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[Marginalie] »Das kannst du doch nicht machen!« – Doch, ich kann!

Da wurde mir doch gerade mal wieder naserümpfend vorgehalten, dass es ja wohl nicht gehe und total unfair sei, Bücher schlecht zu bewerten, die ich gar nicht beendet habe. Ich hab mich mit dem Thema schon öfter auseinandergesetzt, aber mein Schluss ist jedesmal derselbe: Ich finde sehr wohl, dass ich das kann!

Ich verstehe ehrlich gesagt sogar den Einwand, dass ich ein Buch doch gar nicht final beurteilen könne, wenn ich es doch gar nicht zu Ende gelesen habe; es könnte ja schließlich sein, dass sich die Handlung noch entwickelt und viel besser und spannender wird. Mag schon sein. Aber spielt das eine Rolle? Muss ich ein Buch komplett gelesen haben, um es schlecht zu finden? Seh ich nicht so! Insofern finde ich es auch nicht unfair, ein abgebrochenes Buch zu bewerten, und ich sehe auch nicht ein, eine Wertung in solchen Fällen grundsätzlich komplett zu unterlassen – warum sollte ich auch? Ich lese zu reinen Unterhaltungszwecken. Wenn mich ein Buch so sehr langweilt oder nervt, dass ich nach 100–150 Seiten absolut keine Lust mehr habe, es überhaupt weiterzulesen, dann hat es sehr wohl eine 0-Punkte Bewertung verdient. Dann hat es nämlich seinen Zweck schlicht nicht erfüllt. Und wenn ich es nicht furchtbar schlecht fände, würde ich es ja schließlich nicht abbrechen. Wie lange soll ich mich denn quälen, um ein Urteil abgeben zu dürfen?

Natürlich ist es im Zusammenhang mit der Bewertung eines abgebrochenen Buches schon aus Gründen der Fairness und Transparenz sinnvoll, dazu zu sagen, dass man das Buch nicht zu Ende gelesen hat, und idealerweise auch, warum nicht. Dass man sich hierbei nicht auf die (angenommene) Gesamtentwicklung einer Person oder der Geschichte beziehen darf, ist klar. Man kann aber sehr wohl feststellen, dass die Personen doof, die Handlung hanebüchen und/oder der Stil unerträglich ist. Es spielt dabei gar keine Rolle, ob sich das auf den letzten 100 Seiten (vielleicht) noch ändert, wenn es einen 250 Seiten lang genervt hat. Und mal ehrlich, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mir ein Buch, dessen Geschichte ich nach der Hälfte als wirr oder gähnend langweilig empfinde, dessen Heldin mir zu skurril oder zu moralisch daherkommt und dessen Stil mir zu jugendsprachlich oder zu altmodisch ist, am Ende doch noch wirklich gut gefällt? Ich kann mich an keinen einziges Mal erinnern, wo das der Fall gewesen wäre – warum sollte ich also nicht auch nach einem halb gelesenen Buch ein entsprechendes Fazit ziehen? Ich gebe hier schließlich kein allgemeingültiges Qualitätsurteil ab, sondern eine private, rein subjektive Bewertung. Und deshalb nehme ich mir das Recht heraus, ein Buch, das mir so wenig gefällt, dass ich abbreche, trotzdem zu bewerten. Auch in Zukunft.

32 Kommentare zu [Marginalie] »Das kannst du doch nicht machen!« – Doch, ich kann!

  • Immer diese Beiträge, in denen es wieder nur darum geht Besucher anzulocken :D

    Ganz ehrlich: Höchstens wenn du bei der Bewertung verschweigen würdest, dass du das Buch nicht beendet hast, würde ich die Bewertung missverstehen. Ansonsten: So what?!

    Ich finde diese ganze Diskussion um Awards viel spannender!

  • Natürlich kannst du das machen, ich finde es oft sogar sehr interessant da ich auch ab und zu Bücher abbreche. Wenn ich auf meinem Blog negative Rezensionen veröffentlichen würde, hätte ich damit auch kein Problem. Und bei den Bewertungen auf Goodreads stört mich das auch nicht. Es hat ja meist einen Grund, warum man ein Buch abbricht, und warum soll man das dann nicht auch bewerten und darüber eine Rezension verfassen.

    Davon mal abgesehen soll doch bitte jeder Leser und Blogger das machen, was er für richtig hält.

