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Lübbe Audio, 6 CDs
Gekürzte Lesung von Joachim Kerzel

Inhalt:
Jedes Jahr im Spätsommer versammeln sich die Störche und brechen nach Süden auf. Und jedes Jahr im Frühling kehren sie zurück in ihre alten Nester. Doch diesmal bleibt die Rückkehr der Zugvögel aus. Ein Schweizer Ornithologe schlägt Alarm. Er erteilt Louis Antioche den Auftrag, den Weg der Störche von Europa nach Zentralafrika zu verfolgen. Seine Nachforschungen werden zu einer Reise ins Grauen.
Kommentar:
Da mir »Der Flug der Störche« auf dem Flohmarkt über den Weg gelaufen ist, dachte ich, ich versuch’s doch auch mal mit diesem Hörbuch; die Grangé-Stoffe haben ja eigentlich immer was, wie man spätestens seit »Die purpurnen Flüsse« oder »Das Imperium der Wölfe« weiß, also kann man da nicht viel falsch machen …
Und man macht auch nichts falsch – es sei denn, man erwartet infolge des Klappentexts einen Umweltthriller wie Schätzings »Der Schwarm«. Den kriegt man nämlich nicht. Stattdessen kriegt man einen beklemmenden, komplexen, spannenden, teilweise sehr blutigen und detailreich-ekelhaften Thriller, der aber trotzdem nicht nur um der Effekthascherei willen grausam ist. Viele Hintergründe und Details der Geschichte sind zwar – zumindest in Ansätzen – zu durchschauen, die Auflösung geht aber fast immer noch ein Stück weiter und tiefer, als man es für möglich gehalten hätte. Man wird von Beginn an in die Geschichte hineingezogen, wobei der Spannungsbogen mit Auflösung des Handlungsstranges um die verschwundenen Störche zwischenzeitlich ein wenig verloren geht; so hat »Der Flug der Störche« im Mittelteil – mit Beginn der Ermittlungen in Afrika – ein paar Längen, als nämlich die beiden Haupthandlungsstränge verbunden werden bzw. der zweite wesentliche Handlungsstrang richtig aufgenommen wird. Hier hätte man m.E. noch ein wenig kürzen können, wenn man die Story ohnehin strafft, angesichts der sonst spannenden und dichten Handlung fällt das aber nicht besonders negativ ins Gewicht.
Joachim Kerzel – Synchronsprecher von Jean Reno, der in diversen Grangé-Verfilmungen die Hauptrolle spielt – klingt eigentlich zu alt für den 32-Jährigen, der die Geschichte in Ich-Form erzählt, macht seine Sache aber so grandios, dass man darüber hinwegsehen kann. Er verzichtet auf eine Lesung mit verteilten Rollen und liest den Stoff stattdessen gänzlich unaufgeregt, aber sehr eindringlich, was das beklemmende Gefühl beim Hörer nur verstärkt und den Stoff perfekt unterstreicht – ebenso wie die punktuell und sehr gezielt eingesetzten Geräusche und Musiken.
Wertung:
14/15 – Eine fast perfekte Vertonung eines tollen Buchs, bei der nahezu alles stimmt – nicht zuletzt der Preis, der mit 10,95 Euro UVP für 6 CDs unschlagbar ist!
Originaltitel: Dreaming of you
2. Teil einer Serie
Inhalt:
Die erfolgreiche Jungschriftstellerin Sara Rose Fielding rettet im Zuge ihrer Milieustudien für ein neues Buch den berühmt-berüchtigten Spielhöllenbesitzer Derek Craven. Als Gegenleistung erbittet sie, in Dereks Club Recherchen betreiben und seine Angestellten befragen zu dürfen, und weil er in ihrer Schuld steht, willigt er nach langem Zögern schließlich ein. Schon bald herrscht eine ständig wachsende Spannung zwischen den beiden, doch obwohl Derek Sara so sehr will wie keine Frau zuvor, schickt er sie schließlich zurück in ihre Heimat auf dem Land und versucht, sie zu vergessen …
Kommentar:
Der zweite Band der Serie aus dem Umfeld von Derek Craven dreht sich um den Spielhöllenbesitzer selbst und geht schon gut los: Craven wird in den düsteren Gassen des East Ends überfallen und von Sara gerettet. Es mutet etwas befremdlich an, dass die harmlose Schriftstellerin vom Land eine Pistole bei sich trägt und mal so nebenbei einen Gangster erschießt, ohne dass das weitere Konsequenzen oder wenigstens ernsthafte Schuldgefühle nach sich zieht, aber das ist schnell vergessen. Die Liebesgeschichte zieht einen so in ihren Bann, dass man sich an den kleinen Unwahrscheinlichkeiten nicht ernsthaft stört. Gegen Ende wirkt die Handlung dann allerdings ziemlich überstürzt und und diverse Zeitsprünge lassen keinen Raum, um die Entwicklung Dereks und der Beziehung des Paares nachvollziehen zu können. Dafür werden noch einige eigentlich überflüssige hochdramatische Ereignisse eingebaut, die das Happy-End unnötig hinauszögern.
Im Gegensatz zum Vorgängerbuch »Jägerin des Herzens« begegnet man hier zwei absolut überzeugenden Protagonisten, die die Geschichte zum Leben erwecken. Die beiden könnten gegensätzlicher kaum sein: Sara ist warmherzig, liberal, loyal, mutig und intelligent, dabei aber bisweilen auch ziemlich naiv. Ihre Fähigkeit, gefährliche Menschen und heikle Situationen als solche zu erkennen, tendiert – trotz des Mitführens einer Pistole – gegen Null; sie glaubt zu jeder Zeit ans Gute in den Menschen. Das ist stimmig und passt hier, denn dieser Charakterzug ist Grundvoraussetzung dafür, dass sich sich auf Derek einlässt. Eine vernünftigere, weniger idealistische Frau würde Derek Cravens Handeln in der Vergangenheit und seinen daraus resultierenden schwierigen Charakter nicht einfach hinnehmen und ihn bedingungslos akzeptieren wie er ist. Doch Sara hat die Größe, ihm so viel Zeit, Freiheit und Raum zu geben, wie er braucht, um Vertrauen zu ihr zu fassen und ihre Liebe zu erwidern.
