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[Rezension] Megan Hart: Callboys. Die Schönen der Nacht

Originaltitel: Strangers

Inhalt:
Grace trifft sich mit Callboys. Beziehungen schaffen nur Probleme, davon ist sie überzeugt und hat sich für die radikale Lösung entschieden: Sie bezahlt fremde Männer, um heißen, hemmungslosen Sex ohne jede Verpflichtung zu genießen. So werden all ihre erotischen Fantasien erfüllt, alle Begierden befriedigt, und Grace fühlt sich wunschlos glücklich. Bis sie Sam trifft. Was ist so anders an dem sexy Musiker, dass sie plötzlich nie gekannte Sehnsüchte verspürt? Mit aller Kraft versucht sie ihn zu vergessen …

Kommentar:
Wie schon die beiden Vorgänger, lässt mich auch das dritten Buch von Megan Hart mit gespaltenen Gefühlen zurück. Wieder weiß ich nicht, ob ich das Buch eigentlich richtig gut oder doch nur durchschnittlich finde, und wieder bin ich der Meinung, dass das Buch trotz zahlreicher Sexszenen nicht ins Genre »Erotikroman« passt – obwohl ich nicht begründen kann, warum das Prickeln zwischen den Figuren nicht bei mir ankommt. Möglicherweise liegt es am Stil der Autorin bzw. der Übersetzerin Ira Severin, der auf mich über weite Strecken relativ distanziert, sachlich und eher beschreibend als erzählend wirkt; es mangelt einfach an Emotionalität und Lebendigkeit – was auch für die nüchtern wirkenden Figuren gilt, die einem dadurch fremd bleiben.

Grace selbst ist Bestatterin, und die Trauer der Angehörigen, die sie von Berufs wegen immer wieder mitansehen muss, ist der Grund, warum sie eine Beziehung so strikt ablehnt: Sie möchte dieses Leid nie selbst erleben und sich deshalb an niemanden binden. Da sie aber hin und wieder einen Begleiter für verschiedene Zwecke, nicht zuletzt auch für Sex braucht, mietet sich sich Männer bei einer Begleitagentur, die ihre jeweiligen Bedürfnisse erfüllen. So trifft sie zu Beginn des Buches auf Sam. Sam ist zwar kein Callboy, sie hält ihn aber für einen und hat sensationellen Sex mit ihm; erst hinterher erfährt sie, dass ein Missverständnis vorlag und er nicht ihre eigentliche Verabredung war. Wie es der Zufall will, trifft sie Sam in ihrem Bestattungsinstitut zufällig wieder, und er beginnt, sie zu umgarnen. Da Grace aber nach wie vor keine Beziehung will, mietet sie den Callboy Jack, der ihre Gedanken an Sam wenigstens stundenweise vertreiben soll – was ihm auch gelingt. Dann allerdings entwickelt sich auch das Verhältnis zu Jack in eine Richtung, die Grace nicht gefällt; sie muss sich also gleich mit zwei sehr unterschiedlich gearteten Beziehungen herumschlagen.

Hinzu kommen – wie bei der Autorin üblich – Familienprobleme, die es zu lösen gilt. Vor allem Graces Eigenständigkeit bzw. ihr Abnabelungsprozess vom Vater, der Grace das Familienunternehmen vererbt hat, sich aber permanent in ihre Angelegenheiten einmischt, ist ein zentrales Thema. Und auch Sam hat Probleme mit seiner Familie, die ihn mehr belasten als es zu nächst den Anschein hat, und die dafür sorgen, dass seine Beziehung zu Grace alles andere als glatt verläuft. Als wäre das nicht genug an Themen, führt Hart außerdem noch die Beziehungen anderer Leute nebst dazugehöriger Lebenskrisen ein – was einfach ein bisschen viel ist, zumal darüber hinaus auch noch das Leid der Verwandten von Verstorbenen gezeigt wird. Graces Umgang mit den Angehörigen bzw. deren Umgang mit ihrer Trauer gehört zu den Highlights des Buches und ist bei aller Sachlichkeit der Darstellung an einigen Stellen sehr rührend und bedrückend. Dennoch passiert hier, was ich bei einer Vielzahl ausgeführter Themen innerhalb einer einzigen Geschichte oft so empfinde: Ich beginne, mich – zumindest phasenweise – zu langweilen, weil mir die einzelnen Aspekte zum Teil zu oberflächlich abgehandelt werden bzw. mir die dazugehörigen Figuren fremd sind.

Ob die von mir so empfundene Nüchternheit bzw. berichtenden Erzählweise des Buches auf die Autorin oder die Übersetzung zurückzuführen ist, kann ich nicht sagen, da ich das Original nicht kenne. Die Übersetzung scheint mir jedenfalls – und das ist ja heute leider wirklich bemerkenswert – alles in allem recht gut gelungen, allerdings gibts auch den einen oder anderen Ausreißer, etwa in Gestalt von Sätzen wie »Ich zog ihm das Kondom über und Sekunden später mich selbst« (S. 30). Darüber hinaus finde ich die Vorstellung eines Mundes, der sich über einen anderen »stülpt«, ebenso wie den äußerst lächerlichen und antiquiert anmutenden Begriff »Schwengel« für den männlichen Penis mehr als abtörnend. Bitte, liebe Erotikübersetzer, verschont uns doch mit solchen Wörtern, die eher Assoziationen mit Saugglocken und Pumpen bzw. Glocken wecken!

Fazit:
11/15 – Ein gutes Buch, dem allerdings die Einkürzung des einen oder anderen Erzählstrangs sowie mehr Emotionen gut getan hätten, um die an sich schöne (Haupt-)Geschichte perfekt zu machen.

Nebenbemerkung:
Das Buch hängt zusammen mit »Dirty«, dessen Protagonisten Dan (Sams Bruder) und Ellie hier ebenso eine Rolle spielen wie Jack.

[Rezension] Sarah Nikolai: Schattenreiter

Inhalt:
Die junge Berlinerin Jorani kommt nach South Dakota, um den Sommer bei ihrer Tante zu verbringen. Als sie eines Abends von einer Jugendgang attackiert wird, taucht der gutaussehende Rin auf und schlägt die Angreifer in die Flucht. Jorani fühlt sich zu ihm hingezogen, doch obwohl Rin ihre Gefühle offenbar erwidert, weist er sie zurück. Dann entdeckt Jorani Rins Geheimnis: Er ist ein Kentaur – und darf sich nicht ohne weiteres mit einer Menschenfrau einlassen.

Kommentar:
Ein Kentaur als Liebesromanheld – diese Idee hat sofort mein Interesse geweckt. Prinzipiell ist die Geschichte auch nett umgesetzt, nur leider fühle ich mich der Zielgruppe längst entwachsen, denn das Buch ist m.E. keineswegs ein paranormaler Liebesroman für Erwachsene. Die Autorin hat mir auf Nachfrage mitgeteilt, dass »Schattenreiter« für junge Erwachsene gedacht ist; meinem Empfinden nach handelt es sich sogar um ein Buch für jüngere Jugendliche. Entsprechend naiv wirkt die Protagonistin bisweilen auf mich, und auch Handlung und Sprache machen einen eher schlichten Eindruck – was ja für die Zielgruppe völlig in Ordnung ist, mir »ollen Hippe« aber halt nicht reicht. Sehr gut gelungen sind der Mythos, der hinter Rins Kentaurendasein steckt, sowie Geschichte, Glaube und Riten seines Volkes.

