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1. Teil der Huxtable-Serie
Inhalt:
Als Elliott Wallace, Viscount Lyngate, in Throckbridge eintrifft und dem 17-jährigen Stephen Huxtable verkündet, dass er einen Lord-Titel mit allen Pflichten und Vorzügen geerbt hat, steht das Leben des Jungen und seiner drei Schwestern plötzlich auf dem Kopf. Gemeinsam verlassen sie ihren Heimatort und ziehen in Stephens geerbtes Anwesen. Dort sollen sie alle ihren gesellschaftlichen Schliff erhalten, um in den ton eingeführt werden zu können.
Vor allem aus praktischen Gründen entschließt sich Viscount Lyngate, der für die Familie verantwortlich ist, die älteste Schwester Margaret zu heiraten. Die verwitwete Vanessa allerdings macht ihm einen Strich durch die Rechnung: Als sie Wind von seinem Plan bekommt, bietet sie sich selbst als Braut an, um Margaret vor einer Zweckehe zu bewahren – und Lyngate willigt nach langem Ringen ein. Doch die vernunftbasierte Verbindung zwischen den beiden entwickelt sich anders als geplant …
Kommentar:
Der erste Teil der neuen Serie um die Huxtable-Geschwister fängt richtig stark an: mit dem unerwarteten Auftauchen eines Viscounts auf dem Dorfball in Throckbridge, wo er Vanessa Huxtable kennenlernt. Lyngates Auftreten auf dem Dorfball erinnert unbestreitbar an Mr. Darcy, und mit Vanessas Reaktion auf seine Arroganz beim Tanzen ist der Grundstein gelegt für eine prickelnde Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte steht das wechselhafte Verhältnis zwischen Vanessa und Elliott, die sich aufgrund ihrer Gegensätzlichkeit nicht ganz grün, aber doch merklich voneinander fasziniert sind, im Vordergrund. Ihre Treffen und Diskussionen bieten eine Menge Spannung und Unterhaltung – bis zum vorläufigen Höhepunkt, Vanessas Heiratsantrag und der Hochzeit.
Anschließend flacht die Handlung leider ab: Nach dreitägigem Aufenthalt in einem abgeschotteten Haus, der eigentlich einen hervorragenden Grundstein für das weitere Leben der Jungvermählten hätte bilden sollen (was eigentlich auch so zu sein schien), folgt ein Auf und Ab unglücklicher Ereignisse, Missverständnisse und Intrigen, die die ohnehin auf wackligen Beinen stehende Beziehung der Jungvermählten immer wieder ins Wanken bringt. Begleitet wurden diese Störfaktoren auch noch von sich wiederholenden, doch ziemlich ermüdenden Dialogen über die feinen Unterschiede der verschiedenen Arten von Liebe. Weiter Teile des Handlungsverlaufs nach der Hochzeit wirkten recht konstruiert und in die Länge gezogen; es will einfach keine rechte Spannung mehr aufkommen. Schade, dass sich Mary Balogh nicht einfach darauf konzentriert hat, die wachsende Beziehung der Protagonisten zu beschreiben, statt ziemlich überflüssige Krisen zu ersinnen, deren Ausgang ohnehin klar ist.
Vor allem Viscount Lyngate ist ein Held nach meinem Geschmack: ein bisschen düster, arrogant, herrisch, misstrauisch, mürrisch, humorlos und oberflächlich, aber von alledem nicht zu viel, sondern in genau dem richtigen Maß, um trotzdem noch sympathisch zu sein (manchmal gerade noch!). Bezüglich Vanessa bin ich ein wenig gespalten. Natürlich ist sie der perfekte Gegenpart zu Elliott, und sie ist grundsätzlich durchaus eine liebenswerte Figur, ich kann aber wenig mit ihrer Eigenschaft anfangen, sämtlichen Problemen, Anmaßungen und Beleidigungen guten Mutes und mit einem Lachen zu begegnen. Ihre unermüdliche Fröhlichkeit und ihr ungebrochener Optimismus überschreiten schon fast die Grenzen des Erträglichen und sind zeitweise fast so anstrengend wie ihre ständige Zurückweisung jeglicher Komplimente; bisweilen schien sie ihrer Umgebung geradezu einreden zu wollen, dass sie fürchterlich hässlich sei. Trotzdem: In Kombination mit Lyngate ist Vanessa natürlich klasse; die Dialoge zwischen den beiden sind an vielen Stellen so spritzig und humorvoll, wie man das von Balogh gewohnt ist, und ohne Vanessas positive Einstellung zum Leben würde das Buch ohnehin gar nicht funktionieren.
