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[Rezension] Becky Cochrane: Zimtsterne mit Zuckerkuss

Originaltitel: A Coventry Christmas
Coventry-Serie, Teil 1

Inhalt:
Keelie hat eigentlich gar keine Lust auf Weihnachten. Ihr Chef im Buchladen ist ein Idiot, ihre Familie wohnt weit weg, der Mann ihrer Träume ist nirgends in Sicht. Und damit nicht genug: Kurz vor dem Fest bricht sie sich auch noch den Fuß. Doch dann lädt ihre besten Freundin Ivy sie über die Feiertage ins Haus ihrer flippigen Großmutter ein. Mitsamt Hamster Hamlet, ihrem besten Freund Evan und Ivys Zwillingsschwester landet Keelie in einer idyllischen texanischen Kleinstadt. Dort erwartet sie mehr als nur eine schöne Bescherung. Denn als Hamlet krank wird, lernt Keelie den äußerst charmanten Tierarzt von Coventry kennen …

Kommentar:
Da hatte ich mich auf eine nette Weihnachtsgeschichte mit viel Romantik gefreut – gekriegt hab ich aber leider 350 Seiten gepflegte Langeweile von der schlimmsten Sorte, und zwar ohne Romantik und ohne Weihnachtsstimmung. Die Handlung plätschert endlos ohne jegliche Höhen und Tiefen vor sich hin, ohne dass irgendwas passiert, während die Autorin sich in ausufernden Informationen zu allem und jedem verliert. In diesem Buch scheint es keine Person ohne mindestens 500-jährige bedeutungsschwangere Familiengeschichte zu geben. Überflüssig zu erwähnen, dass die Autorin es uns nicht erspart, diese mit überbordender Liebe zum Detail zu erzählen, und sei die erwähnte Person auch noch so unbedeutend. Irgendwie fühlte ich mich frappierend an diverse verhasste Kaffeekränzchen mit der Verwandtschaft erinnert, die es einem im Rahmen einer Erzählung über z.B. ihre Geburtstagsfeier nicht erspart, unaufgefordert gleich sämtliche Informationen finanzieller, familiärer, gesellschaftlicher sowie gesundheitlicher Art über alle Mitfeiernden nebst deren Anhang in der siebenundneunzigsten Generation bzw. Verzweigung mitzuliefern. Cochrane beschränkt sich unglücklicherweise noch nicht mal auf Personen, sondern versorgt uns darüber hinaus mit Geschichten über die Vergangenheit von Gebäuden, Tieren, Städten, Stadtfesten, Geschäften, Autos usw. Darüber hinaus passiert wie gesagt wenig bis nichts, und das Wenige, was passiert, wird zum Teil noch nicht mal gezeigt, sondern rückblickend irgendeiner Freundin beschrieben. Der »Show, don’t tell«-Grundsatz wird von dieser Autorin mit so beachtlicher Vehemenz ignoriert, wie ich es selten zuvor erlebt habe.

Von der im Klappentext angedeuteten Liebesgeschichte zwischen Keelie und dem Tierarzt Michael ist auch kaum eine Spur zu entdecken; dem Buch geht jegliche Romantik völlig ab. Es dauert fast 150 Seiten, bis sich die beiden erstmals über den Weg laufen – damit könnte ich ja noch leben. Schrecklicher ist, dass sich Keelie bereits nach einem kurzen Treffen in ihn, seine Tochter, seinen Hund und sein Haus (!) verliebt hat. Am Schrecklichsten ist aber, dass dieser Romanze nicht etwa Raum gegeben wird, sich zu entwickeln. Nein, Keelie reist ab, ohne Michael noch mal zu sehen, weil er ja verheiratet ist, wie sie glaubt. Natürlich ist jedem Leser aufgrund der offensichtlichen Auslassungen sofort klar, dass diverse Aussagen nur dazu konstruiert wurden, um Keelie und den Leser für dumm zu verkaufen und auf die falsche Fährte zu schicken – aber zumindest bei Keelie klappt’s ja. Sie beschränkt sich also darauf, von Michael zu träumen, dann jedoch aufgrund einer fragwürdigen Inspiration unvermittelt ihr Leben umzukrempeln, nach Coventry zurückzukehren und nach einem weiteren ziemlich missglücken Treffen schließlich in einem völlig undramatischen Akt mit dem Mann ihrer Träume zusammenzukommen. Ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, schon mal eine so langweilige, unemotionale, schlechte Romanze gelesen zu haben, bei der die Liebenden so wenige Szenen zusammen hatten. Dieses Buch ist definitiv kein Liebesroman, wie der Klappentext suggeriert.

Fazit:
3/15 – Ein Buch ohne irgendwelche Highlights, aber voller aufgebauschter Bedeutungslosigkeiten. Prädikat: sterbenslangweilig!

 

Serieninfo:
01 A Coventry Christmas | Zimtsterne mit Zuckerguss
02 A Coventry Wedding | (nicht übersetzt)

[Rezension] Teresa Medeiros: Ungezähmtes Verlangen

OT: Some Like it Wild
2. Teil der Kincaid-/Highlander-Serie

Inhalt:
Die bezaubernde Pamela Darby braucht dringend einen Mann. Da kommt ihr der attraktive Straßenräuber Connor Kincaid gerade recht. Er schlägt in den halsbrecherischen Handel ein. Doch Pamela hat nicht mit der verführerischen Sinnlichkeit ihres schottischen Lockvogels gerechnet …

Kommentar:
Selten hab ich einen so wenig aussagekräftigen Klappentext gelesen – aber in diesem Fall war das kein Problem, denn ich wollte das Buch ohnehin haben. Nicht nur kauf ich grundsätzlich alle Bücher von Teresa Medeiros, die mitverantwortlich für meine Liebesromanleidenschaft war, sondern darüber hinaus hatte mir Band 1 der Kincaid-/Highlander-Serie ausnehmend gut gefallen. Für Leute, bei denen Medeiros nicht auf der Auto-buy-Liste steht, wäre ein bisschen mehr Inhalt aber sicher sinnvoll. Und wenn die Inhaltsbeschreibung dann auch noch korrekt wäre, wäre das schon richtig genial!

