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[Rezension] Jenna Black: Dämonenkuss

Originaltitel: The Devil Inside
1. Teil der Morgan-Kingsley-Serie

Inhalt:
Manche Menschen haben einen Beruf – andere eine Berufung. So ist es bei Morgan Kingsley, die zu den besten Exorzistinnen des Landes gehört: Sie liebt ihren Job, weil sie Dämonen hasst. Doch dann wird Morgan zum Opfer einer finsteren Verschwörung und muss alles, was sie bisher für gut und böse gehalten hat, noch einmal überdenken. Und zwar schnell, denn sie schwebt in tödlicher Gefahrt – und nur ein Dämon scheint sie retten zu können …

Kommentar:
Die Dämonen sind unter uns – und wenn es ganz dumm läuft, sogar in uns! Zumindest in Jenna Blacks Universum, in dem sich Menschen freiwillig als Wirt für einen Dämon zur Verfügung stellen, etwa um deren besonderen Fähigkeiten nutzen zu können und sich als Held feiern zu lassen. Daneben gibt es aber auch illegale Dämonen, solche, die unerlaubt Besitz von einem Menschen ergreifen. Diese gilt es ausfindig zu machen und auszutreiben, und dafür ist Morgan Kingsley zuständig. Dumm nur, dass ausgerechnet der Exorzistin selbst aus Gründen, die im Laufe der Handlung aufgedeckt werden, gegen ihren Willen und zunächst unbemerkt ein mächtiger Dämon aufgezwungen wurde, den sie nun unbedingt loswerden muss. Unglücklicherweise braucht sie dazu die Hilfe des Polizisten Adam, zu dem sie ein ziemlich angespanntes Verhältnis hat, weil er nämlich selbst einer der ihr verhassten Dämonen ist.

Diese Konstellation birgt Spannung, und die Geschichte an sich inklusive des doch ziemlich überraschenden Endes ist auch wirklich gut, die Umsetzung lässt allerdings zu wünschen übrig. Das liegt vor allen an der Protagonistin Morgan, die sich zugegebenermaßen in einer nicht ganz einfachen Situation befindet, aber deshalb trotzdem nicht dermaßen bescheuerte Handlungsweisen an den Tag legen müsste. Sie ist trotzig, unüberlegt, impulsiv, dabei fürchterlich spießig und vorurteilsbehaftet und – nicht zu vergessen – dauergeil. Sex hat sie zwar nur mit ihrem Freund, den sie über alles liebt, sie ist aber dennoch ständig heiß auf irgendwelche sexy Dämonen – und das, obwohl sie sie doch so hasst. Apropos Sex, Morgan hat arge Probleme mit SM-Sex im Allgemeinen und der SM-Beziehung zwischen Polizist Adam und seinem Freund im Speziellen und wird nicht müde, die »widerliche Neigung« (S. 234) zu verurteilen; seltsamerweise machen sie aber allein die belauschten Geräusche der Auspeitschspiele der beiden so heiß, dass sie sich selbstbefriedigt. Unglaubwürdig auch, dass der ach so gestandenen Exorzistin ständig Tränen in die Augen steigen, nicht nachvollziehbar ihr Schuldbewusstsein in Bezug auf den Tod einer Verräterin, unfassbar ihre Dummheit, das Handy einer Toten zu benutzen, noch viel bekloppter ihr Verrat an Adam, mit dem sie sich im Wesentlichen selbst schadet. Kurz gesagt: Morgan ist eine Heldin, wie man sie eigentlich nicht braucht – da hilft es auch nichts, dass sie den Leser immer wieder mal anspricht, um ihn ins Geschehen zu involvieren (was ich ohnehin nicht leiden kann).

Umso interessanter und faszinierender sind allerdings die Dämonen und Ex-Dämonen, die sehr viel besonnener und weitsichtiger handeln als die Vorzeige-Exorzistin selbst, sodass die Grenzen zwischen Gut und Böse bzw. Richtig und Falsch verschwimmen. Die Erklärungen, wie Dämonen ticken und warum Adam eigentlich »kein herkömmlicher Sadist im menschlichen Sinne« (S. 264) ist, obwohl er doch so gern die Peitsche schwingt, hat sich zwar wahrscheinlich nicht mal der Autorin plausibel erschlossen, spielt aber auch keine große Rolle, wenn man nicht den Drang hat, Entschuldigungen für SM-Neigungen zu finden.

Für Zartbesaitete ist das Buch definitiv nichts, denn Sex und Gewalt sind wesentliche Elemente in Jenna Blacks Welt: Es gibt neben (SM-)Sex, der übrigens in keinster Weise erotisch beschrieben wird, u.a. Folterszenen sowie Hinrichtungen – und geht zum Teil ganz schön zur Sache. Alles ist ein wenig dick aufgetragen und überreizt, aber wäre die Hauptfigur nicht so eine schreckliche Nervensäge, hätte »Dämonenkuss« trotzdem ein gutes Buch werden können.

Fazit:
7/15 – Trotz sehr guter Ansätze und eines interessanten Settings ein alles in allem nur durchschnittliches Buch – was vor allem an der befremdlichen Protagonistin liegt. Das überraschende Ende hat mich dennoch neugierig auf Band 2 gemacht, der im März unter dem Titel »Dämonenjagd« erscheint.

[Rezension] Claudia Toman: Hexendreimaldrei

Inhalt:
Wünschen ist nichts für Anfänger! Das muss auch Olivia erkennen, als ihr Wunsch, den eine Fee ihr so großzügig gewährt, ein kleines bisschen aus dem Ruder läuft. Warum musste ihr Märchenprinz sich aber auch erdreisten, eine andere heiraten zu wollen? Nun ist er ein Frosch, und als sie ihn so vor sich sieht, grasgrün, mit einem Heißhunger auf Fliegen, packt Olivia das schlechte Gewissen. Sie ist entschlossen, die Verwandlung rückgängig zu machen, selbst wenn sie sich dazu mit einem mächtigen Hexenzirkel anlegen muss …

Kommentar:
Das Erstlingswerk der Wienerin Claudia Toman startet skurril und entsprechend faszinierend: Direkt zu Beginn wird der Märchenprinz auf Wunsch der Protagonistin in einen Frosch verwandelt – und zwar von einer männlichen Fee, einem »Feerich« sozusagen, der offenbar ein Faible für Pink und Tüll hat. Nicht zuletzt aufgrund des ausgefeilten, leicht ironischen Schreibstils sorgt diese Eingangsszene für einige Erheiterung und einen wunderbaren Start ins Buch.

