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[Rezension] Simon Brett: Ein Toter kommt selten allein

Originaltitel: The Body on the Beach
Fethering, #1


Klappentext (Amazon):

Nichts stört für gewöhnlich die Ruhe des englischen Küstenstädtchens Fethering. Doch nun findet die bärbeißige Pensionärin Carole eine Leiche am Strand, und als die sich endlich bequemt, die Ermittlungen aufzunehmen, der Tote wieder verschwunden. Einzig und allein ihre extravagante neue Nachbarin Jude schenkt Carole Glauben.


Kommentar:

Wenn ich mich recht erinnere, hat mich Winterkatze auf Simon Bretts Fetherin-Serie gebracht, als ich auf der Suche nach Cozy-Krimis war – und der Tipp hat sich als gut erwiesen. Leider wurden nur drei der Bücher übersetzt, und die auch noch in falscher Reihenfolge und unter Auslassung diverser Originale: 2007 wurden Bände 04 und 05 veröffentlicht, 2009 wurde dann Band 1 nachgeschoben. Wie soll man unter diesen Umständen als Leser Zugang zu einer Serie finden – zumal zu einer solchen, die stark auf die Persönlichkeiten der Hobbyermittlerinnen und das Leben in der Kleinstadt fokussiert sind? Die Verlage brauchen sich wirklich nicht zu wundern, dass die deutschen Leser genervt sind …

 

Als Carole beim Morgenspaziergang mit ihrem Hund am Strand über eine Leiche stolpert, die beim Auftauchen der Polizei dann allerdings verschwunden ist, glaubt ihr niemand – außer ihrer neuen Nachbarin Jude. Die beiden Frauen beschließen, gemeinsam Ermittlungen anzustellen, die nach dem Fund einer weiteren angespülten Leiche endgütig ihre Berechtigung zu haben scheinen …

»Ein Toter kommt selten allein« ist ein Cozy-Krimi, wie er im Buche steht: Der Fall ist solide und nicht allzu komplex, aber andererseits auch nicht zu einfach zu durchschauen. Es fällt angenehm auf, dass die Verbrechen, das Vorgehen der Amateurdetektivinnen und auch die Auflösung relativ glaubwürdig sind. Die Geschichte lebt allerdings ebenso sehr von seinem englischen Kleinstadtflair und seinen Ermittlerfiguren wie von der Aufklärung der Verbrechen.

Die Amateurdetektivinnen könnten gegensätzlicher nicht sein: Sie sind sympathisch, aber jede ist auf ihre Weise ein wenig schrullig und eigenbrödlerisch. Carole ist sehr konservativ und eingefahren, liebt ihre Regeln und festen Abläufe und ist für Spaß eher nicht zu haben. Die geheimnisvolle Jude, die nie ihren Nachnamen nennt und auch sonst wenig Privates preisgibt, wirkt hingegen hippiemäßig-esoterisch und scheint eine ziemlich illustre Vergangenheit zu haben. Mit ihrer offenen Art gelingt es ihr beinahe mühelos, die spießige Jude aus ihrem langweiligen Trott zu reißen, sodass man es am Ende des Buches mit einer ganz anderen Carole zu tun hat als zu Anfang der Geschichte. Ich bin wirklich gespannt darauf, wie sich die Figuren angesichts ihrer ungewöhnlichen die Freundschaft noch entwickeln und freue mich auf weitere Fälle der beiden.


Fazit:

10/15 – Ein solider Cozy-Krimi, der ein paar Stunden gute und teils amüsante Unterhaltung bietet.

 

 

Serieninfo:
01 The Body on the Beach | Ein Toter kommt selten allein
02 Death on the Downs
03 The Torso in the Town
04 Murder in the Museum | Mord im Museum
05 The Hanging in the Hotel | Der Tote im Hotel
06 The Witness at the Wedding
07 The Stabbing in the Stables
08 Death Under the Dryer
09 Blood at the Bookies
10 The Poisoning in the Pub
11 The Shooting in the Shop
12 Bones under the Beach Hut
13 Guns in the Gallery

10 Kommentare zu [Rezension] Simon Brett: Ein Toter kommt selten allein

  • Ach, schön, dass dir die beiden gefallen haben! Die unseligen Übersetzungsstrategien der Verlage sind mir auch ein Rätsel …

    • Die brauchen sich wirklich nicht zu wundern, wenn sie Serien unter solchen Umständen nicht etablieren können … Wobei ich einräumen muss, dass Cozies in Deutschland offenbar generell schwer auf dem Markt zu platzieren sind.