Obwohl wie gesagt die Erwähnung des Kentaurs mein Interesse an diesem Buch geweckt hat, finde ich es andererseits doch auch ein wenig schade, dass Rins Identität als Kentaur schon im Klappentext verraten wird. Die Aufdeckung seines Geheimnisses hätte dem Buch in der ersten Hälfte nämlich ein Stück mehr Spannung verleihen können – und Spannung hätte wirklich nicht geschadet, denn die Geschichte läuft letztendlich schon sehr glatt und relativ stringent ab.

Fazit:
Ich glaube, dass das Buch Jugendlichen und vielleicht auch jungen Erwachsenen gut gefallen könnte, verzichte aber auf eine Wertung, weil ich mich einfach nicht wirklich in der Lage fühle, ein Buch für diese Zielgruppe zu beurteilen. Ärgerlich finde ich aber einmal mehr, dass nicht klar ersichtlich ist, dass man es hier mit einem Buch für jüngere Leser zu tun hat – zumal man ein solches Buch im Ullstein Verlag, der ja nicht gerade für sein Jugendprogramm bekannt ist, auch nicht erwartet. Ich verstehe nach wie vor nicht, wieso die Verlage billigend schlechte Kritiken von verärgerten Lesern in Kauf nehmen, die aufgrund unpassender Klappentexte und Einordnung etwas Falsches erwartet haben.

[Rezension] Andrea Pickens: Geliebte Spionin

Originaltitel: The Spy Wore Silk
Serie: Merlin’s Maidens, Teil 1

Inhalt:
Einst waren sie Waisenkinder aus den rauen Londoner Slums – nun sind sie auserwählt, an »Mrs. Merlin’s Academy for Select Young Ladies« die Kunst der Spionage und der Verführung zu erlernen. Die begabteste dieser Spioninnen ist Siena, die sowohl scharfe Klingen als auch ihre unwiderstehliche Sinnlichkeit einzusetzen weiß. Sie soll als Kurtisane die feine Londoner Gesellschaft aufmischen und in einer exklusiven Gruppe von Büchersammlern einen Verräter entlarven. Ihr Hauptverdächtiger ist Lord Kirtland, der sich jedoch als ebenso geheimnisvoll wie verführerisch erweist. Und schon bald sieht Siena sich vor die Wahl gestellt: Entweder folgt sie ihrem Verstand – oder ihrem Herzen …

Kommentar:
Geschlagene sieben Tage habe ich gebraucht, um dieses Buch zu lesen, weil ich so gelangweilt davon war, dass ich nach spätestens zehn Seiten die Lust verloren habe. In einem wahren Kraftakt hab ichs dann heute morgen im Schnelldurchgang hinter mich gebracht – muss ich mehr sagen?

Ich bin ohnehin kein großer Freund von Spionagegeschichten, dieses Buch zählt unglücklicherweise auch noch zu den weniger guten Werken des Genres. Die Geschichte ist nämlich nicht nur langweilig, sondern darüber hinaus – inklusive der Auflösung – ziemlich hanebüchen. Außerdem ist Superheldin Siena trotz ihrer angeblich grandiosen Talente nicht gerade eine begnadete Spionin – sie verliebt sich direkt bei ihrem ersten Auftrag in den Verdächtigen Kirtland und gibt nicht viel später ihre Tarnung komplett auf, weil sie einfach fühlt, dass er unschuldig ist. Das nenn ich doch mal eine fundierte Einschätzung! Zugegebenermaßen kann sie ganz gut mit diversen Waffen sowie ihrer Haarnadel umgehen, sodass die Möglichkeit besteht, weggeschlossene geheime Briefe in ihren Besitz zu bringen; so findet sie etwa heraus, dass einer der Verdächtigen sich zum Tatzeitpunkt in »Dr. Erector’s Health Spa« wegen Erektionsstörungen hat behandeln lassen. (Haha.) Im Grunde beschränkt sich ihre Spionagetätigkeit aber auf sexy Auftritte, ermüdende und planlos wirkende Gespräche und wenig aufschlussreiche Observationen aller Art, die aber immerhin für Siena selbst zielführend sind. So schließt sie zum Beispiel aus dem Umgang Kirtlands mit seinen Haustieren (Hund und Katze), dass ein Mensch, der Tiere liebt, kein »Bösewicht« sein kann, und auch das Studium des nackten Lords führt zu ganz neuen Erkenntnissen für die Jungfrau (die übrigens vorgibt, eine Kurtisane zu sein und einen Beschützer zu suchen). Nicht nur hat sie Gelegenheit, seine »ziselierten Muskeln und Sehnen … sanft wie Marmor, hart wie Granit« zu bewundern, nein, sie sieht auch erstmals in natura diese gewissen männlichen Körperteile, die ihr Lehrer immer so poetisch als »Familienschmuck« bezeichnet hat. Scharfsinnig, wie sie nunmal ist, erkennt sie augenblicklich, dass der Earl zu den reichsten Männern Englands zählen muss:

Das rabenschwarze lockige Dach stach ab von der marmornen Helligkeit seiner Schenkel und sah aus wie die Krone seiner Männlichkeit. Siena hatte eine Reihe klassischer Götter gesehen, die sich ihr in all ihrer aufgereckten Glorie präsentiert hatten. Aber sogar im Ruhezustand trieb der Reichtum des Earls dem gesamten Olymp die Röte ins Gesicht. (S. 113)

Kein Wunder, dass der Guten ein »frecher Hitzeschwall über die Wangen flog«, wenn so unversehens Dächer in ihr Blickfeld rücken zwischen all der Glorie und dem Reichtum! Da kann man schon mal den Kopf verlieren und seine Aufgaben vergessen, sodass man schließlich selbst verdächtigt wird, eine Verräterin zu sein und in einem hochdramatischen Finale seine Loyalität unter Beweis stellen und trotz aller Supertalente gerettet werden muss.

Sagte ich schon, dass Siena noch nicht persönlich mit »prallen Lenden« zu tun hatte?! Das ist gar nicht schlimm, denn sie ist ja – wie wir wissen – in allen Bereichen außergewöhnlich talentiert, also auch in Liebesdingen. Dank Kirtlands tatkräftiger Mithilfe (»Halt mich fest, Julian. Richte mich mit deiner Kraft wieder auf!«) jubelt und jubiliert man also gemeinsam in einem »bebenden Auf und Ab«, während der Krösus seinen Samen in ihr verströmt. Und weil wir nun mal in einem Liebesroman sind, führt diese wundervolle gemeinschaftliche Erfahrung zu ganz neuen schwülstigen Erkenntnissen: »Obwohl ihre Körper nicht mehr verbunden waren, spürte er noch das innere Band zwischem sich und Black Dove [ihr »Künstlername«], das viel stärker war als nur das Fleisch, das für eine Weile eins gewesen war.«

Neben einer total langweiligen Spionage- und ebenso langweiligen Liebesgeschichte ohne jegliche Überraschungen erhalten wir einen Einblick in die Umgangsformen von gutsituierten Büchersammlern im 19. Jahrhundert, über die zumindest ich lieber nichts gewusst hätte. Leider muss ich trotzdem Männergesprächen beiwohnen, die sich um »mickrige Anhängsel von Schwanz, die man mit der Lupe suchen muss« drehen, und die offenbaren, dass laut der Einschätzung der charmanten Kollegen nichts in den Adern von Protagonist Kirtland fließt »außer Pisse und Blut«. Na Bravo.