Immerhin sucht Pamela wirklich einen Mann – wenngleich nicht für den Zweck, der hier suggeriert wird, sondern um einen todkranken Herzog zu prellen, der auf der Suche nach seinem verlorenen Sohn ist. Ihr Plan ist es, dem Alten einen Mann als Sohn zu präsentieren, der dann Geld, Güter und Titel erbt, während sie die Belohnung einkassiert und sich mit mit ihrer Schwester ein schönes Leben macht. Der Highlander Connor Kincaid, ein gesuchter Straßenräuber, erweist sich als geeigneter Kandidat, und tatsächlich glaubt der Herzog ihrer Lüge. So einfach, wie Pamela sich die Sache vorgestellt hat, läuft sie dann aber doch nicht, denn Connor präsentiert die junge Frau ohne Absprache als seine Verlobte, sodass sie dazu gezwungen wird, auf dem herzöglichen Schloss zu bleiben und den Betrug gemeinsam mit dem Highlander durchziehen. Natürlich kommen sich die beiden näher, doch als die Wahrheit ans Licht kommt, müssen sie eine Entscheidung treffen.

Das Buch startet mit einer witzigen Szene, dem ersten Zusammentreffen zwischen den Darby-Geschwistern und Connor, der die Kutsche der beiden überfällt. Die Skurrilität der folgenden Ereignisse und die spritzigen Dialoge erinnern einen sofort wieder daran, was Teresa Medeiros ausmacht, doch obwohl es noch eine Weile ziemlich amüsant zugeht, verliert das Buch im Laufe der Zeit an Spritzigkeit. Es kommt einem ein wenig vor, als hätte Medeiros ihr Pulver nach den ersten Kapiteln weitgehend verschossen gehabt: Vor allem, nachdem Pamela und Connor beim Herzog angelangt sind und ihre Maskerade durchziehen, zieht sich die Handlung doch ziemlich, denn eigentlich passiert wenig bis nichts. Das hing vielleicht auch ein wenig damit zusammen, dass mir vom ersten Moment an völlig klar war, wie der Betrug ausgehen würde – Spannung wollte also auch in dieser Hinsicht nicht aufkommen. Zudem sind die Figuren zwar sympathisch, es fehlt ihnen aber das gewisse Etwas – über eine schwere, schicksalhafte Vergangenheit zu erzählen, verleiht einer Figur nun mal keine Tiefe oder Besonderheit; schon gar nicht, wenn sie sich nicht entsprechend verhält.

Fazit:
8/15 – Ein ganz unterhaltsamer Roman für Zwischendurch, den man allerdings nicht unbedingt gelesen haben muss. Medeiros kanns definitiv besser.

Serieninfo:
01 Some Like it Wicked | Gefangene der Leidenschaft – 14/15
02 Some Like it Wild | Ungezähmtes Verlangen – 8/15

[Rezension] Helen Abele: Ein Herz auf Flügeln zart

Inhalt:
Eines ist für Lizzy klar: Irgendwo auf der Welt lebt der Junge, der zu ihr gehört. Und eines Tages wird die Liebe zwischen ihnen wie der Blitz einschlagen. Doch plötzlich machen dem irischen Dienstmädchen gleich mehrere Verehrer Geschenke – aber keiner gibt sich zu erkennen! Muss sie wirklich bis zum großen Ball warten, um herauszufinden, wem ihr Herz gehört?

Kommentar:

[Ich glaube] fest daran, dass die Liebe nicht leise auf Schmetterlingsflügeln daherflattert, sondern mich treffen wird wie ein Blitzschlag. Und den betreffenden Herrn auch. Da gibt es kein ein bisschen oder vielleicht – so was weiß man doch. (S. 23)

»Ein Herz auf Flügeln zart« besticht auf den ersten Blick – nicht nur mit dem wunderschönen Titel, sondern auch mit seiner Aufmachung: Das Cover ist mit kleinen weißen Mustern beflockt, über die man beim Lesen geradezu zwanghaft streichen muss. Aber auch der Inhalt hält, was die Aufmachung verspricht.

Der Roman spielt im Jahr 1896 in Dublin. Das 15-jährige irische Dienstmädchen Elizabeth O’Faolain arbeitet im Haushalt von Professor Puddlewick, der die Bibliothek des Trinity College leitet, und hat es damit ziemlich gut getroffen. Der etwas weltfremde Professor und seine drei Söhne Hektor, Aeneas und Paris sind nämlich für die damalige Zeit ausgesprochen liberal und behandeln Lizzy eher wie ein Familienmitglied als wie eine Bedienstete. Sie darf sogar dabei helfen, eine Kopie des Book of Kells anzufertigen, die Queen Victoria bei ihrem bevorstehenden Besuch als Geschenk erhalten soll. Doch das ist noch nicht das aufregendeste Ereignis in Lizzys Leben: Gleich drei Mal wird ihr heimlich der Claddagh-Ring als Zeichen der Verehrung geschenkt – und sie weiß nicht, von wem! Doch letztendlich spielt es gar keine Rolle, denn im Laufe der Zeit merkt Lizzy, wem ihr Herz gehört.

Zumindest dem erwachsenen Leser dürfte von Beginn an klar sein, wer Lizzys Herz am Ende erobern wird – daran werden auch die diversen nicht allzu schwer zu durchschauenden Finten nichts ändern. Die eigentliche Zielgruppe (lt. Verlagsangabe 12+) wird aber sicher nicht ganz so klar sehen und entsprechend mit Lizzy mitfiebern – zumal die Figur echtes Identifikationspotenzial hat. Sie ist nämlich zwar im Grunde ein wahnsinnig nettes, vernünftiges Mädchen, hat aber dennoch ihre kleinen Fehler. So hadert sie beispielsweise mit ihren leicht abstehenden Ohren, kann sich von ein bisschen Neid auf ihre wohlhabende Freundin Mary nicht ganz lossprechen und übt sich in ein klein wenig Bosheit, indem sie Hektor Essen vorsetzt, das er nicht mag, weil sie sich über ihn geärgert hat.

Bemerkenswert ist die lebhafte Schilderung der spätviktorianischen Ära, die ganz nebenbei stattfindet und das Leben in der damaligen Zeit vermittelt. Ob für die damalige Zeit typische Gerichte, technische Neuerungen wie Autos oder Staubsauger, modische Sensationen wie Hosen für Frauen oder der langsame Wandel der Gesellschaft – das Umbruchgefühl vor der Jahrhundertwende wird ausgesprochen gut geschildert. Ein dermaßen liberaler Haushalt wie der Puddlewicksche war natürlich bei aller Umbruchstimmung dennoch eine absolute Ausnahmeerscheinung, wie die Autorin im sehr informativen Nachwort auch selbst einräumt; dies wird aber durch die snobistische Einstellung des Universitätsleiters Dempsey und den Kontrast zwischen der Lebensweise bzw. Lebenseinstellung der Puddlewicks und der Dempseys auch durchaus deutlich.

