{"id":6593,"date":"2010-05-06T15:09:44","date_gmt":"2010-05-06T13:09:44","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=6593"},"modified":"2010-06-12T07:53:52","modified_gmt":"2010-06-12T05:53:52","slug":"rezension-andrea-pickens-geliebte-spionin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=6593","title":{"rendered":"[Rezension] Andrea Pickens: Geliebte Spionin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: The Spy Wore Silk<\/strong><br \/>\nSerie: Merlin&#8217;s Maidens, Teil 1<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3404187504\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3404187504.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0446618004\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/0446618004.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nEinst waren sie Waisenkinder aus den rauen Londoner Slums &#8211; nun sind sie auserw\u00e4hlt, an \u00bbMrs. Merlin&#8217;s Academy for Select Young Ladies\u00ab die Kunst der Spionage und der Verf\u00fchrung zu erlernen. Die begabteste dieser Spioninnen ist Siena, die sowohl scharfe Klingen als auch ihre unwiderstehliche Sinnlichkeit einzusetzen wei\u00df. Sie soll als Kurtisane die feine Londoner Gesellschaft aufmischen und in einer exklusiven Gruppe von B\u00fcchersammlern einen Verr\u00e4ter entlarven. Ihr Hauptverd\u00e4chtiger ist Lord Kirtland, der sich jedoch als ebenso geheimnisvoll wie verf\u00fchrerisch erweist. Und schon bald sieht Siena sich vor die Wahl gestellt: Entweder folgt sie ihrem Verstand &#8211; oder ihrem Herzen &#8230;<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nGeschlagene sieben Tage habe ich gebraucht, um dieses Buch zu lesen, weil ich so gelangweilt davon war, dass ich nach sp\u00e4testens zehn Seiten die Lust verloren habe. In einem wahren Kraftakt hab ichs dann heute morgen im Schnelldurchgang hinter mich gebracht \u2013 muss ich mehr sagen? <\/p>\n<p>Ich bin ohnehin kein gro\u00dfer Freund von Spionagegeschichten, dieses Buch z\u00e4hlt ungl\u00fccklicherweise auch noch zu den weniger guten Werken des Genres. Die Geschichte ist n\u00e4mlich nicht nur langweilig, sondern dar\u00fcber hinaus \u2013 inklusive der Aufl\u00f6sung \u2013 ziemlich haneb\u00fcchen. Au\u00dferdem ist Superheldin Siena trotz ihrer angeblich grandiosen Talente nicht gerade eine begnadete Spionin \u2013 sie verliebt sich direkt bei ihrem ersten Auftrag in den Verd\u00e4chtigen Kirtland und gibt nicht viel sp\u00e4ter ihre Tarnung komplett auf, weil sie einfach <em>f\u00fchlt,<\/em> dass er unschuldig ist. Das nenn ich doch mal eine fundierte Einsch\u00e4tzung! Zugegebenerma\u00dfen kann sie ganz gut mit diversen Waffen sowie ihrer Haarnadel umgehen, sodass die M\u00f6glichkeit besteht, weggeschlossene geheime Briefe in ihren Besitz zu bringen; so findet sie etwa heraus, dass einer der Verd\u00e4chtigen sich zum Tatzeitpunkt in \u00bbDr. Erector&#8217;s Health Spa\u00ab wegen Erektionsst\u00f6rungen hat behandeln lassen. (Haha.) Im Grunde beschr\u00e4nkt sich ihre Spionaget\u00e4tigkeit aber auf sexy Auftritte, erm\u00fcdende und planlos wirkende Gespr\u00e4che und wenig aufschlussreiche Observationen aller Art, die aber immerhin f\u00fcr Siena selbst zielf\u00fchrend sind. So schlie\u00dft sie zum Beispiel aus dem Umgang Kirtlands mit seinen Haustieren (Hund und Katze), dass ein Mensch, der Tiere liebt, kein \u00bbB\u00f6sewicht\u00ab sein kann, und auch das Studium des nackten Lords f\u00fchrt zu ganz neuen Erkenntnissen f\u00fcr die Jungfrau (die \u00fcbrigens vorgibt, eine Kurtisane zu sein und einen Besch\u00fctzer zu suchen). Nicht nur hat sie Gelegenheit, seine \u00bbziselierten Muskeln und Sehnen \u2026 sanft wie Marmor, hart wie Granit\u00ab zu