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[Rezension] Ilona Andrews: Duell der Schatten

Originaltitel: Magic Strikes
Kate Daniels/Stadt der Finsternis, Band 3

Inhalt:
Nachdem die junge Söldnerin Kate Daniels dem Ritterorden der mildtätigen Hilfe beigetreten ist, kann sie sich vor Katastrophen kaum noch retten. Und das will in einer Stadt wie Atlanta, die sowieso regelmäßig von den Gezeiten der Magie heimgesucht wird, etwas heißen! Doch als Kates Freund, der Werwolf Derek, halb tot aufgefunden wird, steht sie einer noch größeren Herausforderung gegenüber. Bei ihren Ermittlungen erfährt Kate von einem geheimen Turnier zwischen den übernatürlichen Wesen der Stadt. Zusammen mit Curran, dem Anführer der Gestaltwandler von Atlanta, kommt Kate einer unfassbaren Verschwörung auf die Spur …

Kommentar:
Bei manchen Büchern frag ich mich nach dem Lesen, wieso sie eigentlich so lange unbeachtet im Regal standen. »Duell der Schatten« vom Autorenduo Ilona Andrews gehört zu diesen Büchern, denn nachdem ich mit Band 1 der Serie noch so meine Probleme hatte, fand ich Band 2 richtig klasse. Und Band 3 ist sogar noch einen Tick besser.

Nachdem inzwischen der Aufbau der Fantasywelt mit allen notwendigen Erklärungen vollzogen ist, liegt der Fokus bei Band 3 vollkommen auf der Geschichte. Und die hat es in sich: Kate Daniels‘ Freund, der Werwolf Derek, wird halbtot geprügelt. Es steht außer Frage, wer die Täter waren: die »Reaper«, eine Kampftruppe, die an einer Art Gladiatorenkämpfe namens »Midnight Games« teilnimmt. Woher sie kommen, was sie sind und was sie wollen, ist unklar – sie geben sich als Menschen aus, doch daran glaubt niemand, denn ihre Kräfte sind einfach zu groß. Zudem ist Derek nach dem Angriff der Reaper nicht mehr in der Lage, sich in seine Tiergestalt zurückzuverwandeln – und er ist nicht der erste Gestaltwandler, dem das passiert. Kate nimmt gemeinsam mit dem Sicherheitschef der Bestien, Jim, die Ermittlungen auf – und zwar an Jims Herrn Curran vorbei. Was sie entdecken, könnte den Untergang der Gestaltwandler nach sich ziehen …

Trotz einer prinzipiell in sich abgeschlossenen Story rund um die Reaper, ist »Duell der Schatten« für Neueinsteiger nicht wirklich geeignet, denn das Wissen über das fantastische Atlanta wird vorausgesetzt und Handlungsfäden aus vorherigen Bänden werden aufgegriffen und weitergeführt. Auch Kates Bindung an die diversen Nebenfiguren versteht man nur, wenn man die Vorgängerbücher kennt. Das gilt ganz besonders für ihre schwierige Beziehung zum Herrn der Bestien, Curran, die trotz aller Vorbehalte von einer so starken gegenseitigen Anziehung geprägt ist, dass sich Kate kaum mehr entziehen kann.

Die Handlung ist extrem dicht und spannend und fesselt auch aufgrund ihres Abwechslungsreichtums: Szenen, die Kate in ihrem Alltag und bei ihren Ermittlungen zeigen, wechseln mit Kampf-/Actionsszenen auf der Straße und in der Arena, zudem gibt es einige erotisch aufgeladene Szenen und viel, viel Humor. Darüber hinaus kann ich eigentlich nur wiederholen, was ich schon zu den vorherigen Bänden geschrieben habe: Ilona Andrews haben wirklich ein Händchen für Figuren. Das gilt ganz besonders für Kate mit ihrem Killerinstinkt, ihrer Loyalität gegenüber Freunden und ihrem trockenen Humor, die in diesem Band durch die Aufdeckung ihrer Herkunft bzw. Vergangenheit noch mehr an Profil gewinnt, und die für mich eine der überzeugendsten Superheldinnen des Genres ist. Es gilt aber ebenso für alle wiederkehrenden Nebenfiguren, die so gut und nachhaltig charakterisiert sind, dass sie einem allesamt im Gedächtnis bleiben und man sie nicht mehr in der Serie missen mag.

Fazit:
14/15 – Richtig tolle atmosphärische Urban Fantasy – eine super Geschichte mit einer uneingeschränkt überzeugenden Heldin und wunderbaren Nebenfiguren.

 

 

Serieninfo:
01 Magic Bites | Die Nacht der Magie (Rezension)
02 Magic Burns | Die dunkle Flut (Rezension)
03 Magic Strikes | Duell der Schatten (Rezension)
–– Magic Mourns (novella in »Must Love Hellhounds«-Anthology) | —
04 Magic Bleeds | Magisches Blut
05 Magic Slays (Mai 2011)

Trivia:
Unter dem Titel »Curran: Volume I – Look into the Beast Lord’s mind« hat Gordon Andrews eine Reihe von Szenen aus den Büchern aus Currans Perspektive veröffentlicht. Man kann das E-Book auf englisch und deutsch kostenlos herunterladen. Auf der Homepage des Autorenduos gibt es außerdem weitere Snippets und Extras.

[Rezension] Laura Lee Guhrke: Wedding of the Season

Abandoned at the Altar, Book 1

Inhalt:
Lady Beatrix Danbury und William Mallory, Duke of Sunderland, kennen und lieben sich seit ihrer Kindheit. Ihre Hochzeit soll das Ereignis der Saison werden, doch dann trennen sie sich zwei Wochen vor ihrer geplanten Hochzeit, weil Will die Möglichkeit erhält, seinen Lebenstraum zu verwirklichen und an Ausgrabungen in Ägypten teilzunehmen. Als Will sechs Jahre später, 1901, nach England zurückkehrt und auf Beatrix trifft, will er nur eins: sie zurückerobern. Das allerdings ist nicht so einfach, denn nicht nur lasten die Schatten der Vergangenheit auf ihnen, sondern Beatrix ist darüber hinaus inzwischen mit einem anderen verlobt …

Kommentar:
»Wedding of the Season« ist der Auftakt zu einer neuen Serie von Laura Lee Guhrke, in die ich grundsätzlich hohe Erwartungen setze. Ihre Bücher stehen auf meiner Autobuy-Liste – ich les da nicht mal den Klappentext, bevor ich unmittelbar nach der Ankündigung den Bestellbutton drücke, weshalb auch schon Teil 2 der Serie (»Scandal of the Year«) zu mir unterwegs ist. Und das, obwohl mich Guhrkes letztes Buch, »With Seduction in Mind« eher ein wenig enttäuscht hat. Leider kann ich nicht sagen, dass der Nachfolgeroman besser wäre – im Gegenteil.

