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2017 Reading Challenge

Irina has read 1 book toward her goal of 40 books.
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[Rezension] David Nicholls: Zwei an einem Tag

Originaltitel: One Day

Klappentext:
»Gerade stelle ich mir dich mit 40 vor!« Es ist der 15. Juli 1988, und Emma und Dexter, beide zwanzig, haben sich gerade bei der Abschlussfeier kennengelernt und die Nacht zusammen durchgemacht. Am nächsten Morgen gehen beide ihrer Wege. Wo werden Sie an genau diesem Tag ein Jahr später stehen? Und wo in den zwanzig darauffolgenden Jahren? Werden sich die beiden, die einander niemals vergessen können, weiterhin immer gerade knapp verpassen?

Kommentar:
Ich hab das Buch von David Nicholls vor über einem Jahr bei Nina entdeckt, deren Rezension so wunderbar war, dass ich das Buch umgehend erbeuten musste. Wie das so typisch für mich ist, fristete der Roman dann erst mal eine ganze Weile ein tristes Dasein im Wichtig-SuB-Regal, wurde jetzt aber endlich befreit.

Der deutsche Titel klingt ein wenig sperrig und wirkt ein bisschen bemüht, trifft aber den Kern der Sache ganz gut, denn der Leser begleitet die Hauptpersonen Emma und Dexter von ihrer ersten gemeinsamen Nacht 1988 bis ins Jahr 2007: Jeweils am 15. Juli eines jeden Jahres erhält man einen Einblick in das Leben der beiden Protagonisten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Der gutaussehende Dexter aus wohlhabender Familie ist ein Frauenheld, wie er im Buch steht. Er ist durchschnittlich intelligent und ziemlich oberflächlich, aber ein grandioser Blender und Charmeur, sodass er als TV-Moderator durchstartet und die Karriereleiter rasant erklimmt. Im Laufe des Buches entwickelt er ein massives Angst- und Suchtproblem; er ist ständig auf der Suche nach Anerkennung, nach Erfolg, nach Sex, nach irgendeinem Kick. Nur wenn er mit Emma zusammen ist oder über sie nachdenkt, zeigt er Ansätze von Tiefe und Ernsthaftigkeit. Emma ist das genaue Gegenteil von ihm: Sie ist beständig, zuverlässig und loyal, aber wenig zupackend. Obwohl sie einen hervorragenden Abschluss gemacht hat, lässt sie sich lange orientierungslos treiben, arbeitet in einem Restaurant und nutzt ihre Möglichkeiten nicht. Grundsätzlich neigt sie dazu, das Leben zu problematisieren, andere Leute zu belehren und ihre Talente und positiven Eigenschaften zu leugnen.

In den fast zwanzig Jahren, die man sie begleitet, entwickeln sich beide merklich – man könnte fast sagen, die Realität schlägt einfach zu und verändert die beiden und ihre Ideale. Das Leben ist nun mal selten so, wie man es plant, also durchlebt man Höhen und Tiefen mit ihnen – gescheiterte Beziehungen, Ängste und Antriebslosigkeit, Depressionen und Realitätsflucht, Drogen- und Alkoholexzesse, gescheiterte Pläne und Hoffnungen, Höhenflüge und böse Abstürze. Die Freundschaft zwischen Emma und Dexter, die irgendwie immer ein bisschen mehr ist, ist eine Konstante in diesen bewegten Zeiten, und man möchte sie manchmal alle beide packen und schütteln und ihnen zurufen: Seht ihr denn nicht, wie sehr ihr euch braucht und dass ihr füreinander geschaffen seid? Doch die zwei verpassen sich irgendwie immer, und die Zeit läuft ihnen davon, bis es fast zu spät für sie scheint – und so passt dann auch das für mich vollkommen überraschende Ende perfekt zu dieser Geschichte.

Alles in allem ist »Zwei an einem Tag« ein sehr realistisch wirkendes Buch abseits der üblichen schmachtfetzigen Liebesromane, das phasenweise emotional sehr berührend ist. Es hatte aber auch Längen, und seine Protagonisten mit ihren teils recht seltsamen Verhaltensweise und kaum vorhandenen Lebenskonzepten sind darüber hinaus ganz schön anstrengend und schwer zu mögen. Trotz einiger kleiner Abstriche ist der Roman aber definitiv lesenswert – zumindest für Leute, die bei Geschichten über langandauernde Freundschaften nicht sofort »Harry und Sally«-Vergleiche ziehen!

Fazit:
13/15 – Eine tragisch-schöne Geschichte über eine Jahre währende Freundschaft, die zwei Menschen während der Höhen und Tiefen ihres Lebens begleitet.

 

 

Trivia:
Am 10. November wird die Verfilmung des Buches mit Anna Hathaway und Jim Sturgess in den Hauptrollen in die Kinos kommen. Hier gibts den deutschen Trailer.

5 Kommentare zu [Rezension] David Nicholls: Zwei an einem Tag

  • Ich bin hin und hergerissen. Ich habe vor Jahren mal „Keine weiteren Fragen“ von dem Autor gelesen und fand es nicht so doll. Von „Zwei an einem Tag“ schwärmen aber irgendwie alle… einerseits bin ich interessiert, andererseits glaub ich nicht, dass Bücher, die so eine breite Zeitspanne behandeln was für mich sind (vllt irgendwann mal ;).

  • Klingt ja sehr begeistert. Wenn mir der Film gefällt, kauf ich es mir bestimmt

  • Freut mich, dass dir das Buch gefallen hat. :-) Ich schwärme ja schon seit Ewigkeiten überall davon. Die Charaktere machen es einem wirklich nicht leicht, aber irgendwie fand ich genau das gerade gut, weil es das Ganze eben so realistisch macht.
    Okay, über das Ende lässt sich streiten, aber ich fand’s passend.

  • Miss Bookiverse: Ich bin auch vorsichtig bei Büchern, die so eine lange Zeitspanne behandeln. In diesem Fall ist das aber wirklich gut gemacht, weil ja immer nur eine Episode pro Jahr gezeigt wird und nicht ausufernd eine zusammenhängende Geschichte erzählt wird.

    Stephie: Ich bin ja eher der Typ, der lieber erst das Buch liest und dann die Verfilmung anschaut. Ich bin aber auch gespannt auf den Film zu »Zwei an einem Tag«, auch wenn der Trailer bei mir sehr gemische Gefühle auslöst …

    Nina: Ich finde auch, dass die sperrigen Charaktere das Buch so realistisch gemacht haben. Und das Ende fand ich – wie gesagt – auch passend, wenngleich auch ganz schön ätzend! ;)

  • *das Buch auf Wunschliste höher schieb*

    Hm… also lange Zeitspannen stören mich nicht, wenn die Umsetzung stimmt. Aber wenn die nicht stimmt, kann es katastrophal werden. Mal sehen, wann ich dem endgültig nicht mehr widerstehen kann.

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