Und sonst? Sonst gibts noch jede Menge Szenen, die völlig undurchsichtig sind, weil sie so schlecht beschrieben sind, dass man überhaupt nicht folgen kann und nicht weiß, was da eigentlich genau passiert. Vielleicht sind sie auch einfach nur unsinnig und entspringen der überbordenden Fantasie einer Autorin, die einfach keine guten Actionsequenzen schreiben kann und es deshalb heillos übertreibt. Möglicherweise mangelt es mir aber auch schlicht an Vorstellungsvermögen? Urteilt selbst (wenn ihr wollt):

Ein paar Sekunden später tauchten Pferd und Reiter im vollen Galopp aus dem Nebel auf.
»Aufpassen«, schrie Kirtland, als die Hufe auf die vordersten Planken schlugen, »die Brücke bricht jeden Moment ein!«
Noch während er aufschrie, wusste er, dass es zu spät war. Die Planken sackten erst zusammen und splitterten dann mit einem schauderhaften Krachen.
Der Earl trieb seinen Hengst bis zum Wasser. Vielleicht hatte der Fremde den Sturz überlebt. Es war zwar äußerst unwahrscheinlich, aber falls der Mann doch Glück gehabt hatte, konnte er wenigstens am Ufer stehen und ihm helfen, sich aus dem anschwellenden Fluss zu flüchten.
Erstaunt stellte er fest, dass der Reiter in der Lage war, den abrutschenden Hengst zu zügeln, ihm den Kopf nach vorn zu richten und das schaumbedeckte Tier zu zwingen, den Rücken zu krümmen und zu einem gewaltigen Sprung anzusetzen. Die Hufe flogen durch die Luft, der Umhang wirbelte umher. Für den Bruchteil einer Sekunde hingen Pferd und Reiter mitten in der Luft … Plötzlich befanden sie sich wieder auf festem Boden und kämpfen darum, auf der steilen Anhöhe nicht das Gleichgewicht zu verlieren.
(…)
In diesem Moment bohrte sich ein Splitter einer abgebrochenen Planke längs in den Stiefel des Fremden. Reiter und Pferd drohten, auf den felsigen Grund in der Tiefe zu stürzen. Der Earl reagierte blitzschnell, schoss gefährlich nahe an das Flussufer heran und befreite die gesplitterte Planke mit einem kräftigen Tritt. »Geben sie mir ihre Hand!«
Der Fremde schnappte sich Kirtlands ausgestreckten Arm, und der Earl drigierte seinen Hengst auf höher gelegenes Gelände. Die beiden Pferde waren jetzt über die verschlungenen Arme ihrer Reiter verbunden und versuchten, wieder in sicheren Tritt zu gelangen. (S. 37f.)

Kann irgendjemand folgen und vielleicht doch einen Sinn entdecken? Ich lese folgendes: Da bricht eine Brücke unter dem Gewicht von Pferd und Reiter zusammen, doch in einer Wundertat katapultiert sich ein Pferd im Fallen (wohlgemerkt ohne Boden unter den Hufen) in die Luft und befindet sich auf einmal auf einer Anhöhe, weil die Brücke offenbar steil nach oben führt. Hm? Obwohl ja eigentlich aus der Gefahrenzone, nämlich auf besagter Anhöhe, taucht eine mysteriöse und äußerst tückische Planke auf, die nach den Gesetzen der Schwerkraft eigentlich nach unten in den reißenden Fluss hätte fallen müssen. Tut sie aber nicht, stattdessen bohrt sich hinterhältigerweise in das Bein des Reiters, weswegen das Pferd erneut aus dem Tritt gerät. Damit der heldenhafte Earl seinen Teil zum Geschehen beitragen kann, packt er den Arm des Reiters, der jetzt eventuell doch von der Anhöhe gestürzt ist, denn der Earl befindet sich ja am Flussufer. *???* Dass die Pferde durch die Arme ihrer Reiter verbunden sind und so wieder in den Tritt kommen sollen, obwohl sie das eher behindern dürfte, macht dann auch schon nichts mehr. Was für ein Quatsch!

Fazit:
4/15 – Ein langweiliges Buch mit wenig beeindruckenden Helden, das stellenweise immerhin mit unfreiwilliger Komik zu unterhalten weiß.

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Serieninfo: Merlin’s Maidens

01 The Spy Wore Silk | Geliebte Spionin
02 Seduced by a Spy | Gefährliches Spiel der Versuchung (September 2010)
03 The Scarlet Spy

[Rezension] Claudia Toman: Jagdzeit

Band 2 der Olivia-Kenning-Serie

Inhalt:
Wünschen kostet nichts? Je weiter Olivia in den Wald vordringt — immer auf der Suche nach jener geheimnisvollen Quelle, die angeblich jeden Wunsch erfüllt — desto größer wird ihre Angst. Denn der Wald ist voll von bösen Überraschungen: Jäger verfolgen ihre Spur, Hexen vollziehen dunkle Rituale, und ein hungriger Wolf nimmt ihre Fährte auf. Doch ein Zurück gibt es nicht. Denn Magie hat nicht nur ihren Preis — sie ist auch unwiderstehlich!

Kommentar:
Nach dem großen Erfolg von »Hexendreimaldrei« legt Claudia Toman nun ihren zweiten Roman mit der Heldin Olivia Kenning vor. »Jagdzeit« ist allerdings ein völlig eigenständiges Buch, das problemlos ohne die Kenntnis von »Hexendreimaldrei« gelesen werden kann.

Diesmal ist Olivia auf der Suche nach Inspiration. Weil die Deadline für ihr neues Buch näher rückt, nimmt sie sich eine Auszeit, um in einem abgelegenen Bergdorf zur Ruhe zu kommen und sich aufs Schreiben zu konzentrieren. Dass sie außerdem ein Blind Date dort hat, hängt auch nicht unwesentlich mit ihrem Aufenthalt in W. zusammen – allerdings trifft sie den potentiellen Beziehungskandidaten nicht ein einziges Mal. Stattdessen geht ihr ein Privatdetektiv, der im gleichen Gasthaus übernachtet, auf die Nerven, und sie wird unversehens in äußerst seltsame Vorgänge verwickelt. Bald ist sie dem Dorfgeheimnis auf der Spur und befindet sich – irgendwie typisch Olivia – in großer Gefahr.

Ich will es kurz machen: So leid es mir tut, »Jagdzeit« hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich würde nicht behaupten, dass es ein schlechtes Buch ist, es ist nur einfach kein Buch für mich, obwohl ich einen Genremix aus Fantasy, Krimi und ein bisschen Chick-Lit grundsätzlich sehr interessant finde. Das Problem ist: Mir ist »Jagdzeit« einfach zu surreal – und zwar bei Weitem. Was sich in diesem Dorf und vor allem im Wald abspielt, wo Olivia höchst sonderbare Gespräche mit einäugigen Wölfen und sprechenden Käuzen führt, befremdet mich einfach nur. Und über ihre Sorge, dass der Wolf sie aufspüren könne, weil sie ihre Tage und kein Tampon hat, will ich ebenso wenig detailliert informiert werden wie über ihre Problemlösungsstrategie. Außerdem gibt es für meinen Geschmack entschieden zu viele Erzähler, Erzählebenen und Erzählzeiten, die extrem verschachtelt sind und die eigentliche Handlung ständig unterbrechen.

Hinzu kommt: Ich konnte mich mit der weltfremden, naiven Olivia schon im ersten Buch nicht recht anfreunden, diesmal ist sie aber noch viel unerträglicher. Mir kommt sie vor wie eine dieser TSTL-Heldinnen, die oft so typisch für Chick-Lit-Bücher sind. Sie wirkt auf mich extrem selbstmitleidig, peinlich, verfügt über keinen Funken Vernunft und ist einfach nur anstrengend. Damit reiht sie sich im Grunde in die Riege aller anderen Figuren ein, die ebenfalls seltsam bis skurril daherkommen. Die einzige einigermaßen normale Person in diesem Buch ist besagter Privatdetektiv Adrian Alt, der den Handlungsfaden einigermaßen am Laufen hält und am Ende auch Licht ins Dunkel bringen und die Geschichte auflösen darf.

