{"id":7173,"date":"2010-07-08T16:26:22","date_gmt":"2010-07-08T14:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7173"},"modified":"2010-07-08T16:27:19","modified_gmt":"2010-07-08T14:27:19","slug":"rezension-jennifer-crusie-die-naschkatzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7173","title":{"rendered":"[Rezension] Jennifer Crusie: Die Naschkatzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: Welcome to Temptation<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3442448964\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3442448964.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0330482335\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/0330482335.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt: <\/strong><br \/>\nVon Ruhe auf dem Lande kann keine Rede sein: Als die Schwestern Sophie und Amy Dempsey einen Kurzfilm in dem verschlafenen Nest Temptation in Ohio drehen wollen, wirbeln sie viel Staub auf. Die wohlanst\u00e4ndigen Bewohner hegen abenteuerliche Vermutungen, was das Thema des Films anbelangt, und sehen die Moral der Gemeinde gef\u00e4hrdet. Als sich der B\u00fcrgermeister Phineas Tucker in Sophie verliebt, scheint der Skandal perfekt. Und dann wird auch noch eine Leiche gefunden\u00a0\u2026<\/p>\n<p><strong>Kommentar: <\/strong><br \/>\nSusi ist schuld, dass ich mich mit diesem Buch rumgequ\u00e4lt habe \u2013\u00a0ich hab auf ihren <a href=\"http:\/\/susis-buecherblog.blogspot.com\/2010\/06\/blogparade-luftig-leichte-bucher-fur.html\">Sommerlekt\u00fcrentipp<\/a> geh\u00f6rt! Aber gut, vielleicht ist das die ausgleichende Gerechtigkeit daf\u00fcr, dass ich ihr \u00bb<a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=606\">Kiss the Cook<\/a>\u00ab von Jacquie D&#8217;Alessandro und einen neuen Versuch mit Lisa Kleypas aufgequatscht habe; beides ein Schlag ins Wasser f\u00fcr sie! ;)<\/p>\n<p>Das \u00c4rgernis f\u00e4ngt schon mit Titel und Cover an. Normalerweise bin ich als Nackenbei\u00dfer-Leserin diesbez\u00fcglich ja ziemlich hart im Nehmen und greif das Thema gar nicht mehr auf, aber hier m\u00f6chte ich doch mal die Frage in den Raum stellen, was sich der Verlag wohl dabei gedacht hat, das Buch \u00bbDie Naschkatzen\u00ab zu nennen und prominent Kirschen aufs Cover packen? Kirschen kommen immerhin in Form einer bedruckten K\u00fcchentapete vor, wobei sich nur leider im Laufe der Zeit herausstellt, dass die Kirschen gar keine Kirschen, sondern verungl\u00fcckte \u00c4pfel sind. Von Naschkatzen ist hingegen weit und breit nichts zu sehen, weder in zwei- noch in vierbeiniger Gestalt, und Essen spielt nicht mal eine untergeordnete Rolle in diesem Buch. Warum also \u00fcbertr\u00e4gt man nicht einfach den Originaltitel ins Deutsche und nennt das Buch \u00bbWillkommen in Temptation\u00ab? Ein h\u00fcbsches Ortsschild dazu, evtl. ein bisschen Landschaft \u2013\u00a0fertig ist die Sache. Das w\u00e4re sicher nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig originell, aber immerhin auch nicht v\u00f6llig daneben. <\/p>\n<p>Nun aber zu den wirklich wesentlichen Dingen, zun\u00e4chst zur Handlung. Erwartet hatte ich eigentlich ein lustiges, vielleicht skurriles Buch, gekriegt hab ich g\u00e4hnende Langeweile. Die Geschichte ist ein Mischmasch aus unterschiedlichsten Themen, als da w\u00e4ren: die schwierige Familiensituation der Geschwister Dempsey, die unerquickliche Mutter-Sohn-Beziehung