bewundern, nein, sie sieht auch erstmals in natura diese gewissen m\u00e4nnlichen K\u00f6rperteile, die ihr Lehrer immer so poetisch als \u00bbFamilienschmuck\u00ab bezeichnet hat. Scharfsinnig, wie sie nunmal ist, erkennt sie augenblicklich, dass der Earl zu den reichsten M\u00e4nnern Englands z\u00e4hlen muss: <\/p>\n<blockquote><p>Das rabenschwarze lockige Dach stach ab von der marmornen Helligkeit seiner Schenkel und sah aus wie die Krone seiner M\u00e4nnlichkeit. Siena hatte eine Reihe klassischer G\u00f6tter gesehen, die sich ihr in all ihrer aufgereckten Glorie pr\u00e4sentiert hatten. Aber sogar im Ruhezustand trieb der Reichtum des Earls dem gesamten Olymp die R\u00f6te ins Gesicht. (S. 113)<\/p><\/blockquote>\n<p>Kein Wunder, dass der Guten ein \u00bbfrecher Hitzeschwall \u00fcber die Wangen flog\u00ab, wenn so unversehens D\u00e4cher in ihr Blickfeld r\u00fccken zwischen all der Glorie und dem Reichtum! Da kann man schon mal den Kopf verlieren und seine Aufgaben vergessen, sodass man schlie\u00dflich selbst verd\u00e4chtigt wird, eine Verr\u00e4terin zu sein und in einem hochdramatischen Finale seine Loyalit\u00e4t unter Beweis stellen und trotz aller Supertalente gerettet werden muss. <\/p>\n<p>Sagte ich schon, dass Siena noch nicht pers\u00f6nlich mit \u00bbprallen Lenden\u00ab zu tun hatte?! Das ist gar nicht schlimm, denn sie ist ja \u2013\u00a0wie wir wissen \u2013 in allen Bereichen au\u00dfergew\u00f6hnlich talentiert, also auch in Liebesdingen. Dank Kirtlands tatkr\u00e4ftiger Mithilfe (\u00bbHalt mich fest, Julian. Richte mich mit deiner Kraft wieder auf!\u00ab) jubelt und jubiliert man also gemeinsam in einem \u00bbbebenden Auf und Ab\u00ab, w\u00e4hrend der Kr\u00f6sus seinen Samen in ihr verstr\u00f6mt. Und weil wir nun mal in einem Liebesroman sind, f\u00fchrt diese wundervolle gemeinschaftliche Erfahrung zu ganz neuen schw\u00fclstigen Erkenntnissen: \u00bbObwohl ihre K\u00f6rper nicht mehr verbunden waren, sp\u00fcrte er noch das innere Band zwischem sich und Black Dove [ihr \u00bbK\u00fcnstlername\u00ab], das viel st\u00e4rker war als nur das Fleisch, das f\u00fcr eine Weile eins gewesen war.\u00ab<\/p>\n<p>Neben einer total langweiligen Spionage- und ebenso langweiligen Liebesgeschichte ohne jegliche \u00dcberraschungen erhalten wir einen Einblick in die Umgangsformen von gutsituierten B\u00fcchersammlern im 19. Jahrhundert, \u00fcber die zumindest ich lieber nichts gewusst h\u00e4tte. Leider muss ich trotzdem M\u00e4nnergespr\u00e4chen beiwohnen, die sich um \u00bbmickrige Anh\u00e4ngsel von Schwanz, die man mit der Lupe suchen muss\u00ab drehen, und die offenbaren, dass laut der Einsch\u00e4tzung der charmanten Kollegen nichts in den Adern von Protagonist Kirtland flie\u00dft \u00bbau\u00dfer Pisse und Blut\u00ab. Na Bravo. <\/p>\n<p>Und sonst? Sonst gibts noch jede Menge Szenen, die v\u00f6llig undurchsichtig sind, weil sie so schlecht beschrieben sind, dass man \u00fcberhaupt nicht folgen kann und nicht wei\u00df, was da eigentlich genau passiert. Vielleicht sind sie auch einfach nur unsinnig und entspringen der \u00fcberbordenden Fantasie einer Autorin, die einfach keine guten Actionsequenzen schreiben kann und es deshalb heillos \u00fcbertreibt. M\u00f6glicherweise mangelt es mir aber auch schlicht an Vorstellungsverm\u00f6gen? Urteilt selbst (wenn ihr wollt): <\/p>\n<blockquote><p>Ein paar Sekunden sp\u00e4ter tauchten Pferd und Reiter im vollen Galopp aus dem Nebel auf.<br \/>\n\u00bbAufpassen\u00ab, schrie Kirtland, als die Hufe auf die vordersten Planken schlugen, \u00bbdie Br\u00fccke bricht jeden Moment ein!\u00ab<br \/>\nNoch w\u00e4hrend er aufschrie, wusste er, dass es zu sp\u00e4t war. Die Planken sackten erst zusammen und splitterten dann mit einem schauderhaften Krachen.