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1. Teil der Lila-Ziegler-Serie
Inhalt:
Die 20-jährige Lila entscheidet sich zu einem radikalen Schnitt: Statt, wie von ihren Eltern gewünscht, ihr Jurastudium in Münster anzutreten, steigt sie in Bochum aus dem Zug, um dort ein selbstbestimmtes Leben zu beginnen. Mittels eines Tricks erschleicht sie sich bei Privatdetektiv Danner zunächst nur einen kostenlosen Schlafplatz, dann aber sogar einen Job. Denn Danner, eigentlich ein notorischer Einzelgänger, steckt mit seinem jüngsten Fall in der Sackgasse: Die erst 16-jährige Eva hat in ihrer Schule Selbstmord begangen. Im Auftrag seines Freundes Staschek, dessen Tochter mit der Toten befreundet war, soll Danner nun die Hintergründe ermitteln. Doch obwohl er sich als Sportlehrer in die Schule einschmuggeln konnte, findet er nichts über das Motiv des Freitods heraus. Unversehens findet sich Lila auf der Schulbank wieder und nicht nur ihre Gefühlswelt gerät in Gefahr …
Kommentar:
Das Debüt von Lucie Klassen (inzwischen Flebbe), für das die Autorin 2009 mit dem Friedrich-Glauser-Preis in der Kategorie »Bester Erstlingsroman« ausgezeichnet wurde, lässt mich mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Einerseits hat mich das Buch mit seinen tollen, wenn auch sehr eigenen Figuren und dem Erzählstil nämlich sehr gut unterhalten; andererseits ist die Handlung nicht wirklich überzeugend.
»Der 13. Brief« steht und fällt mir seiner Hauptfigur Lila Ziegler, die zunächst einfach nur ein aufsässiges Mädchen aus gutem Hause zu sein scheint, im Laufe der Geschichte aber ihren schwierigen Hintergrund offenbart. Auf ihrem Selbstfindungstrip in Bochum erlebt sie erstmals wie es ist, wenn sich jemand um einen kümmert und wenn man verliebt ist, außerdem schließt sie zum ersten Mal in ihrem Leben Freundschaften – die allerdings dummerweise auf einer Lüge basieren, denn ihre Aufgabe ist es, ihre neuen Freundinnen über den Tod von Eva auszuhorchen. Entsprechend glaubwürdig sind auch die Selbstzweifel, die Lila immer wieder befallen, wenn sie einem der Mädchen eine Lügengeschichte auftischt, um etwas über Evas Selbstmord herauszukriegen. Obwohl sie manchmal ziemlich sarkastisch, dreist und anstrengend ist, ist Lila ingesamt eine sehr charmante und authentische Heldin.
Ebenso glaubwürdig sind die beiden Herren, die sich Lilas annehmen: Kneipenwirt Molle und Privatdetektiv Danner. Molle ist die gute Seele des Buchs und der Fels in der Brandung – er gibt Lila einen Job, Essen und sorgt für einen Schlafplatz. Danner hingegen ist weniger nett: Er will Lila am liebsten sofort wieder loswerden und ist ein echtes machohaftes Raubein; eigentlich ist er genau so, wie man sich einen abgehalfterten, schlecht gelaunten und dennoch charismatischen Privatdetektiv vorstellt. Und auch bei den restlichen Nebenfiguren beweist Flebbe viel Abwechslungsreichtum und ein sehr gutes Händchen – sowohl bei den Lehrern als auch bei den Schülern, unter denen sich zwar einige sonderbare Charaktere tummeln, die es jedoch normalerweise an jeder Schule wirklich gibt.
Weniger überzeugend als die Personen ist – wie bereits angesprochen – die Handlung. Schon Danner kommt mir in seiner Rolle als Aushilfssportlehrer nur bedingt glaubwürdig vor. Dass dann aber auch noch die tatsächlich 20-jährige Lila als 16-Jährige von einem Tag auf den anderen ohne irgendwelche Dokumente oder Eltern/Erziehungsberechtigte mal eben in einer Schule angemeldet werden kann, wo sie trotz ihrer Unerfahrenheit als verdeckte Ermittlerin tätig werden soll, ist wirklich wenig wahrscheinlich. Ebenso wenig wahrscheinlich ist, dass sie als vier Jahre jüngeres Mädchen durchgeht (während sie sich übrigens an anderer Stelle ebenso problemlos für sechs Jahre älter ausgibt) und von Evas Freundinnen sofort akzeptiert wird, denn Mädchen in diesem Alter schließen meiner Erfahrung nach nicht so schnell neue Freundschaften. Und dass Lila nach der Schule ständig zusammen mit Danner in der Gegend herumzieht und Leute befragt, scheint mir auch nicht gerade ein effektives Vorgehen zu sein, um die Tarnung aufrechtzuerhalten. Der Fall an sich mit all seine Verwicklungen ist letztendlich etwas konstruiert und nur bedingt glaubwürdig, alles in allem aber trotzdem ganz spannend.
Stilistisch ist das Buch im Zusammenspiel zwischen Erzähltext und wörtlicher Rede bisweilen etwas eigen (um es mal vorsichtig zu formulieren). Immer wieder findet man Konstruktionen wie: »›Sie hat sich allein mit ihm im Keller getroffen!‹, wurde sie dann sofort wieder wütend.«, S. 181, oder: »Sein Blick wurde so kalt, dass mir ein Schauer über den Rücken kroch: ›Wenn du nicht sofort die Biege machst, fliegst du raus, ist das klar?‹«, S. 183. Davon abgesehen ist der Roman aber flüssig, humorvoll und extrem unterhaltsam geschrieben.
Fazit:
10/15 – Ein Buch, das viel Charme hat und gute Unterhaltung bietet, wenn man nicht allzu intensiv über die Handlungs-/Logikmängel nachdenkt.