Auch die weiteren Huxtable-Geschwister werden in diesem Buch eingeführt; Kate und Stephen sind noch nicht so recht greifbar, die älteste Schwester Meg ist allerdings bislang nicht wirklich mein Fall. Ihre nicht enden wollende Trauer um die verlorene große Liebe und ihrer Aufopferungsbereitschaft für die Familie sind mir irgendwie unheimlich; insofern fürchte ich den dritten Teil der Serie, der von ihr handelt, ein wenig … Richtig gespannt bin ich auf die weitere Geschichte um Cousin Constantine. Der Handlungsstrang um seine Vergangenheit bleibt offen, doch dass bezüglich Lyngates Erzfeind nicht alles so ist, wie es zu sein scheint, ist klar. Man darf gespannt auf sein eigenes Buch sein (angeblich für 2010 geplant).
Ein großes Plus des Buchs ist einmal mehr Baloghs Erzählweise. Manch einem Leser ist sie zu langweilig und zu wenig spektakulär, ich finde ihre leisen Töne genau richtig: Der feinsinnige Humor, die unterhaltsamen, oft amüsanten Dialoge und die Emotionalität sind einfach genau mein Fall und machen so manchen Mangel in der Handlung wieder wett.
Fazit:
11/15 – Nach einer hervorragenden ersten Hälfte fällt das Buch merklich ab, weil es der Autorin nicht gelingt, die Spannung nach der Hochzeit noch aufrecht zu erhalten; da helfen auch mühsam konstruierte Krisen nicht. Trotz allem ein guter, unterhaltsamer Liebesroman – auch wenn man von Balogh noch bessere kennt.
OT: Murder with Peacocks
Meg Langslow Mysteries, Part 1

Inhalt:
Meg Langslow ist verzweifelt. Gleich drei Verwandte haben sie mit ihrer jeweiligen Hochzeitsplanung betraut. Und Meg hat alle Hände voll zu tun, ihre exzentrische Familie unter einen Hut zu bringen. Da kommt ihr die Ankunft einer Fremden, die Andeutungen über alte’Leichen im Keller’eines der Hochzeitspaare macht, äußerst ungelegen. Zumal diese Fremde kurz darauf unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden wird. Auf Megs endloser Liste der zu erledigenden Dinge steht plötzlich auch die Jagd nach einem gefährlichen Killer – wobei das nächste große Familienereignis ihre eigene Beerdigung zu werden droht …
Kommentar:
Trotz eines Mordes und mehrerer Mordanschläge handelt es sich bei diesem Buch eher um eine Familiengeschichte als um einen Krimi. Die Mordermittlungen laufen nur nebenbei ab, stattdessen geht es vorrangig um die Organisation der drei Hochzeiten mit all den dazugehörigen amerikanischen Absonderlichkeiten. Megs ziemlich seltsame, aber weitgehend liebeswerte Familie trägt ihren Teil zu einem recht skurrilen amüsanten Buch bei, das aber nicht sonderlich spannend ist und das zumindest ich schnell wieder vergessen werde.
Wertung:
9/15 – Nette, ganz lustige Unterhaltung ohne echtes Krimiflair, denn entgegen des Klappentextes bzw. dt. Untertitels (»Meg Langslows erster Fall«) ermittelt die Goldschmiedin nicht wirklich.

