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[Rezension] Karina Halle: On Every Street

The Artists Trilogy, #0.5

Klappentext:
When young con artist Ellie Watt decides to call herself Eden White and go after the drug lord who ruined her as a child, she never expects to fall for one of his henchmen. But Javier Bernal is no ordinary man. Subtly dangerous and overwhelmingly seductive, Eden finds herself passionately in love with Javier, the very person she’s set-up to betray. With her body and heart in a heated battle against her deep need for revenge, no one will walk away from this con a winner.

Kommentar:
Auf das Prequel zur Artist-Trilogie bin ich bei Goodreads aufmerksam geworden, wo das Buch große Begeisterung hervorruft und eine durchschnittliche Bewertung von 4,58 (von 5) hat. »On Every Street« ist erst nach Band 1 der Serie veröffentlicht worden – und vielleicht muss man »Sins & Needles« zuvor gelesen haben, um in die Lobeshymnen einzustimmen. Würde jedenfalls erkären, warum mich die Novella weit weniger umgehauen hat als den Rest der Welt.

Der Plot ist eigentlich wirklich interessant: Ellie Watt, die Tochter eines Betrügerpärchens, wurde als Kind bei einer Gaunerei im Auftrag ihrer Eltern erwischt, woraufhin das Opfer zur Strafe ihr Bein mit Säure verätzen lässt. Mit 20 begibt sie sich auf einen Rachefeldzug gegen den Drogenboss, der ihr das Leben versaut hat, um endlich ihren inneren Frieden zu finden. Ihr Plan sieht so aus, dass sie sich unter falscher Identität, als Eden White, an einen Mitarbeiter des Verbrechers heranschleicht und ihrem eigentlichen Opfer so nahekommt. Doch Javier Bernal, die rechte Hand des Drogenbosses, weckt echte Leidenschaft in ihr und lässt sie ihre Pläne schnell vergessen – obwohl ihr Geliebter ein echter Bad Boy ist…

Die Geschichte hätte wirklich viel Potenzial gehabt – das aber nicht voll ausgeschöpft wurde. Denn Eden vergisst ihren Rachefeldzug völlig und konzentriert sich nur noch auf Javier. Sie trifft nicht ein einziges Mal auf den Mann, wegen dem sie so gelitten und jetzt alles hinter sich gelassen und eine falsche Identität angenommen hat; als sich die (einzige) Gelegenheit ergibt, kneift sie und geht dem Zusammentreffen aus dem Weg. Für mich war es ziemlich unglaubwürdig, dass jemand, der bis zu einem gewissen Zeitpunkt sein gesamtes Sein auf Rache ausrichtet, das Ziel komplett aus den Augen verliert vor lauter großartigem Sex.

Die Darstellung der schwierigen Beziehung zwischen Eden und Javier ist alles in allem ganz gut gelungen. Man muss zunächst mal darüber hinwegsehen, dass Jungfrau Eden von Latin Lover Javier schon bei der ersten Begegnung von den Socken gehauen wird – und umgekehrt –, aber sowas soll ja vorkommen. Dass Eden von Beginn an Javiers brutale, kaltblütige und mörderische Seite ignoriert bzw. sie entschuldigt, ist schon schwerer zu akzeptieren, es funktioniert aber, weil ihr innerer Konflikt wegen der Situation vor allem zu Beginn der Geschichte wirklich groß ist. Mit Fortschreiten der Beziehung lernt sie immer besser, die Augen vor dem zu verschließen, was Javier wirklich ist: der Handlanger eines Drogenbosses, der die Drecksarbeit macht. Es macht Sinn, dass Edens Ignoranz nur so lange fuktioniert, wie die Verbrechen nicht vor ihren Augen stattfinden; als es jedoch zu einer Hinrichtung in ihrem Haus kommt, gibt es die erste große Krise. Javier hat zwar genug Einfluss auf sie, um sie zunächst zu beruhigen; doch weitere Ereignisse sind dann des Guten zu viel.

Sehr positiv zu vermerken ist, dass Javier nicht durch die Liebe geläutert wird, wie das ja so oft der Fall ist in solchen Büchern. Er verwandelt sich nicht in ein Weichei, sondern bleibt ein kaltblütiger Verbrecher, auch wenn er phasenweise mit seinem eigenen Leben hadert. Wie er sagt, hasst er das Leben als Drogenbosshandlanger zwar, aber nicht genug, um es aufzugeben. Insgesamt ist er ein sehr glaubwürdiger Charakter, der gute wie schlechte Seiten hat.