Da Olivia aber das schlechte Gewissen packt, zieht sie aus, um dem Frosch seine menschliche Gestalt zurückzugeben. Es geht von Wien nach London, wo ein mächtiger Hexenzirkel, der eigentlich seine Unterstützung zugesagt hatte, den verwandelten Prinzen postwendend in einen Brunnen einsperrt und Olivias Zugriff entzieht. Es gilt also nicht nur, den Frosch innerhalb von 48 Stunden zurückzuverwandeln – Olivia muss ihn erst mal von den Hexen zurückerobern. Wie es sich für ein Märchen gehört, stehen ihr dabei eine Menge wundersame freundliche Helfer – etwa in Gestalt von Shakespeare, einer Esoterikladenbesitzerin oder einem Theatergeist – sowie natürlich der Zufall zur Seite, und böse Gegenspieler fehlen ebenfalls nicht. Dennoch ist dieser Teil der Handlung recht ereignisarm und unterhält trotz der netten und wirklich interessanten Ideen insbesondere durch Situationskomik, spritzige Dialoge und eine witzige Sprache, die zwar sehr locker, aber dennoch bewusst und fast liebevoll ausgefeilt wirkt. Wer sich daran nicht erfreuen kann, wird vermutlich wenig Spaß an »Hexendreimaldrei« haben.

Unterbrochen wird die eigentliche Handlung während dieser Phase von Rückblenden, die schildern, wie Olivia ihren Märchenprinzen kennen und lieben lernt: Abwechselnd erzählt ein Kapitel von früher und das nächste von heute. Üblicherweise endet ein Kapitel mit einer Art Cliffhanger, was natürlich einerseits erst mal die Spannung steigert und den Leser dranbleiben lässt, andererseits aber nach einer Weile auch ausgereizt ist und recht bemüht wirkt. Bisweilen wird darüber hinaus innerhalb der jeweiligen Erzählzeit noch weiter in die Vergangenheit geblendet – dann wirds auch schon mal verwirrend, denn man weiß manchmal nicht mehr recht, wo man sich gerade befindet. Die ganze Kennenlernphase ist überdies recht intensiv ausgebreitet und dafür nicht beeindruckend und nicht emotional genug. Sie soll wohl begründen, wieso Olivia den Märchenprinz in einen Frosch zu verwandeln wünscht, entschleiert die Protagonistin aber eher als ziemlich naiv und realitätsfern – was aber ja zugegenermaßen ein klassisches Charakteristikum eines Märchenhelden ist. Jedenfalls kein Wunder, dass der Märchenprinz, dessen Reiz übrigens nicht wirklich rüberkommt, sie nicht haben will!

Der zweite Teil des Buchs, in dem Olivia ins Hauptquartier der Hexen eindringt, um ihren Frosch aus deren Fängen zu retten, ist ereignisreicher als der erste Teil, verliert aber gleichzeitig an Situationskomik, sprachlicher Unterhaltsamkeit und Ironie und ist damit auch nicht fesselnder. An einigen Stellen ist die Handlung außerdem entschieden zu verworren und kaum mehr nachzuvollziehen, weshalb schließlich auch die Spannung sinkt. Das Ende übersteigt meine Auffassungsgabe dann ehrlich gesagt vollkommen und hinterlässt mich relativ ratlos.

Fazit:
8/15 – Eine märchenhafte Geschichte mit einer wunderbaren Hintergrundidee und viel Witz, die zwar recht unterhaltsam ist, aber nicht ganz ausgereift wirkt und deshalb letztendlich durchschnittlich bleibt. Dennoch bin ich gespannt auf den Nachfolger »Jagdzeit«, der im Mai 2010 erscheinen wird.

[Rezension] Sharon Page: Samtschwarz

Originaltitel: Black Silk
Rodessons Töchter, Band 2

Inhalt:
London 1819: Wollüstig und tabulos sind die geheimen Orgien der Gesellschaft, deren unfreiwillige Zeugin die junge Maryanne wird. Als der Hilferuf einer Bekannten sie eines Abends in ein zwielichtiges Etablissement führt, traut sie ihren Augen nicht. Schockiert von den fremden, erregenden Spielen, die sich ihr darbieten, flüchtet sie in ein Nebenzimmer. Nur um dort den Herrn der Sünde persönlich vorzufinden: Dashiel Blackmore, Lord Swansborough. Ohne es zu wollen, ist sie dem erfahrenen Verführer bereits vom ersten Moment an rettungslos verfallen. Fasziniert von seinem nackten, muskulösen Körper, folgt sie wie gebannt seiner Aufforderung näherzukommen und gerät schon bald immer tiefer in den Sog einer Lust, die ebenso fesselnd wie gefährlich ist.

Kommentar:
Obwohl sie selbst sexuell vollkommen unerfahren ist, gibt Maryanne Hamilton erotische Bücher heraus – gemeinsam mit der Kurtisane Georgiana. Als ihre Geschäftspartnerin ihr eines Tages einen Hilferuf schickt und sie zu einer Art Orgie lotst, trifft sie dort auf Dahiel Blackmore, Lord Swansborough, für den sie schon lange heimlich schwärmt. Nicht ahnend, dass Maryanne die Schwägerin eines alten Bekannten von ihm ist, versucht er, sie zu verführen – und Maryanne gibt sich ihm ohne viel Federlesens hin. Drei Monate später, als herauskommt, dass die junge Frau schwanger ist, werden die beiden mehr oder weniger zu einer Hochzeit gezwungen. In der Folge gilt es aber nicht nur, die Vernunftehe erträglich zu gestalten oder gar in eine Liebesehe zu wandeln, sondern es müssen darüber hinaus die Verbrechen aufgeklärt werden, die irgendwie mit Dashiel zusammenhängen – zumal alle Hinweise darauf hindeuten, dass er der gesuchte Frauenmörder ist, der in London sein Unwesen treibt …

Während das erste Drittel des Buchs ein typischer – und sehr guter! – erotischer Roman ist, in dem relativ ausführlich alle möglichen und unmöglichen Sexpraktiken beschrieben werden, wandelt sich »Samtschwarz« anschließend mehr und mehr in einen Krimi mit überdurchschnittlich hohem Sexanteil. Aufgeklärt werden müssen einerseits Mordanschläge auf Dashiel selbst, andererseits die Frauenmorde, die Lord Swansborough angeblich begangen haben soll – wobei aber eigentlich von Anfang an vollkommen klar ist, dass Dash nicht der gesuchte Frauenmörder ist, sondern dass er hereingelegt werden soll. Das ist ein wenig schade, denn aus der Frage, ob Swansborough schuldig ist oder nicht, hätte das Buch große Spannung beziehen können. So aber plätschert die Krimihandlung relativ unspektakulär vor sich hin, und es werden alle möglichen potenziellen Verdächtigen abgeklopft, um am Ende mit zwei großen Überraschungen aufzuwarten, die nicht wirklich absehbar, aber – wenigstens zum Teil – glaubwürdig sind. Das große Finale mit dem sadistischen Widersacher ist nichts für zarte Gemüter und daneben auch ziemlich übertrieben – ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, dass einem unmittelbar nach stundenlanger sadistischer Folter und Todesangst der Sinn nach wildem Sex in den Büschen stehen könnte. Das eigentliche Ende ist dann für die gesamte Familie zuckersüß und noch dicker aufgetragen als in den meisten herkömmlichen historischen Liebesromanen.

