Zuletzt gelesen

Kategorien

Amazon-Partnerprogramm

Hinweis: Alle Amazon-Links sind Affiliate-Links. Das bedeutet, dass ich eine kleine Provision erhalte, wenn du auf den Link klickst und bei Amazon einkaufst. Das hilft mir, den Blogs zu finanzieren.

[Rezension] Ilona Andrews: Magisches Blut

Originaltitel: Magic Bleeds
Kate Daniels/Stadt der Finsternis, Band 4

Inhalt:
Kate Daniels erhält den Auftrag, in einer blutigen Auseinandersetzung zu ermitteln, die in einer Bar zwischen den Gebieten der Gestaltwandler und der Nekromanten stattgefunden hat. Schon bald stößt sie auf einen neuen gefährlichen Gegner, der Atlanta unsicher macht – ein uraltes Geschöpf, das einst an der Seite von Kates Vater gekämpft hat. Kann es Kate und Curran, dem Anführer der Gestaltwandler, gelingen, gegen diese finstere Bedrohung zu bestehen?

Kommentar:
Nach ihren Abenteuern bei den »Midnight Games« in Band 3, bei denen Kate in Kauf genommen hat, das Geheimnis ihres Bluts zu lüften, um ihre Freunde zu retten, kommt Kate kaum zur Ruhe. Die Handlung setzt praktisch unmittelbar nach Ende des dritten Teils der Serie an – mit einem Essen, das sie Gestaltwandler Curran aufgrund einer verlorenen Wette zubereiten muss. Der Herr der Bestien taucht allerdings gar nicht erst auf, und wütend und verletzt Kate scheibt Kate ihn für immer ab. Nicht viel später hat sie aber ohnehin kaum mehr Zeit, sich um ihr vertracktes Liebesleben Gedanken zu machen. Sie wird zu einer Kneipenschlägerei mit unabsehbaren Auswirkungen gerufen, die den Einsatz eines Seucheneinsatzkommandos notwendig werden lassen. Jemand scheint Atlanta verseuchen zu wollen, und wie sich herausstellt, hat Kate es mit einem uralten mächtigen Gegner mit ungeahnten Kräften zu tun, der ihr alles abverlangt.

Eigentlich kann man nur wiederholen, was man schon über die ersten drei Bände der Serie gesagt hat: Das Autorenpaar Ilona Andrews liefert mit der Kate-Daniels-Serie mit die beste Urban Fantasy, die derzeit auf dem Markt ist. »Magisches Blut« spinnt die faszinierende Geschichte von Kate und ihrer Familie fort, vermischt reale magische Lehren und Mythen mit fantastischen Ideen und liefert ein Actionfeuerwerk, das mit Brutalität, Blut und abgetrennten Gliedmaßen nicht spart. Einige Aspekte der Geschichte haben sich mir im Detail nicht wirklich plausibel erklärt bzw. sind für mich offen geblieben, das mag aber auch an mir selbst liegen – für einen weniger geübten Fantasyleser ist die Handlung doch eher komplex.

Superheldin Kate metzelt sich wie immer ungerührt und (beinahe) unzerstörbar durch die Geschichte, besticht aber außerdem mit ihrem wundervollen trockenen Humor, coolen Sprüchen und zeigt darüber hinaus zur Abwechslung auch mal ihre verletzliche Seite, was sie ein klein wenig menschlicher macht. Ihre Beziehung zu Curran entwickelt sich auf eine Weise, die Kate so nicht geplant hat, die aber ausgesprochen spannend zu verfolgen ist. Wunderbar ist auch Kates neuer Begleiter, ein stinkender »Kampfpudel«, der allerdings gegen Ende des Buchs sträflich vernachlässigt wird bzw. einfach verschwunden ist.

Fazit:
11/15 – Ein richtig gutes Urban-Fantasy-Buch, das mir persönlich aber einen Tick zu sehr auf Action und Gemetzel setzt und dessen Handlung mich phasenweise an meine Grenzen gebracht hat. Fantasyleser können hier aber bedenkenlos zugreifen – allerdings besser erst, nachdem sie zunächst die Vorgängerbände gelesen haben!

 

 

Serieninfo:
01 Magic Bites | Die Nacht der Magie (Rezension)
02 Magic Burns | Die dunkle Flut (Rezension)
03 Magic Strikes | Duell der Schatten (Rezension)
–– Magic Mourns (novella in »Must Love Hellhounds«-Anthology) | —
04 Magic Bleeds | Magisches Blut
05 Magic Slays (Mai 2011)

Trivia:
Unter dem Titel »Curran: Volume I – Look into the Beast Lord’s mind« hat Gordon Andrews eine Reihe von Szenen aus den Büchern aus Currans Perspektive veröffentlicht. Man kann das E-Book auf englisch und deutsch kostenlos herunterladen. Auf der Homepage des Autorenduos gibt es außerdem weitere Snippets und Extras.

[Rezension] Anne Stuart: Ruthless

The House of Rohan, Buch 1

Inhalt:
Paris, 1768. Die Engländerin Elinor Harriman lebt zusammen mit ihrer Schwester Lydia, ihrer Mutter und zwei Bediensteten am Rande des Existenzminimums in Paris. Als ihre spielsüchtige, schwer syphiliskranke Mutter eines Tages mit dem letzten Wertgegenstand aus dem Haus türmt, folgt Elinor ihr notgedrungen ins Château de Giverney, wo allen erdenklichen Sünden gefrönt wird. Dort trifft sie auf Viscount Rohan, Comte de Giverney – einen Mann mit äußerst zweifelhaftem Ruf, der ein eigenartiges Interesse an ihr zeigt … 

Kommentar:
»Ruthless« ist der erste Teil der »House of Rohan«-Serie und mein erstes Buch von der Autorin, von der ich schon ewig was lesen will – allein deshalb, weil ihre Helden ziemlich düstere, unkonventionelle Gestalten und teilweise fast schon Anti-Helden sein sollen.