Wie fast alle Guhrke-Bücher spielt auch »Wedding of the Season« in der spätviktorianischen Ära, in einer Zeit also, in der technische und wirtschaftliche Neuerungen das Leben und die Gesellschaft schon ziemlich verändert haben. Die Bürgerlichen kamen damals zu Geld und gewannen mehr und mehr an Ansehen, während der Adel zunehmend an Bedeutung verlor und verarmte. Nicht wenige Adlige waren gezwungen, neureiche Emporkömmlinge, häufig aus Amerika, zu heiraten, um den Ruin zu vermeiden; die Zeiten, in denen sich der Adel – bewundert von den Untergebenen – selbst zelebrierte, neigten sich dem Ende zu. Auch die Frauen fügten sich nicht länger klaglos in ihr Schicksal, sondern forderten mehr Selbstbestimmung und Freiheit. Das Buch spiegelt diese gesellschaftliche Situation und die Umbruchstimmung sehr gut wieder. Es werden unglückliche arrangierte Ehe zwischen Adligen und Emporkömmlingen, Scheidungen, Autofahrten mit dem Daimler und dem Orientexpress sowie unanständig ausgelassene Tänze zu Ragtime thematisiert, und die unterschiedlichen Einstellungen zur Veränderung kann man bestens anhand der Figuren nachvollziehen. Es gibt adlige Ausbrecher wie Will, der keine Lust hat, seine herzöglichen Pflichten wahzunehmen, sondern lieber ägyptische Könige ausbuddelt, und Beatrix‘ sehr modern geratene Cousine Julia, die sich nicht im Mindesten um irgendwelche gesellschaftlichen Regeln schert. Ihnen gegenüber stehen vor allem Beatrix‘ Verlobter Aiden, der Duke of Trathen, der extrem konventionell und verknöchert wirkt, und Beatrix selbst, die ihre Verpflichtungen gegenüber Land und Leuten nie vergisst. Bisweilen hat man den Eindruck, dass Guhrke – obwohl ja alle ihre Bücher zu dieser Zeit spielen – noch mal intensiv recherchiert und will ihr neu gewonnenes Wissen jetzt unbedingt vermitteln; sie neigt phasenweise dazu, die gesellschaftliche Situation ziemlich auszubreiten. Und leider nicht nur die.

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[Rezension] Patricia Gaffney: In den Armen der Leidenschaft

Originaltitel: To Love and to Cherish
1. Band der Lynton-Hall-Saga

Inhalt:
Anne Verlaines Ehe mit dem reichen Lord D’Aubrey ist die reinste Hölle. Ihr einziger Trost ist Wyckerley im Herzen von Devonshire. Aber mehr noch als die liebliche Umgebung ihrer neuen Heimat zieht sie Christian Morrell an, der junge Vikar der All Saints Church. Er allein bringt etwas Licht in ihr dunkles Leben. Christian sieht aus wie ein Erzengel, und Anne weiß, dass sie ihn nicht lieben darf – aber die Gewalt ihrer Leidenschaft ist stärker als alle Skrupel, auch wenn sie damit ihren und seinen Ruin riskiert.

Kommentar mit Spoilern:
Gnaaaah. Ich durchforste ja gerade mal wieder mein Liebesromanregal nach Büchern, die ich rausschmeißen kann – und bin dabei auf Patricia Gaffneys Roman »In den Armen der Leidenschaft« gestoßen. Der Plot klingt ja durchaus nicht uninteressant, schließlich geht es um eine verbotene Liebe zwischen einem Priester und einer Adligen. Wer denkt da nicht sofort an eine der berühmtesten und tragischsten Schnulzen ever, an »Die Dornenvögel«?! (Nicht, dass ich mich wirklich daran erinnern könnte. Ich weiß aber noch, dass die gesamte weibliche Verwandtschaft und alle Mütter meiner Klassenkameraden schon beim Gedanken daran zu Tränen gerührt waren und beim Anblick bzw. der Erwähnung von Richard Chamberlain grundsätzlich einen völlig verklärten Blick bekommen haben!)

Gaffneys Buch von 1995 geht nur leider jedes Tränendrüsenpotenzial ab. Christian ist ein Priester, der nicht so wirklich von seinem Amt überzeugt ist und auch nur bedingt befähigt dazu scheint. Dazu passt dann auch bestens, dass er sich in die Frau seines Jugendfreundes Geoffrey verliebt, als der nach Jahren der Abstinenz nach dem Tod seines Vaters nach Hause zurückkehrt. Und da Anne vom herzlosen Trunkenbold Geoffrey ohnehin schlecht behandelt wird, erliegt sie natürlich auch sofort dem Charme des Priesters, der aussieht wie ein Erzengel. Trotz eines freimütigen Liebesgeständnisses versagen sich die beiden natürlich ihre Liebe, denn die darf ja nicht sein, doch dann zieht Geoffrey erneut als Söldner in den Krieg und kommt praktischerweise bei einem Schiffsunglück ums Leben. Christian und Anne erliegen also der Leidenschaft, halten ihre Beziehung aber geheim, um nicht Gegenstand des dörflichen Tratsches zu werden. Weil die Handlung aber damit zu stagnieren droht und dringend einen kleinen Kick braucht, denkt sich die Autorin einen grandiosen Kniff aus: Sie lässt den Totgeglaubten wieder auferstehen, sehr zum Unwillen seiner Ehefrau und des Erzengels, versteht sich. Und weil alles das noch nicht schlimm genug ist, entblödet sich Gaffney nicht, zu allem Übel auch noch eine Vergewaltigungs- und Selbstmordszene hinzuzufügen, bevor es endlich zum Happy-End kommen kann.

