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[Rezension] Jens Lossau/Jens Schumacher: Der Elbenschlächter

1. Teil der IAIT-Serie

Inhalt:
In den Straßen Nophelets, der Hauptstadt des Königreichs Sdoom, werden in rascher Folge die Leichen von fünf Elbenjünglingen gefunden. Als bekannt wird, dass die Opfer auf magischem Wege ihres gesamten Bluts beraubt wurden, bricht Unruhe unter der Bevölkerung aus. Ein Fall für das IAIT, das Institut für angewandte investigative Thaumaturgie, das sich der Aufklärung magischer Verbrechen verschrieben hat. Seine besten Mitarbeiter, Meister Hippolit und der Troll Jorge, werden ausgeschickt, um dem mysteriösen Elbenschlächter auf die Spur zu kommen. Die Entdeckungen, die sie dabei machen, überraschen jedoch sogar die beiden erfahrenen Ermittler …

Kommentar:
Um es vorweg zu nehmen: Wer glaubt, mit diesem Buch – wie angepriesen – einen echten Thriller zu erhalten, der im Fantasy-Milieu spielt, wird möglicherweise eine Enttäuschung erleben: Mit einem spannungsgeladenen Thriller hat »Der Elbenschlächter« nämlich ebenso wenig zu tun wie ein Miss-Marple-Krimi. Es handelt sich bei der Koproduktion der beiden deutschen Autoren Lossau und Schumacher eher um einen durchschnittlich spannenden fantastischen Krimi, der relativ leicht durchschaubar ist, aber deshalb nicht weniger gut unterhält – mit seinem grandiosen Ermittlerpaar Hippolit und Jorge nämlich, das gegensätzlicher nicht sein könnte und in allerlei skurrile Situationen gerät.

Meister Hippolit ist ein Magier oder genauer: ein hochqualifizierter Thaumaturg und Lichtadept, dessen Intelligenz und magische Fähigkeiten außergewöhnlich sind. Er hat allerdings ein Problem: Infolge eines verunglückten Verjüngungsrituals sieht er aus wie ein 14-jähriger Albinojunge, weshalb man ihm trotz seiner gehobenen Stellung vielfach überhaupt nicht mehr ernst nimmt und für einen Aufschneider hält – selbst der Einkauf von Zauberzutaten wird da zur Herausforderung. Wie praktisch, dass ihm der Troll Jorge zur Seite steht, der Hippolit jederzeit mit (im wahrsten Sinne des Wortes) schlagkräftigen Argumenten zu unterstützen bereit ist. Jorge ist nicht nur eher einfach gestrickt und von »handfester Natur«, sondern außerdem – typisch Troll – den sinnlichen Freuden des Lebens zugeneigt; sein Denken dreht sich folglich häufig um Sex, Essen und Trinken, sodass er seinen Auftrag mitunter schon mal kurzfristig aus den Augen verliert. Da seine Spezies ganz offensichtlich über eine Art trollsche Bauernschläue verfügt, wird er nicht müde, Hippolit, andere Gesprächspartner und nicht zuletzt auch sich selbst bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit mit mehr oder weniger hilfreichen Trollsprichwörtern zu versorgen, bei denen er sich aber nicht selten verzettelt und die bisweilen auch ein klein wenig kontraproduktiv sind: »Wir Trolle haben da ein Sprichwort, und es geht so: Schwarze Schafe sind … ähm, na ja, schwarz. Vergiss es.« (S. 165)

Die fantastische Welt ist nicht übermäßig komplex und bietet außer einigen neuen bzw. verdrehten Begriffen wenig, was noch nicht da war. So tummeln sich alle möglichen bekannten Fantasygestalten wie Vampyre, Elben, Trolle und Reptilienmenschen in der Stadt, und auch die Zauber und Rituale erscheinen irgendwie vertraut. Ich persönlich finde das nicht schlimm – im Gegenteil –, wer allerdings von einer Fantasyserie einen komplett neuen, innovativen Weltenaufbau erwartet, wird hier eher nicht auf seine Kosten kommen.

Fakt ist: Man muss den Humor der Autoren und die beiden Protagonisten mögen, insbesondere den völlig überzogenen, grobschlächtigen Jorge, mit dem das Buch meinem Empfinden nach steht und fällt. Ich selbst habe zwei, drei Kapitel gebraucht, bis ich mich eingelesen hatte; sobald es soweit war, habe ich die skurrilen bis zynischen Beschreibungen aber extrem genossen und die Leute in meiner Umgebung immer wieder mit lautem Lachen irritiert. Mich hat das Buch teilweise ein wenig an die Karenta-Serie von Glenn Cook und an die Thraxas-Serie von Martin Scott erinnert; wer diese beiden Serien mochte, wird vermutlich auch die Fälle des IAIT mögen (und umgekehrt).