Neben Lizzys ungewöhnlicher Behandlung durch die Puddlewicks ist wohl auch die Tatsache relativ unwahrscheinlich, dass sechs unerfahrene Jugendliche dazu beordert werden, unter solchen Umständen das extrem wertvolle »Book of Kells« für die Queen zu kopieren. Ein Roman für eine jüngere Zielgruppe darf sich solche Freiheiten aber herausnehmen, zumal das gemeinsame Kopieren ohnehin keine große Rolle spielt, sondern nur den Rahmen für die Handlung und das Zusammensein der Jugendlichen bietet.

Fazit:
12/15 – Ein unaufgeregtes, warmherziges Buch, das einem ein paar Stunden zauberhafte Unterhaltung schenkt und an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass die Liebe eben doch nicht immer wie ein Blitz einschlägt, sondern manchmal auch ganz leise auf zarten Schmetterlingsflügeln daherkommt.

 


Trivia:

Das Buch ist in der Reihe »Liebe in allen Zeiten« beim Verlag Planet Girl (Thienemann) veröffentlicht worden, in deren Rahmen außerdem »Wie ein Kuss von Rosenblüten« von Martina Sahler erschienen ist. Ich hoffe, dass sie fortgesetzt wird!

[Rezension] Suzanne Collins: Tödliche Spiele

Originatitel: The Hunger Games
Die Tribute von Panem/Hunger Games, Teil 1

Inhalt:
Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung. Alljährlich finden grausame Spiele statt, bei denen nur ein Einziger überleben darf. Als die sechzehnjährige Katniss erfährt, dass ihre kleine Schwester ausgelost wurde, meldet sie sich an ihrer Stelle und nimmt Seite an Seite mit dem gleichaltrigen Peeta den Kampf auf. Wider alle Regeln rettet er ihr das Leben. Katniss beginnt zu zweifeln – was empfindet sie für Peeta? Und kann wirklich nur einer von ihnen überleben?

Kommentar:
Ich hab mich bekanntermaßen lange gegen die Panem-Serie gewehrt, weil ich nach diversen schlechten Erfahrungen mit »gehypter« Jugend- bzw. All-Age-Fantasy vorsichtig sein wollte. Außerdem kann ich Science-Fiction-Settings überhaupt nicht leiden, deshalb reichen schon die ersten Sätze des Klappentexts (»Nordamerika existiert nicht mehr. Kriege und Naturkatastrophen haben das Land zerstört. Aus den Trümmern ist Panem entstanden, geführt von einer unerbittlichen Regierung.«) zusammen mit Kritiken, die von »einer Art Gladiatorenkämpfe« und Gesellschaftsutopie sprechen, um mich völlig abzuschrecken. Die vielen positiven Kritiken haben mich letztendlich aber doch neugierig werden lassen, und das gute Zureden meiner Blogleser hat seinen Teil dazu beigetragen, dass ich das Buch letztendlich doch erstanden und gelesen habe.

Ich wills kurz machen: Ich bin froh darüber, denn trotz aller Bedenken hat mich das Buch wirklich sofort in seinen Bann gezogen und mitgerissen: Es ist spannend, packend, entsetzlich, traurig und stellenweise auch rührend. Das Erzähltempo ist wahnsinnig hoch, sodass man geradezu atemlos das Geschehen verfolgt. Die reservierte Katniss ist zwar alles andere als eine einfache Heldin, das macht das Mädchen aber authentisch und das Buch erst richtig interessant. Dass wir uns »in einer fernen Zeit« befinden, hab ich gar nicht wirklich zur Kenntnis genommen; das unliebsame hochtechnisierte Science-Fiction-Setting könnte weitgehend auch als ganz normale Magie in einem Urban-Fantasy-Roman durchgehen.

Restlos glücklich bin ich aber dennoch nicht mit dem Buch. Das liegt zum einen daran, dass ich mir noch ein bisschen mehr Emotionen und Drama gewünscht hätte; zum größten Teil aber hängt es mit dem Ende zusammen. Die Story macht zum Schluss einen Bogen, den ich nicht ganz glaubwürdig finde und der aufgrund der vorherigen Ereignissen nicht wirklich nachvollziehbar ist. Dieser Clou liefert zwar Stoff für weitere Bände, letztendlich wäre für mich das Buch aber als Einzeltitel perfekt gewesen, wenn man darauf verzichtet hätte. Aber ein Autor hat wohl dann alles richtig gemacht, wenn die Leser dem nächsten Band entgegenfiebern – und das ist auch in meinem Fall so.

Fazit:
14/15 – Ein wirklich packendes Buch, das man gelesen haben sollte.

 

Serieninfo:
01 The Hunger Games | Tödliche Spiele (Rezension)
02 Catching Fire | Gefährliche Liebe (Rezension)
03 Mockingjay | Flammender Zorn (Rezension)

[Rezension] Sarah MacLean: Ten Ways to be Adored When Landing a Lord

Love by Numbers, Book 2

Inhalt:
Nicholas St. John wird von Londons populärster Frauenzeitschrift zu einem der begehrenswertesten Singles der Stadt ausgerufen und kann sich daraufhin kaum mehr vor Angeboten aller Art retten. Da kommt es ihm gerade recht, dass der Duke of Leighton ihn bittet, dessen verschwundene Schwester Georgiana zu finden. Ihre Spur führt Nicholas aus der Stadt und weit in den Norden, nach Yorkshire, dort verliert er ihre Fährte aber zunächst. Stattdessen lernt er Lady Isabel kennen, die ihn bittet, ihre Antiquitätensammlung anzusehen und zu schätzen. Nicholas willigt ein, und ihm wird schnell klar, dass in Lady Isabels Haus etwas ganz und gar nicht stimmt, doch er kann sich trotzdem nicht gegen seine aufkeimenden Gefühle für die Frau mit all ihren Geheimnissen wehren … 

Kommentar:
Nachdem ich das Debüt von Sarah MacLean nicht ganz so überzeugend fand wie der Rest der Welt, hatte ich mich fast schon ein wenig geärgert, dass ich Band 2 vorschnell zum Schnäppchenpreis vorbestellt hatte. Zwischenzeitlich hatte ich sogar schon überlegt, »Ten Ways« abzubestellen, mich dann aber dazu entschlossen, der Autorin noch eine Chance zu geben – was für eine gute Entscheidung!

Die Geschichte an sich ist nichts besonderes und so oder ähnlich schon oft dagewesen, aber Sarah MacLean beweist mal wieder, dass man das Rad nicht neu erfinden muss, um einen überzeugenden historischen Liebesroman abzuliefern. Man muss ihn einfach nur gut schreiben und mit lebendigen Figuren bereichern, dann reicht auch ein simpler Plot, in dem die Helden eher zufällig übereinanderstolpern, sich sofort sympathisch sind und sich kennen und lieben lernen. Damit es nicht langweilig wird, müssen natürlich – so auch hier – eine Reihe Hürden und diverse Missverständnisse überwunden werden, diese sind in diesem Buch aber erfreulicherweise nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern weitestgehend glaubwürdig. Die Häufung von Krisen am Ende ist ein wenig zu viel des Guten, aber aufgrund des Umgangs der Helden mit den Problemen ist das zu verkraften.

