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[Unsinn lesen mit Irina] Im Schatten des Windes, Vol. 1

Wie gewünscht starte ich hiermit die Rubrik »Unsinn lesen mit Irina«. Manche Bücher verdienen es einfach nicht besser – und »Im Schatten des Windes« von Katherine Kingsley gehört eindeutig dazu.

Der 6. Februar 1808 ist ein schicksalhafter Tag für die magere kleine Serafina. Das erschreckend hässliche Kind wird von ihrem dahinsiechenden Vater schnell noch Aidan Delaware, Earl of Aubrey, dem Sohn eines Freundes versprochen, bevor er das Zeitliche segnet. Da die Ehe aber erst am 18. Geburtstag des Mädchens geschlossen werden kann, übergibt er es bis dahin einigermaßen widerwillig der Obhut der seltsamen Tante aus Wales.

11 Jahre später, am 12. Januar 1819, scheint Serafina dem schlechten Einfluss ihrer bekloppten Tante vollkommen erlegen zu sein. Sie steht auf einem Felsen rum, singt (natürlich mit glockenheller Stimme) und betet, dass Aidan, dem sie damals versprochen wurde, sie endlich holt, um sie »auf den Flügeln der Liebe davonzutragen«. Dass sie und Aidan über Zeit und Raum hinweg zusammengehören, daran hat sie keinen Zweifel, schließlich träumt sie schon seit ihrem vierzehnten Lebensjahr immer wieder davon, wie sie triumphal in eine Stadt einreitet und von ihm in Empfang genommen wird. Zwar heißen die beiden nicht Aidan und Serafina, sondern Adam und Sarah, aber mit solchen Kinkerlitzchen hält sie sich nicht auf, zumal es wichtigere Dinge in diesem Traum gibt, die es zu hinterfragen gilt. Adam/Aidan küsst sie nämlich, bis ihr fast die Sinne schwinden und eröffnet ihr, seinen Schwur bald »im Fleische zu besiegeln«. Unser Herzchen wacht leider immer auf, bevor sie herausfindet, wie man einen Schwur im Fleische besiegelt, reimt sich aber blitzgescheit zusammen, dass es sich a) bei diesem Vorgang möglicherweise um etwas handelt, was ihr gefallen könnte, und dass sie b) die verklemmte Tante besser nicht danach fragt.

So richtig in Schwung kommt die Handlung etwa vier Monate später, um genau zu sein: am 26. April (wie wir wissen, weil uns die Autorin dankenswerterweise stets mit exakten Datumsangaben versorgt). Aidan erfährt nämlich just an diesem Tag, dass er so gut wie verheiratet ist – und zwar bereits seit dem 6.02.1808. Sein Vater hatte das Eheversprechen zwischenzeitlich ganz vergessen, jetzt ist es dem praktisch veranlagten Mann aber doch wieder eingefallen, weil die Familie nämlich bankrott ist und Serafina ein riesiges Vermögen besitzt, das am Tag der Trauung in Aidans Besitz übergehen wird. Der arme Aidan steht erst mal unter schwerem Schock und dreht seinem Vater unverständlicherweise nicht den Hals um. Möglicherweise ist er einfach zu entsetzt, um zu handeln, weil er nämlich zu allem Übel erfahren muss, dass seine Zukünftige farblos ist, vorstehende Augen, schlechte Zähne und einen knochigen Körper hat, und nicht nur hässlich ist, sondern auch noch ein wenig einnehmendes Wesen hat: »Sie ist grämlich, und sie horcht gern an Schlüssellöchern.« Wie gesagt ist Vater Delaware aber durchaus praktisch veranlagt, deshalb hat er zum Trost für seinen Sohn ein geniales Rezept fürs Zusammenleben mit der hässlichen Erbin: »Du brauchst sie ja nicht oft anzuschauen, mein Junge. Ich bin sicher, dass du sie im Ostflügel oder sonstwo unterbringen kannst.« So hervorragend beraten, fügt Aidan sich schließlich in sein Schicksal.

