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[Rezension] Robyn Carr: Neubeginn in Virgin River

Originaltitel: Virgin River
Virgin River, 01

Klappentext:
Raus aus der Hektik der Großstadt, rein in die Natur. Das Angebot, als Arzthelferin und Hebamme in dem kleinen Örtchen Virgin River zu arbeiten, kommt der Krankenschwester Mel gerade recht. Vielleicht kann sie hier die Schicksalsschläge der letzten Monate überwinden. Allerdings stellt sie gleich bei ihrer Ankunft fest, dass die Realität des einfachen Landlebens nicht dem idyllischen Bild entspricht, was sie sich gemacht hatte. Doch ein auf den Stufen der Arztpraxis ausgesetzter Säugling macht ihr einen Strich durch die Abreisepläne. Und als der attraktive Barbesitzer Jack sich dann noch alle Mühe gibt, ihr die Schönheit der Landschaft und die Menschen des Ortes nahe zu bringen, ist Mel beinahe versucht, Virgin River noch eine Chance zu geben.

Kommentar:
Der erste Band der Virgin-River-Serie dümpelte ziemlich lange ungelesen in meinem Regal herum, denn obwohl ich eigentlich nur Positives über die Romane gelesen habe, konnte ich mich nie zum Lesen aufraffen. Nachdem ich es jetzt endlich geschafft habe, muss ich sagen: Es wäre auch kein nicht zu verschmerzender Verlust gewesen, wenn das Buch weiter vor sich hinverstaubt wäre.

Gäbe es das Genre »Cozy Romance«, würde »Neubeginn in Virgin River« perfekt hineinpassen. Das Genre »Cozy Romance« ist vermutlich nur für die »Virgin River«-Serie erfunden worden, denn cozier geht es kaum noch – und das nicht gerade im positiven Sinn. Die Handlung plätschert ohne Spannung und ohne echte Höhepunkte vor sich hin, denn die Beziehung zwischen Mel und Jack entwickelt sich vollkommen vorhersehbar und birgt trotz einer nicht ernstzunehmenden Krise keinerlei Konflikte, weil Jack nämlich so weise, geduldig und verständnisvoll ist, dass einem ganz schlecht von so viel Perfektionismus werden kann. Dabei hat er eigentlich aufgrund seiner Vergangenheit in diversen Kriegen auch ein schweres Päckchen zu tragen; sein seelisches Leid wird aber nicht wirklich ausgearbeitet, von einem kleinen Zusammenbruch im Zusammenhang mit dem Besuch seiner Marinesgefährten abgesehen. Stattdessen wird vor allem deutlich, dass er ein grandioser amerikanischer Kriegsheld ist – ein Mann, wie wie das Land sie braucht und verehrt und gern mit zahllosen Auszeichnungen dekoriert. Und natürlich hat er zahllosen Kameraden das Leben gerettet, während er für sein Land gekämpft hat. Patriotismus pur!

Meg ist immerhin nicht ganz so glatt. Sie hat vor knapp einem Jahr ihren Ex-Mann bei einem Raubüberfall verloren und seinen Tod noch nicht verarbeitet. Ausgerechnet in Virgin River auf einen Mann zu treffen, der sie über den tragischen Verlust hinwegtrösten könnte, damit hätte sie nicht gerechnet. Dass sie Angst davor hat, sich auf einen Neuen einzulassen, und ein auch ein wenig ein schlechtes Gewissen, ist bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar. Dass Meg allerdings lange Zeit strikt leugnet, eine Beziehung mit Jack zu haben, obwohl ohne jeden Zweifel genau das der Fall ist, wird irgendwann doch recht anstrengend. Zum Glück stellt sich schließlich heraus, dass der vermeintlich perfekte Gatte Mark doch kein Heiliger war und dass Jack – wer hätt’s gedacht! – noch viel perfekter ist, sodass dem neuen Liebesglück nichts mehr im Weg steht.

Noch viel anstrengender ist aber der Schreibstil, der teilweise ganz schön unausgereift wirkt. Nicht nur wird fröhliches Headhopping praktiziert, was ich überhaupt nicht leiden kann, sondern man wird außerdem mit ausufernden Beschreibungen von Belanglosigkeiten (Menschen, Szenen, Landschaften, Essen, Kleidern, Geburten usw.) erschlagen. Letzteres beinhaltet natürlich die Verwendung unzähliger Adjektive (»Sie … hatte dichtes kurzes lockiges braunes Haar, das von Grau durchzogen war«, S. 138) – es wird wirklich NICHTS der Fantasie überlassen. Hätte sich die Autorin diesbezüglich nur ein wenig bezähmt, wäre das Buch nur noch halb so dick gewesen und deutlich besser geworden.

