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Originaltitel: Because she can

Inhalt:
Claire Truman könnte die ganze Welt umarmen: Der hinreißende und dazu äußerst wohlhabende Randall Cox hat sich in sie verliebt, ihr Job macht ihr Spaß, und dann bekommt sie auch noch die Gelegenheit, einen großen Karrieresprung zu machen: von ihrem kleine Verlag zu der Besteller-Schmiede der so genialen wie glamourösen New Yorker Verlegerin Vivian Grant. Claire stürzt sich voller Enthusiasmus in ihren neuen Job. Bis sie erkennt, dass sie in der reinsten Schlangengrube gelandet ist …
Kommentar:
Ich kenne zwar »Der Teufel trägt Prada« selbst nicht, »Teufel in High Heels« ist aber scheinbar – wie ja auch der deutsche Titel schon andeutet – ein Abklatsch davon. Und zwar ein schlechter, der nicht im Geringsten komisch, sondern einfach nur langweilig ist. Ich hab das Buch vor allem deshalb vom Flohmarkt mitgenommen, weil es in der Verlagsbranche angesiedelt, es könnte aber ebenso gut in jeder anderen Branche spielen, übers Büchermachen und die Vorgänge in einem Verlag erfährt man nämlich überhaupt nichts. Ohne jeden Pep, Witz, Sarkasmus und ohne jede Emotion wird erzählt, wie eine psychotische, cholerische Chefin ihre Angestellten tyrannisiert, indem sie sie mit Unmengen nicht zu bewältigender Arbeit eindeckt und mit ebenso vielen Demütigungen quält.
Hauptperson Claire, von der man zunächst die Hoffnung hatte, sie würde der Verlegerin die Stirn bieten, ist eine durch und durch naive Person. Als sie das Jobangebot von Vivian Grant erhält, sind alle ihre Kollegen zutiefst entsetzt, weil Vivian ein in der Branche gefürchtetes und verrufenes Biest ist. Claire schlägt aber natürlich alle Warnungen in den Wind, weil sie der Meinung ist, so schlimm könne es ja gar nicht sein, dass man es nicht mal ein Jahr dort aushalten könnte, um der Karriere einen Schub zu verpassen. Zunächst scheint Vivian, die alle anderen Angestellten in den Wahnsinn treibt, auch große Stücke auf Claire und ihre Ideen zu halten, doch damit ist es bald vorbei. Interessanterweise trifft diese neue Phase Claire trotz aller Warnungen und Beobachtungen wie aus heiterem Himmel; sie ist völlig fassungslos und zutiefst gekränkt, angebrüllt worden zu sein und verfällt in eine Lebens- und Sinnkrise. Man fragt sich ja schon, wie ein halbwegs intelligenter Mensch ernsthaft glauben konnte, dauerhaft besser behandelt zu werden als die anderen, aber das ist halt Claire. Claire kapiert offenbar auch überhaupt nicht, für was für einen Verlag sie da arbeitet: Obwohl die erfolgreichsten Bücher des Hauses reißerische Titel sind, schleppt Claire immer wieder literarisch wertvolle, anspruchsvolle Manuskripte an und wundert sich, wieso ihre Chefin die nicht toll findet und ihr zusammen mit wüsten Beschimpfungen um die Ohren haut.
Vivian Grant, die Gegenspielerin, ist so dermaßen eindimensional böse und ordinär, dass sie total langweilig und berechenbar ist. Man fragt sich, wieso eigentlich überhaupt irgendjemanden mit gesundem Menschenverstand unter diesen Bedingungen für sie arbeitet; hätte sie irgendwelche guten oder charmanten Seiten, könnte man das ja vielleicht irgendwie verstehen, aber da sie ausschließlich tobt, wütet und ihren Angestellten den letzten Nerv raubt, fragt man sich, was die Lektoren da eigentlich hält, bis sie rausgeschmissen werden. Vielleicht gefällt es ihnen in der quasi verlagseigenen Vivian-Grant-Selbsthilfegruppe.
So nebenbei findet auch noch eine Art Lovestory statt; Claire kommt nämlich mit ihrem Jugendschwarm zusammen, der sie »Claire-Bär« nennt (was für mich schon ein Trennungsgrund wäre). Sie sieht ihn zwar selten, weil sie beide einen so anstrengenden Job haben, beschließen aber trotzdem zu heiraten. Die ganze Entwicklung passiert aber eher nebenbei und wird völlig unemotional zwischen Vivians Tobsuchtsanfällen geschildert. Dazu passt, dass die Hochzeit unter keinem guten Stern steht.
Wertung:
5/15 – Nicht richtig schlecht, aber einfach langweilig.
Deutscher Titel: Rendezvous mit einem Verführer

Inhalt:
Heiße Liebesspiele mit einem Fremden? Nicht im Traum hat die hübsche junge Witwe Passion daran gedacht, noch einmal mit einem Mann zusammen zu sein. Da läuft sie bei einer Ausstellung im Londoner Kristallpalast einem verführerischen, äußerst gut gebauten Gentleman in die Arme, der lang unterdrückte Sehnsüchte in ihr weckt. Nach einer lieblosen Ehe findet sie zum ersten Mal im Leben sinnliche Erfüllung. Erregt fiebert sie jedem neuen Rendezvous entgegen. Und bald muss sie sich eingestehen, dass Mark Randolph Hawkmore, Earl of Langley, nicht mehr nur ihre Sinne, sondern auch ihr Herz betört. Doch eine Intrige gegen Mark steht ihrem Glück im Weg …
Kommentar:
Wow, was für ein Buch! Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so gute, faszinierende Kombination aus Erotik- und Liebesroman erlebt zu haben! In der ersten Hälfte dreht sich die Handlung im Wesentlichen um den detailliert beschriebenen Sex zwischen den Protagonisten, wobei es nicht gerade zimperlich, sauber und zärtlich zugeht. Im Gegenteil, es fließen alle möglichen Körperflüssigkeiten, über die anatomischen Begebenheiten resp. Hindernisse erfährt man z.T. mehr, als man wissen möchte und die Sprache ist nicht verschleiert-romantisch, sondern eher derb. Die Szenen sind dessen ungeachtet ziemlich erotisch, denn das alles passt einfach zur Situation, zum Sex zwischen Fremden, ebenso wie die Art von Sex zu den Personen passt und viel über diese aussagt. Folgerichtig ändert sich auch die Beziehung zwischen Passion und Mark in dem Maße, wie sich die Personen im Laufe der Handlung entwickeln und Gefühle füreinander entwickeln. Die Darstellung dieses Prozesses ist absolut herausragend gelungen und beinhaltet ungewöhnlich emotionale Momente und Szenen. Wen interessiert da schon, ob es glaubwürdig ist, dass sich eine verwitwete Priesterstochter semi-öffentlich hinter einem Wandschirm im Kristallpalast mit einem Adligen vergnügt?