Fazit:
Noch viel abgedrehter als »Hexendreimaldrei« und deshalb einfach gar nicht meins (weshalb ich diesmal keine Punktwertung vergebe).

[Rezension] Portia da Costa: Die Lektion

Originaltitel: The Tutor

Inhalt:
Die Bibliothekarin Rosalind Howard soll die Privatsammlung des faszinierenden Julian Hadey ordnen. Doch Julian und seine Frau haben noch einen anderen Plan mit ihr. Sie soll ihren unerfahrenen Neffen in die Kunst der Liebe einführen. So wird Rosa Teil eines erotischen Spiels, in dem Leidenschaft und Verlangen die Regeln bestimmen.

Kommentar:
Viel zu sagen gibt es zu diesem Buch eigentlich nicht. Dem Klappentext ist nichts hinzuzufügen; er sagt alles aus, was es zum Inhalt zu wissen gibt, denn die »Handlung« ist äußerst dürftig und dient lediglich dazu, die Sexszenen zusammenzuhalten. Mich persönlich stört das bei einem Erotikroman nicht, es soll aber erwähnt werden für jene, die auch bei Erotica eine sinnvolle Geschichte erwarten.

Im Haus von Julian befriedigt jeder jeden, wobei das Hauptaugenmerk natürlich auf der Bibliothekarin Rosalind liegt, die aber ebenso gut Fleischereifachverkäuferin sein könnte, denn sie tut alles, nur nicht Bücher katalogisieren. Stattdessen treibt sie es wie angewiesen mit dem neunzehnjährigen Neffen des Hausherren (einem echten Naturtalent, dem es eigentlich gar nichts beizubringen gibt, weil er intuitiv alles richtig macht), darüber hinaus aber auch mit dem Hausherren, seiner Frau, dem Hausherren und seiner Frau sowie der Fitnesstrainerin. Um zu alledem noch eine homosexuelle BDSM-Komponente ins Spiel zu bringen, frönt Rosalind außerdem ihrer voyeuristischen Ader, von der sie zuvor gar nicht wusste, dass sie existiert, und beobachtet gemeinsam mit ihrem Zögling den Hausherren beim Bondage-Sex mit dem (quoten-)schwarzen Chauffeur. Und weil auch das noch nicht genug ist, dürfen wir noch diversen Masturbationsszenen beiwohnen, bei denen zum Teil ein beeindruckender, nimmermüder Vibrator zum Einsatz kommt. Es werden also (fast) sämtliche denkbaren Präferenzen bedient, besonders erotisch sind die Sexszenen aber leider alle nicht – und das, obwohl wir Dank der Adleraugen des gelehrigen Schülers während des Akts anatomische Details beschrieben bekommen, die eigentlich gar nicht sichtbar sein dürften oder die alternativ so extrem ausgebildet sind, dass ich mir den Anblick gar nicht so genau vorstellen will. Ob da jemandem beim Schreiben die Fantasie durchgegangen ist?!

Fazit:
06/15 – Standardkost mit maximal mittelmäßigem Erotikfaktor. Kann man, muss man aber wirklich nicht.

[Rezension] Lorelei James: Long Hard Ride

Rough Riders, Book 1

Inhalt:
Channing Kinkaid hat keine Lust mehr auf ihr durchgeplantes, langweiliges Leben, weshalb sie die Entscheidung trifft, wenigstens für eine Weile eine Auszeit zu nehmen. Sie schließt sich dem Rodeo-Zirkus an und lernt dort Colby McKay kennen, zu dem sie sich unwiderstehlich hingezogen fühlt. Als er ihr vorschlägt, gemeinsam mit ihm und seinen beiden Begleitern zu reisen und ihnen als Gegenleistung für Sexspiele zur Verfügung zu stehen, ist das genau die erhoffte Gelegenheit, ihrem Leben einen Kick zu geben. Sie willigt ein – ohne zu ahnen, worauf sie sich wirklich einlässt.

Kommentar:
Evis restlose Begeisterung über die Bücher der Autorin hat mich dazu gebracht, den ersten Teil der Rough-Riders-Serie auszuprobieren, und entsprechend hoch war meine Erwartungshaltung – obwohl das Thema Rodeo so gar nicht meins ist.

Der obigen Inhaltsangabe ist nicht mehr viel hinzuzufügen: Channing schließt sich Colby und seinen Kumpanen an, um ein Sexabenteuer zu erleben und Dinge auszuprobieren, von denen sie bislang noch nicht mal zu träumen gewagt hat. Aus der geplanten Affäre auf Zeit wird aber schnell mehr, denn Colby und Channing verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Und obwohl das allen Beteiligten schnell klar ist, führen diverse mehr oder weniger konstruierte Missverständnisse in Form von falsch verstandenen Aussagen dazu, dass es zu einem ziemlichen Herumgeeier kommt, das – natürlich – in einem hochdramatischen Finale gipfeln muss.

Neben mehr Rodeo-Episoden als erwartet, gibt es erwartungsgemäß reichlich Sex in allen Varianten und Spielarten: oral, vaginal und anal sowie BDSM in kleinen Dosen; das alles zu zweit (mit wechselnden Partnern, w/m und m/m) und zu dritt (m/m/w), mit und ohne Zuschauer. Aus Gründen, die ich ehrlich gesagt an nichts Konkretem festmachen kann, haben mich die durchaus expliziten Szenen, obwohl sie gut geschrieben sind, allesamt relativ kalt gelassen; der Funke wollte einfach nicht überspringen, das Prickeln zwischen den Protagonisten hat mich nicht erreicht.

Es mag an den Hauptpersonen Channing und Colby gelegen haben, dass ich das Buch nicht so toll fand, obwohl ich es doch so gerne toll gefunden hätte. Die beiden sind zwar nicht unsympathisch, aber auch keine Figuren, die mich begeistert und mitgerissen hätten. Ihre besagte Begriffstutzigkeit bzw. ihre Weigerung, sich das Offensichtliche einzugestehen – nämlich dass sie sich ineinander verliebt haben –, hat mich stellenweise ganz schön die Augen rollen lassen, und Colbys Anfälle von Besitzdenken, Eifersucht und Dominanzgehabe fand ich ziemlich nervig. Interessanter als die Protagonisten fand ich tatsächlich die Nebenfiguren Edgard und Trevor sowie Gemma und Clay, die ihre eigenen Bücher haben.

Obwohl mich das Buch letztendlich nicht richtig in seinen Bann ziehen konnte, soll keinesfalls verschwiegen werden, dass es einige herzergreifende Szenen gibt, die mit echter Freundschaft, Liebe und Loyalität zu tun haben. Zudem hat Lorelei James fraglos ein Händchen für wundervollen Liebeserklärungen.

Fazit:
8/15 – Ein solider Erotikroman, bei dem aber der Funke nicht übergesprungen ist und der deshalb zwischenzeitlich zu einiger Langeweile geführt hat. Ich werde dennoch definitiv (mindestens) einen weiteren Band lesen, um mir ein abschließendes Urteil zu bilden, denn sehr gute Ansätze sind vorhanden.