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Serieninfo:
01 Der 13. Brief (Rezension)
02 Hämatom (Rezension)
Deutscher Titel: Es begann in einer Winternacht
Wallflower-Quartett, Teil 3
Inhalt:
Sebastian, Lord St. Vincent, hat den Ruf eines Frauenhelden – und doch ist er der Einzige, der die scheue Erbin Evangeline vor ihren geldgierigen Verwandten retten kann. Mutig macht sie dem in einer finanziellen Krise steckenden Viscount einen Heiratsantrag. Allerdings unter einer Bedingung: keine erotischen Annäherungen nach der Hochzeitsnacht! Denn niemals will Evangeline zu den Damen gehören, denen der charmante Lord das Herz gebrochen hat. Aber schon auf der winterlichen Reise zur Trauung in Gretna Green sprühen die Funken der Leidenschaft. Als sie einander in der eiskalten Kutsche wärmen, erwacht heißes Begehren …
Kommentar:
Die Leseprobe zu diesem Buch in »It Happened One Autumn« (dt.: Herbstfeuer/Der Earl und die Erbin) war ein extrem wirksamer Teaser – weshalb der Griff zu Band 3 der Wallflower-Serie eine Frage der Zeit war. Das Buch knüpft praktisch unmittelbar an die Ereignisse der Vorgängerbandes an, insofern macht es Sinn, die Bücher nach Möglichkeit in der richtigen Reihenfolge zu lesen; natürlich funktioniert das Buch aber auch für sich genommen, es macht nur nicht ganz so viel Spaß.
Das Buch startet ohne jedes Vorgeplänkel mit Evangeline Heiratsantrag an Viscount St. Vincent, der zwar einigermaßen überrumpelt ist, aber aufgrund seiner finanziellen Lage kaum eine Wahl hat als das Angebot der reichen Erbin anzunehmen. Da Evangelines habgierige Verwandte ihr auf den Fersen sind und die Zeit drängt, besteigen Evie und Sebastian kaum eine Stunde später eine Kutsche nach Gretna Green, um dort ihre Zweckehe zu schließen. Doch schon unterwegs kommen sich die beiden näher, und der Viscount entwickelt eine Fürsorge, die ein Evie ein ungekanntes Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit hervorruft.
Frisch verheiratet zurück in London, quartieren sich Evie und Sebastian im Spielclub von Evies Vater Ivo Jenner ein (an den sich Kleypas-Leser evtl. aus dem Buch »Roulette des Herzens«/»Dreaming of You« erinnern). Während Evie sich aufopferungsvoll um ihren sterbenden Vater kümmert, übernimmt Sebastian direkt das Kommando über den Club, um diesen wieder auf Vordermann zu bringen. Darüber hinaus steht er aber auch Evie in ihrer Trauer bei und unterstützt bzw. beschützt sie, wo er nur kann. Die Umstände schweißen die beiden mehr und mehr zusammen, bis sie sich schließlich trotz aller Ängste zueinander bekennen. Man hat es also mit einem typischen »Vernunfts- wird Liebesehe«-Plot zu tun, der solide umgesetzt ist, sich an einigen Stellen aber doch ein wenig zieht. Für meinen Geschmack gab es zudem zu viele lebensbedrohliche Situationen – zumal ich die Rachegelüste des ehemaligen Angestellten Bullard nicht überzeugend fand. Sehr interessant hingegen war der Blick auf die medizinischen Ansichten und Behandlungsmethoden der damaligen Zeit.
Einmal mehr überzeugend sind die Figuren. Die reiche Evangeline, die von ihren geldgierigen Verwandten misshandelt wird und dazu gezwungen werden soll, ihren Cousin zu heiraten, handelt aus purer Verzweiflung als sie Sebastian die Hochzeit vorschlägt, obwohl sie ihn auf den Tod nicht ausstehen kann. Zunächst hält man sie für eine schwache Person, doch schon bald erweist sie sich als überraschend willensstark, stur, entschlossen und absolut dazu in der Lage, Sebastians Eskapaden mit der nötigen Ruhe zu begegnen. Sie denkt nicht daran, sich weiterhin herumschubsen zu lassen und bietet Sebastian Paroli, wo sie nur kann; gleichzeitig ist sie aber eine sehr liebevolle, fürsorgliche Figur. Sebastian hingegen, der bereits in »Herbstfeuer« eine tragende Rolle gespielt und versucht hat, die Verlobte seines besten Freundes zu entführen, ist eigentlich der ultimative Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos, durch und durch unmoralisch und sehr stolz darauf. Sein ausschweifendes Leben aufzugeben, kommt für ihn nicht in Frage – aber Evie verlangt das ja auch gar nicht von ihm, weshalb die finanziell einträgliche Ehe nur Vorteile für ihn bringt. Womit St. Vincent allerdings nicht rechnet: Dass Evie ungekannte Gefühle in ihm weckt und ihn verändert. Bereits auf der Reise nach Gretna Green beginnt seine Wandlung, die sich in kleinen fürsorglichen Gesten spiegelt und später zu Eifersuchtsanfällen führt. Sein ausgeprägter Beschützerinstinkt und das starke Besitzdenken lassen ihn bisweilen ziemlich herrisch wirken, trüben aber seinen Charakter nicht, zumal Evies Wohl für ihn immer im Vordergrund steht und seine Angst glaubwürdig wirkt.
Die Auftritte der anderen Mauerblümchen sind in diesem Buch leider relativ gering gehalten, der grandiose Lord Westcliff spielt aber eine größere Rolle und ist gewohnt hinreißend. Überdies wird in diesem Buch Cam Rohan eingeführt, der Halbblut-Roma und künftige Protagonist dem Buch »Mine Till Midnight«. Er ist das Faktotum in Jenners Spielclub und Auslöser für die eine oder andere Eifersuchtsszene; außerdem küsst er Mauerblümchen Nummer 4, Daisy Bowman. Mich würde brennen interessieren, ob es Kleypas‘ ursprünglicher Plan war, Daisy und Cam im letzten Band der Serie zusammenzubringen, bevor sie sich entschlossen hat, mit dem Roma die neue Hathaway-Serie zu starten. So oder so: Es ist wirklich grandios, wie elegant Kleypas ihre Bücher miteinander verknüpft!
Fazit:
12/15 – Erneut ein richtig guter Roman aus der Feder von Lisa Kleypas, von dem ich mir allerdings aufgrund des überragenden Anfangs noch mehr versprochen hatte; zwischenzeitlich wirkte die Geschichte etwas überladen und zäh.
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Serieninfo:
01 Secrets of a Summer Night | Geheimnisse einer Sommernacht
02 It Happened One Autumn | Herbstfeuer (Cora)/Der Earl und die Erbin (Mira) (Rezension)
03 The Devil in Winter | Es begann in einer Winternacht (Rezension)
04 Scandal in Spring | Frühlingsküsse
05 A Wallflower Christmas
Außerdem gibt es Verbindungen zur Hathaway-Serie und dem Einzeltitel »Again the Magic« (dt. »Und ewig brennt das Feuer«).
