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Raven Cross: Bat People (Sammelband)

Sammelband; besteht aus den Geschichten: »Bat People«, »Bat City« und »Bat Woman«, erstmals erschienen in der Reihe »Cora Mystery«.

Inhalt:
BAT People (Titel der Cora-Erstausgabe: »Blutnacht«). – Als Natassjas Bruder nach einem Fledermausbiss ins Koma fällt, wird er von den BAT People verschleppt. Natassja muss ihn unbedingt befreien, bevor er in der schrecklichen Blutnacht geopfert wird. Tatsächlich kann sie ihn aus den Klauen der Vampirmenschen retten, doch dabei verliert sie ihre eigene Freiheit und ihr Herz. Sie verliebt sich unsterblich in Anwar, den Anführer der BAT People.

BAT City (Titel der Cora-Erstausgabe: »Blutmond«). – Nachdem Anwar Natassja auf ihr Drängen hin zu einer“BAT Woman gebissen hat, steht ihrer Liebe nichts mehr im Wege. Doch dann geraten die Vampirmenschen in einen Hinterhalt der verfeindeten Coyoteros, die sie mit vergifteten Pfeilen ausrotten wollen. Anwar bricht schwer verletzt zusammen und unaufhaltsam entfaltet das Gift seine entsetzliche Wirkung.

BAT Woman (Titel der Cora-Erstausgabe: »Blutkuss«). – Natassja und Anwar leben glücklich mit den BAT People in der goldenen Stadt Cibola. Aber dann bewahrheitet sich die dunkle Prophezeiung: die Coyoteros brechen ihr Ehrenwort und machen erneut Jagd auf die Fledermausmenschen.

Kommentar:
Was soll ich sagen – ich hab Band 1 nach etwas über 50 Seiten abgebrochen und das Buch weitervertauscht. Ich bin gerade ohnehin in einer schwierigen Lesephase, da hatte ich wirklich keine Lust, mich mit sprachlich wie inhaltlich so naiven Büchern abzutun. »Was erwarteste denn von Cora-Mystery-Heftchen in aufgemotzter Verpackung und warum kaufste die überhaupt?«, wird der eine oder andere jetzt fragen – und das prinzipiell zu Recht! Zu meiner Verteidigung habe ich allerdings vorzubringen, dass ich es nicht wusste und erst gerade eben, beim Studium des Impressums zur Angabe des (vermeintlich englischen) Originaltitels, darauf aufmerksam geworden bin. Hätte ich es gewusst, hätte ich nämlich in der Tat die Finger davon gelassen. Ich mag Liebesromane ohne Anspruch lesen, aber bei Jugendmystery ohne Anspruch hörts dann wirklich auf. ;)

Fazit:
Abgebrochen, weil mir das Buch wegen der sehr einfachen Strickart zu wenig unterhaltsam war und mich eher genervt hat. Es bleibt die Erkenntnis, dass man beim Mira-Verlag wirklich ganz genau hinschauen muss, was man kauft, denn Neuauflagen des Cora-Programms sind eine der Spezialitäten des Hauses.

[Rezension] Meredith Duran: The Duke of Shadows

Inhalt:
Die junge Engländerin Emmaline Martin wird nach Indien geschickt, um dort Colonel Marcus Langley zu heiraten, dem sie schon seit ihrer Kindheit versprochen ist. Obwohl sie sich mit der Vernunftsehe arrangiert hat, fühlt sie sich unwiderstehlich zu Julian Sinclair, dem undurchsichtigen Duke of Auburn, hingezogen, der ihr schließlich unter Einsatz seines Lebens hilft, während des Sepoy-Aufstands Delhi zu verlassen. Auf der abenteuerlichen Flucht nach Sapnagar entwickeln sie tiefe Gefühle füreinander, doch am Ziel angekommen, überlässt Julian Emma der Obhut des Maharadschas und seiner Tochter und kehrt nach Delhi zurück, um seine Familie zu retten. Er verspricht Emma, zu ihr zurückzukommen und sie zu holen, aber sie muss erneut vor den Aufständischen flüchten. Julian und Emma verlieren sich aus den Augen, und Julian ist nach wochenlanger erfolgloser Suche davon überzeugt, dass seine Geliebte umgekommen ist. Als sie vier Jahre später in England vor ihm steht, glaubt er seinen Augen nicht zu trauen. Aber kann es nach alle dem, was damals vorgefallen ist, noch eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben?

Kommentar:
Das Buch gliedert sich in zwei etwa gleich lange Abschnitte: Der erste Teil spielt in Indien kurz vor bzw. während der Zeit des Sepoy-Aufstandes von 1857, der zweite Teil im viktorianischen London vier Jahre später.

Vor allem der Indien-Teil ist außergewöhnlich; er hebt sich nicht nur bzgl. des Handlungsortes von anderen Historicals ab, sondern auch durch die Beschreibung der Stimmung und des Lebens in Indien in dieser Ära. Zugegebenermaßen ist die Darstellung der in Indien lebenden britischen Gesellschaft ein wenig stereotyp geraten, doch sie dürfte die grundsätzliche Einstellung sowie die allgemein vorherrschenden Ansichten der Briten in und zu Indien dennoch gut treffen. Mit Beginn der Aufstände spielt das gesellschaftliche Leben ohnehin keine Rolle mehr, die Handlung fokussiert sich ausschließlich auf Emma und Julian, die sich auf der Flucht vor den Aufständischen befinden, um Emmas Überleben sicherzustellen. Die ständige Angst um ihr Leben und die Brutalität des Aufstandes bilden einen krassen Kontrast zur Liebesbeziehung der beiden, die sich zunehmend intensiviert und vielleicht gerade wegen dieser gewalttätigen, düsteren Kulisse so eindrucksvoll ist. Es passt, dass sich die beiden trennen müssen und nicht wiederfinden.

Die London-Handlung, die vier Jahre nach der Trennung spielt, startet ebenfalls stark – vor allem die Wiedersehensszene zwischen Julian und Emma ist beeindruckend und macht den Charakter und die Verbundenheit der beiden sehr deutlich. Dennoch ist Emma nicht bereit, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, weshalb ein ziemliches Hin und Her folgt. An diesem Punkt wird es teils ein wenig langatmig und die Logik krankt ein bisschen, zumal der Leser ebenso wenig wie Julian begreifen kann, warum Emma sich nie bei ihm gemeldet hat. Auch wird eine Art Krimihandlung eingeflochten, die nicht unbedingt nötig gewesen wäre und ein wenig konstruiert und überladen wirkt. Die Geschichte ist trotzdem unterhaltsam, weil sie von zwei so guten Figuren getragen wird, fällt aber im Vergleich zum Indien-Teil ab.