Ich würde nicht so weit gehen, Francis Rohan als echten Anti-Helden zu bezeichnen, düster und unkonventionell trifft es aber durchaus. Er ist vom Schicksal gebeutelt und tendiert aufgrund seiner Vergangenheit dazu, Bindungen und Gefühle nach Möglichkeit zu vermeiden. Tief im Inneren ist er aber selbstverständlich ein guter, heroischer Kerl, der sich hin und wieder – wenn seine Weichherzigkeit mit ihm durchzugehen droht – in Erinnerung rufen muss, dass er neben diversen Adelstiteln auch die Ehrentitel »Prince of Darkness« und »King of Hell« trägt. Er trinkt, spielt und hurt, ist im Wesentlichen aber nur eins: ganz fürchterlich gelangweilt von seinem Leben. Als Elinor auf seiner Orgie auftaucht, reißt ihn das aus der Tristesse, denn die Engländerin ist vollkommen anders als die Frauen, mit denen er sonst zu tun hat; schon allein deshalb weckt sie sofort sein Interesse.

Elinor ist nicht besonders attraktiv und leidet sehr unter ihrer großen Harriman-Nase, hat aber einen wachen Verstand und verblüfft Rohan immer wieder mit ihrer Schlagfertigkeit. Sie ist patent, aber leider auch ein wenig langweilig und äußerst gluckig. Sobald nämlich ihre hübsche jüngere Schwester Lydia in den Fokus gerät, setzt ihr sonst so praktisches Denken vollkommen aus. So redet sie sich ein, dass Rohan ein Auge auf Lydia geworfen hat, und sie sie um jeden Preis beschützen muss, obwohl völlig offensichtlich ist, dass der Viscount nicht das geringste Interesse an der Kleinen, sondern einzig an Elinor hat. Angesichts Elinors Hintergrund wird ihr leicht hysterisches Verhalten später plausibel, anstrengend ist es phasenweise aber dennoch.

Abgesehen davon, dass die Geschichte in Paris des 18. Jahrunderts spielt, bietet sie an sich eigentlich wenig Besonderes oder Neues. Das stört mich grundsätzlich nicht weiter, solange die Umsetzung gut ist, – und die Umsetzung ist gut und wirkt sehr routiniert. Allerdings lässt die Spannung nach einem extrem starken Beginn im Verlauf der Handlung doch etwas nach, und phasenweise war ich sogar ein klein wenig gelangweilt, weil die Protagonisten so wenige Zeit zusammen hatten und hinsichtlich ihrer Beziehung nichts voran ging. Andererseits gab es aber auch einige intensive, wirklich grandiose Szenen, zu denen beispielsweise der erste Sex zwischen Elinor und Rohan zählt sowie alles, was unmittelbar davor und danach passiert. Dass Elinors Schwester Lydia, die ihre eigene kleine Lovestory hat, so kurz kommt, ist schade – ich hätte mir mehr Lydia gewünscht, zumal ich ihren Herzensbrecher absolut umwerfend fand.

Fazit:
11/15 – Ein relativ düsterer Liebesroman, der hauptsächlich von seinem männlichen Protagonisten getragen wird. Ganz sicher nicht mein letztes Stuart-Buch!

 

 

Serieninfo:
00 The Wicked House of Rohan (Prequel)
01 Ruthless | Paris – Stadt der Sünde (Mai 2011, Cora-Verlag)
02 Reckless
03 Breathless
04 Shameless (Juni 2011)

 

Trivia:
Die Serie war ursprünglich als Trilogie angelegt, wird nun aber offenbar doch erweitert. Am 21.6.2011 wird Band 4 erscheinen, »Shameless«.

Das Prequel kann kostenlos bei Harlequin heruntergeladen werden.

Laut LoveLetter (Printausgabe 3/2011) hat Cora die Rechte an der »House of Rohan«-Serie gekauft. Die Übersetzung von »Ruthless« soll bereits am 27. Mai 2011 im Handel sein und in der Reihe »Historical Special« veröffentlicht werden.

[Rezension] Charlaine Harris: Untot in Dallas

Originaltitel: Living Dead in Dallas

Sookie Stackhouse/Southern Vampires, Band 2

Inhalt:
Die Kellnerin Sookie Stackhouse hat eine Pechsträhne. Zuerst wird einer ihrer Kollegen ermordet und es gibt keinerlei Hinweise auf den Täter. Kurz darauf steht sie einer Bestie gegenüber, die ihr mit giftigen Krallen schmerzhafte Wunden zufügt. Dann: Auftritt der Vampire, die ihr nicht ganz uneigennützig das Gift aus den Adern saugen … und das ist erst der Anfang.

Kommentar:
Sookies Leben geht aufregender weiter, als ihr lieb ist. Kaum sind die Frauenmorde aufgeklärt, mit denen sie sich in Band 1 der Serie herumschlagen musste, findet sie die Leiche ihres Kollegen Lafayette auf dem Parkplatz des Diners, in dem sie arbeitet. Nicht viel später wird sie in die Vampirbar zu Eric gerufen, dem sie mit ihren telepathischen Fähigkeiten zu Diensten ist, doch unterwegs wird sie von einer Mänade attackiert und von den Vampiren in letzter Sekunde gerettet. Kaum genesen, schickt Eric sie nach Dallas, wo sie bei der Suche nach einem verschwundenen Vampir helfen soll – nur um dort von Vampirgegnern, die sich unter dem Namen »Bruderschaft der Sonne« organisiert haben, aufs Korn genommen zu werden. Und Sookie wäre nicht Sookie, wenn sie sich – zurück in Bon Temps – nicht auch noch um die Aufklärung von Lafayettes Tod kümmern würde!

