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[Rezension] Samantha Young: Dublin Street – Gefährliche Sehnsucht

Originaltitel: On Dublin Street
Dublin Street, #1

 

Verlagstext:
Jocelyn Butler ist jung, sexy und allein. Seit sie ihre gesamte Familie bei einem Unfall verloren hat, vertraut sie niemandem mehr. Braden Carmichael weiß, was er will und wie er es bekommt. Doch diesmal hat der attraktive Schotte ein Problem: Die kratzbürstige Jocelyn treibt ihn mit ihren Geheimnissen in den Wahnsinn. Zusammen sind sie wie Streichholz und Benzinkanister. Hochexplosiv. Bis zu dem Tag, als Braden mehr will als eine Affäre und Jocelyn sich entscheiden muss, ob sie jemals wieder ihr Herz verschenken kann.

 

Kommentar:
Dieses Buch war irgendwie komplett an mir vorübergegangen, obwohl es in aller Munde und als E-Book inzwischen sogar schon auf Deutsch erschienen ist (die Printausgabe wird am 15.2.2013 veröffentlicht). Ich bin erst darauf aufmerksam geworden, als es auf einem englischen Blog – den ich dummerweise nicht wiederfinde – zum besten Buch des Jahres 2012 gekürt wurde.

 

Als die angehende Schriftstellerin Joss Butler sich bei Ellie Carmichael in einem Luxusappartement einmietet, ahnt sie nicht, dass sich dadurch ihr ganzes Leben ändern wird: Ihre Mitbewohnerin wird zu ihrer Freundin und deren Bruder zu Joss’ »Fickkumpan« – ganz ohne Verpflichtungen und zeitlich begrenzt auf einige Monate. Es ist schnell klar, dass zwischen Joss und Braden mehr ist als eine unverbindliche Affäre, doch ein tragisches Ereignis setzt in Joss tief sitzende Ängste frei, die alles zu zerstören drohen …

Zentrales Thema der Geschichte sind im Grunde Joss’ psychische Probleme, insbesondere ihre massiven Bindungsängste. Seit sie als Jugendliche ihre Familie und nicht viel später ihre beste Freundin verloren hat, vermeidet sie ernsthafte Bindungen und öffnet sich niemandem. Selbst ihre beste Freundin weiß nicht, was mit ihren Eltern geschehen ist, denn Joss verdrängt den Verlust mit großer Konsequenz und schweigt die Vergangenheit tot. Ihre neue Mitbewohnerin Ellie allerdings schafft es mit ihrer positiven, offenen und netten Art innerhalb kürzester Zeit, Joss einige persönliche Dinge zu entlocken. Obwohl die beiden unterschiedlicher kaum sein könnten, entsteht zwischen ihnen eine echte Freundschaft, und Joss muss verwundert feststellen, dass sie die Romantikerin richtig ins Herz geschlossen hat.

Weniger einfach ist das Verhältnis zu Ellies Bruder Braden. Von der ersten Begegnung an herrscht zwischen den beiden eine fast unheimliche Anziehungskraft, der sie sich irgendwann nicht mehr verschließen können. Sie beginnen eine Affäre, die zeitlich begrenzt und rein sexuell sein soll, doch vor allem Letzteres ist von Anfang ganz offensichtlich nicht der Fall. Im Gegensatz zu Joss, die ihre wahren Gefühle bis zuletzt vor sich selbst und Braden konsequent verleugnet, verhält Braden sich zu jeder Zeit wie ein echter Partner – und zwar wie einer, den man sich nur wünschen kann. Er findet im Umgang mit der verkorksten Joss genau das richtige Maß: Mal zwingt er sie zu ihrem Glück, mal gibt er ihr den Freiraum, den sie braucht. Er ist geduldig, verständnisvoll, unterstützt, bestärkt und beschützt sie, rückt ihr auch mal den Kopf zurecht, wenn sie es braucht, begegnet ihren Eskapaden mit viel Humor – er ist einfach perfekt. Kein Wunder, dass Joss ihr Glück nicht so richtig fassen kann!