Entscheidend bei der eher mäßigen Bewertung des Buchs sind aber die beiden Protagonisten, zu denen ich keine echte Verbindung aufbauen konnte. Die unscheinbare, komplexbehaftete Maryanne stolpert ziemlich blauäugig durch die Gegend und in ihr Unglück; ihre Naivität und Inkonsequenz führte bei mir mehrfach zu wildem Augenrollen. Immerhin steht sie aber für ihre Dummheiten gerade und verlangt folglich nicht von Dashiel, dass er sie wegen ihrer Schwangerschaft heiratet; außerdem ist sie durch und durch loyal, wie sie u.a. bei einem etwas peinlichen Auftritt vor Swansboroughs Familie beweist. Alles in allem wirkt sie aber passiv, bleibt zu jeder Zeit blass – und ist damit keine Heldin nach meinem Geschmack.

Dash dagegen ist ein extrem finsterer Typ, was sich auch äußerlich spiegelt: nicht nur seine Haare und Augen sind dunkel, sondern er trägt darüber hinaus grundsätzlich nur schwarze Kleidung. Er ist aufgrund seiner schrecklichen Kindheit ein klassischer »tortured hero«, der die Vergangenheit vergessen will und Zerstreuung in Alkohol und Sexorgien sucht, um die Erlebnisse auszublenden. Dabei lässt er – wie es sich für den Protagonisten in einem erotischen Roman gehört – in sexueller Hinsicht kaum etwas aus, sodass die zwar theoretisch gebildete, aber praktisch unerfahrene Maryanne in alle denkbaren Spielarten eingeführt werden kann. Positiv zu vermerken ist Dashs Reaktion auf Maryannes Schwangerschaft: Es gibt keine Ausreden, keine Zögern, keine Schuldabschiebung und Ausflüchte; er übernimmt ohne zu Zögern die Verantwortung für sein Handeln. Dass er das ohne jedes Hadern und ohne jeden Zorn tut, ist allerdings angesichts der Situation ein wenig unglaubwürdig. Ein bisschen Entsetzen hätte ihm mehr Glaubwürdigkeit verliehen und der sehr glatt laufenden Beziehung zwischen den Protagonisten vielleicht ein wenig mehr Würze verliehen. Doch nicht nur in dieser Angelegenheit, auch sonst ist Swansborough eigentlich viel zu nett dafür, dass er ja so schicksalsgebeutelt und »kaputt« ist – er hat viele gute Ansätze, kann aber letztendlich dennoch nicht vollends überzeugen.

Nicht wirklich relevant, aber erwähnenswert ist die Übersetzung des Titels: Dass aus dem Orignaltitel »Black Silk« im Deutschen »Samtschwarz« wurde, ist ein wenig unglücklich, weil im Buch schwarze Seide eine Rolle spielt und mehrfach erwähnt wird, während nicht mal irgendwelche Augen oder Haare »samtschwarz« sind. Es ist anzunehmen, dass eine Eins-zu-eins-Übersetzung des Originaltitels aus Gründen des Titelschutzes in Deutschland nicht möglich war; vielleicht hätte man allerdings in diesem Fall besser komplett von irgendwelchen schwarzen Materialien im Titel abgesehen.

Fazit:
8/15 – Ein erotischer Roman, der im Verlauf der Handlung mehr und mehr zu einem Krimi wird und letztendlich weder als Krimi noch als Erotikroman endgültig überzeugen kann. Obwohl trotzdem durchaus unterhaltsam, kommt der zweite Teil der Serie bei Weitem nicht an Teil 1 (Der Reiz des Verbotenen/Sin, 13/15 Punkte) heran.

[Rezension] Kathryn Smith: Unsterbliches Verlangen

Originaltitel: Be Mine Tonight
1. Teil der Schattenritter-Serie

Inhalt:
Seit sechs Templer während der Kreuzzüge in Vampire verwandelt wurden, dienen sie dem Vatikan als Schattenritter und suchen nach dem Heiligen Gral, der ihnen Erlösung verspricht. Einer von ihnen, der ruppige Einzelgänger Chapel, folgt einer Spur an die wilde Küste Cornwalls – und findet dort die willensstarke Prue, die sein Herz nach 600 Jahren wieder zum Glühen bringt …

Kommentar:
Die krebskranke Prudence Ryland ist zusammen mit dem Forscher Marcus Grey auf der Suche nach dem Heiligen Gral – in der Hoffnung, dass ein Schluck aus dem mystischen Gegenstand sie von ihrem Leiden heilen wird. Als die Kirche von ihrem Vorhaben erfährt, werden zur Wahrung der vatikanischen Interessen zwei Vertreter geschickt, die die Suche beaufsichtigen sollen: Pater Molyneux und der angebliche Historiker Chapel, der in Wahrheit einer der vampirischen Schattenritter ist und sich durch den Gral die Erlösung von seinem Vampirdasein erhofft. Zwischen Chapel und Pru knistert es von der ersten Begegnung an gewaltig, obwohl ihre Einstellung zu ihrem Dasein und die Gründe für die Gralssuche nicht unterschiedlicher sein könnte: Während Pru ihr Leben verlängern möchte, hofft Chapel, seine Existenz mithilfe des Grals beenden zu können. Vor allem in der zweiten Hälfte der Handlung tritt diese sehr gegensätzliche Lebenseinstellung deutlich hervor, denn Pru erfährt, wer bzw. was Chapel wirklich ist – und dass er sie retten kann. Chapel allerdings hadert mit seiner Moral und schaut tatenlos zu, wie seine Geliebte mit riesigen Schritten auf den sicheren Tod zusteuert …

Kathryn Smith hat eigentlich gute Voraussetzungen für einen guten paranormalen Liebesroman geschaffen, und das Buch startet auch vielversprechend, kann aber die geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Die Gralsidee ist wirklich gut, doch die Handlung pläschert letztendlich ohne echte Höhepunkte vor sich hin und ist relativ spannungsarm. Nur bedingt nachvollziehbar war für mich die auf den ersten Blick und natürlich für die Ewigkeit entflammte Liebe zwischen den Protagonisten.

Apropos Protagonisten, die sind das Hauptproblem an der Geschichte – um genau zu sein: Chapel ist das Problem. Er ist eigentlich ein ziemlich klassischer Vampir: Er braucht Blut zum Überleben, verträgt kein Tageslicht, ist extrem schnell und stark und hat einen außergewöhnlich guten Geruchs-, Hör- und Sehsinn; zwar hat er im Gegensatz zum altbekannten Vampir ein Spiegelbild, dafür kann er in Menschengestalt – pardon, Vampirgestalt – fliegen. Letzteres ist recht praktisch, zumal er sogar Passagiere mitnehmen kann: Prudence zum Beispiel, um mit ihr im Hof von Buckingham Palace eine schnelle Nummer zu schieben. Eigentlich ist Chapel also ein recht beeindruckender Kerl – wenn da nicht seine permanente Weinerlichkeit, sein grenzenloses Selbstmitleid und sein enervierender Selbsthass wäre. Er hat sich nämlich von der Kirche jahrhundertelang einreden lassen, er sei ein »Monstrum« – als durchschlagenden Beweis dafür sieht er unter anderem den Tod seiner früheren Verlobten vor 600 Jahren an, den er immer noch nicht verkraftet hat. Da er Pru nicht ebenfalls zu einer »Abscheulichkeit« machen will, lehnt er ihren Wunsch, er möge sie verwandeln, rigoros ab und steht ihr stattdessen lieber bei ihrem schmerzlichen Dahinsiechen bei. Alles aus Liebe, wie sich beide einreden, nicht aus Mangel an Liebe. Immerhin kann Pru ihn nach einigem Hin und Her dazu überreden, mit ihr zu schlafen, sodass sie wenigstens nicht als Jungfrau sterben muss – was aber auch einiges an Überzeugungskraft erfordert, denn Chapel unterbricht mit seinen Bedenken und Einwänden noch den eigentlichen Akt (»Ich bin kein Mensch, Pru. Was die Kirche und die Welt betrifft, bin ich eine Abscheulichkeit. Willst du die als deinen Liebhaber?«, S. 297). Aus unerfindlichen Gründen räumt er trotz aller Selbstverachtung Pru gegenüber ein, dass er selbst mit dem heutigen Wissen wieder aus dem Kelch trinken und ein Vampir werden würde; angesichts seiner Selbstverachtung ist das schwer nachvollziehbar, ebenso wie sein plötzliches Umdenken gegen Ende des Buches, als ihn die Einsicht ereilt, dass er vielleicht doch kein dämonisches Monster ist.

