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[Marginalie] Irritierende Eindeutschungen

Mich irritieren ja immer wieder mal die Eindeutschungen in den deutschen Übersetzungen fremdsprachiger Bücher. Sabrina hatte vor einiger Zeit schon mal über die eingedeutschten Namen bei »Die Enklave« berichtet, wo aus »Fade« and »Deuce« hierzulande »Bleich« und »Zwei« wurden. (Das hätte mich definitiv in den Wahnsinn getrieben, hätte ich das Buch gelesen! Und es wäre für mich ein Grund gewesen, das Buch nicht zu kaufen, hätte ich denn Interesse daran gehabt.)

Mir gehts aber hier eher um inhaltliche Anpassungen. Mir sind in letzter Zeit in zwei neueren amerikanischen Büchern z.B. Brezeln begegnet, die im Original Bagels waren. In Anbetracht der Tatsache, dass es inzwischen auch hierzulande in fast jeder Supermarktbäckerei Bagels zu kaufen gibt, finde ich das ziemlich albern. Und gerade bin ich in einem Mrs.-Wilcox-Roman von 2005 darüber gestolpert, dass sich die Pfarrersfrau darauf freut, auf einer Buchmesse Kinderbücher von Astrid Lindgren und Cornelia Funke durchstöbern zu können. Leider weiß ich nicht, was da im Original steht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass in einem amerikanischen Buch nicht ausgerechnet eine schwedische und eine deutsche Autorin genannt werden. Ich verstehe natürlich, dass das angepasst wird, weil die amerikanischen Kinderbuchautoren in Deutschland nicht bzw. weniger bekannt sind, aber solche Änderungen empfinde ich als extrem störend und unauthentisch (auch wenn es natürlich Lindgren-Bücher in den USA gibt und inzwischen auch Funke dort veröffentlicht wird).

In solchen Fällen würde ich mir wirklich weniger Übersetzungs- bzw. Anpassungswut und dafür mehr Fingerspitzengefühl wünschen. Wir Leser sind schließlich nicht ganz dumm und können uns notfalls auch mal was zusammenreimen bzw. nachschlagen und somit aus einem Buch lernen! Stolpert ihr ebenfalls über solche Dinge oder könnt ihr sowas einfach überlesen?

25 Kommentare zu [Marginalie] Irritierende Eindeutschungen

  • Sowas finde ich total furchtbar. Für mich verfremdet das die Übersetzung noch viel mehr, es ist einfach nicht genau der Wortlaut, den der Autor/in rüberbringen wollte. Lieber ist mir dann ein Sternchen mit Erklärung.

  • Ich stolpere zwar nie über seltsame Übersetzungswörter (da ich ja meist nur das Original lese) aber prinzipell stört mich das auch ganz schön. Wie Du schon sagst, sowas kann man doch mal schnell nachschlagen, falls es einen dermassen fuchst. Namensänderungen finde ich nahezu grauenhaft, sowas muss nun wirklich nicht sein! Mich würde sowas wohl auch vom Kauf abhalten, wenn ich ehrlich bin.

  • Da frag ich mich doch, was aus den guten alten Sternchen oder Fußnoten geworden ist. o_O
    Ich kann mich an Bücher erinnern, die ich als Kind gelesen habe, wo mal ein Sternchen stand, was erklärte, warum etwas so übernommen wurde oder was eine Name im Deutschen bedeuten würde.
    Zu Zeiten des Internets finde ich es noch lächerlicher englische/amerikanische Namen einzudeutschen (und dann auch noch falsch, wie bei Across the Universe, wenn ich das recht verstanden habe…) – wozu gibt’s leo? Oder Englisch-Unterricht? Englisch ist so allgegenwärtig in unserer Zeit, dass man es doch auch von jungen Leuten erwarten kann ggf. mal nen Blick in ein Wörterbuch zu werfen. Oder?
    Gut, das mit den Autorinnen mag ja stimmen, aber man kann doch im Anhang noch eine Anmerkung dazu schreiben. Meinetwegen auch in einer Fußnote. Das fände ich weit weniger irritierend…

  • Wenn ich es mitbekomme, stört mich sowas auch total. Mein aktuellstes Beispiel ist Across the Universe. Aus Elder wurde mal eben Junior, finde ich ja total bescheuert. Und zensiert ist es auch noch, denn Hitler darf natürlich ein einem deutschen Jugendbuch nicht erwähnt werden *kopfschüttel*

    In Filmen wird sowas, wie bei deinem Beispiel mit den Autoren, auch ganz häufig gemacht und das stört mich extrem, weil ich dann auch immer denke, dass die Person XY nie und nimmer in den USA als Paradabeispiel aufführen würden

    • Das mit der Umbenennung von Elder in Junior ist wirklich lächerlich.