Serieninfo:

01 Long Hard Ride
02 Rode Hart, Put Up Wet
03 Cowgirl Up And Ride
04 Tied Up, Tied Down
05 Rough, Raw, and Ready
06 Branded As Trouble
06.5 Strong, Silent Type
07 Shoulda Been A Cowboy
08 All Jacked Up

[Rezension] Elizabeth Hoyt: To Desire a Devil

The Legend of the Four Soldiers, Book 4

Inhalt:
Als ein verwahrloster, augenscheinlich wahnsinniger Mann die Teeparty im Haus ihres Onkels sprengt, weiß Beatrice Corning nach einem Blick in seine Augen: Es handelt sich um den totgeglaubten Reynaud St. Aubyn, der vor sieben Jahren von Indianern massakriert worden sein soll – um den Mann, in dessen Portrait sie sich vor Jahren verliebt hat. Doch hat dieser Wilde nach seinen schrecklichen Erlebnissen in Gefangenschaft irgendetwas mit dem attraktiven, charismatischen Viscount zu tun, den das Gemälde zeigt?

Kommentar:
Als ich in der Leseprobe am Ende von »To Beguile a Beast« gelesen habe, dass der totgeglaubte St. Aubyn in Band 4 auftauchen würde, war meine Neugierde geweckt. Schließlich hat Viscout Vale, der Protagonist aus Band 2, mit eigenen Augen gesehen, dass sein alter Freund von den Indianern gekreuzigt und verbrannt worden ist.

Die Auflösung dieses Irrtums ist zwar einigermaßen akzeptabel, aber nicht hundertprozentig glaubwürdig – was übrigens auf die meisten Aspekte der Geschichte zutrifft. Tatsache ist: St. Aubyn lebt und kehrt nach sieben Jahren als Sklave bei den Indianern zurück nach England. Weil er sich auf dem Schiff ein Fieber eingefangen hat, ist sein Geisteszustand zunächst ziemlich desolat, doch auch wieder genesen leidet er unter den traumatischen Erfahrungen der letzten Jahre. Er ist dementsprechend unberechenbar und aus Gründen des Selbstschutzes extrem aggressiv: Er hat sich geschworen, sich nie wieder freiwillig in die Hände eines anderen zu begeben und trägt deshalb stets ein langes Messer bei sich, das einzusetzen er nicht scheut – gegen andere, notfalls aber auch gegen sich selbst. Dennoch: Die wenigen Situationen, in denen er – angestachelt von Dritten – austickt, zeigen zwar, dass er auf teilweise auf schmalem Grat wandelt, für einen Mann mit seiner Vergangenheit ist St. Aubyn jedoch zwar interessant, aber viel zu normal und wenig traumatisiert – immerhin hat er jahrelang in Gefangenschaft gelebt, ist unterjocht, gequält und mehrfach fast getötet worden.

Beatrice Corning liebt St. Aubyn so oder so – und zwar schon von dem Moment an, als sie erstmals das Portrait von ihm gesehen hat. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt schon als tot galt und sie ihm nie persönlich begegnet ist, hat sie sich niemals ernsthaft für einen anderen Mann interessiert, denn kein anderer hat eine solch lebensfrohe Ausstrahlung wie der Junge auf dem Gemälde – starker Tobak! Weil sie das Portait über Jahre immer und immer wieder studiert, erkennt sie den verwahrlosten St. Aubyn bei seiner Rückkehr sofort an seinen Augen, die zwar nicht mehr so fröhlich leuchten wie früher, aber immer noch genauso ausdrucksstark sind. Puh. Zu alledem passt, dass ihre Liebe zu ihm so groß und ihr Vertrauen in ihn so stark ist, dass sie als einzige keine Angst vor diesem wilden, unberechenbaren Mann hat, sondern ihm vollkommen unerschrocken und aufopferungsvoll begegnet und ihm stets Liebe und Trost spendet. Komischerweise ist Beatrice trotzdem eine sympathische Heldin, auch wenn sie vollkommen überzogen dargestellt ist.

Im Zentrum der Handlung steht natürlich das Zusammenfinden von der wundervollen Beatrice und dem wilden St. Aubyn – und die beiden eiern trotz ausgiebiger sexueller Freuden ganz schön herum, bis sie sich selbst und einander in einem überdramatischen Finale endlich ihre Gefühle gestehen. Davon abgesehen muss nun endlich der Verräter von Spinner Falls zu Fall gebracht werden, wegen dem das Regiment niedergemetzelt und viele Soldaten in Gefangenschaft geraten sind. Deshalb tun sich die »Four Soldiers« aus den vier Teilen der Serie in diesem Buch zusammen und machen sich gemeinsam auf die Jagd nach dem Verräter – die aber deshalb nicht planvoller oder spannender verläuft als vorher. Darüber hinaus ziehen diverse Nebenkriegsschauplätze, die vollkommen überflüssig sind, die Geschichte unnötig in die Länge.

Fazit:
8/15 – Der Abschlussband passt zur alles in allem durchschnittlichen Serie und erzählt eine leidlich spannende, wenig glaubwürdige Geschichte mit immerhin relativ sympathischen Figuren.

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Serieninfo:

01 To Taste Temptation
02 To Seduce a Sinner
03 To Beguile a Beast
04 To Desire a Devil

[Rezension] Lisa Valdez: Patience

Vicar’s Daughters, Book 2

Inhalt:
Patience Dare ist eine außergewöhnliche Schönheit, die allerdings alle Verehrer strikt abweist – bis ihr Schwager Matthew Morgan Hawkmore mit einem Kuss ihre Leidenschaft entfacht. Die beiden beginnen eine Affäre, die Patience in die Welt des BDSM entführt …

Kommentar:
Den regelmäßigen Lesern meines Blogs wird es nicht entgangen sein: Vier Jahre lang habe ich auf die Veröffentlichung von »Patience« gewartet – und ich konnte es kaum glauben, als ich den Nachfolger des grandiosen Debütromans »Passion« schlussendlich doch noch in Händen hielt. Meine Erwartungshaltung war zwiespältig – einerseits hoffte ich auf einen wenigstens ansatzweise adäquaten Nachfolger, andererseits fand ich es kaum vorstellbar, dass ein Buch mit dieser Entstehungsgeschichte und -zeit wirklich gut werden könnte. Und um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist nicht nur nicht gut; es ist sogar unterirdisch schlecht. Es wird mir auf immer ein Rätsel bleiben, dass Berkley dieses Buch so veröffentlich hat, statt die Autorin dazu zu zwingen, notfalls weitere vier Jahre daran zu schreiben (ob das etwas genutzt hätte, steht allerdings zugegebenermaßen in den Sternen). Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll mit meiner Kritik, denn hier passt einfach gar nichts.

Es fängt schon mit der Handlung an, die nicht nur teilweise unglaubwürdig, sondern auch mehr als dürftig ist, denn es passiert einfach nichts bzw. nicht viel. Matthew und Patience beschäftigen sich mit BDSM-Lektionen, hadern unabhängig voneinander mit ihrer Identität und der Liebe und wollen angeblich niemals im Leben eine Beziehung – außer natürlich miteinander, aber das können sie sich ja nicht eingestehen, weil es sonst schließlich keinen Konflikt gäbe. Das hindert die beiden aber nicht daran, den anderen im Stillen zu glorifizieren, von einer Beziehung und der ewigen Liebe zu träumen. Dem gesamten Umfeld (Passion, Mark, Tante Matty) ist natürlich vom ersten Augenblick an klar, dass Matt und Patience füreinander bestimmt sind, weshalb diverse Kuppelversuche und nervtötende Psychogespräche stattfinden. Darüber hinaus schlägt sich vor allem Matt mit einigen oberflächlich abgehandelten Schwierigkeiten herum, die mit seiner Abstammung und seiner finanziellen Situation zu tun haben, und das Happyend muss dann noch kurz durch einen Pseudostreit zwischen den Liebenden hinausgezögert werden.