Inhalt:
London, 1898. Die verarmte Lady Edwina Bollash verdient sich mit der Erziehung adliger Mädchen ihren Lebensunterhalt und erwirbt sich den Ruf, selbst schwierigste Fälle bewältigen zu können. Doch eines Tages treten die Zwillinge Emile und Jeremy Lamont mit einer Wette an sie heran: Edwina soll Mick Tremore, einen ungehobelten Rattenfänger aus Cornwall, innerhalb von sechs Wochen gesellschaftsfähig machen, sodass er auf dem Ball des Duke of Arles als Viscount auftreten kann. Edwina lässt sich nach kurzem Zögern auf den lukrativen Handel ein, weil sie mit dem Duke noch eine Rechnung offen hat – und weil sie als Linguistin Micks Dialekt so faszinierend findet, dass sie ihn während der Ausbildung studieren will. Sie stellt schnell fest, dass nicht nur Micks Dialekt faszinierend ist, sondern dass er darüber hinaus ein äußerst intelligenter und anziehender Mann ist …
Kommentar:
Verarmte Adlige modelt »unerzogenen« Arbeiter aus Cornwall bzw. dem East End zum Gentleman um – das ist ein Plot nach meinem Geschmack. Ich mag ruhige, intensive Geschichten, die sich darauf konzentrieren, die Entwicklung der Beziehung zwischen den Protagonisten zu erzählen, und brauche kein großes Tamtam, keine Krimi- oder Spionagehandlung oder gar siebentausend schwachsinnige Missverständnisse, die das Happy-End künstlich hinauszögern und meist einfach nur ärgerlich sind. Die ausschließliche Konzentration auf die Protagonisten birgt allerdings die Gefahr, dass zu wenig passiert – so auch hier: Irgendwie fehlt dem Buch der Pepp. Die Ausbildung Tremores plätschert ohne echte Höhepunkte vor sich hin, weil er offenbar ein ziemlicher Musterschüler ist. Ähnliches gilt für die Beziehung der Protagonisten: die zu erwartende Steigerung der Spannung und Gefühle füreinander ist nur bedingt nachvollziehbar oder zumindest nicht spürbar; man bekommt sie in Form der Gedanken der Protagonisten zwar mitgeteilt, kann sie aber in der Interaktion, den Dialogen, der Umgangsweise nicht »fühlen«. Überhapt nicht nach meinem Geschmack ist das Ende (Stichwort: Erbe), das einfach viel zu dick aufgetragen und viel zu »happy« ist.
Da sich die Geschichte wie erwähnt auf Mick und Edwina bzw. die Entwickung deren Beziehung fokussiert, sind alle anderen Figuren nur Staffage und Stichwortgeber. Die Protagonisten sind prinzipiell sympathisch, wenngleich Wins Reaktion auf jegliche Komplimente mit der Zeit ein wenig anstrengend ist und nicht so recht zur sonst eigentlich eigenständigen und erfolgreichen Frau passen mag. Bezüglich Mick hätte ich mir ein paar Ecken und Kanten mehr gewünscht; ebenso wie Edwine ist er ein wenig zu glatt und damit blass – beide sind keine Figuren, die mir im Gedächtnis bleiben werden.
Fazit:
10/15 – Weil ich ein großer Fan dieser Art von Plot bin, gibt es noch ein »gut«. Letztendlich bin ich aber ein wenig enttäuscht von diesem Buch, weil ihm die Intensität fehlt, für die Autorin so schätze.
OT: Where Memories Lie
Duncan Kincaid und Gemma James, Teil 12

Inhalt:
Als Erika Rosenthal 1939 aus Berlin floh, verlor sie eine wertvolle Brosche. Nun, fast 70 Jahre später, wird das Schmuckstück in einem bekannten Londoner Auktionshaus angeboten und von einer jungen Frau ersteigert. Erika bittet ihre Freundin Inspector Gemma James herauszufinden, wer die Frau ist. Doch kurz nachdem Gemma die Identität der Käuferin ausfindig gemacht hat, wird diese tot aufgefunden. Bei ihren Nachforschungen stoßen Gemma und ihr Mann und Kollege Superintendent Duncan Kincaid auf ein grausames Geheimnis in Erikas Familie …
Kommentar:
Kincaid und James ermitteln wieder – und zwar auf gewohnt hohem Nivau! Die Handlung ist spannend, mitreißend und trotz aller Emotionalität nicht zu dramatisch oder tragisch, und die Autorin stellt einmal mehr unter Beweis, dass sie eine Meisterin ist, wenn es darum geht, eine Vielzahl verschiedener Erzählstränge und Perspektiven völlig mühelos, unnachahmlich elegant und überzeugend ineinander zu weben. Dabei geht es aber immer ruhig und nicht zu abgehoben zu: Man hat den Eindruck, dass hier relativ realistische Ermittlungsarbeit zu relativ realistischer Ereignissen beschrieben wird, bei der nicht die komplette Verwandt- und Bekanntschaft der Ermittler von heillosen Psychopathen abgemurkst wird. Die »Normalität« des Falles ist in heutigen Zeiten wirklich eine erfreuliche Wohltat!