Ehrlich mal, nicht nur ist die Handlung total hanebüchen, übervoll gepackt und langweilig, sondern das Buch verfügt darüber hinaus über keinen einzigen Funken Romantik. Die Handlung wird seltsam distanziert geschildert, sodass man überhaupt keine Nähe zu den Figuren aufzubauen kann. Daran ändert nicht einmal die Tatsache etwas, dass die Hälfte des Buches aus Tagebucheinträgen von Anne besteht, die im Wesentlichen als Zusammenfassung von langen übersprungenen Zeitabschnitten dienen.

Fazit:
3/15 – Man kann solche Bücher heute einfach nicht mehr lesen, wenn man sie nicht schon früher geliebt hat. Handlung, Aufbau und Schreibweise sind einfach nicht mehr zeitgemäß.

 

 

Serieninfo:
01 To Love and to Cherish | In den Armen der Leidenschaft
02 To Have and to Hold | In den Armen der Liebe
03 Forever and Ever | In den Armen des Glücks

[Rezension] Lauren Oliver: Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Originaltitel: Before I Fall

Kurzbeschreibung:
Was wäre, wenn heute dein letzter Tag wäre? Was würdest du tun? Wen würdest du küssen? Und wie weit würdest du gehen, um dein Leben zu retten? Samantha Kingston ist hübsch, beliebt, hat drei enge Freundinnen und den perfekten Freund. Der 12. Februar sollte eigentlich ein Tag werden wie jeder andere in ihrem Leben: mit ihren Freundinnen zur Schule fahren, die sechste Stunde schwänzen, zu Kents Party gehen. Stattdessen ist es ihr letzter Tag. Sie stirbt nach der Party bei einem Autounfall. Und wacht am Morgen desselben Tages wieder auf. Siebenmal ist sie gezwungen diesen Tag wieder und wieder zu durchleben. Und begreift allmählich, dass es nicht darum geht, ihr Leben zu retten. Zumindest nicht so, wie sie dachte …

Erster Satz:

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie, aber bei mir war das nicht so.

Kommentar:
Wie inzwischen schon mehrfach erwähnt, bin ich auf dieses Buch wegen seines Titels und der ansprechenden Gestaltung aufmerksam geworden, die sich ja sogar unter dem Schutzumschlag fortsetzt. Klappentext, jede Menge gute Kritiken sowie der interessante erste Satz, der ein Klischee aufgreift, um es sofort wieder zu zerstören, haben ihren Teil dazu beigetragen, dass ich schließlich zugeschlagen habe – trotz einer gewissen genrebedingten Skepsis. Letztendlich musste ich feststellen, dass meine Vorbehalte nicht ganz nicht ganz unberechtigt waren, obwohl mir das Buch alles in allem gut gefallen hat.

Sam Kingston ist ein ganz normaler amerikanischer Teenie: Sie geht in die zwölfte Klasse der Highschool, gehört zu einer angesehenen Mädchenclique und hat einen Jungen zum Freund, um den sie alle beneiden. In ihrem Leben geht es im Wesentlichen darum, gut auszusehen, cool zu sein und Spaß zu haben – notfalls auch auf Kosten Dritter. Außerdem kreisen Sams Gedanken aus aktuellem Anlass um ihr erstes Mal, denn der Valentinstag, an dem die Handlung spielt, soll die Nacht der Nächte werden. Dann aber läuft alles anders als geplant, und statt in Robs Bett landet das Mädchen nach einem Unfall in einer Zeitschleife, die sie ihren Todestag immer wieder erleben lässt …

Als Samantha am Morgen nach ihrem Tod zum ersten Mal erneut am Valentinstag aufwacht, versteht sie zunächst überhaupt nicht, was los ist. Sie glaubt an ein Déjà-vu, muss aber feststellen, dass dem nicht so ist – auch wenn sie es sich nicht eingestehen will. Ihr wird schnell klar, wie sehr ihr eigenes Handeln das Geschehen und auch das Leben anderer beeinflusst, und ändert nach und nach ihre Einstellung und Verhaltensweisen. Im Laufe der sieben Tage, die ihr insgesamt zur Verfügung stehen, hinterfragt sie vieles, was sie zuvor getan hat, lernt nicht nur ihre Freunde, sondern vor allem ihre »Feinde« auf ganz neue Weise kennen und versucht, einige Dinge geradezurücken. Das Prinzip von Ursache und Wirkung, die Wechselwirkung zwischen dem Geschehenen an einem Tag und Sams Einstellung und ihren Gefühlen am nächsten Tag, die sich unmittelbar auf ihr Handeln auswirken, ist wirklich hervorragend dargestellt – ebenso wie die langsame Veränderung des Mädchens. Am Ende hat sich Sam im Laufe dieser sieben Tage von der Teenie-Rebellin, die glaubt, nichts mehr zu verlieren zu haben, zu einem ziemlich erwachsenen, emanzipierten Mädchen gewandelt, dem klar geworden ist, welche Auswirkungen selbst unbedeutende Kleinigkeiten und aus einer Laune heraus gedankenlos dahergesagte Worte haben können und und dass es im Leben auf mehr ankommt als den schönen Schein.

»So viele Dinge sind plötzlich schön, wenn man nur genau hinsieht.« (S. 326)

Spoiler

Das Ende ist konsequent, aber dennoch irgendwie unbefriedigend. Nicht, weil Samantha stirbt, sondern wegen der Erkenntnis, die hinter dem Buch steht. Diese lautet nämlich vereinfacht ausgedrückt: »Wenn du ein guter Mensch warst, ist das Sterben gar nicht so schlimm.« Für meinen Geschmack ist das zu wenig, denn an so eine Message schließt sich doch unmittelbar die Frage an, was man davon hatte, ein guter Mensch gewesen zu sein, wenn man so jung aus dem Leben gerissen wird. Oder anders formuliert: Warum musste Sam sich überhaupt ändern, wenn sie ja doch keine zweite Chance erhält, nicht nur einen Tag, sondern den Rest ihres Lebens ein guter Mensch zu sein?

[Einklappen]

Doch nicht nur der Ausgang des Buchs gefällt mir nicht uneingeschränkt; der Roman ist mir außerdem eine Spur zu »teenie«. Das spiegelt sich in der Art der Probleme von Sam sowie vor allem auch in der sehr oberflächlich anmutenden Freundschaft zwischen den vier Mädchen und deren Auftreten gegenüber anderen. Dennoch ist Sam – trotz einiger bösartiger Aktionen – von Beginn an eine sympathische Protagonistin, die einem im Laufe der Zeit mehr und mehr ans Herz wächst, während sie zu sich selbst findet. Vor allem im letzten Drittel vermittelt sie wunderschöne, gefühlvolle, wertvolle Momente ihres Lebens, die einen zu Tränen rühren und auch ein wenig nachdenklich machen.