Pru ist ein vollkommen gegensätzlicher Charakter: Sie ist trotz ihrer Krankheit optimistisch, willensstark, entschlossen und betrachtet das Leben mit einer gehörigen Portion Humor. Sie, die bald viel zu jung sterben muss und doch so lebenshungrig ist, hat natürlich keinerlei Verständnis für das Gejammer eines Unsterblichen und macht der vampirischen Heulsuse wegen seiner Einstellung zum Leben und seiner Selbstverachtung ordentlich Feuer unterm Hintern. Allerdings ist ihre Beurteilung von Chapels Situation – wenngleich im Ansatz sicher richtig – für meine Begriffe zu schwarz-weiß und zu moralisch-vernünftig, um uneingeschränkte Sympathien für sie zu wecken. Schlimmer noch ist ihr gnadenloses Urteil über Chapels frühere Verlobte, das vollkommen anmaßend ausfällt und dem jeder Bezug zur Realität fehlt. Hier ist die Autorin beim Versuch, Prus bedingungslose Loyalität herauszuarbeiten, zum Teil ein wenig übers Ziel hinausgeschossen; dennoch ist die weibliche Protagonistei im Großen und Ganzen gut gelungen.

Das Buch spielt im Gegensatz zu den meisten anderen paranormalen Romanzen gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Obwohl die Autorin sich mit historischen Liebesromanen einen Namen gemacht hat und auch heute noch bzw. wieder solche schreibt, ist das Zeitkolorit nicht besonders gut eingefangen. Abgesehen davon, dass es keinerlei Heilungschancen für Pru gibt (was ja leider auch heutzutage ab einem Gewissen Stadium der Krebserkrankung der Fall ist), hatte ich nie wirklich das Gefühl, mich in der viktorianischen Zeit zu befinden. Das ist zwar nicht wirklich schlimm, aber ein wenig schade, weil sich das Buch dadurch von anderen Romanen hätte abheben können.

Möglicherweise ist die Sprache ein Indiz für die Zeit, in der das Buch spielt – ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die teils etwas antiquiert wirkende Ausdrucksweise nicht auf die Übersetzung zurückzuführen ist. Diese ist nämlich auch sonst stellenweise etwas sperrig und lässt einen wegen diverser kleinerer Ungenauigkeiten immer mal wieder stolpern, etwa über »kühlende Kohlen« (S. 148).

Fazit:
8/15 – Seichte, aber solide Unterhaltungsliteratur mit Potenzial, deren größtest Manko der weinerliche und völlig unvampirische Vampir in der männlichen Hauptrolle ist. Da die Schattenritter in den Hauptrollen der folgenden Bände der Serie deutlich besser sein sollen, werde ich der Serie wohl noch eine zweite Chance geben.

[Rezension] Richelle Mead: Succubus Blues

Originaltitel: Succubus Blues
1. Teil der Georgina-Kincaid-Serie

Inhalt:
Wenn man schon für die Hölle arbeiten muss, erscheint der Job als Sukkubus verdammt großartig. Eine Frau kann alles sein, was sie möchte, ihre Klamotten sind einfach umwerfend und sterbliche Männer liegen ihr zu Füßen. Zugegeben, sie bezahlen oft mit ihrer Seele dafür – aber warum sich mit dem Kleingedruckten aufhalten? Allerdings ist das Leben der Georgina Kincaid, Sukkubus in Seattle, weitaus weniger exotisch. Ihr Boss ist ein Dämon aus dem mittleren Management mit einer Schwäche für John-Cusack-Filme. Ihre besten Freunde, alles Unsterbliche, ziehen sie nach wie vor damit auf, dass sie sich in eine Dämonengöttin verwandelt hat, so mit allem Drum und Dran: aufreizendes Outfit, Peitsche und Flügel. Und sie kann sich einfach nicht mit jemandem treffen, ohne ihm einen Teil seiner Lebensenergie auszusaugen. Bleibt wenigstens noch ihr Alltagsjob in der örtlichen Buchhandlung – also kostenlos Bücher, so viel sie lesen möchte, kostenlos White Chocolate Mocha, so viel sie trinken möchte, und leichten Zugang zum Bestsellerautor Seth Mortensen alias »Er-Den-Sie-Um-Jeden-Preis-Haben-Möchte« …

Kommentar:
Obwohl der Klappentext ein bisschen nach paranormalem Liebesroman klingt, hat man es eher mit klassischer Urban Fantasy mit Krimi- und Liebesroman-Elementen und einer gehörigen Portion Humor zu tun. Das Setting ist ziemlich interessant: Das Buch spielt im modernen Seattle, wo alle möglichen übernatürlichen Gestalten unerkannt neben Menschen leben. Man begegnet neben der Hauptperson Georgina, die ein Sukkubus ist, Kobolden, Vampiren, Engeln und Dämonen, die eine illustre, aber faszinierende Gesellschaft bilden. Sie alle sehen sich mit unheimlichen Übergriffen und Morden an Unsterblichen verschiedener Rassen konfroniert, mit deren Aufklärung sie sich befassen.

Leider klingt das spannender als es anfänglich ist, denn die Mörderhatz plätschert zunächst eher im Hintergrund vor sich hin, während Georginas verkorkstes Liebesleben im Vordergrund steht. Sie lernt nämlich zwei sehr interessante Männer kennen, den Dozenten Roman und den Schriftsteller Seth, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sie aber beide gleichermaßen fesseln. Da sie eigentlich ein netter Sukkubus ist, will sie mit keinem von beiden etwas anfangen, denn damit würde sie – gemäß ihres Wesens – die Männer in Lebensgefahr bringen. Dieser innere Konflikt nimmt zunächst weite Teile der Handlung ein und ist ein wenig ermüdend; in der zweiten Hälfte nimmt die Handlung dann aber deutlich an Fahrt auf und an Spannung zu: Die Suche nach dem Mörder wird vorangetrieben und auch hinsichtlich der beiden Männer tut sich einiges – zum Teil durchaus Überraschendes. Die Auflösung lässt interessante Möglichkeiten für die Fortsetzungen offen, das Motiv für die Morde ist allerdings nicht wirklich überzeugend.

