{"id":7663,"date":"2010-08-06T18:59:43","date_gmt":"2010-08-06T16:59:43","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7663"},"modified":"2010-09-28T16:23:17","modified_gmt":"2010-09-28T14:23:17","slug":"rezension-peter-mayle-ein-diebisches-vergnugen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7663","title":{"rendered":"[Rezension] Peter Mayle: Ein diebisches Vergn\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: The Vintage Caper<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3896674269\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3896674269.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0307389197\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/0307389197.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt: <\/strong><br \/>\nEinen solch heiklen Fall hat die ebenso intelligente wie attraktive Elena Morales noch nie in ihrer Versicherung bearbeiten m\u00fcssen: Als Sanit\u00e4ter getarnte Diebe haben den Weinkeller eines reichen Anwalts aus Los Angeles leer ger\u00e4umt und sind in einem Krankenwagen mit 600 Flaschen edelsten franz\u00f6sischen Weines im Wert von drei Millionen Dollar entkommen. Als Komplize dabei war der Hausmeister des Anwalts, der den Dieben das Tor \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Elena will den Schaden vorerst nicht begleichen, zu obskur scheint ihr der Fall, zu schleppend laufen die polizeilichen Ermittlungen an. Gl\u00fccklicherweise ist ihr Teilzeitgeliebter Sam Levitt frankophil und ein Weinkenner von hohen Gnaden. Da er zwischenzeitlich auf die schiefe Bahn geraten ist und dringend Geld braucht, kann er Elenas Angebot nicht ausschlagen: Er soll den gestohlenen Wein aufsp\u00fcren. Nur im Erfolgsfall erh\u00e4lt er einen Lohn. Die Intuition sagt ihm: Wenn ausschlie\u00dflich franz\u00f6sischer Wein geraubt wurde, muss es sich um eine Art patriotischen Diebstahl handeln, um eine R\u00fcckf\u00fchrung des Weines in seine Heimat. Die Spur f\u00fchrt nach Marseille, und Sam nimmt sie auf seine Weise auf: lustvoll, unkonventionell und unversch\u00e4mt raffiniert. <\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nIch will es einigerma\u00dfen kurz machen, denn viel gibt das Buch auch gar nicht her. Obwohl die Grundidee, der Weindiebstahl, eigentlich ganz nett und mal was anderes ist, bietet der Kriminalfall bestenfalls Stoff f\u00fcr eine Kurzgeschichte. Deshalb ist er gro\u00dfz\u00fcgig angereichert mit zahlreichen Nebenthemen rund um die franz\u00f6sische Lebensart jeder Couleur: In aller Ausf\u00fchrlichkeit erf\u00e4hrt der Leser jede Menge Details \u00fcber Geb\u00e4ude und Stra\u00dfenz\u00fcge sowie Mode und franz\u00f6sische L\u00e4ssigkeit, \u00fcber Weing\u00fcter, Weingeschmack, Weingeschichte und Grundsatzfragen rund um den Wein, etwa: \u00bbAus welchem Land kommt der beste Wein?\u00ab (ratet!), \u00bbSind Schraubverschl\u00fcsse Korken vorzuziehen?\u00ab oder \u00bbGibt es den perfekten Gaumen?\u00ab Und weil Detektiv Sam und seine bordelaise Assistentin Sophie w\u00e4hrend ihrer Ermittlung au\u00dfer Weintrinken im wesentlichen Essen, bleiben ausf\u00fchrliche Beschreibungen von Nobelrestaurants und unverf\u00e4lschten, charmanten, touristenfreien Klitschen, von Men\u00fcfolgen, Speisen, kulturellen Geschmacksunterschieden (Innereien sind toll, auch wenn Amerikaner sie nicht zu sch\u00e4tzen wissen) und Esstechniken (etwa der des Austernessens) nicht aus. \u00dcblicherweise tragen solche Dinge zum Flair eines Buches bei und ich mag Einblicke in eine Kultur durchaus gerne, doch hier ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Kriminalfall und kulturellen Aspekten vollkommen unausgewogen und macht deshalb keinen Spa\u00df mehr \u2013\u00a0zumindest nicht, wenn man einen Krimi und keine Glorifizierung Frankreichs lesen will. <\/p>\n<p>Wie Hauptfigur Sam, verbrecherischer Ex-Jurist, es zum Versicherungsdetektiv gebracht hat, ist unklar; er d\u00fcrfte n\u00e4mlich zu den unf\u00e4higsten Ermittlern geh\u00f6ren, die mir je begegnet sind: Selbst die naheliegendsten Dinge kommen ihm nicht in den Sinn und m\u00fcssen ihm von Dritten \u2013 meist in Gestalt einer sch\u00f6nen Frau \u2013 eingefl\u00fcstert werden. Das verwundert allerdings nicht weiter, wenn man sich seine Grundregel bei kriminaltechnischen Ermittlungen betrachtet: \u00bbUm den Tathergang zu verstehen, muss man zum Ausgangspunkt zur\u00fcckkehren. Und der befindet sich in diesem Fall im Herkunftsland des gestohlenen Weines.