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Kauft ihr noch bei Amazon?

Hat jemand von euch die Amazon-Doku in der ARD gesehen, die inzwischen in aller Munde ist? Falls nicht, könnt ihr den Bericht über Amazons Umgang mit Leiharbeitern in Bad Hersfeld in der ARD-Mediathek anschauen – ist durchaus interessant.

Eine Stellungnahme von Amazon ließ nicht lange auf sich warten, sie ist z.B. HIER beim Buchmarkt nachzulesen; außerdem kündigte das Unternehmen eine Prüfung der Anschuldigungen an. Ebenso folgte inzwischen ein Dementi der rechtsradikalen Vorwürfe durch die Sicherheitsfirma. Die Politik schiebt derweil die Schuld daran, dass sowas in Deutschland überhaupt möglich ist, weiter, zum Beispiel an die Arbeitsagenturen. Diese sind schockiert, während die offenbar involvierte Zeitabeitsfirma schweigen.

 

Daneben gibt es zahlreiche weitere Reaktionen:

• Auf der Facebook-Seite von Amazon Deutschland wird quasi jedes Posting von den Usern mit kritischen, polemischen bis unverschämten Bemerkungen kommentiert.

Der Schroer Verlag kündigt die Zusammenarbeit mit Amazon auf und erhebt weitere Vorwürfe (die soo neu allerdings auch nicht sind)

Man sorgt sich um das gesamte Ansehen Deutschlands

DAS SYNDIKAT empört sich

ver.di klagt über die mangelnde Verhandlungsbereitschaft von Amazon

Die FAZ freut sich, dass sich dadurch den inhabergeführten Buchhandlungen noch eine Überlebenschance bietet.

Ein Amazon-Ex-Mitarbeiter berichtet, dass es ganz anders ist.

 

Habt ihr die Doku gesehen? Zieht ihr Konsequenzen aus dem Bericht und schließt euch dem Kaufboykott vieler Kunden an?

21 Kommentare zu Kauft ihr noch bei Amazon?

  • Ich hab sie nicht gesehen, aber viel darüber gelesen. Ich kaufe weiterhin bei Amazon.
    Ich bin aber offenbar eh kein besonders politisch korrekter Mensch und kaufe auch Klamotten bei H&M, obwohl man das ja nicht mehr soll. Wenn ich vor jedem Kauf erst Erkundigungen einholen muss über die Arbeitsbedingungen bei dem Unternehmen, dann dürfte ich mir bald gar nichts mehr kaufen oder maximal noch im Dritteweltladen.
    Die Reportage hat wohl einiges aufgedeckt, was schon etwas extrem war. Aber wenn man mal scharf nachdenkt, dann kommt man auch von selber drauf, dass Amazon an irgendwas sparen MUSS, wenn sie schon so relativ günstige Preise anbieten und noch dazu kostenlosen Versand.

    Außerdem kann ich meine eBooks nur be amazon kaufen…

    • Das ist auch die Frage, die ich mir stelle, wenn ich solche Berichte sehen, die sich auf ein einzelnes Unternehmen fokussieren: Machen es die anderen denn besser? Ich steh im Prinzip nicht auf diese so gern angewandte Methode der Schuldminimierung durch den Vergleich mit anderen, aber in diesem Fall ist es für mich schon relevant, weil es für mich hier ja um die Suche nach einer Alternativen geht. Wenn ich also meine Klamotten, Schuhe und meinen Kosmetikkram künftig bei Zalando und meine Bücher bei Bol bestellle, hab ich dann das Richtige getan? Ich hab da so meine Zweifel, dass sich da viel tut …

      Und mit dem scharf nachdenken hast du recht, hab ich auch so bei mir gedacht … Günstige Preise und Konditionen für den Kunden gehen IMMER zu Lasten der Qualität und/oder der Arbeitsbedingungen der Angestellten. Wer das noch nicht begriffen hat, den muss man schon fragen, wo er lebt. (Was untragbare Arbeitszustände bei welchem Unternehmen auch immer aber natürlich nicht entschuldigen soll. Ich will nur sagen, es bedingt sich alles gegenseitig.)