Wirklich hervorragend gelungen sind die Protagonisten. Emma ist bei ihrer Ankunft in Indien die einzige Überlebende eines Schiffsunglücks, bei dem sie beide Eltern verloren hat, und hat große Probleme, sich in das gesellschaftliche Leben in Delhi zu integrieren. Mit ihrer arrangierten Ehe hatte sie sich eigentlich abgefunden, doch ihr Verlobter Marcus, den sie seit ihrer Kindheit kennt, ist so ganz anders als angenommen. Er betrügt sie offen und erwartet von ihr, dass sie sich klaglos ins Frauenbild in dieser Zeit einfügt. Die verhältnismäßig selbstständige, mitunter störrische Emma, die immer wieder aus der ihr zugedachten Rolle ausbricht, denkt allerdings nicht daran, sich gängeln und den Mund verbieten zu lassen; ihr ist schnell klar, dass sie Marcus keinesfalls heiraten kann. Nicht nur in dieser Situation, sondern das ganze Buch über handelt sie entschlossen und zögert nicht, alles zu tun, was notwendig ist, um zu überleben. Das Leid, das sie in Indien sieht und das ihr selbst widerfährt, trifft sie tief. Zurück in England verarbeitet sie die Erlebnisse – abgekapselt von der Gesellschaft – in imposanten Bildern, die schließlich unter Pseudonym ausgestellt werden und das Grauen des Aufstandes in vollem Ausmaß zeigen.

Julians vorherrschende Eigenschaft ist seine Zerrissenheit. Er ist halb Engländer, halb Inder, fühlt sich jedoch keiner der beiden Kulturen wirklich zugehörig. Er verbringt – verstoßen wegen seiner gemischtrassigen Herkunft von den Familien beider Elternteile – die ersten Jahre seines Lebens als Straßenkind in Delhi, doch als klar ist, dass er ein englisches Herzogtum erben wird, holt man ihn nach England, wo er eine klassische Schulbildung erhält. Dennoch wird er nach wie vor weder von den Briten noch von den Indern akzeptiert; man begegnet ihm mit Misstrauen und hält ihn für einen Verräter. Wegen seiner Herkunft, aber auch wegen der Gerüchte um seine Frauengeschichten beäugt man ihn misstrauisch. Emma jedoch, gerade in Delhi angekommen, weiß nichts über ihn und begegnet ihm völlig unvoreingenommen. Schon bei ihrer ersten Begegnung prickelt die Luft, und es wird ihm klar, dass Emma ebenso wenig in die Gesellschaft passt wie er. Es ist folgerichtig, dass die beiden Außenseiter sich finden und tiefe Gefühle füreinander entwickeln, die absolut glaubwürdig und nachvollziehbar sind. Ebenso logisch erscheint es, dass eine Figur wie Julian sein Herz nur einmal vergibt und alles in seiner Macht stehende tut, um die Frau an seine Seite zurückzuholen, die er liebt und die ihn darüber hinaus als einzige verstehen kann, weil auch sie in Indien war und die gleichen Schrecken miterlebt hat wie er.

Fazit:
13/15 – Eine über weite Strecken düstere, aber sehr intensive Geschichte mit zwei vielschichtigen, glaubwürdigen und starken Hauptfiguren – ein tolles Debüt! Die beiden Folgeromane sind schon gekauft!

[Rezension] Amber Kizer: Meridian. Dunkle Umarmung

Originaltitel: Meridian
1. Band der Fenestra-Serie

Inhalt:
Wenn kleine Tiere spüren, dass der Tod nah ist, suchen sie Meridians Nähe, um an sie gekuschelt zu sterben. Das war schon immer so, seit Meridian geboren wurde, und sie macht sich längst keine Gedanken mehr darüber. Doch an ihrem 16. Geburtstag ist plötzlich etwas anders: Als vor Meridians Haus ein schwerer Unfall passiert, empfindet das Mädchen den Schmerz der Sterbenden am eigenen Leib – und entgeht selbst nur knapp dem Tod. Jetzt erst erfährt sie die Wahrheit: Sie gehört zu den Fenestras, die den Seelen der Verstorbenen das Fenster zum Himmel öffnen können. Ihre Gabe ist nun voll erwacht und bringt Meridian in größte Gefahr, denn die Fenestras haben dunkle Gegenspieler …

Kommentar:
»Meridian« ist ein weiteres All-Age-Fantasy-Romance-Buch einer noch jungen Autorin, das überall so hoch gelobt wird, dass ich mich zum Lesen entschlossen habe, obwohl mich der Klappentext eigentlich nicht wirklich angesprochen hat. Um es vorweg zu nehmen: Ich hätte auf mein Bauchgefühl hören sollen, denn einmal mehr kann ich die allgemeine Begeisterung nicht teilen.

Schon der Beginn des Buches sorgt für Irritation. Nach einem kurzen Abriss über Meridians Kindheit und Jugend, in dem man erfährt, dass die Außenseiterin seit ihrer Geburt den Tod anzieht und in ihrer Gegenwart ständig Tiere sterben, beginnt die eigentliche Story mit Meridians sechzehnten Geburtstag. Just an diesem Tag wird das Mädchen in einen Autounfall verwickelt und von ihren merkwürdigen und völlig überforderten Eltern aus dem Haus geschafft: Ausgestattet mit einem Brief ihrer Mutter, der mindestens ebenso viele Fragen aufwirft wie er beantwortet, wird sie in einen Bus nach Colorado verfrachtet, der sie zu ihrer Tante Merry bringen soll, die sie noch nie zuvor getroffen hat. Nach einigen Schwierigkeiten dort angekommen, erfährt sie nach langem Hin und Her, dass sie eine Fenestra ist, ein Wesen, das Sterbende in den Himmel zum Schöpfer begleitet. Wo es die Guten gibt, gibt es natürlich auch die Bösen – in diesem Fall in Gestalt der Aternocti, die nicht nur versuchen, die sterbenden Seelen in die Hölle zum Zerstörer zu bringen, sondern die darüber hinaus die Fenestrae töten oder auf die Seite des Bösen ziehen wollen. Die verständlicherweise völlig überforderte Meridian muss also nicht nur lernen, Menschen auf die andere Seite zu begleiten, ohne selbst Schaden dabei zu nehmen, sie muss sich auch noch für den Kampf gegen die Aternocti wappnen.