Die Protagonisten verhalten sich zwar nämlich – beherrscht von ihren Ängsten – manchmal etwas irrational, erkennen ihre Fehler aber und versuchen, diese wieder gutzumachen und um ihre Liebe zu kämpfen. Und zwar nicht erst (gefühlte) hundert Leidensjahre später, während derer sie sich und die Leser mit ihren lächerlichen Konflikten und Zickereien gequält haben, sondern praktisch in unmittelbarem Anschluss nach der Entstehung eines Missverständnisses. Hier gibt es keinen falschen Stolz, keine Ignoranz, keinen beledigten Rückzug und keine Folgemissverständnisse, sondern die Helden räumen ihre Fehler aus der Welt. Und zwar in Gesprächen! Man stelle sich das vor: Die Helden reden miteinander – es ist kaum zu fassen.

Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass Sarah MacLean tolle Helden geschaffen hat. Isabel ist intelligent, schlagfertig, mutig, entschlossen und bereit, zum Wohle ihres Bruders und ihrer Mitbewohner bis zum Äußersten zu gehen. Phasenweise ist sie eine Spur zu altruistisch, das stört aber nicht wirklich, zumal das Gesamtbild stimmig ist. Und dann ist da noch Nicholas. Nicholas St. John – das klingt ja schon so toll. Und tatsächlich ist Nicholas … haaaach! Nicholas ist wirklich anbetungswürdig und einer der wundervollsten Liebesromanhelden, die mir in den letzten Jahren begegnet sind! Er ist genau im richtigen Maße arrogant und von sich eingenommen, aber dabei hilfsbereit, verantwortungsvoll, liebenswert, zupackend, bodenständig, freundlich, humorvoll und so so so sexy mit seinem schiefen Lächeln und der Narbe über die Wange. Wie er Isabel betrachtet und beschreibt, wie er mit seinem türkischen Freund umgeht und wie nett er zum zehnjährigen Duke ist, ist hinreißend. Und noch viel umwerfender ist sein Verhalten, nachdem Isabel von seinem Verrat erfahren hat: Obwohl sie ihn abweist und ihm nicht zuhören will, verzichtet er auf jegliche Selbstgerechtigkeit und falschen Stolz; stattdessen entschuldigt er sich und besteht trotz ihrer Ablehnung darauf, ihr alles zu erklären, ihr zu beweisen, dass er auf ihrer Seite ist und dass sie ihm vertrauen kann. Dass Nicholas auch noch eine schwierige, aber nicht zu schicksalsträchtige Vergangenheit hat, macht ihn endgültig zum absolut perfekten »tortured hero«. Einzig Heiratsanträge könnte er vielleicht noch ein bisschen üben, aber das ist auch sein einziges Manko (und eigentlich ist es auch egal, ob er einen romantischen Heiratsantrag macht oder einen unromantischen, Hauptsache, er fragt überhaupt!). Und daher noch mal abschließend: Haaach!

Ebenfalls gut gelungen sind die Nebenfiguren. Gleichermaßen interessant wie auch imposant ist der Auftritt des überaus arroganten Duke of Leighton, der im Folgeband von Juliana, der Schwester von Nicholas und Gabriel (Protagonist aus Band 1 der Serie), von seinem hohen Ross geholt wird. Darüber hinaus sorgen vor allem Nicks türkischer Freund Rock (von den Frauen heimlich nur »the Giant« genannt) und Isabels zehnjähriger Bruder James für nette Szenen und humorvolle Dialoge. Apropos: Humor und geistreiche Dialoge gibt es hier – wie schon in Band 1 – jede Menge, sodass das Buch extrem witzig, spritzig und unterhaltsam ist.

Fazit:
14/15 – Ein wundervoller Liebesroman mit vielen humorvollen wie auch hinreißendenn Szenen und einem anbetungswürdigen Protagonisten.

Trivia:
Auf dem Blog »The Season« gibts einen netten Beitrag von Sarah MacLean mit dem Thema »Ten Ways (my) Characters Are Almost Certain to Misbehave«.

Serieninfo:
01 Nine Rules to Break When Romancing a Rake – 10/15
02 Ten Ways to Be Adored When Landing a Lord – 14/15
03 Eleven Scandals to Start to Win a Duke’s Heart (2011)

[Rezension] Jens Lossau/Jens Schumacher: Der Orksammler

2. Teil der IAIT-Serie

Inhalt:
Aus dem Heerlager einer Militärstreitmacht, die seit Wochen in der Ebene von Torr auf ihren Einsatz wartet, verschwinden Nacht für Nacht Soldaten, allesamt Orks. Die Vermissten werden Tage später tot in der Karstwüste rings um das Lager gefunden. Jemand oder etwas hat ihnen mit roher Gewalt die Herzen aus dem Leib gerissen! Da Leichen und Tatorte Rückstände von Magieanwendung aufweisen, schickt man umgehend nach den beiden erfahrensten Ermittlern des IAIT, Meister Hippolit und Jorge dem Troll. Die beiden folgen der Fährte des Täters bis in die Mauern von Torrlem, der berüchtigten Grabstadt. Hier, umgeben von Abertausenden von Leichen, stoßen sie auf ein grauenhaftes Geheimnis …

Kommentar:
Jorge und Hippolit ermitteln wieder – in einem so dringlichen Fall, dass sie sogar aus dem wohlverdienten Erholungsurlaub geholt werden. Jorge wäre nicht Jorge, wenn er nicht jedem zufällig ausgewählten Gesprächspartner von dem Geheimauftrag erzählen würde, der sich um abgeschlachtete Orkkrieger dreht, denen das Herz herausgerissen wird. Die Hinweise auf den Täter sind rar: Unter den Soldaten ist von einem riesenhaften Monster die Rede, das sich lautlos und mit erstaunlicher Geschwindigkeit bewegt – aber was für ein Wesen kann das sein? Hippolit und Jorge tappen im Dunklen, bis die Spur sie in die Totenstadt Torrlem führt, gewissermaßen eine riesiges Krematorium. Dort erhalten sie Hinweise, die so unglaublich sind, dass sie zunächst nicht daran glauben wollen, denn sie drehen sich um eine Lebensform, die seit Tausenden von Jahren als ausgestorben gilt.