      • Das ich wohl falsch rübergekommen: Ich wollte gar nicht eine Schuld minimieren, sondern nur ausdrücken, dass Amazon ganz sicher nicht DER Buhmann ist unter den großen Kaufhäusern. Diese kollektive Rumgehacke finde ich sehr übertreiebn. Und dass sich nun alle so überrascht und bestürzt zeigen, das finde ich zwar nicht mal unbedingt überraschend, aber dennoch einfach ein wenig einseitig. Die Glaubwürdigkeit der Fernsehautoren steht offenbar automatisch über denen des Unternehmens.

        Solange es keine Stellungnahme der Gegenseite gibt, werde ich da sowieso erstmal nicht viel drauf geben. Aber das ist auch wieder ein anderer Aspekt an der ganzen Sache.

        • Nein, ist nicht falsch rübergekommen, ich meinte dich nicht damit – ich meinte das wirklich ganz allgemein! :)

          Ich glaube auch nicht, der Amazon der große Buhmann ist und alle anderen haben eine reine Weste, ganz sicher nicht. Aber das Spiel kennt man ja auch von Apple, die wegen der Zusammenarbeit mit Foxconn regelmäßig an den Pranger gestellt werden. Es erwähnt allerdings niemand, dass dort eigentlich alle anderen auch produzieren lassen, z.B. Microsoft, Acer, Dell, Intel, Motorola, Samsung, Sony, etc.

          Und klar, die Glaubwürdigkeit eines Fernsehberichts ist hoch. Zumal, wenn er von den Öffentlich-Rechtlichen kommt und Zeugen und Bilder sprechen lässt. Dass Amazon sich auf Anfragen des Teams nicht geäußert hat, ist natürlich auch nicht so richtig geschickt.

  • Ich kaufe weiterhin bei Amazon.
    Was viele übersehen ist, dass es in erster Linie um die Zeitarbeitsfirma geht, mit der Amazon da leider zusammenarbeitet oder gearbeitet hat. Sicherlich ist das keine Entschuldigung, aber von den Leiharbeitern, die Amazon nun anschwärzen scheint vorher keiner mal auf die Idee gekommen zu sein, an die obersten Chefs von Amazon heranzutreten und auf die Situation aufmerksam zu machen. Direkt über Presse ist eben der einfachere Weg.
    Größere Unternehmen haben oft keine Ahnung, was für Zustände in den Firmen herrschen, von denen sie ihre Arbeiter bekommen. Wenn man Amazon etwas vorwerfen kann, dann das. Doch da ist Amazon bei weitem kein Einzelfall.
    Ich kann mir vorstellen, dass die Amazon Chefs sicherlich nicht die Augen verschlossen hätten, hätte sie jemand darauf aufmerksam gemacht. Und sei es nur aus Angst eben vor so einem Presserummel wie jetzt.

    Viel mehr fände ich endlich mal eine Diskussion über eben diese Zeitarbeitsfirmen, die in Deutschland in den letzten Jahren echt wie Unkraut aus dem Boden sprießen viel angebrachter. Gefühlte 80% der Stellenanzeigen ist nur dieser Mist.
    Nun auf ein einzelnes Unternehmen drauf zu schlagen, welches leider nicht sorgfältig genug darauf geachtet hat, was das für eine Leiharbeitsfirma ist oder Amazon als völlig Außenstehender, der sein Wissen nur aus der Presse hat direkt zu boykottieren, finde ich daneben.

    Und wie Maren schreibt, wer sich jetzt so gegen Amazon auflehnt, der sollte mal drüber nachdenken wo die 5 Euro H&M Shirts oder der 3 Euro Aldi Kaffee herkommen. Wenn man für solche Preise kauft, sollte jedem klar, dass da an anderen Stellen mächtig gespart wird.

    Am schönsten finde ich übrigens den Artikel aus meiner Lieblingszeitung FAZ in Bezug auf den Buchhandel. Das die Mitarbeiter dort teilweise schon unter ähnlichen Vertragsknebeln (Aufstockung ohne Gehaltsanpassung, unbezahlte Überstunden etc.) leiden, ist wohl leider untern Tisch gefallen D:

    • Ich schließe mich dir an: Eine Diskussion über die Zeitarbeitsfirmen – nicht nur im Zusammenhang mit Amazon, sondern generell – wäre dringend angebracht.

