{"id":9372,"date":"2010-10-21T12:13:29","date_gmt":"2010-10-21T10:13:29","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=9372"},"modified":"2011-01-03T16:34:56","modified_gmt":"2011-01-03T15:34:56","slug":"rezension-patricia-cabot-lehrstunden-einer-lady","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=9372","title":{"rendered":"[Rezension] Patricia Cabot: Lehrstunden einer Lady"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: Educating Caroline<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3404186559\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/3404186559.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0743410262\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/0743410262.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nLondon, 1870. Lady Caroline Linford ist entsetzt, als sie ihren Verlobten in flagranti erwischt. Doch anstatt die Verlobung zu l\u00f6sen \u2013 was eine Schande f\u00fcr die Familie w\u00e4re \u2013 m\u00f6chte Caroline das Herz des untreuen Marquis f\u00fcr sich erobern. Sie will ihm ganz und gar den Kopf verdrehen, ist aber auf dem Gebiet der Liebe noch v\u00f6llig unerfahren. Was l\u00e4ge da n\u00e4her, als Unterricht in der Liebeskunst zu nehmen? Caroline sucht sich Londons ber\u00fcchtigtsten Lebemann aus, dem man nachsagt, einer der besten Liebhaber zu sein \u2013 und schon bald beginnen die Grenzen des Lehrer-Sch\u00fcler-Verh\u00e4ltnisses zu verschwimmen &#8230;<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\n\u00bbLehrstunden einer Lady\u00ab war einer meiner allerersten historischen Liebesromane \u2013\u00a0und derjenige, der mich restlos f\u00fcr dieses Genre eingenommen hat. Der Plot ist nur einer unter vielen Love-Lesson-Plots und nicht wirklich sensationell \u2013 die Umsetzung allerdings schon. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so viel Spa\u00df mit einem Liebesroman gehabt zu haben und beim Lesen so viel gelacht zu haben. Patricia Cabot (\u00fcbrigens ein Pseudonym von <a href=\"http:\/\/www.megcabot.com\">Meg Cabot<\/a>, unter dem sie acht historischen Liebesromane ver\u00f6ffentlicht hat) \u00fcbertreibt und \u00fcberspitzt die Dinge ma\u00dflos, schafft dabei aber so liebenswerte, lebendige Figuren und legt einen so wunderbaren Humor und so viel Situationskomik an den Tag, dass das \u00fcberhaupt nichts ausmacht. <\/p>\n<p>Vor allem Caroline ist einfach total hinrei\u00dfend. Trotz ihrer fortgeschrittenen 21 Jahre ist sie ein Musterbeispiel an Naivit\u00e4t, zumindest, was Liebesdinge angeht. Sie hat nicht die geringste Ahnung von sexuellen Angelegenheiten und offenbart ihre grenzenlose Unbedarftheit schon in der ersten Szene, als sie die schockierenden Frivolit\u00e4ten zwischen ihrem Verlobten Hurst und ihrer ehemaligen Schulkameradin Lady Jacquelyn mit fassungslosem Staunen beobachtet:<\/p>\n<blockquote><p>Sie w\u00fcnschte beinahe, sie w\u00e4re ohnm\u00e4chtig geworden, denn dann w\u00e4re ihr der Anblick erspart geblieben, wie Lady Jac ihren Finger in Hursts Mund schob.<br \/>\nAlso wirklich, wunderte sich Caroline, warum tut sie das? Fanden M\u00e4nner Gefallen daran, wenn eine Frau ihnen einen Finger in den Mund steckte?<br \/>\nOffensichtlich war es so, da der Marquis sofort anfing, ger\u00e4uschvoll daran zu saugen.