Die Hauptpersonen sind beide erfreulich vielschichtig angelegt und in der Lage zu einer Entwicklung, was einen großen Teil des Reizes ausmacht. Mark ist einerseits ein typisch arroganter gutaussehender Adliger, den die Meinung anderer Leute aufgrund seiner finanziellen Unabhängigkeit und seines Titels nicht im Geringsten interessiert. Er ist aber innerlich zerrissen, fühlt sich aufgrund seiner Kindheit ungeliebt und hat einen wunden Punkt: seinen Bruder Matthew, für den er alles tun würde – und tut. Bei Passion findet er erstmals das, wonach er sich immer gesehnt hat: die bedingungslose Liebe einer Frau, die ihn um seiner selbst willen will. Denn Passion weiß sehr wohl, was Liebe ist; sie ist in einer liebevollen Familie mit zwei Schwestern aufgewachsen, die sie aber nach ihrer Heirat verlassen hat – für eine lieblose Ehe ohne Gefühle und Leidenschaft. Gefühle und vor allem Leidenschaft findet sie jetzt bei Mark. Passion wäre aber nicht Tochter eines Pfarrers, wenn sie sich gar keine Gedanken über die Schicklichkeit dieser Affäre machen würde, und es ist nur konsequent, dass sie die Beziehung beendet, als sie erfährt, dass Mark heiraten wird – und wen! Der Zwiespalt zwischen Vernunft und Liebe, in dem sich die Protagonisten befinden, ist ebenso überzeugend dargestellt wie das Leiden der Beiden unter dieser Situation – absolut mit- und herzzerreißend!
Wertung:
14/15 – Eine unbedingte Empfehlung an alle, die tiefgreifende und sexlastige Liebesromane mögen. Allen anderen muss man dringend von diesem Buch abraten.
Es ist wirklich ein Jammer, dass Lisa Valdez offenbar nicht mehr aus ihrer Schreibblockade zu holen ist. Der Nachfolger »Patience« hätte sich um Passions Schwester und Marks Bruder Matthew gedreht, leider wird das Buch aber seit Jahren (seit 2007, glaub ich) verschoben und verschoben und verschoben – zuletzt auf April 2010. Auf Lisa Valdez‘ Seite gibts immerhin schon ein Exzerpt, aber ob das was zu bedeuten hat … Ich fürchte nicht.
Anmerkung für die deutschen Leser:
Die beim Cora-Verlag erschienene Übersetzung ist gekürzt und unterscheidet sich im Ton deutlich vom Original. Es bleibt zugegeben ein gutes Buch, ist aber bis zur Unkenntlichkeit verändert worden – ich denke, ich hätte die Übersetzung weit weniger gemocht. Denn es macht nun mal einen Unterschied, ob der Romanheld sagt (erfundenes Beispiel): »Ich will dich um den Verstand vögeln, Babe!« oder ob er haucht: »Ich möchte dich lieben, Herzblatt!«. Es verändert den Akteur, sein Denken und seinen Charakter. Und diese sprachliche Romantisierung, bei der dann auch noch Dinge hinzugedichtet werden, ist teilweise auch ganz schön daneben, wenn auch (vielleicht) zielgruppengereicht. Ein Beispiel, das ziemlich gut verdeutlichen dürfte, was ich meine:


Inhalt:
Für die Studentin Lea beginnt das Auslandssemester alles andere als angenehm. Bei Schneefall und eisigem Ostwind verbringt die junge Frau einsame Tage. Das ändert sich schlagartig, als sie in der Villa ihres Professors auf einen rätselhaften und unwirklich schönen Mann trifft: Adam. Vom ersten Augenblick an ist Lea wie gebannt. Ohne sich dagegen wehren zu können, fühlt sie sich zu ihm hingezogen. Doch Adam verhält sich seltsam. Mal weist er Lea schroff zurück, mal sucht er wie getrieben ihre Nähe. Welches Geheimnis sich jedoch wirklich hinter Adams mysteriösem Verhalten verbirgt, erfährt Lea eines Nachts: Schwer blutend findet sie ihn neben ihrem Bett vor. Wie ist er in ihr Zimmer gekommen und wieso schließen sich seine Wunden wie von Geisterhand? Lea erfährt, dass Adam von einem Dämon besessen ist. Dieser Dämon verleiht ihm Unsterblichkeit, dafür fordert er einen hohen Preis: das Blut anderer Menschen. In diesem Fall das Blut Leas. Noch kämpft Adam dagegen an, denn er hat sich in Lea verliebt. Aber der Dämon ist stark – womöglich zu stark …
Kommentar:
»Kann man einen Vampir lieben?« – mit dieser Frage wird der Backcovertext eingeleitet, und gemeinsam mit der Kombination aus Coverbild, Covertypografie und Titel erinnert eigentlich die gesamte Aufmachung des Buchs unzweifelhaft an Meyers Bis(s)-Reihe. Wer die ganzen unzutreffenden Potter-Vergleiche miterlebt hat, den wundert wahrscheinlich nicht, dass »Morgenrot« wenig bis nichts mit der Bis(s)-Reihe gemeinsam hat. Es kommt noch nicht mal ein Vampir vor. Abgesehen davon, dass ich solche Mogelpackungen grundsätzlich hasse, ist das für mich kein großes Problem – ich wollte es aber erwähnt haben für den Fall, dass jemand nur wegen der vermeintlichen Ähnlichkeit zu den Bis(s)-Büchern die Finger von »Morgenrot« lässt.