  • Ich bin zwar selbst dagegen Bücher abzubrechen, weil mir das irgendwie wiederstrebt, aber ich finde es prinzipiell auhc völlig okay ein Buch abzubrechen und es dennoch zu bewerten. Es kommt halt nur darauf an, wie viel man gelesen hat. Bei einem 500 Seiten Roman fände ich eine Bewertung nach nur 50 Seiten zB etwas fragwürdig, weil ich finde, dass man sich nach 50 Seiten noch kein richtiges Bild davon machen kann. Aber nach 100-150 Seiten, wie du geschrieben hast, sollte einen das Buch schon irgendwie packen, wenn das nicht der Fall ist, muss man sich ja auch nicht weiter quälen. Und wenn du in der Bewertung sagst, dass du es nicht beendet hast, finde ich das voll okay.

  • Elisabeth

    Klar darfst du – ganz egal, wie viele Seiten du gelesen hast. Es ist der Job des Autors, den Leser zu unterhalten. Wenn er den nicht gut macht, darf man das sagen.

    Oder ist es schon moralisch verwerfbar, wenn ich ein Buch in der Buchhandlung anlese, angeekelt weglege und nicht kaufe? Immerhin habe ich bereits einen Teil der Leistung des Autors konsumiert und sogar bewertet: Kaufe ich ganz bestimmt nicht! Darf ich das? Oder bin ich schon unfair? ;-)

    Wieso wird übrigens nur eine schlechte Bewertung kritisiert? Ich habe durchaus gelegentlich den Verdacht, dass ein in den Himmel gelobtes Buch nicht ausgelesen wurde…

  • Ich denke, was immer vergessen wird: Eine Rezension ist meistens subjektiv! Nur weil dir z. B. ein Buch überhaupt nicht gefällt, heißt das ja noch lange nicht, dass ich es auch so empfinde. Ehrlich gesagt, lese ich auch lieber mal ne negative (konstruktive!) Rezension als eine positive. Nicht, weil ich mich abschrecken lassen will, sondern zum einen, um vielleicht nicht zu euphorisch an ein Buch zu gehen und zum anderen, wie du schon erwähnt hast, um zu sehen, was die Story „taugt“. Denn wenn sie übertrieben/unsinnig oder langweilig erzählt wird, dann werfe ich doch lieber einen genaueren Blick in das Buch.

    Ich finde auch nicht, dass man ein Buch nur deswegen nicht beurteilen kann, weil man sich nicht bis zum Ende „gequält“ hat. Aber, wie du auch schon geschrieben hast, finde ich es sehr wichtig, dass man auch dazu schreibt, dass man es eben nicht ganz gelesen hat. Und das ist doch der springende Punkt, oder? Konstruktiv zu erklären, warum, wieso, weshalb. Ein „Find ich scheiße“ hilft keinem…

  • Ich kann mich den anderen nur anschließen – ich finde es absolut ok ein Buch ganz normal zu bewerten, auch wenn man es abgebrochen hat. Wichtig ist dann halt dazu zu sagen, dass man es abgebrochen hat und daher das Buch nur bis Seite xx gelesen hat und natürlich nicht wissen kann, wie die weitere Entwicklung war.

    Überhaupt finde ich es wichtig auch negative Rezensionen zu veröffentlichen, weil es nun mal Leser gibt, denen man damit hilft. Du begründest doch immer sehr genau warum dir ein Buch gefällt oder eben nicht, und das hat mir schon das eine oder andere Mal geholfen. Und das auch bei den Negativbewertungen, weil du in deiner Rezension etwas angesprochen hattest, was mich bei Büchern stört. Wenn ich dann weiß, dass ein bestimmter Aspekt vorkommt, kann ich mir die Enttäuschung gleich ersparen und ärgere mich nicht im Nachhinein, wieso es von keinem Rezensenten angesprochen wurde.
    liebe Grüße

  • Hi Irina,

    das ist ein Thema über das ich mir auch schon oft Gedanken gemacht habe (und nach wie vor jedes Mal aufs neue hin und her gerissen bin), denke aber, im Grunde meines Herzens, dass du vollkommen recht hast.