zwischen B\u00fcrgermeister Phineas und seiner Mutter Liz, die b\u00fcrgerliche Spie\u00dfigkeit und Pr\u00fcderie sowie der Kampf ums B\u00fcrgermeisteramt in einer amerikanischen Kleinstadt, eine Mordaufkl\u00e4rung und nat\u00fcrlich die Beziehung zwischen Sophie und Phineas. Mit einem Wort: Die Handlung ist heillos \u00fcberladen. Dennoch h\u00e4tte man wohl was daraus machen k\u00f6nnen; gerade die spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Einwohner h\u00e4tten jede Menge Angriffspunkte liefern k\u00f6nnen, um einen netten Rahmen f\u00fcr eine sch\u00f6ne Liebesgeschichte zu bilden. Stattdessen bietet uns die Autorin jede Menge Unsinnigkeiten, schreckliche Sexszenen und ausnahmslos furchtbare, nervige Figuren. <\/p>\n<p><!--more-->Protagonistin Sophie hat nach dem fr\u00fchen Tod der Mutter die Verantwortung f\u00fcr ihre beiden j\u00fcngeren Geschwister \u00fcbernommen und ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse seit jeher zur\u00fcckgesteckt. W\u00e4hrend Bruder Davy inzwischen in L.A. herumgaunert, betreibt Sophie gemeinsam mit ihrer Schwester Amy ein kleines Filmstudio, das Hochzeiten und andere Festivit\u00e4ten f\u00fcr Privatpersonen dreht. Amy kommt dabei der kreative, innovative Part zu, w\u00e4hrend Sophie f\u00fcrs solide Handwerk verantwortlich ist. Das entspricht auch dem Charakter der beiden Schwestern: Sophie ist vern\u00fcnftig, superspie\u00dfig und pr\u00fcde, Amy hingegen ach so locker, spontan und emotional. Tatsache ist: Beide Frauen sind auf ihre ganz eigene Weise unsympathisch. Amy macht, was sie will, und Sophie nickt es resigniert ab. Dieses Muster gipfelt darin, dass Amy beschlie\u00dft, nach L.A. zu gehen, um dort eine gro\u00dfe Nummer im Filmgesch\u00e4ft zu werden. Nicht nur dreht sie zu diesem Zweck einen Dokumentarfilm, der die geheimen Sexbeichten ihrer Schwester enth\u00e4lt, sondern sie schlie\u00dft dar\u00fcber hinaus auch noch eigenm\u00e4chtig das seit Jahren gemeinsam betriebene Gesch\u00e4ft der beiden \u2013 zu ihrer beider Wohl, wie sie betont, denn sie m\u00f6chte, dass auch Sophie frei ist, etwas anderes, neues anzufangen. Das Bekloppteste daran ist aber noch nicht mal Amys Vorgehen und Vertrauensbruch; nein, viel schlimmer ist die Tatsache, dass Sophie sich gar nicht weiter dar\u00fcber aufregt, sondern es einfach so akzeptiert, statt zu toben \u2013 was die nat\u00fcrliche Reaktion w\u00e4re. Andererseits erweist sich die Gesch\u00e4ftsaufgabe letztendlich tats\u00e4chlich als sehr praktisch, denn dann muss Sophie auch nichts aufgeben, wenn sie nach Temptation umsiedelt. Welch grandioses Konstrukt der Autorin!<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu Sophies Pr\u00fcderie. Wie so oft wird die verklemmte Hauptperson durch eine dumme Bemerkung aufger\u00fcttelt und veranlasst, alles anders machen zu wollen. Diesmal reicht die Unterstellung, Sophie sei \u00bbgeschlechtslos\u00ab, aus, um eine Komplettwandlung der 32-j\u00e4hrigen herbeizuf\u00fchren: Sie ist daraufhin n\u00e4mlich der Meinung, sich und der Welt beweisen zu m\u00fcssen, dass sie nicht geschlechtslos, sondern ein hei\u00dfer Feger ist. Vor dem ersten Sex muss sie die traute Zweisamkeit noch mal kurz mittendrin unterbrechen, um ihren langweiligen Freund telefonisch abzuschie\u00dfen, den sie keinesfalls betr\u00fcgen kann; anschlie\u00dfend kann ihre Erweckung aber beginnen. In Windeseile wandelt sie zum Sexmonster \u2013 nachdem ihr grandioser Lover erst mal ihre leicht exhibitionistischen und masochistischen Neigungen erkannt hat.