Derek ist ein »tortured hero« wie er im Buche steht. Der Gossenjunge, Sohn einer Prostituierten und aufgezogen von Huren und Gesindel, hat sich im Laufe seiner illustren Vergangenheit als Kaminjunge, Hafenarbeiter, Stallbursche, Dieb, Erpresser, Leichenräuber, männlicher Prostituierter, Betrüger und wahrscheinlich auch Mörder (das wird angedeutet, es bleibt aber offen) durchgeschlagen. Mit Ehrgeiz und Verbissenheit hat er es schließlich zum Clubbesitzer gebracht und ein riesiges Vermögen angehäuft; er hat sich alles erkauft, was man mit Geld erkaufen kann, aber inneren Frieden hat er nicht gefunden. Er hadert mit seiner Vergangenheit, ist zerrissen und weiß nicht, wo er hingehört; sein Konkurrent Ivo Kenner bemerkt sehr treffened, dass er mit einem Fuß in Mayfair und mit dem anderen im East End steht. Dass er sich vom ersten Moment an zur lebenslustigen, herzlichen Sara hingezogen fühlt, versteht er selbst nicht – und es gefällt ihm auch nicht. Er kann und will sich nicht auf sie einlassen, weil er Angst vor Bindungen hat, nicht an die Liebe glaubt und Sara schützen will. Nicht zu Unrecht ist er der Meinung, dass sie aus einer anderen Welt kommt und nicht zu ihm passt. Sein Handeln und sein Wehren bis zum letzten Moment ist im Kontext durchgehend glaubwürdig – auch wenn die die Ereignisse, die ihn schließlich dazu bringen, sich doch auf Sara einzulassen, dann etwas konstruiert wirken. Dafür punktet er am Ende mit einem wunderschönen Liebesgeständnis!
Diverse gute Nebenfiguren bereichern das Buch, etwa das Clubfaktotum Worthy und Saras Verlobter, ein weichgespültes Muttersöhnchen par excellence, nebst seiner herrischen Erzeugerin, die Sara das Leben zur Hölle macht. Mehrfach begegnet man auch Lily Lawson und Alex Raiford wieder, von denen es wenig Neues gibt (außer dass sie inzwischen einen Sohn haben): Lily ist und bleibt eine ordinäre, enervierende Figur, die sich unter dem Deckmäntelchen des Helfenwollens in alles einmischt, während Alex ihr immer noch alles mehr oder weniger kommentarlos nachsieht.
Abschließend noch ein Kritikpunkt, der aber nicht in die Wertung einfließt: Die Übersetzung wirkt ziemlich antiquiert und liest sich teilweise recht holprig, allein schon, weil offenbar sämtliche Possessivpronomen aus dem Text verbannt wurden: »die Gattin« schmiedet Pläne, »der Ehemann« ergreift das Wort und »man« sucht die Eltern auf. Daneben scheint mir die Übersetzung teilweise außerdem ziemlich sinnentstellend zu sein. Es würde mich nicht wundern, wenn hier mal wieder sprachlich und inhaltlich in die Handlung eingegriffen worden wäre, aber da mir das englische Original (noch) nicht vorliegt, kann ich es nicht mit Gewissheit sagen.
Fazit:
14/15 – Abgesehen davon, dass die Geschichte im Zeitraffer zuende erzählt wird, ein wunderschöner Liebesroman mit hinreißenden Protagonisten.
1. Teil einer Trilogie
Inhalt:
Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, dass ausgerechnet sie das allergrößte Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Das man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Denn das macht die Sache erst recht kompliziert!
Kommentar:
Eigentlich hat mich das Buch überhaupt nicht interessiert. »Kinderbücher« hab ich seit einigen Jahren ziemlich satt, und Zeitreisegeschichten konnte ich ohnehin noch nie leiden. Nach diversen positiven Rezensionen ernstzunehmender Leute wollte ich »Rubinrot« dann aber doch lesen – und ich bin wirklich richtig froh, dass ich über meinen Schatten gesprungen bin.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Die 16-jähirge Gwendolyn ist eigentlich ein ganz normales Mädchen – abgesehen davon, dass sie Geister sehen kann und eine höchst seltsame Familie hat. Ihr Leben ändert sich aber rapide, als sie auf einmal unversehens in die Vergangenheit geschleudert wird und sich zur großen Überraschung ihrer Familie herausstellt, dass nicht – wie angenommen – ihre Cousine Charlotte, sondern sie selbst mit dem Zeitreise-Gen ausgestattet ist. Dumm nur, dass man Charlotte jahrelang auf die Zeitsprünge vorbereitet hat, und Gwen nun vollkommen unvorbereitet ist. Dabei spielt sie als Nr. 12, als »Rubinrot«, eine wichtige Rolle in den Plänen eines Geheimbundes, wenn auch keiner genau zu wissen scheint, welches Geheimnis zu lösen ist. Es ist aber klar, dass der Blutkreis geschlossen werden muss, und zu diesem Zweck muss Gwen gemeinsam mit dem drei Jahre älteren Gideon in die Vergangenheit reisen – wo sie einige sehr merkwürdige und abenteuerliche Begegnungen hat!