Darüber hinaus schafft Crombie es, das Privatleben von Gemma und Duncain, glaubwürdig weiterzuentwickeln und so unaufdringlich einzubringen, dass es nicht mal mich stört, obwohl ich es eigentlich überhaupt nicht mag, wenn die Ermittler persönlich betroffen und in die Fälle involviert sind.
Fazit:
15/15 – Crombie in Bestform, hier passt einfach alles! Ein toller, ruhiger Krimi in englischer Tradition.
2. Teil der Millennium-Serie
Inhalt:
Ein ehrgeiziger junger Journalist bietet Mikael Blomkvist für sein Magazin Millennium eine Story an, die skandalöser nicht sein könnte. Amts- und Würdenträger der schwedischen Gesellschaft vergehen sich an jungen russischen Frauen, die gewaltsam ins Land geschafft und zur Prostitution gezwungen werden. Als sich Lisbeth Salander in die Recherchen einschaltet, stößt sie auf ein besonders pikantes Detail: Nils Bjurman, ihr ehemaliger Betreuer, scheint in den Mädchenhandel involviert zu sein. Wenig später werden der Journalist und Nils Bjurman tot aufgefunden. Die Tatwaffe trägt Lisbeths Fingerabdrücke. Sie wird an den Pranger gestellt und flüchtet. Nur Mikael Blomkvist glaubt an ihre Unschuld und beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Nachforschungen führen in Lisbeths Vergangenheit. Eine Vergangenheit, die ihn bald das Fürchten lehrt.
Kommentar:
Wow! Eine grandiose Fortsetzung des ersten Teils – nur noch besser! Während der erste Teil zu Anfang und Ende (Aufklärung der Wennerstroem-Affäre) noch einige Längen hatte, wird man hier von der ersten Seite an in den Bann der Handlung gezogen. Allerdings muss man sich auf die eigenwillige Protagonistin Lisbeth einlassen, denn die Exzentrikerin ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte: Die in eigenem Interesse ermittelnde Hackerin befindet sich nicht nur unter Mordverdacht und auf der Flucht, sondern es wird darüber hinaus ihre Vergangenheit aufgedeckt. Mikael Blomkvist hilft ihr, wo er kann, spielt aber in »Verdammnis« eigentlich nur eine untergeordnete Rolle.
Vieles in diesem Buch ist an der Grenze des Erträglichen, etwa das Maß an psychischer und psychischer Gewalt, die extremen Gegenspieler (ein mysteriöser Drahtzieher, ein schmerzresistenter Superkämpfer á la »Beißer« und verschwörerische Spione) sowie zugegebenermaßen auch Lisbeth selbst, mutiert sie doch in diesem Buch endgültig zu einer Superheldin, die offenbar wirklich alles kann, schafft und überlebt. Doch obwohl das Geschehen teilweise an die James- Bond-Filme erinnert (wenngleich gottlob mit überschaubarerer Action), überschreitet Larsson die Grenze nicht, sondern liefert ein extrem unterhaltsames und spannendes Buch – zumal er es schafft, bis fast zum Ende offen zu lassen, ob bzw. was Lisbeth mit den Morden, die ihr zu Last geleget werden, zu tun hat.
Wertung:
15/15 – Ein richtig guter, spannender Krimi auf allerhöchstem Niveau.