<br \/>\nWarum hatte das ihr gegen\u00fcber nie jemand erw\u00e4hnt? Wenn der Marquis sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte, dass Caroline ihren Finger in seinen Mund schob, h\u00e4tte sie es bestimmt getan, wenn es ihn gl\u00fccklich machte. Wirklich, es war v\u00f6llig unn\u00f6tig, sich wegen einer solchen Bagatelle an Lady Jac zu wenden, mit der er kaum bekannt war, geschweige denn verlobt. (S. 13) <\/p><\/blockquote>\n<p>Obwohl ihre sexuelle Naivit\u00e4t bis ins Unglaubw\u00fcrdige gesteigert ist, ist die Figur einfach wundervoll. Caroline ist warmherzig, mitf\u00fchlend, vorurteilsfrei, loyal und zuverl\u00e4ssig. Dar\u00fcber hinaus hat sie durchaus einen Sinn f\u00fcrs Praktische und versucht, dem Leben stets mit Optimismus zu begegnen. Ihre Schulbildung findet sie beispielsweise insofern n\u00fctzlich, als dass sie jetzt in f\u00fcnf verschiedenen Sprachen sagen kann \u00bbH\u00f6ren Sie bitte auf, ihr Pferd zu schlagen\u00ab, und nach der Entdeckung ihres Verlobten mit Lady Jacquelyn gilt ihre Sorge zun\u00e4chst dem am wenigsten aufwendigen Weg, die Hochzeitsg\u00e4ste wieder auszuladen. Sie befindet au\u00dferdem, dass es h\u00e4tte schlimmer kommen k\u00f6nnte: \u00bbSie wusste zwar nicht inwiefern, aber sie nahm es einfach an.\u00ab (S. 19) <\/p>\n<p>Braden Granville, fr\u00fcher \u00bbDead Eye\u00ab genannt, ist das genaue Gegenteil von Caroline. Der Empork\u00f6mmling, der \u2013 aus \u00e4rmlichsten Verh\u00e4ltnissen stammend \u2013 ein Verm\u00f6gen mit Schusswaffen gemacht hat und als Meistersch\u00fctze gilt, hat schon alles gesehen und erlebt. Nach wie vor umgibt er sich mit einer ziemlich illustren Gesellschaft, darunter sein mehr oder weniger hilfreicher Sekret\u00e4r Ronnie \u00bbWiesel\u00ab Ambrose, ein alter Freund aus Seven Dials, und sein Vater Sylvester, der seit dem Tod seiner Frau geistig verwirrt ist. Man sagt Braden gesch\u00e4ftlich wie privat eine erschreckende Skrupellosigkeit nach, au\u00dferdem gilt er als Casanova, der mit mehr Frauen geschlafen haben soll als jeder andere Mann in London. Ihn kann kaum etwas \u00fcberraschen \u2013 abgesehen von Caroline, die ihn nicht nur mit ihrem Wunsch nach Lehrstunden und einer kleinen Erpressung \u00fcberrascht, sondern ihn vor allem mit ihrer unsagbaren Naivit\u00e4t immer wieder in gro\u00dfe Fassungslosigkeit st\u00fcrzt. Er versucht, seine Nachhilfe dementsprechend zu gestalten und \u00fcber harmlose Dinge wie romantische Atmosph\u00e4re zu sprechen, doch die wissbegierige Caroline \u2013\u00a0bewaffnet mit Brille, Notizbuch und Stift \u2013 will sich damit nicht zufrieden geben. <\/p>\n<blockquote><p>\u00bbK\u00f6nnten wir die Diskussion \u00fcber die richtige Atmosph\u00e4re, so faszinierend ich sie auch finde, vielleicht auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt verschieben und direkt zum K\u00fcssen kommen? (&#8230;) Es ist eine bestimmte Art von Kuss, \u00fcber die ich reden m\u00f6chte, eine, die ich zuf\u00e4llig beobachten konnte. Ich meine die Art Kuss, bei der sich die beteiligten Personen die Zungen in den Mund stecken.\u00ab<br \/>\nEr starrte bei ihren Worten unwillk\u00fcrlich auf ihren Mund. Es war ein sehr h\u00fcbscher Mund, rosig und sehr verf\u00fchrerisch. Nur m\u00fchsam riss er seinen Blick davon los. \u00bbDas haben Sie beobachtet.\u00ab<br \/>\nSie nickte heftig. \u00bbOh ja. So etwas gibt es. Ich habe es selbst gesehen!\u00ab<br \/>\nEr fragte sich, ob er jemals, selbst in seiner Kindhetit, so lachhaft unschuldig gewesen war, und kam zu dem Schluss, dass es wenig wahrscheinlich schien.