Besonders tiefgründig oder anspruchsvoll ist Geschichte nicht, und eigentlich passiert auch gar besonders viel. Das macht aber überhaupt nichts, es wird dennoch zu keiner Zeit langweilig – das Buch unterhält mit wundervollen, lebhaften, detaillierten Beschreibungen der Szenen in Vergangenheit, mit spritzigen Dialogen und mit seinem Humor – die Betrachtungen eines Teenies sind (rückblickend!) einfach amüsant! Überhaupt sind es bei diesem Buch oft die eigentlich bedeutungslosen Kleinigkeiten und Nebensätze, mal eben ganz beiläufig eingestreut, die so großen Spaß machen.
Hervorragend gelungen ist die Art der Einbindung der Zeitreisen in die Gegenwart; Gwen wird nämlich nicht in die Vergangenheit geschleudert und irrt die ganze Zeit dort herum, sondern sie kehrt nach kurzen Aufenthalten zurück in die Gegenwart. Und hier ist das Zeitgeschehen Trumpf – inklusive aktueller Filme und technischer Errungenschaften wie Fotohandy (mit dem Gwen auch in der Vergangenheit zu beeindrucken weiß) und Internet (wo sich aufschlussreiche Infos über Zeitreisen und Personen aus der Vergangenheit finden lassen).
»Rubinrot« punktet außerdem mit seinen liebevoll gezeichneten Figuren: Die warmherzige, entwaffnend offene und teils fast sarkastisch wirkende Gwen mit ihren typischen Teenienöten ist eine durch und durch bezaubernde Protagonistin, und dass sie für den gutaussehenden, ein wenig herablassende Gideon schwärmt, ist durchaus nachvollziehbar. Aber auch der Großteil der Nebenfiguren ist extrem lebendig – fast jede hat irgendein Attribut, das sie besonders und einzigartig macht.
Die im Klappentext angedeutete Romanze zwischen Gwen und Gideon spielt eigentlich nur eine sehr untergeordnete Rolle und ist weit weniger dramatisch, als sie klingt. Wer eine Lovestory sucht, wird sie in diesem Buch nicht finden: Die beiden revideren nur ihre anfänglichen (Vor-)Urteile übereinander und lernen sich zu schätzen. Ihre Annäherung geht aber in diesem Teil nicht über eine harmlose Schwärmerei hinaus.
Das Manko des Buchs: Es endet vollkommen offen, mitten in der Handlung. Ich hab ja normalerweise kein Problem damit, wenn sich die Rahmenhandlung einer Geschichte über mehrere Teile erstreckt, aber eine wenigstens teilweise abgeschlossene Story innerhalb eines Bandes sollte schon sein.
Wertung:
14/15 – Einen Punkt Abzug für das vollkommen offene Ende kann ich nicht vermeiden, aber darüber hinaus ist »Rubinrot« das eines der schönsten, unterhaltsamsten und lebendigsten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Komischweise spukt mir im Zusammenhang mit dem Buch immer das Adjektiv »reizend« im Kopf herum, obwohl dieses Wort eigentlich gar nicht zu meinem aktiven Sprachschatz gehört – aber es ist einfach reizend! Und der Stil der Autorin ist so wunderbar zu lesen, dass ich mir unbedingt mal eines ihrer Bücher für die »Großen« vornehmen muss! (So lässt sich dann auch die Zeit bis »Saphirblau« besser überbrücken.)
Deutscher Titel: Rendezvous mit einem Verführer

Inhalt:
Heiße Liebesspiele mit einem Fremden? Nicht im Traum hat die hübsche junge Witwe Passion daran gedacht, noch einmal mit einem Mann zusammen zu sein. Da läuft sie bei einer Ausstellung im Londoner Kristallpalast einem verführerischen, äußerst gut gebauten Gentleman in die Arme, der lang unterdrückte Sehnsüchte in ihr weckt. Nach einer lieblosen Ehe findet sie zum ersten Mal im Leben sinnliche Erfüllung. Erregt fiebert sie jedem neuen Rendezvous entgegen. Und bald muss sie sich eingestehen, dass Mark Randolph Hawkmore, Earl of Langley, nicht mehr nur ihre Sinne, sondern auch ihr Herz betört. Doch eine Intrige gegen Mark steht ihrem Glück im Weg …
Kommentar:
Wow, was für ein Buch! Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine so gute, faszinierende Kombination aus Erotik- und Liebesroman erlebt zu haben! In der ersten Hälfte dreht sich die Handlung im Wesentlichen um den detailliert beschriebenen Sex zwischen den Protagonisten, wobei es nicht gerade zimperlich, sauber und zärtlich zugeht. Im Gegenteil, es fließen alle möglichen Körperflüssigkeiten, über die anatomischen Begebenheiten resp. Hindernisse erfährt man z.T. mehr, als man wissen möchte und die Sprache ist nicht verschleiert-romantisch, sondern eher derb. Die Szenen sind dessen ungeachtet ziemlich erotisch, denn das alles passt einfach zur Situation, zum Sex zwischen Fremden, ebenso wie die Art von Sex zu den Personen passt und viel über diese aussagt. Folgerichtig ändert sich auch die Beziehung zwischen Passion und Mark in dem Maße, wie sich die Personen im Laufe der Handlung entwickeln und Gefühle füreinander entwickeln. Die Darstellung dieses Prozesses ist absolut herausragend gelungen und beinhaltet ungewöhnlich emotionale Momente und Szenen. Wen interessiert da schon, ob es glaubwürdig ist, dass sich eine verwitwete Priesterstochter semi-öffentlich hinter einem Wandschirm im Kristallpalast mit einem Adligen vergnügt?