Das Mädchen kann einem wirklich leid tun – und zwar nicht nur wegen dem, was da auf sie einstürzt, sondern auch wegen des unsinnigen Verhaltens ihrer Verwandtschaft. Da lassen ihre großartigen Eltern sie – trotz besseren Wissens – sechzehn Jahre lang in dem Glauben, sie sei verantwortlich für den Tod all der in ihrer Nähe verstorbenen Tiere, statt ihr vielleicht mal zu erklären, dass sie diese nicht tötet, sondern ihnen hilft. Es lehrt sie auch keiner, besser mit ihrer Begleiteraufgabe umzugehen, sodass ihr das Sterben der Tiere keine Schmerzen und schlaflosen Nächte bereitet. Und es bereitet sie auch keiner darauf vor, dass sie an ihrem sechzehnten Geburtstag die Familie verlassen muss und ab diesem Tag auch menschlichen Seelen beim Übertritt zu helfen hat. Warum um alles in der Welt hat niemand sie vorher mit ihrer Tante Merry, ebenfalls eine Fenestra, bekannt gemacht, damit sie aufgeklärt und vernünftig auf ihre neue schwierige Aufgabe vorbereitet werden kann? Und das, obwohl von vornherein klar ist, dass »die Tante« – wie sie die meiste Zeit über völlig unpersönlich genannt wird – zum Zeitpunkt von Meridians Geburtstag nur noch wenige Tage zu leben hat und mitnichten ausreichend Zeit hat, ihrer Nichte alles Notwendige beizubringen? Selbst bei Tante Merry angekommen, wird Meridian aus unerfindlichen Gründen über vieles im Dunklen gelassen und mit dem lapidaren Hinweis abgespeist, sie müsse lernen, Vertrauen zu schöpfen und tun, was ihr gesagt wird. Das alles macht in meinen Augen überhaupt keinen Sinn und ist ein gravierender logischer Mangel.

Unausgegoren ist auch der Aternocti-Plot. Es scheint ja offenbar von vornherein festzustehen, dass das Mädchen, sobald sie 16 Jahre alt ist, von den Schergen des Zerstörers gejagt werden wird. Warum die Aternocti den Geburtstag überhaupt abwarten, ist unklar; wären sie schlau, würden sie Meridian schon vorher ausschalten, dann müssten sie sich nicht mit einer »vollwertigen« Fenestra herumschlagen. Immerhin waren die Aternocti, die sich u.a. verantwortlich zeichnen für den Untergang der Azteken, von Atlantis und den Osterinseln (von denen ich noch gar nicht wusste, dass sie überhaupt untergegangen sind!), so weise, sich in der Stadt anzusiedeln, in der Tante Merry und nun eben auch Meridian leben. Sie treten ausgerechnet in Gestalt eines abgrundtief bösen Sektenführers in Erscheinung, der seiner Kirchengemeinde mittelalterliche Vorstellungen einimpft und sie mit seiner Bösartigkeit vergiftet. Die 106 Jahre alte und eigentlich sehr erfahrene Tante steht den Aternocti dummerweise vollkommen hilflos gegenüber. Sie ist einem solchen Wesen nie wissentlich begegnet und hat keine Ahnung, wie man sich ihnen zur Wehr setzen kann. Immerhin gibt sie Meridian einen überaus weisen Vorschlag an die Hand: Sie soll ein paar andere Fenestrae fragen, vielleicht können die helfen. Es bleibt ihr Geheimnis, warum sie sich nicht mal vorher um das Problem gekümmert hat, nachdem doch klar war, dass Meridian gejagt werden würde – wahrscheinlich war auch ihre Zeit vor lauter Steppdeckennähen knapp, so wie auch der Mutter die Zeit ausgegangen ist, ohne dass sie ihrer Tochter etwas erklären konnte.

In Anbetracht des unverantwortlichen Verhaltens ihrer Umwelt braucht es einen ja schon nicht mehr zu wundern, dass auch Meridian seltsam ist. Sie nimmt die Trennung von ihrer Familie über weite Strecken ebenso klaglos hin wie den drohenden Tod ihrer Tante, der sie zu allem Übel auch noch beim Übertritt ins Jenseits helfen muss, wie sie erfährt. Meridians Handlungsmotive sind mir oft unklar, und sie ist mir nicht sehr sympathisch; teilweise wirkt sie seltsam starr und emotionslos, teilweise extrem kindlich. Letzteres liegt nicht nur an ihrer Begeisterung für den mehrfach erwähnten Sponge-Bob-Flanellschlafanzug, sondern auch an ihren Umgang mit dem Jungen Tens und an ihrer unauthentischen Ausdrucksweise. Welche Sechzehnjährige würde denn bitte »Was wird hier gespielt?« (S. 143) fragen, wenn die Tante in heller Panik zur Schrotflinte greift, oder vor Überraschung »Ach du heiliger Strohsack?« (S. 306) rufen?! Das ist einfach nicht glaubwürdig und passt ebenso wenig wie die keusche Liebesbeziehung zum geheimnisvollen Tens, der vielleicht ihr Wächter oder ein Kriegerengel ist, vielleicht aber auch nicht, und dessen Schicksal irgendwie mit Meridians verknüpft ist.

Kann man über die Logikmängel und die Dialoge und Handlungen, die nur bedingt Sinn machen, hinwegsehen, lässt sich das Buch ganz nett weglesen; nett sind vor allem einige Szenen mit Tante Merry, die ein hohes Maß an Geborgenheit vermitteln. Alles in allem plätschert die Geschichte ohne große Höhen und Tiefen und ziemlich spannungsarm vor sich hin, wozu auch der wundersame »Endkampf« passt, der denkbar unspektakulär und ohne echtes Zutun der reichlich blass geratenen Hauptpersonen vonstatten geht, die märchenhafterweise unverhoffte Hilfe erhalten.

Fazit:
5/15 – Eine nicht wirklich glaubwürdige Protagonistin irrt durch ein halbgares Buch. Ein Jammer um die tolle und außergewöhnliche Grundidee! Die Fortsetzung, an der die Autorin derzeit arbeitet, werde ich ganz sicher nicht lesen.