Viel schlimmer noch als die wenig überzeugende Handlung sind allerdings die beiden Protagonisten, die beide überhaupt nicht stimmig, geschweige denn sympathisch sind. Matthew nervt von Beginn an mit einer seltsamen Mischung aus Arroganz und Selbstmitleid wegen seines gesellschaftlichen Falls. Nachdem herausgekommen ist, dass er nicht der reinblütige Sohn eines Earls, sondern ein Bastard ist, wird er von einem Teil der feinen Gesellschaft gemieden. Darüber hinaus hat seine Verlobte die Verlobung mit ihm gelöst – was ihn sehr verbittert, obwohl er inzwischen rückwirkend erkannt hat, dass er sie ohnehin nie geliebt hat und dass die Liebe nichts für ihn ist. Sein selbstgerechter Zorn richtet sich ungerechtfertigterweise auch gegen die Leute, die trotzdem bedingungslos zu ihm halten – etwa sein Bruder Mark, Protagonist aus »Passion«, der sich jedesmal, wenn er Matt als seinen Bruder bezeichnet, darauf hinweisen lassen muss, dass sie nur Halbbrüder sind.
Patience gegenüber verhält Matt sich – entsprechend seiner Rolle in der BDSM-Beziehung – jederzeit herrisch, doch das erstreckt sich nicht nur auf die sexuelle Komponente ihrer Beziehung. Als er erfährt, dass Patience bald nach London abreisen wird, um bei einem berühmten Lehrer Cello-Unterricht zu nehmen, verhindert er das mit einer hinterhältigen Intrige (die interessanterweise nie herauskommt und im Buch keinerlei Folgen nach sich zieht). Spätestens nach dieser Aktion habe ich die Figur, die ich schon von Beginn an nicht besonders mochte, regelrecht gehasst – und jedes andere Buch hätte ich spätestens an dieser Stelle abgebrochen.

Ein Verlust wäre das nicht gewesen, zumal Patience auch keine überzeugendere Figur ist; sie bleibt letztendlich blass und ist nicht sympathischer oder gar stimmiger angelegt als Matt. Obwohl sie nach einem Kuss mit Matthew in voller Leidenschaft entbrannt ist und ihn wie eine Löwin verteidigt, stellt sie von vornherein klar, dass sie keine Beziehung und schon gar keine Hochzeit will, sondern nur eine Affäre; ihre Jungfräulichkeit soll dabei aber bitteschön gewahrt werden. Ist ja auch kein Thema, es gibt ja noch ne Menge andere Methoden der Befriedigung, vor allem im BDSM-Bereich: Man kann sich zum Beispiel direkt zu Beginn eines solchen Verhältnisses nackt an ein Bett fesseln lassen und seinem Schicksal harren, während der Liebhaber erst mal Kartenspielen und einen Trinken geht. Immer gut ist auch Oralsex in verschiedenen Ausprägungen – und darin ist Patience gut. Sie ist nämlich zwar eine gläubige, gottesfürchtige Vikarstochter, hat aber dennoch schon eine Menge Erfahrung mit diesem Thema. Schließlich hat sie von frühester Jugend an die Magd mit ihrem Liebhaber beobachtet und mit Gurken aus dem Garten ihre Technik so sehr perfektioniert, dass Matthew kaum glauben kann, dass er der erste Mann ist, dem sie auf diese Weise Vergnügen bereitet. Abgesehen von ihrer sexuellen Aufgeschlossenheit zeichnet sie sich vor allem durch beeindruckende Brustwarzen, eine permanent pulsierende Klitoris und ständiges Heulen aus.

Die Beziehung zwischen Matt und Patience ist für meine Begriffe wirklich schwer verdauliche Kost. Von (wachsender) Liebe ist nicht das Geringste zu bemerken, hinzu kommt der sehr eigene Fetischsex. BDSM ist zugebenermaßen nicht wirklich mein Thema, es ist mir aber bereits zuvor in diversen Erotikromanen begegnet und nie war es (zumindest für Nicht-Anhänger dieses Fetischs) so gänzlich unerotisch aufbereitet und beschrieben wie hier. Erschwerend hinzu kommt, dass die Grundsituation nicht überzeugt. Möglicherweise erkennen sich die Anhänger extremer Spielarten ja blind, jedenfalls weiß Matt – woher auch immer – sofort, was Passion braucht: nämlich Unterwerfung und Demütigung. »It’s essential to your happiness und fulfillment, Patience. There is a strong part of you that longs to submit and obey.« (S. 107) Und weil Patience sich zwar gegen jegliche gesellschaftliche Konventionen sträubt, aber offenbar trotzdem von Natur aus gehorsam ist, sieht sie das auch brav ein und findet ab sofort ebenfalls, dass sie das braucht – auch wenn ihr das vorher unbekannt war. Und genau hier liegt das Problem: Patience scheint sich ihrer eigenen unterwürfigen Seite nicht mal ansatzweise bewusst gewesen zu sein, bevor Matt ihr seine Dominanzspiele aufgedrängt hat, und an mehreren Stellen zwingt er sie zu Dingen, die sie überhaupt nicht zu wollen scheint und die ihr zu weit gehen. Es ist natürlich schwierig zu beurteilen, was zu BDSM gehört und was nicht; Valdez konnte mir aber einfach nicht glaubhaft vermitteln, dass die Unterwerfung wirklich in Patiences Natur liegt und sie uneingeschränkt Spaß an der Sache hat bzw. Lust aus der Unterwerfung bezieht. Dass Matt sie am Ende mit Schlägen von jahrelang angestautem Leid befreit, sodass sie anschließend endich darüber sprechen kann, was sie seit Ewigkeiten belastet, setzt dem Ganzen die Krone auf und kann höchstens noch von der Tatsache getoppt werden, dass Patience bei ihrer Entjungferung erkennt, dass sie Eva (ja, die biblische!) ist: »I am Eve, and I am yours.« (S. 302)

Zu allen inhaltlichen Mängeln kommt die stilistische Eigenheit, die Protagonisten in Kursivschrift aktuelle Vorkommnisse und Aussagen in einer Art innerem Monolog kommentieren zu lassen – was zum Teil ziemlich überstrapaziert wird:

»And who knows what your future holds?«
»Yes, who knows?« Patience.
[…]
»Of course, I could never let him know.«
»Of course not.« Because you’re a lying cheat.
[…]
»Father and Danforth will never know.«
»No, never.« Because it’ll be a cold day in hell before I ever become your lover.
[…]
»You should hear him. He’s still raging about it.«
At last. »Is he?« (S. 171)

Ebenfalls enervierend sind zahlreiche Dialoge, die teilweise extrem platt und plakativ sind und klingen, als kämen sie aus dem Standarddialog-Baukasten. Das liest sich so:

»I saw you leave with Patience. Where is she?«
»I took her to bed.«
»To her bed, or yours?«
»That’s none of your business.«
Mark shook his head. »That’s unwise, Matt.«
»And why is that?«
»Because Patience isn’t just any woman.«
»I know she isn’t just any woman. That’s why I want her, because she isn’t just any woman.« (S. 50)

Bleibt zu erwähnen, dass wohl ein weiterer Band über die jüngste Vikarstochter Primrose in Planung ist. Ob ich den brauche, weiß ich allerdings noch nicht; mal davon abgesehen, dass ich ohnehin ein wenig daran zweifle, dass Lisa Valdez in absehbarer Zeit ein weiteres Buch schreiben wird. Die Kritik an »Passion« soll ja seinerzeit die Schreibblockade bei ihr ausgelöst haben – und ich bin mir ziemlich sicher, dass die negativen Stimmen zu diesem Roman deutlich heftiger ausfallen dürften als damals.

