Ich bin erzürnt. Man hat mir einen Stern abgezogen, weil meine Beschreibung des Zustands eines Cora-Historical-Heftchens angeblich schlecht war: Ich hätte nicht erwähnt, dass das Cover Kratzer und einen Leseknick vorn hat. Stimmt auch, hab ich nicht erwähnt; ich hab nämlich das Buch nicht stundenlang genauestens untersucht, um an diesem läppischen Papiercover Schäden zu entdecken, die ich vielleicht noch angeben könnte, und ich weiß nicht mal, was ein Leseknick im Cover sein soll. Meine Beschreibung des 1-Ticket-Coras lautete schlicht und ergreifend: »Ecken und Kanten leicht bestoßen, sonst guter Zustand« – wobei ich das mit den leicht bestoßenen Ecken und Kanten pro forma immer angebe für den Fall, dass ich an irgendwelche Schaden suchenden Kniefiesler gerate, die jeden Realitätssinn für den Umgang mit nun mal nicht verpackten Taschenbüchern verloren haben. Wie oft muss ich das zu vertauschende Buch denn drehen und wenden und ins richtige Licht halten, um noch die kleinste Verfärbung des Schnitts oder irgendwelche Kratzer und Miniknicke zu finden? Soll ich vielleicht künftig noch die Fingerabdrücke zählen oder das Buch vor dem Versand polieren!?
Sorry, was ist Buchticket denn? Eine Tauschbörse für gebrauchte, d.h. gelesene Bücher doch, oder hab ich da was falsch verstanden? Es ist ja toll, dass da Leute auch neuwertige Bücher einstellen und entsprechend beschreiben, aber davon kann und sollte man doch einfach nicht grundsätzlich ausgehen, oder? Ich meine, wenn ich bei Buchticket ein mehrere Jahre altes gebrauchtes Buch in »gutem Zustand« ertausche, dann muss doch nicht noch explizit erwähnt werden, dass das Papier leicht nachgedunkelt ist, mal auf zwei Seiten irgendein Schaden am Schnitt zu finden ist und die Ecken und Kanten leicht bestoßen sind – das ist doch völlig normal, selbst bei sachgemäßer Lagerung!
Aber nein, das wäre zu einfach, der Beschreibungswahnisnn greift mehr und mehr um sich und wird zunehmend zur Wissenschaft – oft weiß ich schon gar nicht mehr, wie ich die Schäden ausdrücken soll. Schon gar nicht, wenn ich den goldenen Weg finden will zwischen genauer, aber nicht übertriebener Beschreibung. Um nur ja keine Erwartungen zu enttäuschen, schildere ich den Zustand normalerweise sogar eher schlechter als ich ihn persönlich empfinde – was dann dazu führt, weil keiner mehr das Buch haben will, weil sich die Beschreibung liest, als wäre mein zwar gebrauchtes, aber sehr ordentliches Buch ein kaum noch lesbares katastrophales Exemplar, mit dem was weiß ich was angestellt wurde!
Nur zur Sicherheit: Ich finde durchaus, dass größere Mängel (Eselsohren, verknickte Cover, starke Leseknicke, Wasserschäden, Kaffee- und sonstige Flecken) angegeben werden sollten. Und natürlich muss eine Beschreibung ehrlich sein: Ein altes verranztes Buch darf selbstverständlich nicht als neuwertig angepriesen werden. Aber es muss doch alles im Rahmen bleiben; es kann doch nicht sein, dass ich ein einmal gelesenes Buch, das nach dem Lesen immer noch so aussieht wie zum Zeitpunkt des Kaufs, aufgrund seiner normalen Lager-/Gebrauchsspuren schon nicht mehr als »sehr gut« vertauschen kann, sondern es schlecht reden muss, um nur ja keinen Abzug zu kriegen! Ich kenne wirklich keine Tauschbörse und keine Verkaufsplattform, wo so ein Gepingel um die Buchbeschreibungen gemacht wird wie bei Buchticket! Es nervt!
Ha! Wie Recht Du hast! Da machen sie sogar Threads im Forum wo man „gute“ und „schlechte“ Bewertungen reinstellen kann. Ich habs auch reingeschafft, als schlecht, nachdem ich als Neuling (bin erst anderthalb Monate dabei) nach zwei Tagen geschrieben habe: „Einmal gelesen, aber sehr gut“. *g Jetzt bin ich damit beschäftigt, das zu „korrigieren“. Meine Bücher sind aber alle in tadellosem Zustand.
Eine andere Geschichte: Das olle Russe-Buch (Vampire küssen besser) habe ich bei TT von einem jungen Mädel ertauscht, die das Buch lange in der Tasche mit sich rumgeschleppt hat und so sah es leider auch aus. Aber es war nur ein Ticket und es ließ sich noch gut lesen. Als ich es weitergetauscht habe, habe ich die angestoßenen Ecken und Kanten, den Knick im Cover angegeben und dass das Buch vorher schlecht behandelt wurde, man es aber ohne Weiteres noch lesen könne.
