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[Rezension] Catherine Gayle: Light the Lamp

Serie: Portland Storm #3

Klappentext:

Hockey star Liam Kallen lost his scoring touch when his wife died. Still broken up over her loss, Liam’s darkness overpowers him, but his new team—the Portland Storm—needs him. A chance meeting brings him face to face with Noelle Payne, the most positive and upbeat woman he’s ever met, and his darkness begins to fade.

There’s never been a challenge that Noelle can’t conquer. Brightside optimist to a fault, Noelle refuses to succumb to the luxurious life Liam can give her, as she longs to find deeper meaning and purpose in her life. Now it’s up to Liam to open up and show her that she’s the light he’s needed all along—giving her the greatest purpose of all. He might have saved her, but can Noelle be the light that saves him?

 

 

 

Kommentar:

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal würde feststellen müssen, aber Catherine Gayle kann tatsächlich schreckliche Bücher schreiben. Dieses hier würde mich unter normalen Umständen zu einem bitterbösen Verriss verleiten, den ich mir aber verkneife, weil ich alle anderen Bücher der Autorin bislang super fand und niemandem möglicherweise die Lust verderben möchte wegen eines (hoffentlich!) Ausrutschers. Ja, ich bin parteiisch, zumindest ein bisschen.

In »Light the Lamp« geht es um Liam »Kally« Kallen, einen schwedischen Eishockey-Stürmer, dessen schwangere Frau vor eineinhalb Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Er trauert noch sehr um sie, gibt sich die Schuld an ihrem Tod und befindet sich seitdem in einer sportlichen Krise. Eines Abends (übrigens der Abend von Katies Prom) sammelt er am Rande eines Highways eine junge Frau mit einer Autopanne auf. Der Motor ihres Wagens ist überhitzt, und er überredet sie, mit ihm zu einer nahe gelegenen Raststätte zu fahren und dort einen Kaffee mit ihm zu trinken, statt im Auto zu warten, bis der Motor abgekühlt ist; seine Frau ist nämlich in einer ähnlichen Situation ums Leben gekommen. Dieses ganze Ausgangsszenario ist schon einigermaßen skurril, denn welche Frau würde bei irgendeinem Unbekannten ins Auto steigen, um mit ihm zur nächsten Raststätte zu fahren?

Nun, Noelle. Noelle hat damit keine Probleme. Noelle ist nämlich in Sonnenschein, der ans Gute in den Menschen glaubt und ganz bestimmt fühlen würde, wenn Liam Böses im Sinn hätte. Noch skurriler wird es dann, als tatsächlich ein Pickup herangerauscht kommt und in Noelles verlassenen Wagen brettert, der daraufhin in Flammen aufgeht. Und es kommt noch schlimmer: Noelle ist mittel- und obdachlos und hat in ihrem Wagen gelebt, weshalb jetzt alles, was sie besessen hat, dahin ist und sie auf der Straße steht. Nachdem sie das kurz festgestellt hat, lächelt sie es weg. Wie gesagt: Sie ist ein Sonnenschein. Natürlich kommen die beiden auch nicht auf die Idee, mal bei der heraneilenden Polizei am Unfallort vorstellig zu werden, obwohl das ja immerhin ein Versicherungsfall ist und Noelle Geld von der Versicherung kriegen könnte. Stattdessen bringt Liam Noelle in seine und Jamies Wohnung (die beiden wohnen nach Brendens Auszug inzwischen zusammen) und quartiert sie in seinem Zimmer ein.

Über alles das hätte ich vielleicht noch als Initialzündung der Geschichte hinwegsehen können, aber die ganze Geschichte entwickelte sich genauso abstrus weiter. Entscheidenden Anteil daran hat Noelle. Noelle fühlt sich zu Höherem berufen: anderen Menschen zu helfen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Autorin sie einfach nur als (für meine Begriffe: überbordend) empathisch und altruistisch darstellen wollte oder ob sie ihr wirklich eine Art mystische esoterische Gabe andichten wollte; auf jeden Fall kann Noelle den Schmerz anderer Menschen mindern, indem sie deren Leid quasi in sich aufsaugt und später in Gestalt einer Tränenflut aus sich herauslässt. Genau das will sie auch für Liam tun, dessen Traurigkeit sie spürt, aber frecherweise verweigert er sich ihr.

Und das nicht nur am ersten und am zweiten Abend, sondern eine ganze sagenhafte Woche (!) lang, während er aber doch so viel Gutes für sie tut. Sie hadert permanent damit, dass er sich ihr nicht öffnet (bzw. nur ein bisschen, aber nicht komplett) und er sie nicht helfen lässt. Sie macht aus allem ein Psychodrama, will mehr und mehr, und man kann sich zunehmend des Eindrucks nicht erwehren, dass sie nur ihr pathologisches Helfersyndrom befriedigt wissen will. Bei ihrem ersten Kuss zum Beispiel genießt sie nicht etwa den tollen Kuss, sondern ihre Gedanken kreisen darum, was dieser Kuss mit ihm macht und ob er sich jetzt ändert und ob er sich ihr jetzt endlich öffnet. Den Sex mit Liam bereut sie hinterher auch, aber nicht etwa, weil er schlecht gewesen wäre, sondern weil sie gehofft hat, er würde sich danach endlich öffnen – was er nicht tut (zumal er überhaupt nicht so richtig versteht, was sie überhaupt von ihm will). Aus irgendwelchen Gründen fühlt sie sich deshalb, als hätte sie ihn und seinen Körper benutzt. (Fragt mich nicht. Ich habs nicht verstanden.) Überhaupt ist das eines ihrer großen Probleme: Sie fürchtet, andere Menschen – hier im Speziellen Liam – auszunutzen. Weswegen sie auch lieber bei wildfremden Männern oder auf einer Parkbank übernachtet statt bei ihren Freunden.