Fazit:
3/15 – Eine einzige Enttäuschung. Die einzige Gemeinsamkeit mit »Passion« besteht darin, dass in beiden Büchern Sex eine wichtige Rolle spielt und sehr explizit beschrieben wird. Darüber hinaus fehlt »Patience« alles, was den Debütroman ausgemacht hat: nämlich jegliches Gefühl und glaubwürdige, vielschichtige, sympathische Figuren. Und das allerschlimmste ist: Das Buch hat mir irgendwie auch »Passion« ein wenig verleidet.

[Rezension] Bettina Belitz: Splitterherz

 /></a><strong>Inhalt:</strong><br />
Es gibt genau einen Grund, warum Elisabeth Sturm nicht mit fliegenden Fahnen vom platten Land zurück nach Köln geht, und dieser Grund heißt Colin. Der arrogante, unnahbare, aber leider auch äußerst faszinierende Colin gibt Ellie ein Rätsel nach dem anderen auf, und obwohl sie sich mit aller Macht dagegen wehrt, kann sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Bald muss Ellie einsehen, dass Colin viel mehr mit ihrer Familie verbindet, als sie sich je vorstellen könnte. Ihr Vater Leo verbirgt ein Geheimnis, das ihn und Colin zu erbitterten Gegnern macht – und das Ellie in tödliche Gefahr bringt. Dass sie mit ihren seltsamen nächtlichen Träumen den Schlüssel zu dem Rätsel in der Hand hält, begreift Ellie erst, als ihre Gefühle für Colin alles zu zerstören drohen, was sie liebt.</p>
<p><strong>Kommentar:</strong><br />
Was soll ich sagen … Ich hab mich mal wieder von der allgemeinen überbordenden Begeisterung anstecken lassen und konnte sie am Ende nicht teilen. Allerdings hatte ich nach <a href=Winterkatzes Rezension schon das allerschlimmste befürchtet – und so schlimm kams dann doch wieder nicht.

Die oftmals kritisierte Ellie ist zwar keine übermäßig sympathische Protagonistin, ich empfand sie aber als lange nicht so schlimm wie andere Leser. Obwohl ich selbst in einer Kleinstadt aufgewachsen bin, kann ich mir lebhaft vorstellen, dass man als Teenager die Krise kriegt, wenn man kurz vor dem Abitur von den Eltern von der Großstadt in ein 400-Seelen-Dorf verpflanzt wird. Dass Ellie nach Jahren in der Stadt mit dem Landleben, den ländlichen Gepflogenheiten und der Schönheit der Natur nichts anzufangen weiß, halte ich für absolut glaubhaft, und dass sie wegen des Umzugs zornig, bockig, selbstmitleidig und destruktiv ist, ist für mich absolut nachvollziehbar – und irgendwie auch berechtigt. Dass ihre Eltern gute Gründe für den Umzug haben, weiß sie nicht, schließlich reden sie nicht mit ihr; für Ellie stellt sich der Umzug folgerichtig als egoistische Aktion ihrer Eltern dar, die rücksichtsvollerweise ruhig bis zu ihrem Schulabschluss hätten warten können, bevor sie Köln verlassen. Doch bei allem Verständnis: Ellie ist alles andere als eine Heldin, die man ins Herz schließt und sie ist teilweise ziemlich anstrengend. Andererseits ist ihr ganzes Verhalten, auch gegenüber ihrer neuen Schulkameraden, ihren Eltern und Colin, für mein Empfinden aber stimmig und zeigt ein Mädchen, das sich aus seiner Unsicherheit heraus teilweise ziemlich seltsam und ungeschickt verhält. Das ist vielleicht nicht sympathisch, aber wenigstens authentisch – was für mich vieles entschuldigt und weshalb ich vieles verzeihe.

Problematischer als die Figur Ellie ist für mich die Tatsache, dass in diesem Buch eigentlich sehr, sehr wenig passiert. Es kommt wahnsinnig schwer in die Gänge und beschäftigt sich knapp 200 Seiten lang fast ausschließlich mit Ellies Leid. Es folgen zahlreiche hypermysteriöse Andeutungen, Träume und Ereignisse, die zum Teil in Zusammenhang mit dem nicht weniger geheimnisvollen Colin stehen, der immer wieder unvermittelt Ellies Weg kreuzt, um sie dann von sich zu stoßen. Eine Weile bezieht der Roman Spannung aus der Frage, was es mit Colin auf sich hat, doch als das aufgeklärt und mit Informationen unterfüttert ist, flacht die Handlung wieder deutlich ab. Es fehlt im Mittelteil über weite Strecken der rote Faden; man weiß nicht, was das Ziel ist, wo alles hinführen soll und kann daher die Ereignisse nicht einordnen. Die Geschichte ist nett, doch die Erzählung plätschert relativ ereignisarm vor sich hin, die Erlebnisse wirken teils aneinanderngereiht und es fehlt der Spannungsbogen. Erst gegen Ende nimmt die Erzählung wieder an Fahrt auf, bietet einen etwas undurchsichtigen Showdown und einen halbwegs offener Schluss, der einen nach Band 2 der Trilogie rufen lässt.

Die Grundidee hinter der Geschichte ist nicht sensationell neu, aber noch nicht sehr ausgiebig beackert und wirkt insofern frisch. Bettina Belitz hat die zugrundeliegende Mythologie überzeugend adaptiert und mit ihren eigenen Ideen versehen – die Handlung der folgenden Bände könnte wirklich sehr interessant werden. Vom Mythos hinter Colin abgesehen, unterscheidet das Buch in der Anlage gar nicht so sehr von anderen paranormalen (Teenie-)Romanzen, in denen sich eine Außenseiterin in einen geheimnisvollen Jungs verliebt und trotz aller vermeintlicher Ausweglosigkeit um eine unmöglich scheinende Beziehung kämpft. Die weit verbreitete Begeisterung darüber, dass dieses Buch mal was ganz anderes sei, kann ich insofern nicht nachvollziehen.

Wirklich bemerkenswert ist der Stil des Buches. Ich habe selten so viele sorgsam gewählte Verben sowie zahlreiche, aber nie übertrieben eingesetzte Adjektive und Adverben erlebt wie hier – Belitz muss entweder extensiv an ihrem Ausdruck gefeilt haben oder ein unglaubliches Sprachgefühl besitzen. So oder so, das Ergebnis ist mehr als überzeugend: Selten habe ich so gut beschriebene Szenen gelesen und so deutlich vor meinem inneren Auge gesehen wie hier. Sprachlich-stilistisch macht das Buch riesigen Spaß und kompensiert so zum Teil die etwas schleppende Handlung.

Fazit:
10/15 – Ein gutes Buch, dem ein interessanter Mythos zugrunde liegt, das aber viele Längen hat.