Wirklich raten würde ich zu diesem Buch aber trotz guter Ansätze und Ideen so oder so nicht. Die Handlung erscheint irgendwie unausgegoren, ist stellenweise extrem zäh und vollkommen unspannend. Es bleiben viele Fragen offen, etwa der Handlungsort sowie der Hintergrund und das Alter der Hauptpersonen. Außerdem bleibt die tatsächliche Macht das Dämons für mich im Dunklen; ich zumindest hatte den Eindruck, dass die Autorin selbst nicht wusste, ob die Personen nun aus Besessenheit handeln oder aus Liebe. Sprich: Wenn Lea beim Blick ins Adams Augen von dessen Dämon »verzaubert« wird, kann man dann noch von Liebe sprechen oder handelt es sich nicht eher um Manipulation und Besessenheit? Und können die Handlungsweisen von Lea und Adam überhaupt als deren eigene bewertet werden, wo doch irgendwie alles vom Dämon gelenkt wird bzw. werden müsste? Mir erschien das nicht logisch, aber das war nicht das Hauptproblem des Buchs.
Größtes Manko von »Morgenrot« sind die Figuren – selten sind mir so viele unsympathische Personen auf einem Haufen begegnet, und das gilt für die Nebenfiguren (auch für die »Guten« wie Etienne und Nadine) ebenso wie für die Hauptfiguren. Lea ist als graues Mäuschen angelegt – die Gründe, warum Adam bzw. Adams Dämon ausgerechnet sie erwählt, bleiben schleierhaft. Sie ist intelligent, aber naiv, schüchtern, zurückhaltend und verkriecht sich am liebsten mit einem guten Buch in ihrem Zimmer. Später lässt sie sich von Adam herumkommandieren und dominieren, und auch, wenn man ihr das nicht so wirklich vorwerfen kann, denn schließlich ist sie ja machtlos gegen Adams Dämon, steigert es nicht gerade die Begeisterung für die Figur. Dass sie sich am Ende irgendwie emanzipiert, ist einfach nicht gut genug erklärt und deshalb wenig glaubwürdig.
Adam, der mich bei seinem ersten Auftritt stark an Lord Byron (bzw. dem Bild, das ich von ihm habe!) erinnert hat, ist leider auch nicht besser. Er ist arrogant, herrisch, gewalttätig, berechnend und vereinnahmend – und das Schlimmste ist: Man kann es ihm eigentlich nicht vorwerfen, denn schließlich ist er wegen seines Dämons zerrissen und nicht wirklich für seine Taten verantwortlich zu machen. Es gilt aber das gleiche wie bei Lea: Selbst wenn Adam nicht oder nur teilweise er selbst ist, macht ihn das nicht zu einer griffigeren und vereinnahmenderen Hauptfigur, da hilft es auch nichts, dass er am Ende eine Art (Burg-)Frieden mit dem Dämon schließt. Eigentlich gäbe der innerlich zerrissene Adam einen tollen »tortured hero« ab, aber dafür fehlt ihm das gewisse Etwas – und zwar völlig.
Sprachlich fand ich das Buch übrigens ziemlich gewöhnungsbedürftig – es ist doch immer wieder erstaunlich, wie anders sich deutsche Originale im Vergleich zu Übersetzungen amerikanischer Autorinnen lesen. Letztendlich hat das Buch aber sowohl schöne Beschreibungen und Momente als auch diverse Ausfälle, die m.E. davon kamen, dass die Autorin oft zu viel wollte und deshalb übers Ziel hinausgeschossen, z.B. in Sachen Metaphorik und aufgesetzter jugendlicher Coolness.
Wertung:
04/15 – Eine Amazon-Rezensentin hat das Buch bzw. die Figuren als seelenlos bezeichnet – und das trifft die Sache ziemlich gut.
Originaltitel: Mr. Impossible
2. Band der Carsington-Serie

Inhalt:
Ägypten, 1821: Daphne ist verzweifelt: Ihr geliebter Bruder Miles wurde entführt. Kann ausgerechnet der Engländer Rupert Carsington ihm das Leben retten? Zwar ist der Mut des attraktiven Draufgängers legendär – aber auch sein Talent, Probleme magisch anzuziehen. So muss Daphne ihn auch erst mal aus einem Kerker in Kairo auslösen, ehe sie mit ihm aufbrechen kann zu einer abenteuerlichen Reise auf dem Nil.
Kommentar:
Dieses Buch hat eigentlich alles, was ein guter Liebesroman braucht: feinsinnigen Humor, spritzige Dialoge und sympathische Protagonisten. Zugegeben, Daphne kommt bisweilen ein wenig spröde rüber und könnte ein wenig emotionaler sein, um den Leser so richtig zu fesseln, aber diesen kleinen »Makel« macht der abenteuerlustige Rupert, der einem manchmal vorkommt wie ein ungestümer Lausejunge, locker wieder wett. Das Setting Ägypten ist außergewöhnlich und gerade deshalb interessant, und die Rahmenhandlung beinhaltet so spannende Themen wie Schatzsuche, Papyri, Hieroglyphen, Pyramiden, Grabraub und Mumien.