Stilistisch hat das Buch zwei Seiten. Einerseits wird man mit schrecklicher, aber wohl herkömmlicher Teenie-Umgangssprache maträtiert, die sich z.B. durch den permanenten Einsatz des Wortes »Schlampe« (inkl. diverser Synonyme) für Freund und Feind auszeichnet, und in der ziemlich grenzwertigen Sticheleien untereinander vorgetragen werden. Besonders an solchen Stellen war ich immer wieder befremdet, habe gedanklich die guten alten Zeiten gerühmt und mich zu alt für das Buch gefühlt. Andererseits gibt es aber auch zahlreiche wunderbare Passagen, in denen Menschen, Begegnungen und Gefühle so schön geschildert werden, dass einem das Herz aufgeht. Allerdings bewegt sich Lauren Oliver dabei manchmal schon an der Grenze zum Kitsch und überschreitet diese auch hin und wieder, etwa als Sam ihre Gefühle bei einem Kuss schildert: »Ich schließe die Augen und in der Dunkelheit hinter meinen Lidern sehe ich wunderschöne blühende Dinge, Blumen, die wie Schneeflocken herumwirbeln, und Kolibris, die im gleichen Rhythmus mit den Flügeln schlagen wie mein Herz.« (S. 391)

Fazit:
12/15 – Trotz einiger Kritikpunkte ein lesenswertes Buch – vorausgesetzt, man kann mit dem Tennie-Hintergrund leben, der doch deutlich zum Tragen kommt.

[Rezension] Jacquie D’Alessandro: Who Will Take This Man?

Regency-Era Historicals, Book 1

Inhalt:
Philip Whitmore, Viscount Greymore, soll heiraten, doch dabei gibt es ein Problem: Der Archäologe wurde mit einem Fluch belegt, der jede potenzielle Braut tötet. Verständlich, dass ihm seine Verlobte Lady Sarah wegläuft, als sie davon erfährt. Doch auch die Heiratsvermittlerin Meredith Chilton-Grizedale, die die Ehe arrangiert hat, hat unter der abgesagten Trauung zu leiden; um ihren tadellosen Ruf zu retten, muss sie schnellstmöglich eine neue Braut herbeischaffen – keine einfache Aufgabe, gilt Philip doch wegen des Fluchs als der am schwersten zu verheiratende Mann Englands …

Kommentar:
Der erste Teil der Regency-Era-Series besticht mit einer netten Grundidee, die auch ein gewisses Spannungspotenzial bietet. Dieses resultiert aber nicht etwa aus der Frage, ob der Fluch Aberglaube ist oder nicht, denn von der Echtheit ist Philip überzeugt und es gibt auch tragische Beweise dafür, sondern daraus, wie der Fluch neutralisiert werden kann. Es gilt also einerseits, den zweiten Teil der Fluch-Steintafel zu finden, auf der die Möglichkeit zur Neutralisierung festgehalten wurde, sowie andererseits eine Frau aufzutun, die Philip trotz des noch aktiven Fluchs baldmöglichst heiraten würde – Philip hat seinem todkranken Vater nämlich versprochen, endlich eine Ehe einzugehen. Bei seiner Suche nach einer Braut wird er unterstützt von Meredith Chilton-Grizedale, die ein ebenso großes Interesse an einem Erfolg hat wie Philip selbst: Ihr Ruf als Heiratsvermittlerin ist nach einer geplatzten Hochzeit nämlich so gut wie ruiniert.

Die beiden kommen sich schnell näher, und es ist nicht zu übersehen, wie sehr sich die beiden zueinander hingezogen fühlen – was auch Philips amerikanischem Freund Andrew nicht entgeht, der mit trockenen Kommentaren nicht spart. Einige skurrile Situationen und eine Reihe amüsanter Wortgefechte zwischen den Protagonisten sorgen für jede Menge gute Unterhaltung. Hinzu kommen mit dem wissenschaftlich interessierten, nur durchschnittlich attraktiven Philip ein Held, der aufgrund seiner Normalität relativ untypisch ist, sowie die schlagfertige Heldin mit einem Background, der eine Beziehung zwischen beiden eigentlich unmöglich macht. Leider überreizt die Autorin das Hin und Her zwischen den Protagonisten phasenweise ein wenig, sodass man irgendwann eher gelangweilt davon ist und sich wünscht, dass es nun endlich zum guten Ende kommt – zumal die Geschichte irgendwann einfach nichts Neues mehr zu bieten vermag.

Die Rahmenhandlung enthält einige Krimielemente, die aber leider nur mäßig spannend und leicht zu durchschauen sind, auch wenn die Autorin merklich bemüht ist, immer wieder falsche Fährten zu legen. Der D’Alessandro-typische Showdown ist nicht besonders überzeugend, und gleiches gilt auch für die Auflösung des »Krimifalls«. Nicht nur wenig überzeugend, sondern sogar richtig ärgerlich ist das Ende um Philips Vater, das für mich als Form des Happy-Ends vollkommen inakzeptabel ist.

Fazit:
10/15 – Nette Idee mit mysteriösen Elementen und sympathischen Figuren, die Geschichte ist allerdings trotz allen Humors etwas langatmig umgesetzt. Auf den zweiten Band freue ich mich angesichts der Protagonisten, die hier bereits eingeführt wurden, dennoch schon sehr.