Es ist nicht zu übersehen, dass das Buch ausgesprochen ereignisreich ist, doch obwohl so viel passiert, gibt es keinen richtigen Spannungsbogen. Die Handlung verläuft eher wellenartig, mit mehreren kleineren Höhepunkten, und fesselt daher nicht hundertprozentig. Unterhaltsam ist das Buch aber allemal, zumal Wikingervampir Eric mehr in den Vordergrund rückt und Sookie auf verschiedene Arten näher kommt. Sookies Beziehung zu Bill bleibt hingegen explosiv, was mit ihren unterschiedlichen Lebenseinstellungen zusammenhängt, aber auch mit Bills doch ganz schön anstrengendem Charakter. Letztendlich lebt das Buch aber vor allem von der Figur Sookie, die übrigens weit weniger naiv und weinerlich rüberkommt als in der Serie, sondern mit Mut, Entschlossenheit und einem wundervollen trockenen Humor punktet.

Fazit:
11/15 – Nicht übermäßig spannend, aber wunderbar skurril und amüsant.

 

 

Serieninfo:
01 Dead Until Dark | Vorübergehend tot (Rezension)
02 Living Dead in Dallas | Untot in Dallas
03 Club Dead | Club Dead
04 Dead to the World | Der Vampir, der mich liebte
05 Dead as Doornail | Vampire bevorzugt
06 Definitely Dead | Ball der Vampire
07 All Together Dead | Vampire schlafen fest
08 From Dead to Worse | Ein Vampir für alle Fälle
09 Dead and Gone | Vampirgeflüster
10 Dead in the Family | Vor Vampiren wird gewarnt (April 2011)
11 Dead Reckoning (Mai 2011)

[Rezension] Sherry Thomas: His at Night

Inhalt:
Lord Vere wird in seiner Funktion als Geheimagent aufs Land geschickt, um den verbrecherischen Diamantenhändler Edmund Douglas unter die Lupe zu nehmen. Mithilfe eines Tricks verschafft er sich in Douglas‘ Abwesenheit eine Einladung ins Haus, wo er auf die Nichte des Verbrechers trifft. Vere ist gleichermaßen fasziniert wie abgestoßen von Elissande Edgerton, die stets strahlend lächelt und offensichtlich auf der Suche nach einem Ehemann ist. Doch obwohl er ihre Pläne durchschaut, kann er nicht verhindern, dass sie ihn in einen Skandal verstrickt, der ihn zu einer Heirat zwingt …

Kommentar:
Sherry Thomas hat mich mit ihrem Debüt »Private Arrangements« restlos begeistert, und auch der Nachfolger »Delicius« hat mir gut gefallen. Ich mag ihre oft sperrigen Figuren, die zum Teil ziemlich grenzwertige Dinge sagen und tun; bei »His at Night« allerdings wurde meine Toleranzgrenze doch immer wieder überschritten. Und zwar deutlich.

Lord Vere ist ein Geheimagent mit messerscharfem Verstand, zu dessen Rolle es allerdings gehört, dass er in der Gesellschaft den liebenswerten Dummkopf gibt, der nach einem Reitunfall einen bleibenden Schaden zurückbehalten hat. Sein aktueller Auftrag lautet, sich zusammen mit einigen anderen Leuten im Haus von Elissandes abwesendem Onkel einzuquartieren und Beweise für dessen kriminelle Machenschaften zu finden. Dort stößt er allerdings auf ungeahnte Komplikationen, verursacht durch die Nichte des mutmaßlichen Verbrechers. Vere ist zunächst hingerissen von der jungen Frau mit dem strahlenden Lächeln – bis er merkt, dass dieses Lächeln unerschütterlich ist und Elissande ebenfalls nur eine Rolle spielt. Der Zweck ist ihm schnell klar: Sie will die Gelegenheit nutzen und sich einen Ehemann angeln.

Zunächst sieht sie Vere als geeigneten Kandidaten an, dann verlagert sie ihre Ambitionen allerdings – genervt von Veres Dummheit und seinen schwachsinnigen Monologen – auf Veres Bruder Frederick, der ebenfalls zu den Gästen gehört. Als Vere eine Nachricht von ihr an seinen Bruder abfängt, in der sie um ein nächtliches Treffen bittet, ist ihm völlig klar, dass sie Freddie in einen Skandal verwickeln will, um ihn zur Hochzeit zu zwingen. Er will das verhindern, gerät aber dummerweise selbst in die Falle – in einer ausgesprochen lächerlichen, unglaubwürdigen Szene. Notgedrungen willigt er dennoch in die Ehe ein, hasst Elissande aber wegen ihres skrupellosen, berechnenden Vorgehens zutiefst und lässt keine Gelegenheit aus, das sehr deutlich zu machen. Er ignoriert alle Erklärungsversuche seiner Frau und verweigert sich beharrlich jeder rationalen und emotionalen Annäherung.

Vere ist einfach ein riesengroßes, selbstgerechtes Arschloch. Er verachtet Elissande für ihr unbeirrtes Lächeln, ihre Lügen und ihre Intrigen, und übersieht dabei völlig, dass er selbst ja auch nur eine Rolle spielt. Das wirklich Schlimme ist aber, dass Vere längst weiß, warum sie ihn in die Heiratsfalle gelockt hat: weil ihr Onkel sie und ihre laudanumanhängige Tante psychisch und physisch misshandelt hat und sie diesem Gefängnis entkommen wollte – was ja zumindest mildernde Umstände sein sollten. Nicht so bei Lord Vere. Der ist stattdessen nachhaltig beleidigt, weil Elissande eigentlich (verständlicherweise!) Freddie wollte statt ihn, den »dummen Marquis«, und er entblödet sich nicht, das Thema selbst beim Sex aufs Tapet zu bringen (»Na, stellst du dir gerade Freddie vor? Das werd ich dir schon austreiben! Mach die Augen auf und sieh mich an!«). Elissande, die eigentlich eine symapthische Figur mit relativ glaubwürdigen Motiven ist, entdeckt aus unerfindlichen Gründen im Lauf der Handlung trotzdem ihre Liebe zu ihrem widerlichen Ehemann – den sie übrigens schnell als gar nicht dumm identifiziert, auch wenn er das ebenso wenig zugeben will wie seine durchaus vorhandenen Gefühle für sie. Am Ende sorgen dann mal wieder hochdramatische Ereignisse dafür, dass Vere doch zu seiner Frau stehen kann.