      Dass sich die Leute aufgrund ihres Wissens aufgrund von Presseberichten eine Meinung bilden – und bilden müssen, geht allerdings m.E. gar nicht anders. Andere Quellen gibt es ja nicht, zumal dann nicht, wenn Amazon sich nicht äußert (wie in der Reportage berichtet). Ich würde mir allerdings auch wünschen, dass der eine oder andere sich etwas differenzierter mit dem Thema auseinandersetzt, mit welchem Ergebnnis auch immer.

  • Ich kaufe weiterhin bei Amazon. Ich bin überrascht, wie große Kreise das zieht, war das bei der Hermes-Sache auch so? oO Ganz ehrlich, erstens ist nicht gesagt, dass das auch alles SO stimmen muss und zweitens, ist es bei anderen Onlinehändlern besser? Nicht, dass es das entschuldigt, es ist einfach nur heuchlerisch, wenn man dann wo anders einkauft. Und wenn man nur bei Firmen einkauft, die sich sozial einwandfrei verhalten, dann dürfte man doch gar nichts mehr kaufen. Keine Erdbeeren, kein Spargel, nichts aus China, nichts von Apple, eigentlich von allen großen Firmen, etc.

    Ich finde es gut, dass es solche Reportagen gibt, aber für mich sind die Sachen die dort gesagt wurden, noch nicht so extrem, dass ich Konsequenzen ziehen würde. Es ist nicht so, dass ich sage, so etwas ist mir egal, aber es sind keine Sachen, die mich jetzt wirklich schockieren (war doch zu erwarten, in meinen Augen…) Es geht ja nicht die normalen Beschäftigten, die soweit ich weiß, auch normal bezahlt werden. Es gibt auch keine Alternative zu Amazon, bei der ich sagen würde, da könnte ich hinwechseln und die haben eine weißere Weste.

    • Nein, der Hermes-Bericht hat definitiv keine so großen Wellen geschlagen; das könnte daran liegen, dass weniger Leute (Zuschauer) betroffen sind bzw. es nicht in deren Macht liegt, etwas zu tun. Wenn mir jemand was mit Hermes schickt, hab ich ja gar kein Wahl; hingegen kann ich schon überlegen, ob ich das nächste Buch bei Amazon oder bei Buch.de bestelle.

  • Markus

    @Lucina,

    sorry, aber Deine Argumentation ist total daneben. Es geht nicht, dass Menschen erst über z. T. tausende von km angelockt werden und man ihnen dann einen Arbeitsvertrag zeigt, im Wissen, dass sie nicht einfach so zurückgehen können. Es ist nicht ok, dass die Stundenlöhne erst veröffentlicht, und dann abgesenkt werden. Es ist nicht in Ordnung, dass Menschen in der gezeigten Art und Weise kontrolliert und schikaniert werden. Und es ist heuchlerisch von Amazon, auf die Fragen der Journalisten erst nach der Ausstrahlung des Beitrags zu reagieren, zudem mit einer scheinbar unüberlegt formulierten Pressemitteilung.

    Eine verantwortungsvolle Unternehmensführung hätte sich umgehend mit den Pressenanfragen während der Recherchen auseinandergesetzt. Dann hätte das Thema zwar auch medienwirksam verwendet werden können, aber es wäre erkennbar gewesen, dass sich dieser Großkonzern wirklich kümmern will. So aber ist die hässliche Fratze des Manchester-Kapitalismus einmal mehr sehr eindrucksvoll präsentiert worden.

    Ich bestelle dort nicht mehr – mein Buchhändler um die Ecke ist nett, er geht anständig mit seinen Mitarbeitern um. Die anderen Artikel bei Amazon erhalte ich auch hier im Ort. Und selbst wenn es etwas mühsamer ist – so wie die Leiharbeiter dort will ich auch nicht behandelt werden, deshalb muss ich mir Gedanken machen, bei wem ich einkaufe – wie so oft.