\u00ab (S. 61) Nun ja \u2026 zumindest ist es ein guter Grund f\u00fcr eine Reise ins gelobte franz\u00f6sische Land, wie sogar Auftraggeberin Elena erkennt, die \u00fcbrigens praktisch keine Rolle spielt, obwohl sie im Klappentext so prominent erw\u00e4hnt wird. <\/p>\n<p>Zur mangelhaften Ausarbeitung des Kriminalfalls und den wenig \u00fcberzeugenden Ermittlern passt dann das Ende, das zumindest mal ungew\u00f6hnlich ist. Obwohl ich pers\u00f6nlich einen vielleicht langweiligen, aber \u00bbvern\u00fcnftigen\u00ab Ausgang einer Geschichte bevorzuge, kann ich normalerweise auch mit unorthodoxen Aufl\u00f6sungen leben \u2013\u00a0vorausgesetzt, sie sind gut begr\u00fcndet und nachvollziehbar. In diesem Fall ist das aber leider nicht so, insofern ist auch der Ausgang der Geschichte eher unfassbar denn \u00fcberzeugend. <\/p>\n<p>Hinzu kommen dann noch Erz\u00e4hltechniken, die mir so gar nicht liegen. Zahllose Figurenperspektiven, die komplett unn\u00f6tig sind, sind das erste \u00c4rgernis: Das Buch startet aus der Sicht des Weinsammlers, der sp\u00e4ter bestohlen wird, und geht \u00fcber in die Perspektive des Diebes. Anschlie\u00dfend ist erneut der Weinsammler am Zug; seine Perspektive geht mitten im Gespr\u00e4ch auf Versicherungsfrau Elena \u00fcber, bevor irgendwann endlich Ermittler Sam ins Spiel kommt, dessen Assistentin Sophie nat\u00fcrlich ebenfalls Teile der Geschichte schildern darf. Zu allem \u00dcberfluss wird die Erz\u00e4hlung aus der Sicht einer Person durch vereinzelte Gedanken einer anderen Figur unterbrochen, und zwischenzeitlich meldet sich auch noch immer wieder ein allwissende Erz\u00e4hler zu Wort. Das geht einfach gar nicht. <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n5\/15 \u2013 Eine Geschichte, die sich leicht und locker nebenbei weglesen l\u00e4sst, die aber eigentlich kein Krimi, sondern eine Liebeserkl\u00e4rung an Frankreich und die franz\u00f6sische Kultur ist. Angesichts des Hintergrunds von Peter Mayle, einem nach Frankreich ausgewanderten Briten, der seine Erlebnisse in der neuen Heimat schon in mehreren B\u00fcchern (u.a. \u00bb<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3426032481\/ueberalles-21\">Mein Jahr in der Provence<\/a>\u00ab) sehr erfolgreich verarbeitet hat, ist das wohl keine echte \u00dcberraschung; vielleicht h\u00e4tte er dabei bleiben sollen, statt sich aufs Krimigenre zu verlagern. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: The Vintage Caper<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: Einen solch heiklen Fall hat die ebenso intelligente wie attraktive Elena Morales noch nie in ihrer Versicherung bearbeiten m\u00fcssen: Als Sanit\u00e4ter getarnte Diebe haben den Weinkeller eines reichen Anwalts aus Los Angeles leer ger\u00e4umt und sind in einem Krankenwagen mit 600 Flaschen edelsten franz\u00f6sischen Weines im Wert von [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[59,82],"tags":[107,339,565],"class_list":["post-7663","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-krimi","category-note4","tag-5-punkte","tag-frankreich","tag-krimi","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7663"}],"collection":[{"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7663"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7663\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9044,"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7663\/revisions\/9044"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}