Die Figuren zeigen gute Ansätze, sind aber aber alles in allem etwas flach geraten. Vor allem Georginas unsterblichen Freunden hätte ein wenig mehr Profil gut getan; einzig der Engel Carter und ansatzweise auch der Kobold Hugh stechen positiv heraus und bleiben im Gedächtnis. Die beiden Männer Roman und Seth sind besser ausgearbeitet, aber auch nicht richtig durchschlagend; als Objekt der Begierde wirken sie auf mich wenig attraktiv – vor allem der zerstreute Seth ist mir zu sehr der Typ »lieber Langweiler«. Georgina selbst ist eine gute Figur mit vielen Facetten, leider kommt ihr sukkubisches Wesen nur ansatzweise heraus und hätte deutlicher ausgearbeitet werden müssen. Sie wirkt zudem ein wenig zu warmherzig, nett und rücksichtsvoll für ein derartiges Wesen, auch wenn die Gründe dafür einigermaßen plausibel erklärt sind; für mich ist das dennoch nicht ganz stimmig.

Aber nicht nur bezüglich der Figuren gibt es Schwächen; man merkt dem Buch auch darüber hinaus an, dass es ein Erstlingswerk ist – es erscheint an vielen Stellen einfach nicht ganz ausgereift. Es gibt viele halbgare Dialoge, Gedankensprünge und eine Vielzahl vollkommen überflüssiger Szenen, die aneinander gereiht wirken und die Handlung einfach nur in die Länge ziehen. Das alles wäre aber zu verkraften, wäre da nicht …

… die grauenvolle deutsche Edition des Buches! Irritierend für Auge und Verstand ist schon die Entscheidung des Verlages, französische Anführungszeichen nicht – wie in Deutschland üblich – in deutscher Anwendung (»Beispiel«), sondern in französischer Anwendung («Beispiel») zu benutzen, was beim Lesen zu einiger Verwirrung führt. Das ist allerdings nur eine Kleinigkeit angesichts der weiteren Verbrechen, die hier von Übersetzer und Lektorat bzw. Korrektorat (falls überhaupt vorhanden) begangen wurden, denn dieses Buch zählt zu den fehlerhaftesten Ausgaben, die mir je in die Hände gefallen sind. Der Text liest sich nicht nur äußerst holprig, sondern ist darüber hinaus auch von unzähligen Tipp-, Rechtschreib-, Grammatik- und Satzfehlern durchzogen. Doch damit nicht genug: vielfach fehlen Wörter und ganze Satzteile, immer wieder werden Begriffe unpassend übersetzt und Wendungen einfach blind ins Deutsche übertragen. Dadurch wird immer wieder der Lesefluss gehemmt und der Spaß an der Geschichte sinkt rapide. Ich rate jedem, der des Englischen einigermaßen mächtig ist und sich für das Buch interessiert, zum Original zu greifen und die Finger von der deutschen Ausgabe zu lassen – denn die ist wirklich eine Zumutung, zumal für den Preis von 12,95 Euro.

Fazit:
7/15 – Eine interessante Geschichte mit guten Ansätzen und einer faszinierenden Hintergrundidee, die aber – zumindest zum Teil – noch ganz schön unausgereift wirkt und vor allem anfangs schwer in die Gänge kommt. Sehr wahrscheinlich hätte ich die Originalausgabe etwas besser bewertet; da ich aber nur beurteilen kann, was ich gelesen habe und keinen Grund sehe, die Sprache als Werkzeug des Autors vom Text zu trennen, fließt natürlich die schlechte Übersetzung in die Gesamtwertung ein. So oder so: Den begeisterten Volle-Punktzahl-Bewertungen hätte ich mich keinesfalls angeschlossen.

[Rezension] Kai Meyer: Arkadien erwacht

1. Band der Arkadien-Serie
Carlsen, 2009

Inhalt:
Schon bei ihrer Ankunft auf Sizilien fühlt sich Rosa, als wäre sie in einen alten Film geraten – der Chauffeur, der ihre zufällige Reisebekanntschaft Alessandro am Flughafen erwartet; der heruntergekommene Palazzo ihrer Tante; und dann die Gerüchte um zwei Mafiaclans, die seit Generationen erbittert gegeneinander kämpfen: die Alcantaras und die Carnevares, Rosas und Alessandros Familien. Trotzdem trifft sich Rosa weiterhin mit Alessandro. Seine kühle Anmut, seine animalische Eleganz faszinieren und verunsichern sie gleichermaßen. Doch in Alessandro ruht ein unheimliches Erbe, das nicht menschlich ist …

Kommentar:
Nach diversen Misserfolgen mit hochgelobter Young-Adult bzw. All-Age-Fantasy in den letzten Wochen bin ich mit äußerst gemischten Gefühlen an »Arkadien erwacht« herangegangen. Doch um es vorwegzunehmen: Kai Meyer hat mir mit seinem Buch den fast verlorenen Glauben in dieses Genre zurückgegeben – und das, obwohl ich Mafia-Plots eigentlich überhaupt nicht mag!

Die Geschichte startet mit Rosas Flugreise zu ihren Verwandten nach Sizilien und macht sofort deutlich, dass die 17-Jährige keine ganz einfache Figur ist: Sie ist aufsässig, arrogant, abweisend, stiehlt, schottet sich von der Außenwelt ab – und hat ganz offensichtlich ein traumatisches Erlebnis hinter sich, das jedoch zunächst im Dunklen bleibt. Auch den freundlichen Alessandro, der eine Reihe vor ihr sitzt und ihr zuhilfe kommt, weist sie ab, obwohl sie sich durchaus genug für ihn interessiert, um seinen Ausweis zu stehlen.

In Sizilien angekommen, wird Rosas familiärer Hintergrund offenbar: Ihr längst verstorbener Vater stammte aus einem Mafia-Clan. Von einigen Verhören abgesehen, haben Rosa und ihre Schwester Zoe, die nach dem Tod ihres Vaters in den USA aufgewachsen sind, nicht viel von den dubiosen Machenschaften der Cosa Nostra mitbekommen. Jetzt allerdings, in der Obhut ihrer Tante, die den Alcantara-Clan leitet, können sie die Augen nicht länger davor verschließen, wer sie sind und in welche Geschäfte die Familie verwickelt ist. Der Autor verzichtet dankenswerterweise darauf, allzu tief in die Aufarbeitung der Strukturen der Mafia einzutauchen und die Details zu den Korruptionen zu sehr herauszuarbeiten, und beschränkt sich stattdessen auf das Wesentliche, das für die Geschichte und deren Fortgang wichtig ist. Und wichtig ist vor allem eins: Alessandro gehört einem verfeindeten Mafia-Clan an und soll nun das Erbe seines Vaters antreten – was ihn für Rosa, passend zu ihrer Persönlichkeit, erst recht interessant macht.