      Und das mit Hitler hab ich bei Rishu gelesen, ist mir auch unverständlich. Aber offenbar ist man der Meinung, dass man so eine Äußerung über Hitler im Deutschen einfach nicht unkommentiert stehen lassen kann.

  • Ich muss gestehen, dass ich über so etwas hinweglese… Mrs. Wilcox lese ich zum Beispiel auch sehr gerne und diese Stelle mit der Buchmesse ist mir beim lesen nicht aufgefallen. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass ich nur deutschsprachige Bücher lese und ganz, ganz selten einmal etwas auf Englisch. Da fehlt mir dann der Vergleich…

    LG
    Marie

    • Ich find die Wilcox-Übersetzung insgesamt eigentlich ganz in Ordnung; mir ist halt diese Stelle aufgefallen, weil es für mich – wie gesagt – einfach überhaupt nicht passte, da von Lindgren und Funke zu lesen. :)

  • Bei Eindeutschungen stellen sich mir eigentlich immer die Haare auf.
    Ganz schlimm ist es auch bei romantischen Büchern mit Sporthintergrund. Da werden ganze Sachen einfach weggelassen oder komplett verändert, dabei wäre alles mit einer kurzen Fußnote zu klären.

    • Sabrina: Bei Sport-Liebesromanen kann man wahrscheinlich froh sein, wenn aus American Football nicht mal eben Fußball gemacht wird – früher wäre das den Verlag wahrscheinlich durchaus zuzutrauen gewesen!

      Eventuelle Kürzungen an Stellen, die für deutsche Leser unverständlich sind, find ich aber ehrlich gesagt gar nicht soooo schlimm – also wenn z.B. eingehend irgendwelche speziellen Details aus Sportarten beschrieben werden, die hier kaum jemand kennt (und schon gar keine Liebesromanleser! *g*). Natürlich ist das ein Texteingriff, aber ich halte ihn für vertretbar, weil solche Infos keinem was »bringen«.

      • Ich weiß nicht – Es mag sein, dass den einen Leser diese Passagen nicht interessieren, den anderen aber schon. Kürzungen in diesem Sinne empfände ich daher als „Bevormundung“. Klar, kennt man nur eine Textversion, fällt es einem nicht auf. Richtig finde ich es trotzdem nicht, da mir das über ein „sinngemäßes Übersetzen“ zu sehr hinaus geht. Und wo fäng man an und hört man auf – bei Sportspieleinzelheiten? Bei (steigernden) Wortwiederholungen? Bei „uninteressantem“ Streifen durch Parks?

        • Dass ich mich hier nicht dafür ausspreche, dass ein Übersetzer/Verlag entscheiden soll, was interessant für den Leser ist oder nicht (Stichwort: durch den Park streifen), ist doch wohl klar. Dass detaillierte, weniger wichtige Informationen, die beim durchschnittlichen Leser (wir reden hier über Trivialliteratur!) eher für Verwirrung sorgen, gekürzt werden, steht aber für mich aber auf einem anderen Blatt. Und ich halte es darüber hinaus für selbstverständlich, dass grobe Sach-, Grammatik- und Wortfehler bei einer Übersetzung ausgebügelt werden.

          Wir reden hier irgendwie auch sehr theoretisch ins Blaue hinein. Um mal ein Bsp. zu nennen: Ich finde nicht, dass es nötig ist, irgendwelche Football-Fachbegriffe zu streichen. Wenn allerdings ausführlichst über einen Football-Spielzug gequatscht wird (was ich für ein Gesprächsthema halte, dem in Deutschland kaum eine Liebesromanleserin folgen kann), dann fände ich es vertretbar, an einer solchen Stelle zu kürzen. Das heißt übrigens nicht, dass ich finde, dass es unbedingt gemacht werden sollte, sondern nur, dass ich es in manchen Fällen akzeptieren könnte.