Im Gegensatz zum ersten Teil der Serie liegt der Fokus diesmal mehr auf der Krimihandlung, während die merkwürdigen Ermittler etwas in den Hintergrund treten. Leider konnten mich die Nachforschungen in Sachen Orksammler nicht wirklich in ihren Bann ziehen, da Jorge und Hippolit lange Zeit fast völlig im Dunklen tappen und gegen Ende eher zufällig über die entscheidende Information stolpern. Um ehrlich zu sein: Ich habe mich stellenweise ganz schön gelangweilt, weil die Handlung so ereignislos vor sich hinplätscherte und kaum Spannung aufkommen mochte. Schon beim »Elbenschlächter« habe ich festgestellt, dass das Buch weniger mit seinem Fall als mit den skurrilen Situationen, Dialogen und Figuren punktet, und das gilt auch für den Nachfolger. Das Buch verliert im Vergleich mit Band 1 nun auch deshalb, weil sich Jorge und Hippolit bei ihren Ermittlugen trennen und nur ganz wenige Szenen zusammen haben (was möglicherweise der doppelten Autorenschaft geschuldet ist). Die Interaktionen zwischen den beiden waren aber absolute Highlight des Vorgängerbandes und sind es auch jetzt wieder, denn der optische und intellektuelle Kontrast zwischen den beiden eigenartigen Typen könnte besser nicht vor Augen geführt werden. Dass ihre gemeinsamen Auftritte nun so reduziert sind, macht sich deutlich bemerkbar.

Hinzu kommt, dass die beiden Figuren etwas verändert erscheinen: Lichtadept Hippolit ist natürlich immer noch überaus gebildet, eloquent, ein bisschen arrogant und besserwisserisch, sein Zynismus ist nicht mehr so beißend wie zuvor. Und sein Körper bereitet ihm neue Probleme: Sein knabenhaftes Aussehen untergräbt nicht nur wie üblich seine Autorität, sondern er scheint auch noch in die Pubertät zu kommen, wie die Reaktion auf die niedliche Sekretärin des Totenstadtverwalters zeigt. Er selbst reduziert diese Tatsache ganz trefflich auf folgende Erkenntnis: »Trotz des leichten Nebels in seinem Kopf ahnte er, dass die Gegenwart eines bildhübschen Mädchens seine kriminologische Deduktionsarbeit möglicherweise beeinträchtigen würde.« (S. 157)

Noch viel extremer erscheint mir die Veränderung Jorges. Natürlich haut er immer noch mächtig auf die Pauke, sodass ihm die Bewunderung anderer Trolle gewiss ist, aber er wirkt lange nicht mehr so dumm-dreist wie früher. Seine Saufgelage, sexuellen Eskapaden, Beleidigungen und Schlägereien hat er fast schon bedenklich eingeschränkt, allerdings hat er immer noch jede Menge beeindruckende Trollsprichwörter auf Lager, die er zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit gerne unters Volk bringt (»Bücher sind gut, solange genügend nackte Weiber und Vögelei darin vorkommen, S. 112; »Wenn ein Troll von der Hüfte abwärts aufhört, ist er überhaupt kein Troll mehr«, S. 255; »Unterschätze keinen Troll – er könnte rasend intelligent sein«, S. 277). Überdies hat er zusätzlich zu seinem Beinamen jetzt auch noch einen zweiten Vornamen (Jorge »Sensibiltät« der Erwischer) und eine neue Freundin.

Seine neue Freundin hört auf den Namen Pompom und ist eine Vulvatte, ein katzengroßes faltiges Nagetier mit vorstehenden Zähnen und Knopfaugen, deren Beschreibung an manch ein gruseliges Foto eines Genfoschungsexperiments erinnert, wahlweise auch an eine Mischung aus Shar-Pei und Nacktkatze. Hippolit hält sie zunächst für ein gerupftes Huhn und fällt aus allen Wolken, als Jorge Pompom als neuestes Mitglied ihres Ermittlerteams vorstellt. Der Lichtadept ist alles andere als begeistert von diesem »Ungeziefer«, doch seine Ironie (»Freut mich, dass du jemanden kennengelernt hast, mit dem du dich auf deinem Niveau unterhalten kannst.«, S. 190) prallt an Jorge ab; er freut sich darüber, endlich jemanden zu haben, der nicht dumm daherredet und seine Streicheleinheiten uneingeschränkt genießt.

Fazit:
7/15 – Das Team ermittelt in einem wenig fesselnden Fall und schafft es trotz einiger skurriler Auftritte diesmal nicht ganz, den Mangel an Spannung mit Witz zu kompensieren. Humor und Ironie sind nicht mehr ganz so durchschlagend und haben sich vielleicht auch ein wenig abgenutzt, sorgen aber immer noch für einige Lacher.


Serieninfo:
01 Der Elbenschlächter – 13/15
02 Der Orksammler – 7/15
03 Der Schädelbrecher (Herbst 2011)

[Rezension] Meg Cabot: Eternity

Originaltitel: Insatiable


Kurzbeschreibung:

Meena ist genervt von Vampiren. Vor allem, weil sie einen in ihre umjubelte Soap »Eternity« hineinschreiben soll. Doch es kommt noch schlimmer: Während eines nächtlichen Spaziergangs mit ihrem Hund wird Meena von einem sexy Fremden vor einer Fledermausattacke gerettet. Zu guter Letzt steht plötzlich ein weiterer attraktiver Mann in ihrer Wohnung, der behauptet, Vampirjäger zu sein. Und all das mitten in New York City? Noch nicht einmal Meenas mysteriöse Gabe warnt sie vor dem, was noch auf sie zukommt: Denn wer ist dieser geheimnisvolle Fremde, dessen Charme sie ihre anderen Probleme fast vergessen lässt?


Kommentar:

Mit »Eternity« begibt sich Meg Cabot, die sich vor allem mit den »Princess Diaries« einen Namen gemacht hat, auf ihren ersten Ausflug ins Urban-Fantasy-Genre für Erwachsene. Nur zur Sicherheit sei deshalb explizit erwähnt: Es handelt sich bei diesem Buch weder um einen Liebes- noch um einen Jugendroman.