Wie das so ist, wenn man die Motive der Protagonisten nicht bzw. nur sehr bedingt nachvollziehen und darüber hinaus eine der Hauptfiguren nicht leiden kann, hat mich die Handlung über weite Strecken ziemlich gelangweilt, wobei es gegen Ende etwas besser wurde. Dennoch: Die Liebesgeschichte konnte mich überhaupt nicht überzeugen, ebenso wenig wie die Auflösung der Geschichte um Elissandes Onkel und die Motivation für Veres Entscheidung für die Rolle als Dummkopf. Wie in ihren anderen Büchern baut Sherry Thomas übrigens auch hier wieder eine zweite Romanze ein, die aber gleichermaßen überflüssig ist und gewollt wirkt wie in den Vorgängerwerken – es ist mir ein Rätsel, wieso das immer sein muss und warum ihr das niemand ausredet.

Fazit:
5/15 – Eine einzige Enttäuschung. Wäre das Buch von einer anderen Autorin gewesen, hätte ich es wahrscheinlich nicht mal beendet.

 

 

[Rezension] Elizabeth Hoyt: Notorious Pleasures

2. Teil der Maiden-Lane-Serie

Inhalt:
London, 1737. Lady Hero Batten, die Schwester des Duke of Wakefield, hat alles, was eine Frau sich wünscht – einschließlich eines perfekten Verlobten in Gestalt des Marquis von Manderville. Er ist zwar ganz schön langweilig, doch da Lady Hero es als ihre gesellschaftliche Pflicht betrachtet, eine passende Partie zu machen, akzeptiert sie die arrangierte Ehe ohne Gram – bis sie den berüchtigten Bruder ihres Zukünftigen kennenlernt. Griffin Remmington, Lord Reading, ist im Gegensatz zu Manderville alles andere als perfekt, doch obwohl sie ihn niemlas haben kann, weckt er ungeahnte Gefühle in ihr …

Kommentar:
Nachdem ich von Teil 1 der Maiden-Lane-Serie ja wider Erwarten relativ angetan war, hab ich mir unmittelbar nach dem Lesen Band 2 vorbestellt. Der ist inzwischen angekommen, und ich hab ihn mir direkt geschnappt. Das ist ja auch schon irgendwie ein Qualitätsmerkmal! ;)

Das Buch startet mit einer vielversprechenden Szene: Lady Hero erwischt auf ihrem Verlobungsball ein Liebespaar inflagranti. Da die Beteiligten ihr dezentes Räuspern ignorieren, aber der Ehemann der involvierten Dame im Anmarsch ist und sie keinen Mord auf dem Gewissen haben will, bewirft sie den Herren aus sicherer Entfernung mit ihrem schweren Diamentohrring (!) und erregt so dessen Aufmerksamkeit. Nach einem anzüglichen Wortgeplänkel trennt man sich, nur um einander nicht viel später offiziell vorgestellt zu werden: Der Mann mit den grünen Augen und dem knackigen Hintern ist niemand anders als Lady Heros Schwager in spe, Griffin Remington. Der notorische Lebemann mit seinen anzüglichen Bemerkungen hat es Hero sofort angetan, auch wenn sie sich vehement dagegen wehrt – zwischen den beiden fliegen vom ersten Moment an die Funken. Doch was zunächst aufgrund der Situation wie ein heftiger, aber harmloser Flirt erscheint, entwickelt sich schnell zu einer ernsten, tiefen Zuneigung, die sehr gefühlvoll und überzeugend dargestellt wird.

Das liegt nicht zuletzt an den Figuren. Lady Hero weiß sehr genau, was sie will und tut. Trotz ihres Standes hat sie ein Herz für die Armen und unterstützt mit ihrem Erbe das Waisenhaus in der Maiden Lane, das bereits in Band 1 der Serie eine wesentliche Rolle spielte; ob ihrem Bruder, dem Duke, das passt oder nicht, ist ihr herzlich egal. Hat sie sich etwas in den Kopf gesetzt, zieht sie es durch. Ihr Handeln ist dabei zum Teil naiv bis lebensmüde und insofern vielleicht ein wenig unwahrscheinlich; die Figur ist in sich aber schlüssig und es passt zu ihr, dass sie für Griffin alles riskiert und gibt.

Griffin ist als Lebemann und Luftikus angelegt, dessen bevorzugten Beschäftigungen Wein, Weib und Gesang sind; außerdem verdient er mit Verbrechen seinen Lebensunterhalt. Gleich zu Beginn erfährt man außerdem von einem tiefen Konflikt zwischen ihm und seinem Bruder, Griffin soll nämlich Mandervilles erste Frau verführt haben. Und wer wollte das bezweifeln, wo er sich doch nun an Lady Hero ranmacht? Natürlich ist er nicht so böse und skrupellos, wie es den Anschein hat, sondern er entpuppt sich nach und nach als verantwortungsbewusster Mann, der zum Glück aber kein bisschen weichgespült wirkt, nachdem er erst mal sein Herz verloren hat.