<\/p>\n<p>Der hilfreiche Herr, der f\u00fcr Sophies sexuelle Emanzipation verantwortlich ist, nennt sich schrecklicherweise Phineas. Also bitte, Phineas! Wie um alles in der Welt kann man denn einen Liebesromanhelden Phineas nennen? Da fallen mir sofort <a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/exec\/obidos\/ASIN\/B001CIEODS\/ueberalles-21\">Harrys<\/a> Ausf\u00fchrungen dar\u00fcber ein, dass man mit M\u00e4nnern mit gewissen Namen keinesfalls gro\u00dfartigen Sex haben kann. (\u00bbSo ein Sheldon hilft dir bei der Einkommenssteuer (\u2026), aber kr\u00e4ftiges Auf und Ab ist nicht seine St\u00e4rke. Das liegt am Namen: \u203aGibs mir, Sheldon! Du Bestie, Sheldon! Mach mich fertig, Sheldon! Klingt nicht.\u2039\u00ab) Nun gut, zugegeben, Phineas kann offenbar trotz seines Namens mit gro\u00dfartigem Sex dienen. Und \u00fcberhaupt ist der B\u00fcrgermeister, gerne ver\u00e4chtlich als \u00bbB\u00fcrgers\u00f6hnchen\u00ab bezeichnet, das genaue Gegenteil von Sophie: selbstbewusst, welterfahren, sexuell aufgeschlossen und \u00fcberaus versiert, dar\u00fcber hinaus au\u00dferdem extrem \u00fcberzeugt von sich. Kurzum: Er ist unertr\u00e4glich. Ganz besonders dann, wenn er sich mal wieder bis zum Erbrechen mit seinen F\u00e4higkeiten als Liebhaber br\u00fcstet und nach Belobigungen heischt (\u00bbSag danke, Phin.\u00ab, S. 178). Au\u00dfer Sexgott ist er noch Buchh\u00e4ndler ohne Profil, begnadeter Hobbyheimwerker, alleinerziehender Vater und unamitionierter B\u00fcrgermeister, der das Amt nur seiner Mutter zuliebe aus\u00fcbt. \u00dcberhaupt spielt seine Mutter eine wesentliche Rolle in seinem Leben, er steht n\u00e4mlich vollkommen unter ihrer Fuchtel und wohnt mit seiner kleinen Tochter bei ihr, seit er sich von seiner inzwischen verstorbenen Frau getrennt hat. Doch nicht nur, weil er mit Mitte 30 immer noch bei seiner Mutter wohnt, ist er mir suspekt; ich kann mich nicht an eine Szene im ganzen Buch erinnern, in der er mir auch nur ansatzweise sympathisch gewesen w\u00e4re. <\/p>\n<p>Zwischen diesen beiden merkw\u00fcrdigen Hauptfiguren entspinnt sich eine ebenso seltsame Beziehung, wobei v\u00f6llig unklar ist, was sie eigentlich voneinander wollen und wie\/ob sich ihr Verh\u00e4ltnis zueinander entwickelt. Phineas sagt jedem, der es h\u00f6ren will (oder auch nicht), dass er nur Sex will, und Sophie behauptet dasselbe; so ganz kauft man ihnen das aber nicht ab. Dennoch: Zwischen den beiden h\u00e4tte sich vielleicht nie was getan, w\u00fcrde nicht Sophies schurkischer Bruder Davy auftauchen und die Dinge in die Hand nehmen. Nachdem er zun\u00e4chst extrem hasserf\u00fcllt auf Phin reagiert, beschlie\u00dft er irgendwann urpl\u00f6tzlich und ohne jeden ersichtlichen Grund, dass die beiden f\u00fcreinander geschaffen sind. Er redet also zun\u00e4chst der wehrhaften Sophie ein, dass Phin ihr Mann ist, und schl\u00e4gt dann peinlicherweise auch noch bei Phineas auf, um ihm bei einer gepflegten Partie Pool, die eingehendst beschrieben wird, mit markigen Worten deutlich zu machen, dass Sophie ihn will. \u00bbMeine Wahl w\u00e4rst du nicht, aber Sophie will dich, und deshalb wirst du sie heiraten.