{"id":7134,"date":"2010-07-10T11:09:31","date_gmt":"2010-07-10T09:09:31","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7134"},"modified":"2010-07-10T11:09:31","modified_gmt":"2010-07-10T09:09:31","slug":"rezension-isabel-abedi-whisper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=7134","title":{"rendered":"[Rezension] Isabel Abedi: Whisper"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3401029991\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3401029991.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3867426007\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3867426007.jpg\" \/><\/a> <\/p>\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nEine unwirkliche Stille liegt \u00fcber Whisper, dem alten Haus, dr\u00fcckend und gef\u00e4hrlich. Als Noa es das erste Mal betritt, ist sie gleicherma\u00dfen ergriffen von Furcht und neugieriger Erwartung. Doch niemand au\u00dfer ihr scheint zu sp\u00fcren, dass das alte Geb\u00e4ude ein lang geh\u00fctetes Geheimnis birgt &#8230;<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nNachdem ich im Herbst letzten Jahres so begeistert von \u00bb<a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=3058\">Lucian<\/a>\u00ab war, hab ich mir direkt auch \u00bbWhisper\u00ab besorgt, das 2006 f\u00fcr den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert war und dessen Beschreibung mich sehr angesprochen hat. Wie es halt so geht, stand das Buch trotzdem eine ganze Weile im Regal; jetzt hab ichs aber endlich wieder hervorgekramt \u2013\u00a0dank des <a href=\"http:\/\/eltragalibros.bplaced.net\/filemanager\/wordpress\/?p=3909\">SuB-Losverfahrens<\/a>. <\/p>\n<p>Im Zentrum der Geschichte steht die 18-J\u00e4hrige Noa aus Berlin, die mit ihrer Mutter Kat, einer ber\u00fchmten Schauspielerin, und deren schwulem Freund Gilbert den Sommer in einem Haus auf dem Land verbringt. Sofort bemerkt das M\u00e4dchen die unheimliche Atmosph\u00e4re in dem alten Gem\u00e4uer; sie f\u00fchlt sich beobachtet und nimmt immer wieder einen fremden Duft wahr. Als eines  Abends beim Gl\u00e4serr\u00fccken der Geist eines toten M\u00e4dchens namens Eliza erscheint, das behauptet, in dem alten Bauernhaus ermordet worden zu sein, hat Noa keine Zweifel, dass die Erscheinung echt ist. Gemeinsam mit David, einem Jungen aus dem Dorf, macht sie sich auf die Suche nach dem M\u00f6rder, st\u00f6\u00dft bei den Dorfbewohnern aber auf eine Mauer des Schweigens. Angetrieben von Elizas Erscheinungen geben sie aber dennoch nicht auf, und decken schlie\u00dflich lang geh\u00fctete Geheimnisse auf. <\/p>\n<p>\u00bbWhisper\u00ab ist eigentlich eine ganz klassische Grusel- bzw. Geistergeschichte, die das altbekannte Motiv aufgreift, dass der Geist eines Ermordeten so lange am Tatort gefangen ist, bis der M\u00f6rder gefasst wird. Das Buch startet entsprechend schaurig, doch die G\u00e4nsehautstimmung verliert sich im Laufe der Handlung zwischen der Liebesgeschichte zwischen Noa und David, dem ewig schwelenden Mutter-Tochter-Konflikt, der Emanzipation bzw. Selbstfindung Noas und der wenig planvollen M\u00f6rdersuche. Hinsichtlich der Mordaufkl\u00e4rung bleiben einige Fragen offen, zum Beispiel die nach dem Grund f\u00fcr die extreme Handlungsweise des M\u00f6rders fr\u00fcher. Auch erschie\u00dft sich nicht, warum die vorgestellten Dorfbewohner so verschlossen sind und so handeln und reagieren, wie sie es tun; ein paar Seiten mehr, um die Nebenfiguren und die Konstellationen zwischen ihnen besser beleuchten zu k\u00f6nnen, h\u00e4tten dem Buch wahrscheinlich gut getan. Ingesamt konnte mich die