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[Rezension] Kristan Higgins: Der Gute liegt so nah…

Originaltitel: Fools Rush In

Klappentext:
Joe! Für die junge Ärztin Millie Barnes hat die Sehnsucht einen Namen. Nach dem Studium zurück auf Cape Cod, will sie vor allem eins: Joe Carpenter davon überzeugen, dass sie beide zusammen gehören. Schließlich schwärmt sie seit ihrer Highschoolzeit für ihn. Niemand hat so freche Augen und so ein sexy Grübchen wie er, niemand dieses dunkelblonde Haar, das immer so ausseht, als hätte darin gerade eine Frau gewühlt … was wahrscheinlich stimmt. Allerdings gibt es noch einen zweiten Mann in Millies neuem, alten Leben: Ihren Schwager Sam, frisch von ihrer egomanischen Schwester geschieden. Nur ein guter Freund, nur ein verlässlicher Kumpel. Oder? Aber wer sagt eigentlich, dass die Sehnsucht nur einen Namen trägt?

Kommentar:
Oh nein, nicht schon wieder eine Story über eine Frau, die sich vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan mausert und schließlich ihre Highschool-Liebe erobert – das war mein erster Gedanke, als ich den Klappentext gelesen habe. Doch was nach einem ausgelutschten Plot klingt, erweist sich in diesem Fall als etwas andere Geschichte. Wie im echten Leben häufig der Fall, schägt hier nämlich die Realität zu und der vermeintliche Traummann entpuppt sich als nicht ganz so wunderbar wie jahrelang angenommen.

Das ist eine ganz schön bittere Pille für die frischgebackene Ärztin Millie, schließlich hat sie viele Jahre ihres Lebens damit verbracht, einem Traum hinterherzujagen, und einiges an Zeit und Aufwand investiert, um Joe nach ihrer Rückkehr in ihren Heimatort endlich auf sich aufmerksam zu machen und zu erobern. Dass es klappt, kann sie selbst kaum fassen, und folgerichtig ignoriert sie in ihrer Begeisterung erstmal alle offensichtlichen Macken des Zimmermanns, zum Beispiel, dass er chaotisch, unzuverlässig und ganz schön oberflächlich ist und dass sie eigentlich nie miteinander reden, weil sie sich nämlich nichts zu sagen haben. Das schöne Bild, das sich Millie über die Jahre aufgrund einer freundlichen Geste des jugendlichen Joe aufgebaut hat, verwischt allerdings mehr und mehr, und die Ärztin erkennt irgendwann, dass sie die Konsequenzen ziehen muss.

Millie ist zum Teil ganz schön extrem in ihren Handlungen, aber trotz ihres jahrelangen Festklammerns an einem Traum und ihres Stalkings ist sie eine sympathische Protagonistin. Das liegt wohl daran, dass sie nicht vollkommen verklärt ist, sondern dass ihr ihr eigener Irrsinn ziemlich bewusst ist und sie sich (meist) selbst nicht ganz ernst nimmt. Ihre Versuche, Joe »zufällig« zu treffen und dabei einen richtig coolen, beeindruckenden Auftritt hinzulegen (was natürlich NIE klappt), sind ziemlich witzig und erinnern bestimmt so manch einen Leser an die eine oder andere peinliche Aktion während der Jugend. Von ihrem Joe-Wahn abgesehen ist Millie aber eine ziemlich bodenständige, verlässliche Person, die ihren Beruf, ihr Heim, ihren Hund, ihre Freunde und ihre Familie liebt. Allerdings nicht die ganze Familie: Mit ihrer älteren Schwester hat sich Millie noch nie verstanden; dass Trish Danny, den besten Sohn der Welt, und Sam, den besten Ehemann der Welt, verlassen und die Scheidung eingereicht hat, macht das Verhältnis nicht besser.