Neben der wirklich schönen Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten gibt es eine Romanze in der Nebenhandlung, deren Verlauf allerdings ein bisschen lächerlich ist und die ich eher störend und unglaubwürdig fand. Ebenso störend fand ich – wie schon in Band 1 – die immer wieder eingebaute Erzählperspektive von Silence Hollingbrook, die eigentlich kaum eine Verbindung zur eigentlichen Geschichte hat. Der Zweck ist offensichtlich: Die Schwester des Waisenhausbetreibers in der Maiden Lane wird Protagonistin in Band 3 der Serie sein, und ihre Geschichte soll wohl auf diese Weise vorbereitet werden. Dagegen ist ja grundsätzlich nichts zu sagen, wenn es nur nicht so unelegant vonstatten gehen würde – vielleichte sollte Elizabeth Hoyt diesbezüglich bei Lisa Kleypas in die Lehre gehen, die solche Querverbindungen immer wieder meisterhaft einfließen lässt.

Fazit:
13/15 – Eine sehr schöne Liebesgeschichte zwischen zwei tollen Protagonisten – wundervoll romantisch.

 

 

Serieninfo:
01 Wicked Intentions – 11/15
02 Notorious Pleasures – 13/15

03 Scandalous Desires (November 2011)

 

Trivia:
Auf ihrer Homepage hat Elizabeth Hoyt eine Cast-Liste veröffentlicht. Je nachdem, wie viele Teile die Serie noch haben wird, kann die für vergessliche Leser wie mich ganz hilfreich sein! ;)

Auf der Facebookseite der Autorin gibts ein paar Fotos vom Shooting fürs Cover von Hoyts nächsten Buch.

[Rezension] Polly Shulman: 6 Küsse und ein Ballkleid

Originaltitel: Enthusiasm

Inhalt:
Julie hat es nicht leicht mit ihrer Freundin: Ständig hat Ash irgendeine neue Leidenschaft. Nur »Stolz und Vorurteil« lieben beide. Aber wo findet man einen Mr Darcy? – Beim Tanzen, wie alle Austen-Fans wissen. Also besorgt Ash alte Abendkleider und zerrt Julie auf den Ball einer Privatschule. Mit Erfolg: Der attraktive Grandison ist IHR Mr Darcy. Da sind sich beide leider allzu einig! Muss sich Julie jetzt zwischen Freundschaft und Liebe entscheiden? Oder wird Ashs Hang zur Peinlichkeit Mr Darcy gleich wieder in die Flucht schlagen?

Kommentar:
Ich habe mir »6 Küsse und ein Ballkleid« aufgrund der Besprechung von Katze mit Buch gekauft, leider folgte bei mir aber nach anfänglicher Begeisterung doch schnell Ernüchterung. Vielleicht bin ich einfach nicht Enthusiastin genug?! ;)

Julies Freundin Ashleigh ist jedenfalls eine Enthusiastin, die ihre ständig neuen Leidenschaften mit Leib und Seele auslebt. Als Ash eines Tages Jane Austens Welt für sich entdeckt, ist Julie alles andere begeistert, denn sie liebt Austens Bücher schon lange.

Wie lange würde es dauern, bis ihre Leidenschaft meine Begeisterung in den Schatten stellte? Würde sie meine Lieblingsbücher vereinnahmen und mir nichts übrig lassen? Ich war überzeugt davon, dass meine Gefühle für Jane Austens Bücher nicht weniger stark waren als einer von Ashleighs Fimmeln, doch meine Liebe war tief und still – und deshalb leicht in den Schatten zu stellen. (S. 9)

Es kommt aber noch schlimmer: Ash vereinnahmt nicht nur eines von Julies Lieblingsbüchern für sich, sondern auch noch den Jungen, in den Julie schon lange heimlich verliebt ist. Aber weil Julie nun mal Julie ist, gesteht sie ihrer Freundin ihre Gefühle für Grandison nicht, sondern versucht, das beste aus der verfahrenen Situation zu machen und sich irgendwie damit zu arrangieren. Das gelingt ihr allerdings nur bedingt – sie leidet sehr unter der Situation, und ein guter Ausgang für alle Beteiligten scheint fast nicht möglich zu sein …

So grundsätzlich finde ich die Idee hinter dem Buch ja nett, und vor allem die Diskrepanz zwischen Julie und Ashleigh hat mir gut gefallen, allerdings ist die Protagonistin für meinen Geschmack doch ein bisschen sehr passiv und altruistisch veranlagt. Außerdem sind die Figuren allesamt sehr einfach angelegt, aber das ist für die Zielgruppe wohl okay. Schlimmer ist, dass mich das Buch ganz furchtbar gelangweilt hat, weil es total belanglos ist, einfach nichts Spannendes passiert und die Lovestory ziemlich unromantisch ist.

Immerhin hab ich aber mal wieder ne neue Wendung gelernt, die aus dem Englischen übernommen wurde, mir aber bis dato ins Deutsche übertragen unbekannt war: eine Party crashen. Sagt man heutzutage wohl so, wenn man zur Zielgruppe des Buchs gehört. Und offenbar gibts dafür auch keine Entsprechung, weswegen die Wendung gefühlte fünfhundert Mal verwendet wurde. Ein bisschen mehr Sorgfalt beim Editieren des Buches wäre überdies angebracht gewesen, es gibt immer mal wieder holprig wirkende Stellen, fehlende Satzzeichen und eine falsche Schreibung des Namens Ashleigh (Ashley).

Fazit:
6/15 – Ein Buch mit netten Momenten, das mich letztendlich aber nicht überzeugen konnte, sondern eher gelangweilt hat.