    Wird eine Rezension eines Buches dadurch besser wenn man sich nach 100 schlechten Seiten durch weitere 100 vermutlich genauso üble Seiten quält? Ich denke nicht. Wahrscheinlich wird wohl eher das Gegenteil der Fall sein. ;-)

    Zumal ich auch der Meinung bin; ich zitiere hier einfach mal Sabrina: „Davon mal abgesehen soll doch bitte jeder Leser und Blogger das machen, was er für richtig hält.“

    Und ebenfalls; hier zitiere ich dich: „Ich gebe hier schließlich kein allgemeingültiges Qualitätsurteil ab, sondern eine private, rein subjektive Bewertung.“

    Lieben Gruß Anke

  • Ich bin ja bekennende Abbrecherin (und Trotzdemschlechtbewerterin). Manche Abbrüche bewerte ich nicht, weil ich das Gefühl habe, dass ich zu wenig über das Buch weiß. Ich finde es halt subjektiv schlecht (und lese deshalb ja auch nicht weiter), aber kann mich nicht nähe damit auseinandersetzen.
    Allerdings finde ich, wenn ich 300 Seiten von 500 gelesen habe, dann bin ich durchaus in ser Lage, zu beurteilen, wo die Schwächen liegen. Und warum sollte ich das dann nicht schreiben? Ich lese auch gerne Abbruch-Rezensionen und bilde mir auf dieser Grundlage eine Meinung (oder amüsiere mich einfach nur). Also ich kann nur sagen: Nur zu!

    (Die Leute, die der Ansicht sind, man muss sich durch das Buch vollständig durchgequält haben, um es beurteilen zu können, schreiben auch in die Rezension, dass das Cover immerhin hübsch ist und die Autorin sich bestimmt ganz viel Mühe gegeben hat. Irgendwas Positives findet sich immer, um dem Verlag Honig ums Maul zu schmieren.)

  • Ich finde es total unerheblich wie weit man einen Roman gelesen hat, hauptsache eine Rezension ist gut begründet. Und das ist ja teilweise nicht mal der Fall, wenn ein Buch scheinbar zu Ende gelesen wurde. Klar, es sollze erwähnt werden, dass man nicht bis zum Ende gelesen hat, damit der Leser die Rezension einordnen kann, aber ansonsten finde ich es legtim auch zu abgebrochenen Büchern seine Meinung zu schreiben. Das die nicht jedem gefällt kann man dabei ohnehin nicht verhindern. ;) Es kann doch ein Buch auch schon nach ein paar Seiten scheiße sein, wenn jedes zweite Wort falsch geschrieben ist, Sätze unverständlich formuliert sind, etc.

    Ich gebe zwar zu, dass ich solche Rezensionen bei Amazon nicht veröffentliche, die Kultur ist mir da etwas zu anstrengend, aber auf meinem Blog veröffentliche und bewerte ich was ich will, und auch wie ich will. Muss ja niemand lesen, ist schließlich mein Blog. Und da ich keine REs bekomme, fühle ich mich noch nicht mal verpflichtet eine qualitativ hochwertige Rezi zu schreiben, wenn mir nicht danach ist :D Ich finde es zwar schöner ein Buch zu Ende zu lesen, damit ich mir ein abschließendes Urteil bilden kann, aber teilweise merke ich einfach, dass mir ein Buch nicht liegt, z.B. ein Thriller, oder ein Buch hätte sogar eine besseres Bewertung bekommen, hätte ich es abgebrochen und mir den Mist nicht bis zum Ende angetan. ^^

    Lass dir nicht in deinen Blog und deine Rezensionen reinreden! Sie sind perfekt so wie sie sind, immer gut begründet und sicherlich kein Grund, dass andere die Nase rümpfen. Du schreibst die Rezensionen schließlich in deiner Freizeit und da sollte es dir überlassen sein über welches Buch du eine Rezension schreibst. Und wenn du einen Blog nur mit Rezensionen von abgebrochenen Büchern hättest, na und, ich bin mir sicher er wäre auch dann sehr gut. ;)

  • Ich schließ mich einfach mal an, auch wenn ich der Kategorie angehöre, die sich noch durch die lästigen Restseiten eines solchen Buches quält. Wobei mir den einmal das Buch in die Hände gefallen ist, was ich ja schon nach dem ersten Kapitel weggeworfen habe, weil es einfach unverständlicher Schwachsinn war. *hust*

    Meiner Meinung ist es egal, wenn dir das Buch absolut nicht gefallen hat, ob du es zu Ende gelesen hast oder nicht und auch, dass du es dann entsprechend bewertest. Ich finde es gut, wenn du so anderen zeigst, dass es eben deine Meinung ist und dich nicht von der breiten Masse unterkriegen lässt.