Originaltitel: Shakespeare’s Landlord
1. Teil der Lily-Bard-Serie

Inhalt:
Lily ist 31 Jahre alt wohnt im kleinen, scheinbar harmlosen Ort Shakespeare in Amerikas verschlafenem Süden und verdient ihr Geld mit Putzen. Ihr Hobby ist Karate. Sie ist Einzelgängerin und achtet streng auf ihre Unabhängigkeit. Denn sie hat große Angst davor, dass irgend jemand die Geheimnisse ihrer Vergangenheit entdeckt.
Kommentar:
»Tod in Shakespeare« ist der erste Band der fünfteiligen Lily-Bard-Serie – und der einzige, der hierzulande übersetzt wurde. Da das Buch bereits 2004 erschienen ist, gehe ich auch nicht davon aus, dass noch was nachkommt; möglicherweise ist die Serie hinter den Verkaufserwartungen zurückgeblieben, was mich aufgrund des nichtssagenden Klappentextes nicht wirklich wundern würde.
Lily Bard lebt seit einigen Jahren zurückgezogen im Südstaatennest Shakespeare, wo sie trotz eines Collegeabschlusses als Putzfrau arbeitet. Als sie eines Nachts auf einem ihrer Spaziergänge beobachtet, wie die Leiche des Hausverwalters entsorgt wird, gerät sie in eine Zwickmühle: Soll sie den Toten einfach im Park liegen lassen oder das Verbrechen melden und damit riskieren, dass die Polizei in ihrem Privatleben herumwühlt, das sie bislang so sorgfältig geschützt hat? Sie entscheidet sich für einen anonymen Anruf, befindet sich damit aber dennoch im Visier des Polizisten Claude Friedrich, der ahnt, dass Lily es war, die ihn alarmiert hat. In der Folge wird sie nicht nur mit ihrer schlimmen Vergangenheit konfrontiert, sondern sie gerät außerdem von einer bedrohlichen Situation in die nächste. Das hindert sie aber nicht daran, ihre eigenen Nachforschungen darüber anzustellen, wer den Hausverwalter auf dem Gewissen hat.
»Tod in Shakespeare« ist trotz des Titels eigentlich nicht wirklich ein Krimi: Der Mord ist nur von untergeordneter Bedeutung und seine Aufklärung läuft eher nebenbei ab; dennoch ist der Fall solide und plausibel. Im Zentrum des Buches steht die Vergangenheitsbewältigung der Zynikerin Lily, die sich mit Putzjobs finanziell über Wasser hält und versucht, ihre Ängste durch Fitness- und Karatetraining in den Griff zu kriegen. Sie ist eine manchmal distanziert wirkende und ziemlich komplexe, aber sehr interessante Figur, die in diesem Band der Serie ihre ersten Schritte in ein neues, freieres Leben macht.
Man lernt aber nicht nur Lily kennen, sondern auch zahlreiche ihrer Kunden. Die Ausarbeitung der Kleinstadtszenerie mit ihren teils etwas merkwürdigen Bewohnern und deren Beziehungen untereinander ist wesentlicher Bestandteil der Geschichte, weshalb die Handlung sich manchmal etwas zieht. Das Buch erweckt den Eindruck eines typischen Einführungsbandes einer durchkonzipierten Serie, für die hier erst mal die Grundvoraussetzungen geschaffen werden müssen – notwendig, aber zum Teil ein wenig zäh. Hinzu kommt, dass die Informationsflut bisweilen schwer zu überschauen ist und die Vielzahl der Personen schwer auseinanderzuhalten sind; das gibt sich aber im Laufe der Zeit.
Fazit:
10/15 – Trotz einiger Abstriche ein gutes Buch, das vor allem von seiner tragischen Heldin lebt.
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Serieninfo:
01 Shakespeare’s Landlord | Tod in Shakespeare
02 Shakespeare’s Champion
03 Shakespeare’s Christmas
04 Shakespeare’s Trollop
05 Shakespeare’s Counselor
Originaltitel: Hex Hall
Hex Hall, Teil 1

Inhalt:
Sophie Mercer ist eine Hexe. Doch die Sache mit der Magie klappt noch nicht so richtig. Als sie einer Mitschülerin helfen will, endet dies mit derart katastrophalen Folgen, dass ihre Mutter sie an die Hecate Hall schickt, ein Internat für junge Hexen, Gestaltwandler und Feen. Dort teilt sich Sophie ein Zimmer mit der einzigen Vampirin der Schule. Bald nach ihrer Ankunft versucht ein Trio dunkler Hexen, sie für ihren Zirkel zu gewinnen. Und Sophie verliebt sich Hals über Kopf in den traumhaft gut aussehenden Hexer Archer – den Herzensbrecher von Hecate Hall. Da werden auf dem Campus einige Hexen angegriffen, und der Verdacht fällt auf Sophies Zimmergenossin.
Kommentar:
Ich weiß gar nicht wirklich, was ich von diesem Buch erwartet hatte – eigentlich nicht viel. Ich fand einfach, dass der Klappentext ganz nett klingt, und hatte Lust auf eine Internatsgeschichte mit Hexen. Spätestens der Blick auf die Cover der amerikanischen Ausgaben offenbart (s. auch Anmerkung hier), dass es sich bei »Wilder Zauber« weniger um ein Erwachsenenbuch, denn um einen Young-Adult– oder All-Age-Roman handelt. Der Lyx-Verlag kaschiert die Tatsache mit der für seine Romantic-Fantasy-Bücher typischen Umschlaggestaltung, die den Buchinhalt leider nicht besonders gut transportiert: »Wilder Zauber« ist nämlich nicht wirklich ein Liebesroman, sondern vielmehr ein Urban-Fantasy-Teenie-Abenteuer.
Der Geschichte ist schnell erzählt: Nach einem verunglückten Liebeszauber – nicht ihr erstes Missgeschick dieser Art –, landet Sophie im Internat Hecate Hall, genannt Hex Hall, wo Jugendliche mit übernatürlichen Kräften untergebracht werden, die mehrfach durch Verfehlungen auffällig geworden sind. Sophie, die in der Welt der Menschen aufgewachsen ist, sieht sich erstmals mit anderen Hexen und Zauberern, Gestaltwandlern, Elfen und sogar einer Vampirin konfrontiert, die auch noch ausgerechnet ihre Zimmergenossin wird. Trotz anfänglicher Vorbehalte freundet sie sich schnell mit Jenna an, darüber hinaus ist sie aber eher eine Außenseiterin, zumal sie den Eintritt in einen dunklen Hexenzirkel ablehnt. Als zwei der Mitglieder dieses Hexenzirkels Attentaten zum Opfer fallen und ausgesaugt werden, gerät Jenna unter Verdacht und wird schließlich von der Schule geschickt. Sophie allerdings glaubt an ihre Unschuld und deckt schließlich auf, was wirklich geschehen ist.