[Rezension] Eileen Wilks: Wolf Shadow 3 – Dunkles Verlangen

Originaltitel: Blood Lines
3. Teil der Wolf-Shadow-Serie

Inhalt:
FBI-Agentin Lily Yu und ihr Gefährte, der Werwolf Rule Turner, werden vom Geheimdienst engagiert, um Politiker zu entlarven, die ein Bündnis mit Dämonen eingegangen sind. Da geschieht ein grausamer Mord, der nur von einem Dämon verübt worden sein kann. Lily bittet die Agentin Cynna Weaver und den Magier Cullen Seabourne um Hilfe. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, während die vier versuchen herauszufinden, wer hinter den dämonischen Angriffen steckt. Im Laufe der Ermittlungen kommen sich Cynna und Cullen näher, und schon bald entwickelt sich eine Leidenschaft zwischen den beiden, die ganz eigenen Gesetzen folgt.

Kommentar:
»Dunkles Verlangen« knüpft praktisch nahtlos an »Magische Versuchung« an, und es ist schnell klar, dass der Aufenthalt in der Hölle sowohl bei Werwolf Rule Turner als auch bei FBI-Agentin Lily Yu deutliche Spuren hinterlassen hat. Vor allem Rule, der zu lange in Wolfsgestalt war, hat Probleme, die Kontrolle über sich zu behalten, denn der Wolf in ihm ist in dieser Zeit sehr stark geworden. Doch damit nicht genug: Bei einem Dämonenangriff wird er darüber hinaus schwer verletzt. Er überlebt zwar, der Dämonen hat aber ein gefährliches Gift in Rules Körper hinterlassen, das keiner der Heiler neutralisieren oder entfernen kann, und das ihn schwächt und zu Gedächtnislücken führt.

Wie sich herausstellt, war der Dämonenangriff auf Rule nur einer von vielen, die alle gleichzeitig stattfanden und gegen die Thronfolger der verschiedenen Werwolfclans gerichtet waren. Zudem treten hohe Mengen an Magie aus und bringen die Welt aus dem Gleichgewicht, sodass Computer ausfallen, diverse magische Wesen auftauchen und die Naturgewalten außer Kontrolle geraten. Das FBI gründet eine Task Force, um die Vorkommnisse zu untersuchen. Während die FBI-Agentinnen Lily und Cynna, unterstützt von Rule und dem Werwolf-Zauberer Cullen, für die Regierung in der Sache ermitteln und den Kampf gegen das Böse aufnehmen, gibt es aber weitere Probleme zu lösen: Nicht nur muss sich Rule mit dem verfeindeten Werwolf-Clan der Leidolfs auseinandersetzen, sondern Cynna wird auch noch dazu gezwungen, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und gegen ihre ehemalige Lehrmeisterin zu behaupten. Darüber hinaus taucht Rules Sohn Toby auf und gerät in den Fokus des Feindes … 

Vielleicht, weil ich erst vor wenigen Wochen Band 2 der Serie gelesen habe, fiel mir der Einstieg in das Buch diesmal sehr viel leichter als das bei den Vorgängern der Fall war. Möglicherweise lag es aber auch daran, dass »Dunkles Verlangen« actionreicher startet, gleich Spannung aufbaut und diese über weite Teile des Buchs aufrechterhält, während die Welterklärungsabschnitte gleichzeitig weniger Raum einnehmen als in den Vorgängerbänden. Zur Lebendigkeit der Geschichte trägt die Tatsache bei, dass es diesmal mehr Protagonisten und somit auch Erzähler gibt: Neben Lily und Turner begleitet man auch Cynna und Cullen auf ihren Abenteuern. Da alle vier sehr gegensätzliche, aber uneingeschränkt interessante und faszinierende Figuren mit inneren Konflikten sind, führt das zu sehr verschiedenen Blickwinkeln auf die Handlung, die dadurch außerdem an Linearität verliert und an Abwechslung gewinnt. Sehr knisternd dargestellt ist die Anziehung zwischen Cullen und Cynna, die ungeahnte Folgen nach sich zieht, sehr gut gelungen sind auch die Auftritte von Lily Yus Großmutter und Rules Sohn Toby, die beide eine wichtige Rolle im Verlauf des Geschehens haben.

Bei aller Begeisterung habe ich aber nach wie vor Probleme mit den theoretischen und sehr komplexen Ausführungen zur Welt der Magie und der Werwölfe. Erneut konnte ich den Erklärungen an einigen Stellen nur bedingt folgen und hab mir vieles irgendwie zusammengereimt; zumal schien es mir wieder kleine Logikmängel zu geben. Ich bin mir nicht sicher, ob das an meiner begrenzten Auffassungsgabe bzw. Fantasiebegabung liegt oder ob die Darstellungen einfach nicht ganz klar ist. Wie auch immer: Die Welt, die Eileen Wilks da aufbaut, ist sehr kompliziert und dürfte nicht nur für mich, sondern auch für andere ungeübtere Fantasyleser teilweise schwer zu fassen sein. Unverzichtbar zum Verständnis des Buchs ist die (genaue) Kenntnis der vorherigen Teile; ein Quereinstieg in Serie scheint mir trotz der Erklärungen unmöglich. Insofern finde ich es sehr schade, dass der nächste Band erst im Mai 2010 erscheinen wird – bis dahin hab ich vermutlich wieder alles vergessen, was zum Verständnis des Buchs nötig sein wird.

Fazit:
12/15 – Der bislang beste, weil abwechslungsreichste und spannendste Band der Wolf-Shadow-Serie. Ansonsten gilt, was auch für die Vorgänger galt: Starke und sehr glaubwürdige Figuren agieren in einem relativ komplexen Kosmos, der mitunter nicht ganz einfach zu verstehen ist.

[Rezension] Nina Jansen: Bestrafe mich

Inhalt:
Eileen hat einen so atemberaubenden Körper, dass sie als Model arbeitet und für künstlerische Aufnahmen sogar nackt posiert. So verführerisch sie auf Männer auch wirkt, so unerfahren ist sie, wenn es um absolute erotische Erfüllung geht. Bei einem Shooting erkennt sie, dass Gehorchen sie fasziniert. Ein Wochenende als Sklavin auf einem Landsitz außerhalb von London gibt die Antwort auf all ihre Fragen.

Kommentar:
Endlich mal ein Erotikroman, der a) ein echter Erotikroman ist und nicht nur so gelabelt wird, und den man b) einfach nur Erotikroman sein lässt, statt ihm eine Handlung aufzuzwingen (die in diesem Genre meist ohnehin unsinnig ist). Letzteres bedeutet natürlich auch, dass sich eine SM-Sex-Szene an die nächste reiht und dass abseits der Sexszenen so gut wie nichts passiert bzw. dass jede Handlung, die frei von Sex ist, auf den späteren Sex ausgerichtet ist. Mich persönlich stört das nicht, wenn ich wissentlich zu einem Erotikroman greife, aber wer darüber hinaus eine schöne oder gar romantische Geschichte lesen will, ist mit diesem Buch schlecht bedient.