    Nur weiter so! Man muss sich als Individuum seiner Persönlichkeit berauben lassen, nur um akzeptiert zu werden!!!

  • Ich finde, niemand, der Rezensionen verfasst, muss sich für deren Inhalte rechtfertigen. Sei es nun, dass man ein Buch nach 10 Seiten grauenhaft findet oder erst nach dem Ende. Wenn ich Geld ausgebe für ein Buch, erwerbe ich meiner Meinung damit das Recht, so darüber zu urteilen, wie ich es will. Und aufgrund der Meinungsfreiheit (unter Berücksichtung der Netiquette etc. natürlich) schreibe ich auch – wenn nötig – eine negative Rezi darüber.
    ich finde Seiten, die nur positive Rezis hervorbringen, unglaubwürdig und am Rockzipfel der Rezensionexemplare gebenden Verlage hängend.
    Mach du mal weiter so, Irina, ich finde deine Bewertungen top.
    LG
    Armitage

  • Es war zwar ehrlich gesagt nicht meine Absicht (ich schwör! *g*), mir mit diesem Beitrag jede Menge Lorbeeren für meine Rezensionen im Allgemeinen von euch abzuholen, aber lasst euch gesagt sein: Ihr seid die Besten! *lach*

    Zum Thema: Ich brech eigentlich gar nicht viele Bücher ab, sondern lese sie normalerweise zumindest quer zu Ende, aber für quergelesene Inhalte gilt – mit ein paar Abstrichen – ja fast dasselbe. Es beruhigt mich, dass hier eigentlich alle meiner Meinung sind (sogar Katrin, die lieber über Awards sprechen will! *g*) und ich offenbar nicht SO daneben liege mit meinem Vorgehen; manchmal kommt man ja doch ins Zweifeln. Gegenmeinungen sind aber natürlich nach wie vor auch willkommen – traut euch! :)

    @Elisabeth: Es ist zwar ein anderes Thema, aber: Ich weiß auch nicht, warum üblicherweise nur die negativen Kritiken kritisiert werden. Ein ähnliches Phänomen ist es ja, dass man zwar ein Buch unbegründet toll, aber keinesfalls schlecht finden darf. Ich meine, hat man jemals erlebt, dass jemand sagt: »Woah, was für ein geiles Buch!«, und ein anderer hat eine Begründung dafür verlangt? Ich nicht. Dafür ist es regeläßig der Fall, dass jemand, der schreibt: »Das Buch war total scheiße!« unversehens nach einer dezidierten Begründung gefragt wird. (Auf die dann normalerweise aber natürlich nicht eingegangen wird, sondern die dann mit den Worten »Ich weiß gar nicht, was du hast. Ich fands toll!« abgetan wird.)

    Meine Eindruck ist, dass viele Leser (und auch Rezensenten) einfach relativ unkritisch an ein Buch rangehen und im Gegenzug sehr begeisterungsfähig sind. Das ist ja auch in Ordnung, das lernt man einzuschätzen. Was aber nicht in Ordnung ist, dass es m.E. genau diese Leute sind, die sich gern mal dazu berufen fühlen, auf Negativkritiken einzuschlagen. Bei manch einem hat man gar den Eindruck, dass er sich von einer Gegenmeinung persönlich angegriffen fühlt – keine Ahnung, woher eine so starke Identifikation mit einem Buch oder eine solche Verteidigungshaltung für einen Autor herrührt.

    @Ami Li Misaki: Definitiv ist eine Rezension IMMER subjektiv. Denn wie hab ich im Soziologie-Seminar damals gelernt: »Es gibt keine objektive Meinung.« Klingt erst mal seltsam, zumal wir ja gerne auch mal behaupten, objektiv zu sein, ist aber total logisch, weil ja ein- und dieselbe Sache von Menschen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen auch zwingend unterschiedlich eingeordnet und bewertet werden. Niemand kann seinen Background ausschalten.

    • Ja, das mein ich. Da muss man halt als Rezi-Leser mit leben können, wenn einem ein Buch nicht gefallen hat und er es abgebrochen hat oder umgekehrt. Ich finde, sich über die Meinung eines anderen zu beschweren (sofern diese begründet ist!), ist … sinnlos.