Am 30. April, zurück in Wales, erfahren wir erst mal mehr über Seraphinas Tante Elspeth, die sich als eine Art Hexe herausstellt. Sie begeistert sich für alte keltische Bräuche und Überlieferungen, ihre Zauberversuche verlaufen aber eher weniger erfolgreich. Das hält sie natürlich nicht davon ab, es weiter zu versuchen, denn Versuch macht ja kluch. Vor lauter Zaubern vergisst die Exzentrikerin blöderweise manchmal die eine oder andere unwichtige Angelegenheit – etwa, dass Aidan geschrieben hat, um die Hochzeit in Gange zu bringen. Ist ja auch nicht weiter wichtig oder gar dringend, und die Hauptsache ist, dass es ihr irgendwann in einem lichten Moment wieder in den Sinn schießt. Als sie Serafina also in einem Augenblick der Klarheit mitteilt, dass der Traumprinz endlich bereit zur Hochzeit ist, ist die außer sich vor Begeisterung und kommt in ihrem Überschwang gleich auf die elementarste Sache zu sprechen, die mit ihrer anstehenden Ehe verbunden ist: die Hochzeitsnacht. Obwohl sie schlau genug ist, die Schwur-im-Fleische-Sache aus dem Spiel zu lassen, verweigert die verklemmte Tante unglücklicherweise die Auskunft. Das veranlasst die wissbegierige Serafina, wilde Spekulationen anzustellen, die uns Lesern nach all dem vorherigen Unsinn einen ersten Höhepunkt bescheren:

Würde sie denn nie erfahren, was nach dem Küssen passierte? Es musste etwas Wundervolles sein, dessen war sie sich sicher, aber über den genauen Ablauf war sie sich nicht im Klaren. Sie wusste, dass der Mann seinen Samen irgendwie in die Frau brachte, und dass daraus ein Baby entstand. Doch wie der Mann das machte, war ihr ein Rätsel und weckte ihre Neugier. Sie stellte sich Aiden mit einer kleinen Pipette vor, wie Tante Elspeth sie bei Kranken verwendete, aber es kam ihr unwahrscheinlich und wenig romantisch vor, dass ihr Mann sie auffordern würde, den Mund zu öffnen und etwas zu schlucken (sic!). Was im Bett ablief, musste viel ungewöhnlicher sein, sonst würde man nicht so ein Geheimnis daraus machen. Es musste wohl irgend etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass die beiden Geschlechter verschiedene Körper hatten, und sie mussten sich dabei wohl irgendwie berühren, jedenfalls hoffte Serafina das, denn in ihrem Traum hatte sie sich in den Armen des geliebten Mannes unglaublich glücklich gefühlt. (S. 32)

Während man sich noch staunend fragt, ob die Autorin sich für den Oswald Kolle der 90er-Jahre hält und mit diesen ebenso hochinteressanten wie fantasiereichen Ausführungen ihren Beitrag zur Aufklärung ihrer Leser leisten will, tritt auch schon wieder Elspeth in Aktion. Unter der strengen Aufsicht ihres Papageis Basil, der sie nicht ganz zu Unrecht als heimtückisch bezeichnet, wirft sie einen Blick in ihre Kristallkugel – und sieht dort sogar wider Erwarten etwas: einen ziemlich verärgerten Aidan, der die Schuldenscheine seines Vaters in Augenschein nimmt. Das ist an sich nichts Neues, bildet aber einen guten Aufhänger, um noch mal auf Serafinas herausragende Qualitäten als Braut hinzuweisen: Sie hat ein riesiges Vermögen, glaubt an die alten Götter und hat von den dunklen Seiten des Lebens keine Ahnung. Zugleich erfährt der aufmerksame Leser, dass hier noch etwas anderes, viel tiefgreifenderes im Gange ist: Es gilt für Aidan und Serafine nämlich ganz offensichtlich, ein Schicksal zu erfüllen und eine fast tausend Jahre alte Karmaschuld zu begleichen. Ja, genau, Karmaschuld! Kar-ma-schuld! Mit dieser höchst subtilen Bemerkung, die einem da in einem Nebensätzen ganz beiläufig um die Ohren gehauen wird, wird man auch schon ins nächste Kapitel entlassen. Gott sei Dank – war ja wirklich genug für den Anfang!