    • Wer sagt, dass sie nicht vorher reagiert haben? Wer sagt, dass sie sich intern nicht mit dem Thema auseinander gesetzt haben? Ich glaube es zwar auch nicht, aber möglich wäre es. Außerdem ist es doch auch nicht besser, wenn das Unternehmen jetzt so tut, als ob es von den Zuständen so überrascht wäre und auf jeden Fall beim nächsten Mal etwas anders machen würde. Hahaha, das sagt jedes Unternehmen, wenn es mit solchen Sachen konfrontiert wird und wahrscheinlich 1% (dann sind es bestimmt eher Firmen) meinen das wirklich ernst. Ich glaube, dass die Regierung durchaus Gesetze auf den Weg bringen könnte, die so etwas verhindert (sie regulieren ja sonst auch jeden scheiß) und ich glaube kaum, dass Amazon großartig SChwarzarbeiter beschäftigt und das Problem wäre allgemein behoben. Wird aber wahrscheinlich nicht kommen, weil es ein Wettbewerbsnachteil wäre…

      Und du merkst erst jetzt, dass der Buchhändler um die Ecke mit seinen Mitarbeitern anständig(er) umgeht und nett ist und bestellst erst jetzt nicht mehr bei Amazon, weil die Enthüllungen so überraschend kommen? Und was machst du wenn du die Artikel im Ort nicht erhälst (oder nur bei Unternehmen wie Lidl und Aldi, bespitzelt und kontrolliert willst du bestimmt auch nicht werden, oder?)? Wenn ich alles was ich bei Amazon kaufe hier im Ort erhalten würde, z.B. weil ich in einer Großstadt leben würde, wäre es auch für mich recht einfach zu sagen, „Hey, dann kauf ich nicht mehr bei Amazon“. So wie viele einfach nicht mehr zu Schlecker gegangen sind, weil Rossmann/DM etc. eine gute Alternative waren, aber gab es keine Alternative ist man trotzdem zu Schlecker gegangen… Wenn es eine wirkliche Alternative zu Amazon gebe (also einen ebenso großen Onlineshop, so man gefühlt alles bekommt), dann glaube ich wirklich, dass Amazon schwere Karten hätte, aber so glaube ich, dass es sehr vielen bald schwer fallen wird Amazon komplett/fast komplett zu meiden und sie dann doch dorthin zurückkehren (wird sich ja auf den Jahresumsatz deutlich auswirken müssen und vielleicht war ja doch die Mehrheit ehrlich und kauft wirklich nicht mehr bei Amazon ein, dann wäre ich wirklich positiv überrascht und würde in Zukunft solchen Shitstorms auch mehr glauben schenken :))

      Ich glaube übrigens nicht, dass ausländische Leiharbeiter von anderen Firmen besser behandelt werden. Ich finde, dass da allgemein umgedacht werden sollte, wenn sie als Hilfsarbeiter auf dem Bau oder auf den Feldern oder halt bei Amazon zur Saisonarbeit herangekahrt werden. Keiner wird sie freiwillig so anständig wie deutsche Mitarbeiter behandeln (und die werden heute ja schon oft nicht gut behandelt), deswegen holt man sie ja und keine teuren deutschen/anderen Arbeiter. Ich find’s nicht schockierend, dass Amazon da mitmacht, ich hab’s erwartet, sonst wäre Amazon nicht so günstig, aber ich find’s erstaunlich, dass so viele Menschen, so etwas scheinbar noch nicht realisiert haben (oder ohne Medienbericht nicht realisieren wollten…)

      • nija

        @Lucina: Es gibt schon Alternativen, aber vielleicht denkt man nicht sofort dran. Zum Beispiel: http://www.buch-dietl.de/ – eine sehr nette, gepflegte, kleine inhabergeführte Buchhandlung mit einem tollen Sortiment und lieben Mitarbeitern. Versenden in ganz Deutschland, ab 20 € versandkostenfrei, sonst 3€ Versandkosten. Es sind viele englische Bücher bestellbar – manche mit etwas längerer Lieferzeit, aber das ist halt das Stück Bequemlichkeit, das man aufgeben muss.
        Mittlerweile bieten die meisten kleinen Buchhandlungen solche Webshops in Zusammenarbeit mit den Barsortimenten an. Man muss sich nur mal umsehen.

  • Ich habe mir ein wenig auf die Finger gehauen, nachdem ich die Antworten hier gelesen habe, aber nun sage ich doch etwas dazu.

