{"id":9425,"date":"2010-11-03T18:18:07","date_gmt":"2010-11-03T17:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=9425"},"modified":"2011-08-28T17:48:18","modified_gmt":"2011-08-28T15:48:18","slug":"rezension-nora-melling-schattenblute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=9425","title":{"rendered":"[Rezension] Nora Melling: Schattenbl\u00fcte"},"content":{"rendered":"<p>Die Verborgenen, Buch 1<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3862520005\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3862520005.jpg\"  \/><\/a> <strong>Inhalt: <\/strong><br \/>\nSeit dem Tod ihres Bruders ist f\u00fcr Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschlie\u00dft zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt h\u00e4lt jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald, und er sp\u00fcrt Luisas Schmerz. Die \u00bbVerborgenen\u00ab k\u00f6nnen ihre Gestalt \u00e4ndern: Sie sind Werw\u00f6lfe. Mit jeder Verwandlung wird Thursen mehr zum Tier \u2013 und die Erinnerungen an sein vorheriges Leben verblassen. Bald wird er ganz Wolf sein. Dann hat Luisa auch ihn verloren. F\u00fcr ihre gro\u00dfe Liebe w\u00fcrde sie alles tun. Doch reicht das, um Thursen zu retten?<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nIch war sehr gespannt auf den Deb\u00fctroman der deutschen Autorin Nora Melling, als ich die Ank\u00fcndigung gesehen habe, zumal mich die Beschreibung sofort an \u00bb<a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=4837\">Shiver<\/a>\u00ab (dt. \u00bb<a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=8094\">Nach dem Sommer<\/a>\u00ab) erinnert hat. Tats\u00e4chlich gibt es einige Parallelen zwischen den beiden B\u00fcchern \u2013\u00a0allerdings ist \u00bbSchattenbl\u00fcte\u00ab leider nicht mal halb so gut wie Stiefvaters Roman. <\/p>\n<p>Dem obigen Klappentext ist inhaltlich eigentlich nicht viel hinzuzuf\u00fcgen, im Gegenteil: Er gibt fast schon eine Spur zu viel preis, weshalb man als Leser mehr wei\u00df als Protagonistin Luisa selbst, die erst im Laufe der Handlung herausfindet, dass Thursen und seine Freunde Werw\u00f6lfe sind. Elementar f\u00fcr die Handlung ist die Tatsache, dass die Werw\u00f6lfe nicht unbegrenzt oft ihre Gestalt wechseln k\u00f6nnen, sondern dass sie mit jeder Verwandlung mehr zum Wolf werden und jedesmal ein St\u00fcck der Erinnerung an ihr menschliches Dasein verlieren \u2013 bis sie irgendwann Wolf bleiben. Als Luisa Thursen kennenelernt, steht dieser bereits kurz vor der endg\u00fcltigen Verwandlung; nur sie h\u00e4lt ihn noch im menschlichen Leben. Dass ein unbeschwertes Zusammensein insofern zu keiner Zeit m\u00f6glich ist, versteht sich von selbst. <\/p>\n<p>Hinsichtlich dieser stark getr\u00fcbten Liebesbeziehung und der Suche nach einem Ausweg gleicht das Buch \u00bbShiver\u00ab frappierend; die \u00c4hnlichkeiten h\u00f6ren hier aber auch schon auf. Denn w\u00e4hrend Sam und Grace in \u00bbShiver\u00ab versuchen, die knapp bemessene gemeinsame Zeit trotz aller Trauer und \u00c4ngste zu genie\u00dfen und wundersch\u00f6ne intensive Momente zusammen erleben, sind Luisa und Thursen permanent am Zanken und trennen sich gef\u00fchlte 84 Mal, nur um dann doch wieder zusammenzukommen und gemeinschaftlich zu lamentieren. Dem Buch geht jede f\u00fcr den Leser nachvollziehbare Emotion zwischen den Protagonisten v\u00f6llig ab, vielleicht geht sie auch in all den sprachlichen Absonderlichkeiten verloren. Positive Gef\u00fchle werden kaum vermittelt, stattdessen ist \u00bbSchattenbl\u00fcte\u00ab fast durchgehend d\u00fcster und depressiv. <\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise liegt die Tatsache, dass ich mit dem Buch so gar nichts anfangen konnte, im Wesentlichen an den Protagonisten, denen ich nicht das Geringste abgewinnen konnte. Thursen nehme ich den Anf\u00fchrer der im Berliner Grundewald lebenden Werw\u00f6lfe \u00fcberhaupt nicht ab; er bleibt letztendlich blass und wirkt die ganze Zeit sehr unentschlossen bez\u00fcglich seiner Zukunft: Er m\u00f6chte eigentlich trotz seiner Liebe zu Luisa gar nicht wirklich in sein menschliches Dasein zur\u00fcck. Luisa ist allerdings nicht bereit, das zu akzeptieren: Nachdem er sie davon abgehalten hat, Selbstmord zu begehen und ihr das Versprechen abgenommen hat, es nie wieder zu versuchen, soll er mal sch\u00f6n auch im Leben bleiben \u2013\u00a0das muss sie ja schlie\u00dflich auch. Dementsprechend dr\u00e4ngt sie ihn, sich auf die Suche nach seinen Wurzeln zu machen, die ihn retten k\u00f6nnen.   <\/p>\n<p>Luisa ist ein wirklich schwieriger Charakter, was angesichts ihrer Vergangenheit zugegebenerma\u00dfen kein Wunder ist. Nach dem Tod ihres kleinen Bruders Fabi haben die zutiefst verst\u00f6rten Eltern alle Br\u00fccken in Hamburg abgebrochen und sind nach Berlin gezogen, wo sie mit wenig durchschlagendem Ergebnis versuchen, ein neues Leben zu beginnen. Luisa f\u00fchlt sich dadurch um die M\u00f6glichkeit gebracht, sich mit der Trauer um Fabi auseinanderzusetzen und sein Grab zu besuchen, und ihre ohnm\u00e4chtigen, mit der Situation heillos \u00fcberforderten Eltern sind alles andere als hilfreich f\u00fcr einen Neustart.  Luisa ist eigentlich permanent erf\u00fcllt vom Gedanken an Fabi; ihre Trauerarbeit ist neben der Beziehung zu Thursen zentrales Thema das Buchs. Es ist insofern nur nat\u00fcrlich, dass sie sich an Thursen klammert und dass sie verbittert, verst\u00f6rt und traurig ist \u2013 aber das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr ihre Situation macht sie trotzdem nicht zu einer Heldin, die ein solches Buch tragen kann. <\/p>\n<p>Zu alledem kommt dann noch ein sehr eigent\u00fcmlicher Stil mit \u00e4u\u00dferst seltsamen Satzkonstruktionen. Die Sprache ist einfach, die S\u00e4tze sind vielfach sehr kurz, oft auch ohne Subjekt aneinandergereiht, wobei vorher bereits benutzte Worte wiederholt oder aufgenommen und mit einer Vielzahl von Synonymen oder W\u00f6rtern aus der gleichen Wortfamilie angereichert werden (\u00bbDie Hoffnung w\u00e4chst, bl\u00fcht, wuchert. \u00dcberwuchert jeden Zweifel.\u00ab, S. 135). Das Bem\u00fchen um Metaphorik ist unverkennbar, und an manchen Stellen sind die Bilder sogar gelungen, in dieser Masse wirkt das alles aber v\u00f6llig \u00fcbertrieben und m\u00fchsam konstruiert. Teilweise wirkt es einfach nur so bem\u00fcht, dass es albern ist: \u00bbSein Gesicht, sein kr\u00e4hengraues Gesicht mit den Bleiglanzaugen kommt n\u00e4her, und ich wei\u00df, bin ihm ausgeliefert, kann mich niemals gegen ihn wehren.\u00ab (S. 98) oder noch viel schlimmer: \u00bbIch drehe wieder um. Nehme meine Schulranzen, trage ihn in die Wohnung und werfe ihn in die Ecke. Er f\u00e4llt auf die Seite, springt auf und erbricht B\u00fccher und leere Hefte.\u00ab (S. 205) Ich will diesen Stil nicht verteufeln, er ist aber definitiv nicht mein Ding. Wer glaubt, dass er Freude an einem Buch voller S\u00e4tze wie dem folgenden haben kann, kann bei \u00bbSchattenbl\u00fcte\u00ab getrost zugreifen! <\/p>\n<blockquote><p>Er presst seinen Mund fast schmerzhaft auf meinen. Ich habe die Augen geschlossen und f\u00fchle nur noch ihn \u00fcberall. Seine Schultern unter meinen klammernden H\u00e4nden. Seine Arme um mich, sein Atem auf meiner Wange. Rieche und schmecke ihn. Er ist meine ganze Welt. Und ich bin seine. So soll es sein. Wir k\u00fcssen uns als sei es das letzte was wir tun auf dieser Welt. Ber\u00fchren, f\u00fchlen, schmecken uns, als w\u00fcrden nur noch heute die V\u00f6gel singen, die B\u00e4ume wachsen, die Sonne scheinen. Als w\u00e4re der flammende Meteorit, der die Erde zerschl\u00e4gt, schon zu uns unterwegs. (S. 130)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n4\/15 \u2013 Wenig sympathische Figuren agieren in einer eigentlich ziemlich d\u00fcnnen Geschichte, die trotz des Themas keine nachvollziehbaren Emotionen vermittelt \u2013 geschweige denn beim Leser erzeugen kann. Der h\u00f6chst eigent\u00fcmliche Stil der Autorin tr\u00e4gt seinen Teil dazu bei, dass mich das Buch eher genervt als unterhalten hat. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ueber-alles.net\/Bilder\/Sterne\/gelb\/2.png\" alt=\"\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verborgenen, Buch 1<\/p>\n<p> Inhalt: Seit dem Tod ihres Bruders ist f\u00fcr Luisa nichts mehr, wie es war. Sie beschlie\u00dft zu sterben. Aber kurz vor dem letzten Schritt h\u00e4lt jemand sie auf: Thursen nennt sich der Junge mit den geheimnisvollen Schattenaugen. Mit einer Gruppe Jugendlicher lebt er im Wald, und er sp\u00fcrt Luisas Schmerz. 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