Samantha Young schafft es wirklich richtig gut zu zeigen, wie Joss mit Hilfe der Geschwister und einer Therapeutin nach acht Jahren endlich beginnt, sich den tragischen Ereignissen aus der Vergangenheit zu stellen und wie sie sich dadurch mehr und mehr öffnet, teilweise ohne es selbst zu merken. Dass ein neuerlicher Schicksalsschlag sie gegen Ende des Buches kurzfristig völlig aus der Bahn wirft, ist nachvollziehbar. Was in der Folge aber hinsichtlich ihrer Beziehung zu Braden passiert, ist ganz schön anstrengend und auch ziemlich überflüssig; dieses Hin und Her hätte absolut nicht sein müssen, ebenso wenig wie diese schreckliche »Du bist zu gut für mich«-Nummer. Mit der Erzählweise war ich ebenfalls nicht immer hundertprozentig glücklich, weil der Stil zum Teil sehr berichtend ist und längere Zeiträume in wenigen lapidaren Sätzen zusammengefasst werden.

Insgesamt ist »Dublin Street« aber ein tolles Buch mit absolut überzeugenden Figuren, denen auch die Ecken und Kanten nicht fehlen, sodass sie sicher im Gedächtnis bleiben. Ich freu mich schon sehr auf die Fortsetzung, die im Mai erscheinen wird.

 


13 Punkte

 

Serieinfo:
01 On Dublin Street | Dublin Street – Gefährliche Sehnsucht
02 Down London Road (Mai 2013)

22 Kommentare zu [Rezension] Samantha Young: Dublin Street – Gefährliche Sehnsucht

  • Das klingt doch ganz gut, danke für die Besprechung. Ich hab das nämlich auch auf meiner Liste stehen!

    Wobei ich ein bisschen skeptisch noch bin, denn ich frage mich, ob es auch noch zeitgenössische Erotikromane gibt, bei denen NICHT irgendein schwer gebeutelter Charakter mit schlimmer Kindheit im Vordergrund steht. Ich weiß nicht genau wieso, aber das scheint gerade die neue Mode zu werden (oder war das schon immer so beliebt? So lange les ich sowas ja noch nicht.)

    • Mir ist ehrlich gesagt noch nicht aufgefallen, dass Kindheitstraumata gerade ein Trendthema sind, aber ich hab auch gar nicht so viele aktuelle Erotikromane gelesen. (Übrigens würde ich »Dublin Street« nicht wirklich als Erotikroman bezeichnen, sondern eher als Liebesroman mit etwas höherem Erotikanteil.) So grundsätzlich sind gebeutelte Charaktere aber ja schon seit jeher ein beliebtes Thema – die »tortured heroes« sind doch die Lieblinge aller Leserinnen! ;)

      • Doch, also bei allem, was ich bisher gelesen habe, gabs eine schwere Kindheit zu verarbeiten. Ausnahmslos. Das finde ich allmählich ein bisschen langweilig, dachte aber das wäre jetzt quasi die neue Mode, weil es ja so viele Fifty Shades Lookalikes gibt und die schlimme Kindheit da auch ein GANZ großes Thema ist.

        • Ach stimmt ja, Christian Grey ist ja auch so einer … Ich hab die ganze Zeit überlegt, ob man eigentlich weiß, was Ana für ne Kindheit hatte.

          • Ist schon ne Weile her bei mir mit dem Lesen, aber die ist doch beim Vater aufgewachsen, wenn ich mich richtig erinnere, weil die Mutter alle naselang neu geheiratet hat und ständig innerhalb der USA umzog. Wobei das auch eher der Stiefvater war, also derjenige mit dem die Mutter mal längere Zeit verheiratet war.
            Also mir fällt das ganz stark auf, dass sich dieses Schema häuft. Ich will ja nicht sagen, dass es ganz ohne Probleme besser wäre, aber das sind auffallend oft vom Schicksal schwer gebeutelte Menschen. Schlimme Kindheit, schlimme Jugend, schlimme Erfahrungen.

            Tortured Heros heißen die also… *gg*

            • Ach ja, da war was … Mein Gedächtnis ist echt vollkommen unbrauchbar in solchen Dingen!!!

              Und klar sind die vom Schicksal gebeutelt, sonst würden sie ja nicht auf BDSM stehen! (Ganz ehrlich, so manch ein Autor scheint das für die Erklärung zu halten … *augenroll*)

              Ja, tortured heroes – dazu gibts auch jede Menge Listen mit den besten »tortured heroes«, z.B. bei Goodreads oder bei All About Romance.

              • Ach danke, aber ich glaube ich bin erstmal bedient bzw stellt sich eigentlich jeder Erotikroman, den ich anfange als so ein Tortured Hero Dingens heraus.
                Mal davon abgesehen nervt es mich auch, dass oft die Verbindung schlimme Kindheit/BDSM hergestellt wird. Und zudem finde ich es auch total blöd, mit Mitte/Ende 20 immernoch die Kindheitstraumata bewältigen zu müssen (die so schlimm oft ja nicht mal waren).