  • Ich kann Deinen Beitrag eigtl. genauso wie er ist unterschreiben. Mich persönlich interessiert es sehr, wenn Leser ihre Bücher abgebrochen haben und warum. Daher würde ich es absolut schade finden, wenn es in einem solchen Fall keine Rezensionen mehr geben würde. Selbst wenn von 300 Seiten nur 100 gelesen wurden. Wenn in der Rezension explizit erwähnt wird, dass gerade mal 10% vom Buch gelesen wurden, kann ich mir schließlich auch mein eigenes Bild machen und selbst entscheiden inwieweit ich die Meinung desjenigen zu rate ziehe.

    Ich hatte erst kürzlich das gleiche Problem mit einem Nora Roberts-Roman. Da ich auch schon des öfteren diese Aufschreie mitbekommen habe, hab ich es einfach als „halbe Rezension“ betitelt. ^^ Im Prinzip wollte ich mir wirklich nicht nehmen lassen, meine Meinung zu äußern und somit habe ich aber auch bereits im Titel alle gewarnt, dass ich eigtl. nur die Hälfte des Buches gelesen habe. Was will man denn bitte mehr?!

  • Endlich Feierabend ;)

    Ich „oute“ mich als zu den Leuten gehörend, die den Begriff Rezension und verbindliche Endbewertung mit vorheriger vollständiger Lektüre des Buches verbinden. Angesprochen fühle ich mich trotzdem nicht, Maren, und der Honig wäre mir für so etwas auch zu schade ;)

    Aber ernsthaft:
    Auch wenn es nach Wortklauberei ausschaut: Es besteht doch ein Unterschied zwischen einer Rezension mit verbindlicher Bewertung und einer subjektiven Begründung eines Buchabbruches. (Es hat seinen Grund, warum ich auf meinem Blog von Nach-Lese spreche *g*). Ich kann hier offenbar nicht „aus meiner Haut“: Rezension geht bei mir reflexartig mit vorheriger vollständiger Lektüre einher. Vielleicht komme ich irgendwann dahin, „von Anfang an“ daran zu denken, dass damit auch „Abbruch-Rezension“ gemeint sein kann. ;)

    Jedenfalls:
    Wenn mich ein Buch anödet und nervt, warum sollte ich es ohne Grund (sprich: Rezensionsexemplar) zu Ende lesen? Ich habe regelmäßig doch Besseres zu tun und Schöneres zu entdecken. Und im Abbruchsfall: Warum sollte ich nicht darüber bloggen, warum ich so angenervt bin. Freunden oder Bekannten würde ich davon ja auch erzählen. Es sollte nur deutlich sein, dass es ein Abbruch ist und sich meine Ansicht zwangsläufig nur darauf und sich nicht auf das ganze Buch beziehen kann. Und was die „Bewertung“ angeht: Bei Dir, Irina, findet man die Sachen unter „ohne Note“, während bei mir klarstellend am Ende steht „ohne Wertung“. ;)

    Wenn ich aber z.B. bei Verlagen um Rezensionsexemplare bitte und mich dadurch verpflichte, dann ist der Titel von mir auch vor der Rezension vollständig zu lesen. Alles andere ist schlicht nicht in Ordnung.

    Ich denke, mit dieser Ansicht bin ich auch nicht allein :)

  • Steffie: »Halbe Rezension« find ich super, darf ich das klauen fürs nächste Mal? *lach*

    Natira: Wenn ich dich richtig verstehe, geht es dir vorrangig um den Rezensionsbegriff, oder? Das kann ich ehrlich gesagt verstehen – mit dem Begriff hab ich schon an sich Probleme. Ich weiß nicht, wie lange du schon bei mir liest, aber ich hab den Begriff früher gar nicht verwendet, also auch nicht bei beendeten Büchern. Ich schreib zwar schon auch die eine oder andere Bewertung, die man evtl. als Rezension durchgehen lassen kann, aber vieles bewegt sich eher im Kommentarbereich. Ich hab mich trotzdem schlussendlich fürs Label [Rezension] entschieden, um eine schnelle Zuordnung bzgl. der Art des Artikels vorzunehmen, und außerdem natürlich auch, damit meine Artikel gefunden werden, wenn jemand in einer Suchmaschine den Begriff »Rezension« eingibt.