Im Zentrum der Geschichte steht die Drehbuchautorin Meena Harper, die mit ihrem arbeits- und obdachlosen Bruder Jon und ihrem Zwergspitz Jack Bauer zusammenlebt. Trotz ihrer Gabe, den Tod anderer Menschen vorhersehen zu können, versucht sie, ein einigermaßen normales Leben zu führen – und das gelingt ihr auch, bis sie eines Tages von einer Kolonne Fledermäuse angegriffen und von einem mysteriösen Fremden gerettet wird. Dieser Fremde entpuppt sich nicht viel später als ein Verwandter ihrer exzentrischen Nachbarn, der noch dazu ein rumänischer Prinz und überaus sexy ist. Es funkt sofort zwischen Meena und Lucien und sie verbringen eine Nacht zusammen. Am nächsten Tag steht jedoch der Vampirjäger Alaric Wulf, Mitglied der Geheimen Garde des Vatikans, vor Meenas Türe und behauptet, Lucien sei ein bösartiger Blutsauger, Sohn des berühmten Vlad Dracul. Meena ist fassungslos und kann das alles nicht glauben, findet sich aber nicht viel später mitten in einem Krieg zwischen zwei Vampirgruppierungen sowie zwischen Vampiren und Vampirjägern wieder.

Obwohl die Handlung ziemlich skurril angelegt ist, ist sie leider nicht so lustig, wie man annehmen könnte. Der Cabot-typische Humor, den ich eigentlich sehr mag, ist nur in Ansätzen vorhanden, stattdessen gibt es viele verschiedene Handlungsstränge, Erzählperspektiven und leider auch jede Menge Längen. Meg Cabot liefert zwar eine solide Story und schreibt mit viel Routine, echte Spannung kommt aber zu keinem Zeitpunkt auf. Hinzu kommt, dass es den Figuren an Charme mangelt – ebenso wie der ganzen Geschichte. Ehrlich gesagt hatte ich den Eindruck, dass die Autorin selbst nicht so genau wusste, was für ein Buch sie da eigentlich verfassen will – eine (gemäßigte) Vampirsatire oder einen ernstzunehmenden Urban-Fantasy-Roman. Das hat zum Ergebnis, dass »Eternity« irgendwie unausgegoren wirkt und so einiges nicht so recht zusammenpasst. Wenn der blonde Alaric, der übrigens der Lichtblick in diesem Buch ist, im schwarzen Ledertrenchcoat mit seinem Schwert »Señor Sticky« (!) ein Restaurant verwüstet, hat das zwar was, es passt aber nicht recht zur Situation. Darüber hinaus kommt einem so einiges in diesem Buch bekannt vor – besonders an die Sookie-Stackhouse-Serie fühlte ich mich erinnert: Die Charaktere haben teilweise frappierende Ähnlichkeiten zu Sookie, ihrem Bruder, Eric und Bill.

Trotz aller Kritik hat »Eternity« nette Momente, insbesondere dann, wenn Cabot kleine Seitenhiebe auf beliebte Film- und Fernsehserien auspackt. Meenas Hund trägt seinen Namen zum Beispiel, weil er ebenso »angespannt« ist wie Jack Bauer aus der Serie 24, und Alaric sinniert über die Dummheit von Vampiren, vor allem amerikanischen, die sich an Orten aufhalten, an die er sich nie begeben würde, wäre er unsterblich. Highschools – beispielsweise.

Das Ende des Buches deutet darauf hin, dass »Eternity« der Auftakt einer Serie sein könnte; genaueres hierzu ist aber m.W. noch nicht bekannt und könnte möglicherweise von den Verkaufszahlen abhängen.


Fazit:

7/15 – Eine solide Geschichte, der es aber an Spannung und Charme mangelt.


Trivia:

Auf der Homepage zum Buch gibt es nicht nur Infos zu Autorin und Buch sowie Leseproben und Wallpaper, sondern auch einen Trailer, indem man selbst »mitspielen« kann, indem man ein Foto von sich hochlädt.

[Rezension] Krystina Kuhn: Das Tal, Season 1.1 – Das Spiel

1. Teil Grace-College-Serie

Inhalt:
Eine coole Einweihungsparty im Bootshaus, so feiern die neuen Studenten ihre Ankunft im Grace College. Doch schon bald merken Julia und ihre Freunde, dass in dem abgelegenen Tal mitten in den kanadischen Bergen etwas nicht stimmt. Wozu dienen die vielen Verbotsschilder rund um das College? Und warum ist der Ort nicht auf Google Earth zu finden?
Die Lage spitzt sich zu, als Julias Bruder Robert beobachtet, wie ein Mädchen in den Lake Mirror springt und von einem Strudel nach unten gezogen wird. Aber niemand scheint seinen Worten Glauben – nicht einmal Julia. Noch ahnt sie nicht, dass die dunklen Schatten der Vergangenheit, die sie für immer überwunden glaubte, hier im Tal wieder an die Oberfläche drängen.

Kommentar:
Eigentlich hatte ich ja kein großes Interesse an diesem Buch – weder Klappentext noch Aufmachung haben mich besonders angesprochen. Dann hat mich allerdings Marens Begeisterung für Band 2 aufgeschreckt und hellhörig werden lassen. Als sich die Gelegenheit ergab, hab ich das Buch also eingepackt – zum Glück, denn ich habe lange keinen so ansprechenden Jugendkrimi mehr gelesen.

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[Rezension] Tessa Dare: Der Kuss der Jägerin

Originaltitel: Goddess of the Hunt
The Wanton Dairymaid Trilogy, Book 1

Inhalt:
Lucy Waltham ist fest entschlossen, nur aus Liebe zu heiraten, und sie hat auch schon einen geeigneten Kandidaten im Visier. Leider fehlt es ihr an praktischer Erfahrung. Kurzerhand beschließt Lucy, ihre Verführungskünste zuvor an Jeremy Trescott auszuprobieren, dem besten Freund ihres Bruders. Ihre Übungsküsse entfachen ein unerwartetes Feuer in dem sonst so verschlossenen Jeremy, doch kann er das Herz der vorwitzigen jungen Lucy für sich gewinnen?

Kommentar:
»Der Kuss der Jägerin« ist Tessa Dares Romandebüt und gleichzeitig der Auftakt einer Trilogie. Obwohl der Klappentext eine altbekannte Geschichte ankündigt, hat er meine Aufmerksamkeit geweckt, denn ich mag solche Plots trotz aller Abgedroschenheit ganz gerne – besonders, wenn auch noch eine Dreiecksbeziehung angekündigt wird. Und nachdem das Buch außerdem gute Kritiken erhalten hat, war ich sehr gespannt darauf, was die Autorin aus der wenig innovativ klingenden Grundidee gemacht hat.