Ich weiß nicht wirklich, wieso ich mit dem Buch dennoch nicht warm wurde, aber ich habe eine Ahnung: Ich bin absolut kein Fan von klassischen Abenteuergeschichten, und dieses Buch ist mindestens ebenso sehr Abenteuergeschichte wie Liebesroman. Die Erlebnisse, die Daphne und Rupert auf ihrer Suche nach Miles durchzustehen hatten, konnten mich zu keinem Zeitpunkt wirklich fesseln, und obwohl mich natürlich interessiert hat, wie die beiden Protagonisten zusammenfinden, hat mich das Buch einfach nicht gepackt. Für meinen Geschmack mangelt es dem Buch einfach an Emotionalität – dass die Protagonisten ernsthafte Gefühle abseits von Lust füreinander hegen, ist zumindest mir in all der Aufregung um die abenteuerliche Suche nach Miles und zwischen den Begegnungen mit all den Erzschurken entgangen.
Wertung:
10/15 – Prinzipiell ein gutes Buch, das aber wegen zu viel Abenteuern und zu wenig Liebe nicht wirklich meinen Geschmack trifft.
Originaltitel: Flowers from the Storm

Inhalt:
Christian Langland ist ein stadtbekannter Schürzenjäger, die Art von Mann, die Maddy Timm, die ehrbare und gottesfürchtige Tochter eines Quäkers, nur mit Verachtung straft. Dennoch berührt es sie, als sie von seinem plötzlichen Tod erfährt. Vollkommen erstaunt ist sie aber, als sie beim Besuch eines Sanatoriums dem Totgeglaubten gegenübersteht. Er hat seine Sprache verloren, und Maddy spürt, dass sie ihm helfen muss. Durch ihre liebevolle Zuwendung flicht sich ein erst zartes, dann leidenschaftliches Band zwischen den beiden …
Kommentar:
Ein wirklich außergewöhnlicher Liebesroman, verhältnismäßig anspruchsvoll und sehr eindringlich. Gleich in mehrfacher Hinsicht fällt das Buch aus dem Rahmen der Romance-Standardkost: Nicht nur spielt der Glaube der Protagonistin eine ziemlich zentrale Rolle, sondern der Protagonist ist darüber hinaus ein Schlaganfallpatient, der wegen seines »Irrsinns« weggesperrt wird.
Insbesondere die erste Hälfte des Buchs, die in der Nervenheilanstalt spielt und die Beurteilung von psychischen Krankheiten und die therapeutischen Maßnahmen der damaligen Zeit nahebringt, ist beeindruckend. Das gilt vor allem für die Passagen, die aus Christians Sicht geschrieben sind: die eindringliche Schilderung seines Zorns, seiner Frustration und seiner Verzweiflung, weil er nicht kann, wie er will, weil er hört, aber nicht versteht, weil er die richtigen Worte nicht findet oder sie kennt, aber nicht aussprechen kann, weil er bei voller Zurechnungsfähigkeit für schwachsinnig gehalten wird, obwohl er eigentlich klar im Kopf ist. Seine Wut über die eigene Handlungsunfähigkeit machen ihn unberechenbar und aggressiv, doch seine Gewaltausbrüche führen nur zu weiteren Demütigungen und Entmündigungen, die noch mehr Zorn und Hoffnungslosigkeit hevorrufen. Aus diesem Kreislauf kann er erst ausbrechen, als Maddy im Sanatorium auftaucht, die erkennt, dass er kein schwachsinniger Idiot und keine Bestie ist, und die ihm endlich die Geduld und das Verständnis entgegenbringt, die er braucht, um das Sprechen und die Feinmotorik neu zu lernen – Basis für die Aufnahme eines »normalen« Lebens.
Mit dem Wiederaufbau seines alten Lebens befasst sich die zweite Hälfte des Buches. Es gilt zahlreiche Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die ihm unter anderem von der Verwandtschaft in den Weg gelegt wird, die Christian entmündigen lassen will, um an seine Besitztümer zu kommen. Für meine Begriffe etwas verwirrende Passagen über Schulden, Kredite und korrupte Handlungsbevollmächtigte spielen dabei ebenso eine Rolle wie eine frühere Geliebte, wesentlich ist aber vor allem die Entwicklung der Beziehung zwischen Maddy und dem Herzog. Hier kommt Maddys Glaube ins Spiel, denn als Quäkerin darf sie keinen Weltlichen lieben, geschweige denn heiraten, sonst wird sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Ihre Zerrissenheit zwischen Liebe und Glaube bzw. Glaubensgemeinschaft ist prinzipiell durchaus realistisch dargestellt, für mich aber trotzdem schwer nachzuvollziehen. Als wenig religiöser Mensch kann ich einfach kein Verständnis aufbringen, wenn sich der Glaube über alles andere erhebt – oder besser: wenn Menschen den Glauben über alles andere erheben. Für mich waren also diese glaubensmotivierten Handlungspassagen schwer greifbar, wenngleich sie mehrfach auslösende Momente für den Handlungsfortgang waren und das Buch ohne sie – zugegebenermaßen – so nicht funktioniert hätte.
Fazit:
13/15 – Ein sehr gutes Buch, das zwar unzweifelhaft ein Liebesroman, aber dennoch weit mehr als der herkömmliche herzzerreißende kitschige Schund ist, den man aufgrund des Titels und der Covergestaltung erwarten würde. Die zweite Hälfte des Buches ist teilweise etwas langatmig, die erste Hälfte ist aber mit das beste, was ich in letzter Zeit in diesem Genre gelesen habe.