Handlung nicht recht fesseln, ich musste mich phasenweise wirklich zum Weiterlesen zwingen bzw. konnte mich nicht zum Weiterlesen durchringen; es kam einfach keine Spannung auf. <\/p>\n<p>Obwohl den meisten Nebenfiguren aber eine gewisse Tiefe fehlt, sind sie grunds\u00e4tzlich ganz interessant angelegt \u2013\u00a0wenn auch nicht zwingend sympathisch. Letzteres gilt insbesondere f\u00fcr Noas exzentrische Mutter Kat, die \u2013 bis auf wenige Ausnahmen \u2013\u00a0durchgehend unertr\u00e4glich ist (das scheinen M\u00fctter in Abedis B\u00fccher gemeinsam zu haben). Ehrlich gesagt erschien mir die Figur \u00fcberdies nur bedingt glaubw\u00fcrdig, weil sie viel zu extrem und klischeebeladen ist. Nicht alle Schauspieler sind Exzentriker und lieben es, sich in Ruhm, Bewunderung und Ber\u00fchmtheit zu sonnen; im Gegenteil: Die echten Gr\u00f6\u00dfen (und eine solche scheint Kat ja zu sein) haben das gar nicht n\u00f6tig. Wie es kommt, dass der parapsychologisch interessierte schwule Gilbert, offensichtlich Vaterfigur f\u00fcr Noa und Kat, weil er so wunderbar besonnen, unaufgeregt und verl\u00e4sslich ist, mit dieser Frau befreundet ist, erschlie\u00dft sich nicht. <\/p>\n<p>Noa und David, die Hauptfiguren, sind hingegen gut gelungen. Noa ist ganz sympathisch, wenngleich relativ introvertiert und bisweilen etwas zickig. Ihr Charakter ist deutlich gepr\u00e4gt von der dominanten Mutter, die nie f\u00fcr sie da war, und einem Erlebnis mit einem Jungen, das ihr nicht gerade Vertrauen ins m\u00e4nnliche Geschlecht gegeben hat. Dass sie sich dennoch in den ruhigen, manchmal etwas verschlossenen und aggressiv auf pers\u00f6nliche Fragen reagierenden David verliebt, der sich so aufopferungsvoll um seinen Familie und seinen behinderten Bruder k\u00fcmmert, passt. Der Verlauf ihrer Beziehung, Noas langsame \u00d6ffnung, ist wirklich sehr gef\u00fchlvoll und glaubw\u00fcrdig dargestellt. <\/p>\n<p>Den einzelnen Kapiteln sind Tagebucheintr\u00e4ge von Eliza vorangestellt, dem ermordeten M\u00e4dchen. Sie sind raffiniert verwoben mit der aktuellen Handlung und zeigen dem Leser Parallelen zwischen den Vorkommnissen und Menschen damals und heute. Au\u00dferdem werfen sie nicht gerade ein positives Licht auf die Tote, die nicht nur Opfer ist. Obwohl man sich ihre Handlungsmotivation zusammenreimen kann, erweist sie sich letztendlich als durchtriebene, neiderf\u00fcllte, r\u00fccksichtslose Person.<\/p>\n<p>Wie schon bei \u00bbLucian\u00ab kam mir die Sprache der Personen an einigen Stellen nicht sehr authentisch vor. Verspotten sich Jugendliche wirklich mit Feststellungen wie \u00bbganz sch\u00f6n mager, das H\u00fchnchen\u00ab oder sagen sie Dinge wie \u00bbHolla, die Waldfee?\u00ab? Ich wage es zu bezweifeln, ebenso wie ich bezweifle, dass sich Erwachsene mittleren Alters Ausdr\u00fccken wie \u00bbMein lieber Herr Gesangsverein\u00ab oder \u00bbMein lieber Scholli\u00ab bedienen. Davon abgesehen hat Abedi aber gef\u00fchlvollen, aber klaren Erz\u00e4hlstil, der nicht \u00fcberladen ist und sich fl\u00fcssig lesen l\u00e4sst. <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n9\/15 \u2013 Eine ganz nette Geschichte, der es aber ein wenig an Spannung, Tiefe und f\u00fcr ein Buch dieses Genres auch am Gruselfaktor magelt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<\/p>\n<p>Inhalt: Eine unwirkliche Stille liegt \u00fcber Whisper, dem alten Haus, dr\u00fcckend und gef\u00e4hrlich. Als Noa es das erste Mal betritt, ist sie gleicherma\u00dfen ergriffen von Furcht und neugieriger Erwartung. 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