Die Hauptpersonen sind beide erfreulich vielschichtig angelegt und in der Lage zu einer Entwicklung, was einen großen Teil des Reizes ausmacht. Mark ist einerseits ein typisch arroganter gutaussehender Adliger, den die Meinung anderer Leute aufgrund seiner finanziellen Unabhängigkeit und seines Titels nicht im Geringsten interessiert. Er ist aber innerlich zerrissen, fühlt sich aufgrund seiner Kindheit ungeliebt und hat einen wunden Punkt: seinen Bruder Matthew, für den er alles tun würde – und tut. Bei Passion findet er erstmals das, wonach er sich immer gesehnt hat: die bedingungslose Liebe einer Frau, die ihn um seiner selbst willen will. Denn Passion weiß sehr wohl, was Liebe ist; sie ist in einer liebevollen Familie mit zwei Schwestern aufgewachsen, die sie aber nach ihrer Heirat verlassen hat – für eine lieblose Ehe ohne Gefühle und Leidenschaft. Gefühle und vor allem Leidenschaft findet sie jetzt bei Mark. Passion wäre aber nicht Tochter eines Pfarrers, wenn sie sich gar keine Gedanken über die Schicklichkeit dieser Affäre machen würde, und es ist nur konsequent, dass sie die Beziehung beendet, als sie erfährt, dass Mark heiraten wird – und wen! Der Zwiespalt zwischen Vernunft und Liebe, in dem sich die Protagonisten befinden, ist ebenso überzeugend dargestellt wie das Leiden der Beiden unter dieser Situation – absolut mit- und herzzerreißend!
Wertung:
14/15 – Eine unbedingte Empfehlung an alle, die tiefgreifende und sexlastige Liebesromane mögen. Allen anderen muss man dringend von diesem Buch abraten.
Es ist wirklich ein Jammer, dass Lisa Valdez offenbar nicht mehr aus ihrer Schreibblockade zu holen ist. Der Nachfolger »Patience« hätte sich um Passions Schwester und Marks Bruder Matthew gedreht, leider wird das Buch aber seit Jahren (seit 2007, glaub ich) verschoben und verschoben und verschoben – zuletzt auf April 2010. Auf Lisa Valdez‘ Seite gibts immerhin schon ein Exzerpt, aber ob das was zu bedeuten hat … Ich fürchte nicht.
Anmerkung für die deutschen Leser:
Die beim Cora-Verlag erschienene Übersetzung ist gekürzt und unterscheidet sich im Ton deutlich vom Original. Es bleibt zugegeben ein gutes Buch, ist aber bis zur Unkenntlichkeit verändert worden – ich denke, ich hätte die Übersetzung weit weniger gemocht. Denn es macht nun mal einen Unterschied, ob der Romanheld sagt (erfundenes Beispiel): »Ich will dich um den Verstand vögeln, Babe!« oder ob er haucht: »Ich möchte dich lieben, Herzblatt!«. Es verändert den Akteur, sein Denken und seinen Charakter. Und diese sprachliche Romantisierung, bei der dann auch noch Dinge hinzugedichtet werden, ist teilweise auch ganz schön daneben, wenn auch (vielleicht) zielgruppengereicht. Ein Beispiel, das ziemlich gut verdeutlichen dürfte, was ich meine:


Originaltitel: Flowers from the Storm

Inhalt:
Christian Langland ist ein stadtbekannter Schürzenjäger, die Art von Mann, die Maddy Timm, die ehrbare und gottesfürchtige Tochter eines Quäkers, nur mit Verachtung straft. Dennoch berührt es sie, als sie von seinem plötzlichen Tod erfährt. Vollkommen erstaunt ist sie aber, als sie beim Besuch eines Sanatoriums dem Totgeglaubten gegenübersteht. Er hat seine Sprache verloren, und Maddy spürt, dass sie ihm helfen muss. Durch ihre liebevolle Zuwendung flicht sich ein erst zartes, dann leidenschaftliches Band zwischen den beiden …
Kommentar:
Ein wirklich außergewöhnlicher Liebesroman, verhältnismäßig anspruchsvoll und sehr eindringlich. Gleich in mehrfacher Hinsicht fällt das Buch aus dem Rahmen der Romance-Standardkost: Nicht nur spielt der Glaube der Protagonistin eine ziemlich zentrale Rolle, sondern der Protagonist ist darüber hinaus ein Schlaganfallpatient, der wegen seines »Irrsinns« weggesperrt wird.
Insbesondere die erste Hälfte des Buchs, die in der Nervenheilanstalt spielt und die Beurteilung von psychischen Krankheiten und die therapeutischen Maßnahmen der damaligen Zeit nahebringt, ist beeindruckend. Das gilt vor allem für die Passagen, die aus Christians Sicht geschrieben sind: die eindringliche Schilderung seines Zorns, seiner Frustration und seiner Verzweiflung, weil er nicht kann, wie er will, weil er hört, aber nicht versteht, weil er die richtigen Worte nicht findet oder sie kennt, aber nicht aussprechen kann, weil er bei voller Zurechnungsfähigkeit für schwachsinnig gehalten wird, obwohl er eigentlich klar im Kopf ist. Seine Wut über die eigene Handlungsunfähigkeit machen ihn unberechenbar und aggressiv, doch seine Gewaltausbrüche führen nur zu weiteren Demütigungen und Entmündigungen, die noch mehr Zorn und Hoffnungslosigkeit hevorrufen. Aus diesem Kreislauf kann er erst ausbrechen, als Maddy im Sanatorium auftaucht, die erkennt, dass er kein schwachsinniger Idiot und keine Bestie ist, und die ihm endlich die Geduld und das Verständnis entgegenbringt, die er braucht, um das Sprechen und die Feinmotorik neu zu lernen – Basis für die Aufnahme eines »normalen« Lebens.