Originaltitel: L’Élégance du hérisson

Inhalt:
»Ich heiße Renée. Ich bin vierundfünfzig Jahre alt. Seit siebenundzwanzig Jahren bin ich Concierge in der Rue de Grenelle 7, einem schönen herrschaftlichen Stadthaus mit Innenhof. Ich bin Witwe, klein, hässlich, mollig, ich habe Hühneraugen und in gewissen Morgenstunden einen Mundgeruch wie ein Mammut. Doch vor allem entspreche ich so genau dem Bild, das man sich von den Conciergen macht, dass niemand auf die Idee käme, ich könnte gebildeter sein als all diese selbstgefälligen Reichen.«
»Ich heiße Paloma, bin zwölf Jahre alt, ich wohne in der Rue de Grenelle 7 in einer Wohnung für Reiche. Meine Eltern sind reich, meine Familie ist reich, und meine Schwester und ich sind folglich potenziell reich. Doch ich weiß schon lange, dass die Endstation das Goldfischglas ist, die Leere und der Unsinn des Erwachsenenlebens. Warum ich das weiß? Der Zufall will, dass ich sehr intelligent bin. Daher habe ich meinen Entschluss gefasst. Am Ende dieses Schuljahres, an meinem dreizehnten Geburtstag, werde ich Selbstmord begehen.«
Kommentar:
Meinen ersten nicht sehr positiven Eindruck muss ich nach Beendigung des Buchs zumindest zum Teil revidieren. Der Einstieg ist wahrhaft schwierig, doch mit Einzug des Japaners Ozu in die Rue de Grenelle 7 kommt zumindest etwas Leben in die Handlung – und in die Hauptfiguren, die sich zuvor im Wesentlich innerhalb ihrer Geisteskonstrukte abseits der Realität bzw. auf der Flucht vor der Realität zu bewegen schienen.
Doch trotzdem: Das Buch ist merkwürdig, so merkwürdig und widersprüchlich wie seine Figuren – irgendwo zwischen unerträglich und faszinierend, langweilig und mitreißend. Die Handlung ist eigentlich über weite Strecken nebensächlich, es geht in diesem Buch um das Leben und alltägliche Situationen, die ausreichend Anlass für die Betrachtungen durch zwei hochintelligente Außenseiter liefern. Deren Gedanken und Ausführungen sind teils ausschweifend, fürchterlich ermüdend und oft schwer fassbar, besonders dann, wenn sie sich mit philosophisch-metaphysischen Themen und den schönen Künsten befassen. Die Schilderung alltäglicher Situationen und Gespräche sowie die trockenen, mitunter zynischen Kommentare dazu sind hingegen vielfach großartig und wiegen die abgehobeneren Passagen wieder auf. Trotzdem hatte ich oft den Eindruck, Barbery liefert einen Tick zu viel des Guten, die paar Ausführungen mehr, die nicht nötig wären und das Buch nicht besser machen – im Gegenteil.
Und dann das Ende … Für meine Begriffe ist diese Auflösung überflüssig, ärgerlich und unpassend, weil es dem Handlungsverlauf und Renées Entwicklung zuwider läuft und die Hoffnung nimmt, die das Buch zuvor gemacht hat. Denn was ist denn die Moral von der Geschicht: Anhaltendes Glück gibt es nicht? Man könnte fast meinen, selbst der Autorin sei die Beziehung zwischen Renée und Ozu mit all ihren Veränderungen zu einfach und zu glatt über die Bühne gegangen, weshalb sie ein solches Ende brauchte, um das Buch vor dem Makel des Kitschs zu bewahren.
Fazit:
8/15 – Ein Werk mit absoluten Höhen und Tiefen, die sich gegenseitig aufwiegen und am Ende zu einer durchschnittlichen Wertung führen. Ich empfehle die Lektüre trotzdem, denn trotz aller Abstriche sind viele der Passagen und Gedanken einfach wunderschön, erhellend, erheiternd und lesenswert.
Originaltitel: Dark Moon
Night Creatures, Book 3

Inhalt:
Seit sieben Jahren gilt Dr. Elise Hanover offiziell als vermisst. Dabei ahnt kaum jemand, dass sie in Wahrheit zu einer geheimen Organisation von Werwolfjägern gehört und im Verborgenen arbeitet. Doch Elise hütet ein noch weitaus finstereres Geheimnis: Einmal im Monat verwandelt sich die Wissenschaftlerin nämlich selbst in eines der haarigen Ungeheuer. Fieberhaft sucht sie deshalb nach einem Heilmittel gegen die Lykanthropie (Gestaltwandlung). Da taucht unerwartet Elises einstiger Geliebter, der FBI-Agent Nic Franklin, auf der Bildfläche auf und stellt ihre Gefühlswelt vollkommen auf den Kopf
Kommentar:
Nach diversen Fehlgriffen in letzter Zeit musste mal wieder ein Garant für gute Unterhaltung her, und – um es vorweg zu nehmen – Handeland war trotz einiger Kritikpunkte durchaus eine gute Wahl. Das Buch startet temporreich, und man wird ohne jedes Vorgeplänkel in die Handlung hineingezogen. Gleich mit dem ersten Wiedersehen nimmt die Beziehung zwischen Dr. Elise Hanover und ihrer unvergessenen Jugendliebe Nic ihren Lauf. Diese Entwicklung ist eng verbunden mit Elises Suche nach der eigenen Identität und verläuft teilweise etwas zu extrem, zu unemotional und libidofixiert, um glaubwürdig oder gar fesselnd zu sein. Hinzu kommt, dass Elise zwar intelligent, aber zu unterkühlt und vernunftbeherrscht ist, um zu faszinieren, während Nic zu jeder Zeit blass bleibt – vielleicht auch deshalb, weil er, nachdem er endlich eingeweiht ist, alle übernatürlichen Phänomene viel zu selbstverständlich hinnimmt. Immerhin gesteht die Autorin dem aufgeschlossenen FBI-Mann einen Konflikt wegen Elises Werwolfdasein zu, wenngleich dieser nicht allzu deutlich herausgearbeitet ist und sich arg klischeehaft in Wohlgefallen auflöst.
Die Ereignisse um die verschwundenen Leichen in Fairhaven sind hinsichtlich des mythischen Hintergrunds eigentlich interessant, allerdings scheint mir die Geschichte stellenweise etwas unausgegoren, widersprüchlich und nicht immer logisch. Hinzu kommt, dass die Jägersucher teilweise fürchterlich nerven. Edward Mandenauer wirkt mehr und mehr wie ein gewaltverherrlichender tyrannischer Despot, und die beiden ehemaligen Protagonistinnen sind kaum aushzuhalten: Vor allem Jessies permanente Aggressivität und Respektlosigkeit waren schwer zu ertragen. Das freundliche, geradezu fröhliche Verhältnis zwischen Mandenauer und seinen beiden neuen Protegés Leigh und Jessie passt überhaupt nicht zu den Personen, ebenso wenig wie Elises freundschaftliche Gefühle, die sie aus irgendwelchen Gründen auf einmal für Jessie entwickelt. Figuren und Beziehungen sind in diesem Buch alles in allem nur bedingt glaubwürdig und das eigentliche Manko bei »Wolfsglut«.
