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[Rezension] Tahereh Mafi: Ich fürchte mich nicht

Originaltitel: Shatter Me
Shatter Me, #01

 

Klappentext:
Ihr Leben lang war Juliette einsam, eine Ausgestoßene – ein Monster. Ihre Berührung ist tödlich, man fürchtet sie, hat sie weggesperrt. Bis die Machthaber einer fast zerstörten Welt sich ihrer als Waffe bedienen möchten. Doch Juliette beschließt zu kämpfen – gegen die, die sie gefangen halten, gegen sich selbst, das Dunkel in ihr. An ihrer Seite ein Mann, zu dem sie sich unaufhaltsam hingezogen fühlt. Ihn zu berühren ist ihr sehnlichster Wunsch – und ihre größte Furcht …

 

Kommentar:
Ich bin ja bekanntermaßen kein großer Freund von Dystopien – »The Hunger Games« sind da die Ausnahme, die die Regel bestätigen –, insofern hat mich »Ich fürchte mich nicht« auch kein bisschen interessiert. Da mir allerdings unaufgefordert ein Exemplar zugeschickt wurde, wollte ich wenigstens mal reinlesen und nach 50 Seiten entscheiden, ob das Buch was für mich ist oder nicht. Nach 50 Seiten war ich irgendwie fasziniert, auch wenn noch nicht viel passiert war, also hab ich weitergelesen, um am Ende doch eher enttäuscht und gelangweilt zurückzubleiben.

Juliette hat die Fähigkeit, andere Menschen mit ihrer Berührung zu töten, indem sie ihnen den Lebensgeist entzieht. Als sie auf diese Weise versehentlich einen kleinen Jungen umbringt, beginnt eine schreckliche Leidenszeit für sie, und schließlich wird sie weggesperrt. Die Handlung beginnt, als Juliette nach 264 Tagen Isolationshaft unverhofft einen Zellengenossen kriegt: Adam, zu dem sie sich auf seltsame Weise hingezogen fühlt. Nicht viel später darf sie sogar ihre karge Zelle verlassen, wird mit schicken Kleidern ausstaffiert und erhält erstmals seit Langem wieder etwas Vernünftiges zu essen. Doch das neue Leben bedeutet nichts Gutes für das Mädchen – der skrupellose Machthaber Warner hat sie aus der Isolation geholt, um sich ihrer als Waffe zu bedienen: Sie soll mit ihrer besonderen Fähigkeit für ihn töten. Für Juliette steht das außer Frage, also beschießt sie gemeinsam mit Adam die Flucht.

Das Buch hat mich zu meinem eigenen Erstaunen gleich zu Beginn sehr fasziniert. Das lag weniger am Inhalt als an der Sprache, die metaphorisch, poetisch, teilweise leicht experimentell und hochemotional ist. An manchen Stellen übertreibt es die Autorin mit ihren Bildern und Vergleichen ein wenig, insgesamt funktioniert der Stil hier für mich aber sehr gut. Gleiches gilt für die Wiederholung von verstärkenden Schlüsselwörtern (»Diese blauen blauen blauen Augen aus meinem Kopf zu verbannen, aber ich kenne ihn ich kenne ihn ich kenne ihn, vor drei Jahren habe ich ihn zuletzt gesehen.«, S. 46) sowie für das Stilmittel der Durchstreichungen, das immer dann eingesetzt wird, wenn Juliette etwas denkt, was sie nicht denken darf oder will, was sie nicht wahrhaben und lieber verdrängen will.

»Tut mir leid, dass ich mich wie ein Arschloch benehme«, sagt er leise zur Wand. Er fasst mich nicht an, und ich bin enttäuscht froh, dass er es nicht tut. Ich wünschte, er würde mich berühren. Er sollte es lieber nicht tun. Niemand sollte mich berühren.

Gerade anfangs wird diese Technik sehr häufig eingesetzt und bisweilen auch so sehr übertrieben, dass es schon mal nerven kann. Doch je mehr Juliette im Laufe der Geschichte mit sich im Reinen ist, desto weniger verdrängenswerte Gedanken gibt es, sodass gegen Ende kaum noch Durchstreichungen zu finden sind. Ich kann mir dennoch gut vorstellen, dass es Leser gibt, die wenig begeistert von den Durchstreichungen und der bildreichen Sprache sind – mir hat der Stil aber wie gesagt gut gefallen, nicht zuletzt, weil er der Erzählung große Intensität und eine besondere Nähe zur Figur Juliette verleiht.

