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[Aufreger] Rabattierte iTunes-Karten und die Buchpreisbindung

Der Buchreport hat die »Preisbindungstreuhänder« grandioserweise darauf aufmerksam gemacht (und ist offenbar mächtig stolz darauf), dass mit verbilligten iTunes-Karten auch Bücher im Apple AppStore gekauft werden können, sodass man Apple nun wegen Preisbindungsverstößen abgemahnt hat. Dass ein Buch im eBook-Store des AppStores immer noch zum gebundenen Preis angeboten wird, spielt dabei offenbar keine Rolle, wenn die Karte im Angebot für 20 statt für 25 Euro verkauft wird. Ebenso wenig wie es eine Rolle spielt, dass mit der 25-Euro-Karte für 20 Euro vermutlich nicht nur E-Books gekauft werden, sondern vielleicht mal ein E-Book, daneben aber auch jede Menge andere Apps – denn ich gehe einfach mal davon aus, dass die Kartenkäufer nicht im wesentlichen Buchleser sind. Der Schaden dürfte sich folglich in höchst überschaubaren Grenzen halten – aber hier gehts natürlich ums Prinzip, nicht um Gewinne und Verluste.

Das Problem ist das Prinzip der Guthabenkarten an sich. Wer ist es nicht weiß, die Sache mit den iTunes-Karten läuft so: Man kauft eine Guthabenkarte, bucht das Guthaben beim iTunes-Store ein und kann dann von seinem aufgefüllten dicken Konto fröhlich einkaufen: Musik, Programme, Spiele und eben auch E-Books. Es ist offenbar technisch tatsächlich möglich, nachzuvollziehen, welche Guthabenkarten rabattiert verkauft wurden und deshalb nicht für E-Books gültig sein dürften – und so spricht Apple verblüffenderweise davon, eine technische Lösung anzustreben. Bei einer aktuellen Rabattaktion von Rewe gibt es immerhin schon den Hinweis, dass die Gutscheine nicht für den Erwerb von E-Books verwendet werden können, wobei aber wohl nicht ganz klar ist, ob das ein freundlicher Einwand ist oder ob der Einsatz wirklich technisch nicht geht.

Das Problem bleibt aber: Wie soll denn zwischen rabattierten und nicht rabattierten Karten unterschieden werden, wenn das iTunes-Konto ja solche und solche »Einzahlungen« umfasst?! Sprich: Wenn ich vor der »Einzahlung« der 25-Euro-Karte für 20 Euro schon regulär gekaufte 50 Euro auf meinem Konto drauf waren, zahl ich dann das gewünschte Buch von der rabattierten Karte oder nicht vielleicht von der zum regulären Preis erworbenen Karte? Wer soll das bitte unterscheiden? Kann ich die nicht-rabattierte Karte für E-Books aufsparen und die andere Karte für andere Apps benutzen? Oder kann ich mein Guthaben gar nicht mehr verwenden, sobald eine rabattierte Karte eingespielt wurde? Und was ist eigentlich mit englischsprachigen E-Books, die ja nicht preisgebunden sind? Kann ich die weiterhin von meiner vergünstigten Karte kaufen oder wird der gesamte E-Book-Store gesperrt? Und was passiert, wenn ich einen rabattierten Mediamarkt-Gutschein besitze und davon zum vollen Preis eine iTunes-Karte kaufe? Wird das verboten?

Wenn Apple wirklich einlenkt (was ich sehr verwunderlich fände, weil Apple bei sowas eigentlich NIE einlenkt), dann kann das m.E. nur bedeuten, dass jegliche Rabatte auf iTunes-Karten abgeschafft werden müssten – was dann allen iTunes-Karten-Käufern schadet, auch denen, die mit Büchern überhaupt nichts am Hut haben. Deshalb ist es mehr als unwahrscheinlich; dieses Szenario kann man also getrost von der Liste streichen.

