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[Rezension] Gail Carriger: Soulless

Deutscher Titel: Glühende Dunkelheit
1. Teil der Parasol-Protectorate-Serie

Klappentext der deutschen Ausgabe:
Nachdem Miss Alexia Tarabotti in Notwehr einen Vampir getötet hat, steht sie nun dem Alpha-Werwolf Lord Maccon gegenüber – dem Chefermittler der Queen für übernatürliche Angelegenheiten. Als dieser sich weigert, sie in die Ermittlungen einzubeziehen, beschließt Alexia, selbst nachzuforschen, was hinter dem Angriff auf sie steckt. Und plötzlich befindet sie sich nicht nur tief in einer Intrige gegen das Britische Empire – sie sieht auch ihr Herz durch den attraktiven Lord Maccon bedroht …

Kommentar:
Ganze drei Anläufe habe ich gebraucht, bis ich es endlich geschafft habe, das hochgelobte Debüt von Gail Carriger zu lesen. Ich bin froh, dass ich diesmal endlich dabeigeblieben bin, denn das Buch hat unheimlich viel Charme und hat richtig Spaß gemacht.

»Soulless« spielt im London des 19. Jahrhunderts, zur Zeit von Königin Victoria; allerdings sieht die gesellschaftliche Ordnung etwas anders aus als gewohnt: Es leben nicht nur Werwölfe, Vampire und Geister als Übernatürliche (supernaturals) unter den Menschen, sondern darüber hinaus gibt es Außernatürliche (preternaturals) ohne Seele, die die Übernatürlichen neutralisieren können. Alexia Tarabotti ist eine dieser Seelenlosen – was allerdings nur sehr wenige Menschen wissen. Als sie auf einem Ball in Notwehr einen Vampir tötet, der sich höchst seltsam verhält, nimmt sich das BUR (Bureau of Unnatural Registry) der Sache an – in Gestalt des attraktiven, aber ebenso hassenswerten Werwolfs Lord Maccon. Der Alpha-Werwolf verbietet Alexia strikt jede Einmischung in die Ermittlungen, doch als sie am nächsten Tag von einer der Londoner Vampirköniginnen zum Gespräch gebeten wird, ist ihre Neugierde endgültig geweckt, und sie stellt ihre eigenen Nachforschungen an. Dabei gerät sie selbst in große Gefahr, denn was sie schließlich entdeckt, ist ungeheuerlich …

Was eigentlich nach einer ganz aufregenden, abenteuerlichen Geschichte klingt, ist in Wahrheit relativ spannungsarm. Die eigentliche Handlung plätschert lange ziemlich ereignislos vor sich hin, bis ab etwa der Mitte des Buchs endlich Bewegung in die Story kommt. Stattdessen lebt das Buch von den Figuren, Dialogen und der Sprache – wobei über allem der wunderbare Humor der Autorin thront.

Alexia ist eine fabelhafte Heldin, die ganz schön mit den gesellschaftlichen Idealen zu kämpfen hat. Sie ist nicht nur mit Seelenlosigkeit gestraft, sondern darüber hinaus mit einer langen Nase, üppigen Formen und einer italienischen Abstammung väterlicherseits, die ihr zu allem Übel auch noch einen dunklen Teint eingebracht hat. Dass sie ein Blaustrumpf, einigermaßen vorlaut und extrem zynisch ist, hat ihre Chancen auf dem Heiratsmarkt auch nicht gerade verbessert, und so ist sie mit 26 unverheiratet und eine alte Jungfer. Ihre ganzen Makel stören Lord Maccon allerdings überhaupt nicht. Obwohl (oder weil!) er ständig mit Miss Tarrabotti im Clinch liegt, findet er sie überaus sexy. Da er aber nun mal ein Werwolf-Alpha und auch noch ein ungehobelter Schotte ist, weiß er sich nur bedingt gemäß der gesellschaftlichen Normen zu benehmen, und so sind die Zusammentreffen zwischen ihm und Alexia von gegenseitiger Anziehung ebenso wie von Missverständnissen geprägt und ziemlich explosiv. Die Dialoge zwischen den beiden bieten allerbeste Unterhaltung für die Leserschaft.

Doch nicht nur Alexia und Maccon, sondern auch die Nebenfiguren sind hervorragend gelungen, ob nun der exzentrische Lord Akeldama, ein uralter, aber immer topmodisch gekleideter Vampir, oder Alexias Freundin Ivy mit ihrem Faible für grauenerregende Hüte und der Tendenz, in Ohnmacht zu fallen. Ganz besonders toll fand ich den Butler Floote, der im Haushalt von Alexias Familie ihr einzig wahrer Freund zu sein scheint, sowie den Werwolf Professor Lyall, die rechte Hand und Beta von Lord Maccon, der auch schon mal für Tipps in Liebesangelegenheiten zuständig ist.

Wie erwähnt, lebt das Buch vorwiegend von seinem Humor, der sich nicht nur in den Dialogen, sondern vor allem auch in der Sprache und den detailverliebten Beschreibungen niederschlägt. Hierin lag für mich aber auch ein kleines Problem, denn ich habe mich zwar bestens amüsiert, aber dennoch wurde ich das Gefühl nicht los, dass mir einiges entgeht, weil mir schlicht das Vokabular fehlte. Wer sich für das Buch interessiert und nicht ganz so firm im Englischen ist, sollte vielleicht eher über den Kauf der deutschen Ausgabe nachdenken – die Übersetzung scheint mir alles in allem tatsächlich recht gelungen, soweit ich das anhand der Leseprobe feststellen konnte.