Die Handlung ist nicht besonders originell oder komplex, aber schlüssig und vor allem außerst unterhaltsam. Obwohl man es hier mit dem ersten Band einer Serie zu tun hat, bei dem nun mal einige Zeit darauf verwendet werden muss, die magische Welt vorzustellen, wird die Autorin niemals ausufernd oder verliert sich in seitenlangen, langwierigen Erklärungen. Sie bindet die notwendigen Informationen elegant in die Handlung ein und verknüpft sie immer mit dem aktuellen Geschehen und Sophies Entwicklung, die eigentlich im Zentrum der Geschichte steht.
Die Tochter eines Zauberers ist bei ihrer menschlichen Mutter aufgewachsen, weshalb Sophie das eine oder andere Defizit in Sachen Magie hat, als sie ins Internat kommt. Über ihren Vater, den sie nie persönlich kennengelernt hat, weiß sie so gut wie nichts; erst in Hex Hall erfährt sie, wer er wirklich ist und was es mit ihrer Familie auf sich hat. Ihre Stellung unter den Mitschülern ist vor allem wegen ihres Vaters nicht einfach, doch darauf reagiert sie relativ gelassen und erfreulich wenig selbstmitleidig. Sie ist einfach eine wunderbare Heldin: intelligent, loyal, schlagfertig und wirklich witzig – wenn ihr nicht gerade mal wieder der attraktive Archer die Sprache verschlägt, in den sie sich Hals über Kopf verliebt, obwohl sie ihn eigentlich gar nicht leiden kann.
Aber nicht nur Sophie ist eine herrliche, liebenswerte Heldin, sondern auch die Nebenfiguren sind gut gelungen. Das gilt ganz besonders für Zimmergenossen Jenna mit ihrer Vorliebe für Frauen, Mangas und die Farbe Pink, die es als einzige Vampirin der Schule alles andere als leicht hat, sowie für Sophies Schwarm Archer, der zunächst ziemlich oberflächlich und arrogant erscheint, in dem aber letztendlich weit mehr steckt als angenommen. Darüber hinaus überzeugen auch die Figuren mit kleinerem Handlungsanteil – von den drei furchtbaren, durchtriebenen Schnepfen des Hexenzirkels über die arroganten Elfen und die unter Kontrollverlust leidenden Gestaltwandler bis hin zu den Lehrern, unter denen übrigens auch der vampirische Lord Byron sein Unwesen treibt.
Was das Buch für mich aus der Masse heraushebt, ist der Humor, der genau auf meiner Wellenlänge liegt, weil er ziemlich trocken ist, mit vielen Anspielungen arbeitet und nie in die Slapstick-Ecke abgleitet. In diesem Zusammenhang gebührt das Lob auch der Übersetzerin Michaela Link, die den deutschen Text mit treffsicheren Formulierungen bereichert hat. Ein ganz gutes Bild von Stil und Humor kann man sich anhand der Leseprobe auf der Seite vom Lyx-Verlag oder (schneller) anhand des folgenden Zitats machen, das mich zu einem breiten Grinsen veranlasst hat:
»Es gibt eine Vereinigung, die sich die Allianz nennt«, sagte sie [die Schulvorsteherin] und klang beinahe gelangweilt, als sie auf eine Gruppe nichtssagender Männer und Frauen in Anzügen und Kostümen deutete. Ich fand ihren Ton reichlich geringschätzig für eine Frau, die für einen Rat namens der Rat arbeitete. (S. 77)
Fazit:
14/15 – Ein überzeugender Serienauftakt mit einer tollen Protagonistin und viel Humor – leichte Unterhaltung par excellence. Ich freu mich sehr auf weitere Abenteuer von Sophie; wäre der zweite Band auf Englisch schon raus, hätte ich ihn direkt nach dem Lesen von Band 1 bestellt.
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Serieninfo:
01 Hex Hall | Wilder Zauber
02 Demonglass (März 2011) | Dunkle Magie (März 2011)
03 Raising Demons (April 2011)
Inhalt:
Eine unwirkliche Stille liegt über Whisper, dem alten Haus, drückend und gefährlich. Als Noa es das erste Mal betritt, ist sie gleichermaßen ergriffen von Furcht und neugieriger Erwartung. Doch niemand außer ihr scheint zu spüren, dass das alte Gebäude ein lang gehütetes Geheimnis birgt …
Kommentar:
Nachdem ich im Herbst letzten Jahres so begeistert von »Lucian« war, hab ich mir direkt auch »Whisper« besorgt, das 2006 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war und dessen Beschreibung mich sehr angesprochen hat. Wie es halt so geht, stand das Buch trotzdem eine ganze Weile im Regal; jetzt hab ichs aber endlich wieder hervorgekramt – dank des SuB-Losverfahrens.
Im Zentrum der Geschichte steht die 18-Jährige Noa aus Berlin, die mit ihrer Mutter Kat, einer berühmten Schauspielerin, und deren schwulem Freund Gilbert den Sommer in einem Haus auf dem Land verbringt. Sofort bemerkt das Mädchen die unheimliche Atmosphäre in dem alten Gemäuer; sie fühlt sich beobachtet und nimmt immer wieder einen fremden Duft wahr. Als eines Abends beim Gläserrücken der Geist eines toten Mädchens namens Eliza erscheint, das behauptet, in dem alten Bauernhaus ermordet worden zu sein, hat Noa keine Zweifel, dass die Erscheinung echt ist. Gemeinsam mit David, einem Jungen aus dem Dorf, macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder, stößt bei den Dorfbewohnern aber auf eine Mauer des Schweigens. Angetrieben von Elizas Erscheinungen geben sie aber dennoch nicht auf, und decken schließlich lang gehütete Geheimnisse auf.