Wie sie selbst sagt, braucht sie einen Grund, um in Liams Leben zu bleiben; sein Glücksbringer zu sein (er fängt mit ihrem Auftauchen wieder an, Tore zu schießen), reicht ihr nicht. Und ihn glücklich zu machen, offenbar auch nicht. Außerdem will sie eigentlich frei wie ein Vogel sein und einfach barfuß und in schrillen Klamotten in der Gegend herumwandern können, gern auch bei Wind und Wetter, ohne vermisst zu werden. Sie kommt insgesamt ziemlich hippie-mäßig rüber (wenn man von der Tatsache absieht, dass die 24-Jährige noch Jungfrau ist und man sich schon fragen darf, in welcher Welt sie bislang eigentlich gelebt hat, weil sie nämlich noch mal ansatzweise eine Ahnung davon hat, was ein Orgasmus ist und welche Freuden er einem bringen kann. Weshalb sie auch glaubt, sie bräuchte so was nicht, der Sex war ja auch so ganz schön!). Liam, der nach dem Tod seiner Frau zugegebenermaßen etwas überfürsorglich ist, gibt dem Sonnenschein jedenfalls die benötigten Freiheiten nicht: Er will wissen, was sie macht, dass es ihr gutgeht, und er will möglichst viel mit ihr zusammen sein, der Schuft. Ich hab dafür vollstes Vertsändnis, aber Noelle natürlich nicht. Sie fühlt sich eingesperrt, und zusammen mit der Tatsache, dass er nach einer Woche Bekanntschaft immer noch etwas von sich zurückhält, bringt sie das dazu, ihn zu verlassen, obwohl er ihr tausendmal seine Liebe versichert und obwohl er sie anfleht zu bleiben. Ganz ehrlich? Ich habe diese Protagonistin gehasst.

Liam ist ebenfalls ziemlich seltsam. Da trauert er eineinhalb Jahre um seine verstorbene Frau Liv (was ich gut verstehen kann, denn eineinhalb Jahre sind nichts, wenn man trauert; schon gar nicht, wenn der Tod so unvorhergesehen kommt), dann kommt diese Psychotante daher, die ihn ständig unter Druck setzt, innerhalb kürzester Zeit alle seine Geheimnisse, Gefühle und Gedanken erfahren will, und schwupps ist Liv so gut wie vergessen. Es ist ein bisschen, als würde Noelle ihn völlig überrollen und ihm jeden Funken Vernunft rauben. Am Ende glaubt nicht nur Noelle, sondern auch erst selbst, dass er einen Seelenstriptease vor ihr hinlegen muss, und das – wohlgemerkt – nach einer Woche! Ich hätte ihm wirklich ein paar Teamkollegen gewünscht, die ihm die Augen öffnen und ihm klarmachen, dass diese Frau nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, nach so kurzer Zeit so viel von ihm zu fordern. Leider ist eher das Gegenteil der Fall.

Die Hockeyszenen – diesmal meinem Empfinden nach zahlreicher und ausführlicher als in den vorherigen Büchern – fand ich wieder sehr gelungen, und auch die Auftritte der Teamkameraden und das große Ganze machen wieder Spaß. Jamie Babcock ist und bleibt der Beste, obwohl ich selbst ihn mit seinem Ellie-Getue (Ellie ist sein geradezu zärtlicher Spitzname für Noelle) ein bisschen schräg fand. Fürs Portland-Storm-Setting und -Team gibts dann auch die mickrigen Punkte und einen halben oder so für Liam, bevor er Noelle nachgegeben hat.

(Ihr denkt, ich hätte entgegen meiner Ankündigung doch einen Verriss geschrieben? Ihr täuscht euch, ich habe mich stark bezähmt.)

 


4/15

4 Kommentare zu [Rezension] Catherine Gayle: Light the Lamp

  • Uhhh, du machst mich sprachlos. Klingt, als ob das Ganze von einer anderen Autorin geschrieben wurde. (Und ja, du hast einen Verriss geschrieben – wenn auch mit Betonung auf „ich weiß nicht, was da los ist, die Autorin ist sonst nicht so!“ *g*)

  • Liam Kallen, typischer schwedischer Name…
    Die Heldin klingt ja nach ner echten Nervensäge, und dazu noch TSTL…ne, da mach ich lieber einen Bogen um das Buch!

    • Ja, über den »schwedischen« Namen hab ich auch gelacht. Da hätte sie ja wenigstens irgendnen *-son oder *-berg aus dem Hut zaubern können. Und Liam, also wirklich! Aber immerhin heißt die verstorbene Frau Liv.

      Um das Buch kannst du wirklich nen Bogen machen. Aber versuch’s mal mit nem anderen aus der Serie – haste schon mal in Band 1 reingelesen?

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