Fazit:
10/15 – Gerade noch gut, aber der bislang mit Abstand schwächste Teil der Serie. Bleibt zu hoffen, dass es mit »Wolfsfieber« wieder aufwärts geht.
Deutscher Titel: Suche bissigen Vampir fürs Leben
Dead End Dating, Book 1

Inhalt:
Manhattan, New York: Gräfin Lilliana Arabella Guinevere du Marchette, von ihren Freunden kurz Lil genannt, entstammt einer alten und respektablen Vampir-Familie. Um dem Drängen ihres Vaters zu entgehen, der sie am liebsten als Mitarbeiterin in seiner erfolgreichen Copyshop-Kette sehen möchte, beschließt Lil eine Dating-Agentur zu gründen. Doch ihre Klienten sind keine gewöhnlichen Sterblichen, sondern einsame Vampire, liebestolle Werwölfe und andere übernatürliche Wesen. Da kommt eines Tages der charmante Kopfgeldjäger Ty Bonner in Lils Agentur, um sie vor einem Kidnapper zu warnen, der Frauen über Kontaktanzeigen sucht. Ist womöglich einer von Lils Klienten der Täter?
Kommentar:
Eine Dating-Agentur für Vampire, das klang mal nach einer frischen, guten Idee, also hab ich ohne Zögern zugeschlagen, als ich über das Buch gestolpert bin. Dann hab ichs aber doch im Regal ungelesener Bücher verstauben lassen. Kein großer Verlust, wie ich jetzt feststellen musste, denn so gut die Grundidee sein mag, so enttäuschend ist das Werk. Fairerweise muss ich sagen, dass ich zu einem inhaltlichen Urteil gar nicht gekommen bin, denn leider musste ich »Dead End Dating« nach zwei Kapiteln abbrechen. Ich konnte beim besten Willen nicht mehr weiterlesen, sonst hätte ich hier irgendwas kaputt gemacht, weil mich der Stil der Autorin so aggressiv gemacht hat. Kostprobe? Bitte sehr, hier ist eine (der Einfachheit halber aus der deutschen Fassung, die aber dem englischen Original gut entspricht und die bei Lyx online ist):
Für diejenigen unter Ihnen, die mich noch nicht kennen: Mein Name ist Gräfin Lilliana Arabella Guinevere du Marchette (ja, ich weiß), aber meine Freunde nennen mich Lil.
Ich meine, also ehrlich, was hat sich meine Familie dabei bloß gedacht? Heutzutage ist es schon schwierig genug, ein alleinstehender, arbeitsloser, fünfhundertjähriger weiblicher Vampir zu sein, ohne dieses ganze angeberische Getue von wegen französischer Adel und dazu noch diesen ganz altmodischen, schwachsinnigen Namen, der noch nicht mal in die Zeile auf dem Antrag für eine Visa-Karte passt. So hat halt jeder sein Kreuz zu tragen. (Ups, das war wohl eine eher unglückliche Wortwahl. Mein Fehler.)
Sagen wir einfach, das Leben ist ohnehin schon hart genug für eine Frau, und der Tod ist auch nicht viel besser. Nach wie vor er wartet man von uns, diesem Image von wegen Barbie der Nacht gerecht zu werden – perfekte Figur, perfekte Haare, perfekte Klamotten, perfekte Eckzähne – und uns fortzupflanzen, für die Familie zu jagen und dafür zu sorgen, dass die kleine Morticia nicht die Wände anmalt oder Baby Vlad seiner Graf-Dracula-Puppe nicht die Augen rausdrückt und sie runterschluckt. So viel zum Thema Stress.
Das betrifft natürlich nur den typischen, hingebungsvollen weiblichen Vampir.
Ich auf der anderen Seite habe in den letzten einhundert Jahren noch nicht mal eine anständige Verabredung gehabt, geschweige denn einen Traum-Graf-Dracula gefunden. Deshalb ist mein Leben ein bisschen unkomplizierter. Denn ich bin nicht – ich wiederhole: nicht – einsam.
Ich bin ein heißer, absolut hammermäßiger Single-Vampir mit einem Gespür für Accessoires, einer Handvoll supersüßer Freunde – im wahrsten Sinne des Wortes – und einem sehr teuren Therapeuten. Genug fürs Erste. (S. 7f.)
Ich mag eine gewissen Schnoddrigkeit, aber das finde ich wirklich absolut unerträglich. Und mir ist zwar durchaus bewusst, dass stilistische Eigenheiten unbestreitbar eine Frage des persönlichen Geschmacks sind, aber es wundert mich trotzdem, dass ich das Buch im Allgemeinen noch so relativ gute Kritiken kriegt, weil es ja nun wirklich sehr eigen geschrieben ist. Offenbar fehlt mir einfach der Humor!
Fazit:
Abgebrochen. Geht gar nicht. Inhaltlich kann ich das Buch natürlich nicht beurteilen, aber stilistisch eine Katastophe. Ich empfehle jedem Interessierten, vor dem Kauf unbedingt in das Buch reinzulesen, damit er nicht so nen Reinfall erlebt wie ich!