    Zu dem Argument: „Ist es denn woanders besser?“. Es gibt Bereiche, da lasse ich das Argument gelten. Zum Beispiel bei Bekleidung. Einfach, weil da selbst die teureren Marken in Billiglohnländern herstellen.
    Aber fast nirgendwo ist es so einfach wie bei Büchern, eine bessere Alternative zu Amazon zu finden: Man sucht sich einfach eine der verbliebenen Inhaberbuchhandlungen aus, bestellt dort telefonisch – und manche haben auch einen Onlineshop. Dann nimmt man sich die Zeit, die Bücher abzholen oder man investiert in das Porto, sich die Bücher zuschicken zu lassen. Im Buchhandel gibt es die bessere Alternative, man muss nur bereit sein, etwas Zeit und etwas Geld investieren. Aber wer billig will, muss meistens in Kauf nehmen, dass jemand anderes dafür draufzahlt.

    Interessant finde ich auch, dass hier alle anzweifeln, ob dass denn auch so stimmt. Ich habe noch nie so großes Skepsis einem Medienbericht gegenüber erlebt. Würde man hier berichten, dass Verlag xy etwas Schlimmes gemacht hat, wäre die Reaktion hier genauso zweifelnd? Oder ist es nicht eher so, dass man es nicht glauben möchte, weil man das Unternehmen als Kunde eigentlich gut findet und ohne schlechtes Gewissen weiter dort kaufen möchte?
    Berichte über die Arbeitsbedingungen bei Amazon gibt es nicht erst seit dem in der ARD. Wer etwas googelt, wird immer wieder auf Berichte darüber stoßen. Ich befürchte, dass sich das nicht gänzlich schönreden lässt. Zumal es noch eine ganze Reihe anderer Gründe gibt, Amazon zu meiden.

    Zu deiner Frage: Ich werde es halten wie bislang: Ich kaufe bei Amazon, wenn ich etwas Exotisches will oder in Ausnahmefällen (was so 2-3 Mal im Jahr vorkommt). Alles andere wird im örtlichen Buchhandel bestellt und abgeholt. Und ein Kindle kam mir ohnehin nie ins Haus – egal, wie schick und praktisch ich ihn finde.

    • Also meine Skepsis ist allen Medienberichten gegenüber stark gewachsen, seit die öffentlicht-rechtlichen dumme Stimmungsmache gegen „Killerspiele“ gemacht haben. Ich habe selten so einen Stuss gehört wie bei diesen Berichten und wenn es um Abzocke im Internet geht. Da wird oft so ein Mist erzählt, dass es dann schwer fällt den Rest wirklich zu glauben.

      Es gibt übrigens viele englische Bücher, die ich bei den ortansäßigen Buchhändlern weder in deren Onlineshops noch so bestellen konnte und wenn die dann nicht per Post versenden, sondern ich mit meinem Rad bei Wind und Wetter kilometerweit in die Stadt radeln muss, ist das für mich einfach keine Alternative und bei weitem nicht die bessere. Wenn ich in der Mehrheit deutsche Bücher lesen würde, dann vielleicht, aber für englische Bücher ist sie es einfach nicht und das liegt nicht nur an den Aufpreisen, die ich dort zahlen müsste.

      Und andere Onlineshops zu wählen ist genauso hinrissig, weil die Arbeitsbedingungen werden dort bestimmt gaaanz toll sein und wenn die dann noch über Hermes versenden ist bestimmt eine gute Alternative. Vielleicht wird es dort besser sein, aber glauben tue ich es nicht wirklich, ich kann mir einfach kaum ein großes Unternehmen vorstellen, dass freiwillig einfach viel mehr Geld für Personalkosten ausgibt als der große Konkurrent Amazon, nicht mehr mit Hermes versendet etc. nur damit, falls jemand auf die Idee kommt, die Arbeitsbedingungen zu Hinterfragen, diese Person nichts negatives zu berichten findet, denn es werden doch meistens nicht die Firmen hervorgehoben, die sich vorbildlich verhalten, sondern die die es nicht tun. Bei kleinen Unternehmen kann ich mir das noch gut vorstellen, die nicht direkt mit Amazon konkurrieren, vielleicht bin ich auch einfach zu kritisch, aber ich glaube, dass es bei vielen anderen Unternehmen in dem Bereich nicht andersläuft. Die meisten Leute kaufen doch jetzt einfach bei der günstigsten Alternative und nicht beim personalfreundlichsten Unternehmen, also was ändert das?