Wie der Titel schon sagt, geht es hier um SM-Praktiken, die den einen oder anderen vielleicht befremden mögen, die aber meiner Meinung nach auch für in diesem Bereich unerfahrene Leute akzeptabel und durchaus ansprechend beschrieben sind. Ohne persönliche Erfahrungen in diesem Bereich vorweisen zu können, möchte ich behaupten, dass die Schilderungen und Praktiken eher noch gemäßigt sind und deshalb auch »normale« Erotikleser abholen können.

Die Erstauflage von »Bestrafe mich!« ist übrigens bei Plaisir d’Amour erschienen – und es ist das erste Buch aus diesem Verlag, das ich wirklich ansprechend finde; mit allen anderen habe ich eher durchschnittliche bis schlechte Erfahrungen gemacht.

Fazit:
13/15 – Wer auf Handlung und Romantik verzichten kann und SM-Praktiken nicht ablehnt, der kriegt hier sehr gute Erotik-Unterhaltung geboten. Alle anderen sollten tunlichst die Finger von dem Buch lassen.

[Rezension] Eileen Wilks: Wolf Shadow 2 – Magische Versuchung

Originaltitel: Mortal Danger
2. Teil der Wolf-Shadow-Serie

Inhalt:
In ihrem neuen Job als Agentin in einer Spezialeinheit des FBI zur Aufklärung von magischen Verbrechen hat Lily Yu alle Hände voll zu tun. Sie soll den charismatischen Anführer eines Kults aufspüren, der eine uralte böse Macht beschwören will. Als dieser Lily in eine Falle lockt, gerät ihre ganze Welt aus den Fugen. Ihre einzige Hoffnung ist Rule Turner, mit dem sie eine besondere Magie verbindet. Trotz der Leidenschaft, die beide füreinander empfinden, weiß Lily nur wenig über den gut aussehenden Werwolf. Doch ihr bleibt keine andere Wahl, als ihm zu vertrauen, wenn sie ihr Leben retten und den Fall lösen will.

Kommentar:
Wie schon beim ersten Teil der Wolf-Shadow-Serie hatte ich so meine Probleme, in das Buch hineinzukommen und mich in Wilks magischer Welt zurechtzufinden, die mich ein wenig überfordert. Dass ich mich nur noch grob an die Ereignisse aus Band 1 erinnern konnte, hat dazu sicher seinen Teil beigetragen – die Kenntnis von Verlockende Gefahr ist eigentlich unabdingbar und wird zwar aufgearbeitet, aber nur langsam und stückweise, sodass man oft das Gefühl hat, nicht genug Infomationen zu haben.

Das Buch startet unheilvoll: Bereits im Prolog erfährt man vom finsteren Plan, einen Dämonen Besitz von Lily Yu ergreifen zu lassen; sofort darauf erfolgt ein erster Angriff auf die Sensitive. Im Folgenden ist die Handlung aber wenig ereignisreich: Das FBI sucht nach Harlowe, dem Widersacher, der am Ende von Band 1 mitsamt dem magischen Stab flüchten konnte; vorrangig wird aber die magische Welt und deren drohende Änderung sowie die Strukturen bei den Werwölfen erklärt. Es werden neue Personen bzw. Wesen eingeführt und man begegnet alten Bekannten, die man besser kennenlernt. Auch Lily und Rule gewinnen mehr Profil, und auch die Beziehung mit all den Konflikten zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten vertieft sich und ist sehr gut dargestellt. Alles in allem wird für meinen Geschmack in der ersten Hälfte des Buches bei Weitem zu viel Raum auf ausufernde Erklärungen aufgewendet; die Spannung bleibt zugunsten der theoretischen Ausführungen auf der Strecke, was bei mir teilweise zu einiger Langeweile geführt hat.

Das ändert sich allerdings schlagartig beim Versuch des Dämons, endgültig Besitz von Lily zu ergreifen. Die feindliche Übernahme geht nämlich gründlich schief – Lily wird zweigeteilt: Ein Teil ihrer Persönlichkeit verbleibt auf der Erde, verfügt aber über keine sensitiven Fähigkeiten mehr, der andere Teil wird mitsamt dem Dämon und Rule in Werwolfgestalt in die Hölle geschleudert und verliert alle Erinnerungen an das Leben auf der Erde. Die Handlungen auf der Erde und in der Hölle verlaufen parallel: Während die »Erd-Lily« versucht, unerlaubt einen Weg in die Hölle zu finden, um Rule in ihre Welt zurückzuholen, suchen die »Höllen-Lily«, Rule in Werwolfgestalt und der verängstigte Dämon einen Weg zurück auf die Erde und haben dabei allerlei Abenteuer zu bestehen. Die Lösung um die Zusammenführung der beiden Lilys am Ende war zwar etwas unbefriedigend, an sich war die Zweiteilung Lilys und der Handlung eine tolle Idee und hervorragend umgesetzt.

Bemerkenswert sind erneut die Figuren des Buches. Das gilt besonders für Lily Yu und Rule Turner, der im Vergleich zu Band 1 mehr Tiefgang hat – die Darstellung seiner Wolfseite und deren Auswirkung auf den Mann ist differenzierter ausgearbeitet und verleiht ihm mehr Kontur. Beide sind wirklich absolut authentische Protagonisten, die mit ihren Stärken und Schwächen sehr realistisch wirken. Die besondere, intensive Beziehung zwischen den beiden wird vor allem im Höllenszenario offenbar, und ist trotz – oder gerade wegen – der eher hintergründigen Darstellung so glaubwürdig.
Doch auch die Nebenfiguren sind wieder sehr interessant und überzeugend, allen voran Cynna und Cullen, über die man in Band 3 (Dunkles Verlangen, November 2009) mehr erfahren wird. Auch der merkwürdige Dämon Gan ist eine Bereicherung für das Buch, sorgt er doch für den einen oder anderen Lacher.

Fazit:
11/15 – Ein gutes Buch mit tollen Figuren, das wegen seiner langwierigen theoretischen Erklärungen der magischen Welt zumindest in der ersten Hälfte teils ganz schön ermüdend und wenig mitreißend ist, in der zweiten Hälfte das Tempo aber gewaltig anzieht und richtig Lust auf Band 3 macht.