[Rezension] Elizabeth Hoyt: To Beguile a Beast

The Legend of the Four Soldiers, Book 3

Inhalt:
Da Helen Fitzwilliam beschlossen hat, sich nicht länger vom Duke of Lister aushalten zu lassen, begibt sie sich mit ihren zwei Kindern Abigail und Jamie Richtung Schottland, um auf die Empfehlung einer gemeinsamen Bekannten Alistair Munroes Haushälterin zu werden. Der Biologe ist von dieser Idee allerdings wenig begeistert: Er hat sich aufgrund seiner schweren Gesichtsverletzungen vollkommen von der Außenwelt abgeschottet und will einfach nur seine Ruhe, um an seiner nächsten naturwissenschaftlichen Veröffentlichung zu arbeiten. Helen ist jedoch verzweifelt genug, um alle seine Einwände einfach zu ignorieren und sich nicht abwimmeln zu lassen, und es dauert nicht lange, bis sich die beiden unwiderstehlich zueinander hingezogen fühlen. Eine Beziehung zwischen den beiden scheint dennoch ausgeschlossen …

Kommentar:
Trotz der eher enttäuschenden ersten beiden Teile der Serie, hab ich mir direkt im Anschluss an »To Seduce a Sinner« den dritten Band gegriffen – ich hatte einfach richtig Lust auf einen »Die Schöne und das Biest«-Plot.

Dankenswerterweise tritt die ziemlich planlose Jagd nach dem Verräter von Spinner Falls, der für die Kriegsgefangenschaft der »Four Soldiers« verantwortlich ist, in diesem Buch fast völlig in den Hintergrund und wird nur am Rande erwähnt. So bleibt Zeit, sich uneingeschränkt mit der Beziehung zwischen Alistair und Helen zu beschäftigen. Schon die Grundsituation gibt einiges her: Eine verzweifelte Ex-Mätresse stellt sich selbst bei einem eigenbrödlerischen Naturwissenschaftler, der gar keine Haushälterin will, als eben solche ein und lässt sich einfach nicht davon abbringen, ihm zu beweisen, dass er sie braucht. Das ist insofern ziemlich absurd, weil Helen als Mätresse zuvor ihre eigene Dienerschaft hatte und weder haushalten noch kochen kann. Deshalb heuert sie ziemlich schnell weitere Bedienstete an, die die Arbeit erledigen, während sie eher in die Rolle von Alistairs Gesellschafterin hineinwächst und schließlich seine Geliebte wird. Wie sehr sich die beiden brauchen und wie gut sie sich gegenseitig tun, ist überdeutlich und spiegelt sich in ihrem teils sehr humorvollen Umgang miteinander. Dennoch ist ihre Beziehung eine Beziehung auf Zeit, was beiden bewusst ist und womit sie sich einigermaßen arrangieren – bis einige unvorhergesehene Dinge passieren, Helens Vergangenheit ans Licht kommt und sie eine Entscheidung treffen muss.

Helens Entscheidung ist so konsequent und entschlossen wie ihr ganzes Auftreten. Sie kämpft um Freiheit und ein besseres Leben für sich und vor allem ihre Kinder und tut alles, was nötig ist, um das beste aus der verfahrenen Situation zu machen. Sie ist sich auch nicht zu schade, für ihr Wohl den Putzlappen zu schwingen und sich die Hände schmutzig zu machen – und sie jammert nicht mal darüber. Im Umgang mit Alistair erweist sie sich als ebenso unerschrocken wie verständnisvoll, aber auch ein bisschen bläuigig in Anbetracht der Tatsache, dass sie eine Mätresse auf der Flucht ist.

Alistair ist ein klassischer »tortured hero«, der in Kriegsgefangenschaft gefoltert wurde und aus dieser Zeit schreckenserregende Narben im Gesicht zurückbehalten hat; außerdem fehlt ihm ein Auge, weshalb er meist eine Augenklappe trägt. Er lebt zurückgezogen in seinem verwahrlosten Schloss, allerdings weniger aus Scham wegen der Entstellung an sich, sondern im Wesentlichen wegen der schockierten Reaktion anderer Menschen auf ihn. Wie einsam er ist, fällt ihm erst auf, als Helen mit ihren Kindern Leben in sein Haus bringt; das ändert jedoch nichts daran, dass er sich zunächst verständlicherweise gegen das Eindringen einer fremden Familie in sein Rückzugsgebiet wehrt. Obwohl Alistair äußert knurrig, mürrisch und zynisch ist, erweist er sich in den entscheidenden Momenten als unkonventionell, warmherzig, verständnisvoll und sensibel – das zeigt sich nicht nur im Umgang mit seinem steinalten Hund, sondern auch mit Helens Kindern, die er (fast) immer zu trösten und ermutigen weiß. Einzig Alistairs Entsetzen über Helens Vergangenheit erschien nicht ganz schlüssig, ebenso der Grund für seine Annahme, eine über eine Affäre hinausgehende Beziehung zwischen ihm und Helen sei nicht möglich. Aber sei’s drum, es tut dem Buch keinen echten Abbruch; das Happy-End musste wohl um der Dramatik willen ein wenig hinausgezögert werden, denn allzu glatt darfs ja nicht mal in einem Liebesroman ausgehen!

Ebenso gut gelungen wie die Protagonisten sind die Nebenfiguren – selbst die Kinder. In Liebesromanen auftretende Kinder haben normalerweise die Tendenz, fürchterlich zu nerven, weil sie sich vollkommen unnatürlich benehmen: entweder agieren sie viel zu erwachsen und altklug oder sie sind alternativ viel zu kindlich, wobei ihnen in letzterem Fall gerne auch eine durchgehend schwachsinnige Sprache in den Mund gelegt wird. Nicht so hier: Helens Kinder Jamie und Abigail sind wirklich eine rühmliche Ausnahme. Sie verhalten sich alles in allem wie Kinder, und sie sind manchmal etwas schwierig und daher anstrengend, aber wirklich nett! Zugegeben, Abigails als partielle Erzählerin der Handlung wirkt nicht immer wie eine Neunjährige, aber ihre Denk- und Betrachtungsweise sind jederzeit akzeptabel. Eine echte Bereicherung und Garant für einige kurzweilige Szenen ist das Auftauchen von Alistairs Schwester Sophia und ihrer Gesellschafterin, die sich leider viel zu schnell wieder verabschieden. Die Wortgefechte zwischen Alistair und Sophia sind erfrischend, zumal sie es auf eine einmalig liebevoll-deutliche Weise versteht, ihren Bruder auf den Boden der Tatsachen zu holen.

Dem Buch werden von einigen Kritikern massive sachliche und historische Mängel sowie mangelndes Gefühl für die damalige Zeit (1765) vorgeworfen. Zugegeben: Man kann einige Fehler und Ungenauigkeiten nicht wegreden. Andererseits kann man aber auch nach solchen Dingen suchen und sich an ihnen aufhängen, wenn man das unbedingt will. Um ehrlich zu sein kann ich persönlich über solche Dinge – sofern sie keine signifikante Bedeutung für die Handlung haben – hinwegsehen, wenn die Geschichte – wie in diesem Fall – so viel mehr bietet. Wer aber auf exakte historische und sachliche Korrektheit Wert legt, sollte vielleicht lieber zu einem anderen Buch greifen.

Vom implizierten parabloischen Märchen – diesmal über den »Truth Teller« – war ich erneut nicht so begeistert, weil mir die Handlung zu vorhersehbar und die Geschichte viel zu ausgebreitet war für deren Gehalt. Wenn schon eine solche Geschichte so sehr ins Zentrum gestellt wird, sollte sie m. E. etwas ganz Besonderes sein – und das ist sie nicht. Aber das nur am Rande; es hat keinen Einfluss auf die Bewertung.

Fazit:
13/15 – Trotz einiger kleiner Abstriche ein wundervolles, herzerwärmendes Buch – Elizabeth Hoyt in alter Form!

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Serieninfo:

01 To Taste Temptation
02 To Seduce a Sinner
03 To Beguile a Beast
04 To Desire a Devil