Apropos Sam: Millies Ex-Schwager ist das genaue Gegenteil von Joe, und auch ihn schätzt Millie schon seit ihrer Jugend, allerdings zunächst nur auf rein freundschaftliche Art. Wie in Liebesromanen nicht unüblich, ist von vornherein ziemlich offensichtlich, wie sich die Beziehung zwischen den beiden entwickeln wird, aber da die Geschichte gut erzählt ist, stört das nicht weiter. Ein wenig nervig ist allerdings, dass sich am Ende die Ereignisse überschlagen, indem eine Krise heraufbeschworen wird, die in dieser Form vollkommen überflüssig und nicht so richtig glaubwürdig war.

Wie die anderen Bücher von Higgins überzeugt auch dieses mit viel Wärme, Atmosphäre und Situationskomik, und natürlich darf der obligatorische Hund als bester Freund des Menschen nicht fehlen, wenngleich er ursprünglich nur von Millie angeschafft wurde, um Joe zu beeindrucken. Einige Figuren sind zwar zum Teil ein klein wenig klischeehaft und überzogen dargestellt, etwa Millies schwule Freunde, sie sind aber eher witzig denn nervig und beschwören die eine oder andere amüsante Szene herauf.

Fazit:
11/15 – Ein amüsanter, sehr unterhaltsamer Liebesroman, bei dem mir aber die emotionale Komponente und die großen Gefühle ein wenig zu kurz kommen. Higgins bleibt dennoch auf meiner Autobuy-Liste.

 

 

 

Weitere Rezensionen zu Büchern der Autorin:

Demnächst auf Deutsch bei Mira:

6 Kommentare zu [Rezension] Kristan Higgins: Der Gute liegt so nah…

  • Julia

    Schöne Rezi, dann werd ich mir den doch besorgen. Habe „Fang des Tages“ am Dienstag beendet, das Buch war auch super und hat mich sehr gut unterhalten.
    Auch wenn das deutsche Cover wirklich alles andere als schön ist! Die Englischen sind wirklich gut gelungen, warum gucken die sich nicht mal was bei denen ab?

  • Wie man der Bewertung entnehmen kann, reicht er an »Fang des Tages« nicht ganz ran, aber Higgins schreibt einfach unterhaltsame Bücher, mit denen man meiner Erfahrung nach nie einen Fehler macht.

    Das Cover find ich auch scheußlich, andererseits sticht es immerhin aus dem Einheitsbrei heraus und verkauft sich gerade deshalb vielleicht. Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass Mira an dieser Art von Cover festhält, obwohl alle Leserinnen darüber klagen.

  • Ich gebe Dir vollkommen recht, finde auch dass man mit Higgins irgendwie nichts falsch machen kann. Habe gerade „My One and Only“ beendet und bin mal wieder sehr gut unterhalten worden. ;)

    „Fools Rush In“ hat mir unter ihren Büchern noch am wenigsten gefallen, da mir die Story etwas zu sehr dahin plätscherte. Aber dennoch finde ich ihre Charaktere immer wieder gelungen!

  • Du hast recht, die Handlung plätscherte wirklich phasenweise ein bisschen, was bei solchen Büchern aber m.E. keine Seltenheit ist.

    Ich fand »Meine Brüder, die Liebe und ich« (»Just One of Those Guys«) bislang am schwächsten, aber ich glaube, das liegt einfach daran, dass ich es zu kurz nach »Fang des Tages« gelesen habe – mir waren die Ähnlichkeiten einfach zu groß waren!

  • In letzter Zeit verliebe ich mich wirklich immer mehr in Higgins. Hab vor Kurzem erst Somebody to Love beendet, und das war soo schön!

    Bin mir noch nicht sicher, ob ich zu erst Fools Rush In oder ein anderes lesen sollte, aber deine Rezension hat mich sehr in Richtung FRI gelenkt. *g*

  • Patricia: Hast du denn »Catch of the Day« schon gelesen? Sonst würde ich dir das ja wärmstens empfehlen.

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