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[Bücher aus der Hölle] Mia Sheridan: Die geheime Sprache der Liebe

Originaltitel: Archer’s Voice

Klappentext:

Manchmal sagt eine kleine Geste mehr als tausend Worte … Als Bree in der verschlafenen Kleinstadt Pelion ein Häuschen am See mietet, findet sie endlich die Ruhe, die sie so verzweifelt sucht. Doch dann trifft sie Archer Hale, den zurückgezogen lebenden Außenseiter, von dem die anderen Bewohner nur wissen, dass er bei einem Unfall vor Jahren seine Eltern verloren hat – und seine Stimme. Niemand kennt jedoch die genauen Umstände dieses Unglücks, und Archer meidet seither jeden Kontakt zu seinen Mitmenschen. Brees Neugier ist geweckt, und es gelingt ihr, eine zarte Verbindung mit dem verschlossenen jungen Mann zu knüpfen, der schon bald nicht mehr anders kann, als sich ihr zu öffnen.

 

Kommentar:

Meine Güte. Das ist wieder eines dieser überall bestens bewerteten Bücher, die ich absolut unterträglich finde. Zumal ich mich getäuscht fühle: Obwohl es weder danach aussieht, noch danach klingt, wenn man den Klappentext liest, handelt es sich bei »Die geheime Sprache der Liebe« um ein New-Adult-, wenn nicht sogar ein Young-Adult-Buch. Wenn mir jemand sagen würde, die Zielgruppe seien 12–15-Jährige, würde es mich auch nicht wundern, so banal und naiv, wie das alles wirkt, was einem hier geboten wird.

Die Ausgangsgeschichte ist ein Klassiker: Eine traumatisierte, aber herzensgute Alleskönnerin kommt in ein Städtchen, nimmt sich des verwahrlosten Außenseiters (ebensfalls traumatisiert, mit einer gleichermaßen tragischen wie hanebüchenen Backgroundstory) an und macht aus ihm in Windeseile den Sexiest Man Alive. (Um genau zu sein war er natürlich eigentlich schon immer wahnsinnig attraktiv, aber angesichts seiner alten Klamotten, seines Zauselbarts und seiner Zottelhaare hat es bislang keiner bemerkt.) Außerdem, wie könnte es anders sein, ist der Sonderling sehr beeindruckend gebaut (in jeder Hinsicht, ihr wisst schon, auch untenrum!), unverdorben (Jungfrau) und wahnsinnig gelehrig. Da er außerdem über handwerkliche wie gärtnerische Fähigkeiten verfügt und noch dazu nicht spricht (auch wenn der Klappentext was anderes suggeriert), ist er eigentlich der Traum jeder Frau mit einem Funken Verstand – und Bree ist natürlich eine Frau mit Verstand. (Also … zumindest versucht die Autorin, diesen Eindruck vermitteln. Klappt nicht immer gleich gut … )

Bree ist nicht nur lieb und nett und schlau und menschenfreundlich und tiefgründig, praktischweise beherrscht sie auch die Gebärdensprache, sodass sie mit Archer kommunizieren kann, und überdies kann sie kochen und putzen. (Okay, das mit dem Putzen hab ich erfunden; ich glaube, darüber hab ich nichts gelesen, aber es würde auf jeden Fall ins Bild passen!). Im Umgang mit anderen Menschen findet sie immer die richtigen Worte, und sie versteht es, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, besonders auch für sich selbst („[…] und während wir [Anm.: Bree und Archers Aufreißer-Cousin Travis, der natürlich auch hinter dieser großartigen Frau her ist] genüsslich aßen, plauderten wir fröhlich über dies und das, und ich amüsierte mich ziemlich.“). Bewundernswert ist auch ihre Gabe, mit Dingen abzuschließen und diese hinter sich zu lassen, namentlich die tiefe Trauer um ihren Vater, die sie nach einem Gespräch mit Archer wie eine Decke von sich abwirft („Ich fühlte mich so glücklich und so leicht, als hätte ich die Ketten, die mich seit sechs Monaten an meinen Schmerz gebunden hatten, endlich abgeworfen.“). Und sie hat keine Scheu, lebensverändernde Entscheidungen nach nur ein paar Tagen bzw. wenigen Wochen zu treffen, wenn das Leben sie nun mal erfordert („Inzwischen war mein Leben hier. Bei Archer Hale. Und auch wenn ich keine Ahnung hatte, was genau das hieß, wusste ich, dass es so war.“).