Fazit:
13/15 – Keine bahnbrechender, aber ein extrem unterhaltsamer und amüsanter Fantasy-Krimi, der allerdings weniger mit seiner Krimihandlung als mit den skurrilen Situationen, Dialogen und Figuren punktet – immer vorausgesetzt, man mag diese Art von Humor. Mir hat das Buch richtig Lust auf mehr gemacht, ich erwarte gespannt den nächsten Teil.


Serieninfo:
01 Der Elbenschlächter – 13/15
02 Der Orksammler – 8/15
03 Der Schädelbrecher (Herbst 2011)

13 Kommentare zu [Rezension] Jens Lossau/Jens Schumacher: Der Elbenschlächter

  • ela

    Hi,

    tolle Rezension!
    Mir hat das Buch auch sehr gut gefallen und auch ich warte schon gespannt auf den nächsten Teil. Denke mal ich werd wieder eine Reihe mehr sammeln *gg*

    LG Ela

  • Danke für die Rezi, ich habe das Buch noch als Reziexemplar vor mir und freue mich jetzt richtig drauf (hört sich etwas Pratchett-mäßig an) :)

  • Da müssen dann bald die Regale wieder ausgebaut werden, Ela! :)

    Kerstin: Ich muss gestehen, ich hab noch nie nen Pratchett gelesen! Irgendwie schien mir das nix für mich zu sein – ich hab schon nen Affen gekriegt, als ich die ganzen Fußnoten gesehen habe!

  • Ah, schön, dass dir das Buch gefallen hat, das habe ich auch noch auf meiner Wunschliste stehen! Allerdings ist Humor ja wirklich etwas sehr eigenes – und ich bin gespannt, ob mir die Figuren dann ebenso gut gefallen wie dir! :)

  • Winterkatze: Würde mich sehr interessieren, ob du den Humor magst! Schlag zu und lies! :)

  • Ich bin ja eigentlich kein Fantasy-Fan, aber nach deiner Rezension hätte ich schon Lust, das Buch zu lesen! Ich werd mal sehen, ob ich irgendwo eine Leseprobe auftreibe. Pratchett find ich übrigens klasse – ich habe nicht allzu viel von ihm gelesen, aber er hat sehr witzige, originelle Ideen.

  • Falls du es nicht inzwischen schon gesehen hast, Susi: Bei Lyx ist das erste Kapitel online -> KLICK!

  • Haha. Großartig! Ich glaube das ist was für mich. Und meine Kollegin hat gerade heute wahnsinniges Glück, daß ich kein Troll bin (siehe Troll-Regel Nr. 3)

  • Ich habe gestern schon mal versucht, eine Antwort zu schreiben, aber das ist leider oft der Fall, dass mich dieser CAPTCHA-Code nicht vorbeilässt. Oft erkenne ich nicht, was für Buchstaben abgebildet sind und … es nervt! :(
    Zum Buch: Nach der Rezi noch weniger Lust, es zu lesen und ich staune, dass es so gut bei Dir weggekommen ist. Kapitel 1 ist ja nun wenig überzeugend. Aber Humor ist ja immer so eine Sache …
    Was ich nicht ganz verstanden habe: Im Oktober kommt Teil 2. Ist das dann ein neuer Fall für die Fantasy-Ermittler oder ist der hier noch gar nicht aufgeklärt? –> Könnte man auch mit Teil 2 beginnen?

  • Soleil: Wenn du solche Probleme mit dem Captcha hast, solltest du dich vielleicht registrieren – dann musst du ihn nämlich nicht mehr eingeben. (Außer beim Registrieren.)

    Zum Buch: Wie du schon sagst, Humor ist so ne Sache … und auf meiner Wellenlänge liegen Lossau/Schumacher erfreulicherweise. Und zwar total.

    Der Fall um den Elbenschlächter ist mit diesem Band komplett abgeschlossen; man kann m.E. völlig problemlos mit Band 2 beginnen. Allerdings schätze ich, dass der Humor derselbe sein wird, insofern bezweifle ich, ob du mit Band 2 mehr anfangen kannst.

  • Meinen Humor haben die beiden nicht getroffen, aber er ist ja nun auch subjektiv. Allerdings hat mich auch der Plot nicht wirklich überzeugt und mit Hippolit und Jorge wurde ich nicht so recht warm. Nein, war nicht so mein Buch ;)

  • Ich kann verstehen, dass dich der Plot nicht überzeugt hat – ich fand den ja auch nicht gerade bahnbrechend. Wenn jemand den Humor nicht mag, bleibt folglich nicht viel, was einen am Buch überzeugen kann – insofern kann ich gut nachvollziehen, dass es nicht deins war! :)

  • *nickt lächelnd*
    Liebe Grüße!

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