Als Rosa und Alessandro sich kurz nach ihrer Ankunft auf einer Beerdigung wiedersehen und entgegen aller Regeln vor den Augen der Trauergemeinde ein privates Gespräch abseits der Menge führen, wird klar, dass auch Alessandro nicht bereit ist, sich widerstandslos den Erwartungen zu fügen. Er ist aber mitnichten einfach nur ein netter Kerl mit Rückgrat, der den herkömmlichen Mafiamethoden gegenüber skeptisch eingestellt ist, wie man zunächst vermuten könnte, sondern er verfolgt seine ganz eigenen Pläne: Um seine Ziele zu erreichen und sich als Clanführer gegen seinen skrupellosen Onkel durchzusetzen, benutzt er Rosa zunächst ungeachtet der Gefahren für seine Zwecke. Was die beiden aber gemeinsam entdecken und durchmachen müssen, schweißt sie – ebenso wie ihre arkadischen Wurzeln – mehr zusammen, als sie es sich hätten träumen lassen.

Die Geschichte erinnert stark an »Romeo und Julia«, versetzt in die Moderne und aufgehübscht mit sagenhaften Fantasyelementen. Drei Hauptstränge tragen die Geschichte: die verbotene Beziehung zwischen Rosa und Alessandro, die actionreiche Mafia-Handlung innerhalb und zwischen den Clans sowie der fantastische Hintergrund um die Arkadier; entsprechend abwechslungs- und temporeich ist die Erzählung. Aufgrund der Aktionen diverser undurchsichtiger gewissenloser Nebenfiguren, die den Protagonisten das Leben durch ihre Intrigen in jeder Hinsicht schwer machen, ist die Handlung durchgehend fesselnd. Darüber hinaus spannungssteigernd wirken die geheimnisvollen Andeutungen, etwa auf Rosas Trauma oder die undurchsichtige Verbindung der Mafiosis mit Tieren, die aber nicht übertrieben eingesetzt, sondern aufgeklärt werden, bevor sie zu nerven beginnen – im Gegensatz zu anderen Autoren hat Meyer hier genau das richtige Maß gefunden. Zu erwähnen ist, dass es teilweise relativ brutal und blutrünstig zugeht und zahlreiche Tote auf allen Seiten gibt; da die Story aber nun mal im Mafiamilieu spielt und nicht im Pfadfinderzeltlager, ist das weniger störend als passend – alles andere wäre wenig glaubwürdig gewesen.

Die Nebenfiguren wirken zum Teil ein wenig stereotyp, Rosa und Alessandro sind allerdings – auch in ihrer Entwicklung innerhalb des Buches – durchgehend überzeugend dargestellt. Rosa ist zunächst vielleicht keine ganz einfache und umwerfend sympathische Heldin, doch spätestens nachdem man weiß, was ihr in der Vergangenheit widerfahren ist, relativiert sich die Beurteilung ihres Verhaltens. Alles in allem erweisen sich beide Protagonisten klug, zielstrebig, aufrecht, empathisch und wirken sehr authentisch und lebendig – hier gibt es erfreulicherweise keine hanebüchenen, völlig überzogenen Handlungsweisen und keine unsinnigen Dialogen, wie sie mir in den letzten All-Age-Büchern immer wieder begegnet sind.

Überzeugend ist auch die Sprache, die modern und sehr anschaulich, aber nicht zu blumig geraten ist, und die Landschaft und die Atmosphäre in Sizilien wunderbar einfängt (und wer es nicht schon wusste, wird aufgrund der wiederholten Erwähnung garantiert nie wieder vergessen, dass Olivenbäume »knorrig« sind!). Auch die Ausdrucksweise der einzelnen Figuren in den Dialogen wirkt glaubwürdig und sehr passend.

Fazit:
15/15 – Ein Buch, das mich mit der ersten Seite gepackt und nicht mehr losgelassen hat – hier stimmt die Mischung aus Action, Fantasy und Liebe/Romantik einfach hundertprozentig.

Sandra Henke/Kerstin Dirks: Begierde des Blutes

Vampirloge Condannato, Teil 1
Alle drei Teile der Serie auch als Sammelband unter dem Titel »Die Vampirloge Condannato« erhältlich

Inhalt:
Tamara Malt arbeitet in einer Werbeagentur in Kensington und kümmert sich auch um das Marketing des Restaurants ihrer Eltern, „That Delicous Bite“, das im Nobelviertel Richmond up Thames liegt. Doch heimlich sehnt sie sich danach, sich in die Arme eines starken Mannes fallen lassen zu können. Eines Tages bekommt sie die geheimnisvollen Memoiren von Sophie Ashford zugeschickt, die im 18. Jahrhundert lebte. Neugierig folgt sie den Hinweisen und stößt dabei auf den mysteriösen, charismatischen Dorian Everheard, dessen erotische Ausstrahlung Tamara magnetisch in seinen Bannkreis zieht. Doch die Zusammenhänge werden immer verworrener, bis sich die Schlinge plötzlich zuzieht und die Faust der Rache zuschlägt: Denn Dorian ist ein Vampir und zu großer Macht gereift, wie guter, alter Wein! Tamara erfährt immer mehr über Sophie und ihre tragische Liebe zu dem jungen, verführerischen Vampir Jeremy Wellingham. Eine Liebe, die nicht nur Sophie und Jeremy, sondern auch Dorian ins Unglück stürzte. Vor drei Jahrhunderten musste Dorians Rachedurst ungestillt bleiben. Doch nun, im London des 21. Jahrhunderts, jagt er erneut – und sein Opfer ist Tamara! Denn Tamara sieht der schönen Sophie nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern sie stammt auch aus derselben Blutlinie…

Kommentar:
Es ist schon einige Zeit her, dass ich das Buch gelesen habe, doch da ich einige Anmerkungen dazu in einem alten Notizbuch gefunden habe, kann ich es mir nicht verkneifen, wenigstens einen kurzen Kommentar dazu online zu stellen.

Das Buch startet zunächst ziemlich gut und vor allem der Anfang – der erste Teil von Sophies Geschichte – ist durchaus fesselnd. Im weiteren Verlauf weist die Handlung aber gravierende Mängel in der Umsetzung auf, die Hauptpersonen sind beide unvergleichlich unsympathisch, die Dialoge werden zunehmend unsinniger – doch alles das könnte man einem Erotikroman verzeihen, wenn wenigstens die Sexszenen brauchbar wären. Sind sie aber nicht, ganz im Gegenteil. Ich hab ja wirklich schon einige erotische Romane gelesen, aber dieser hier hat an sprachlichem Missvergnüngen und abtörnende Vergleichen wirklich alles dagewesene getoppt. Beispiele gefällig?