      Ich find’s einfach bescheuert wie jetzt alle aufschreien und so tun als ob nicht klar wäre wie es läuft. Wenn etwas billig verkauft wird muss irgendwo gespart werden und es ist einfach nur heulerisch jetzt so zu tun als ob man so etwas vorher nicht wusste ala „Ach, jetzt wo ich DAS weiß, kauf ich wo anders“ bis es bei Amazon dann 30€ billiger und man das dann als DIE Ausnahme aufzählt. Ich meine jetzt nicht dich, sondern das ganz Allgemein. Ist doch genauso bei Erdbeeren oder Spargel, fast jeder kauft ihn und will gute Qualität für den günstigsten Preis, obwohl JEDER weiß, dass dort aus dem Ausland billige Arbeiter herangekahrt werden, die dann auch nicht den besten Lohn bekommen. Aber es gibt bestimmt einige, die jetzt sagen „Ich kaufe nie mehr bei Amazon“ (und die gaaanz sicher ihren Kindle in den Müll schmeißen weil der Bericht so unerwartet kam) und die dann genau diese Erdbeeren und den Spargel kaufen, oder bei Rossmann/Lidl bzw. Diskountern etc. einkaufen… Ich kenne niemanden, der nicht zumindest in EINEM Bereich doch auf den Preis schaut, eben weil fast niemand unendlich viel Geld zu Verfügung hat und besonders beim Essen zählt doch Geiz ist geil. Und wie du schon sagst, dafür zahlt jemand anderes drauf, ich weiß das und gebe mein Geld trotzdem nicht immer für teurere Alternativen aus, weil ich dafür einfach nicht das Geld habe… Ich nehme das in Kauf, wenn ich reich wäre und mir über Geld keine Sorgen machen müsste, würde ich es anders machen, aber ich bin nicht reich und ich denke vielen anderen geht es auch so…

      Natürlich ist es nicht in Ordnung wenn es stimmt was berichtet wird und jeder soll die Konsequenzen daraus ziehen, die er möchte, aber diese Doppelmoral und Heuchlerei ist einfach dumm.

      • Natürlich ist Skepsis gut, aber dass sie hier plötzlich so geballt auftritt, fand ich dann doch interessant. Und natürlich sind die Dokus auf ARD und ZDF manchmal einseitig und schlecht, aber wie ich sagte: Es gibt seit Jahren Berichte darüber wie Amazon mit seinen Mitarbeitern umgeht. Und das ist ja auch nicht der einzige Grund, das Unternehmen zu meiden.

        Viele englische Bücher kann man auch über die ansässigen Buchhändler bestellen – es dauert oft nur etwas länger. Für alles andere nutzte ich auch Amazon, aber so viel ist das nicht – obwohl ich auch fast nur englisch lese.
        Und was das „kilometerweit bei Wind und Wetter quer durch die Stadt“ angeht. Ich kenne deine Situation nicht, deshalb kann ich nicht beurteilen, ob es bei dir tatsächlich so extrem ist, dass es gar nicht geht. Aber vielleicht gibt es ja im weiteren Umkreis eine Buchhandlung, die versendet. Oder man bestellt eben etwas seltener einen großen Schwung Bücher und holt ihn bei guter Witterung ab – oder wenn man eh in die Stadt muss, um etwas zu besorgen. Ich habe auch mal in einer Häuseransiedlung außerhalb eines Dorfes mit der nächsten Buchhandlung in 15 km Entfernung gewohnt, deshalb weiß ich, dass das nicht immer ganz einfach ist.
        Wie ich sagte: Man hat Alternativen, wenn man bereit ist seine Bequemlichkeit ein Stück weit dafür aufzugeben. Wenn nicht, dann ist das die eigene Entscheidung, aber dann sollte man nicht sagen, dass man keine Alternativen habe.

        Zu deinem letzten Absatz: Da bin ich ganz auf deiner Linie. Ich finde es auch heuchlerisch, dass jetzt alle aufschreien (als hätten sie nie etwas gewusst) und morgen dann doch wieder zu Amazon zurückkehren, wenn das Geschrei verstummt ist. Mir ist es lieber, die Leute leben bewusster und drücken einmal weniger auf den Amazon-Bestellbutton und verkneifen sich dafür vielleicht mal ein Buch, das deshalb nicht mehr ins Budget passt, gehen einmal weniger zum Billigfriseur, kaufen ihre Brötchen einmal weniger im Billigbackshop, als dass sie Radikaldiäten versuchen, die sie ohnehin nicht durchhalten.

