunglückten Verjüngungsrituals sieht er aus wie ein 14-jähriger Albinojunge, weshalb man ihm trotz seiner gehobenen Stellung vielfach überhaupt nicht mehr ernst nimmt und für einen Aufschneider hält – selbst der Einkauf von Zauberzutaten wird da zur Herausforderung. Wie praktisch, dass ihm der Troll Jorge zur Seite steht, der Hippolit jederzeit mit (im wahrsten Sinne des Wortes) schlagkräftigen Argumenten zu unterstützen bereit ist. Jorge ist nicht nur eher einfach gestrickt und von »handfester Natur«, sondern außerdem – typisch Troll – den sinnlichen Freuden des Lebens zugeneigt; sein Denken dreht sich folglich häufig um Sex, Essen und Trinken, sodass er seinen Auftrag mitunter schon mal kurzfristig aus den Augen verliert. Da seine Spezies ganz offensichtlich über eine Art trollsche Bauernschläue verfügt, wird er nicht müde, Hippolit, andere Gesprächspartner und nicht zuletzt auch sich selbst bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit mit mehr oder weniger hilfreichen Trollsprichwörtern zu versorgen, bei denen er sich aber nicht selten verzettelt und die bisweilen auch ein klein wenig kontraproduktiv sind: »Wir Trolle haben da ein Sprichwort, und es geht so: Schwarze Schafe sind … ähm, na ja, schwarz. Vergiss es.« (S. 165)

Die fantastische Welt ist nicht übermäßig komplex und bietet außer einigen neuen bzw. verdrehten Begriffen wenig, was noch nicht da war. So tummeln sich alle möglichen bekannten Fantasygestalten wie Vampyre, Elben, Trolle und Reptilienmenschen in der Stadt, und auch die Zauber und Rituale erscheinen irgendwie vertraut. Ich persönlich finde das nicht schlimm – im Gegenteil –, wer allerdings von einer Fantasyserie einen komplett neuen, innovativen Weltenaufbau erwartet, wird hier eher nicht auf seine Kosten kommen.

Fakt ist: Man muss den Humor der Autoren und die beiden Protagonisten mögen, insbesondere den völlig überzogenen, grobschlächtigen Jorge, mit dem das Buch meinem Empfinden nach steht und fällt. Ich selbst habe zwei, drei Kapitel gebraucht, bis ich mich eingelesen hatte; sobald es soweit war, habe ich die skurrilen bis zynischen Beschreibungen aber extrem genossen und die Leute in meiner Umgebung immer wieder mit lautem Lachen irritiert. Mich hat das Buch teilweise ein wenig an die Karenta-Serie von Glenn Cook und an die Thraxas-Serie von Martin Scott erinnert; wer diese beiden Serien mochte, wird vermutlich auch die Fälle des IAIT mögen (und umgekehrt).

Fazit:
13/15 – Keine bahnbrechender, aber ein extrem unterhaltsamer und amüsanter Fantasy-Krimi, der allerdings weniger mit seiner Krimihandlung als mit den skurrilen Situationen, Dialogen und Figuren punktet – immer vorausgesetzt, man mag diese Art von Humor. Mir hat das Buch richtig Lust auf mehr gemacht, ich erwarte gespannt den nächsten Teil.


Serieninfo:
01 Der Elbenschlächter – 13/15
02 Der Orksammler – 8/15
03 Der Schädelbrecher (Herbst 2011)

[Rezension] Meredith Duran: Wicked Becomes You

Inhalt:
Gwen Maudsley hat alles, was eine Frau sich nur wünschen kann; das einzige, was ihr zu ihrem Glück fehlt, ist ein Mann. Als sie allerdings zum zweiten Mal vor dem Altar sitzen gelassen wird, hat sie genug davon, die Erwartungen der Gesellschaft zu erfüllen, denn was hat es ihr gebracht? Sie beschließt, das Leben ab sofort zu genießen, Abenteuer zu erleben und so richtig verwegen zu sein – und wer könnte sie besser unterweisen als Alex Ramsey, der verrufene Freund ihres verstorbenen Bruders?