OT: Midnight Pleasures
2. Teil der Midnight-Serie

Inhalt:
England, 19. Jahrhundert: Lady Sophie York gilt als der Star der Londoner Gesellschaft. Sie, die Tochter des Marquis von Brandenburg, ist nicht nur schön, sondern auch klug und reich. Die begehrtesten Junggesellen der Stadt reißen sich um sie doch sie liebt nur einen: den gutaussehenden Lebemann Patrick Foakes. Da sie aber auf keinen Fall einen Schürzenjäger heiraten will, weist sie ihn ab. Stattdessen nimmt sie den Antrag seines langweiligen Freundes Lord Slaslow an. Patrick ist tief verletzt, denn auch er liebt Sophie. Als Slaslow ihn bittet, eine Brautentführung zu inszenieren, wittert Patrick eine zweite Chance …
Kommentar:
Du lieber Gott, ich danke dir, dass ich dieses Buch unbeschadet beenden konnte! Leider hat mich mein erster Eindruck nicht getäuscht – das Buch blieb nicht nur so fürchterlich wie geahnt, es wurde noch viel fürchterlicher! Wie bereits nach den ersten Seiten vermutet, jagt in diesem Buch wirklich ein Missverständnis das nächste, und zwar zwischen allen Personen und schon von Seite 1 an bzw. – um ganz genau zu sein – schon bevor das Buch überhaupt beginnt. Missverständnis 1 ist nämlich: Obwohl Sophie Patrick liebt, lehnt sie seinen Heiratsantrag ab, weil sie denkt, der Lebemann liebe sie nicht, sondern fühle sich gezwungen, sie zu heiraten, weil er sie in eine kompromittierende Situation gebracht hat. Als wäre das nicht schon verwirrend genug, geht er davon aus, dass er ihr nicht gut genug sei, weil er keinen Titel hat. Dieses Missverständnis wäre ja noch verzeihlich – kann ja mal passieren –, nur leider geht es in dem Stil weiter. Die ganze Handlung, jeder Dialog basiert darauf, dass X was anderes meint als Y versteht oder alternativ, dass X Y irgendeinen Unsinn unterstellt, den Y aber aus unerfindlichen Gründen nicht richtigstellt. Wer glaubte, dass das offen ausgesprochene, aber unaufgeklärte Missverständnis im Vorgängerband, das fast zum Zerwürfnis der Ehe geführt hätte, der Gipfel war, der wird hier eines besseren belehrt. Ein paar Beispiele:
***Achtung! SPOILER!***
– Sophie weint vor Rührung, Patrick glaubt, sie weine vor Trauer.
– Sophie glaubt (das hat sie von ihrer völlig bekloppten Mutter), dass Männer keine gebildeten Frauen mögen, und verschweigt Patrick deshalb, dass sie (mindestens) 7 Sprachen spricht. Patrick hält sie derweil für dumm, weil sie (beim Lernen) vor sich hinmurmelt; er denkt sie tue das, weil sie nicht richtig lesen kann.
– Sophie ist sauer, weil er nicht mir ihr redet und ihr nicht gesagt hat, dass er ein Herzogtum verliehen bekommen hat; er findet, sie solle sich freuen, sie sei doch so scharf auf Titel.
– Sophie verzehrt sich nach ihm, Patrick denkt aber, sie sei damit zufrieden, ein Leben wie eine Nonne zu führen.
– Patrick ist überzeugt, dass Sophie ein Verhältnis mit ihrem Ex-Verlobten hat, sie sagt ihm aber nicht, was der Grund dafür ist, dass sie ständig mit diesem zusammen ist. Deshalb kommt Patrick nicht nach Hause, weshalb Sophie wiederum glaubt, er habe eine Geliebte. Da sie sich aber vorgenommen hat, alles zu schlucken und nicht zu lamentieren, wirft sie ihm nichts vor, weshalb er denkt, es sei ihr egal. Als sie ihm schließlich sogar explizit vorwirft, eine Geliebte zu haben, widerspricht er nicht mal.
– Patrick will kein Kind, weil er Angst hat, dass sie bei der Geburt sterben könnte, sagt ihr den Grund aber nicht, weshalb sie denkt, er wolle keine Kinder, weil er sie nicht liebe und eben keine Kinder will. Was sie natürlich zutiefst unglücklich macht, weil sie einen ganzen Stall voller Kinder will und außerdem bereits schwanger ist.
– Sophies Kind stirbt im Mutterleib und sie erleidet eine Fehlgeburt; Patrick glaubt, sie erleide eine Fehlgeburt, weil sie gestritten haben und er sie so aufgeregt hat (und sie daraufhin die Treppe runtergefallen ist).
***SPOILERENDE***
Die Liste könnte man endlos fortsetzen, aber ich wills dabei belassen. Es sei erwähnt, dass am Ende innerhalb von 30 Seiten sämtliche Missverständnisse aufgeklärt werden und alle Puzzleteile sich für alle Beteiligten ganz selbstverständlich zusammenfügen. Na ja, fast. Natürlich darf es nicht ganz ohne Missverständnisse zu Ende gehen: Als Sophie Patrick – erstmals! – ihre Liebe gesteht, denkt der natürlich, sie sage das nur, weil sie sich dazu verpflichtet fühle, denn in Wahrheit gehört ihr Herz ja dem Ex-Verlobten (den sie – wohlgemerkt! – für Patrick hat sitzen lassen!). Und da er nicht will, dass sie ihn anlügt, lautet seine Antwort: »Du musst das nicht sagen.« Und sie denkt: »Oh, er hat die ganze Zeit gewusst, wie es um meine Gefühle bestellt ist; dass ich ihn liebe. Ich muss es ihm also nicht noch mal bestätigen.« Grrrrrrr.
Eigentlich überflüssig, noch mehr zu diesem Buch sagen oder ein Wort über sämtliche weitere unlogische und unausgegorene Handlungselemente zu sprechen, ich möchte aber noch erwähnen, dass Patrick ein ebenso fürchterlicher, arroganter, blasierter, selbstgefälliger Schnösel ist wie sein Bruder in »Ekstase der Liebe«, und dass unser Blaustrumpf Sophie (auch ebenso wie Charlotte im Vorgängerband) trotz ihrer Klugheit und beachtlichen Bildung so naiv ist, dass es brummt. Mit anderen Worten: Von den Protagonisten ist hier auch nix zu erwarten – was aber zugegebenermaßen auch nicht wirklich anzunehmen war. Dass die Autorin in Sachen Nebenfiguren nicht über sich hinausgewachsen ist, ist wohl kaum der Rede wert, besonders hervorheben möchte ich aber Sophies stetig nervenden Ex-Verlobten Braddon, der eine lächerliche Karrikatur eines englischen Adligen darstellt und einfach nur ein dummes Weichei ist.
