{"id":7687,"date":"2010-08-19T15:30:21","date_gmt":"2010-08-19T13:30:21","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7687"},"modified":"2010-09-11T15:17:05","modified_gmt":"2010-09-11T13:17:05","slug":"rezension-daniel-glattauer-gut-gegen-nordwind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7687","title":{"rendered":"[Rezension] Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind"},"content":{"rendered":"<p>Emmi und Leo, Teil 1<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3442465869\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3442465869.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3552061290\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3552061290.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899037006\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3899037006.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt: <\/strong><br \/>\nGibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr gelebte Sehns\u00fcchte als den virtuellen? Bei Leo Leike landen irrt\u00fcmlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus H\u00f6flichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen f\u00fchlt, schreibt sie zur\u00fcck. Bald scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann es zum ersten pers\u00f6nlichen Treffen kommt, aber diese Frage w\u00fchlt beide so sehr auf, dass sie die Antwort lieber noch eine Weile hinausz\u00f6gern. Au\u00dferdem ist Emmi gl\u00fccklich verheiratet. Und Leo verdaut gerade eine gescheiterte Beziehung. Und \u00fcberhaupt: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgef\u00fchle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?<\/p>\n<p><strong>Kommentar: <\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>Leo \u00fcber seine \u00c4ngste bzgl. eines Treffens:<\/strong><br \/>\n\u00bbWir starten von der Ziellinie weg und es gibt nur eine Richtung: zur\u00fcck. Wir steuern auf die gro\u00dfe Ern\u00fcchterung zu. Wir k\u00f6nnen das nicht leben, was wir schreiben. Wir k\u00f6nnen die vielen Bilder nicht ersetzen, die wir uns voneinander ausmalen. Es wird entt\u00e4uschend sein, wenn Sie hinter der Emmi zur\u00fcckbleiben, die ich kenne. Und Sie <em>werden<\/em> dahinter zur\u00fcckbleiben \u2026 \u00ab<\/p>\n<p><strong>Antwort Emmi:<\/strong><br \/>\n\u00bbUnd t\u00e4glich sterben Hunderte Tierarten aus.\u00ab <\/p><\/blockquote>\n<p>Zum Einstieg ein kleines Outing: Ich kenne die Situation, die Emmi und Leo durchleben, sehr gut \u2013 und zwar aus erster und aus zweiter Hand. Insofern hat mich dieser E-Mail-Roman nat\u00fcrlich sehr interessiert und ich kann vollkommen nachvollziehen, wie es den beiden ergeht: Wie sie unverhofft aufgrund einiger sch\u00f6ner Worte und Kommentare ein Interesse aneinander entwickeln; wie schnell der Mailkontakt enger und essentieller Bestandteil des t\u00e4glichen Lebens wird; wie sie sich schlie\u00dflich ineinander verlieben, ohne das zu wollen; dass sie sich unbedingt treffen wollen, aber Angst davor haben, weil ein Treffen alles zerst\u00f6ren k\u00f6nnte; dass sie sich ab einem gewissen Punkt nur noch im Kreis drehen, weil nichts voran geht und die Situation immer unertr\u00e4glicher wird; dass sie versuchen, sich zur\u00fcckzuziehen und die selbstgeschaffene Distanzierung nicht lange durchhalten; dass am Ende eine Entscheidung getroffen werden muss, die einen reinen Online-Kontakt auf irgendeine Weise beendet. Die Entwicklung der Beziehung inklusive des fast besessenen Kreisens um das Thema Treffen und all der damit verbundenen \u00c4ngste halte ich f\u00fcr \u00e4u\u00dferst realistisch; Leo bringt es an einer Stelle auf die Frage, was er denn zu verlieren habe, wunderbar auf den Punkt: \u00bbErstens: Sie. Zweitens: Mich. Drittens: Uns.\u00ab<\/p>\n<p>F\u00fcr weit weniger realistisch halte ich allerdings die Tatsache, dass sich ein Mann wie Leo \u2013 beziehungsgesch\u00e4digt, aber klug, sanft, gutaussehend, wortgewandt, manchmal etwas realit\u00e4tsfern, verkl\u00e4rt und pathetisch (\u00bbEmmi schreiben ist Emmi k\u00fcssen.\u00ab) und mit Hang zum Seelenstriptease nach zu viel Alkoholgenuss (\u00bbWelche Frauen mir gefallen? Frauen, die so aussehen, wie Sie schreiben.