Serieninfo:
01 Who Will Take This Man?
02 Love and the Single Heiress
03 Not Quite a Gentleman
04 Never a Lady

[Rezension] Charlaine Harris: Vorübergehend tot

Originaltitel: Dead Until Dark
Sookie Stackhouse/Southern Vampires, Band 1

Klappentext:
Sookie Stackhouse jobbt in einer Kleinstadt in Louisiana als Kellnerin. Sie ist still, introvertiert und geht selten aus. Nicht, dass sie nicht hübsch wäre. Im Gegenteil. Sookie hat nur, na ja, eben diese »Behinderung«. Sie kann Gedanken lesen. Das macht sie nicht gerade begehrenswert. Doch dann taucht Bill auf. Er ist groß, düster und gutaussehend – und Sookie hört kein Wort von dem, was er denkt. Er ist genau die Art Mann, auf die sie schon ihr ganzes Leben lang wartet …
Doch auch Bill hat eine Behinderung: Er ist ein Vampir. Außerdem hat er einen schlechten Ruf. Er hängt mit einer verdammt unheimlichen Clique herum, deren Mitglieder alle – Überraschung! – Mordverdächtige sind. Als dann noch eine Kollegin Sookies ermordet wird, befürchtet sie, sie könnte die nächste sein …

Kommentar:
Die Sookie-Stackhouse-Bücher stehen seit Jahren bei mir im Regal, und ich kaufe jährlich die erscheinenden Fortsetzungen. Warum ich bis dato trotzdem nur Band 1 gelesen habe, ist natürlich vordringlich mit der Vielzahl ungelesener Bücher erklären. Daneben gibt es aber weitere spezifischere Gründe. Da wäre einmal das Schriftbild der Feder&Schwert-(Erst)Ausgabe: die vielen Zeilen pro Seite, eine relativ kleine Schrift und eine ungewöhnliche Schriftart erleichtern das Lesen nicht gerade – allerdings gewöhnt man sich zugegebenermaßen im Laufe der Zeit daran. Darüber hinaus ist mir beim Re-Read einmal mehr aufgefallen: die Geschichten von Charlaine Harris sind einfach sehr eigen, ebenso wie ihr Erzählstil und ihre Figuren.

Da »Vorübergehend tot« der Auftakt einer Serie ist, nehmen die Beschreibung des Südstaaten-Kleinstadtflairs, der Vampirgesellschaft mit ihren speziellen Gepflogenheiten und die Einführung der Haupt- und zahlreichen Nebenfiguren eine Menge Zeit in Anspruch. Harris‘ Vampire sind gesellschaftlich anerkannt worden und haben jüngst Rechte zugesprochen bekommen; ihr Vampirdasein ist – angeblich – auf einen Virus zurückzuführen, und sie können sich weitgehend von synthetischem Blut ernähren. Davon abgesehen vertragen sie aber klassischerweise kein Silber, kein Sonnenlicht und können Knoblauch nicht besonders leiden.

Protagonistin Sookie ist eine hübsche, bisweilen etwas naive, aber sympathische 25-jährige Kellnerin mit telepathischen Fähigkeiten, die mit ihrer Katze Tina im Haus ihrer Großmutter im Südstaatenstädtchen Bon Temps lebt. Die Bewohner der Stadt halten sie aufgrund ihrer Gabe, zu der allerlei wilde Gerüchte kursieren, für verrückt, und ein bisschen verrückt benimmt sich Sookie manchmal auch – kein Wunder, wenn die Hälfte des Verstands damit beschäftigt ist zu vermeiden, die Gedanken des Gegenübers zu hören. Da sie das aber nur zum Teil verhindern kann, geht sie nicht mit Männern aus – bis zu dem Tag, an dem Gentleman-Vampir Bill die Bar betritt, dessen Gedanken sie nicht hören kann und der allein schon deshalb der ideale Mann für sie ist.

Im Zentrum des Buches stehen einerseits die Beziehung zwischen Sookie und Bill, die alles andere als einfach und phasenweise auch für den Leser einigermaßen anstrengend ist, sowie andererseits die Morde an mehreren jungen Frauen in Bon Temps. Sookie selbst hat großes Interesse an der Aufklärung der Verbrechen, denn nicht nur wird ihr Bruder verdächtigt, sondern sie selbst gerät in den Fokus des Mörders. Wie häufig bei Charlaine Harris‘ Büchern hat man den Eindruck, als würde die Handlung nett und ganz interessant, aber doch wenig ereignisreich vor sich hinplätschern. Der Kriminalfall läuft – obwohl er eigentlich zentrales Motiv des Buches ist – irgendwie im Hintergrund ab, während die mehr oder weniger merkwürdigen Figuren und ihre nicht minder merkwürdigen Beziehungen untereinander im Mittelpunkt stehen. Das Erzähltempo ist eher gemächlich, und Spannung kommt nicht so wirklich auf – was auch damit zusammenhängt, dass die Erzählweise seltsam distanziert wirkt, obwohl das Buch von Sookie in der Ich-Perspektive erzählt wird. Dennoch hat das Buch einen ganz eigenen Charme, und ich bin sehr gespannt auf die weiteren Bände – zumal ich mir sicher bin, dass sich die Bücher noch steigern.

Fazit:
11/15 – Nicht gerade besonders spannend, aber trotzdem unterhaltsam und irgendwie faszinierend.

 

 

Serieninfo:
01 Dead Until Dark | Vorübergehend tot
02 Living Dead in Dallas | Untot in Dallas
03 Club Dead | Club Dead
04 Dead to the World | Der Vampir, der mich liebte
05 Dead as Doornail | Vampire bevorzugt
06 Definitely Dead | Ball der Vampire
07 All Together Dead | Vampire schlafen fest
08 From Dead to Worse | Ein Vampir für alle Fälle
09 Dead and Gone | Vampirgeflüster
10 Dead in the Family | Vor Vampiren wird gewarnt (April 2011)
11 Dead Reckoning (Mai 2011)

[Rezension] Kieran Kramer: When Harry Met Molly

Inhalt:
Lord Harry Treamore liebt seine Unabhängigkeit, doch dann wird er vom Prinzregenten höchstselbst in eine folgenschwere Wette verstrickt: Derjenige der fünf »Impossible Bachelors«, dessen Mätresse in einem Wettbewerb den Titel »Reizendste Begleiterin« gewinnt, darf sein Junggesellenleben ein weiteres Jahr lang ungestraft auskosten. Unter den vier anderen Männern wird durch Strohhalmziehen ein Verlierer ermittelt, der sofort heiraten muss. Harry macht sich zunächst keine großen Sorgen über den Ausgang des Wettbewerbs – dann allerdings läuft ihm in allerletzter Sekunde seine Mätresse davon, und zwar ausgerechnet mit dem zukünftigen Gatten seiner alten Jugendfeindin Lady Molly Fairbanks. Die beiden Gehörnten tun sich in ihrer Not zusammen, doch die adlige, unbedarfte Molly ist nicht gerade das, was man sich unter einer begehrenswerten Vorzeigegeliebten vorstellt … 

Kommentar:
Ich hatte zu Kieran Kramers Debütroman diverse positive Rezensionen gelesen, deren Tenor inetwa lautete: »Unglaubwürdige Geschichte, aber trotzdem extrem unterhaltsam.« Nach dem Lesen kann ich den hohen Unterhaltungswert nur leider überhaupt nicht bestätigen, die hanebüchene Story allerdings blöderweise sehr wohl. Natürlich verdeutlich schon die Inhaltsangabe, dass die Handlung nur bedingt ernstzunehmen ist, ich war aber ehrlich gesagt blauäugigerweise der Meinung, es sei nur die der Geschichte zugrundeliegende Idee unglaubwürdig, die Umsetzung im Detail hingegen in Ordnung. Weit gefehlt – es wimmelt nur so von Schwachsinnigkeiten. Würde ich die alle im Detail aufzeigen, müsste ich das ganze Buch nacherzählen, also beschränke ich mich auf die wesentlichen.