    Wie gesagt, ich lese öde/doofe Bücher zu Ende, um sie entweder rezensieren zu können und/oder weil ich ans Gute im Buch glaube und/oder weil ich halt dann doch wissen will, wie’s weitergeht. Aber vor allem weil ich es hasse, Dinge nicht zu beenden. Ob es sich bei dem Buch um ein Rezensionsexemplar handelt oder nicht, ist dabei für mich persönlich ziemlich unerheblich – wobei ich m.W. bis dato erst ein einziges Rezensionsexemplar abgebrochen habe, weil ich es wirklich nicht mehr ertragen konnte, das war »Bleeding Violet«. Das hab ich dann aber auch gar nicht bewertet.

    Übrigens gibt es bei mir sowohl den Fall, dass ich abgebrochene/quer zu Ende gelesene Bücher gar nicht bewerte als auch den Fall, dass ich sie schlecht bewerte. Das hängt mit dem zusammen, was Maren oben geschrieben hat: Ob ich den Eindruck habe, dass ich mir schon eine Meinung über das Buch bilden kann oder aber, dass ich nicht genug darüber weiß oder einfach gar nicht mit dem Stoff kann. Also, wenn ich z.B. ein Werk experimenteller Literatur erwische, das einfach nicht mein Ding ist, bei dem ich aber auch schlicht keine Lust habe, mich reinzudenken und damit auseinanderzusetzen, dann würde ich das unbewertet lassen. Ein Liebesroman, der so schlecht ist, dass ich ihn nach 150 Seiten einfach in die Ecke schmeiße, weil er so hanebüchen ist, würde ich dann aber trotzdem bewerten.

    • Mir selbst behagt eine ziffernmäßige Bewertung eines abgebrochenen Buches weiterhin nicht, auch wenn ich mich in der Materie bzw. dem Genre sehr gut auskennen würde. Also handhabe ich es wie bislang ;) Sicher hat das mit meinem vorgenannten „Reflex“ zu tun, der u.a. bewirkt, dass ich ziffernmäßige Bewertungen in Rezensionen als auf das ganze Buch bezogen sehe. Hier scheiden sich offenbar die Geister, was vielleicht auch ein Definitionsproblem ist ;)

      Ob das Buch nun ein Rezensionsexemplar ist oder nicht, ist für die Frage des Abbruches grundsätzlich uninteressant, da gebe ich Dir recht. :)

  • Jo

    Ich verstehe es immer wieder nicht, warum Leute andren unterstellen, etwas nicht beurteilen zu können. Das ist sehr arrogant.
    Man nehme ein Buch mit 350 Seiten, von denen sind 300 schlecht und 50 gut, dann ist der Großteil des Buches schlecht. Da reissen es die 50 Seiten auch nicht mehr und ob man diese ausgerechnet am Ende findet, bleibt fraglich. Vielleicht waren es ausgerechnet die ersten gewesen.

    Man kann auch eine Rezension über ein nicht zu Ende gelesenes Buch schreiben. Warum sollte dies nicht gehen. Natürlich ist sie unvollständig, aber jetzt mal ganz ehrlich, welche Rezension ist das?

    LG
    Jo

  • Marina

    Ich bin der Meinung du darfst und kannst auf deinem Blog deine Meinung sagen,
    wenn dir ein Buch nicht gefällt ist es dein Recht es so zu äußern,egal ob du 100 oder 300 Seiten eines Buches gelesen hast. Es ist DEINE Meinung und damit
    vollkommen in Ordnung. Ich bin Leser und führe keinen Blog, deine Meinung hat schon zu manchem Buchkauf geführt (leider sagt mein Geld) und es traf immer meinem Geschmack, danke dafür
    LG
    Marina

  • Jo: Das Ding ist halt, dass manche Leute es höchst unfair finden, ein Buch zu beurteilen, das man nicht beendet hat, weil der Eindruck eben unvollständig ist. Das halte ich aber eben für kein wirkliches Problem – sofern man eben offenlegt, dass man das Buch abgebrochen hat.