OT: Thief of Lives
Dhampir/Noble Dead, Teil 2

Inhalt:
Nachdem Magiere und der Halbelf Leesil das Städtchen Miiska von den Vampiren befreit haben, hofft Magiere, sich endlich in ihrer Taverne niederlassen zu können. Doch in der Hauptstadt Bela wird die Tochter eines einflussreichen Ratsherrn tot aufgefunden, und alles deutet darauf hin, dass sie Opfer eines Vampirs geworden ist. Der Rat der Stadt bietet Magiere eine großzügige Belohnung, wenn sie sich der Sache annimmt. Doch diese weigert sich immer noch, sich ihrer wahren Bestimmung zu stellen: eine Vampirjägerin zu werden …
Kommentar:
Es gibt Bücher, bei denen ich es kaum erwarten kann zu erfahren, was weiter passiert. Es gibt Bücher, da ist mir völlig egal, was weiter passiert – Hauptsache, es ist endlich vorbei. »Seelendieb« zählt leider zur letztgenannten Sorte, was umso enttäuschender ist, als dass ich von Band 1 der Serie hellauf begeistert war. Doch trotz großer Vorfreude kam ich in »Seelendieb« nicht nur überhaupt nicht rein, sondern das Buch hat mich bis zum Schluss einfach nur gelangweilt. Es passiert alles in allem nämlich wenig bis nichts, zumindest nichts Interessantes. Und das, obwohl – oder gerade weil?! – es so viele verschiedene Erzählperspektiven und (bis über das Ende des Buches hinaus) offene Handlungsstränge bzw. Motive unterschiedlicher Haupt- und Nebenfiguren gibt. Manch einer mag es schätzen, ich finde es überflüssig bis nervig und bin folglich eher kein Freund von Büchern, bei denen das gleiche Geschehen aus der Sichtweise so vieler unterschiedlicher Figuren erzählt wird; es gibt m.E. nur wenige Autoren, die bei dabei das richtige Maß finden und echte Spannung aufbauen können. Doch nicht nur die Anzahl der Erzählperspektiven ist mir zu hoch, sondern auch der Anteil der Kampfszenen – was aber natürlich ein sehr subjektives Kriterium ist.
Die beiden Hauptfiguren Leesil und Magire sowie ihr Begleiter Chap retten ein paar Punkte, üben auf mich aber ebenfalls keine solche Faszination mehr aus wie noch in Band 1 der Serie; sie wirken trotz der Aufdeckung eines Teils ihrer Vergangenheit ein wenig blass.
Fazit:
5/15 – Enttäuschender 2. Teil der Dhampir-Serie, bei dem der Spannungsaufbau überhaupt nicht funktioniert; die Handlung plätschert einfach 400 Seiten lang ohne echte Höhepunkte vor sich hin. Eine Steigerung ist dringend notwendig – und ich bin bei aller Enttäuschung zuversichtlich, da der Grundstein für weitere interessante Ereignisse und Aufträge gelegt ist.
Inhalt:
Daphne Wade arbeitet als Dokumentarin für den Duke of Tremore, der auf seinem Grundbesitz ein römisches Haus ausgräbt, und verliebt sich Hals über Kopf in ihren Arbeitgeber. Doch als sie ein Gespräch zwischen dem Duke und seiner Schwester belauscht, in dem er äußerst abfällig über die junge Archäologin spricht, ist es mit der Liebe und Aufopferungsbereitschaft vorbei! Zutiefst gekränkt kündigt Daphne die Stelle und nimmt das Angebot der Schwester des Dukes an, sie in die Gesellschaft einzuführen. Erst jetzt wird dem arroganten oberflächliche Tremore bewusst, was er an Daphne hat, doch ihm bleibt nicht viel Zeit, um sie davon zu überzeugen, bei ihm zu bleiben …
Kommentar:
Die Handlung unterscheidet sich nur unwesentlich von der vieler anderen Historicals: Bürgerliche, unscheinbare Angestellte eines Adligen verliebt sich in ihren gefühlskalten, eingebildeten Arbeitgeber, der sich überhaupt nicht zur Kenntnis nimmt – bis sie kündigt. Das Setting ist für einen historischen Liebesroman (1830) schon weniger üblich: Daphne verdient als Archäologin ihren eigenen Lebensunterhalt, ist damit finanziell nicht von einem Ehemann/Verwandten abhängig und bewegt sich außerhalb der gesellschaftlichen Vorstellungen und Normen. Damit bildet sie einen perfekten Gegenpol zu Tremore, der seinerseits extrem pflicht- und traditionsbewusst dargestellt ist, und aus dieser Gegensätzlichkeit der Protagonisten bezieht das Buch auch einen großen Teil seines Reizes. Die Spannung, die sich ab dem Zeitpunkt von Daphnes Kündigung zwischen den Protagonisten aufbaut, ist greifbar, die veränderte Wahrnehmung Daphnes durch den Duke und sein Hadern mit diesem Umstand ist richtig gut und prickelnd beschrieben.