Es fängt schon mit der Vorgeschichte an, die einen unbedeutenden Jugendstreich zum dauerhaft lebensverändernden Einschnitt für die Protagonisten aufbauscht, und geht nahtlos über in den Auftritt des Prinzregenten im Club von Harry und seinen Freunden. Nicht wirklich verwunderlich, dass die vier eingefleischten Junggesellen einigermaßen überrascht sind, als Prinny durch eine geheime Geheimtür mitten in ihr Männergespräch platzt und mit der oben beschriebenen albernen Wette um die Ecke kommt. Nicht weniger albern: Als Harry mit seiner Mätresse zum Wettbewerb anreist, trifft er in einem Rasthaus rein zufällig seine Jugendfeindin Molly, die gerade dabei ist, aus reiner Bockigkeit mit einem Angestellten ihres Vaters nach Gretna Green durchzubrennen, um dort heimlich zu heiraten. Wie das Leben so spielt, verguckt sich Mollys Verlobter in Harry Mätresse, und die beiden machen sich gemeinsam aus dem Staub, während Harry und Molly im Schankraum ihrer erklärten Lieblingsbeschäftigung nachgehen und sich zanken. Da Harry nun ohne Begleitung dasteht (was ihn automatisch zum Verlierer der Wette machen und eine sofortige Heiratsverpflichtung bedeuten würde) und Molly ohne Beschützer, schließen sie trotz aller Streitigkeiten und Aversionen ein Zweckbündnis: Molly kommt mit auf den Landsitz und gibt Harrys Mätresse – was offenbar immer noch besser ist, als alleine ins sichere Nest zurückzureisen. Man kann als Harrys Mätresse ja schließlich nur seinen Ruf verlieren, was aber ohnehin nieeeemals nicht passieren wird, denn Molly nennt sich raffinierterweise Delilah (genau, Samson und so) und wird somit gewiss einer Entdeckung entgehen, wie die beiden Schlauberger meinen.

Selbstredend ist die unbedarfte junge Adlige, die (ich muss es wohl nicht erwähnen) natürlich noch Jungfrau ist, vollkommen überfordert mit ihrer Aufgabe, sodass ein peinlicher Auftritt den nächsten jagt. Peinliche Auftritte fallen andererseits aber gar nicht so wirklich auf angesichts all der ach so lustigen Wettbewerbe, die sich der geistreiche Prinny so ausgedacht hat, etwa Kusstests im Kusskabuff mit einem zugelosten anderen Mann oder fröhliches Sackhüpfen zur Beurteilung der am beeindruckendsten hüpfenden Brüste. Weil die Beteiligten offenbar damit noch nicht hinreichend ausgelastet sind und wir es ja nun außerdem mit einem Liebesroman zu tun haben, bringt Harry Molly ganz nebenbei ein bisschen was über Liebe, Sex und Zärtlichkeit bei, um ihre ziemlich aussichtslosen Gewinnchancen zu steigern – und ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass sich die beiden dabei näherkommen. Da in diesem Buch kaum was ausgelassen wird, kriegen wir es dann auch noch mit der altbewährten »Ich bin nicht gut genug für dich«-Nummer zu tun, die zusätzlich mit »Außerdem muss ich mich erst mal selbst finden«-Ausrede aufgehübscht wird, um dann endgültig zur einer ärgerlichen Farce zu verkommen, indem alles angeblichlich nur Spaß war. Ohnehin scheint diese alberne Szene offenbar nur zur Vorbereitung eines Showdowns zu dienen, für den mir nur ein Wort einfällt: abstrus.

Die Story ist aber nicht nur hanebüchen, sondern zieht sich darüber hinaus spätestens ab der Hälfte wie Kaugummi. Es hätte der Geschichte definitiv gut getan, von den 410 Seiten mindestens ein Viertel zu streichen – zum Beispiel, indem man einfach mal alle Nebenkriegsschauplätze eliminiert, die ohnehin keinerlei Bedeutung haben. Bei der Gelegenheit hätte die Autorin auch gleich den Fokus auf die sukzessive Veränderung der Beziehung zwischen Harry und Molly richten können; wie es nämlich kommt, dass sich die beiden Erzfeinde ineinander verlieben, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Die Hauptfiguren sind nicht so schlecht wie die Geschichte, wachsen einem aber auch nicht gerade ans Herz und wirken doch relativ eindimensional. Sie haben nicht das Potenzial, einen Toproman aus diesem Buch zu machen, hätten aber immerhin auch nicht weiter gestört. Vollkommen uninteressant sind auch die anderen Junggesellen, die in den drei Folgebänden noch unter die Haube gebracht werden – was aus denen wird, ist mir folglich total egal.

Was schließlich den viel gepriesenen Humor angeht: Es gibt ein paar ganz nette und witzige Szenen, aber alles in allem sind wir hier wohl mal wieder an dem Punkt, wo sich die Geister an der Absurdität einer Geschichte scheiden. Der eine kann aus einer grotesken Handlung Belustigung ziehen, der andere findet sowas einfach nur dumm und langweilig. Ich gehöre zur letzteren Sorte – aber das ist ja nichts wirklich Neues.

Fazit:
4/15 – Kein überzeugendes Debüt, weil die Geschichte einfach zu unglaubwürdig ist. Da der Nachfolgeroman eher schlechtere Kritiken erhalten hat als der Erstling, wird dies wohl mein einziger Versuch mit dieser Autorin bleiben.