    Marina: Leider scheint nicht jedem klar zu sein, dass man als privater Blogger wirklich einfach nur seine subjektive Meinung postet. Vielleicht sollte ich es so machen wie Elisabeth, die ihren Blog mit dem Sub-Titel: »Strikt subjektive Meinungen zu privater Lektüre« versehen hat – da kommts dann zu keinen Missverständnissen. (Wobei das vermutlich auch nicht verhindern würde, dass jemand die Bewertung eines abgebrochenen Buches für unfair hält! *g*)

    Herzlich willkommen übrigens, Marina. Freut mich, dass du nicht mehr nur hier mitliest, sondern nun auch kommentierst. Und natürlich freut es mich sehr, dass du aufgrund meiner Rezensionen schon Bücher gekauft hast, die dir gefallen haben! Liest du denn auch historische Liebesromane?

    • Jo

      Es ist auch nicht fair ein Buch nach einer Leseprobe zu beurteilen, schliesslich kann die schlecht gewählt sein. Wir beurteilen sie trotzdem und entscheiden uns das Buch zu lesen oder es zu lassen. Ist das fair?
      Nun gut, es ist wohl ein bisschen eine Grundsatzdiskussion.

      • Hallo Jo!
        Keine Frage, wir beurteilen Bücher nach Leseproben (ob nun verschickte oder selbst gewählte im Laden durch Hineinschmökern), Klappentexte, durch Rezensionen im Internet oder den „Blick ins Buch“ auf den Verlagsseiten etc. und entscheiden uns zum Kauf oder Nichtkauf.

        Aber Du würdest nur aufgrund dieser „Einblicke“ doch auch keine Rezension des Buches schreiben, oder? Ein wenig mehr wird es sicherlich sein dürfen, was Du ja auch in Deinem ersten Kommentar sagst.

        Vielleicht ist nicht klar geworden, dass es zumindest mir nicht um die Frage geht, ob der Leser beurteilen kann/darf, wie er ein Buch empfindet, dass (und idealerweise warum) er es abbricht. Ob das Buch nun blöd oder nervtötend oder toll ist, kann der jeweilige Leser nur subjektiv für sich selbst beurteilen – wie Irina schon sagte, gibt es für uns alle keine objektive allgemeingültige Wahrheit. Objektive Rezensionen von Büchern, Musik oder Filmen etc. sind ein Mythos, denke ich – ich schätze, man könnte objektive Funktionstests durchführen (hehe, das Buch hat Buchstaben *g*).

        Ich sehe es nur halt so, dass ich als Rezensentin meine (subjektive) _verbindliche_ Wertung (die sich aus meiner Sicht auf das _gesamte_ Werk bezieht) nur nach vollständiger Lektüre abgeben kann. Habe ich das nicht getan, lasse ich genau _diese Wertung_ weg.

        • Jo

          Hallo Natira,

          bei der Subjektivität der Rezensionen bin ich voll und ganz bei Euch. Dann geht es wohl tatsächlich um die Definition des Begriffs Rezension, denn den dürfte man nur benutzen, wenn man, wie Du schreibst, ein Buch vollständig durchgelesen hat. Trotzdem denke ich, dass man sehr wohl nach einer bestimmten Anzahl von Seiten (diese Anzahl möchte man offen lassen) ein Buch, zwar nicht vollständig, aber dennoch beurteilen kann. Wie aber will man das „Kind“ schimpfen? Einschätzung, Eindruck, Bewertung, vielleicht unvollständige Rezension? Irgendwie sollte man es nennen dürfen.

          Die Sache mit dem Funktionstest stelle ich mir durchaus witzig vor. Sollte man echt machen, z.B. „Lässt sich problemlos aufschlagen.“ ;-)

          VG
          Jo

          • Jo: Stimmt, es ist auch nicht fair, ein Buch nach einer Leseprobe zu beurteilen. Oder nach dem Klappentext oder dem Cover (Stichwort: Nackenbeißer! *g*) – aber irgendwelche Kriterien muss man ja beim Kauf anwenden! Und es würde (so hoffe ich doch) tatsächlich wohl niemand auf die Idee kommen, eine Rezension zu einer Leseprobe schreiben!

            Ich bin nicht sicher, ob es zu etwas führt, diese Diskussion über die »Sternvergabe« von abgebrochenen Büchern mit dem Rezensionsbegriff zu verknüpfen. Oder könntest du eine 0-Punkte-Wertung tatsächlich eher akzeptieren, wenn nicht Rezension, sondern z.B. Kommentar oder Eindruck darüber stünde, Natira? Ich finde, das macht nicht so wirklich einen Unterschied, aber das mag Ansichtssache sein.