Im letzten Drittel lässt das Buch allerdings etwas nach: Tremors Vorgehensweise in London und Daphnes (prinzipiell verständliche) Reaktion auf seinen Heiratsantrag erinnern mich leider frappierend an Stephanie Laurens‘ ewig wiederkehrenden Cynster-Plot (»Ich heirate ihn nur, wenn er mich wirklich liebt, nicht aber, wenn er mich nur aus reinem Pflichtbewusstsein will.«) und ist nicht nur einigermaßen anstrengend, sondern historisch betrachtet auch ziemlich unglaubwürdig.
Wertung:
12/15 – Trotz kleinerer Abstriche ein schönes, unterhaltsames Buch, das das Niveau und die Spannung aber nicht über die gesamte Länge halten kann.
OT: Working for the Devil
Dante Valentine, Band 1

Inhalt:
In einer Welt, in der die Magie regiert und die meisten Menschen übersinnliche Fähigkeiten besitzen, hat Dante Valentine als Geisterbeschwörerin und Dämonenjägerin ein recht gutes Auskommen. Doch eines Tages wird sie vom Teufel persönlich in die Hölle gerufen, der ihr einen Auftrag anbietet. Sie soll den Dämon Vardimal Santino aufspüren, der ein wertvolles Artefakt aus der Hölle gestohlen hat. Und dem Teufel kann man schlecht eine Bitte abschlagen, vor allem wenn das eigene Leben davon abhängt. Am geheimnisvollsten ist jedoch Dantes neuer Begleiter: der wortkarge, grünäugige Dämon Japhrimel …
Kommentar:
»Teufelsbraut« ist der Auftakt zu einer weiteren Urban-Fantasy-Serie. Die einigermaßen skurrile Grundidee klingt klasse: Der Teufel höchstselbst erteilt einer Nekromantin einen Auftragt und stellt ihr einen Dämonen zur Seite. Wenn man aber einen Deal mit dem Teufel macht, dann ist nun mal so einiges nicht, wie es zu sein scheint – und so ist es auch hier. Leider gestaltet sich die Ausführung des Auftrags durch Dante weit weniger spektakulär als der Klappentext klingt; die Suche nach Santino und dem ominösen »Ei« ist trotz einiger guter Ideen und Ansätze alles in allem nur mäßig spannend und nicht flüssig zu lesen.
Wenn man als Leser auf die Erforschung neuer Welten steht und/oder ein umfassende Vorwissen über Magier, Nekromanten usw. besitzt, mag man an dem Buch möglicherweise mehr Freude haben. Für alle anderen dürfte das Buch – gelinde gesagt! – schwierig zu lesen sein: Man wird man zahllosen Begrifflichkeiten aus dem magischen bzw. SF-Bereich geradezu erschlagen (nicht umsonst gibt es ein fünfseitiges Glossar, in dem jedoch längst nicht alle verwendeten Begriffe aufgeführt sind), was ziemlich zermürbend ist und nicht gerade zum Spaß am Buch beiträgt. Denn entweder man schlägt die Begriffe nach und wird so aus dem Handlungsfluss gerissen, oder man schlägt sie nicht nach, versteht aber dann eben einiges einfach nicht.