»Kräftig saugte Dorian an ihnen [den Brüsten] wie eine Melkmaschine …«

»Er … saugte ihre Haut wie eine Saugglocke an …«

»Aber sprach ihr Körper nicht eine deutliche Sprache, indem er die Pfütze zwischen ihren Schenkeln zu einem Fluss anschwellen ließ?«

»Dann [nach ihrem Orgasmus] brach Tammy zuckend wie ein Aal zusammen.«

Und das sind mitnichten Ausnahmen, sondern nur die Spitze des Eisbergs! An anderer Stelle schwimmt zu allem Übel seine Zunge auch noch wie eine Seeschlange in ihr. Wie eine Seeschlange!!! Was ist das bitte für ein Mann, der eine Zunge wie eine Seeschlange hat? Bah! Ist das absurd?! Wie um alles in der Welt kommt dieses Buch zu so guten Bewertungen? Ist mein Erotikverständnis verschroben? Oder reicht meine Tierliebe (insbesondere für Kühe und Wasserbwohner) nur einfach nicht aus?!

Fazit:
3/15 – Da mir die Grundidee im Prinzip recht gut gefallen hat und das Buch außerdem für einige Lacher gesorgt und damit einen gewissen Unterhaltungswert hat, vergebe ich immerhin drei Punkte. Als Erotikbuch versagt »Begierde des Blutes« vollkommen.

[Rezension] Janet Evanovich: Visions of Sugar Plums

Deutscher Titel: Der Winterwundermann
Between the Plums, Band 1

Inhalt:
Es sind nur noch vier Tage bis Weihnachten, doch Stephanie Plums Welt ist alles andere als fröhlich. Weder Baum noch Geschenke sind organisiert, und ihr ist so weihnachtlich zumute wie einem Truthahn zu Thanksgiving. Als ein paar Tage vor dem Fest dann statt des Weihnachtsmanns ein fremder Mann in ihrer Küche steht, ist Stephanie endgültig überfordert. Sie mag ja an seltsame Leute gewohnt sein – man nehme nur ihre Familie –, aber dieser Typ ist tatsächlich sehr merkwürdig. Angeblich heißt er Diesel, ist ziemlich attraktiv, und Stephanie hat keine Ahnung, wie er in ihre Wohnung gekommen ist – oder warum. Hat er womöglich etwas mit dem flüchtigen Spielzeugwarenhändler Sandy Claws zu tun, der ins Winterwunderland entschwunden zu sein scheint? Stephanie versucht, der Sache auf den Grund zu gehen und bekommt es dabei mit wütenden Elfen, explodierenden Weihnachtsbäumen und einem ganz speziellen Herrn zu tun, den ihre Großmutter von der Männerjagd mitgebracht hat …

Kommentar:
Lange Inhaltsangabe, sehr kurzer Kommentar: Eine leidlich unterhaltsame, ganz witzige Weihnachtsgeschichte, der aber der Pfiff fehlt. Stephanies Familie ist skurril, irrsinnig und witzig wie immer, die um sich greifende Weihnachtspanik um Geschenkewahnsinn und Baumkauf sind durchaus amüsant und – wenn auch überspitzt dargestellt – bedenklich wahr. Die Jagd nach dem Spielwarenhändler Sandy Claws dümpelt allerdings doch recht dröge vor sich hin, und die magischen Elemente wirken leider ziemlich unausgegoren; bei aller Bereitschaft, fantastische Ideen als gegeben hinzunehmen, hätte ich mir doch ein paar Erklärungsansätze gewünscht. Es macht tatsächlich ein wenig den Eindruck, als hätte Evanovich den Hintergrund nicht so richtig durchdacht. So bleibt bei aller Situationskomik die Unterhaltung ein wenig auf der Strecke.

Bleibt zu sagen, dass das Buch inhaltlich wie auch bzgl. des Umfangs sehr dünn ist, und dass zumindest bei der deutschen Ausgabe dieses Buches das Preis-Leistungs-Verhältnis in keinster Weise stimmt. »Der Winterwundermann« mit 143 Seiten Geschichte als Hardcover für einen Preis von 12,95 Euro zu verkaufen, birgt hohes Enttäuschungspotenzial beim Leser und ruft zurecht einige Verärgerung hervor.

Fazit:
7/15 – Weihnachtsunterhaltung aus dem Hause Plum, die aber nur leidlich fesselnd und zumindest in der deutschen Ausgabe viel zu teuer ist. Immerhin brennt nicht nur das Auto, sondern auch der Baum!

[Rezension] Lisa Kleypas: Mine Till Midnight

Deutscher Titel: Pfand der Liebe (Knaur, April 2010)
1. Teil der Hathaway-Serie

Inhalt:
Die Suche nach ihrem Bruder Leo treibt Amelia Hathaway in die Londoner Halbwelt. In einem Herrenclub begegnet sie dem verruchten Cam. Der begreift die spröde Amelia als persönliche Herausforderung und beginnt sie nach allen Regeln der Kunst zu umwerben. Bald schon weiß sie nicht mehr, was sie empfinden soll – vor allem nicht, als auch noch ihr einstiger Verehrer auftaucht.

Kommentar:
»Mine Till Midnight« ist der Auftakt zu einer neuen Serie, die lose verknüpft ist mit der »Wallflower«-Serie der Autorin. Wer die Mauerblümchen-Serie gelesen hat, wird sich vielleicht erinnern, dass Cam im dritten Teil (»Devil in Winter«) einen Auftritt hatte; ebenso tauchen hier einige Mauerblümchen nebst ihren Gatten auf.

Amelia Hathaway hat nach dem Tod ihrer Eltern beschlossen, ihr Leben in den Dienst ihrer Familie zu stellen und nicht zu heiraten, sondern sich um ihre vier jüngeren Geschwister zu kümmern. Vor allem mit ihrem Bruder Leo, ehemals ein talentierter Architekt, hat sie alle Hände voll zu tun, denn er hat nach einem Schicksalsschlag und nach dem unverhofften Erbe eines Adeltstitels den Halt verloren und gibt sich den gesellschaftlichen Lastern hin: Er trinkt, spielt und hurt in einem Ausmaß, das Amelia große Sorgen bereitet. Als sie eines abends auf der Suche nach ihm in einem Spielclub landet, trifft sie auf den geheimnisvollen Cam Rohan, von dem sie sich unwiderstehlich angezogen fühlt, und bittet ihn um Hilfe. Cam, der von Amelia ebenso hingerissen ist wie sie von ihm, willigt ein und legt damit den Grundstein für eine Beziehung, die beide eigentlich nicht wollten.

Wie üblich spinnt Kleypas eine schöne und bodenständige Geschichte, die diesmal allerdings ein wenig an ihren Protagonisten krankt. Cam Rohan ist ein Halb-Roma, der sich nach oben gearbeitet hat und als Londoner Spielclubbesitzer ein Vermögen gemacht hat. Als er auf Amelia trifft, trägt er sich mit dem Gedanken, London mit seinen Konventionen und Lastern den Rücken zu kehren und sich seiner Roma-Sippe anzuschließen; er muss sich schließlich zwischen zwei Welten entscheiden. Cam ist ein klassischer Kleypas-Held: ein wenig düster, ein wenig geheimnisvoll, mit einer schwierigen Vergangenheit. Zum Teil legt er enervierend dominantes Auftreten an den Tag, das aber von der sturen Amelia als sein Gegenpart weitgehend abprallt. Amelia ist dennoch keine Heldin, die besonders gut zugänglich ist. Sie ist zwar alles in allem sympathisch, aber einfach zu altruistisch und wandelt auf einem sehr schmalen Grat zwischen berechtigter Sorge und beengender Überfürsorge. Sie ist eine echte Glucke mit einem übergroßen Beschützerinstinkt und dem Drang, über alle anderen Leute und Dinge zu bestimmen und kaum andere Meinungen und Vorstellungen zuzulassen; entsprechend anstrengend ist sie sowohl für ihre Umgebung im Buch als auch für den Leser.