 

 

Serieninfo:
01 When Harry Met Molly
02 Dukes to the Left of me, Princes to the Right
03 Cloudy with a Chance of Marriage (April 2011)
04 If You Give A Girl A Viscount (Ende 2011)

[Rezension] Lisa Kleypas: Christmas Eve at Friday Harbour

Deutscher Titel: Das Winterwunder von Friday Harbor
1. Teil der Friday-Harbour-Serie

Inhalt:
Als seine Schwester bei einem Autounfall tödlich verunglückt, übernimmt Mark Nolan die Vormundschaft für seine sechsjährige Nichte Holly, die seitdem kein Wort mehr spricht. Erst die Spielwarenladenbesitzerin Maggie dringt zu dem Kind vor und bricht den Bann – sie erobert aber nicht nur Hollys Herz, sondern auch Mark fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. Da Mark allerdings eine Freundin hat und Maggie nach dem Krebstod ihres Mannes keine neue Beziehung will, scheint ein Zusammensein zunächst ausgeschlossen …

Kommentar:
Schon als ich die Ankündigung der neuen Serie von Lisa Kleypas gelesen habe, in deren Rahmen vier Bücher innerhalb eines halben Jahres veröffentlicht werden, habe ich meine Skepsis geäußert – einfach deshalb, weil der Ausstoß der Autorin inzwischen so hoch ist. Das muss zu Lasten der Qualität gehen, war meine Befürchtung, und das vorliegende Buch bestätigt meine Bedenken.

»Christmas Eve at Friday Harbour« ist zweifellos ein herzerwärmendes Buch, das eine schöne Geschichte erzählt; leider geht ihm aber jede Tiefe ab. Die Personen sind zwar durch und durch nett und liebenswert, aber eben einfach nur das: Sie sind eindimensional, haben keinerlei Ecken und Kanten und sind schlicht zu perfekt.

Das Gleiche gilt für die sehr stringente, vorhersehbare Geschichte ohne echte Höhen und Tiefen, die über einen Zeitraum von einen Jahr läuft, aber trotzdem nicht wirklich entwickelt wird. Stattdessen werden episodenhaft einige entscheidende Momente herausgegriffen, während zwischenzeitlich Geschehenes rückblickend in einem Satz berichtet wird. Zugegebenermaßen ist mehr auch gar nicht möglich, denn die Handlung umfasst gerade mal 211 Seiten. Hätte ich die US-Hardcover-Ausgabe für ca. 14 Euro gekauft, hätte ich mich wirklich geärgert – wobei die UK-Paperback-Ausgabe mit knapp 8 Euro auch nicht gerade als Schnäppchen zu bezeichnen ist.

Fazit:
8/15 – Eine Buch, an das man keine großen Erwartungen stellen sollte: Es ist nicht mehr als ganz nette Unterhaltung für Zwischendurch ohne jeden Tiefgang. Für das, was es bietet, ist es außerdem deutlich zu teuer.

 

 

Serieninfo:
01 Christmas Eve at Friday Harbour | Das Winterwunder von Friday Harbor (12/12) (Rezension)
02 Raindshadow Road
03 Dream Lake
04 Crystal Cove

[Rezension] Jane Eagland: Mein Herz so wild

Originaltitel: Wildthorn

Inhalt:
England um 1870. Louisa Cosgrove gat das Gefühl, sich in einem Alptraum zu befinden. Statt bei Freunden ist sie in einer Irrenanstalt gelandet, wo man sie beharrlich mit dem Namen Lucy Childs anspricht. Und jeder Protest ihrerseits wird nur als weiteres Indiz für ihre geistige Zerrüttung gewertet. Doch Louisa kämpft um ihre Freiheit – und sie findet den Schlüssel dazu, wo sie ihn nie vermutet hätte.

Kommentar:
Als ich bei Miss Bookiverse von diesem Jugendroman gelesen habe, war mein Interesse augenblicklich geweckt. Ein thematisch ähnliches Buch von Laura Kinsale hat mir nämlich ausgesprochen gut gefallen: »Triumpf der Herzen« (OT: »Flowers from the Storm«), in dem ein Lord nach einem Schlaganfall in eine Irrenanstalt abgeschoben wird und dort vor sich hinvegetiert.

Die Ausgangslange hier ist allerdings eine andere: Louisa Cosgrove wähnt sich eigentlich auf dem Weg zu Bekannten, als sie völlig unversehens in einer Irrenanstalt abgeliefert wird. Da sie dort von allen beharrlich als Lucy Childs bezeichnet wird, glaubt sie zunächst an eine Verwechslung und ist der festen Überzeugung, den Irrtum bald aufklären zu können, doch nach und nach wird ihr klar, dass sie nicht versehentlich hier gelandet ist. Weil sie fürchtet, niemals aus Wildthorn entlassen zu werden, plant sie ihre Flucht, doch damit verschlimmert sie ihre Lage erst recht und ihre Situation wird immer hoffnungsloser …

Was auf den ersten Blick aus heutiger Sicht vollkommen fantastisch klingen mag, war im 19. Jahrhundert leider nicht ganz ungewöhnlich. Ich bin kein Experte in Psychiatriegeschichte, aber es kam offenbar gar nicht selten vor, dass völlig gesunde Menschen in Irrenanstalten abgeschoben wurden, um sie loszuwerden oder weil sie aufgrund ihrer Denkweise und ihres Verhaltens als wahnsinnig galten. Obwohl die Gesellschaft in der spätviktorianischen Ära im Umbruch war und Frauen zunehmend mehr Rechte für sich einforderten, reicht in Louisas Fall als Grund für die Einlieferung aus, dass sie die damalige Rolle der Frau nicht zu akzeptieren bereit ist. Sie verweigert jegliche gesellschaftlichen Verflichtungen und Konventionen, stattdessen lernt und experimentiert sie, um später Ärztin zu werden – was ihr schließlich zum Verhängnis wird.

Der erste Teil des Buches, der die erste Zeit in der Irrenanstalt beschreibt, wird immer wieder durchbrochen von Rückblenden in die Vergangenheit. Sie zeigen Louisa sehr anschaulich als wissbegieriges, intelligentes, aber aufmüpfiges Mädchen, das mit der ihr zugedachten gesellschaftlichen Rolle nicht klar kommt und keinen leichten Stand in der eigenen Familie hat: Während die Mutter versucht, sie doch noch zu einer guten viktorianischen Frau zu erziehen, wird sie vom deutlich liberaleren Vater gefördert und vom Bruder beneidet. Aber reichen der Neid des Bruders und das gesellschaftskonforme Denken der Mutter aus, um das Mädchen nach dem Tod des Vaters in eine Irrenanstalt einliefern und dort leiden zu lassen? Warum genau sie nach Wildthorn gebracht wurde und wer für ihre Einlieferung verantwortlich ist, findet Louisa erst im Laufe der Zeit heraus, und die Erklärung ist überraschend, aber durchaus plausibel.