Für sämtliche Haupt- und Nebenfiguren gilt ebenfalls: Im Ansatz gut, aber nicht richtig bemerkenswert. Dante selbst etwa ist zwar grundsätzlich interessant, hat aber nicht wirklich das gewisse Etwas, das ich von einer sog. Kick-Ass-Protagonistin erwarte. Ihr Wandel gegen Ende des Buches verspricht allerdings spannende Entwicklungen in den folgenden Teilen der Serie. Aus Dantes dämonischem Begleiter Japhrimel hätte man ebenfalls mehr machen können, vielleicht sogar müssen: Er ist – für einen Dämon! – eigentlich ziemlich langweilig und bei Weitem nicht böse bzw. undurchsichtig genug. Dantes früherer Liebhaber sollte wohl in seiner Rolle als potenzieller Verräter die Spannung steigern, doch auch er bleibt letztendlich recht blass.
Wertung:
7/15 – Trotz der interessanten Grundidee nicht wirklich überzeugend.
[Es sei aber noch angemerkt, dass das Buch nach meinem Empfinden SF-Züge trägt, mit denen ich grundsätzlich NIE klar komme.]
OT: Kitty and the Midnight Hour
1. Teil der Kitty-Norville-Serie

Inhalt:
»Hallo, hier ist Kitty Norville und ihre Midnight Hour. Rufen Sie an und schildern Sie Ihre Sorgen. Ob Vampir, Hexe oder Werwolf – ich, Kitty, kann Ihnen helfen, denn ich bin Ihnen näher als Sie ahnen …«
Kitty Norville ist der Star bei einem kleinen Radiosender in Denver. In ihrer Nachtsendung »Midnight Hour« schüttet das ganze Land sein Herz aus. Die Anrufer, darunter Vampire, Werwölfe und Hexen, spüren, dass Kitty ihre Sorgen versteht. Was keiner weiß: Kitty ist aus eigener böser Erfahrung Expertin. Doch durch den Erfolg ihrer Sendung ist die junge Moderatorin plötzlich wie auf dem Präsentierteller – für die Geschöpfe der Finsternis und ihre Jäger. Und beide Seiten können ihr ungemein gefährlich werden …
Kommentar:
Sehr guter Auftakt einer Urban-Fantasy-Serie, die eine Radiomoderatorin in den Mittelpunkt stellt. Dass sie eine Werwölfin ist, fliegt auf ziemlich spektakuläre Weise auf, als ein Kopfgeldjäger ihre Sendung stürmt, um sie umzubringen. Ansonsten ist die Handlung aber nur bedingt spannend; das Buch ist ein typischer Erstling einer neuen Serie: Gemeinsam mit den (fiktiven) Radiohörern wird man durch Kittys Radioshow in diese neue Welt eingeführt, denn auch im Buch wurde die Existenz von Werwölfen, Vampiren und anderen unheimlichen Wesen bis dato geleugnet und war daher unbekannt. Die Akzeptanz des Übernatürlichen erfolgt für meine Begriffe ein wenig zu schnell und einfach und ist mit der Existenz der immer wieder erwähnten Fernsehserie »Uncharted World« nicht hinreichend zu erklären.
Neben den Einzelheiten über die Welt, in das Buch spielt, wird man intensiv mit den »Strukturen« in einem Werwolfrudel konfrontiert und erfährt alles Erdenkliche über Rangordnung, Rangordnungskämpfe, Dominanz und Unterwerfung. Die menschliche Seite der Werwölfe bereichert das werwölfische Leben schließlich noch um einige Intrigen, die die Handlung erst ins Rollen bringen. Die Darstellung der werwolftypischen Verhaltensweisen in diesem Zusammenhang waren mir ein wenig zuviel – was aber schlicht mit meinem persönlichen Geschmack zusammenhängt und anderen Leuten durchaus gefallen mag.