Okay, die dank Archer nun nicht mehr Traumatisierte wirkt vielleicht manchmal ein kleines bisschen merkwürdig und aus der Welt, beispielsweise wenn die Autorin ihr Worte und Gedanken andichtet wie diese: „Deshalb macht sie [d]ich für [m]ich noch schöner, als du ohnehin schon bist. Mein verwundeter Retter.“ oder „Denn er war immer noch mein bester Freund, mein süßer, stummer Junge“.

Davon abgesehen ist aber alles wunderschön. Und zwar so wunderschön, dass das Wort »wunderschön« sage und schreibe 48 (achtundvierzig) Mal im Text vorkommt (Synonyme wie schön, wunderbar, wundervoll, reizend, perfekt, sexy usw. kommen hinzu; das würde jetzt aber wirklich zu weit führen). Veranda, Haus, Garten und Steinweg: wunderschön. Archers Hände: stark, elegant und wunderschön. Archer mit Pferdeschwanz und frisch rasiert: wunderschön. Archers Grinsen: wunderschön. Archers Augen: mal bernstein-, mal whiskyfarben, aber immer wunderschön. Archers Blick: sanft und wunderschön. Archers Körper insgesamt: wunderschön. Archers nackte Brust: muskulös und wunderschön. Archers Rücken: wunderschön. Und das Allerbeste: „Genau wie alles andere an ihm war auch sein Glied sehr groß und wunderschön.“

Noch Fragen? Ihr wollt wissen, ob auch Bree wunderschön ist? Klar, ist sie. Allerdings hat Archer deutlich weniger Erzählzeit, daher schwelgt er nicht ganz so ausgiebig, aber für ein paar schwärmerische Bemerkungen darüber, wie wunderschön sie selbst im Schlaf, im Elend und beim echten Lächeln ist, sowie für den (mentalen) Ausruf: „Gott, wie wunderschön sie war!“ reichts trotzdem. (Die gesammelten Wunderschön-Zitate hab ich euch HIER zusammengestellt. Wenn ihr es vergrößert, solltet ihr es lesen können.)

Ganz ehrlich? Das ganze Buch wirkte auf mich dermaßen lächerlich, dass ich mir phasenweise richtig verarscht vorkam – ganz besonders am Ende, als die Autorin falsche tragische Tatsachen absichtlich vortäuscht, um noch mal ordentlich auf die Tränendrüse zu drücken. Es ist mir mal wieder ein Rätsel, wie dieses Buch zu seinen hervorragenden Bewertungen kommt. Erschlagen von so viel Wunderschönheit muss ich mich jetzt dringend auf die Suche nach einem guten Liebesroman machen, vielleicht einer mit … lächerlich attraktiven Eishockeyspielern. Oder so.

 


3/15

21 Kommentare zu [Bücher aus der Hölle] Mia Sheridan: Die geheime Sprache der Liebe

  • Das klingt ja wirklich nach keinem Highlight. Der Roman stand wegen der ganzen guten Rezensionen auch auf meiner Wunschliste, aber ich war irgendwie immer skeptisch. Die paar negativen Rezensionen haben mich stutzig gemacht. Und wohl zu recht. Ich meine, was das „wunderschön“ angeht, vielleicht ist das im Deutschen noch etwas extremer als im Original wer weiß. Und auch wenn der Roman bei dir zumindest lesbar klingt, hört es sich doch nicht so an als ob man seine Zeit damit verschwenden müsste ^^ Gott sei Dank, hab ich’s mir nicht gekauft (oder ausgeliehen? Gab’s das nicht acuh bei Kindle Unlimited?). Speziell da ich Contemporary Geschichten allgemein weniger mag und ich die Geschichte am Ende noch blöder finden würde :D

    Könnte es echt auch YA sein? Ich dachte, dass es wie bei anderen Roman von Mia Sheridan (ich hatte „Leo“ und „Stinger“ überfolgen… aus Neugier… aber speziell „Stinger“ war nicht mein Geschmack… Und „Leo“ mir irgendwie zu… naja… aber ein Pornodarsteller als Held? Das konnte ich mir nicht entgehen lassen, wobei er jetzt auch kein Hardcore-Darsteller war. Aber das war mir alles zu ernst und düster und nicht so meins), eher sehr heiß zu geht. Also nicht mega-heiß, aber eben zu viel heiß für YA. Wie ist das bei „Archer’s Voice“?