Obwohl ich den Plot an sich und vor allem Javier eigentlich gut fand, konnte mich die Geschichte nicht in ihren Bann ziehen. Ich schiebe das auf den Erzählstil, der zum Teil recht sprunghaft ist: Längere Zeiträume werden einfach übersprungen und dann rückblickend kurz zusammengefasst – was die Entwicklung der Beziehung zwischen Javier und Eden nicht gerade nachvollziehbar macht. Das mag der Kürze der Novella geschuldet sein, doch das reicht nicht als Grund, wenn sich dem Leser das Verhalten der Protagonisten nicht erschließt.

Spoiler

Vor allem hat mich geärgert, dass nicht näher erklärt wird, was genau mit Javiers Freund Miguel war, der von ihm hingerichtet wird – da muss man sich lapidar mit der Info abspeisen lassen, dass Miguel ein Verräter war. Noch viel schlimmer fand ich aber, dass Javier Eden am Ende betrügt. Das war für mich einfach komplett unglaubwürdig, weil überhaupt nicht nachvollziehbar. Nichts in der Handlung hat ernsthaft darauf hingedeutet, dass die teils sehr vereinnahmende Liebe, die er Eden während der ganzen Zeit entgegengebracht hat, nicht echt war oder abgenommen hätte. Und da es nach der Entdeckung seines Betrugs kein Gespräch mehr zwischen ihm und Eden gibt, bleibt darüber hinaus die Frage offen, ob er Eden schon die ganze Zeit betrogen hat und sie vielleicht sogar nie wirklich geliebt hat.

[collapse]

Der »richtige« Band 1 der Serie spielt, wie ich inzwischen weiß, sechs Jahre später und handelt laut Klappentext von Ellie und dem Tätowierer Camden; eine Rezension verrät aber, dass auch Javier eine Rolle spielt. Möglicherweise werden dann noch einige offene Fragen geklärt. Ich werde das Buch also wohl lesen, um zu erfahren, was ich hinsichtlich »On Every Street« gern wüsste …

 


8/15

 

Serieinfo:
0.5 On Every Street
01 Sins & Needles
02 Shooting Stars (05/2013)
03 Bold Tricks (10/2013)

10 Kommentare zu [Rezension] Karina Halle: On Every Street

  • Chrissi

    Mir ist diese Buchreihe auch schon öfter über den Weg gelaufen, aber ich hatte dann doch immer das Gefühl, dass es nichts für mich ist.
    Es kommt alles sehr düster rüber und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich wirklich etwas über Gangsterboss-Handlanger lesen will…
    Und im eigentlichen Band 1 geht es ja auch sehr um Lug und Betrug…

    • »Zu düster« wäre in meinem Fall nicht schlimm, ich mags eigentlich düster und hab auch kein Problem mit nem echt bösen Helden. Ich versteh aber vollkommen, dass das nicht jedermanns Sache ist. Und wenn dann auch noch die Handlung krankt (das, was ich gespoilert habe, ärgert mich immer noch), ist das definitiv keine echte Empfehlung wert!

  • Silke

    Ich habe beide Teile auch auf meinem Kindle. Die Reihe hatte ja bisher auf vielen Blogs recht gute Kritiken bekommen und als Teil 1 für 0,99€ im Angebot hatte ich zu geschlagen :-)Ich überlege nur grade erst Teil 1 zu lesen und dann die Novella, evtl. bleiben dann weniger Fragen offen … Mal gucken ..

    Hast Du schon von „Painted Faces“ von L.H. Cosway gehört ? Zwar ein vollkommen anderes Thema aber ein änlich großer Hype/Begeisterung auf den Blogs.

    LG Silke

    PS ..und natürlich schöne sonnige Ostern !

    • Auch wenn ichs natürlich nicht mit Sicherheit sagen kann: Mir scheint, es wäre sinnvoll, Band 1 vor dem Prequel zu lesen.

      Von »Painted Faces« hatte ich noch nichts gehört, werd ich mir gleich mal anschauen. Wobei … vielleicht sollte ich (wieder) die Finger von allzu gehypten Büchern lassen; die beiden letzten Male hat sich mir die Begeisterung ja überhaupt nicht erschlossen (mit Karina Halle und Carina Bartsch). ;)

      Danke für die Osterwünsche, vor allem für die Sonne. Hier liegen 5 cm Schnee! *eek* Dir aber auch frohe Ostern! :)

  • ClaudiaGC

    Du hättest wirklich Teil 1 zuerst lesen sollen! :P Denn dann hättest du schon einen Teil der Spoiler gewusst.
    Mir gefällt die Reihe wirklich gut. Ist mal anders, finde ich, gerade in Bezug auf die Heldin. Der erste Teil kommt auch mit überraschenden Handlungsverläufen daher.
    Vielleicht probierst du es ja noch mal mit der Serie. :)

    • Hast du Teil 1 vor „On Every Street“ gelesen? Oder mit dem Prequel angefangen?

      Ich hab schon geahnt, dass in »Sins & Needles« meine Fragen beantwortet werden. Muss das Buch wohl doch lesen! :D

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