Ich schickte das Buch noch am gleichen Tag mit einigen anderen los und wartete. Und wartete. Es kam keine Bestätigung. Knapp anderthalb Wochen später fragte ich nach, bekam aber keine Antwort. Einen Tag vor der 2-Wochen-Nachricht (von der ich nicht wusste, dass es sie gibt) fragte ich nochmal nach und schlug der TP vor, da sie schrieb sie besäße kein Internet und käme so nicht rein, was sich aber in Kürze ändern würde, dass sie doch vielleicht warten sollte, ehe sie etwas tauscht, wenn sie nicht bestätigen kann. Oder am besten den TP informiert in einer Nachricht, dass sie sich melden würde, es aber dauern könne.
Überraschenderweise meldete sie sich noch am gleichen Tag und auch am gleichen Tag sei das Buch erst angekommen, nachdem meine Bücher bisher immer meist einen oder zwei Tage später egal wo in Deutschland angekommen sind. Sie schrieb mir, sie sei erzürnt über meine Nachfragen und sie bestätige die anderen beiden Bücher bei anderen TP, bei meinem müsse sie noch einmal eine Nacht darüber schlafen. Denn: Ich hätte den Zustand nicht genau angegeben, zwar die Kanten und den Knick, aber auf Seite „nach 100“ sei ein Knick in einer Buchseite. Naja, soweit bin ich ja nie gekommen. Das darüber schlafen dauert mittlerweile auch schon wieder eine Woche … Na ja, jetzt weiß ich, dass ich nicht so nervös zu sein brauche, denn ich bekomme ja ohnehin eine gute Bewertung, wenn sie sich gar nicht meldet, was ich ihr durchaus zutrauen würde. Es könnte natürlich auch sein, dass ich eine schlechte Bewertung erhalte, aber mittlerweile juckt mich das nicht mehr, denn alle anderen Bewertungen sprechen für mich, denke ich.
*puh Schön, dass man sich mal ausheulen kann *g*
Oh Soleil,
jetzt isses aber aus dir rausgebrochen, was?! *lach* Verständlicherweise, muss ich allerdings sagen, denn dieser Fall verschlägt einem ja wirklich die Sprache. Ein Knick auf *Seite [nach 100]*, oh Mann! Am besten blättert man vor dem Vertauschen noch mal das ganze Buch durch, ob sich nicht vielleicht ein Staubkörnchen hinein verirrt oder ob sich unverhofft ein Buchquäler aus dem Haushalt an dem Werk vergriffen hat – das Ganze allerdings möglichst in einer sterilen Umgebung und nicht ohne vorher diverse Vorsichtsmaßnahmen getroffen zu haben! *augenroll*
Ansonsten hatte ich doch vorgestern glatt den Fall, dass eine Tauschpartnerin mir nach einem Extra-Hinweis auf den nicht-neuwertigen Zustand mitgeteilt hat, sie wolle das Buch doch lesen und nicht rahmen und aufhängen. Das war ein sehr erfreulicher Zwischenfall, wenngleich sie darauf hinwies, dass sie zu einer aussterbenden Spezies gehörte …
Jap, det sach ick Dir!
Sie hat übrigens immer noch nicht bestätigt. *böse guck*
Man sollte am besten mit einer Fusselrolle drüber weggehen und bügeln oder so. Mit Handschuhen anfassen und auf den pH-Wert achten. *pf
Hey, das gibt es offenbar wirklich selten! Aber so eine nette TP kenne ich auch, hat schon mehrmals ein Buch bei mir getauscht und ich auch bei ihr.
So ein Zufall. Ich habe gerade noch einen begeisterten Blog-Beitrag über BT geschrieben, weil ich heute meine 1oo. Bewertung erhalten habe und meine Tauscherfahrungen bislang fast durchweg positiv waren.
Ich kann deinen Ärger allerdings verstehen. Mit der Lupe untersuche ich meine Bücher auch nicht. Wobei ich mich auch immer etwas unter Druck gesetzt fühle und versuche, eine möglichst genaue Beschreibung abzuliefern – was sich meist schlimmer anhört als es ist. Bislang hat sich aber noch niemand beschwert. Ich selbst hab allerdings schon 2-3 Bücher ertauscht, die wirklich ramponiert waren, obwohl bei Zustand „sehr gut“ stand. Das finde ich dann auch ärgerlich, daher tausche ich bei Leuten, die einfach nur „ok“ schreiben, nicht mehr. Denn ok ist Auslegungssache. Außer natürlich, ich mache ein 1-Ticket-Schnäppchen. Da bin ich dann weniger pingelig.
Das Schlimme ist ja: Ich bemühe mich eigentlich auch um sehr genaue Beschreibungen; dass man mir trotzdem noch mit irgendwelchen Kratzern ankommt, finde ich umso ärgerlicher. Zumal es auch noch ein 1-Ticket-Buch war, was ja fast auch schon ne Rarität ist! ;)
Aber ohne jede Frage ist Buchticket trotzdem eine Bereicherung (und Sucht) für Vielleser und Buchhorter, da geb ich dir trotz meiner momentanen Verärgerung völlig recht! Gerade, wenn man Bücher sucht, die nicht ganz aktuell sind, kann man da viel Geld sparen!
Ehrlich gesagt wundere ich mich auch, dass mir sowas noch nie passiert ist. Gerade weil ich so genau bin. Ich bin nämlich meist übervorsichtig und hab dann im Vergleich zu richtigen Rampensäuen die A*karte. ;)