Mit dem Wiederaufbau seines alten Lebens befasst sich die zweite Hälfte des Buches. Es gilt zahlreiche Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die ihm unter anderem von der Verwandtschaft in den Weg gelegt wird, die Christian entmündigen lassen will, um an seine Besitztümer zu kommen. Für meine Begriffe etwas verwirrende Passagen über Schulden, Kredite und korrupte Handlungsbevollmächtigte spielen dabei ebenso eine Rolle wie eine frühere Geliebte, wesentlich ist aber vor allem die Entwicklung der Beziehung zwischen Maddy und dem Herzog. Hier kommt Maddys Glaube ins Spiel, denn als Quäkerin darf sie keinen Weltlichen lieben, geschweige denn heiraten, sonst wird sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Ihre Zerrissenheit zwischen Liebe und Glaube bzw. Glaubensgemeinschaft ist prinzipiell durchaus realistisch dargestellt, für mich aber trotzdem schwer nachzuvollziehen. Als wenig religiöser Mensch kann ich einfach kein Verständnis aufbringen, wenn sich der Glaube über alles andere erhebt – oder besser: wenn Menschen den Glauben über alles andere erheben. Für mich waren also diese glaubensmotivierten Handlungspassagen schwer greifbar, wenngleich sie mehrfach auslösende Momente für den Handlungsfortgang waren und das Buch ohne sie – zugegebenermaßen – so nicht funktioniert hätte.
Fazit:
13/15 – Ein sehr gutes Buch, das zwar unzweifelhaft ein Liebesroman, aber dennoch weit mehr als der herkömmliche herzzerreißende kitschige Schund ist, den man aufgrund des Titels und der Covergestaltung erwarten würde. Die zweite Hälfte des Buches ist teilweise etwas langatmig, die erste Hälfte ist aber mit das beste, was ich in letzter Zeit in diesem Genre gelesen habe.
Originaltitel: Some Like it Wicked
1. Teil der Kindcaid-/Highlander-Serie

Inhalt:
Um sich nicht dem Willen ihres Onkels beugen zu müssen, heckt die junge Catriona Kincaid eine List aus: Sie verspricht dem zynischen Lebemann Sir Simon Wescott die Hälfte ihrer Mitgift, wenn er sie heiratet und nach Schottland begleitet, wo Catriona ihren verschollenen Bruder vermutet. Wescott willigt ein, allerdings unter einer Voraussetzung: Er darf die temperamentvolle Schottin nach allen Regeln der Kunst verführen …
Kommentar:
Wegen genau solcher Liebesromane bin ich überhaupt zu diesem Genre gekommen, nachdem ich einmal zufällig mal ein Buch dieser Spezies mit den grauenvollen Titeln und den noch schrecklicheren Covern in die Finger bekommen habe. Man kriegt hier einfach eine schöne Liebesgeschichte ohne besonderen Tiefgang präsentiert, in deren Mittelpunkt zwei wunderbare Helden stehen. Catriona, die mich stellenweise ein wenig an Anne of Green Gables erinnert hat, ist eine willensstarke, stolze, furchtlose und hingebungsvolle Persönlichkeit und bildet den perfekten Gegenpart zum schurkischen Simon, der eigentlich an gar nichts glaubt, schon gar nicht an sich selbst und seine Gefühle. Spritzige Dialoge, amüsante Gedanken und trockene Kommentare der beiden Protagonisten und so manch eine skurrile Situation garantieren tolle Unterhaltung für Historical-Romance-Fans. Hinzu kommen aber überdies noch ein über alle Maßen romantisches Liebesgeständnis sowie einige ziemlich ergreifende Szenen, die zumindest mir Gänsehaut verursacht haben und die ich bildlich vor mir sehen konnte – und die dafür sorgen werden, dass mir das Buch im Gedächtnis bleiben wird. Diverse historische Ungenauigkeiten wie etwa das Auftauchen einer Horde von Highlandern auf einem Londoner Ball, die dort auch noch Dudelsack spielen dürfen und beklatscht werden, sind in Anbetracht aller Vorzüge des Buchs zu verschmerzen.
Wertung:
14/15 – Ein typischer Medeiros: Ohne großen Anspruch und Tiefgang, aber richtig tolle Unterhaltung für Fans von Historical Romances!