\u00ab) \u2013 ausgerechnet in eine Frau wie Emmi verliebt. Anfangs fand ich ihre scharfz\u00fcngige, zynische Art noch faszinierend und ziemlich am\u00fcsant, nach einer Weile allerdings ist sie mir nur noch auf die Nerven gegangen. Emmi vereint so ziemlich alle negativen Eigenschaften in sich, die ich absolut nicht leiden kann, sie ist: arrogant, zickig, aggressiv, schnippisch, unversch\u00e4mt, egoistisch, eifers\u00fcchtig, taktlos, belehrend, vereinnahmend, paranoid, wankelm\u00fctig, oberlehrerhaft, neurotisch, herablassend, rechthaberisch, kindisch, melodramatisch, besitzergreifend, st\u00e4ndig stichelnd, negativ, oberfl\u00e4chlich (aussehensfixiert), manipulativ. Zudem ist sie eine dieser selbsternannten M\u00e4nnerversteherinnen mit feministischem Touch, die besser als jeder Mann wissen, wie M\u00e4nner sind (sexfixiert, im Wesentlichen). Dass sie ihre beste Freundin Mia schlecht macht, l\u00e4sst Emmi auch nicht gerade in meinem Ansehen steigen \u2013 bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Eifersucht.  <\/p>\n<p>Ich stand nach etwa siebzig Seiten da, fand die ganze Situation zwar realistisch, aber das st\u00e4ndige Kreiseln um die Frage \u00bbWo soll das alles hinf\u00fchren? Sollen wir uns treffen oder lieber nicht?\u00ab zu diesen Zeitpunkt auch schon ziemlich nervig. Ich hab die weibliche Hauptperson von Seite zu Seite mehr gehasst und mich permanent gefragt, wieso sich Leo nur so heftig in eine Frau verliebt, die das Zuckerbrot-und-Peitsche-Spielchen in konkurrenzloser Perfektion betreibt. (Wahrscheinlich ist die Frage falsch und genau dieses Verhalten macht sie so interessant f\u00fcr ihn.) Ich war wirklich kurz davor, das Buch abzubrechen, hab dann aber beschlossen, noch mal kurz ins hochgelobte H\u00f6rbuch reinzuh\u00f6ren, gelesen von Andrea Sawatzki und Christian Berkel. Was soll ich sagen; die beiden haben die Geschichte f\u00fcr mich gerettet \u2013\u00a0ich konnte gar nicht mehr aufh\u00f6ren und hab das Audiobook an einem St\u00fcck zuende geh\u00f6rt, so unterhaltsam fand ich den Vortrag der beiden. Das bedeutet nicht, dass Emmi ihre oben aufgez\u00e4hlten schlechten Eigenschaften abgelegt h\u00e4tte, aber dank Sawatzkis Interpretation kommt die Figur im H\u00f6rbuch nicht mehr ganz so negativ bei mir an wie ich sie mir gelesen habe; Sawatzki macht sie ertr\u00e4glich. Und Berkel als Leo \u2026 der k\u00f6nnte mir ein Telefonbuch vorlesen und ich w\u00fcrde weiche Knie kriegen! <\/p>\n<p>Zuletzt noch: Dass sich Emmi und Leo bis fast zum Schluss siezen, ist mehr als unrealistisch. Das w\u00fcrde in Internetzeiten im Rahmen einer solchen Kommunikation garantiert nicht passieren. Au\u00dferdem sind mir alle Beteiligten sprachlich zu gewandt und die Mails stilistisch reichlich hochgestochen. Mir ist klar, dass Leo Sprachforscher und deshalb rhetorisch sicher versiert ist, aber trotzdem wirkt die Kommunikation teilweise nicht sehr authentisch. <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n10\/15 \u2013 Allerdings nur f\u00fcr die H\u00f6rbuchversion und die gro\u00dfartige Interpretation von Andrea Sawatzki und Christian Berkel. Dem Buch h\u00e4tte ich wohl nicht mehr als 5\u20137 Punkte gegeben, weil mir der Draht zu Emmi komplett abging und die Geschichte bei aller Realit\u00e4tsn\u00e4he ganz sch\u00f6n erm\u00fcdend war.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 0.85em; \"><strong>Serieninfo:<\/strong><br \/>\n01 Gut gegen Nordwind <a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7687\">(Rezension)<\/a><br \/>\n02 Alle sieben Wellen <a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7688\">(Rezension)<\/a> <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Emmi und Leo, Teil 1<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: Gibt es in einer vom Alltag besetzten Wirklichkeit einen besser gesch\u00fctzten Raum f\u00fcr gelebte Sehns\u00fcchte als den virtuellen? Bei Leo Leike landen irrt\u00fcmlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus H\u00f6flichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen f\u00fchlt, schreibt sie zur\u00fcck. 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