  • Nija: Schätze, das Problem ist tatsächlich, dass die Zweifel wirklich daher rühren, dass man Amazon als Kunde sehr zu schätzen gelernt hat: wegen der großen Produktauswahl und dem wirklich guten Service. Deshalb möchte man eigentlich gar nicht glauben, dass all das Negative stimmt, sodass man ruhigen Gewissens weiterkaufen kann.

    Übrigens finde ich, dass Bücher tatsächlich das Segment von Amazon ist, das am verzichtbarsten ist – die krieg man nämlich wirklich am jeder Ecke von einem Tag auf den anderen, und dank Buchpreisbindung auch zum gleichen Preis. So sind in meinem Fall Bücher auch das, was ich bei Amazon nur in absoluten Ausnahmefällen kaufe. (Ähm … von E-Books abgesehen. Ich hab mich dem Kindle lange verweigert, aber irgendwann bin ich eingebrochen, weil mich die anderen Reader bzw. ihre Shops und die Umständlichkeit beim Bucherwerb nicht überzeugt haben.)

    Bei buchfremden Produkten sieht es schon anders aus, ich hab da letztens zum Beispiel völlig entnervt und verzweifelt einen Schminkspiegel gekauft, nachdem ich zuvor durch halb Köln gerannt war und weder bei DM noch bei Rossmann noch bei Karstadt einen gefunden habe, der mir gepasst hätte (und ich hatte da wirklich keine sonderlich hohen Ansprüche, er sollte einfach nur einen höheren Fuß haben und bezahlbar sein, also nicht mehr als 15-20 Euro kosten). Auf so ein sinnloses Gerenne durch die Großstadt, die echt viel Zeit kostet und an deren Ende auch noch kein Erfolg steht, hab ich echt keine Lust und ja, da profitiert Amazon dann von meiner Bequemlichkeit. Das kann ich nicht leugnen.

  • Cleopatra

    kauf ich noch bei Amazon? Ja, ich habe einen Kindle und nur dort bekomme ich die englischen eBooks die ich lesen will.

    Ich würde gerne Konsequenzen aus den vielen TV Sendungen ziehen die ich in der Art in der ARD schon gesehen habe über:

    DHL
    IKEA
    KIK
    LIDL
    Aldi
    H&M

    die alle dort auseinandergenommen wurden… Gut so! Das zeigt das investigativer Journalismus in Deutschland immernoch wichtig ist und auch was bewirken kann!

    Aber, ziehe ich tatsächlich die einzige Konsequenz die ich als Verbraucher letztlich habe, nämlich den Boykott von Läden und/oder Produkten, dann hab ich auf Dauer echt ein Problem! Insbesondere wenn ich nicht nur aufmerksam verfolge was die Unternehmen so treiben, auf fair-trade achte und auch Bioprodukte etc. mit einbeziehe. Wie ihr oben schon besprochen habt, weil ich nämlich auch keinen Goldesel im Keller habe und auch wenn ich im Einzelfall wirklich versuche beim richtigen Händler das Richtige zu kaufen, so kann ich mir dennoch nie 100% sicher sein. Vielleicht nur bei T-Shirts von Trigema? Denn ganz ehrlich: ich fühl mich überfordert mit „meiner Verantwortung als Verbraucher“ und von der Politik im Stich gelassen.
    Vielleicht hilft ja der s***storm gegen Amazon mal was – und vor allem den Betroffenen – um endlich grundsätzlich was zu ändern. Bei den ganzen anderen TV Beiträgen war ja nur betroffenes Kopfschütteln, die asiatischen Näherinnen von Lidl waren ja weit weg… da war längst nicht so viel Echo wie jetzt, was ich schade fand.

    • Stimmt, selbst DM mit seinem „ökigen“ Ruf lässt Kleidung in Bangladesch produzieren und setzt auf Palmöl, weswegen für den Anbau von Palmenhainen Regenwald und ganze Dörfer plattgemacht werden …

      Ich sagte ja oben schon: Bedenklich ist doch auch, was die Gesetze hierzulande zulassen. Hier muss einfach angesetzt werden, denn dass die Unternehmen jede Lücke nutzen, um den Profit zu steigern, ist doch logisch. Moral darf man da nicht erwarten, zumal die Verbraucher ja üblicherweise auch nicht bereit sind, mehr Geld zu bezahlen. Dass sich jetzt die Politiker hinstellen und sich empören über die Zustände, die sie selbst ermöglichen, ist mehr als lächerlich.