»Whisper« ist eigentlich eine ganz klassische Grusel- bzw. Geistergeschichte, die das altbekannte Motiv aufgreift, dass der Geist eines Ermordeten so lange am Tatort gefangen ist, bis der Mörder gefasst wird. Das Buch startet entsprechend schaurig, doch die Gänsehautstimmung verliert sich im Laufe der Handlung zwischen der Liebesgeschichte zwischen Noa und David, dem ewig schwelenden Mutter-Tochter-Konflikt, der Emanzipation bzw. Selbstfindung Noas und der wenig planvollen Mördersuche. Hinsichtlich der Mordaufklärung bleiben einige Fragen offen, zum Beispiel die nach dem Grund für die extreme Handlungsweise des Mörders früher. Auch erschießt sich nicht, warum die vorgestellten Dorfbewohner so verschlossen sind und so handeln und reagieren, wie sie es tun; ein paar Seiten mehr, um die Nebenfiguren und die Konstellationen zwischen ihnen besser beleuchten zu können, hätten dem Buch wahrscheinlich gut getan. Ingesamt konnte mich die Handlung nicht recht fesseln, ich musste mich phasenweise wirklich zum Weiterlesen zwingen bzw. konnte mich nicht zum Weiterlesen durchringen; es kam einfach keine Spannung auf.
Obwohl den meisten Nebenfiguren aber eine gewisse Tiefe fehlt, sind sie grundsätzlich ganz interessant angelegt – wenn auch nicht zwingend sympathisch. Letzteres gilt insbesondere für Noas exzentrische Mutter Kat, die – bis auf wenige Ausnahmen – durchgehend unerträglich ist (das scheinen Mütter in Abedis Bücher gemeinsam zu haben). Ehrlich gesagt erschien mir die Figur überdies nur bedingt glaubwürdig, weil sie viel zu extrem und klischeebeladen ist. Nicht alle Schauspieler sind Exzentriker und lieben es, sich in Ruhm, Bewunderung und Berühmtheit zu sonnen; im Gegenteil: Die echten Größen (und eine solche scheint Kat ja zu sein) haben das gar nicht nötig. Wie es kommt, dass der parapsychologisch interessierte schwule Gilbert, offensichtlich Vaterfigur für Noa und Kat, weil er so wunderbar besonnen, unaufgeregt und verlässlich ist, mit dieser Frau befreundet ist, erschließt sich nicht.
Noa und David, die Hauptfiguren, sind hingegen gut gelungen. Noa ist ganz sympathisch, wenngleich relativ introvertiert und bisweilen etwas zickig. Ihr Charakter ist deutlich geprägt von der dominanten Mutter, die nie für sie da war, und einem Erlebnis mit einem Jungen, das ihr nicht gerade Vertrauen ins männliche Geschlecht gegeben hat. Dass sie sich dennoch in den ruhigen, manchmal etwas verschlossenen und aggressiv auf persönliche Fragen reagierenden David verliebt, der sich so aufopferungsvoll um seinen Familie und seinen behinderten Bruder kümmert, passt. Der Verlauf ihrer Beziehung, Noas langsame Öffnung, ist wirklich sehr gefühlvoll und glaubwürdig dargestellt.
Den einzelnen Kapiteln sind Tagebucheinträge von Eliza vorangestellt, dem ermordeten Mädchen. Sie sind raffiniert verwoben mit der aktuellen Handlung und zeigen dem Leser Parallelen zwischen den Vorkommnissen und Menschen damals und heute. Außerdem werfen sie nicht gerade ein positives Licht auf die Tote, die nicht nur Opfer ist. Obwohl man sich ihre Handlungsmotivation zusammenreimen kann, erweist sie sich letztendlich als durchtriebene, neiderfüllte, rücksichtslose Person.
Wie schon bei »Lucian« kam mir die Sprache der Personen an einigen Stellen nicht sehr authentisch vor. Verspotten sich Jugendliche wirklich mit Feststellungen wie »ganz schön mager, das Hühnchen« oder sagen sie Dinge wie »Holla, die Waldfee?«? Ich wage es zu bezweifeln, ebenso wie ich bezweifle, dass sich Erwachsene mittleren Alters Ausdrücken wie »Mein lieber Herr Gesangsverein« oder »Mein lieber Scholli« bedienen. Davon abgesehen hat Abedi aber gefühlvollen, aber klaren Erzählstil, der nicht überladen ist und sich flüssig lesen lässt.
Fazit:
9/15 – Eine ganz nette Geschichte, der es aber ein wenig an Spannung, Tiefe und für ein Buch dieses Genres auch am Gruselfaktor magelt.
Originaltitel: Welcome to Temptation

Inhalt:
Von Ruhe auf dem Lande kann keine Rede sein: Als die Schwestern Sophie und Amy Dempsey einen Kurzfilm in dem verschlafenen Nest Temptation in Ohio drehen wollen, wirbeln sie viel Staub auf. Die wohlanständigen Bewohner hegen abenteuerliche Vermutungen, was das Thema des Films anbelangt, und sehen die Moral der Gemeinde gefährdet. Als sich der Bürgermeister Phineas Tucker in Sophie verliebt, scheint der Skandal perfekt. Und dann wird auch noch eine Leiche gefunden …
Kommentar:
Susi ist schuld, dass ich mich mit diesem Buch rumgequält habe – ich hab auf ihren Sommerlektürentipp gehört! Aber gut, vielleicht ist das die ausgleichende Gerechtigkeit dafür, dass ich ihr »Kiss the Cook« von Jacquie D’Alessandro und einen neuen Versuch mit Lisa Kleypas aufgequatscht habe; beides ein Schlag ins Wasser für sie! ;)
Das Ärgernis fängt schon mit Titel und Cover an. Normalerweise bin ich als Nackenbeißer-Leserin diesbezüglich ja ziemlich hart im Nehmen und greif das Thema gar nicht mehr auf, aber hier möchte ich doch mal die Frage in den Raum stellen, was sich der Verlag wohl dabei gedacht hat, das Buch »Die Naschkatzen« zu nennen und prominent Kirschen aufs Cover packen? Kirschen kommen immerhin in Form einer bedruckten Küchentapete vor, wobei sich nur leider im Laufe der Zeit herausstellt, dass die Kirschen gar keine Kirschen, sondern verunglückte Äpfel sind. Von Naschkatzen ist hingegen weit und breit nichts zu sehen, weder in zwei- noch in vierbeiniger Gestalt, und Essen spielt nicht mal eine untergeordnete Rolle in diesem Buch. Warum also überträgt man nicht einfach den Originaltitel ins Deutsche und nennt das Buch »Willkommen in Temptation«? Ein hübsches Ortsschild dazu, evtl. ein bisschen Landschaft – fertig ist die Sache. Das wäre sicher nicht übermäßig originell, aber immerhin auch nicht völlig daneben.