[Rezension] Charlaine Harris: Grabesstimmen

Originaltitel: Grave Sight
1. Teil der Harper-Connelly-Serie

Inhalt:
Die junge Harper Connelly ist gewissenhaft, ehrlich, loyal – und in den Augen der meisten Menschen ziemlich seltsam. Seit sie als Teenager einmal vom Blitz getroffen wurde, hat Harper eine ungewöhnliche Gabe: Sie kann Tote finden und deren letzte Momente nacherleben. Diese Gabe hat sie zum Beruf gemacht – ganz normal für eine Dienstleistungsgesellschaft, meint sie, doch die Leute, denen sie bei ihrer Arbeit begegnet, sehen das oft anders … Gemeinsam mit ihrem Stiefbruder, Manager und Bodyguard Tolliver fährt sie in eine Kleinstadt in Arkansas, um nach einem verschwundenen Teenager zu suchen. Diese Aufgabe ist schnell erledigt, doch die Stadt anschließend wieder zu verlassen ist nicht ganz so einfach. Tolliver wird unter einem fadenscheinigen Vorwand verhaftet, und auf einmal ist Harpers Leben in Gefahr. Ganz eindeutig stimmt etwas nicht in Sarne, Arkansas.

Kommentar:
»Grabesstimmen« ist der erste Band einer vierteiligen Krimiserie von Charlaine Harris, mit der die Autorin einmal mehr ihr Faible für interessante, ziemlich kaputte Protagonisten unter Beweis stellt. Harper hat nämlich nach einem Blitzschlag nicht nur die Gabe, Tote aufspüren zu können und deren letzte Momente nachzuerleben, sondern sie ist auch körperlich versehrt und leidet darüber hinaus unter Migräne- und Panikattacken. Sie erscheint eigentlich nicht wirklich hilflos; als ihr Stiefbruder Tolliver, der normalerweise kaum von ihrer Seite weicht, allerdings verhaftet wird, kann sie die Panik nur mit Mühe kontrollieren, und es wird klar, wie aufgeschmissen sie ohne ihn ist.

Der Krimiplot an sich ist ziemlich gut und überzeugend konstruiert, man kann aber nicht behaupten, dass das Buch nervenzerreißende Spannung bieten würde. Die Aufklärung des Falls entwickelt sich doch eher bedächtig, und der Roman lebt in erster Linie von der Person Harper, ihrer Beziehung zu Tolliver und einer Reihe weiterer meist seltsamer bis skurriler Figuren, die irgendwie in die Morde verstrickt sind. Auch hierin erinnerte mich das Buch sehr an die Lily-Bard-Serie der Autorin.

Fazit:
10/15 – Ein Buch mit ein paar Längen, das aber interessant genug ist, um Lust auf weitere Bände zu machen.

 

 


Serieninfo:
01 Grave Sight | Grabesstimmen
02 Grave Surprise | Falsches Grab
03 An Ice Cold Grave | Ein eiskaltes Grab
04 Grave Secret | Grabeshauch

[Rezension] Suzanne Collins: Gefährliche Liebe

Originaltitel: Catching Fire
Die Tribute von Panem/The Hunger Games, Band 2

Inhalt:
Seitdem Katniss und Peeta sich geweigert haben, einander in der Arena zu töten, werden sie vom Kapitol als Liebespaar durch das ganze Land geschickt. Doch da ist auch noch Gale, der Jugendfreund von Katniss. Und mit einem Mal weiß sie nicht mehr, was sie wirklich fühlt oder fühlen darf. Als immer mehr Menschen in ihr und Peeta ein Symbol des Widerstands sehen, geraten sie alle in große Gefahr. Und Katniss muss sich entscheiden zwischen Peeta und Gale, zwischen Freiheit und Sicherheit, zwischen Leben und Tod …

Kommentar:
Nachdem ich Band 1 der Trilogie nach einigem Zaudern gelesen habe und wider Erwarten ziemlich begeistert war, durfte Band 2 natürlich nicht ungelesen bleiben. Ich war zugegebenermaßen trotz der allgemeinen Begeisterung erneut skeptisch, weil ich nach Band 1 ein wenig das Gefühl hatte, dass die Geschichte als Einzelband problemlos hätte erzählt werden können, stattdessen aber künstlich aufgeblasen wird. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, dass da noch was wirklich interessantes Neues kommen könnte. Die Entwicklung, die das Geschehen nimmt, hat mich aber eines Besseren belehrt – und rückblickend frage ich mich, wie ich glauben konnte, dass man das alles in einem einzigen Buch hätte erzählen können!

Ich will nicht mehr allzu viele Worte über dieses Buch verlieren, da bereits von (gefühlten) hunderttausend Leuten alles darüber geschrieben wurde, und beschränke mich deshalb aufs Wesentliche: Es ist ein düsteres, absolut fesselndes Buch, das seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Die Handlung schließt nahtlos an Band 1 an, und das, was bereits am Ende von »Gefährliche Spiele« im Raum steht, bewahrheitet sich: Katniss‘ Auflehnung gegen das Kapitol wird nicht ohne Folgen bleiben. Nicht für sie, Peeta und ihre Familien – aber auch nicht für das Kapitol selbst, das sich einer drohenden Revolution gegenübersieht. Die Reaktion des Kapitols gegen den Widerstand erfolgt unmittelbar, mit brutaler Gewalt und bösartiger Durchtriebenheit, doch die Spirale, in die die Herrscher geraten, scheint kaum mehr aufzuhalten zu sein. Es ist hervorragend dargestellt, wie die Stimmung langsam kippt, wie die Bewohner der Distrikte sich gegen zunehmend das Kapitol auflehnen statt weiterhin in Angst vor der Bestrafung zu verharren, und was bei den nächsten Hungerspielen in der Arena passiert.