    • Nein, absolut kein Highlight, und wenn du findest, dass der Roman bei mir „lesbar“ klingt, dann täuscht dein Eindruck. Ich fand ihn unerträglich und würde nie wieder zu einem Buch dieser Autorin greifen, nicht mal, wenn’s geschenkt wäre. ;) Ich würde dir definitiv vom Lesen abraten – oder du liest halt mal rein, dieser „naive“ Grundton offenbart sich von Anfang an; wenn er dich nicht stört, hast du vielleicht mehr Spaß damit.

      Die Autorin hat ein Buch mit einem Pornodarsteller als Helden, ernsthaft? Ich möchte mir nicht vorstellen, wie sich das liest – oder doch?! Vielleicht sollte ich mir das mal anschauen, wenn ich mal wieder Lust habe, ein Höllenbuch zu lesen?! :D

      Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wo die „Sex-Grenze“ zwischen YA und NA gezogen wird; ich hab das eher am Grad der Naivität des Stils und der Geschichte festgemacht. Es gibt auf jeden Fall explizite Sexszenen bei obigem Buch.

  • Eine wunderschöne Rezension! (Sorry, ich konnte es mir nicht verkneifen!). Deine Zitatsammlung habe ich mir auch angetan – zauberhaft fand ich ja vor allem „Selbst in ihrem Elend war sie wunderschön“.
    XD

    • Ich wäre enttäuscht gewesen, wenn nicht irgendjemand die Vorlage aufgegriffen hätte! :D

      Ja, das wunderschöne Elend ist super. Aber meine Lieblingskombination ist und bleibt: „Genau wie alles andere an ihm war auch sein Glied sehr groß und wunderschön.“ — Ich hab bei aller Genervtheit über dieses Buch laut gelacht.

  • Chrissi

    :D Hab mich gerade köstlich amüsiert beim Lesen – vielen Dank dafür!
    Ich hab vor Ewigkeiten mal ein Buch von Mia Sheridan gelesen, aber das war auch überhaupt nicht das meine… Daher sind Bücher von ihr eher auf meiner „not-to-be-read“ Liste und diese Rezi wird daran auch erstmal nichts ändern…

    • Immer gern. Ich freue mich, wenn ich euch unterhalten kann! :D

      Ich denke, es ist angesichts der zahlreichen GUTEN Bücher, die da draußen rumschwirren, kein Verlust, Mia Sheridan auf einer Finger-Weg-Liste zu haben. Aber andererseits empfindet ja auch jeder anders, was die überwiegend hervorragenden Reviews/Wertungen zu diesem Buch zeigen.

      • Chrissi

        Ja das stimmt, Geschmack einfach machmal sehr verschieden und bei mir kommt es oft auch auf meine persönliche Stimmung an. Manchmal muss ein Buch gar nicht so super und so neu und individull sein, und es gefällt mir trotzdem.

        Aber wenn das erste Buch einer neuen Autorin mir einfach gar nicht gefällt, dann kann ich mich fast nie überwinden, nochmal eins zu versuchen.
        Anders herum verzeihe ich Autoren von denen ich schon richtig gute Bücher gelesen habe, aber schon mal ein schlechtes ;-)

        • So gehts mir auch mit neuen Autoren – und das ist ja auch ein nachvollziehbares Vorgehen. Irgendwie muss man schließlich selektieren. Mir fällt auch kein Grund ein, wieso man einem Autor mehrere Chancen einräumen müsste. Hin und wieder mach ich das mal, aber wenn ich so darüber nachdenke, wüsste ich keinen Fall, wo weitere Versuche sich gelohnt hätten, nachdem mir ein Autor beim ersten Buch wirklich gar nicht gefallen hat.

          Und natürlich verzeih auch ich Lieblingsautoren einiges; Kleypas oder Balogh müssten schon einiges (und dauerhaft) »verbrechen«, damit ich mich von ihnen abwende. Und selbst mit neue(re)n Lieblingsautoren hab ich Geduld, ich werde z.B. auf jeden Fall Portland-Storm weiterlesen, obwohl ich Band 3 richtig doof fand.