Die Alternative wäre, den Kauf von E-Books nur noch mit Kreditkartenzahlung zu ermöglichen und den E-Book-Store für Guthabenkartenzahlung zu sperren. Vom Wettbewerbsnachteil für Apple will ich gar nicht sprechen, aber fair ist das auch den Usern gegenüber nicht, denn nicht jeder hat eine Kreditkarte und nicht jeder bestückt sein Konto mit rabattiert eingekauften iTunes-Karten. Bleibt, woanders E-Books fürs iPad zu kaufen. Das ist kein Weltuntergang, aber lästig. Ich kauf ja die Bücher für meinen Kindle normalerweise auch nicht woanders als bei Amazon.

Ich bin gespannt, was aus der Sache wird – und hoffe eigentlich, dass Apple NICHT ganz schnell einlenkt. Die Sache bestärkt mich in jedem Fall in meiner Ansicht, dass die Buchpreisbindung in heutzutage einfach nicht mehr zeitgemäß ist, auch wenn sie sicher nach wie vor ihre Vorteile hat.

5 Kommentare zu [Aufreger] Rabattierte iTunes-Karten und die Buchpreisbindung

  • OMG! Was für ein Theater. Ich weiß schon, warum ich schon lange gegen unsere Buchpreisbindung bin.

    Ich versteh auch nicht, warum man die Buchpreisbindung nicht zB nur auf gedruckte Bücher und eben nicht auf eBooks anwenden kann. Gerade bei eBooks finde ich es total bescheuert, weil ich für eine digitale Datei zB auf keinen Fall 20 Euro ausgeben würde, das ist es in meinen Augen einfach nicht wert. Egal, wie gut das Buch ist, wenn es auch gedruckt erscheint, sind die Kosten für die Produktion des eBooks minimal und wesentlich geringer als für das gedruckte Buch.

    • Stephie, ich glaub nicht, dass es Sinn macht, eine Preisbindung nur für ein Printbuch, aber nicht für ein E-Book des gleichen Titels zu haben. Mit welchem Argument denn?

      Ich finde aber auch, dass E-Books hier zu teuer sind. Dass die Produktion so viel günstiger ist, ist noch nicht mal gesagt – gerade bei größeren Auflagen sind die Druckkosten verschwindend gering. Viel gravierender dürften aber die Lager und Vertriebskosten für Bücher sein – das entfällt ja bei E-Books alles. Davon abgesehen hat für mich als Leser ein gedrucktes Buch – rein gefühlsmäßig – einen so viel größeren Mehrwert, dass ich nicht bereit bin, für ein E-Book annähernd genauso viel zu zahlen (zumindest im Moment noch). Hinzu kommt, dass ein E-Book im Fall des Nichtgefallens ja auch keinerlei Wiederverkaufswert hat im Gegensatz zu einem Buch; auch das müsste sich im VK-Preis niederschlagen.

  • Da ich ja Pro-Buchpreisbindung bin, kann ich nur sagen: richtig so! Wenn Apple damit durchkommen sollte und nichts ändern muss, ist das schließlich eine Gesetzeslücke, die dann auch ganz schnell andere nutzen werden. Ich wäre ja auch dafür, dass ausländische Buchshops wie z. B. TBD deutsche Bücher auch nicht mehr mit Rabatt verkaufen dürfen. Ist ja das gleiche Prinzip wie bei Medikamenten, deswegen lässt es mich hoffen :-)

    • Ich kann – wie gesagt – durchaus die Argumente pro Buchpreisbindung nachvollziehen, finde die Buchpreisbindung so, wie sie ist, zum Teil aber eher schädlich fürs Buch und den Ruf der gesamten Branche.

      Dass ausländische Buchshops deutsche Bücher verbilligt nach Deutschland verkaufen dürfen, macht in der Tat nicht so richtig Sinn; ich schätze aber, dass man das nicht so einfach unterbinden kann. (Erinnert mich an die Diskussion um so manch eine Hunderasse, die aus Tierschutzgründen in Deutschalnd nicht mehr coupiert werden durfte und die dann aus fragwürdigen Quellen aus dem Ausland eingeführt wurde. Das fand ich auch ganz schön widersinnig.)

  • Jürgen

    Buchpreisbindung ist genauso unsinnig wie die Preisabsprachen beim Benzin oder beim Strompreis.

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