Neben dieser Rahmenhandlung um den Aufstand gegen das Kapitol, liegt der Fokus auf Katniss‘ und ihrer Beziehung zu Peeta und Gale. Katniss‘ Wankelmut und Gefühlsschwankungen in Bezug auf die beiden Jungen finde ich – trotz eines gewissen Verständnisses für Gefühlswirrwarr – nach wie vor nicht wirklich nachvollziehbar und diesen Handlungsstrang folglich auch nicht hundertprozentig überzeugend. Ich bin aber trotzdem schon sehr gespannt, ob und wie sich sich entscheidet – und warum. Im Gegensatz zu Band 1 hatte ich mit der Protagonistin diesmal keine Schwierigkeiten. Sie ist und bleibt ein bisschen spröde, aber das passt zur Figur – zumal sie trotz ihrer harten Schale immer wieder ihren weichen Kern unter Beweis stellt. Sie ist die perfekte Heldin für diese Geschichte.

Fazit:
14/15 – Man sagt ja, dass der mittlere Band einer Trilogie häufig der schwächste ist. Das gilt hier definitiv nicht: »Gefährliche Spiele« hat mit diesem Buch einen mehr als würdigen Nachfolger gefunden.

 

 

Serieninfo:
01 The Hunger Games | Tödliche Spiele (Rezension)
02 Catching Fire | Gefährliche Liebe (Rezension)
03 Mockingjay | Flammender Zorn (Rezension)

[Rezension] Megan Hart: Tiefer. Im Sog der Lust

Originaltitel: Deeper

Inhalt:
Die junge Studentin Bess erlebt ihre erotische Erweckung, als sie sich während eines Ferienjobs am Meer in den sexy Bad Boy Nick verliebt. Doch ihre Affäre ist ebenso heiß wie kurz. So schnell wie der Sommer ist alles wieder vorbei. Erst zwanzig Jahre später, Bess ist gerade frisch geschieden, fragt sie sich plötzlich: Was ist aus dem Mann geworden, mit dem sie den besten Sex ihres Lebens hatte? Sie kehrt zurück ins Strandhaus. Dort, wo sie ihm einst begegnete. Und Nick ist ebenfalls wieder da …

Kommentar:
Obwohl ich in der Vergangenheit nicht hundertprozentig warm mit Megan Harts Büchern geworden bin, interessieren mich ihre Neuerscheinungen trotzdem genug, um sie unmittelbar nach Veröffentlichung zu lesen. Denn dass die Autorin gute Bücher schreibt, ist unbestreitbar, auch wenn der Funke auf mich nicht ganz überspringt – was auch diesmal der Fall ist.

Bess Walsh steht vor den Trümmern ihrer Ehe und gönnt sich eine Auszeit in ihrem Strandhaus in Bethany Beach. Hier hat sie sich vor zwanzig Jahren Hals über Kopf in Nick Hamilton verliebt und einen wundervollen, erotischen Sommer verbracht. Zurück an diesem Ort stürzt sie sich in Fantasien von großartigem Sex mit ihrer Sommerliebe von damals – und ist fassungslos, als sie am nächsten Morgen aufwacht und Nick wirklich da ist. Er ist seit damals kein bisschen gealtert, er atmet nicht, isst nicht, schläft nicht. Was ist er? Ist er wirklich da oder ist er nur eine Fantasiegestalt, ein Wunschtraum? Und was ist eigentlich vor zwanzig Jahren passiert?

Nach und nach wird aufgedeckt, was vor sich geht, auch wenn Bess lange Zeit einfach versucht, die Augen zu verschließen. Sie genießt den umwerfenden Sex mit Nick und baut sich im Strandhaus ihre eigene kleine Welt mit ihm auf, abgenabelt von der Außenwelt: Sie verlässt das Haus nur, um einzukaufen und kehrt so schnell wie möglich zu ihrem Liebhaber zurück. Doch sie kann nicht dauerhaft ignorieren, was Nick ist – oder nicht ist –, und die obsessive Beziehung wird für beide zur Belastungsprobe, denn sie gleicht mehr und mehr einem Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Das Ende kommt nicht wirklich überraschend und ist auf die einzig einigermaßen akzeptable Weise gelöst.

Die gegenwärtige Handlung wechselt sich ab mit einer Rückschau auf Bess‘ und Nicks Romanze in jedem Sommer vor zwanzig Jahren – die mich leider nicht im Mindesten gepackt oder gar berührt hat. Sie zeugt von sexueller Anziehungskraft und Entdeckergeist zwischen Jugendlichen; die großen Gefühle, von denen gesprochen wird, sind aber kaum nachzuempfinden, ganz im Gegenteil. Insofern finde ich den verschachtelten Aufbau und das ausführliche Eingehen auf die Vergangenheit relativ überflüssig, doch immerhin wird das Ende der Sommerliebe und der Grund für Nicks Auftauchen zwanzig Jahre später erklärt, wenn die beiden Protagonisten in der Gegenwart schon Gespräche darüber lange Zeit tunlichst vermeiden.

Wenig überraschend konnte ich auch bei diesem Buch nicht hundertprozentig mit den Protagonisten warm werden. Sie sind ganz sympatisch, aber nicht mitreißend: Bess ist sehr passiv, teils regelrecht unbeholfen und sehr gut im Verdrängen. Nick hingegegen bleibt sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit blass; er wirkt wie ein hübscher, aber oberflächlicher und ein relativ egozentrischer Junge. Ebenso wenig wie die Figuren konnten mich die zahlreichen Sexszenen berühren, die solide, aber nur bedingt fesselnd bzw. erotisch sind.

Mein Hauptkritikpunkt ist aber, dass Megan Hart ein »paranormales Element« bemüht hat, um diese Geschichte zu erzählen. Mir erschließt sich nicht wirklich, warum das nötig gewesen sein soll, statt einfach von einer verlorenen alten Liebe zu erzählen, die nach zwanzig Jahren im Rahmen eines zufälligen Wiedersehens neu erblüht – und sei es auch nur vorübergehend. Mir fällt der Umgang mit einem solchen Element in einer sonst ganz normalen, realistischen Geschichte wirklich extrem schwer, aber das ist zugegebenermaßen reine Geschmackssache.