Das Buch startet ohne langes Vorgeplänkel. Lucy überfällt den Freund ihres Bruders, der bei ihnen zu Besuch ist, nachts in seinem Schlafzimmer und küsst ihn mit unschuldiger Begeisterung. Wie der überrumpelte Jeremy erfahren muss, benutzt ihn Henrys kleine Schwester allerdings nur als Übungsobjekt: Sie will ihr angelesenes theoretisches Wissen in die Tat umsetzen, um ihre große Liebe Toby, einen anderen Freund ihres Bruders, zu verführen. Und zwar schnell, denn wie sie erfahren hat, will Toby der liebreizenden Sophie einen Heiratsantrag machen. Nur mit List und Tücke kann Jeremy ihr ausreden, ihre Verführungspläne umgehend in die Tat umzusetzen, und in der Folge setzt er alles daran, um Lucy zur Vernunft zu bringen und ihre Eroberungsversuche zu unterbinden. Denn er weiß nicht nur mit Sicherheit, dass Toby kein Interesse an dem Mädchen hat und sie verletzen wird, sondern er sieht Lucy seit dem Kuss mit neuen Augen. Es kommt ihm also ganz gelegen, dass Lucy ihn dazu benutzen will, um Toby eifersüchtig zu machen …

Die erste Hälfte der Handlung ist sehr unterhaltsam, obwohl Lucy teilweise ganz schön anstrengend ist. Sie ist ein richtiger Wildfang, der schon als Kind mit dem Bruder und Freunden Jagen, Fischen und Schießen war, und hat Zeit ihres Lebens große Freiheiten genossen. Um Toby für sich zu begeistern, versucht sie nun, erstmals in ihrem Leben damenhaft zu sein – so damenhaft wie Tobys Zukünftige, Sophia, die ebenfalls gerade zu Gast ist. Dabei schießt sie allerdings teilweise völlig übers Ziel hinaus und sorgt für einige Irritation bei den Männern, die sie noch nie so erlebt haben. Für den Leser gestalten sich ihre verzweifelten Versuche teils witzig, teils sind sie aber auch ein wenig anstregend, zumal sich Lucy phasenweise unglaubwürdig naiv und äußerst kindisch verhält. Alles in allem ist sie aber eine willensstarke, letztendlich vernünftige und nette Heldin, die vielleicht ein klein wenig zu modern anmutet.

Auch Jeremy ist vielleicht ein klein wenig blass, aber insgesamt ein symathischer Held mit Verstand und Verantwortungsgefühl, der allerdings ein Kindheitstrauma mit sich herumschleppt, das erst gegen Ende der Handlung offenbart wird. Es erklärt seine Ernsthaftigkeit, seine nagenden Ängste, die unterdrückten Emotionen – und vor allem so manch eine extreme Handlungsweise, die zuvor befremdlich wirkten, rückwirkend aber verständlich werden.

Wie Jeremy zu Freunden wie Toby, Felix und Lucys Bruder Henry gekommen ist, ist allerdings nicht mal mit Rebellion gegen den despotischen Vater zu erklären. Die Auftritte der drei selbstsüchtigen Hohlköpfe sind ein stetiges Ärgernis. Als Jeremy ihnen beispielsweise offenbart, dass Lucy unter der bevorstehenden Vermählung Tobys mit Sophia leidet, tun sie das als dumme Kleinmädchenschwärmerei ab und verfallen schließlich auf die glorreiche Idee, Jeremy solle Lucy doch vorspielen, er hätte Interesse an ihr, damit sie von Toby abgelenkt ist. Toby ist nämlich seinerseits nicht bereit, Lucys Schwärmerei durch ein Gespräch zu beenden oder indem er Sophia sofort einen Heiratsantrag macht – er möchte nämlich noch seinen letzten Herbst in »Freiheit« genießen. Und Henrys Bruder erinnert sich auch nur im falschen Moment an seine Verantwortung als Vormund, er ist durchgehend nervig, dumm und versteht überhaupt nichts.

Eine interessante Nebenperson ist Sophia, mit der sich Lucy trotz aller Konkurrenzgedanken anfreundet – weil sie nämlich zwar seltsam, aber unerwarteterweise richtig nett, humorvoll und lange nicht so gesittet ist, wie sie zunächst zu sein scheint. Gegen Ende des Buches nimmt die Handlung um Sophia eine unerwartete Wendung, die einem große Lust macht auf Band 2 der Trilogie, in dem sie die Hauptrolle inne hat.
Eine auffällige Bedeutung für den Fortgang der Geschichte nimmt Henrys und Lucys geistig verwirrte Tante Mathilda ein, die trotz einer angestellten Pflegerin immer wieder ausbüxt. Ihr einziger Zweck scheint es zu sein, dafür zu sorgen, dass Lucy auf der Suche nach ihr in Eiseskälte mehr oder weniger bekleidet in den Wald läuft, dort in Gefahr gerät und gerettet werden muss.

Wie oben angedeutet teilt sich die Handlung in zwei große Abschnitte, von denen der erste – die Annäherung zwischen Lucy und Jeremy – sehr unterhaltsam ist. Der zweite Teil ist allerdings phasenweise ganz schön ärgerlich, denn er basiert auf einem riesengroßen Missverständnis (das mehrere kleine Missverständnisse nach sich zieht), das man mit einem kurzen Gespräch ganz schnell aus der Welt räumen könnte. Da man aber ja nicht miteinander spricht, sondern jeder schweigend vor sich hin sinniert und was anderes tut, als er eigentlich will, weil er ja fälschlicherweise glaubt, der andere würde dieses und jenes empfinden, bekommt man in der zweiten Hälfte jede Menge Drama, das nicht sein müsste und den Gesamteindruck des Buches doch ganz schön trübt.

Fazit:
7/15 – Ein ganz vielversprechendes, unterhaltsam geschriebenes Debüt mit sympathischen Figuren, das in der zweiten Hälfte aber deutlich abfällt.


Trivia:

Auf Tessa Dares Homepage kann man nachlesen, wie die Cover zu den Originalausgaben entstanden sind – wirklich interessant.

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Serieninfo:
01 Goddess of the Hunt | Der Kuss der Jägerin
02 Surrender of a Siren
03 A Lady of Persuasion

[Rezension] Nora Melling: Schattenblüte

Die Verborgenen, Buch 1

Inhalt:
Seit dem Tod ihres Bruders ist für Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschließt zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt hält jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald, und er spürt Luisas Schmerz. Die »Verborgenen« können ihre Gestalt ändern: Sie sind Werwölfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier – und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen. Bald wird er ganz Wolf sein. Dann hat Luisa auch ihn verloren. Für ihre große Liebe würde sie alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?

Kommentar:
Ich war sehr gespannt auf den Debütroman der deutschen Autorin Nora Melling, als ich die Ankündigung gesehen habe, zumal mich die Beschreibung sofort an »Shiver« (dt. »Nach dem Sommer«) erinnert hat. Tatsächlich gibt es einige Parallelen zwischen den beiden Büchern – allerdings ist »Schattenblüte« leider nicht mal halb so gut wie Stiefvaters Roman.