  • thold

    Kaufe ich noch bei amazon? Nein, und vorher auch schon ungerne. Vor allem weil ich als Selbständiger meine Buchhändler mag, die alles für mich tun und auch Alternativen vorschlagen, die gewünschten Titel meist am nächsten Tag da sind, ich bei denen nicht meine Daten angeben muss und ich schließlich ein zufriedenes Gefühl habe. Aber auch weil ich ein angeborenes Misstrauen gegenüber Großkonzernen hege, die zwar mit viel Trara eine Dienstleistung anpreisen, diese bei näherem Hinsehen aber gar nicht so toll ist und sich auch nicht sonderlich von den Dienstleistungen des normalen Einzelhandels unterscheidet. Man muss nur mal genau hinschauen. Das Kindle-Argument ist wohl mit das gefährlichste, das es geben kann. Es begibt sich also jemand freiwillig in die Abhängigkeit eins Monopolisten, der ihm im Endeffekt vorschreiben kann, was er auf seinem e-reader zu lesen hat (und mögen es noch so viele Titel sein). Dazu hat man doch nicht lesen gelernt!

    • Ich finde es wirklich erstaunlich, wie viele Leute ihren Buchhändler lieben. Ich hab schon lange keinen Buchhändler mehr getroffen, der alles für mich getan hätte – ich hatte zum Teil eher das Gefühl, dass ich froh sein darf, wenn man auch nur das Nötigste für mich tut. („Sie wollen DAS als Ansichtsexemplar bestellen? Das geht nicht, das kriegen wir ja anderweitig nicht los.“) Und gut beraten hab ich mich auch schon lange nicht mehr gefühlt, aber das ist kein Wunder, ich les halt qualitativ minderwertigen Massenmarktweiberkram, mit sowas beschäftigen sich viele Buchhändler offenbar häufig auch nicht so gern! ;)

      Aber das hier soll keine Buchhandels(service)kritik werden. Ich sagte es ja schon mal: Im Buchbereich halte ich Amazon für am problemlosesten verzichtbar – weil man wirklich beim örtlichen Buchhändler von einem Tag auf den anderen ein Buch bestellen kann.

      In allen anderen Bereichen ist das aber nicht so einfach, einen Artikel von heute auf morgen zu kriegen, finde ich, und auch nicht von heute auf übermorgen oder überübermorgen. Wenn ich bedenke, wie lange z.B. Saturn zum Teil brauchte, um mir eine CD beizuschaffen, oder wie schwierig es manchmal ist, ein bestimmtes Kleidungsstück in einer bestimmten Größe herbeizuschaffen … oh je! Und ich bin jetzt schon großstadtverwöhnt; wenn ich mir erst vorstelle, wie schwierig es in meiner kleinstädtischen Heimat bis heute ist, an ein bestimmtes elektronische Gerät oder irgendwas auch nur ansatzweise Exotisches zu kommen, dann kann ich nur wiederholen: oh je!!!

      Klingt jetzt, als sei ich ein uneingeschränkter blinder Amazon-Verfechter – das ist gar nicht so. Ich stehe dem Unternehmen durchaus kritisch gegenüber, und es ist auch nicht so, dass ich da alles bestellen würde. Sich hinzustellen und zu sagen, Amazon leiste doch auch nur das, was der normale Einzelhandel leistet, ist m.E. aber einfach nicht sehr realitätsnah. Denn sehr wohl leisten die für den Kunden zum Teil mehr als andere – nicht umsonst sind sie ja das geworden, was sie heute sind und können ihre Lieferanten so unter Druck setzen. Wenn alle könnten, was Amazon kann, dann frag ich mich doch, wieso sie es nicht machen?!

  • Immerhin: sie versuchen jetzt zu „flickschustern“:

    http://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft/kommentar-zu-zusammenarbeit-amazon—h-e-s-s–amazon-trennt-sich-von-sicherheitsfirma,10808230,21870906.html

    Und dann gerät das Ganze leider in ein paar Wochen wieder in Vergessenheit. Dafür ist AMAZON auf dem Markt einfach zu stark.

    LG;
    JED

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