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[Rezension] Richelle Mead: Succubus Blues

Originaltitel: Succubus Blues
1. Teil der Georgina-Kincaid-Serie

Inhalt:
Wenn man schon für die Hölle arbeiten muss, erscheint der Job als Sukkubus verdammt großartig. Eine Frau kann alles sein, was sie möchte, ihre Klamotten sind einfach umwerfend und sterbliche Männer liegen ihr zu Füßen. Zugegeben, sie bezahlen oft mit ihrer Seele dafür – aber warum sich mit dem Kleingedruckten aufhalten? Allerdings ist das Leben der Georgina Kincaid, Sukkubus in Seattle, weitaus weniger exotisch. Ihr Boss ist ein Dämon aus dem mittleren Management mit einer Schwäche für John-Cusack-Filme. Ihre besten Freunde, alles Unsterbliche, ziehen sie nach wie vor damit auf, dass sie sich in eine Dämonengöttin verwandelt hat, so mit allem Drum und Dran: aufreizendes Outfit, Peitsche und Flügel. Und sie kann sich einfach nicht mit jemandem treffen, ohne ihm einen Teil seiner Lebensenergie auszusaugen. Bleibt wenigstens noch ihr Alltagsjob in der örtlichen Buchhandlung – also kostenlos Bücher, so viel sie lesen möchte, kostenlos White Chocolate Mocha, so viel sie trinken möchte, und leichten Zugang zum Bestsellerautor Seth Mortensen alias »Er-Den-Sie-Um-Jeden-Preis-Haben-Möchte« …

Kommentar:
Obwohl der Klappentext ein bisschen nach paranormalem Liebesroman klingt, hat man es eher mit klassischer Urban Fantasy mit Krimi- und Liebesroman-Elementen und einer gehörigen Portion Humor zu tun. Das Setting ist ziemlich interessant: Das Buch spielt im modernen Seattle, wo alle möglichen übernatürlichen Gestalten unerkannt neben Menschen leben. Man begegnet neben der Hauptperson Georgina, die ein Sukkubus ist, Kobolden, Vampiren, Engeln und Dämonen, die eine illustre, aber faszinierende Gesellschaft bilden. Sie alle sehen sich mit unheimlichen Übergriffen und Morden an Unsterblichen verschiedener Rassen konfroniert, mit deren Aufklärung sie sich befassen.

Leider klingt das spannender als es anfänglich ist, denn die Mörderhatz plätschert zunächst eher im Hintergrund vor sich hin, während Georginas verkorkstes Liebesleben im Vordergrund steht. Sie lernt nämlich zwei sehr interessante Männer kennen, den Dozenten Roman und den Schriftsteller Seth, die unterschiedlicher nicht sein könnten, sie aber beide gleichermaßen fesseln. Da sie eigentlich ein netter Sukkubus ist, will sie mit keinem von beiden etwas anfangen, denn damit würde sie – gemäß ihres Wesens – die Männer in Lebensgefahr bringen. Dieser innere Konflikt nimmt zunächst weite Teile der Handlung ein und ist ein wenig ermüdend; in der zweiten Hälfte nimmt die Handlung dann aber deutlich an Fahrt auf und an Spannung zu: Die Suche nach dem Mörder wird vorangetrieben und auch hinsichtlich der beiden Männer tut sich einiges – zum Teil durchaus Überraschendes. Die Auflösung lässt interessante Möglichkeiten für die Fortsetzungen offen, das Motiv für die Morde ist allerdings nicht wirklich überzeugend.

Die Figuren zeigen gute Ansätze, sind aber aber alles in allem etwas flach geraten. Vor allem Georginas unsterblichen Freunden hätte ein wenig mehr Profil gut getan; einzig der Engel Carter und ansatzweise auch der Kobold Hugh stechen positiv heraus und bleiben im Gedächtnis. Die beiden Männer Roman und Seth sind besser ausgearbeitet, aber auch nicht richtig durchschlagend; als Objekt der Begierde wirken sie auf mich wenig attraktiv – vor allem der zerstreute Seth ist mir zu sehr der Typ »lieber Langweiler«. Georgina selbst ist eine gute Figur mit vielen Facetten, leider kommt ihr sukkubisches Wesen nur ansatzweise heraus und hätte deutlicher ausgearbeitet werden müssen. Sie wirkt zudem ein wenig zu warmherzig, nett und rücksichtsvoll für ein derartiges Wesen, auch wenn die Gründe dafür einigermaßen plausibel erklärt sind; für mich ist das dennoch nicht ganz stimmig.

Aber nicht nur bezüglich der Figuren gibt es Schwächen; man merkt dem Buch auch darüber hinaus an, dass es ein Erstlingswerk ist – es erscheint an vielen Stellen einfach nicht ganz ausgereift. Es gibt viele halbgare Dialoge, Gedankensprünge und eine Vielzahl vollkommen überflüssiger Szenen, die aneinander gereiht wirken und die Handlung einfach nur in die Länge ziehen. Das alles wäre aber zu verkraften, wäre da nicht …

… die grauenvolle deutsche Edition des Buches! Irritierend für Auge und Verstand ist schon die Entscheidung des Verlages, französische Anführungszeichen nicht – wie in Deutschland üblich – in deutscher Anwendung (»Beispiel«), sondern in französischer Anwendung («Beispiel») zu benutzen, was beim Lesen zu einiger Verwirrung führt. Das ist allerdings nur eine Kleinigkeit angesichts der weiteren Verbrechen, die hier von Übersetzer und Lektorat bzw. Korrektorat (falls überhaupt vorhanden) begangen wurden, denn dieses Buch zählt zu den fehlerhaftesten Ausgaben, die mir je in die Hände gefallen sind. Der Text liest sich nicht nur äußerst holprig, sondern ist darüber hinaus auch von unzähligen Tipp-, Rechtschreib-, Grammatik- und Satzfehlern durchzogen. Doch damit nicht genug: vielfach fehlen Wörter und ganze Satzteile, immer wieder werden Begriffe unpassend übersetzt und Wendungen einfach blind ins Deutsche übertragen. Dadurch wird immer wieder der Lesefluss gehemmt und der Spaß an der Geschichte sinkt rapide. Ich rate jedem, der des Englischen einigermaßen mächtig ist und sich für das Buch interessiert, zum Original zu greifen und die Finger von der deutschen Ausgabe zu lassen – denn die ist wirklich eine Zumutung, zumal für den Preis von 12,95 Euro.

Fazit:
7/15 – Eine interessante Geschichte mit guten Ansätzen und einer faszinierenden Hintergrundidee, die aber – zumindest zum Teil – noch ganz schön unausgereift wirkt und vor allem anfangs schwer in die Gänge kommt. Sehr wahrscheinlich hätte ich die Originalausgabe etwas besser bewertet; da ich aber nur beurteilen kann, was ich gelesen habe und keinen Grund sehe, die Sprache als Werkzeug des Autors vom Text zu trennen, fließt natürlich die schlechte Übersetzung in die Gesamtwertung ein. So oder so: Den begeisterten Volle-Punktzahl-Bewertungen hätte ich mich keinesfalls angeschlossen.

Ein Kommentar zu [Rezension] Richelle Mead: Succubus Blues

  • Bilde ich mir das ein oder wird Seattle als Schauplatz für Urban-Fantasy-Titel gerade so richtig beliebt?

    Ansonsten kann ich über Tippfehler schon einmal hinwegsehen, aber was du da beschreibst, ist ja eine Unverschämtheit gegenüber dem Leser!

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