Nun aber zu den wirklich wesentlichen Dingen, zunächst zur Handlung. Erwartet hatte ich eigentlich ein lustiges, vielleicht skurriles Buch, gekriegt hab ich gähnende Langeweile. Die Geschichte ist ein Mischmasch aus unterschiedlichsten Themen, als da wären: die schwierige Familiensituation der Geschwister Dempsey, die unerquickliche Mutter-Sohn-Beziehung zwischen Bürgermeister Phineas und seiner Mutter Liz, die bürgerliche Spießigkeit und Prüderie sowie der Kampf ums Bürgermeisteramt in einer amerikanischen Kleinstadt, eine Mordaufklärung und natürlich die Beziehung zwischen Sophie und Phineas. Mit einem Wort: Die Handlung ist heillos überladen. Dennoch hätte man wohl was daraus machen können; gerade die spießbürgerlichen Einwohner hätten jede Menge Angriffspunkte liefern können, um einen netten Rahmen für eine schöne Liebesgeschichte zu bilden. Stattdessen bietet uns die Autorin jede Menge Unsinnigkeiten, schreckliche Sexszenen und ausnahmslos furchtbare, nervige Figuren.
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Inhalt:
Das kann keiner trennen: Fußball und Musik gehören zusammen wie Schwalbe und Elfmeter. Gunnar Leue ist den schrägsten Begebenheiten zwischen Stadion und Studio auf der Spur: In welchem deutschen Verein ist Robbie Williams Mitglied? Woran scheiterte Bob Dylans WM-Auftritt? Und wem sponserten »Die Ärzte« ein Klo? In diesem außergewöhnlichen Buch gibt Gunnar Leue die überraschenden Antworten und erzählt viele andere unterhaltsame Fußballpopgeschichten.
Kommentar:
Alle (zwei) Jahre wieder wird der gesamte Handel anlässlich der großen Fußballevents mit zahlreichen Fanartikeln zum Thema überschwemmt – der Buchmarkt bildet da keine Ausnahme. Passend zur WM in Südafrika ist im Mai diesen Jahres auch das Buchdebüt des freien Journalisten Gunnar Leue erschienen, der u.a. für die taz und das 11-Freunde-Magazin schreibt.
Nach einem kurzen historischer Abriss, der in groben Zügen die zunehmende Verquickung von Sport und Musik in aller Herren Länder aufzeigt, erzählt und kommentiert Leue in meist nur ein bis zwei Seiten langen, thematisch zusammengestellten Abschnitten unterschiedlichste Geschichten aus der Fußballwelt, die irgendwie mit Musik und Rockstars zu tun haben – mal lustig, mal skurril, oft aber auch einfach unfassbar. Die Themen reichen von mehr oder weniger pikaten (Sex-)Affären, die auch nur im Entferntesten im Zusammenhang mit Musik und Fußballevent stehen, über Nationalhymnen bis hin zur Rolle der Musik im Stadion im Allgemeinen und der Fangesänge im Speziellen. Lieder über Fußballer, Fußball und Vereine sowie Fußballspieler am Mikrofon – von denen es ja eine Menge gibt – bilden einen weiteren großen Komplex; daneben gibt es Abschnitte über Musiker als Supporter der Vereine, Fußballer als Partypioniere, Fußballpop in Funk und Fernsehen und denkwürdige Zusammentreffen zwischen Fußballern und Musikern.
Viele der präsentierten Geschichten kennt man zumindest im Ansatz, wenn man sich für Fußball interessiert, es gibt aber ebenso viel Neues zu erfahren. Ich weiß jetzt beispielsweise, dass Lotto King Karl nur deshalb noch (Kult-)Stadionsprecher des HSV ist, weil die Fans im Falle seines Rauswurfs mit Stadionboykott gedroht haben, dass die Gema wahnwitzig viel Geld mit Fußballevents verdient, dass Beckenbauer in den 1970er-Jahren ein Techtelmechtel mit Heidi Brühl hatte und von Balletttänzer Nurejew angegraben wurde, dass David Beckham einen schlechten Musikgeschmack hat und dass Wayne Rooney zu hohl ist, um sich den Text der englischen Nationalhymne zu merken (nicht, dass es mich überrascht hätte). Außerdem dürfen natürlich Vorkommnisse wie Sarah Connors denkwürdiger Nationalhymnenaussetzer (»Brüh im Lichte dieses Glückes«) in diesem Buch nicht fehlen; man erfährt aber auch von anderen ähnlichen Fehltritten, die für die Künstler wohl ebenso peinlich waren – etwa ein Buchstabendreher bei der Intonation der kroatischen Nationalhymne, der aus der Zeile »Du weißt, mein Liebling, wie wir deine Berge lieben« den nicht minder schwärmerischen Satz »Meine Liebe, dein Penis ist ein Berg« entstehen ließ und die amüsierte kroatische Nationalmannschaft zu Höchstleistungen anspornte.
Leues Fußballpopgeschichte ist ziemlich umfassend, phasenweise aber fast ein wenig zu ausufernd: Viele der vorgestellten Begebenheiten geben einfach nicht viel her und hätten in ein, zwei Sätzen abgehandelt werden können, werden aber zu deutlich längeren Abschnitten aufgeblasen, sodass an einigen Stellen Langeweile droht. Dennoch ist das Buch, das sehr gut recherchiert und fundiert wirkt, für Fußball- und Popinteressierte alles in allem unterhaltsam und nett zu lesen – dafür sorgen nicht zuletzt die wunderbar trockenen Kommentare des Autors, die zum Teil wesentlich witziger sind als die Fakten an sich.
OT: Midnight Moon
Nightcreature-Serie, Teil 5

Inhalt:
Cassandra ist die Inhaberin eines Voodoogeschäfts in New Orleans. Im Auftrag einer Geheimgesellschaft reist sie nach Haiti, um die Wahrheit über einen alten Fluch herauszufinden. Der Glücksjäger Devon Murphy erklärt sich bereit, Cassandra auf ihrer Reise zu begleiten, doch sein sinnlicher Charme beschwört ganz unerwartete Gefahren herauf …
Kommentar:
Teil 5 der Nightcreature-Serie fällt im Vergleich zu den anderen Büchern ziemlich aus dem Rahmen, diesmal geht es nämlich nicht um Werwölfe, sondern um Voodoo, Zombies und andere Gestaltwandler; im Vergleich zu den Vorgängern spielt außerdem die Liebesgeschichte nur eine untergeordnete Rolle. Mangelnde Flexibilität und Abwechslungsfreude kann man Lori Handeland nicht vorwerfen; Leser, die auf Altbewährtes hoffen, könnten hingegen eine Enttäuschung erleben. Zur Verteidigung der Autorin soll nicht unerwähnt bleiben, dass der Reihentitel im Original nichts mit Werwölfen zu tun hat, sondern Nightcreature-Serie heißt, und dass statt dem Wolf (Wolfbann, Wolfsblut etc.) der Mond (Blue Moon, Dark Moon usw.) titelgebend für die einzelnen Bände ist.