Die Hauptperson Kitty ist prinzipiell durchaus interessant, aufgrund ihre Werwolfseite taugt sie als Identifikationsfigur aber nur bedingt (zumindest für mich), zumindest zu Beginn der Buchs. Später steigt die Sympathie für Kitty, die sich im Verlauf der Geschichte zunehmend emanzipiert: Sie legt ihre Unterwürfigkeit ab und gewinnt an Widerstandskraft und Profil. Ihre Wandlung hin zur »Aufrührerin« geschieht allerdings ein bisschen sehr schnell und ist nur bedingt glaubwürdig.
Ihre Antagonisten sind von Beginn an ausgesprochen unsympathisch, aber dennoch nicht zu eindimensional geraten. Auch Kittys Freunde, Helfer und Befürworter sind gut gezeichnet, spielen aber – von T.J. abgesehen – nur eine untergeordnete Rolle. Die interessanteste Figur neben Kitty ist fraglos der Kopfgeldjäger Cormac, und man darf gespannt sein, wie seine weitere Beziehung zu Kitty verlaufen wird. Gleiches gilt allerdings auch für den etwas undurchsichtigen Vampir Rick.
Wertung:
11/15 – Ein interessantes und unterhaltsames Buch, bei dem aber zugunsten der notwendigen Einführung in die fantastische Welt und Kittys Emanzipation eine richtig fesselnde Handlung etwas in den Hintergrund gerückt wurde. Mir waren das bei allem Interesse manchmal zu viele Detailinformationen zur Lebenswelt und zu wenig Spannung. Das Ende lässt jedoch viele Möglichkeiten offen, und man darf gespannt sein, wie Kitty sich weiterhin schlägt!
8. Teil der Bound Hearts Series
Inhalt:
People have heard of fleeting rumors about The Club. Located just outside Washington, D.C., only its members know where men go when they want to indulge the desire to share their women with a carefully selected male partner. John »Mac« McCoy resigned his membership from The Club when he married Keiley Hardin. Tempting and innocent, sweet and sexy, she would never accept Mac’s desire to share her with another man. However, Mac’s fantasies of sharing his wife haunt his dreams. And his passions. Unable to wait any longer to draw his best friend Jethro Riggs into his marriage, Mac invites Jethro to their home with the intention of drawing Keiley into the pleasures that only be achieved when two men love the same woman. But there’s more going on in Mac’s neck of the woods than a little additional pleasure. A past case, a stalker that likes to playing games and his wife is now in the middle of it all. Passion and pleasure, danger and desire combine as forbidden pleasure becomes an addiction none of them can escape.
Kommentar:
Wow. Das ist mal ein echter Erotikroman mit einer Vielzahl von prickelnden Szenen, in denen es richtig zur Sache geht. Man sollte allerdings keine Probleme mit Dreiecksbeziehungen und all ihren möglichen Spielarten haben, denn eine »ménage à trois« zwischen zwei Männern und einer Frau ist das Thema des Buches.
Es gibt zudem sogar eine sinnvolle Handlung, die die Entstehung der Dreierbeziehung zwischen dem Ehepaar und dem alten »Menage-Freund« sowie den inneren Konflikt der bislang monogamen Protagonistin beschreibt, die irgendwo zwischen Wut und Entsetzen, Faszination und Abscheu vor dieser Beziehung und sich selbst schwankt. Leigh beschreibt diesen Gefühlsaufruhr von Keiley ziemlich gut und nachvollziehbar. Nicht mehr nachvollziehbar waren hingegen die ausgedehnten und sich ständig wiederholenden Gedanken und Erklärungsversuche für den Wunsch der Protagonisten nach dieser doch recht speziellen Beziehungsform – diese »Rechtfertigungen« wird aber vermutlich ohnehin nur derjenige verstehen, der dieses Faible teilt.
Die eingebaute Stalker-Nebenhandlung stört zwar nicht weiter, es hätte sie m.E. aber auch nicht unbedingt gebraucht – zumal sie ohnehin eher nur als Seitenfüller zu dienen scheint und nicht wirklich gut ausgearbeitet ist, sodass auch die Auflösung recht kurz ausfällt.
Wertung:
13/15 – Ein fast perfekter Erotikroman, dem an einigen Stellen eine kleine Straffung gut getan hätte.
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