Bis die Wahrheit ans Licht kommt, durchlebt Louisa eine schreckliche Zeit in Wildthorn, denn das mangelhafte medizinisch-psychologische Wissen und die damals üblichen Behandlungsmethoden sind zutiefst demütigend und brutal. Mit ihren Versuchen, ihre geistige Gesundheit unter Beweis zu stellen und die Situation aufzuklären, reitet sich das Mädchen nur immer tiefer hinein, und phasenweise hält sie nur noch ein Funken Hoffnung auf Rettung bei einigermaßen klarem Verstand. Dass sie allerdings trotz der Demütigungen, Schmerzen und Verzweiflung stets so relativ rational und nüchtern bleibt, ist angesichts dessen, was sie zu durchleben hat, nicht glaubwürdig. Zudem wirken Louisas Erlebnisse über weite Strecken eher distanziert geschildert und unemotional, was vielleicht der jugendlichen Zielgruppe geschuldet ist, das Buch aber nicht mitreißender macht.

Spoiler

Vollkommen überflüssig finde ich es, zusätzlich zu den vorhandenen Themen auch noch den Aspekt der homosexuellen Liebe in der damaligen Zeit ins Feld zu führen – man hat auch ohne diese Facette genug Stoff für ein gutes Buch, das die Denkweise der damaligen Zeit vor Augen führt. Auch wenn das von der Autorin ganz sicher nicht so gemeint ist, vermittelt die Tatsache, dass Louisa nicht nur die damalige Rolle der Frau nicht akzeptieren will, sondern darüber hinaus auch noch lesbisch ist, eher eine negativ anmutende Verquickung.

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Fazit:
10/15 – Das Buch zeichnet ein aufschlussreiches, beklemmendes, aber doch relativ unemotionales Bild der Zeit. Wer sich für historischer Romane dieser Art interessiert, macht mit »Mein Herz so wild« sicher nichts falsch.

Trivia:
Wer sich für die Betrachtung der Frau in der damaligen Zeit interessiert, der sei auf den Artikel »Über den physiologischen Schwachsinn des Weibs« von Dr. P. J. Möbius von 1903[5] verwiesen, den man hier bei Wikisource nachlesen kann. Er ist nicht nur eine durchaus spannende Analyse des schwachen Geschlechts (»Körperlich genommen ist, abgesehen von den Geschlechtsmerkmalen, das Weib ein Mittelding zwischen Kind und Mann und geistig ist sie es, wenigstens in vielen Hinsichten, auch.«), sondern nebenbei kriegen auch noch die »Neger« und die Bayern einen mit: »Bei geistig niedrig stehenden Männern (z. B. einem Neger) fand er den weiblichen ähnliche Verhältnisse des Scheitellappens, während bei geistig hochstehenden Männern die mächtige Entwickelung des Scheitellappens ein ganz anderes Bild gewährte. Die allereinfachsten Verhältnisse fand Rüdinger bei einer bayrischen Frau, er spricht geradezu von ›thierähnlichem Typus‹.«

[Rezension] Lisa Kleypas: A Wallflower Christmas

Wallflower-Serie, Band 5

Inhalt:
Der Amerikaner Rafe Bowman trifft kurz vor Weihnachten in England ein, um Natalie Blandford kennenzulernen, die Tochter eines Lords. Die beiden sollen nach dem Willen ihrer Eltern heiraten und sind sich auch sofort sympathisch, sodass einer Ehe im Grunde nichts im Wege steht … wäre da nicht Hannah, die verarmte Cousine und Gesellschafterin von Natalie. Zwischen ihr und Rafe fliegen nämlich schon bei der ersten Begegnung die Funken!

Kommentar:
»A Wallflower Christmas« ist eine Art Spin-off zur Wallflower-Serie und dreht sich um den Bruder von Lillian und Daisy Bowman. Theoretisch.

Praktisch sieht die Sache so aus, dass die Geschichte um die arrangierte Ehe doch ziemlich beläufig abgehandelt wird, weil Kleypas bemüht ist, die vier Mauerblümchen mindestens gleichwertig in Szene zu setzen: Man erfährt, wie ihr Leben so verlaufen ist und teilt ihr Glück und ihre Sorgen. Für Leute, die die vier Wallflowers noch nicht kennen, erhalten zudem realtiv ausführliche Background-Informationen zu ihnen – was Leser der vorherigen Bände eher ein wenig langweilen dürfte. Das Wiedersehen mit den vier Mädels macht natürlich Spaß, aber bei einem vorhandenen Raum von etwa 200 großzügig bedruckten Seiten bleibt unter diesen Bedingungen natürlich kaum noch Platz, die aktuelle Liebesgeschichte zu erzählen bzw. vernünftig zu entwickeln. So sind die eigentlichen Protagonisten des Buchs, Rafe und Hannah, zwar sympathisch, bleiben letztendlich aber blass – was ziemlich schade ist, denn ihr Hintergrund hätte viel Potenzial geboten (was übrigens für die ganze Handlung gilt).

Fazit:
7/15 – Eher nur für Fans der Wallflower-Serie, die die Mauerblümchen wiedersehen wollen.

 

 

Serieninfo: The Wallflowers
01 Secrets of a Summer Night | Geheimnisse einer Sommernacht – 7/15
02 It Happened One Autumn | Herbstfeuer (Cora)/Der Earl und die Erbin (Mira) – 14/15 (Rezension)
03 The Devil in Winter | Es begann in einer Winternacht – 12/15 (Rezension)
04 Scandal in Spring | Frühlingsküsse (Cora)/Verbotene Früchte im Frühling (Mira) – 9/15 (Rezension)
05 A Wallflower Christmas – 7/15

Außerdem gibt es Verbindungen zur Hathaway-Serie und dem Einzeltitel »Again the Magic« (dt. »Und ewig brennt das Feuer«/»Liebe ist süßer als Rache« ).