Protagonistin Cassandra, eine Voodoo-Priesterin mit geheimnisumwitterter Vergangenheit, ist bereits aus »Wolfsfieber« (Band 4) bekannt. Sie erhält vom Monsterjäger Edward Mandenauer den Auftrag, nach Haiti zu reisen und dort herauszufinden, wie man eine vor Jahrhunderten verstorbene Voodoo-Priesterin zum Leben erwecken kann, damit diese einen einst ausgesprochenen Fluch aufhebt. In Haiti angekommen, lernt Cassandra den ebenso gutaussehenden wie undurchsichtigen Devon Murphy kennen, der sich bereit erklärt, sie in die Berge zu bringen, wo ein Mann leben soll, der Antworten auf ihre Fragen hat. Gemeinsam begeben sie sich auf eine abenteuerliche Reise, die jede Menge ungeahnte Gefahren birgt. Magische Bewährungsproben müssen überstanden und Angriffe von Zombies und anderen seltsamen Kreaturen abgewehrt werden, bevor Cassandra nach New Orleans zurückkehren kann. Doch dort bessert sich ihre Situation nicht: Sie wird von verstörenden Träumen (die für den einen oder anderen Leser vielleicht grenzwertig sein dürften) und einem Menschen heimgesucht, der noch eine Rechnung mit ihr offen hat und sie für seine eigenen Zwecke einspannen will.
Cassandra und Murphy haben also allerhand zu überstehen und müssen nebenbei auch noch gegen die gegenseitige sexuelle Anziehungskraft kämpfen – erfolglos, versteht sich, auch wenn man das Prickeln zwischen den beiden als Leser nicht recht nachvollziehen kann. Wie es genau dazu kommt, dass die beiden schließlich übereinander herfallen, obwohl Murphy so dehydriert ist, dass er kaum noch laufen kann, ist auch nicht so ganz ersichtlich. Das passt aber zur ganzen Liebesgeschichte zwischen den beiden, die völlig im Voodoo-Plot untergeht, am Ende überstürzt wirkt und deshalb für meine Begriffe nicht wirklich gelungen ist.
Das hängt sicher zu einem nicht unwesentlichen Teil mit den Figuren zusammen. Devon Murphy wird als gutaussehend und sexy beschrieben (was sonst!), ist darüber hinaus aber eine farblose, undurchsichtige und nicht wirklich gut ausgearbeitete Figur; sein Hintergrund bleibt ebenso im Dunklen wie seine tiefere Handlungsmotivation. Cassandra auf der anderen Seite fällt zunächst in erster Linie durch ihren Fanatismus auf, die Voodoo-Priesterin hat nämlich ihre ganz eigenen Motive, sich für die Erweckung von Toten zu interessieren: Sie möchte ihre verstorbene Tochter ins Leben zurückholen. Vor allem zu Beginn des Buches ist sie geradezu besessen von diesem Gedanken, und für ihr Ziel nimmt sie jedes Risiko in Kauf. Im Verlauf des Buches erfährt man einiges über ihre Vergangenheit und Voodoo-Fähigkeiten, dennoch bleibt auch sie blass und ist wenig sympathisch.
Alles in allem ist das Buch weniger ein Liebes- als ein Abenteuerroman, in dem man Einblicke in den Voodoo-Kult erhält. Obwohl die Religion der Geschichte einen interessanten Aspekt verleiht, und Cassandra und Murphy ständig um Leib und Leben fürchten müssen, zieht sich die Handlung zunächst ein wenig; zurück in New Orleans wird dann das Tempo allerdings mächtig angezogen, und das Buch endet fast ein wenig zu schnell. Für Freunde der anderen Jägersucher sei erwähnt, dass die Geheimorganisation diesmal ziemlich im Hintergrund bleibt. Ganz ohne einen Auftritt des tyrannischen Oberdespoten Edward Mandenauer kann es aber natürlich nicht abgehen, weshalb er auch diesmal ohne Rücksicht auf Verluste in der Gegend rumballern darf.
Fazit:
9/15 – Kein Highlight der Serie, aber dennoch – vor allem im Vergleich zu vielen anderen Büchern dieses Genres – ganz gute Unterhaltung.
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Serieninfo:
01 Blue Moon | Wolfskuss
02 Hunter’s Moon | Wolfsgesang
03 Dark Moon | Wolfsglut (Rezension)
04 Crescent Moon | Wolfsfieber (Rezension)
05 Midnight Moon | Wolfsbann (Rezension)
06 Rising Moon | Wolfspfade
07 Hidden Moon
08 Thunder Moon
Deutscher Titel: Herbstfeuer (Cora Historical Gold) / Der Earl und die Erbin (Mira)
Wallflower-Quartett, Teil 2
Inhalt:
Die hübsche amerikanische Erbin Lillian Bowman soll auf Wunsch ihrer Mutter einen englischen Adligen heiraten. Doch mit ihrer direkten Art eckt sie in der vornehmen Gesellschaft Londons immer wieder an. Auch der begehrte Junggeselle Marcus Marsden, Earl of Wesden, mokiert sich nur zu gern über ihre Fauxpas. Lilian sprüht Funken vor Wut! Bis Marcus sie an einem sonnigen Herbsttag auf seinem Landsitz unvermittelt in die Arme reißt und küsst und ungeahnte Leidenschaft sie durchströmt. Ist es nur ein Strohfeuer oder der Beginn einer großen Liebe?
Kommentar:
Haaaaach … was isses schön! Der erste Band der Wallflowers-Serie gefiel mir wegen der reichlich arroganten, adelsfixierten Protagonistin, die ihr Glück mit Füßen getreten hat, nicht so besonders, weswegen ich eine längere Wallflower-Pause eingelegt habe. Ein Fehler, wie sich jetzt herausgestellt hat, denn Band 2 ist ein richtig tolles Buch, das allerbeste Unterhaltung für Liebesromanfans bietet.