\u00ab Wie sch\u00f6n, wenn man einen Bruder hat, der sich um alles k\u00fcmmert, eh? Bl\u00f6derweise ist Phineas nicht so einfach zu \u00fcberzeugen, aber der Stein ist ins Rollen gebracht \u2013 zumal dieser durchschlagenden Argumentation ja nun wirklich nichts entgegenzusetzen ist. Man n\u00e4hert sich also an, doch kurz, bevor man zusammenkommt, m\u00fcssen noch ein paar alberne Konflikte her, die in einem b\u00f6sen Streit gipfeln. Das drohende Happy-End wird zugunsten von ein bisschen mehr Drama also erst mal abgewendet \u2013 als w\u00e4r das Buch nicht eh schon lang genug!<\/p>\n<p>Wir haben da ja n\u00e4mlich noch eine dritte Erz\u00e4hlerin neben Phineas und Sophie, eine gewisse Rachel. Sie ist zwanzig und will raus aus Temptation, weshalb sie sich erst an Amy und Sophie und schlie\u00dflich an den Pornoproduzenten Leo h\u00e4ngt und uns mit ihrem uninspiriertem Blick aufs Geschehen behelligt \u2013 warum diese Erz\u00e4hlperspektive \u00fcberhaupt existiert, ist mir v\u00f6llig schleierhaft. \u00dcberdies ist da noch die Geschichte vom Homecoming-Film der Schauspielerin Clea zu erz\u00e4hlen, den Amy und Sophie in Temptation drehen sollen, und der sich im Laufe der Handlung zu einem Porno wandelt und die Stadt ins Chaos st\u00fcrzt. Und nat\u00fcrlich gilt es auch, den Mord an Cleas erpresserischem Exmann Zane aufzukl\u00e4ren, f\u00fcr den jeder Bewohner der Stadt verantwortlich zu sein glaubt und dessen Leiche vor dem Fund ordentlich in der Gegend herumgeschleppt wurde. Unter anderem auch von den Dempsey-Geschwistern; Amy hat die Leiche n\u00e4mlich am Steg gefunden, an dem am n\u00e4chsten Tag gedreht werden soll. Damit er die Dreharbeiten nicht behindert, hat sie ihn mit Davys Hilfe flugs in den Duschvorhang eingewickelt und fortgeschafft. (Sagte ich schon mal, dass ich es hasse, wenn die Figuren so derma\u00dfen dumm handeln?!) Als w\u00e4re das immer noch nicht genug, trachtet auch noch jemand Sophie nach dem Leben \u2013 man darf wirklich froh sein, dass Phineas auf der Suche nach Sophies Widersacher nicht unter die R\u00e4der kommt und\/oder seine Tochter entf\u00fchrt, Davy verhaftet und Amy vom Sheriff schwanger wird. Irgendjemand hat die Autorin am Ende wohl doch bez\u00e4hmt, bevor sie weitere Verwicklungen einbringen konnte.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr kriegen wir es mit einer Vielzahl verungl\u00fcckter (dummer) Spr\u00fcche zu tun, die vermutlich witzig sein sollen, sowie mit einer Vielzahl seltsamer Dialoge, bei denen gerne mal zwischen verschiedenen Themen hin- und hergesprungen wird und denen man deshalb nicht oder nur bedingt folgen kann. Teilweise wirken die Gespr\u00e4che schlicht unfertig und nicht durchdacht, an manchen Stellen dr\u00e4ngt sich allerdings auch der Verdacht auf, dass die \u00dcbersetzung f\u00fcr das Chaos verantwortlich sein k\u00f6nnte. Dies wirkt n\u00e4mlich teils etwas holprig; m\u00f6glicherweise ist der Witz des Originals unterwegs verloren gegangen.<\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n5\/15 \u2013 Doofe Figuren, \u00fcberladene Handlung, kaum Witz \u2013 mein erster Crusie war nicht gerade ein Gl\u00fccksgriff. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: Welcome to Temptation<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: Von Ruhe auf dem Lande kann keine Rede sein: Als die Schwestern Sophie und Amy Dempsey einen Kurzfilm in dem verschlafenen Nest Temptation in Ohio drehen wollen, wirbeln sie viel Staub auf. 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