12 Kommentare zu [Unsinn lesen mit Irina] Im Schatten des Windes, Vol. 1

  • Hihihi, wie genial! Karmaschuld, kleine Pipette…ich lieg schon fast vor Lachen auf dem Boden!
    Na das scheint wohl noch seehr amüsant zu werden :D (zumindest für uns Außenstehende ;) )…

  • …aber es kam ihr unwahrscheinlich und wenig romantisch vor, dass ihr Mann sie auffordern würde, den Mund zu öffnen und etwas zu schlucken…

    Ein Schuft, wer Böses dabei denkt.

  • Sollte ich nebenbei mal erwähnen, das ich bei Lara Adrian gerade an einer Stelle bin, an der der wuchtige Protagonistenbrummer, dessen Muskelberge gerade so ausführlich belechzt wurden, nun in der Zimmerecke der Protagonistin sitzt und zwar auf einem zierlichen antiken Stühlchen? Der Stuhl hat auch eine Karmaschuld zu begleichen, ganz sicher ( Sie werden ihn sicher für Sex missbrauchen… Die missbrauchen immer ungeeignete Möbestücke! )

  • Mir auch *prust* Was für ein Machwerk!

  • Die Karmaschuld ist echt klasse! Regency mit Eso-Einschlag. :-D

  • Herjeh! Und du schaffst es wirklich diesen Unsinn für uns gerafft niederzuschreiben, ohne dabei vor Lachen vom Stuhl zu fallen?! :D

    Also … auch wenn du mir ein bisschen leid tust … Irgendwie hoffe ich, dass das Buch so richtig schön viele Kapitel hat! ;)

    Danke für diesen amüsanten Start in den Tag! :)

  • @Holly: Ein Stuhl mit Karmaschuld – vielleicht ne gute Anregung für Kingsleys nächstes Buch! :D Lässt du uns denn auch wieder live dabei sein beim Lesen? Welchen Adrian hast du denn gerade in der Mangel?

    Ich hab schon mal ins zweite Kapitel reingelinst, weil ich die Spannung gar nicht aushalten konnte, und kann euch schon mal versprechen: Es geht skurril weiter!

  • Jetzt bin ich ganz sprachlos ^^ Also wenn die Story so geschrieben ist, wie du sie hier widergibst, dann ist ja wenigstens der Unterhaltungswert hoch gehalten… aber ich bezweifel das mal ;)

  • Wie genial ist das denn?? Das ist genau die Dosis Humor die ich heute morgen brauchte!! Danke dir dafür.

    Eigentlich gehört das Buch ja somit schon fast in den Bereich „Satire“

  • @Irina: Gebieterin der Dunkelheit ( wobei ich mich frag, wer die Gebieterin ist, ich finde, Dylan ist nur ne dumme Quasselstrippe mit einem ausgeprägten Mangel an Überlebenswillen… ) Werds nicht mer so ausfürhlich machen, sondern drauflos lesen und die Sahnestückchen rauspicken ^^ ( Wie die sahnefarbene Haut der Protagonistin… Und der antike kleine Stuhl. Und natürlich die Prostituierte mit dem netten Berliner Akkzent…. Ach, vielleicht sollte ich es doch wieder ausführlich machen. Das waren ja nur die letzten drei Kapitel… *g*

    Das war erst das erste Kapitel??? Oh mein Gott Oo Ich dachte, das war ne Zusammenfassung von mehreren Kapiteln. Die olle Tante verzaubert sie garantiert noch schön, damit der zukünftige keinen Schock kriegt.

  • @Kari: Ich war mir erst mal nicht so sicher, ob ich drüber lachen oder das Buch in den Fernseher schmeißen soll (bevorzugt während eines Werder-Bremen-Fußballspiels. *gr*)

    @Rici: Freut mich, dir einen guten Start in den Tag beschert zu haben! Das mit der Satire stimmt irgendwie, ich fürchte nur, die Autorin meint es ernst.

    @Holly: Sahnestückchen klingt auch gut, ich freu mich drauf!

    Um genau zu sein, der Artikel befasst sich mit Prolog und Kapitel 1 – sind ja quasi immerhin zwei Kapitel! Ich hoff ja, dass es irgendwann weniger skurril wird, sonst sitz ich nächstes Jahr noch dran; im Moment zeichnet sich allerdings keine Besserung ab! :D

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