Serieninfo:
01 Some Like it Wicked | Gefangene der Leidenschaft – 14/15
02 Some Like it Wild | Ungezähmtes Verlangen – 8/15
4. Teil der Mayhem in Mayfair Series
Inhalt:
Lady Emily Stapleford hätte sich nie im Leben träumen lassen, ihre Familie vor dem finanziellen Ruin bewahren zu müssen: Damit ihr Vater seine immensen Schulden bezahlen kann, muss sie einen reichen Mann heiraten. Doch Emily hat sich geschworen, nur aus Liebe und nicht aus finanziellen Gründen zu heiraten, also schickt sie ihre Vampirgeschichte an diverse Verleger, um selbst Geld zu verdienen. Natürlich wird ihr Manuskript abgelehnt, denn welcher Leser würde schon eine Geschichte um eine Vampirin lesen wollen? Emily sieht nur einen Ausweg, sie muss das öffentliche Interesse an Vampiren – vor allem an weiblichen! – wecken. Was läge da näher, als sich selbst als Vampirin auszugeben? Unglücklicherweise kreuzt einmal mehr der ungehobelte Amerikaner Logan Jennsen ihren Weg und ist drauf und dran, ihr Geheimnis zu entdecken – im Zuge eines äußerst kompromittierenden Zusammentreffens, das ein ungeahntes Feuer in den beiden entfacht. Sie kommen sich immer näher, doch auch Jennsen hat ein Geheimnis, das sie beide das Leben kosten könnte …
Kommentar:
Nach dem relativ schwachen und ziemlich enttäuschenden dritten Teil der Serie bin ich mit äußerst gemischten Gefühlen an dieses Buch herangegangen. Zunächst fand ich meine Skepsis auch bestätigt, denn ich hatte wie schon bei »Sleepless at Midnight« den Eindruck, dass die Gedanken beider Protagonisten um immer das Gleiche kreisen: in diesem Fall um den ungehörigen Kuss in der Bibliothek bei Juliannes und Gideons Hochzeit, der bereits drei Monate zurückliegt. Doch erfreulicherweise gibt es bei diesem Buch nach anfänglichen erschöpfenden Berichten und Gefühlswallungen zu diesem Kuss eine echte Entwicklung – die Entwicklung der Beziehung zwischen Emily und Logan, die wirklich wunderschön und sehr gefühlvoll erzählt ist. Es ist richtig mitreißend, wie die Protagonisten nicht nur ihrer sexuellen Anziehungskraft erliegen, sondern gleichzeitig nach und nach neue Seiten an ihrem Gegenüber entdecken, mit denen sie nie gerechnet hätten, die sie aber umso mehr faszinieren. Dass sie sich so lange weigern, sich ihre Liebe einzugestehen, obwohl doch für alle so offensichtlich ist, was die beiden füreinander empfinden, ist ab einem gewissen Punkt allerdings nicht mehr so wirklich glaubwürdig. Die Krimihandlung um Jennsens Vergangenheit ist wie so oft bei D’Alessandro ziemlich verzichtbar und nicht wirklich ausgereift: Es mangelt an Logik, und die eine oder andere Frage bleibt m.E. am Ende offen. Aber das ist zu verzeihen und fällt nicht besonders ins Gewicht in Anbetracht der Tatsache, dass dieses Buch nun mal kein Krimi, sondern ein Liebesroman ist.
Die Hauptfiguren sind beide ausgesprochen gut gelungen und extrem lebendig dargestellt: Selten habe ich Szenen und Figuren so deutlich vor mir gesehen wie in diesem Buch – etwa Emily im Kreis ihrer Familie im Park, ein letzter Blickwechsel vor dem Weggehen, ein Winken zum Abschied. Sowohl Logan als auch Emily sind intelligent, willensstark, witzig und schlagfertig, wirken dabei aber unvergleichlich warmherzig und verantwortungsbewusst (wenn sie nicht gerade in einer Bibliothek aufeinandertreffen!). Klingt langweilig? Ist es nicht! Denn umso besser wirken Szenen, in denen die Protagonisten von ihren Gefühlen überwältigt werden, etwa als Jennsen seinem Eifersuchtsanfall erliegt oder in der Staplefordschen Bibliothek vollkommen die Kontrolle verliert. Erfreulich auch, dass die beiden selbstbewusst genug sind, über alle gesellschaftlichen Normen hinweg zu handeln: Emily schert sich nicht ernsthaft darum, dass Logan kein britischer Peer, sondern ein amerikanischer Emporkömmling ist, und Logan ergeht sich glücklicherweise (im Gegensatz zu Gideon) auch nicht permanent in Gejammer darüber, dass ihre Verbindung nicht wirklich standesgemäß ist und nur aufgrund seines immensen Reichtums akzeptiert wird.
Natürlich begegnen wir auch den anderen anderen Mitgliedern der Ladies Literary Society wieder, die diesmal – allerdings nur sehr am Rande – ein erotisches Vampirbuch lesen. Sarah und Julianne sind schwanger, Carolyn hingegen fürchtet um ihre Gesundheit und bedarf Emilys Zuspruch. Die Ehegatten der drei, die ja auch Freunde von Logan Jennsen sind, dürfen natürlich ebenfalls nicht fehlen. Ausgerechnet Gideon spielt eine etwas größere Rolle, denn er wird in seiner Funktion als geschätzter (!) Bow Street Runner von Jennsen engagiert, den geheimnisvollen Verfolger zu stellen bzw. Emily zu bewachen. Er erweist sich – Überraschung! – einmal mehr als miserabler Ermittler!
Wertung:
14/15 – Jacquie D’Alessandro in alter Form! Nach dem sehr durchwachsenen Vorgängerband liefert sie nun wieder ein gefühlvolles Buch ab, das mitreißend ist und richtig Spaß macht. Kleine Abzüge gibts für die extrem langgezogene Verleugnung ihrer Gefühle füreinander und die sehr schwache Krimihandlung. Ingesamt für mich der zweitbeste Band der Serie nach Sarahs und Matthews Geschichte.
2. Teil der Huxtable-Serie
Inhalt:
Jasper Finley, Baron Montfort, lässt sich an seinem 25. Geburtstag zu einer empörenden Wette überreden: Innerhalb von 14 Tagen soll er die Cousine seines Freundes Constantine und Schwester eines Earls verführen: Lady Katherine Huxtable. Und die naive jungfräuliche Schönheit vom Lande erliegt dem notorischen Wüstling trotz seines schlechten Rufs augenblicklich, doch dann laufen die Dinge allerdings anders als geplant …
Drei Jahre später treffen sich Katherine und Jasper wieder und werden mit dem Vorfall in Vauxhall konfrontiert, denn die damalige Wette wird publik und ein Skandal bahnt sich an. Es bleibt nur ein Ausweg: Die beiden müssen heiraten, um Katherines Ruf wiederherzustellen und den anderen Familienangehörigen nicht zu schaden. Die Vernunftehe wird allerdings durch eine neuerliche Wette zwischen den Eheleuten interessant …
Kommentar:
Das Buch startet ohne jedes Vorgeplänkel mit dem Abschluss der Wette und dem von Montfort herbeigeführten Aufeinandertreffen zwischen ihm und Kate in Vauxhall, das allerdings ziemlich aus dem Ruder läuft. Montfort verliert seine Wette und zieht sich – ebenso wie Kate – zunächst aus der Stadt zurück.