[Rezension] Jacquie D’Alessandro: Touch me

Inhalt:
Einem Mann Vergnügen verschaffen – das ist etwas, was die ehemalige Mätresse Genevieve Ralston problemlos beherrscht. Seit ihr letzter Liebhaber sie verlassen hat, hat sie allerdings die Nase gestrichen voll von Männern … bis sie Simon trifft. Simon ist aufregend, sexy – aber ein Spion. Seine Mission: einen geheimnisvollen Brief zu finden, der sich in Genevieves Besitz befinden soll. Doch beim Versuch, Genevieve ihre Geheimnisse zu entlocken, verliert er sein Ziel bald aus den Augen …

Kommentar:
Das Buch startet mit den Worten eines Sterbenden, der dem Protagonisten Simon einen Hinweis auf den Mörder liefert, bevor er das Leben aushaucht. Da Simon Sekunden später über die Leiche gebeugt erwischt wird, hat er großes Interesse daran, die Worte »GENEVIEVE … Alabasterkästchen … Brief darin beweist, wer mein Mörder ist …« zu entschlüsseln bzw. Genevieve ausfindig zu machen. Schnell wird klar, dass Genevieve die ehemalige Mätresse des Toten ist, die auf dem Land lebt, also macht sich Simon auf, um das Beweismittel zu finden. Eine nächtliche Durchsuchung bei Genevieve bleibt jedoch ergebnislos, also muss er ihr Vertrauen erschleichen. Das fällt ihm nicht besonders schwer, denn entgegen seiner Erwartungen ist Genevieve eine faszinierende Frau, der Simon bereits beim ersten Anblick verfällt. Sie fühlt sich trotz all ihrer Bedenken ebenso unwiderstehlich zu ihm hingezogen, sodass die Frage hier nicht ist, ob die beiden eine Affäre beginnen, sondern wann. Die knisternde Erotik zwischen den Protagonisten ist dennoch ansprechend dargestellt, gleiches gilt für die zahlreich vorhandenen und recht expliziten Liebesszenen. Darüber hinaus bietet die Handlung allerdings nicht viel. Selbst die Auflösung des Mordes sowie Genevieves Reaktion auf Simons wahre Identität verlaufen ziemlich unspektakulär; ein kleines bisschen mehr Drama hätte hier schon sein dürfen.

Simon ist nicht wirklich ein glaubwürdiger Spion, dafür aber ein sehr netter Typ, dem vielleicht ein paar Ecken und Kanten fehlen, um ihn zu etwas besonderem zu machen. Genevieve ist zum Teil etwas anstrengend, was nicht zuletzt an ihrem Umgang mit ihrer Krankheit liegt, die sie für den ausschlaggebenden Grund dafür hält, dass ihr ehemaliger Liebhaber sie verlassen hat. Sie wirkt alles in allem wenig kämpferisch, dafür eine Spur zu selbstmitleidig, verunsichert und hingebungsvoll.

Leider ist auch D’Alessandros Humor, der ihre Bücher sonst auszeichnet, hier maximal im Ansatz vorhanden. Und das, obwohl diesmal gleich zwei Tiere (Hund und Katze) durch die Szenerie tollen – was bei der Autorin sonst immer lustige Szenen und Dialoge garantiert. Möglicherweise bot die begrenzte Seitenzahl (210 S.) einfach keinen Platz für derlei Nebensächlichkeiten, die ein Buch oft erst bemerkenswert machen.

Fazit:
9/15 – Eine nett zu lesende Geschichte, die aber in keinster Weise aus der Masse der Liebesromane heraussticht.

Alyson Noël: Evermore

Originaltitel: Evermore
The Immortals, Book 1

Inhalt:
Ever ist sechzehn Jahre alt, als sie ihre gesamte Familie bei einem Autounfall verliert – sie überlebt als Einzige. Seither ist sie in sich gekehrt und kapselt ihre verletzte Seele von der Außenwelt ab. Alles ändert sich jedoch, als sie Damen zum ersten Mal in die Augen blickt. Denn Damen sieht nicht nur verdammt gut aus, er hat etwas, was Ever zutiefst berührt. Aber irgendetwas an ihm irritiert sie. Seitdem sie dem Tod so nahe war, besitzt sie nämlich die einzigartige Fähigkeit, die Gedanken der Menschen um sie herum hören und ihre Aura sehen zu können. Doch nicht so bei Damen: Er scheint diese Gabe auf mysteriöse Weise außer Kraft zu setzen. Sie sieht und hört nichts – für sie ein untrügliches Zeichen, dass Damen eigentlich tot sein müsste. Er wirkt aber alles andere alles leblos, und am liebsten würde Ever sich nie mehr von seinem warmen Blick lösen. Wenn sie sich nur nicht ständig fragen müsste, wer er eigentlich ist und was er ausgerechnet von ihr will …

Kommentar:
Eigentlich fängt das Buch sehr vielversprechend an, denn Ever erscheint zunächst als ziemlich außergewöhnliche Heldin. Sie kann seit einem Unfall, an dem sie sich die Schuld gibt und bei dem sie ihre Familie verloren hat, nicht nur Geister, sondern auch die Aura anderer Menschen sehen und deren Gedanken hören. Dass ihre hellseherischen Fähigkeiten eher Nachteile mit sich bringen, wird direkt zu Beginn des Buches klar, als Ever mit ihrer Freundin Haven zusammen ist und unter Havens Berührung leidet. Das hübsche Mädchen verschanzt sich also hinter Kapuzenpullovern und lauter Musik, um die Umwelt möglichst auszuschalten. Alles ändert sich, als der attraktive Damen an der Schule auftaucht, denn wenn er sie berührt oder mit ihr redet, herrscht auf einmal wunderbare Stille um sie herum. Gegen ihren Willen verliebt sie sich in ihn und ist glücklich, als er ihre Gefühle zu erwidern scheint – obwohl sie weiß, dass irgendetwas nicht mit ihm stimmt.