Fazit:
11/15 – Trotz einer eher dünnen Handlung besticht das Buch mit seinen grandiosen Figuren und seinem wunderbaren Humor.

 

 

Serieninfos:
01 Soulless | Glühende Dunkelheit
02 Changeless | Brennende Finsternis
03 Blameless | Entflammte Nacht
04 Heartless
05 Timeless (März 2012)

 
Trivia:
Zu »Soulless« wird es einen Comic geben.

Derzeit arbeitet Gail Carriger an einer vierteiligen YA-Serie mit dem Titel »The Finishing School«. Sie wird 25 Jahre vor der Parasol-Protectorate-Serie spielen, aber im gleichen Universum angesiedelt sein.

11 Kommentare zu [Rezension] Gail Carriger: Soulless

  • Schön, dass Soulless dir gefällt! Ich bin ein Fan der Reihe! Und ich finde von Band zu Band wird es besser :)

    Den Comic muss ich unbedingt haben :D

  • Da habe ich genauso empfunden. Grandiose Dialoge, grandiose Figuren – aber die Handlung war etwas mittelmäßig.
    Und Sprachprobleme hatte ich diesmal auch, was mich doch ziemlich überrascht hat. Lesen mit Wörterbuch daneben habe ich schon lange nicht mehr gemacht.
    Mit Teil 2 habe ich mehr Probleme, das habe ich inzwischen wieder pausiert.

  • evi

    Tja, manchmal brauchts mehrere Anläufe für ein Buch. *lach*
    Schön, dass du es trotzdem gelesen hast, und dass es dir auch noch gefiel!
    Und bitte – wer braucht schon Handlung, wenn die Charaktere und die Sprache so toll sind. ;-)

    Ich fand übrigens nicht, dass die Serie mit jedem Band besser geworden ist. Nur so am Rande bemerkt. Trotzdem bin ich natürlich begeistert vom Gesamteindruck. Zumindest der ersten drei Bücher. Das vierte liegt ja noch ungelesen hier rum. *pfeif*

  • Hachja, da werden Erinnerungen wach – ich konnte das Buch damals nicht zur Seite legen und fiebere jetzt schon ganz ungeduldig Band #3 entgegen.
    Schöne Rezension, danke :)

  • Ich nehme Band 1 und 2 der Reihe mit in den Urlaub. Bin schon ganz gespannt, wie es mir gefällt. :-)

  • Die Handlung war für mich auch der größte Schwachpunkt, wäre nicht die Liebesgeschichte gewesen, hätte ich den Band bestimmt nicht zu Ende gelesen. :D

    Ich frage mich aber immer noch, was genau die Seelenlosigkeit auf Alexias Charakter ausübt. Es wurde zwar manchmal erwähnt, dass sie dies oder das nur tut, weil sie eben keine Seele hat, aber wirklich unterschieden hat sie sich für mich nicht von einem normalen Menschen… :O

    Ich lese gerade den zweiten Band und muss sagen, dass ich am Anfang doch recht gelangweilt bin. Die Geschichte kommt wieder nicht richtig in Fahrt, ist dafür aber witzig… Wenn die Handlung nicht noch richtig spannend wird und/oder die Romantik in Fahrt kommt werde ich mich wohl etwas durch „Brennende Finsternis“ kämpfen müssen *seufz*

    Ich freu mich schon riesig auf den Comic zu „Soulless“, Lord Maccon sieht doch so richtig zum anbeißen aus *g*

  • Ich wusste doch, dass es dir gefallen wird. ;-) Auch wenn es was gedauert hat.

  • Den Comic werd ich mir auch definitiv zulegen, und natürlich auch die Serie weiterlesen! Allerdings isses jetzt nicht so, dass ich es gar nicht erwarten kann, mir den nächsten Band zu schnappen, dafür war mir »Soulless« nicht fesselnd genug!

    Ich bin übrigens froh, dass ich nicht die einzige mit ein paar Sprachproblemen hatte und dass auch andere die Handlung als eher nicht so … äh … ereignisreich empfunden haben! ;)

  • Der Comic steht auch schon auf meinem Einkaufszettel, die Sprachprobleme bei der englischen Ausgabe machen mir allerdings Angst. So ermutigt ihr mich nicht gerade dazu endlich mit dem Titel anzufangen. ;) Aber ich will mir auch nicht den deutschen Band zulegen, wenn ich die englische Ausgabe hier liegen habe. Immerhin hat mir deine Rezension wieder mehr Lust auf die Geschichte gemacht!

  • Lies unbedingt mal in deine englische Ausgabe rein, Winterkatze, ist wirklich ein netter Humor – sollte dir eigentlich gefallen. Außerdem ist ja gar nicht gesagt, dass du auch Probleme damit hast, evtl. umfass dein Wortschatz auch ganz andere Begriffe! :)

    Notfalls kannst du ja vielleicht irgendwann mal die deutsche Ausgabe in der Bibliothek holen?

  • Da mein englischer Wortschatz sehr fantasy- (und architektur)geprägt ist, habe ich ein paar Zweifel, aber ich werde mir das Buch – mal wieder – für den September vornehmen. ;)

    Die Bibliothek ist leider für fantastische Bücher keine so gute Anlaufstelle – hier vor Ort scheint es nicht genügend Bibliothekare zu geben, die sich darum bemühen. ;)

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