Zur deutschen Ausgabe noch: Ich finde das Cover ja durchaus ansprechend, aber es ist kein Vergleich zum Original, das den Inhalt des Buches perfekt widerspiegelt – schade, dass man es nicht beibehalten hat. Wenig gelungen hingegen ist der Titel oder besser: der Untertitel, der dem Roman einen billigen Touch gibt. Zur Sprache ist zu sagen, dass sie alles in allem okay ist, auch wenn immer mal wieder Merkwürdigkeiten zu finden sind (»Missy war gebaut wie ein Scheißhaus«, S. 18, »Wer mich nicht mag, wie ich bin, kann sich gleich … gehackt legen«, S. 22, oder »Wenn ich keinen Freund hätte, würde ich mich an ihn ranschmeißen wie Butter an einen Maiskolben«, S. 30). Es wird zum Glück aber kein einziges Mal der »Schwengel« geschwungen, wobei ich den Begriff »Kolben« auch nicht wesentlich besser finde.

Fazit:
10/15 – Ein durchaus gutes Buch, das mich aber nicht wirklich berühren konnte und dessen paranormales Element nicht mein Ding war.

[Angehört] Lauren Kate: Engelsnacht

Originaltitel: Fallen
Fallen, Teil 1

Inhalt:
Lucinda Price ist 17 und den ersten Tag auf dem Internat, als sie ihn sieht: Daniel Grigori, den unglaublich attraktiven, aber auch unglaublich distanzierten Jungen, von dem sie sicher ist, dass sie ihn schon einmal gesehen hat. Doch Daniel behauptet, sie nicht zu kennen er scheint sie sogar zu hassen und weicht ihr aus, wo immer er kann. Doch immer wenn Luce etwas Schlimmes widerfährt, sobald die gefährlichen Schatten sie wieder umtanzen, die sie seit ihrer Kindheit umgeben, ist er zur Stelle. Mehrfach rettet er ihr Leben. Allmählich kommen die beiden sich näher, und da erst erfährt Luce, welches Geheimnis sie beide umgibt:

Spoiler

Daniel ist ein gefallener Engel, dazu verdammt, für immer auf der Erde umherzuwandern. Luce aber ist dazu verdammt, alle 17 Jahre wiedergeboren zu werden, sich jedes Mal aufs Neue unsterblich in Daniel zu verlieben und den Tod zu finden, sobald sie und Daniel sich näherkommen.

[Einklappen]

Kommentar:
Auf die englische Ausgabe von »Fallen« bin ich vor allem wegen des Covers aufmerksam geworden, das ich nach wie vor toll finde und das glücklicherweise auch fürs deutsche Buch übernommen wurde. »Engelsnacht« wurde schon vor seinem Erscheinen als Twilight-Nachfolger angekündigt und war m.E. auch so angelegt, hat aber nicht wirklich eingeschlagen – was mal wieder zeigt, dass man Erfolg eben doch nicht so einfach planen kann.

Der Inhaltsangabe oben gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen; im Gegenteil, sie verrät eigentlich schon viel zu viel (weshalb ich den ärgsten Spoiler verborgen habe). Die Geschichte entwickelt sich langsam, ist stimmig aufgebaut und könnte richtig spannend und geheimnisvoll sein. Da aber der Klappentext den Clou schon verrät und man als Leser bereits alles weiß, was Lucinda herauszufinden versucht, macht sich phasenweise ziemliche Langeweile breit. Die Liebesgeschichte ist angesichts des Grundthemas ganz schön unspektakulär und undramatisch, und gleiches gilt für den Showdown; umso übertriebener ist die Auflösung der Geschichte im Detail. Aus der guten Grundidee wurde schlicht viel zu wenig herausgeholt.

Zumal auch die Figuren nur durchschnittlich sind. Lucinda ist prinzipiell ganz sympathisch, aber wirklich fesseln konnte sie mich nicht. Daniel wirkte auf mich durch und durch langweilig, und der »Bösewicht« Cam ist total blass geraten. Ihnen allen fehlt irgendwie der Pep, der das Buch zu etwas besonderem hätte machen können – auch bezüglich der Figuren wäre deutlich mehr drin gewesen.

Gelesen wird das Hörbuch von Julia Nachtmann und Jacob Weigert, wobei letzterer nur Prolog und Epilog spricht, während Nachtmann den Rest des Textes übernimmt. Und das macht sie wirklich wunderbar. Sie übertreibt nicht, sondern trägt die Geschichte gefühlvoll, aber doch mit einer gewissen Distanz vor. Die unterschiedlichen Figuren liest sie mit genau im richtigen Maß verstellter Stimme: so, dass es kaum auffällt, dass man aber immer genau weiß, wer gerade spricht. Zudem finde ich, dass sie eine ganz tolle Stimme hat, aber das ist natürlich Geschmackssache. Mit hat ihr Vortrag jedenfalls außerordentlich gut gefallen, und ich hatte außerdem den Eindruck, dass sie so manche Länge und Albernheit aufgefangen hat.

Fazit:
7/15 – Ein Stoff, bei dem leider jede Menge Potenzial verschenkt wurde, der aber immerhin nicht ganz so schlecht war wie erwartet.

 


Serieninfo:

01 Fallen | Engelsnacht
02 Torment
03 Passion (6/2011)

 

Trivia:
Disney hat sich bereits 2009 die Filmrechte gesichert, allerdings habe ich zu einer Verfilmung noch keine weiteren Infos gefunden. Die filmische Umsetzung dieses Stoffs kann ich mir jedenfalls wirklich gut vorstellen.