Natürlich dürfen in so einem Roman auch sämtliche gesellschaftsethischen Probleme nicht fehlen, und so werden ganz nebenbei die folgenden Themen abgekaspert: richtige Verhütung (rechtzeitig rausziehen und nicht ganz reinstecken funktioniert NICHT!), Sex mit Minderjährigen (keine so gute Idee), der direkte Zusammenhang zwischen Schuh- und Penisgröße (falls es jemanden interessiert: Mel tippt bei Jack auf Größe 48), AIDS und Geschlechtskrankheiten, Abtreibung, der moralisch richtigen Umgang mit schmutzigem (Drogen-)Geld usw. – und das alles auf eine Weise, die auf mich naiv bis lächerlich wirkte. Darüber hinaus wird zigfach das Gleiche erzählt, nur unterschiedlichen Leuten, und den einen oder anderen detaillierten Geburtenbericht hätte ich mir auch gern erspart.

Trotzdem ist das Dorf mit seinen teils schrulligen Bewohnern irgendwie reizvoll, sodass ich (ich kann’s selbst kaum glauben) gern mehr über Virgin River erfahren würde. Irgendwann. In der Hoffnung, dass die Protagonisten weniger perfekt sind und der Stil ausgereifter. Und obwohl ich ahne, dass die Bewohner von Virgin River dann immer noch im Einklang mit der Natur in ihrer Idylle leben, sodass uns vermutlich solche Formulierungen nicht erspart bleiben:

Auf den Wiesen wuchs das Gras in die Höhe, und so kurz vor der Lammzeit waren die Schafe dick. Die Kühe würden bald ihre Kälber bekommen, und auch Sondra Patterson stand kurz vor der Niederkunft.« (S. 216)

Fazit:
7/15 – So sauber und patriotisch, wie nur ein amerikanischer Roman es sein kann.

 

 

Serieninfo:
01 Virgin River (2007) | Neubeginn in Virgin River (2010)
02 Shelter Mountain (2007) | Wiedersehen in Virgin River (2010)
03 Whispering Rock (2007) | Happy End in Virgin River (2011)
04 A Virgin River Christmas (2008) | Wintermärchen in Virgin River (2011)
05 Second Chance Pass (2009) | Ein neuer Tag in Virgin River (März 2012)
06 Temptation Ridge (2009) | Verliebt in Virgin River (April 2012)
07 Paradise Valley (2009) | Zurück in Virgin River (Juli 2012)
08 Under the Christmas Tree (2009) (in: That Holiday Feeling/Anthologie)
09 Forbidden Falls (2009) | Gemeinsam stark in Virgin River (Oktober 2012)
10 Angel’s Peak (2010)
11 Moonlight Road (2010)
12 Midnight Confessions (2010) (in: Midnight Kiss/Anthologie)
13 Promise Canyon (2010)
14 Wild Man Creek (2011) 
15 Harvest Moon (2011)
16 Bring Me Home for Christmas (2011)
17 Hidden Summit (2011)
18 Redwood Bend (2012) 
19 Sunrise Point (2012) 

13 Kommentare zu [Rezension] Robyn Carr: Neubeginn in Virgin River

  • Lämmer, Kühe, Frauen – gebärend vereint … was für ein Bild! *kicher*

    Hach, ich bin ganz stolz auf mich, dass mich das Buch gar nicht gereizt hat, als ich es im Mira-Programm sah. ;)

  • Gaby

    Ich hatte mir das Buch gekauft, nachdem ich einige gute Rezi’s gesehen hatte. Da hatte es sich aber leider mal wieder gezeigt, dass der Geschmack (GsD) unterschiedlich ist. Ich war nach ca 50 Seiten oder so einfach nur noch genervt und hatte den Rest im oberflächlichem Querverfahren gelesen und dann ist das Buch gleich wieder in den Verkauf gewandert.

    Virgin River und ich – das passt anscheinend nicht zusammen. Aber immerhin, wieder eine Reihe, die ich mir ersparen kann :)

  • Camie

    Ich habe mir noch Band 2 angetan, in derselben optimistischen Haltung, dass es vielleicht besser wird. Entweder hatte ich bei dem dann noch weniger Geduld oder es war wirklich schlimmer als der erste Band.
    Mir fehlten bei den Kerlen die Ecken und Kanten, bei so viel Perfektion bekomme ich Zahnschmerzen. Was mir von den Frauen noch in Erinnerung ist: die im zweiten Buch hat ein Kind und ist auf der Flucht – das war’s auch schon. Und bei Mel: die kann Kinder auch ohne die Hilfe der Mutter/Gebärenden bekommen, denn mesitens waren ihr diese sowieso lästig und haben nichts richtig gemacht.
    Nun ja, Virgin River ist für mich auch gestorben.