Obwohl der Plot ein Klassiker und bereits gefühlte hunderttausend Mal dagewesen ist, macht Lisa Kleypas eine wunderschöne Geschichte daraus. Zwar gibt es (wie in praktisch allen Romanen dieses Genres) einige Unwahrscheinlichkeiten, das Ende ist ziemlich dick aufgetragen und für meinen Geschmack unnötig dramatisch, davon abgesehen bietet das Buch aber allerbeste humorvolle Unterhaltung mit einer Vielzahl amüsanter Dialoge und einer Liebe, die keine Standesgrenzen kennt. Und das, obwohl die reiche Amerikanerin Lilian Bowman mitnichten die passende Braut für Marcus ist.
Marcus ist nämlich der wohlerzogene Spross einer der ältesten Adelsfamilie des Landes, und sollte er je heiraten, muss seine Braut unbedingt standesgemäß sein. Lilian ist alles andere als das: Sie ist ungehobelt und hasst die strikten, überflüssigen gesellschaftlichen Konventionen der Engländer. Folgerichtig hält sie Marcus auch für einen verknöcherte, langweiligen, arroganten Adligen, während er sie wegen ihres unangemessenen Verhaltens zunächst verachtet. Zahlreiche Streitgespräche und beißender Spott bleiben angesichts dieser Konstellation nicht aus, dennoch fühlen sich die beiden unwiderstehlich zueinander hingezogen, als sie einander näher kennenlernen. Nach und nach erkennen sie die guten Seiten des anderen und revidieren ihre vorgefertigten Meinungen – was richtig glaubwürdig dargestellt wird.
Nicht nur die Hauptfiguren überzeugen auf ganzer Linie, sondern auch sämtliche Nebenfiguren. Da Kleypas wie kaum ein anderer Autor auf einen echten Seriencharakter setzt, bindet sie sowohl die Handlung als auch die Figuren früherer (und folgender) Bände ein, sodass man viele alte Bekannte wiedertrifft – etwa die anderen Mauerblümchen oder den skandalumwitterten St. Vincent, der im nächsten Band die Hauptrolle spielen wird. Trotz der Verbindungen zwischen den Büchern kann man sie übrigens problemlos unabhängig voneinander lesen, denn die Zusammenhänge werden kurz erklärt, wo das nötig ist.
Fazit:
14/15 – Allerbeste humorvolle Liebesromanunterhaltung, die nicht mit einer innovativen Geschichte, aber mit wunderbaren Figuren und viel Humor überzeugt. Ein Cliffhanger, der St. Vincent betrifft, macht zusätzlich richtig Lust auf Band 3 der Serie.
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Serieninfo:
01 Secrets of a Summer Night | Geheimnisse einer Sommernacht
02 It Happened One Autumn | Herbstfeuer (Cora)/Der Earl und die Erbin (Mira)
03 The Devil in Winter | Es begann in einer Winternacht
04 Scandal in Spring | Frühlingsküsse
05 A Wallflower Christmas (Novella)
Außerdem gibt es Verbindungen zur Hathaway-Serie und dem Einzeltitel »Again the Magic« (dt. »Und ewig brennt das Feuer«).
Originaltitel: The Child Thief

Inhalt:
Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die dunklen Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die in einer aussichtslosen Situation nicht mehr weiterwissen. Peter rettet sie … und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch Peter verrät ihnen nicht, dass dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …
Kommentar:
»Der Kinderdieb« ist eines dieser Bücher, die einem überall begegnen und die alle toll finden – andernfalls hätte ich mich nie dafür entschieden, es als Hardcover zu kaufen. Vielleicht sollte ich endlich mal lernen, mich auf mein Gefühl zu verlassen, statt mich von der allgemeinen Begeisterung für Bücher anstecken zu lassen, deren Klappentext mich eigentlich gar nicht so besonders anspricht.
Ich wollte Broms Peter-Pan-Version wirklich mögen, aber es ist mir beim besten Willen nicht gelungen. Daher mach ichs kurz: »Der Kinderdieb« ist ein beeindruckendes Fantasybuch, das einerseits eine Vielzahl von mehr oder weniger bekannten Mythen in sich vereint und andererseits mit tollen neuen Ideen und Gestalten angereichet wurde. Für meinen Geschmack wurde aber zu wenig aus den Ideen gemacht, denn eigentlich jagt im Wesentlichen ein Scharmützel bzw. ein Gefecht das nächste. Es geht um Abhängigkeit, Macht und Unterdrückung, gepaart mit psychischer wie physischer Gewalt zwischen allen Altersschichten. Ganz bestimmt kann man die Handlung auf eine sinnbildliche Ebene heben und jede Menge Gesellschaftskritik darin entdecken, in erster Linie ist der Stoff aber einfach nur düster, extrem gewalttätig und bietet trotz kleiner Lichtblicke kaum Hoffnung.
Die Figuren sind fast alle negativ angelegt; die einzige bemerkenswerte Ausnahme ist Nick, der von Peter zu Beginn des Buches gerettet und durch die Nebel gebracht wird. Zwar nagt auch an ihm immer wieder die Finsternis, er bewahrt aber über weite Strecken seine Menschlichkeit. Dennoch ist auch er keine Figur, mit der ich hätte mitfiebern können – was wohl auch gut so ist, denn sonst hätte mich der Ausgang der Geschichte in noch tiefere Frustration gestürzt. Peter selbst ist … tja, ein Kinderdieb eben. Er lockt unter Vorspiegelung falscher Tatsachen verzweifelte Kinder aus der realen Welt nach Avalon, das leider auch kein besseres Leben bietet. Bis zum Schluss ist er eine durch und durch skrupellose Gestalt, worüber auch die Betonung seines Charismas und seines betörenden Lächelns nicht hinwegtäuschen kann. Man könnte ihm vielleicht zugute halten, dass er seine Seele an die Königin von Avalon verloren hat und alles tut, um ihr zu dienen und das sterbende Land zu retten; das hilft aber auch nicht wirklich, um ihn auf der Sympathieskala nach oben zu hieven.
Das Bemerkenswerteste an diesem Buch waren für mich die grandiosen Zeichnungen des Autors, der ein bekannter Illustrator ist. Im Kinderdieb-Special auf den Seiten des Pan-Verlags kann man u.a. einen Trailer sowie Livebooks zum Buch anschauen und ein interessantes Interview mit dem Autor lesen.
Fazit:
5/15 – Prinzipiell steckt hinter dem Buch eine tolle Idee, die Umsetzung konnte mich aufgrund der hohen Kampflastigkeit, außerordentlichen Brutalität und der völligen Trostlosigkeit allerdings überhaupt nicht begeistern. Für Freunde dieser Art von Fantasy ist »Der Kinderdieb« aber vermutlich dennoch ein lesenswertes Buch.
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