      • Ich glaube nicht, dass es an einem Mangel an Lesern liegt, sondern wirklich an der Verlagspolitik. Es gibt so einige Cozy-Reihen, die trotz einer solchen bescheuerten Veröffentlichung auf Deutsch schon mehr als zehn Bände erreicht haben. Da hat vermutlich dann die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert …

        • Da fällt mir noch ein: Kennst du eigentlich „Die dünne Frau“ von Dorothy Cannell? Das sind auch niedliche Cozies und der erste Band der Reihe ist – wie ich gerade gesehen habe – schon in der 15 Auflage zu haben. Dabei erschien das Ganze anfangs bei einem feministischen Verlag (ohne feministischen Inhalt zu haben), der doch ein eher begrenztes Publikum hat.

          • Die Cannell-Bücher hatte ich mir schon mal angesehen, als ich auf der Suche nach deutschen Cozies war. Aus irgendwelchen Gründen hab ich mich aber dagegen entschieden, die Serie zu testen. Hab ich was verpasst?

            Welche empfehlenswerten Cozy-Serien habens denn in Deutschland auf mehr als zehn Bände gebracht? Außer Elizabeth Peters, Charlotte MacLeod und Lilian Jackson Braun?

            • Ich fand die Cannell-Bücher sehr unterhaltsam und habe mir die Reihe damals komplett gekauft. Wobei ich nicht weiß, ob mir nicht inzwischen Teile fehlen, ich war da eine Zeitlang etwas nachlässiger und habe ein bisschen den Überblick verloren. Sind ja doch einige Reihen, die ich so verfolge. *g*

              Ansonsten fällt mir spontan die Benni-Harper-Reihe von Earlene Fowler ein. Die fand ich auch nett – auch wenn die kleinen Quiltanspielungen an dir vermutlich vorbeigehen würden – und davon habe ich auch so einige Teile. Allerdings wurde die Serie auch sehr … äh … sprunghaft auf den deutschen Markt gebracht.

              Und was ist mit den Rita-Mae-Brown-Krimis? Würdest du die nicht auch zu den Cozys zählen?

  • Okay, dann werd ich die Cannell-Bücher vielleicht doch mal im Auge behalten. Vielleicht begegnen die mir ja mal auf dem Flohmarkt oder so. :)

    Ah, und Earline Fowler mit ihrer Benni Harper hab ich mir auch schon mal näher angesehen, bestimmt auch auf deinen Tipp hin. Ich weiß gar nicht, wieso ich die Autorin wieder verworfen habe, kann gut sein, dass es wegen des Veröffentlichungschaos war!

    Rita Mae Brown, stimmt, die ist schon auch im Cozy-Bereich einzuordnen. Allerdings hab ich die aufgegeben, als dann Hund und Katze auch noch das Autofahren angefangen haben. Das war mir dann echt endgültig zu doof.

    • Versuch unbedingt den ersten Band „Die dünne Frau“ in die Finger zu bekommen – bei dem Rest finde ich es nicht so wichtig, in welcher Reihenfolge man es liest.

      Und bei Rita Mae Brown habe ich es ebenso gemacht. Vielleicht war das ein (unbewusster) Versuch der Autorin, endlich die ungeliebte Serie loszuwerden. Blöderweise scheint es nicht funktioniert zu haben. ;) Es muss frustrierend sein, wenn die Sachen, die man aus finanziellen Gründen „runterschreibt“ erfolgreicher sind als die mit Herzblut geschriebenen Titel.

      • Oh, und von Benni Harper habe ich irgendwo eine Liste mit der richtigen Reihenfolge – die kann man aber auch online finden. ;)

        • Ich glaub, die Liste, die ich online gefunden habe, hat mich davon abgehalten, mich näher mit der Serie zu beschäftigen! :D

          Meine Freundin sagt ja, RMB sei nach der Autofahraktion noch mal kurzfristig besser geworden, inzwischen hat sie die Autorin aber doch auch aufgegeben. Endlosserie werden einfach in den meisten Fällen immer schlechter.

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