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[Rezension] Kieran Kramer: When Harry Met Molly

Inhalt:
Lord Harry Treamore liebt seine Unabhängigkeit, doch dann wird er vom Prinzregenten höchstselbst in eine folgenschwere Wette verstrickt: Derjenige der fünf »Impossible Bachelors«, dessen Mätresse in einem Wettbewerb den Titel »Reizendste Begleiterin« gewinnt, darf sein Junggesellenleben ein weiteres Jahr lang ungestraft auskosten. Unter den vier anderen Männern wird durch Strohhalmziehen ein Verlierer ermittelt, der sofort heiraten muss. Harry macht sich zunächst keine großen Sorgen über den Ausgang des Wettbewerbs – dann allerdings läuft ihm in allerletzter Sekunde seine Mätresse davon, und zwar ausgerechnet mit dem zukünftigen Gatten seiner alten Jugendfeindin Lady Molly Fairbanks. Die beiden Gehörnten tun sich in ihrer Not zusammen, doch die adlige, unbedarfte Molly ist nicht gerade das, was man sich unter einer begehrenswerten Vorzeigegeliebten vorstellt … 

Kommentar:
Ich hatte zu Kieran Kramers Debütroman diverse positive Rezensionen gelesen, deren Tenor inetwa lautete: »Unglaubwürdige Geschichte, aber trotzdem extrem unterhaltsam.« Nach dem Lesen kann ich den hohen Unterhaltungswert nur leider überhaupt nicht bestätigen, die hanebüchene Story allerdings blöderweise sehr wohl. Natürlich verdeutlich schon die Inhaltsangabe, dass die Handlung nur bedingt ernstzunehmen ist, ich war aber ehrlich gesagt blauäugigerweise der Meinung, es sei nur die der Geschichte zugrundeliegende Idee unglaubwürdig, die Umsetzung im Detail hingegen in Ordnung. Weit gefehlt – es wimmelt nur so von Schwachsinnigkeiten. Würde ich die alle im Detail aufzeigen, müsste ich das ganze Buch nacherzählen, also beschränke ich mich auf die wesentlichen.

Es fängt schon mit der Vorgeschichte an, die einen unbedeutenden Jugendstreich zum dauerhaft lebensverändernden Einschnitt für die Protagonisten aufbauscht, und geht nahtlos über in den Auftritt des Prinzregenten im Club von Harry und seinen Freunden. Nicht wirklich verwunderlich, dass die vier eingefleischten Junggesellen einigermaßen überrascht sind, als Prinny durch eine geheime Geheimtür mitten in ihr Männergespräch platzt und mit der oben beschriebenen albernen Wette um die Ecke kommt. Nicht weniger albern: Als Harry mit seiner Mätresse zum Wettbewerb anreist, trifft er in einem Rasthaus rein zufällig seine Jugendfeindin Molly, die gerade dabei ist, aus reiner Bockigkeit mit einem Angestellten ihres Vaters nach Gretna Green durchzubrennen, um dort heimlich zu heiraten. Wie das Leben so spielt, verguckt sich Mollys Verlobter in Harry Mätresse, und die beiden machen sich gemeinsam aus dem Staub, während Harry und Molly im Schankraum ihrer erklärten Lieblingsbeschäftigung nachgehen und sich zanken. Da Harry nun ohne Begleitung dasteht (was ihn automatisch zum Verlierer der Wette machen und eine sofortige Heiratsverpflichtung bedeuten würde) und Molly ohne Beschützer, schließen sie trotz aller Streitigkeiten und Aversionen ein Zweckbündnis: Molly kommt mit auf den Landsitz und gibt Harrys Mätresse – was offenbar immer noch besser ist, als alleine ins sichere Nest zurückzureisen. Man kann als Harrys Mätresse ja schließlich nur seinen Ruf verlieren, was aber ohnehin nieeeemals nicht passieren wird, denn Molly nennt sich raffinierterweise Delilah (genau, Samson und so) und wird somit gewiss einer Entdeckung entgehen, wie die beiden Schlauberger meinen.