          Ich glaube, man muss einfach das richtige Maß finden und bei allem Gemecker über Bevormundung (dem ich mich ja z.T. anschließe, sonst hätte ich den Artikel schließlich nicht geschrieben), muss man die Kirche auch im Dorf lassen. Der Übersetzer/Verlag wägt halt an manchen Stellen ab, ob es für den Leser störender ist, wenn Informationen gestrichen werden oder wenn er nichts mit den Informationen anfangen kann, und dabei trifft er mal ne bessere und mal ne schlechtere Entscheidung – je nach Einstellung und Vorwissen des Lesers. Übrigens finde ich Kürzungen sogar weniger schlimm als Änderungen, die einen nur irritieren (s. Lindgren und Funke). Vielleicht hab ich da einfach eine etwas andere Denkweise, weil ich jahrelang Sachbücher für den internationalen Markt produziert habe, aus denen uns ständig ganze Themen rausgeworfen wurden mit der Begründung »zu deutsch«. (Wobei es »zu amerikanisch« oder »zu britisch« komischerweise nie gab!)

          • „Dass ich mich hier nicht dafür ausspreche … ist doch wohl klar“
            Das ist mir klar, Irina ;)

            Und ja, die Diskussion ist theoretisch. Wir kennen schließlich nicht immer beide oder sogar mehrere Versionen dieses Textes und dann läuft es hinaus auf „Was ich nicht weiß…“ ;)
            Ich kenne natürlich auch nicht die Vorgaben/Einschränklungen etc.

            Und ehrlich gesagt fehlt mir ein tieferer Einblick in die entsprechende Verlagspraxis, wenn ausländische Werke dem deutschen Markt zugänglich gemacht werden bzw. werden sollen. Auf einer Buchmesse habe ich hierzu nur etwas kursorisch in Bezug auf Kinderliteratur mitbekommen, wo es auch um Kürzungen/Änderungen ging, wenn „westliche“ Kinderliteratur (europäisch oder amerikanisch) z.B. dem türkischen Kinderbuchmarkt zugeführt werden sollen. Insofern muss also meine vorstehende Aussage relativieren ;) : alters- und kulturkreisbedingt können Anpassungen durch Kürzung/Änderung sinnvoll sein.

            • Dann ist ja gut, Natira! :))

              Ich glaub übrigens, was die Verlagspraxis bei Lizenzen angeht, wird das sehr unterschiedlich gehandhabt. Die einen verschmalzen die Sprache, die anderen werfen sinnfreie Übersetzungen auf den Markt, die dritten versuchen tatsächlich, möglichst nah am Original zu bleiben.

              So grundsätzlich wär ich aber schon davon ausgegangen, dass man heutzutage schon versucht, näher am Originaltext zu bleiben als das früher der Fall war. So kommen wir ja auch in den Genuss einiger Neuübersetzungen gekürzter und geänderter Werke (Agatha Christie, Enid Blyton, Dick Franicis, Anne Golon, Linda Howard).

  • Ich habe ja die Stephen-King-Teile 1 und 2 des Dunklen Turm Zyklus bislang in deutsch und englisch parallel gelesen (bei Teil 3 bin in derzeit dran). Anlass war eigentlich ein textlicher Unterschied zwischen der alten und neuen DEUTSCHEN Ausgabe, die mich stutzen ließ und dazu brachte, mir auch das Original zu besorgen. Dein Beispiel aus Mrs. Wilcox hätte mich auch dazu gebracht, mir die engl. Version zu holen :)

    Ich finde es inzwischen äußerst spannend, wie Übersetzer Inhalte und Strukturen zu „übertragen versuchen“. Sogibt es im Original (Bd 2) ein Wortspiel mit dem Namen bzw. dem Begriff „john“ und das wird auch in der dt. Übersetzung angeführt. Da es aber in der neueren dt. Ausgabe keine Fußnoten-Erläuterung des Wortspiels mehr gibt, geht es dem ausschließlich auf deutsch Lesenden leider verloren. Bei anderer Gelegenheit ging es um ein Wortspiel zu „shrink“, was der Übersetzer stimmig übertragen konnte mit dem deutschen Begriff „Seelenklempner“ …

    • Dass Wortspiele nicht so einfach von einer in die Sprache in die andere zu übertragen sind, ist ja logisch – spannend sind in der Tat die Lösungsansätze. Der Verlag muss da die Zielgruppe ins Visier nehmn und abwägen, und am Ende wird garantiert irgendjemand meckern – über verlorengegangene Wortspiele, Unverständlichkeiten oder Fußnoten! :)

      Die Übersetzer haben da übrigens oft erschreckend wenig Freiheiten, und abgesehen davon muss man auch noch mal sagen, dass sie gar nicht die Zeit haben, sich stundenlang über die adäquate Übersetzung eines Wortspiels den Kopf zu zerbrechen – das gibt das Honorar nicht her.