                • Also die Verbindung BDSM und schlimme Kindheit finde ich auch sehr nervig. Hier hab ich wirklich das Gefühl, die Autoren wissen nicht wie sie das sonst „erklären“ sollen und wollen vor allem auf den zur Zeit recht erfolgreichen Zug aufspringen.
                  Allerdings finde ich die Entwicklich in Richtung Tortured Hero jetzt nicht so neu, in vielen RiRos ist es doch so, dass mindestens einer der Protagonisten mit einem Erlebnis aus seiner Vergangenheit zu kämpfen hat und deswegen die neue Beziehung erstmal nicht möglich ist. Schlimme Kindheit/Schlimme erste Ehe/gestorbenes Kind/Freund/Ehemann etc.
                  Und auch in Historicals ist es doch so, dass der Mann recht gern entweder eine böse 1. Ehefrau oder eine gestorbene 1. Ehefrau hat oder sogar des Mordes an XY bezichtigt wird, wenn er nicht gerade der Lebemann ist, der bekehrt werden muss ;-)

                  • Ich hab keine Ahnung, ob man Kindheitstraumata nicht irgendwie sein ganzes Leben mit sich rumschleppt (ich hab zum Glück keins! *g*), aber prägend ist das vermutlich schon … In der extremen Ausprägung, die dringend behandelt werden muss, find ich es aber auch befremdlich.

                    Und in der Tat ist die Verbindung schlimme Kindheit/BDSM sehr nervig und hat m.E. in den wenigsten Fällen etwas miteinander zu tun. Irgendwie kommt es mir vor, als würden gerade im Massenmarkt-Bereich ganz viele Autorinnen auf den erfolgreichen BDSM-Zug aufspringen, ohne selbst eine Ahnung und auch nur das geringste Verständnis für diese Spielart zu haben.

                    • Naja, ich meine: Wir haben doch alle unser Päckchen zu tragen, nech? Aber irgendwann ist man über sich hinausgewachsen, hat die Kindheit hinter sich gelassen und ist erwachsen geworden.
                      Und es stört mich einfach, dass das gerne so extrem aufgebauscht wird nach dem Motto „Ich hatte eine schwere Kindheit und das muss genau JETZT thematisiert werden, wo ich Protagonist(in) in einem Erotikroman bin und dabei bin, eine Beziehung und der begehrenswertesten Person überhaupt einzugehen.“

                      Was die wirklich befremdliche Tatsache angeht, dass (seit FSOG?) eine Vorliebe für BDSM Spielarten mit selbst erlebter Kindesmisshandlung, schwerer Kindheit, alkoholkranken Eltern etc. zu begründen, da hab ich so meine Theorie: Für viele (mich eingeschlossen) ist es schwer nachvollziehbar, dass jemand einfach aus Spaß an der Freude sich erniedrigen lässt (bzw das mit andern tut) und daraus auch noch sexuellen Lustgewinn zieht. Also hat man das zum einen etwas abgeschwächt, was die Praktiken selber angeht und sich zudem noch eine schöne Erklärung dafür ausgedacht, damit die Figuren das nicht etwa ZUM SPASS machen oder weil sie das toll finden, sondern weil sie eben nicht anders könne, armes Hascherl aber auch. Ich denke, das soll damit einfach von diesem Image der Perversion weg kommen. (Nicht dass ich das für nötig erachte, aber das ist so mein Eindruck nach dem Lesen einiger dieser Bücher bisher.)

  • Silke

    Ich freue mich schon auf das Buch. Habs auf englisch am Kindle. Bin durch eine Rezi bei smexybooks.com (http://smexybooks.com/2012/09/top-ten-reasons-to-read-on-dublin-street-by-samantha-young.html) drauf gestossen. Werde es im Februar mit meiner Freundin Gaby zusammenlesen. Sie liest die deutsche Fassung.

    Es gibt übriegens noch eine Christmas-Story mit dem Paar. (http://smexybooks.com/2012/12/an-on-dublin-street-christmas-by-samantha-young.html)

    LG Silke

    • Danke für den Hinweis auf die Christmas-Story, Silke. Hatte das zwar bei Goodreads gesehen, aber inzwischen schon wieder vergessen. Werd ich gleich mal runterladen zum Lesen Bookmarken. (Gibts da echt keine E-Book-Version von?!)