Kommentar:
Hohe Erwartungen aufgrund früherer bemerkenswerter Bücher sind oft eine Krux – doch nicht so bei Meredith Duran. Auch das dritte Buch, das ich nach »Duke of Shadows« (13/15) und »Bound by Your Touch« (13/15) von ihr gelesen habe, überzeugt auf ganzer Linie mit einer guten Geschichte und wundervollen Figuren.

Die allseits beliebte Gwen Maudsley ist zwar nicht adliger Abstammung, ihr sagenhafter Reichtum in Kombination mit ihrem untadeligen Ruf ermöglicht ihr allerdings dennoch den Zugang zur Londoner High Society. Vor allem ihr Erbe lockt zahlreiche Männer an, doch mit denen hat Gwen ganz offensichtlich kein gutes Händchen: Bereits zum zweiten Mal wird sie kurz vor der Hochzeit von ihrem Verlobten verlassen. Kaum hat sie den ersten Schock überwunden, wandelt sich ihre Trauer in Trotz, und sie beschließt, ihr behütetes Dasein hinter sich zu lassen und stattdessen das Leben zu genießen. Nicht nur Alex Ramsey, dem sie kurz nach der geplatzten Hochzeit einen Kuss abringt, hält sie für überspannt, sondern auch ihre Verwandten und Freunde; dennoch setzt sie ihren Willen durch und reist in Begleitung ihrer Anstandsdame nach Paris, um dort Abenteuer zu erleben. Dass auch Alex sich dort aufhält, kommt ihr nicht ungelegen, denn er ist genau der richtige Lehrer.

Der verrufene Alex Ramsey kennt Gwen schon seit Jahren, denn er war der beste Freund ihres verstorbenen Bruders Richard. Gwen war der Grund für einen Streit zwischen den Freunden, der in letzter Konsequenz zu Richards Tod führte und Alex bis heute verfolgt. Er weigert sich strikt, etwas anderes als brüderliche Gefühle für das Mädchen zuzulassen – oder zumindest versucht er es. Außerdem hat er anderes in Paris zu tun, als sich im Gwen zu kümmern; er will herausfinden, warum sein Bruder eines seiner Landgüter an einen dubiosen Geschäftsmann veräußert hat und dieses zurückkaufen.

Natürlich treffen die beiden in Paris aufeinander, und Alex begleitet Gwen auf ihren Abenteuern und bei den teilweise äußerst amüsanten Versuchen, verwegen zu sein – indem sie zum Beispiel Gläser wirft, diese aber anschließend pflichtschuldig bezahlt (und zwar nicht zu knapp). Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Gwen unwiderstehlich veführerisch ist, sodass Alex seine guten Vorsätze, die Finger von ihr zu lassen, nicht lange einhalten kann. Ob amüsant, sexy oder ernsthaft, ob in Paris, entlang der Côte Azur, wohin die Reise die beiden führt, oder zurück in London – jede Szene hat Atmosphäre, bietet amüsante Unterhaltung und ist gleichzeitig ein Schritt auf dem Weg zu einer neuen Beziehung zwischen Gwen und Alex. Einzig die Komplikation zwischen den beiden am Ende sowie die etwas konstruiert wirkende Auflösung um das verkaufte Landgut durch den Bruders sind ein wenig viel, das tut dem Lesevergnügen aber kaum einen Abbruch. Vor allem angesichts des an sich völlig ausgelutschten Plots – braves Mädchen beschließt, ein böses Mädchen zu werden und hängt sich deshalb an einen Schwerenöter – ist das eine beachtliche Leistung.

Fazit:
14/15 – Ein Liebesroman mit Witz und Verstand – Meredith Duran hat sich mit diesem Buch endgültig als eine meiner Lieblingsautorinnen etabliert.