<br \/>\nBraden r\u00e4usperte sich. \u00bbJa. Nun, die Art Kuss, die Sie beschrieben haben, ist ziemlich \u2026\u00ab<br \/>\n\u00bbUnappetitlich\u00ab, beendete sie mit einem wissenden Blick den Satz f\u00fcr ihn.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da Worte nicht helfen, Carolines Vorurteilen zu begegnen, kann Braden \u00fcberhaupt nicht anders, als praktische \u00dcberzeugungsarbeit zu leisten \u2013 und das f\u00e4llt ihm nat\u00fcrlich nicht schwer, denn so verr\u00fcckt Caroline ist, so liebenswert findet er sie von dem Moment an, als sie mit ihrem sonderbaren Vorschlag in seinem B\u00fcro aufkreuzt. Ihm ist schnell klar, dass sie zusammengeh\u00f6ren, und er tut alles daf\u00fcr, sie f\u00fcr sich zu gewinnen, ohne dabei seine Ehre zu vergessen. <\/p>\n<p>In krassem Gegensatz zu den beiden Protagonisten stehen deren jeweiligte Verlobte, Jacquelyn und Hurst. Die beiden sind wenig subtil und zeichnen sich vor allem durch ihren Mangel an Loyalit\u00e4t, ihre Durchtriebenheit und Berechnung aus: Beide heiraten nur aus finanziellen Gr\u00fcnden und tun alles daf\u00fcr, um ihr Ziel zu erreichen. Der Marquis punktet mit seinem engelsgleichen, allerdings v\u00f6llig unm\u00e4nnlichen Aussehen, ist aber ein ziemlicher Hohlkopf. Ein Satz, vom allwissenden Erz\u00e4hler ganz beil\u00e4ufig hingeworfen, belegt das eindrucksvoll und mit dem typischen Humor des Buches: \u00bbHurst, der nicht daran gew\u00f6hnt war, Inspirationen welcher Art auch immer zu haben, war (&#8230;) beeindruckt von sich selbst und seinem neu entdeckten Scharfsinn\u00ab (S. 287). Was ihm an B\u00f6sartigkeit fehlt, macht Lady Jacquelyn locker wieder wett: Hinter ihrer sch\u00f6nen Fassade steckt ein Mensch, der mit allen Mitteln f\u00fcr die Erreichung seines Ziels k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Doch nicht nur die beiden, sondern selbst die kleinsten Nebenfiguren sind hervorragend gelungen: Neben Granvilles fragw\u00fcrdiger Umgebung sind hier vor allem Carolines entsetzlich pr\u00fcde Mutter zu nennen, der Bruder, der ungewollt in kriminelle Machenschaften hineingeraten ist und einen (relativ \u00fcberfl\u00fcssigen) Nebenplot erh\u00e4lt, sowie Carolines eigentlich fortschrittliche Freundin Emily, die sich so engagiert f\u00fcr die Frauenbewegung einsetzt, dass Caroline sie immer wieder aus dem Gef\u00e4ngnis ausl\u00f6sen muss, die aber in Liebesdingen ebenso unbedarft ist wie die Protagonistin selbst. <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n15\/15 \u2013 Dieser Liebesromane ist ein echtes Juwel \u2013\u00a0vorausgesetzt, man nimmt ihn nicht allzu ernst und liegt auf Cabots Humor-Wellenl\u00e4nge. Das Buch besticht n\u00e4mlich weniger mit seiner (m\u00e4\u00dfig originellen) Handlung, sondern viel mehr mit den wunderbaren, charmanten und am\u00fcsanten Protagonisten, und spr\u00fcht nur so vor Witz und Situationskomik. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: Educating Caroline<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: London, 1870. Lady Caroline Linford ist entsetzt, als sie ihren Verlobten in flagranti erwischt. Doch anstatt die Verlobung zu l\u00f6sen \u2013 was eine Schande f\u00fcr die Familie w\u00e4re \u2013 m\u00f6chte Caroline das Herz des untreuen Marquis f\u00fcr sich erobern. 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