Es spricht für Kleypas‘ Erzähltalent, dass das Buch trotz dieser Heldin noch so gut worden ist. Das liegt einmal mehr nicht zuletzt an den interessanten, sehr lebendigen Nebenfiguren, allen voran an dem depressiven, lebensmüden Leo und dem geheimnisvollen, schwierigen Merripen, ebenfalls ein Roma, der seit seiner Kindheit bei der Familie lebt. Die ewig plappernde Poppy und die tierverrückte Beatrix sorgen als Ausgleich für lustige Momente, während ausgerechnet Win, die Heldin des folgenden Teils der Serie, für ein wenig Drama sorgt.

Fazit:
10/15 – Trotz der zeitweise ziemlich anstrengenden Protagonistin legt Kleypas ein gewohnt gutes, solides Buch vor. Es reicht nicht an die Highlights der Autorin heran, ist aber unterhaltsam und interessant genug, um Lust auf die folgenden Bände der neuen Serie zu machen.

[Rezension] Lisa Kleypas: Tempt me at Twilight

dt. Titel: Zärtlicher Nachtwind
The Hathaways, Book 3

Inhalt:
Poppy Hathaway liebt ihre unkonventionelle Familie, sehnt sich aber nach Normalität – nicht zuletzt deshalb findet sie Michael Bayning so attraktiv, einen sehr konventionellen künftigen Lord. Weil Michaels Vater eine bürgerliche Braut an der Seite seines Sohnes nicht akzeptieren würde, muss ihre Verbindung noch geheim gehalten werden, doch Poppy ist bereit zu warten. Dann jedoch begegnet sie dem charismatischen Hotelbesitzer Harry Rutledge, der sie trotz seines schlechten Rufs außerordentlich fasziniert. Als die beiden in einer kompromittierenden Situation erwischt werden, nimmt sie – sehr zum Entsetzen ihrer Familie – seinen Heiratsantrag an, der ihren Ruf retten soll. Sie muss allerdings feststellen, dass ihr Gatte ihr zwar Leidenschaft und grenzenlosen Luxus bietet, aber leider keine Liebe …

Kommentar:
Das Buch zieht einen sofort in seinen Bann – mit einer ziemlich lustigen Szene, in der Poppy Hathaway das Frettchen ihrer Schwester Beatrix durchs Hotel jagt, das sich mit einem Liebesbrief ihres heimlichen Freundes davongemacht hat. Sie landet in einem Geheimgang und trifft dort auf einen attraktiven Mann, der sich schließlich als der sagenumwobene Hotelbesitzer Harry Rutledge herausstellt. Auch wenn er selbst merklich erstaunt darüber ist, ist augenblicklich klar, dass Harry das unkonventionelle Mädchen will, das sich bei ihrer ersten Begegnung als so humorvoll, geistreich und warmherzig herausstellt. Ebenso offensichtlich ist, dass er alles dafür tun wird, sie zu kriegen – ohne Rüchsicht auf Verluste; er zögert keine Sekunde, Intrigen zu spinnen, um Michael aus dem Weg zu schaffen, und er ist berechnend genug, um Poppy in eine kompromittierende Situation zu bringen, sodass sie kaum eine Wahl hat als ihn zu heiraten. Trotz seines zweifelhaften Vorgehens ist er eine äußerst faszinierende Figur, denn auch wenn sein Verlangen nach Poppy reinem Besitzdenken zu entspringen scheint, bringt der undurchsichtige Mann ihr doch mehr Gefühle entgegen als irgendjemandem sonst.

Das ist natürlich nicht genug für jemanden wie Poppy, die in einer liebevollen Familie aufgewachsen ist und an das Gute in Harry glaubt. Sie ist überzeugt davon, dass sie trotz der schlechten Vorzeichen eine gute Ehe mit ihm führen wird – bis sie Minuten vor ihrer Eheschließung von seiner Intrige gegen Michael und sie erfährt. Aus Gründen, die nicht ganz nachvollziehbar sind, heiratet sie ihn trotzdem, verliert aber den Glauben an einen guten Ausgang ihrer Beziehung. Dass sich Harry furchtbar despotisch aufführt, Poppy in ihrer Freiheit beschränkt und ihr allerlei Verbote und Gebote auferlegt, macht die Situation nicht besser. Allerdings blitzt immer wieder die Erkenntnis auf, dass Harry mehr für sie empfindet als er sich und ihr gegenüber eingesteht und dass er schlicht Angst vor einer engen Bindung hat – hat er doch in seiner frühesten Kindheit gelernt, dass Gefühle einen Menschen verletzlich machen. Es ist glaubwürdig, dass er sich Poppy erst öffnet, als er sie zu verlieren droht.

Dennoch – in dieser zweiten Hälfte, ab dem Zeitpunkt der Hochzeit – verliert das Buch ein wenig an Esprit. Der Versuch der Protagonisten, sich mit dem Alltag und dieser lieblosen Form der Ehe zu arrangieren, wirkt zum Teil merkwürdig distanziert beschrieben. Hinzu kommen einige seltsame Ereignisse und Entscheidungen, etwa die mehr oder weniger erzwungenen sexuellen Aktitivitäten in der Hochzeitsnacht, Poppys Flucht und deren Motivation und auch die plötzliche Einsicht beider Protagonisten, die nur bedingt glaubwürdig ist. Völlig überflüssig ist das dramatische Ende des Buches, das extrem angeklatscht wirkt und den Eindruck erweckt, als müsse man unbedingt noch ein paar Seiten mehr füllen. Gleiches gilt für die ausführlichen Sexszenen.

Meisterhaft sind die Nebenfiguren gelungen – das liebenswerte, verschrobene Hauspersonal, das extrem froh über Harrys Hochzeit mit Poppy ist und das nur das beste für den Arbeitgeber will. Obwohl dazu angehalten, nicht zu tratschen, kommentieren sie untereinander eifrig die Geschehnisse zwischen Harry und Poppy und sorgen damit für einige Lacher. Sehr glaubwürdig und ungezwungen webt Kleypas auch einmal mehr die anderen Geschwister in die Geschichte ein – und der Epilog bietet interessante Aussichten auf den nächsten Band, in dem – endlich! – Poppys Bruder Leo sein Glück finden wird.

Fazit:
12/15 – Ein richtig unterhaltsames Buch, das sehr stark startet, in der zweiten Hälfte aber etwas nachlässt.

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Serieninfo:
01 Mine Till Midnight | Pfand der Leidenschaft – 10/15
02 Seduce me at Sunrise | Glut der Verheißung – 15/15
03 Tempt me at Twilight | Zärtlicher Nachtwind – 12/15
04 Married by Morning – 8/15
05 Love in the Afternoon