  • Es tut mir Leid! Aber ich musste mich wirklich gerade so dermaßen zusammenreißen, um nicht vor Lachen vom Stuhl zu fallen. *ggg* Ich muss jetzt noch ganz breit grinsen. ;)

    Aber mal ehrlich. Selbst bei mir läuten ja alle Alarmglocken, wenn ich mal ausnahmsweise den Klapptext lese. „Zartes Band“ und „kann nicht anders als sich ihr zu öffnen“ (Obwohl er stumm ist?) wirken sehr schaurig auf mich. Ich frage mich dabei, wie das ins Bild passt und vermute, dass das nur katastrophal enden kann. Werden denn überhaupt die Traumen – von beiden – aufgearbeitet? Bei diener Beschreibung gehe ich mal von einem fetten Nein aus. Und das Drama am Ende war bestimmt wieder nur das Übertünchen davon. *seufz*

    Gibt es niemanden mehr, der von traumatisierten Charakteren schreibt, die auf natürlich klingende Weise wieder den Weg ins normale Leben finden? Sowas passiert halt nicht von heute auf morgen und Archer muss ja schließlich nicht erst seit gestern mit seinem Trauma leben. Da muss doch vorher schon gewisse Verarbeitung stattgefunden haben… Boah, ich rege mich hier gerade künstlich auf, obwohl ich das Buch nicht mal gelesen habe… Kompliment an dich, dass du das so gut beschreiben konntest, dass ich mich für dich aufregen kann. ;)

    Liebe Grüße,
    animasoul

  • Ich freu mich ja, wenn ich euch erheitern kann (um genau zu sein ist natürlich genau das der Sinn der Höllenbücher), aber es soll keinesfalls gefährlich für euch werden. Vom Stuhl fallen ist keine gute Idee! :D

    Schaurig! Sehr gutes Wort für das Buch. ;) Die Traumata der beiden werden so halbwegs aufgearbeitet, bzw. es wird versucht, aber überzeugend fand ich das nicht. Grundsätzlich ist es wahrscheinlich schwer, einen Liebesroman mit traumatisierten Helden zu schreiben und das Thema umfassend UND realistisch UND unterhaltsam zu behandeln. Dafür fehlt einfach der Raum. Aber es gibt trotzdem Autoren, die es überzeugend rüberbringen – Catherine Gayle zählt in meinen Augen übrigens dazu. Die Helden der Portland-Storm-Serie sind ja alle angeschlagen. (Zumindest in den ersten drei Bänden; mehr hab ich noch nicht gelesen.)

  • Au weia. Vielleicht sollte jemand die Autorin auf die Thesaurus-Funktion ihres Schreibprogramms aufmerksam machen? Wunderschön, hinreißend, bezaubernd, berückend, entzückend, betörend…es gibt so viele wunderschöne Wörter! Das erinnert mich ein bißchen an Twilight, da hat sich Bella ja auch hauptsächlich in Edward verliebt, weil der so wunderschön geglitzert hat. Seit ich den rosa glitzernden Einhorn-Likör bei Rewe gesehen habe, kann ich das allerdings sehr gut verstehen, aber das nur nebenbei.

    P.S.: Blöderweise frage ich mich jetzt gerade, ob Männer, die nur in der Gebärdensprache kommunizieren können, wohl genau wie ihre sprechenden Zeitgenossen oft, gerne und in sehr bildhafter Sprache über ihre Verdauung reden? Und wie das dann wohl aussieht?

    • Rosa glitzernder Einhorn-Likör? Nicht dein Ernst!? *umfall* Vielleicht hätte die Autorin bzw. Übersetzerin den trinken sollen vor der Arbeit an diesem Buch … :D

      Also, Archers Verdauung wird leider nicht erwähnt, aber ich könnte mir vorstellen, dass Bree ihm gerne gelauscht hätte und – falls nötig – mit hilfreichen Tipps hätte aufwarten sowie was kochen können, was das Problem löst. (Was kennst’n du für Männer, Susi? Ich hab noch nie nem Gespräch über Verdauung beigewohnt, und ich bin – sportbedingt – wirklich viel mit Männern zusammen!!!)

  • Ich finde den Klappentext ja schon abschreckend genug. Tapfer, dass du trotzdem zum Buch gegriffen und so einen wunderschönen Verriss geschrieben hast! :D Ich hoffe, du hast dir eine große Portion Eishockey als Gegengift gegönnt!

    • Tatsächlich hab ich seitdem jede Menge gute Bücher gelesen, auch die beiden Eishockey-Bücher von Sarina Bowen. (Die Veröffentlichung meiner Rezension deckt sich nicht unbedingt mit der tatsächlichen Lesereihenfolge.) Es war mir ein Trost. :D

      Ehrlich gesagt finde ich den Klappentext auch abschreckend; manchmal hab ich hinterher keine Ahnung, warum ich zu einem Buch gegriffen habe …

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