  • Julia

    Super Rezi, da kann man nichts mehr hinzufügen :)

  • Schade, dass dir die Virgin River Bücher nicht so gefallen. Ich mochte es sehr und der zweite Band wird noch viel besser, denn ich mag Preacher sehr. :)

  • Also wenn du weniger perfekte Charaktere suchst, dann solltest du wohl doch lieber einen großen Bogen um die Virgin River Bücher machen! Die männliche Heldenhaftigkeit und die weibliche Gebärfreudigkeit steigert sich nämlich von einem Band zum nächsten…Für mich ist das ganze ja wie literarisches Valium, manchmal brauch ich sowas ;-)

  • Oho, bei dir hat sich ja was verändert. O.O Dein Header sieht so frisch und anders aus bzw. eine Seitenauswahl ist jetzt darunter. Schick, schick. So fallen deine Seiten mehr auf. (ist mir nur mal so am Rande aufgefallen)

    Hm… Irgendwie bin ich gerade ziemlich glücklich darüber, dass mich dieses Buch 0,0 reizt. Es wirkt wie die passende Schlaflektüre. Also, nix für mich. Obwohl mir ja dieses landschaftliche Cover gefällt – so ganz ohne Gesicht. ;)

  • Chrissi

    Ich kann deine Rezi nur zustimmen
    Selten so ein langatmiges Buch ohne jegliche Höhepunkte gelesen… Um die weiteren bände von Virgina River werde ich einen großen Bogen machen

  • Hier herrscht ja eine erstaunliche Anti-Virgin-River-Stimmung – und ich dachte schon, ich würde mal wieder aus der Reihe tanzen! Von wegen!

    Was mir ein bisschen Angst macht ist, dass es offenbar nicht besser wird, ich aber noch zwei Bände der Serie hier liegen habe. Schade, dabei sind die Cover wirklich hübsch!

     
    Brina: Ich hatte gesehen, dass du dem Buch fünf Sterne gegeben hast. Die Geschmäcker … ;) Aber gut zu wissen, dass sich Band 2 um Preacher dreht, den fand ich nämlich auch toll; vielleicht spornt mich das an, weiterzulesen!

     
    Animasoul: Ah, es ist jemandem aufgefallen, dass ich was am Headerbereich verändert hab! :D Ich fand auch, dass die Kopfzeile mit den Seiten total untergeht, deshalb hab ich das umgestellt. Freut mich, dass es ankommt! :)

  • Eine ganz tolle Rezension!!

    Hast du nicht Lust, auch für „Blogg dein Buch“ Rezensionen zu schreiben?

    Schau dich doch einmal auf unserer Homepage um: http://www.bloggdeinbuch.de

    Weiter so, es macht Spaß deine Rezensionen zu lesen :)

  • Cati: Es wurde schon mehrfach per Mail angefragt, aber ich hab immer noch keine Lust, für »Blogg dein Buch« zu schreiben. Die Plattform kenn ich aber natürlich! :)

    In jedem Fall danke für das Kompliment; so soll es doch sein, dass auch eine Rezension unterhält. :)

  • Ich habe jetzt ja auch den 1. Teil gelesen und muss sagen, dass ich dir schon in allen Punkten recht gebe. Trotzdem hat mir dieses Buch gefallen. Ich finde solche oberflächlichen und typisch amerikanischen Romane immer recht unterhaltsam.
    Wenn man sich aber in die perfekten Figuren reinsteigert, dann wird man an diesen Büchern wohl nie seine Freude haben.
    Ist halt immer das gleiche Schema, fast egal welches Buch man von dieser Sorte zur Hand nimmt! :D
    P.S. Der zweite Teil lohnt sich! Preacher lernt man von einer gaaanz anderen Seite kennen und die hat mich doch echt positiv überrascht! ;o)

  • Anne: Ich hab kein grundsätzliches Problem mit oberflächlichen Romanen und auch nicht mit perfekten Helden – ich bin schließlich begeisterte Liebesromanleserin. ;) In diesem Fall ist wohl einfach die Summe der »Störfaktoren« dafür verantwortlich, dass ich das Buch so durchschnittlich fand. Preacher werd ich aber noch ne Chance geben!

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