Als sie drei Jahre später erneut aufeinandertreffen, geht es temporeich weiter: Trotz der zurückligenden Ereignisse fühlen sie sich voneinander angezogen, was sich in schlagfertigen, amüsanten Dialogen und Flirts widerspiegelt. Man gewinnt gerade den Eindruck, dass sich langsam eine Beziehung zwischen den beiden entwickeln könnte, als die alte Wette publik gemacht wird und die beiden sich gezwungen sehen, zu heiraten. Entsprechend unromantisch fällt auch Jaspers Heiratsantrag aus, der mehr ein Appell an Kates Vernunft ist, aber natürlich zur Situation und den Charakteren passt. Ähnlich enttäuschend verläuft die Hochzeitsnacht, obwohl sich die Protagonisten immerhin körperlich unwiderstehtlich zueinander hingezogen fühlen. Das Verlangen macht den Mangel an Liebe aber auch nicht wett, zumindest nicht für Katherine, die Sex ohne Liebe offenbar nicht viel abgewinnen kann und ihre Einstellung in etwas anstrengenden »Sex ist nicht Liebe«-Dialogen deutlich macht. Zugegebenermaßen ist das im Kontext mit ihren Werten verständlich, ihre tiefe Enttäuschung in der Hochzeitsnacht wirkt aber ein wenig überzogen, auch wenn sie natürlich für den Fortgang der Handlung notwendig ist. Womit wir auch schon beim größten Kritikpunkt sind, der Wette zwischen Katherine und Jasper, die ziemlich unsinnig ist, zumal ja auch den Figuren klar sein dürfte, dass durch diese Abmachung jede evtl. aufkeimende Liebe unmittelbar erstickt wird – was ja auch (fast) passiert.
Mit der Ankunft auf Celtenham wird das Tempo aus der Geschichte genommen, dafür gewinnt sie aber an Intensität, denn Jasper und Kate haben endlich Zeit, sich auf ihre Ehe zu konzentrieren und sich kennen und lieben zu lernen. Grandioser Höhepunkt dieser Phase ist der Tag des Sommerfests, das wundervoll beschrieben ist und bei dem endgültig deutlich wird (auch den Protagonisten!), wie sehr Jasper sich verändert hat und wie wichtig sie einander inzwischen sind, ohne es selbst richtig bemerkt zu haben.
Balogh hat einmal mehr glaubwürdige und mitreißende Figuren geschaffen. Jasper wird zunächst als oberflächlicher, egozentrischer und rücksichtsloser Lebemann dargestellt, dessen Leben ihn so langweilt, dass er sich mit wahnwitzigen Wetten die Zeit vertreibt. Doch schon im Zusammenhang mit den Ereignissen in Vauxhall wird klar, dass er kein ganz so übler Kerl ist und durchaus über ein Mindestmaß an Anstand verfügt – auch, wenn er das selbst gar nicht für möglich gehalten hätte. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird immer deutlicher, dass Jasper bei aller Verbitterung und Durchtriebenheit sehr wohl über Moral und Verantwortungsbewusstsein verfügt, was sich v.a. in seinem Verhalten gegenüber seiner Schwester und Katherine und ihrer Familie manifestiert. Dass er sich mehrfach wie ein Idiot verhält und aus seinen Fehlern zunächst nichts zu lernen scheint, ist einigermaßen zu verkraften, weil sehr deutlich wird, dass er seinen erwachenden Gefühlen ziemlich hilflos gegenüber steht und die Tatsache herunterspielen will, dass er verletzlich ist. Es ist wundervoll und glaubwürdig beschrieben, wie Jasper im Laufe der Handlung Schritt für Schritt mit seiner Vergangenheit aufräumt, seine Verbitterung und seinen Zynismus ablegt, sich Katherine öffnet und zu sich selbst findet.
Katherine ist schon aufgrund ihrer Herkunft das genaue Gegenteil von Jasper. Sie ist geborgen in einer liebevollen Familie aufgewachsen und wünscht sich das gleiche für ihre eigene Familie. Dass ausgerechnet familiäre Gründe sie dazu zwingen, zum Wohl ihrer Geschwister eine Vernunftehe einzugehen, ist wohl Ironie des Schicksals. Entsprechend unglücklich ist sie zunächst auch, denn sie hat alle ihre Ideale und Ansprüche an ihr (Liebes-)Leben über den Haufen geworfen. Trotzdem bleibt sie sich selbst treu und versucht, das beste aus der schwierigen Situation zu machen. Ihre Darstellung als selbstbewusste, zupackende, lebenslustige, charmante und herzliche Frau mit Verstand und Witz ist absolut gelungen und überzeugend.
Die Nebenfiguren sind in diesem Buch ebenfalls sehr gelungen, allen voran Charlotte, Jaspers kleine Schwester, die bei aller Naivität hinreißend charmant ist, und ihr Großonkel und Vormund Seth Wrayburn, ein Zyniker par excellence, der eigentlich nur seine Ruhe will, die Belästigungen durch seine lieben Verwandten gründlich satt hat und entsprechend gereizt reagiert. Amüsant sind auch die Auftritte Gegenspieler Prunella und Clarence, die zwar fies, aber irgendwie auch ziemlich dumm sind. Natürlich sind auch Cousin Constantine und die anderen Huxtable-Geschwister nebst Anhang mit von der Partie.