Aus dieser prinzipiell guten Grundidee macht die Autorin leider ein wenig erbauliches Buch. Die Figuren sind viel zu platt und klischeehaft, allen voran der geheimnisvolle, (be-)zaubernde, charmante, überwältigend gutaussehende und scharfe, allwissende und künstlerisch begabte, allseits beliebte, von allen begehrte Damen – kann man nicht vielleicht mal ein bisschen weniger dick auftragen?!
Nicht viel besser sind Evers beste bzw. einzige Freunde: Miles ist schwul und für die Bühne geboren, Haven ein rebellierender Goth und zudem extrem zickig und albern. Beide sind in Damen verliebt, wobei Haven sogar so weit geht, ihn sich zu »reservieren«. Was man zunächst für einen Scherz halten könnte, ist toternst gemeint, wie Ever feststellen muss, als Damen sein Interesse an ihr deutlich macht, denn Haven wendet sich von ihr ab und sucht sich eine andere Freundin, zunächst Evangeline, dann Drina. Drina allerdings ist das personifizierte Böse – und das ist auch allen klar außer Haven.
Ever selbst erscheint zunächst interessant und relativ vernünftig, doch das ändert sich mit zunehmendem Fortschreiten der Handlung. Schon ihre erste Reaktion auf Damen – ihre vehemente Weigerung, ihn anzusehen –, ist seltsam, doch mit zunehmender Verliebtheit werden ihre Verhaltensweisen und Beweggründe immer weniger nachvollziehbar. Und zwar nicht nur hinsichtlich Damen, sondern auch was ihr eigenes Leben angeht.

Angesichts dieser Figuren ist natürlich auch in Sachen Story nicht mehr viel zu retten. Um genau zu sein, nach einem recht starken Beginn macht sich ziemlich schnell Langeweile breit, obwohl durchaus viel passiert – wenn auch nichts von Bedeutung. Damen verführt Ever z.B. permanent zum Schule schwänzen, um spannende Dinge wie einen Besuch in Disneyland, beim Pferderennen oder am Strand zu unternehmen. Das Ende solcher Ausflüge kommt immer ziemlich abrupt, indem sich Damen nämlich stets aus unerfindlichen Gründen in Luft auflöst; Ever wundert sich zwar darüber, übt sich aber weitgehend in Ignoranz und begnügt sich mit Damens halbherzigen Erklärungen. Das Grundproblem des Buches dürfte sein, dass alles, was passiert, relativ belanglos ist und einfach aneinandergereiht und runtergeschrieben wirkt, ohne dass irgendein Gefühl rüberkommt.

Wirklich richtig ärgerlich ist das letzte Drittel des Buches – ab dem Moment, wo Ever erfährt, wieso sie den Unfall damals überlebt hat und beginnt, sich mit Wodka (der übrigens als »süße Flüssigkeit« bezeichnet wird) abzuschießen, weil sie zufällig gemerkt hat, dass sie so ihre hellseherischen Fähigkeiten ausschalten kann. Die Handlung zieht sich ab diesem Punkt trotz all der (teils hanebüchenen) Aufklärungen und der Action am Ende wirklich wie Kaugummi; ein Übermaß an Infos, Kniffen und Wendungen wirkt ab einem gewissen Punkt eben eher ermüdend als spannend! Zudem muss man sich angesichts der gelieferten Informationen und Erklärungen doch fragen, wie die ganze vorherigen Ereignisse überhaupt passieren konnten und wieso Damen nicht eher gehandelt hat; vieles erscheint nicht ganz logisch und konsequent zu Ende gedacht worden zu sein. Und gerade, als man glaubt, dass es schlimmer nicht mehr werden kann, zaubert die Autorin auch noch die ultimativ lachhafte Idee aus dem Hut: Es kommt zu einem Mord im 4. Chakra und zu Heilung durch Selbstvergebung. Also bitte!

Fazit:
05/15 – Jede Menge Plattitüden, viel Langeweile, eine ziemlich haarsträubende Auflösung und ein signifikanter Mangel an Gefühl – einmal mehr wurde aus einer guten Grundidee viel zu wenig herausgeholt. Schade drum.

Lori Handeland: Wolfsfieber

Originaltitel: Crescent Moon
Night Creatures, Book 4

Inhalt:
Als Kryptozoologin versucht Diana Malone Tiere aufzuspüren, die eigentlich dem Reich der Mythen und Legenden angehören. Gerüchten zufolge sollen in der Umgebung von New Orleans Werwölfe gesichtet worden sein. Diana beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie engagiert den Ex-Agenten Adam Ruelle, damit dieser sie durch die Sümpfe von Louisiana führt. Doch schon bald wird ihr klar, dass der attraktive Mann Geheimnisse vor ihr hat. Will er sie beschützen oder von ihrem Ziel ablenken?

Kommentar:Fazit:
14/15 – Nach einem etwas schwächeren Band 3 ist Handeland wieder da und liefert ein gutes, richtig spannendes Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen will.

Linda Lael Miller: So frei wie der Himmel

Originaltitel: McKettrick’s Luck
Die McKettricks, Teil 1

Inhalt:
Jesse McKettricks Herz schlägt für das weite Land, das seine Vorfahren einst urbar gemacht haben, für die Ranch, auf der er lebt und arbeitet. Nichts kann ihn von hier vertreiben. Doch dann kommt die schöne Cheyenne Bridges nach Indian Rock und mit ihr die größte Herausforderung seines Lebens. Denn Cheyenne soll ihn im Auftrag ihres Bosses mit Charme und notfalls auch List dazu bringen, einen Teil seines Lands abzugeben. Jesse brennt vor Leidenschaft. Aber das Erbe seiner Vorfahren an eine Immobiliengesellschaft verkaufen? Niemals. Stattdessen schmiedet er einen Gegenplan, der seine Widersacherin von dem wilden Zauber der Natur und der unbegrenzten Freiheit überzeugen soll und von seiner Liebe.

Kommentar:
Ich mag Liebesromane. Wirklich! Sie dürfen auch ein bisschen kitschig und notfalls sogar ein bisschen pathetisch sein. Die Betonung liegt aber auf »ein bisschen«. Was hier geboten wird, ist des Guten zu viel, und zwar bei weitem.

Die Geschichte ist austauschbare Standardkost: Cheyenne wird von ihrem Chef in ihre alte Heimatstadt geschickt, um dem reichen Rancher Jesse McKettrick Land abzuschwatzen. Da er in Geld schwimmt und sein Land liebt, lehnt er das lukrative Angebot ab, doch Cheynenne bleibt weiter dran – nicht zuletzt, weil sie das Honorar, das sie bei diesem Deal verdient, dringend zur Unterstützung ihrer Familie braucht. Im Laufe der Handlung verlieben sich Cheyenne und Jesse, der Leser kriegt ganz nebenbei ein wenig Poker-Nachhilfe, und am Ende wird natürlich alles gut.

So eine Story kann nur durch gelungene Figuren zu etwas besonderem werden, und tatsächlich – sie sind gar nicht schlecht! Die weibliche Protagonistin Cheyenne ist vielleicht eine Spur zu selbstmitleidig, überfürsorglich, unentschlossen und wenig zupackend, geht aber letztendlich in Ordnung. Mit der männlichen Hauptfigur, Jesse McKettrick, hat Linda Lael Miller allerdings einen wirklich tollen Helden geschaffen, er ist ein bisschen Macho, ein bisschen raubeiniger Cowboy, ein bisschen Romantiker – alles in allem ein wirklich ansprechender Typ, der weiß, was er will und um das, was er will, kämpft.