Was die Handlung angeht, bin ich leider weniger deutlich beeindruckt. Ich hatte das Gefühl, dass eigentlich so gut wie nichts passiert und dass die Geschichte erst am Ende des Buches wirklich losgeht und nur eine Hinführung zu den eigentlichen Geschehnissen ist, die in den weiteren Bänden der Trilogie stattfinden werden. Hinzu kommt, dass es doch einige Ungereimtheiten gab bzw. Aspekte, die ich der Autorin so nicht abkaufen kann, z.B. dass Warner Juliette in ihren Räumen auf einmal unbewacht lässt oder dass Juliette sich nicht an Adam erinnert, obwohl sie ihn seit vielen Jahren kennt und liebt. Wie häufig bei solchen Büchern konnte mich überdies auch die Romanze zwischen den jugendlichen Helden nicht überzeugen, die wie ein notwendiges Anhängsel wirkt in einer Geschichte, in der es im Grunde ums Überleben geht.

Auch wenn ich Ergüsse der Rezensenten zum Coverdesign üblicherweise eher albern finde, möchte ich in diesem Fall lobend das Spiel mit der Typografie erwähnen, das es ermöglicht, den Titel auf verschiedenste Weise zu lesen. Dummerweise hab ich mir daraufhin auch den Rest des Covers näher angeschaut und festgestellt, dass die Figur ganz schön schlecht freigestellt wurde und vor allem keine Füße – oder zumindest keine Zehen – zu haben scheint. *???*

 

Fazit:
8/15 – Eine Geschichte, die nicht so richtig in die Gänge kommt und nur eine Vorbereitung auf das zu sein scheint, was in den nächsten Bänden geschieht – darüber kann auch alle Sprachgewalt nicht hinwegtäuschen.

 

 

Serieninfo:
01 Shatter Me | Ich fürchte mich nicht
02 Unravel Me (02/2013) | N.N.
03 N.N.

10 Kommentare zu [Rezension] Tahereh Mafi: Ich fürchte mich nicht

  • Ich habe mich schon gewundert, als ich den Titel der Rezension sah und mich gefragt wie du zu dem Buch kamst, ist ja nicht gerade typisch für dich ;)

    Das Original fand ich auch sehr gelungen – mich konnte vor allem der ungewöhnliche Stil überzeugen, der das Buch zu etwas Besonderen macht und die Fortsetzung werde ich definitiv lesen. Deine Kritikpunkte kann ich auch nachvollziehen, hoffe da aber auf eine Steigerung in der Forsetzung. Wirst du die Reihe denn weiterlesen?

  • Kann das in weiten Teilen nur so unterschreiben. Ich gehöre allerdings zu denen, die die bildreiche Sprache zu bildreich war. Das war mir einfach zu viel „Ich bin blablabla“. Was die alles sein wollte, Mensch ;-)

  • Rishu: Kann ich gut verstehen, wenn jemandem die bildreiche Sprache zu bildreich ist. Ging mir stellenweise auch so, aber insgesamt fand ichs wie gesagt in Ordnung.

    Melanie: Ja, ich hab mich auch gefragt, wie ich zu dem Buch komme! :D Ich denke nicht, dass ich die Serie weiterlesen werde. Hat mich einfach nicht gepackt, und thematisch ist das ja auch nicht wirklich mein Ding.

  • Uhm…warum erinnert mich die Gabe des Mädchens nun plötzlich an Rogue aus X-Men??? Ach, Moment, weil Rogue genau dasselbe kann?P????
    Okay….hatte das Buch die Woche zwar in der Hand, aber ich glaube, es lohnt sich dann doch nicht, dass ich es mir kaufe.

  • Anna-Lisa: Ich glaub, die Kritiken sind im Allgemeinen nicht sooo gut, aber man weiß ja nie, obs einem nicht doch gefällt.

    Ich würd ja mein Exemplar abgeben – hast du was zum Tauschen? :)

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