Ganz fürchterlich unerträglich ist auch die Angewohnheit der Autorin, die Geschichte aus unzähligen Perspektiven zu erzählen: die Ereignisse werden nicht nur von Sophie und Patrick geschildert und erlebt, sondern auch aus der Sicht von Patricks Bruder, seiner Schwägerin, des Butlers, der Zofe, Sophies Mutter und Vater, Braddon, Madeleine, Henri usw. Und als Eloisa James gar niemand mehr einfällt, aus dessen Sicht sie irgendwas erzählen könnte, gipfelt das »Headhopping« darin, dass uns das Geschehen aus der Sicht imaginärer Engel nähergebracht wird, in Konjunktivform: »Hätten in dieser Nacht Engel ins Stadthaus geblickt, hätten sie gesehen, dass beide Eheleute kein Auge zugetan haben.« Also, ich hab ja wirklich schon viel erlebt, aber dazu fehlen mir wirklich endgültig die Worte.
Fazit:
3/15 – Ein wirklich grauenvolles Buch, das mich mit fortschreitender Handlung (und zunehmender Anzahl an Missverständnissen bzw. Nicht-Aufklärung derselben) immer wütender gemacht hat. Und so kann man Patrick nur zustimmen, wenn er sagt: »Wir sind zwei ausgewachsene Dummköpfe, Sophie. Warum haben wir nicht miteinander geredet?«
Inhalt:
Ashe ist eines der unsterblichen Geschöpfe, die hier ihre Geschichte erzählen. Zusammen mit Alex, Mia und dem jungen Zögling Stephen durchlebt er ebenso sinnliche, wie auch qualvolle Zeiten, erfährt Lust, Verlangen und Aufopferung. Er entführt mit seinen Schilderungen in eine fremdartige Welt, die völlig anders erscheint und doch gar nicht so weit entfernt von der menschlichen liegt. Denn auf einer gewissen Ebene beherrschen uns noch immer die alten Instinkte, die zweite Natur, das Tier …
Kommentar:
Ich hab zur Zeit kein Glück bei meinen Experimenten – und das Buch nach 70 Seiten entnervt abgebrochen. Nicht nur, weil es inhaltlich verwirrend bis unsinnig erschien und ich nicht mehr hören mochte, wie wunderbar Tiere und wie böse Menschen sind, sondern vor allem, weil ich den Stil einfach nicht länger ertragen konnte. Ohne jede Frage hat sich die Autorin sehr viel Mühe gegeben, dem Text Leben einzuhauchen, gelungen ist es mitnichten. Ich genieße schöne Worte durchaus, aber hier wird der poetische Stil auf die Spitze getrieben bzw. weit darüber hinaus; zumindest für meinen Geschmack sind die seitenlangen Szenenbeschreibungen zu lyrisch-metaphorisch und klischeeüberladen, ohne die Handlung irgendwie voranzubringen. Was ich meine:
Die Wälder waren endlos, tief und unberührt von Menschenhand, verwoben wie tiefster Urwald, smaragdgrün und lichtdurchflutet. Es roch nach Leben und Tod, nach Verfall und süßer Verwesung von Pflanzen und Tieren. Die Sonne, die gerade über dem Horizont wiederauferstanden war, fiel im goldenen Ton des Herbstes durch die mächtigen Stämme, Nebel krochen lautlos über Moos, Farn und durftendes Laub. Linden glühten prächtig in hellem Gold, der Ahorn leuchtete blutrot und purpurn im jungfräulichen Licht des Herbstes.
Auf meinem Weg, Meile um Meile, durch die Wildnis begegnete ich tauschweren Netzen feinster Baukunst, die schwer zwischen Ästen hingen, sah hier und da im Dickicht das Felle eines Rehs aufleuchten wie eine Kastanie, die man frisch aus ihrem grünen Bett hervorlockt. Die Augen der Tiere sahen mich an wie die von scheuen Mädchen, gänzlich unschuldig und ahnungslos. Auf Lichtungen und am Fluss sammelte sich der Morgennebel. Mächtige Schatten erschienen wie Waldgeister in seinen Schwaden, die Häupter der Wesen erhoben sich stolz, warfen sich empor, und urtümliche Laute der Liebeslust hallten durch den sonst totenstillen Wald.
Silbrig blitzten die weißen Enden ihrer Geweihe in den ersten Lichtstrahlen. Das alte Tier am Waldrand blickte mich an, erstarrt zu Stein, eine Statue urtümlicher Kraft. Sein Gesicht war eine fast weiße Maske, die Augen riesig, klug und dunkel. Klüger als die der meisten Menschen, denen ich begegnet war. Es schnaubte, zitterte, sog die Luft ein, während ich fast bewegungslos dastand. Dann setzte sich sein Leib mit einer Leichtigkeit in Bewegung, die jeglicher Schwerkraft zu trotzen schien. (S. 5)
Diese Aneinanderreihung von Adjektiven, Metophorismen und Personifikationen war für mich wirklich nicht länger als 70 Seiten auszuhalten; aber natürlich gibt es natürlich eine Menge Leser (s. Amazon-Rezensionen), denen dieser Stil gefällt und die das Buch wunderbar gefühlvoll und ganz besonders finden. (Wobei: »Besonders« finde ich es ja auch – besonders schlecht! Ein eindeutiger Fall für Buchticket. )
Wertung:
Keine Wertung, weil ich das Buch ja nach knapp einem Drittel abgebrochen habe.
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