Unter diesen Voraussetzungen hätte aus »So frei wie der Himmel« prinzipiell vielleicht kein überragendes, aber zumindest ein gutes, unterhaltsames Buch werden können – wären da nicht diese riesige Ansammlung von Klischees und das überbordende Pathos, das z.T. fast schon esoterisch anmutet. Einen ersten Höhepunkt von Millers Welt erlebt man, als Jesse McKettrick Cheyenne das Land zeigt, das sie erwerben will. Schon als sie sich auf dem Rücken ihrer edlen Rösser auf zur Besichtigung machen, ahnt man, dass gleich Dramatisches passieren wird, denn Cheyenne betet aus unerfindlichen Gründen: »Oh bitte, lass mich das Land nicht zu sehr lieben.« (S. 58) Wie sie überhaupt auf die Idee kommt, sie könne das Land zu sehr lieben, bleibt ihr Geheimnis; ist aber auch egal, denn natürlich bleibt es bei dem frommen Wunsch: Als das Landstück, um das es geht, in ihr Blickfeld gerät, wird sie von einer wahren Disneyidylle überwältigt: »Tausende von Bäumen. Sonnenbeschienene Wiesen, auf denen Wild graste. Ein geschwungener Bach funkelte wie die Quasten an den Tambourstöckchen bei Cora’s Curl and Twirl.« (S. 62) Man kann die zwitschernden Vögelchen und fröhlich flatternden bunten Schmetterlinge in dieser Szenerie förmlich vor sich sehen und erwartet fast das Auftauchen des letzten Einhorns! Doch auch ohne Einhorn ist Cheyenne sehr ergriffen. »Tränen stiegen ihr in die Augen. Wieder begann dieser dumpfe Trommelschlag in ihrem Blut zu dröhnen und vibrierte durch ihre Venen« (S. 62), »Die Schönheit des Landes schien auf ihren ureigensten Rhythmus zu antworten wie ein riesiges unsichtbares Herz« (S. 65). Doch auch Jesse, dem sein Land ja eigentlich hinreichend bekannt sein sollte, ist ganz hingerissen: »Ehrfürchtig nahm Jesse den Hut ab, als ob er eine Kirche betreten hätte. Sein Gesicht sah plötzlich ganz anders aus, als ob er das Land nicht nur mit den Augen in sich aufnahm, sondern mit jeder einzelnen Pore seines Körpers.« (S. 63)

Leider ist die Ergriffenheit aller Anwesenden über die glorifizierte Schönheit des Landes nicht der einzige Auslöser für maßloses Pathos. Angereichert mit irrsinnigen Übertriebungen und gesteigert durch verstärkende Wiederholungen übertrifft sich die Autorin immer wieder aufs Neue selbst und versetzt selbst abgebrühte Leser in Erstaunen:

»So wild er [Jesse] auch war, so sehr besaß er daneben eine angeborene und vollkommen widersprüchliche Ruhe. Als kreiste er um einen inneren Kern, der direkt mit der Unendlichkeit des Seins verbunden war. Wie es wohl wäre, mit einem Mann wie ihm zu schlafen? Einem Mann, der sich derartig elementar konzentrieren konnte?« (S. 96)

»Aber für einen kurzen Moment wollte sie nicht länger Cash Bridges‘ Tochter sein. Nicht die verlässliche Stütze ihrer Mutter. Nicht Mitchs Beschützerin. Sie wollte nur eines sein. Nur eines.
Eine Frau.
Eine Frau aus Fleisch und Blut, die sich einem Mann aus Fleisch und Blut hingab. Wen scherten schon die Konsequenzen?« (S. 198)

»Bestimmt hätten sie fantastischen Sex, eine atomare Verschmelzung, aber selbst solche Verschmelzungen kühlten mit der Zeit ab.« (S. 199)

»Wahrscheinlich lag ihr auf der Zunge, dass es nicht zu viel bedeutete, dass der Sex fantastisch gewesen war. Dass sie beide schließlich erwachsen wären. Ähnliche Gedanken hatte er auch gehabt – bis zu dem Moment, in dem Cheyenne ihn an Orte führte, von denen er niemals zu träumen gewagt hätte. Sie hatte ihm die Landschaft seiner eigenen Seele gezeigt, mit der Sonne und dem Schatten, den Schluchten, Bergen und verschlungenen Flüssen.« (S. 214)

Und als wäre das nicht ohnehin schon des Guten zu viel, müssen wir auch noch über ein Schlafzimmer lesen, dessen Decke freskenmäßig mit Cowboys und Rinderherden bemalt ist, und philosophischen Gedanken über das Leben und nebeineinander existierende unterschiedliche Zeitdimensionen folgen. Wie Cheyenne und eine Schwester von Jesse feststellen, verlaufen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nämlich nicht etwa linear, sondern alles geschieht gleichzeitig. Und weil sich diese Zeitdimensionen manchmal überschneiden, kann man hie und da Leute aus der Vergangenheit/Zukunft treffen (vgl. S. 249f.).

Die Übersetzung trägt auch nicht gerade zum Lesevergnügen bei. Das fängt mit Kleinigkeiten wie nicht hundertprozentig treffenden Wörtern an – zum Beispiel »bürstet« man Pferde nicht, sondern striegelt sie! – und endet bei der kompletten Ignoranz des Plusquamperfekts. Und letzteres nervt richtig, denn es ist zum Teil richtig sinnentstellend und verwirrend. Hinzu kommt, dass in manchen Szenen verbindende Sätze zu fehlen scheinen, wie in folgender Szene, in der Cheyenne Zähneputzen will und Jesses Bad aufsucht. »Cheyenne fand mehrere verpackte Zahnbürsten. Schließlich hatte sie sich bei Lucky’s übergeben.« (S. 205) Nicht, dass man es nicht im Kontext trotzdem verstehen würde, aber es lässt einen stutzen und ist nicht wirklich sauber. Ob derartige Auslassungen allerdings aus dem Original kommen, oder erst bei der Übersetzung passiert ist, weiß ich nicht; sie tragen jedenfalls nicht zur Qualität des Buches bei.

Fazit:
6/15 – Ein Buch, das eigentlich hätte nett sein können, wenn es nicht unter dem ganzen Kitsch erstickt wäre.