  • ClaudiaGC

    Ich hab das Buch schon letztes Jahr gelesen und kann mich deiner Rezi nur anschließen. Ich bin ja nicht so der Leser, der gern in der Ich-Form liest, aber das hat mich hier nicht so sehr gestört. Und mich hat das Setting sofort überzeugt. Ich liebe Edingburgh! :)
    Die Autorin hat vor kurzem angekündigt, dass sie sich bald an den zweiten Teil, Down London Road, machen wird. Ich hoffe, es wird auch so gut.

  • Hast du es auf Deutsch oder Englisch gelesen?

  • Ich liebe dieses Buch ;) Ist auch eins meiner Highlights 2012, ich hab es schon auf Englisch gelesen. Samantha Young schreibt überhaupt ziemlich gute Bücher – allerdings bisher nur Fantasy Young Age, aber wer auch so etwas mag, der sollte da unbedingt mal reinschauen! Gerade die englischen Bücher sind verlagsfrei erschienen und daher wirklich sehr günstig.
    Auf Down London Road fiebere ich auch schon hin – habe ziemlich hohe Erwartungen, hoffentlich werden diese erfüllt.

  • Maren: Ich glaube, deine Erklärung für den aktuellen BDSM-Trend und die Begründung der Autoren trifft ziemlich genau den Kern. Wobei ich mich ernsthaft frage, wieso BDSM gerade so ein Trend ist, wenn man doch Ausreden dafür braucht und eigentlich kaum jemand was mit dieser Spielart anfangen kann bzw. kaum jemand sie selbst praktizieren möchte. (Wir reden hier ja nicht über ein bisschen Fesseln und auf den Hintern hauen.)

    (Oben konnte ich leider nicht mehr antworten!)

    • Genau! Wie ich bei meiner FSOG Rezi geschrieben habe: Das ist kein „richtiges“ BDSM, sondern was für Frauen, die gerne ein bisschen fester angefasst werden. Ich fand das nicht wirklich „schlimm“, sondern eher nachvollziehbar.

      Ich erkläre mir den versuch, sowas zu begründen u.a. auch aus der Entstehungsgeschichte der Serie. Die Autorin hat spürbar nicht wirklich Erfahrungen im BDSM Bereich (das merke sogar ich als Unerfahrene und Uninteressierte). Ich finde es schwer zu beschreiben, aber ich meine, die Intention der Autorin verstanden zu haben: Sie wollte einen Liebesroman schreiben mit ganz viel Erotik, aber mit etwas anderen Spielarten als „nur normalem Sex“, sag ich mal ganz platt. Vielleicht hat sie sich nicht getraut, einen Charakter zu erfinden, dem es schlicht Spaß macht, ein wenig Gewalt anzuwenden. Vielleicht dachte sie, dass selbst ein bisschen Popohauen schon zu pervers sei um einfach als ganz normale Vorliebe durchgehen zu können?

      Und was natürlich auch immer noch dazu kommt: Der „Held“, der wie unter Zwang Frauen verkloppt, ist zu MIR nett – wenn er will und sich bemüht. ICH hab ihn gezähmt. Weil ICH so toll bin und er NUR MICH liebt. Das ist doch wohl mal total romantisch ;-)
      Ich glaube, es ist diese Ambivalenz, die da geschaffen wird, die durch dieses ganze Schlimme Kindheit Gedöns noch vestärkt wird: Er MUSS das ja machen, er kann nicht anders. Hätte er tatsächlich einfach nur Spaß an Gewalt, Erniedrigung, Erziehung usw., würde er sich ja nebenbei nicht ab und zu mal zu so niedlichem Vanilla Sex herablassen (oder hab ich das falsch verstanden mit dem ganzen BDSM Dingen?)

      • Ja ja ja! Dieser Faktor ist ganz wichtig: Der Held ist eigentlich ein Schurke/Brutalo/Weiberheld, aber in der Heldin findet er dann DIE EINE, bei der alles anders ist. Darauf basieren vermutlich 98% aller Liebesromane! ;)

        Die Schreckliche-Kindheit-Erklärung finde ich trotzdem nervig und auch, dass die ganzen aktuellen BDSM-Autorinnen ne Ausrede für den Fetisch brauchen, der immerhin den Erfolg ihrer Bücher ausmacht. Soweit ich weiß, kann übrigens auch ein »echter« Sadist ohne schreckliche Kindheit ganz »normalen« Sex haben, auf Dauer wird ihn das aber nicht befriedigen, seine wahre Natur zu verleugnen. Aber ich bin da kein Experte bzw. habe nur Erfahrungen aus zweiter Hand! ;)

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