Dem obigen Klappentext ist inhaltlich eigentlich nicht viel hinzuzufügen, im Gegenteil: Er gibt fast schon eine Spur zu viel preis, weshalb man als Leser mehr weiß als Protagonistin Luisa selbst, die erst im Laufe der Handlung herausfindet, dass Thursen und seine Freunde Werwölfe sind. Elementar für die Handlung ist die Tatsache, dass die Werwölfe nicht unbegrenzt oft ihre Gestalt wechseln können, sondern dass sie mit jeder Verwandlung mehr zum Wolf werden und jedesmal ein Stück der Erinnerung an ihr menschliches Dasein verlieren – bis sie irgendwann Wolf bleiben. Als Luisa Thursen kennenelernt, steht dieser bereits kurz vor der endgültigen Verwandlung; nur sie hält ihn noch im menschlichen Leben. Dass ein unbeschwertes Zusammensein insofern zu keiner Zeit möglich ist, versteht sich von selbst.

Hinsichtlich dieser stark getrübten Liebesbeziehung und der Suche nach einem Ausweg gleicht das Buch »Shiver« frappierend; die Ähnlichkeiten hören hier aber auch schon auf. Denn während Sam und Grace in »Shiver« versuchen, die knapp bemessene gemeinsame Zeit trotz aller Trauer und Ängste zu genießen und wunderschöne intensive Momente zusammen erleben, sind Luisa und Thursen permanent am Zanken und trennen sich gefühlte 84 Mal, nur um dann doch wieder zusammenzukommen und gemeinschaftlich zu lamentieren. Dem Buch geht jede für den Leser nachvollziehbare Emotion zwischen den Protagonisten völlig ab, vielleicht geht sie auch in all den sprachlichen Absonderlichkeiten verloren. Positive Gefühle werden kaum vermittelt, stattdessen ist »Schattenblüte« fast durchgehend düster und depressiv.

Möglicherweise liegt die Tatsache, dass ich mit dem Buch so gar nichts anfangen konnte, im Wesentlichen an den Protagonisten, denen ich nicht das Geringste abgewinnen konnte. Thursen nehme ich den Anführer der im Berliner Grundewald lebenden Werwölfe überhaupt nicht ab; er bleibt letztendlich blass und wirkt die ganze Zeit sehr unentschlossen bezüglich seiner Zukunft: Er möchte eigentlich trotz seiner Liebe zu Luisa gar nicht wirklich in sein menschliches Dasein zurück. Luisa ist allerdings nicht bereit, das zu akzeptieren: Nachdem er sie davon abgehalten hat, Selbstmord zu begehen und ihr das Versprechen abgenommen hat, es nie wieder zu versuchen, soll er mal schön auch im Leben bleiben – das muss sie ja schließlich auch. Dementsprechend drängt sie ihn, sich auf die Suche nach seinen Wurzeln zu machen, die ihn retten können.

Luisa ist ein wirklich schwieriger Charakter, was angesichts ihrer Vergangenheit zugegebenermaßen kein Wunder ist. Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Fabi haben die zutiefst verstörten Eltern alle Brücken in Hamburg abgebrochen und sind nach Berlin gezogen, wo sie mit wenig durchschlagendem Ergebnis versuchen, ein neues Leben zu beginnen. Luisa fühlt sich dadurch um die Möglichkeit gebracht, sich mit der Trauer um Fabi auseinanderzusetzen und sein Grab zu besuchen, und ihre ohnmächtigen, mit der Situation heillos überforderten Eltern sind alles andere als hilfreich für einen Neustart. Luisa ist eigentlich permanent erfüllt vom Gedanken an Fabi; ihre Trauerarbeit ist neben der Beziehung zu Thursen zentrales Thema das Buchs. Es ist insofern nur natürlich, dass sie sich an Thursen klammert und dass sie verbittert, verstört und traurig ist – aber das Verständnis für ihre Situation macht sie trotzdem nicht zu einer Heldin, die ein solches Buch tragen kann.

Zu alledem kommt dann noch ein sehr eigentümlicher Stil mit äußerst seltsamen Satzkonstruktionen. Die Sprache ist einfach, die Sätze sind vielfach sehr kurz, oft auch ohne Subjekt aneinandergereiht, wobei vorher bereits benutzte Worte wiederholt oder aufgenommen und mit einer Vielzahl von Synonymen oder Wörtern aus der gleichen Wortfamilie angereichert werden (»Die Hoffnung wächst, blüht, wuchert. Überwuchert jeden Zweifel.«, S. 135). Das Bemühen um Metaphorik ist unverkennbar, und an manchen Stellen sind die Bilder sogar gelungen, in dieser Masse wirkt das alles aber völlig übertrieben und mühsam konstruiert. Teilweise wirkt es einfach nur so bemüht, dass es albern ist: »Sein Gesicht, sein krähengraues Gesicht mit den Bleiglanzaugen kommt näher, und ich weiß, bin ihm ausgeliefert, kann mich niemals gegen ihn wehren.« (S. 98) oder noch viel schlimmer: »Ich drehe wieder um. Nehme meine Schulranzen, trage ihn in die Wohnung und werfe ihn in die Ecke. Er fällt auf die Seite, springt auf und erbricht Bücher und leere Hefte.« (S. 205) Ich will diesen Stil nicht verteufeln, er ist aber definitiv nicht mein Ding. Wer glaubt, dass er Freude an einem Buch voller Sätze wie dem folgenden haben kann, kann bei »Schattenblüte« getrost zugreifen!

Er presst seinen Mund fast schmerzhaft auf meinen. Ich habe die Augen geschlossen und fühle nur noch ihn überall. Seine Schultern unter meinen klammernden Händen. Seine Arme um mich, sein Atem auf meiner Wange. Rieche und schmecke ihn. Er ist meine ganze Welt. Und ich bin seine. So soll es sein. Wir küssen uns als sei es das letzte was wir tun auf dieser Welt. Berühren, fühlen, schmecken uns, als würden nur noch heute die Vögel singen, die Bäume wachsen, die Sonne scheinen. Als wäre der flammende Meteorit, der die Erde zerschlägt, schon zu uns unterwegs. (S. 130)

Fazit:
4/15 – Wenig sympathische Figuren agieren in einer eigentlich ziemlich dünnen Geschichte, die trotz des Themas keine nachvollziehbaren Emotionen vermittelt – geschweige denn beim Leser erzeugen kann. Der höchst eigentümliche Stil der Autorin trägt seinen Teil dazu bei, dass mich das Buch eher genervt als unterhalten hat.