Selbstredend ist die unbedarfte junge Adlige, die (ich muss es wohl nicht erwähnen) natürlich noch Jungfrau ist, vollkommen überfordert mit ihrer Aufgabe, sodass ein peinlicher Auftritt den nächsten jagt. Peinliche Auftritte fallen andererseits aber gar nicht so wirklich auf angesichts all der ach so lustigen Wettbewerbe, die sich der geistreiche Prinny so ausgedacht hat, etwa Kusstests im Kusskabuff mit einem zugelosten anderen Mann oder fröhliches Sackhüpfen zur Beurteilung der am beeindruckendsten hüpfenden Brüste. Weil die Beteiligten offenbar damit noch nicht hinreichend ausgelastet sind und wir es ja nun außerdem mit einem Liebesroman zu tun haben, bringt Harry Molly ganz nebenbei ein bisschen was über Liebe, Sex und Zärtlichkeit bei, um ihre ziemlich aussichtslosen Gewinnchancen zu steigern – und ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich sage, dass sich die beiden dabei näherkommen. Da in diesem Buch kaum was ausgelassen wird, kriegen wir es dann auch noch mit der altbewährten »Ich bin nicht gut genug für dich«-Nummer zu tun, die zusätzlich mit »Außerdem muss ich mich erst mal selbst finden«-Ausrede aufgehübscht wird, um dann endgültig zur einer ärgerlichen Farce zu verkommen, indem alles angeblichlich nur Spaß war. Ohnehin scheint diese alberne Szene offenbar nur zur Vorbereitung eines Showdowns zu dienen, für den mir nur ein Wort einfällt: abstrus.

Die Story ist aber nicht nur hanebüchen, sondern zieht sich darüber hinaus spätestens ab der Hälfte wie Kaugummi. Es hätte der Geschichte definitiv gut getan, von den 410 Seiten mindestens ein Viertel zu streichen – zum Beispiel, indem man einfach mal alle Nebenkriegsschauplätze eliminiert, die ohnehin keinerlei Bedeutung haben. Bei der Gelegenheit hätte die Autorin auch gleich den Fokus auf die sukzessive Veränderung der Beziehung zwischen Harry und Molly richten können; wie es nämlich kommt, dass sich die beiden Erzfeinde ineinander verlieben, ist nur schwer nachzuvollziehen.

Die Hauptfiguren sind nicht so schlecht wie die Geschichte, wachsen einem aber auch nicht gerade ans Herz und wirken doch relativ eindimensional. Sie haben nicht das Potenzial, einen Toproman aus diesem Buch zu machen, hätten aber immerhin auch nicht weiter gestört. Vollkommen uninteressant sind auch die anderen Junggesellen, die in den drei Folgebänden noch unter die Haube gebracht werden – was aus denen wird, ist mir folglich total egal.

Was schließlich den viel gepriesenen Humor angeht: Es gibt ein paar ganz nette und witzige Szenen, aber alles in allem sind wir hier wohl mal wieder an dem Punkt, wo sich die Geister an der Absurdität einer Geschichte scheiden. Der eine kann aus einer grotesken Handlung Belustigung ziehen, der andere findet sowas einfach nur dumm und langweilig. Ich gehöre zur letzteren Sorte – aber das ist ja nichts wirklich Neues.

Fazit:
4/15 – Kein überzeugendes Debüt, weil die Geschichte einfach zu unglaubwürdig ist. Da der Nachfolgeroman eher schlechtere Kritiken erhalten hat als der Erstling, wird dies wohl mein einziger Versuch mit dieser Autorin bleiben.

 

 

Serieninfo:
01 When Harry Met Molly
02 Dukes to the Left of me, Princes to the Right
03 Cloudy with a Chance of Marriage (April 2011)
04 If You Give A Girl A Viscount (Ende 2011)

9 Kommentare zu [Rezension] Kieran Kramer: When Harry Met Molly

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