Wertung:
14/15 – Hach, was für ein schöner Liebesroman! Obwohl der Plot an sich nicht wirklich außergewöhnlich ist, sondern ein klassisches Thema hat, macht Balogh das Buch durch ihre wundervolle Erzählweise und ihre Figuren zu etwas ganz besonderem.
Inhalt:
Mit einer Kugel im Kopf wird Lisbeth Salander in die Notaufnahme eingeliefert. Sie hat den Kampf gegen Alexander Zalatschenko, berüchtigter Drahtzieher mafiöser Machenschaften, ein weiteres Mal knapp überlebt. Aber wird sie gegen den schwedischen Geheimdienst bestehen können, der alle Kräfte mobilisiert, um sie ein für alle Mal mundtot zu machen? Zu groß ist die Gefahr, dass sie die Verbindung zwischen Zalatschenko und der schwedischen Regierung aufdeckt. Unterdessen arbeitet Mikael Blomkvist unter Hochdruck daran, Salanders Unschuld zu beweisen. Es fehlen nur noch wenige Details, und er wird das Komplott gegen Salander aufdecken. Auch als seine Ermittlungen von höchster Stelle massiv behindert werden, führt Blomkvist seine Arbeit unbeirrt fort. Er weiß genau, dass er nur noch diese eine Chance hat, um Lisbeth Salander zu retten.
Kommentar:
Der letzte Teil der Trilogie schließt zeitlich unmittelbar an die Ereignisse in »Verdammnis« an – und zwar so nahtlos, dass ich mich ernsthaft frage, wie ich eigentlich glauben konnte, Teil 2 sei abgeschlossen gewesen! Meisterhaft, wie Larsson das hingekriegt hat. Damit »Vergebung« notfalls auch als ohne die beiden Vorgängerbände funktioniert, wird auf den ersten ca. 300 Seiten allerdings auf die vergangenen Ereignisse zurückgeblickt, vieles (nochmal) erkärt, erhellt und konkretisiert. Dies geschieht zu weiten Teilen aus einer ganz neuen Perspektive, aus der Sicht der »Sektion« nämlich, die zumindest für mich schwer verständlich und verdaulich war. Mit der Aufdeckung der Rolle des Verfassungsschutzes wandelt sich der Krimi zu einem äußerst komplexen Spionage-/Verschwörungsthriller – und das ist eigentlich so gar nicht mein Thema. Trotzdem schaffte es das Buch nach der anfänglichen Durststrecke, mich vollkommen in seinen Bann zu ziehen und wurde so spannend und fesselnd, dass ich es gar nicht mehr weglegen konnte.
Die mit Abstand interessanteste Figur, Lisbeth Salander, wurde zumindest als agierende Person notgedrungen erst mal weit in den Hintergrund gerückt – was aber zugegebenermaßen unvermeidbar war, da sie ja am Ende des zweiten Teils außer Gefecht gesetzt wird und anschließend handlungsunfähig ist. An ihrer Stelle ermittelt zunächst vorrangig Mikael Blomkvist, der unbeirrt für Lisbeth, die Aufklärung der »Zala-Affäre« und vor allem für Gerechtigkeit kämpft; im späteren Verlauf der Geschichte kommt aber auch Salander selbst wieder zum Einsatz und hat maßgeblichen Anteil an ihrer Rehabilitation.
Wertung:
13/15 – Nachdem man die ersten 300 Seiten überstanden hat, entwickelt sich das Buch zu einem echten Pageturner. Obwohl insgesamt etwas schwächer als die beiden Vorgänger, ist »Vergebung« ein würdiger Abschluss dieser herausragenden Millennium-Trilogie.
OT: Where Memories Lie
Duncan Kincaid und Gemma James, Teil 12

Inhalt:
Als Erika Rosenthal 1939 aus Berlin floh, verlor sie eine wertvolle Brosche. Nun, fast 70 Jahre später, wird das Schmuckstück in einem bekannten Londoner Auktionshaus angeboten und von einer jungen Frau ersteigert. Erika bittet ihre Freundin Inspector Gemma James herauszufinden, wer die Frau ist. Doch kurz nachdem Gemma die Identität der Käuferin ausfindig gemacht hat, wird diese tot aufgefunden. Bei ihren Nachforschungen stoßen Gemma und ihr Mann und Kollege Superintendent Duncan Kincaid auf ein grausames Geheimnis in Erikas Familie …
Kommentar:
Kincaid und James ermitteln wieder – und zwar auf gewohnt hohem Nivau! Die Handlung ist spannend, mitreißend und trotz aller Emotionalität nicht zu dramatisch oder tragisch, und die Autorin stellt einmal mehr unter Beweis, dass sie eine Meisterin ist, wenn es darum geht, eine Vielzahl verschiedener Erzählstränge und Perspektiven völlig mühelos, unnachahmlich elegant und überzeugend ineinander zu weben. Dabei geht es aber immer ruhig und nicht zu abgehoben zu: Man hat den Eindruck, dass hier relativ realistische Ermittlungsarbeit zu relativ realistischer Ereignissen beschrieben wird, bei der nicht die komplette Verwandt- und Bekanntschaft der Ermittler von heillosen Psychopathen abgemurkst wird. Die »Normalität« des Falles ist in heutigen Zeiten wirklich eine erfreuliche Wohltat!
Darüber hinaus schafft Crombie es, das Privatleben von Gemma und Duncain, glaubwürdig weiterzuentwickeln und so unaufdringlich einzubringen, dass es nicht mal mich stört, obwohl ich es eigentlich überhaupt nicht mag, wenn die Ermittler persönlich betroffen und in die Fälle involviert sind.
Fazit:
15/15 – Crombie in Bestform, hier passt einfach alles! Ein toller, ruhiger Krimi in englischer Tradition.
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