  • Erinnert mich jetzt an ein sehr beliebtes Buch, welches im Deutschen im kleinen und feinen ein paar sehr markante Macken hat, besonders auf den ersten Seiten des ersten Bandes. Wir erinnern uns doch sicherlich alle an die Stelle in Twilight, wo Bella Edward in der Cafeteria zum ersten Mal sieht und seine Haare als rötlich-braun schimmernd beschrieben werden. Später heißt es nur noch braun. Das ist im englischen Original zum Beispiel auch anders beschrieben worden, wie so viele andere Dinge auch.

    Deswegen hab ich mir auch angewöhnt mehr in Englisch zu lesen… es seidenn es sind deutsche Autoren. ;)

  • Ich hatte neulich in einem Forum eine Diskussion, während der ich die einzige war, die eindeutig keine Eindeutschung von Namen und Begriffen in der Übersetzung wollte. Für viele andere ist es sogar ein Kritikpunkt wenn etwa Orts- und Personennamen im Original bleiben und nicht übersetzt werden.

    Ich glaube das ist so ein Fall, da können es die Verlage niemandem Recht machen. Ich glaube wir, die wir uns mehr mit Büchern allgemein und in der Originalsprache im Besonderen auseinandersetzen, hätten es lieber unbelassen, während der Durchschnittsleser wohl die bequeme Übersetzung will.

    • Das find ich sehr erstaunlich, dass die große Mehrheit sich gegen eine Eindeutschung ausspricht. Ich hätte wirklich vermutet, dass die Mehrheit nicht um die Originalität gebracht werden will!

  • Wo mir am meisten die Haare zu Berge stehen sind missratene und/oder unnötige Übersetzungen von Personennamen. Zum Glück kommt das immer seltener vor, da die Übersetzer glaube ich mittlerweile kapiert haben, dass die Mehrheit der deutschen Leser der englischen Sprache mächtig ist.
    Was dennoch oft holperig und falsch anmutet, sind die Übersetzungen von den teilw. im Amerikanischen häufig genutzten Schimpfwörtern. Besonders das f Wort kommt ja im Slang fast in jedem Satz vor. Wenn dann im Deutschen da ein „Verdammter Mist“ steht, kann ich mir nicht vorstellen, dass z. B. Wrath aus Black Dagger das wirklich gesagt haben soll…

  • So allgemein noch:

    Diese Eindeutschungen hats ja schon immer gegeben, und früher waren sie m.E. noch deutlich extremer als heute. Man denke an diverse Blyton-Serien, z.B. »Hanni und Nanni«, die mitnichten im Internat »Lindenhof« (sondern in St. Clare’s) waren, geschweige denn, dass sie Hanni und Nanni hießen (sondern Pat und Isabel). Und als die Geheimnis-Serie vor einigen Jahren als Neuübersetzung rausgebracht wurde, ist mir erstmals das Ausmaß der Eindeutschungen aufgefallen, weil die Kinder nicht mehr Dietrich »Dicki«, Philipp »Flip«, Rudolf »Rolf«, Regine »Gina«, Elisabeth »Betty« und der Hund Purzel, sondern Frederick »Dicky«, Philipp »Pip«, Laurence »Larry«, Daisy, Elizabeth »Betsy« und der Hund Scotty hießen. Und das fand ich total nervig! *g*

  • Mir fällt sowas auch ab und zu auf, z. B. letztens wieder im Film „Zufällig verheiratet“, wo glaube ich über Klinsmann und Podolski geredet wurde. Wahrscheinlich haben sie im Original über Spieler und Trainer im American Football geredet, die hier dann natürlich niemand kennt. Deswegen verstehe ich schon, warum das geändert wurde, lächerlich klingt es trotzdem ;-)

    Die Umbenennung von Elder zu Junior stört mich allerdings nicht. Wie hätte man ihn denn sonst nennen sollen? Älterer? Klingt doch komisch. Da Eldest auch ins Deutsche übersetzt wurde, hätte man auch nicht Elder lassen können.

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