            Unabhängig vom Begriff, mit dem die Buchbesprechung überschrieben wird, find ichs nach wie vor ziemlich logisch, einem Buch, das so schlecht ist, dass man es abbricht, eine 0-Punkte-Wertung zu verpassen.

            • Ich würde mich fragen, ob Nullwertung Nichtwertung bedeutet, Irina. ;) Im Grunde stellt „ohne Wertung“ für mich den „Schlusssatz“ der Abbruchsbegründung mit Darlegung des Ödnisfaktors etc. dar :)
              Es wird zu diesem Punkt wohl immer verschiedene Auffassungen und Gespräche darüber geben ;)
              LG Natira

          • „enthält mehr als eine Seite“
            *kichert*

  • Elisabeth

    Ach, Irina, mein Untertitel hat mir gar nichts genützt, ich bin trotzdem angegriffen worden. Soviel zum Textverständnis. ;-)

    Hmmm… du bringst mich mit deiner Antwort auf meinen Kommentar auf seeeehr böse Ideen. ;-) Bis jetzt sind jene Blogs, die unbegründet (oder mit Floskel-Begründungen) alles ursupitoll finden, einfach aus meinem Reader geflogen. Aber man könnte ja Fragen stellen, oder? Vor allem, wenn ich das Buch kenne… Sollte man sich nicht die Arroganz gönnen, schlechte Blogger anzugreifen? Höflich, aber bestimmt halt…
    Es sollte eigentlich zumindest genauso unangenehm (und bitte erzählt mir nicht, dass es das nicht sein kann!) sein, eine unkritische, schleimige Lobeshymne zu veröffentlichen wie einen harschen Verriss. Bis jetzt muss man eigentlich nur für Verrisse, egal, wie gut begründet sie sind, einstehen. Das ist nicht in Ordnung.

    • Oookay. Ein paar Verrückte gibts immer! :D

      Du willst Supitoll-Blogger angreifen und deren Rezensionen hinterfragen? Ich glaub, du hast zu viel Zeit – das ist ein Fass ohne Boden! *ggg* Auch wenn ich ja (wie oben geschrieben) ebenfalls finde, dass es nicht sein kann, dass immer nur die Verfasser schlechter Rezensionen angegriffen werden und sich rechtfertigen müssen, halte ich das für Zeitverschwendung. Es wird nämlich nichts ändern, und ich persönlich hab beschlossen, mich an sowas nach Möglichkeit nicht mehr aufzureiben! ;)

  • Wie muss man sich das eigentlich vorstellen – schreiben dir dann Leute und sagen, du urteilst unfair? Oder ist das wieder so ein feines Ding, was hintenrum läuft (Stichwort Twitter)?
    In der Regel rezensiere ich abgebrochene Bücher nicht, weil ich an mich selbst ursprünglich den Anspruch hatte, nur zu rezensieren, was ich auch wirklich gelesen habe. Nuja, es gibt Ausnahmen (Paul Cleave *hust*). Die meisten abgebrochenen Bücher erwähne ich immerhin und so ein Leseabbruch spricht doch eigentlich Bände.
    Aber dass jemand daher kommt und dir sagen will, wie du zu rezensieren hast- unglaublich.

  • Grete: In dem Fall war es tatsächlich so, dass ich angemailt wurde. Und weil das Thema ja immer mal wieder aufkommt (auch in Foren und bei Amazon), war es mir ein Bedürfnis, was dazu zu schreiben.

    Ich finde übrigens nicht, dass ein Leseabbruch an sich viel aussagt. Es könnte ja immerhin sein, dass ein Buch einem einfach nicht liegt und man es deshalb abbricht – und das ist für mich schon noch mal was anderes als ein Abbruch, weil man ein Buch für grottenschlecht hält.

  • Ich kann mich den anderen nur anschließen und finde deine Rezensionspraxis völlig in Ordnung, solange in der Rezension steht, dass du das Buch nicht zu Ende gelesen hast. Oftmals entscheidet in der Buchhandlung doch auch nur der Klappentext über Lesen oder nicht Lesen, da ist eine Rezension über angefangenes Buch nochmal aussagekräftiger… Weiter so!

  • Da ich viel zu spät komme, kann ich nur laut Amen sagen. Bin ganz deiner Meinung! Gibt ja schließlich Gründe, warum man ein Buch abbricht.

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