Lori Handeland: Wolfsfieber
Originaltitel: Crescent Moon
Night Creatures, Book 4
Inhalt:
Als Kryptozoologin versucht Diana Malone Tiere aufzuspüren, die eigentlich dem Reich der Mythen und Legenden angehören. Gerüchten zufolge sollen in der Umgebung von New Orleans Werwölfe gesichtet worden sein. Diana beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen. Sie engagiert den Ex-Agenten Adam Ruelle, damit dieser sie durch die Sümpfe von Louisiana führt. Doch schon bald wird ihr klar, dass der attraktive Mann Geheimnisse vor ihr hat. Will er sie beschützen oder von ihrem Ziel ablenken?
Kommentar: Obwohl die Kryptozoologin Diana Malone sich engagieren lässt, um sich in New Orleans auf die Spuren eines Werwolfes zu begeben, der dort angeblich sein Unwesen treibt, ist sie skeptisch, denn sie ist trotz ihres Berufs nicht von der Existenz dieser Wesen überzeugt. Doch es wird schnell klar, dass in den Sümpfen der Stadt nicht nur Alligatoren lauern; die normalerweise recht nüchtern denkende Diana muss realisieren, dass New Orleans nicht umsonst die Stadt des Übersinnlichen ist. Sie macht Bekanntschaft mit einer Voodoo-Priesterin, begegnet Menschen, die eigentlich tot sein sollten und leidet unter seltsamen Albträumen, die verblüffend echt erscheinen. Immer wieder tauchen Personen aus dem Nichts auf und verschwinden ebenso schnell wieder, mehrfach erhascht sie einen Blick auf einen Wolfsschwanz, obwohl es in dieser Gegend weder Wölfe noch Werwölfe geben sollte. Zudem fühlt sie sich verfolgt und beobachtet, nicht zuletzt, weil jemand eine rote Blume aus dem Sumpf, die Unglück bringen soll, in ihrem Zimmer deponiert, während sie schläft. Nicht nur die mystische Stimmung in der Stadt der Geister, sondern auch Dianas Gefühlslage ist gut dargestellt: Sie zweifelt an ihrem Verstand, statt das Offensichtliche zu akzeptieren, und sperrt sich zunächst komplett gegen alles Übersinnliche. Genau das macht die Handlung richtig fesselnd, denn der Leser, der das Geschehen aus Dianas Sicht erlebt, ist ebenso wie sie im Unklaren darüber, was sie sich einbildet, was wirklich passiert und was die seltsamen Vorkommnisse zu bedeuten haben.
Eng verknüpft mit dem Aufspüren des vermeintlichen Werwolfs ist Dianas Beziehung zu Adam Ruelle, dem geheimnisvollen, als verrückt geltenden Mann, der in den Sümpfen lebt und sich als ihr Führer anbietet. Sie fühlt sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen, und obwohl ihr klar ist, dass mit ihm irgendetwas nicht stimmt, dauert es nicht lange, bis die beiden in eine Affäre verstrickt sind, die Basis für einige ziemlich heiße Liebesszenen ist. Dann allerdings erfährt Diana, dass Ruelles Familie verflucht sein soll und kann sich nicht länger dagegen sträuben in Erwägung zu ziehen, dass ausgerechnet ihr Geliebter das Monster ist, das sie jagen soll. Ein wenig halbherzig versucht die Kryptozoologin, die Wahrheit herauszufinden – und aus der Frage, ob Adam ein Werwolf ist oder nicht, bezieht die Handlung einen Großteil ihrer Spannung. Das mag vielleicht ein wenig langweilig klingen, ist aber wirklich toll gemacht, denn selbst mit dem Hintergrundwissen aus den Vorgängerbänden ist bis zum Schluss offen, wer oder was Ruelle ist. Die Autorin versteht es einfach richtig gut, den Leser auf die falsche Fährte zu schicken und mit Erwartungen zu spielen, um sie später zu torpedieren.
Gegen Ende des Buches tauchen kurz die Werwolfjäger in Gestalt von Mandenauer und Elise auf; dass die Truppe diesmal nur eine untergeordnete Rolle spielt, macht überhaupt nichts – ganz im Gegenteil, ein bisschen Erholung von Jessie und Leigh, die mir mit ihrer aggressiven Art im letzten Band der Serie gehörig auf die Nerven gefallen sind, konnte nicht schaden. Die Ereignisse um Mandenauer, Elise und das Monster sind etwas nebulös, überhaupt wirkt der gesamte Schlussteil des Buches ein wenig überstürzt. Am Ende gibt es ein paar Ungereimtheiten, zudem bleiben einige Handlungsstränge, -motive und Fragen offen, die aber vermutlich wenigstens zum Teil in den nächsten Büchern aufgegriffen werden.
Fazit:
14/15 – Nach einem etwas schwächeren Band 3 ist Handeland wieder da und liefert ein gutes, richtig spannendes Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen will.

















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