<br \/>\nDer Earl trieb seinen Hengst bis zum Wasser. Vielleicht hatte der Fremde den Sturz \u00fcberlebt. Es war zwar \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich, aber falls der Mann doch Gl\u00fcck gehabt hatte, konnte er wenigstens am Ufer stehen und ihm helfen, sich aus dem anschwellenden Fluss zu fl\u00fcchten.<br \/>\nErstaunt stellte er fest, dass der Reiter in der Lage war, den abrutschenden Hengst zu z\u00fcgeln, ihm den Kopf nach vorn zu richten und das schaumbedeckte Tier zu zwingen, den R\u00fccken zu kr\u00fcmmen und zu einem gewaltigen Sprung anzusetzen. Die Hufe flogen durch die Luft, der Umhang wirbelte umher. F\u00fcr den Bruchteil einer Sekunde hingen Pferd und Reiter mitten in der Luft \u2026 Pl\u00f6tzlich befanden sie sich wieder auf festem Boden und k\u00e4mpfen darum, auf der steilen Anh\u00f6he nicht das Gleichgewicht zu verlieren.<br \/>\n(&#8230;)<br \/>\nIn diesem Moment bohrte sich ein Splitter einer abgebrochenen Planke l\u00e4ngs in den Stiefel des Fremden. Reiter und Pferd drohten, auf den felsigen Grund in der Tiefe zu st\u00fcrzen. Der Earl reagierte blitzschnell, schoss gef\u00e4hrlich nahe an das Flussufer heran und befreite die gesplitterte Planke mit einem kr\u00e4ftigen Tritt. \u00bbGeben sie mir ihre Hand!\u00ab<br \/>\nDer Fremde schnappte sich Kirtlands ausgestreckten Arm, und der Earl drigierte seinen Hengst auf h\u00f6her gelegenes Gel\u00e4nde. Die beiden Pferde waren jetzt \u00fcber die verschlungenen Arme ihrer Reiter verbunden und versuchten, wieder in sicheren Tritt zu gelangen. (S. 37f.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Kann irgendjemand folgen und vielleicht doch einen Sinn entdecken? Ich lese folgendes: Da bricht eine Br\u00fccke unter dem Gewicht von Pferd und Reiter zusammen, doch in einer Wundertat katapultiert sich ein Pferd im Fallen (wohlgemerkt ohne Boden unter den Hufen) in die Luft und befindet sich auf einmal auf einer Anh\u00f6he, weil die Br\u00fccke offenbar steil nach oben f\u00fchrt. Hm? Obwohl ja eigentlich aus der Gefahrenzone, n\u00e4mlich auf besagter Anh\u00f6he, taucht eine mysteri\u00f6se und \u00e4u\u00dferst t\u00fcckische Planke auf, die nach den Gesetzen der Schwerkraft eigentlich nach unten in den rei\u00dfenden Fluss h\u00e4tte fallen m\u00fcssen. Tut sie aber nicht, stattdessen bohrt sich hinterh\u00e4ltigerweise in das Bein des Reiters, weswegen das Pferd erneut aus dem Tritt ger\u00e4t. Damit der heldenhafte Earl seinen Teil zum Geschehen beitragen kann, packt er den Arm des Reiters, der jetzt eventuell doch von der Anh\u00f6he gest\u00fcrzt ist, denn der Earl befindet sich ja am Flussufer. *???* Dass die Pferde durch die Arme ihrer Reiter verbunden sind und so wieder in den Tritt kommen sollen, obwohl sie das eher behindern d\u00fcrfte, macht dann auch schon nichts mehr. Was f\u00fcr ein Quatsch!<\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n4\/15 \u2013 Ein langweiliges Buch mit wenig beeindruckenden Helden, das stellenweise immerhin mit unfreiwilliger Komik zu unterhalten wei\u00df.<\/p>\n<p>___<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 0.9em; \"><strong><br \/>\nSerieninfo: Merlin&#8217;s Maidens <\/strong><br \/>\n01 The Spy Wore Silk | Geliebte Spionin<br \/>\n02 Seduced by a Spy | Gef\u00e4hrliches Spiel der Versuchung (September 2010)<br \/>\n03 The Scarlet Spy  <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: The Spy Wore Silk Serie: Merlin&#8217;s Maidens, Teil 1<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: Einst waren sie Waisenkinder aus den rauen Londoner Slums &#8211; nun sind sie auserw\u00e4hlt, an \u00bbMrs. Merlin&#8217;s Academy for Select Young Ladies\u00ab die Kunst der Spionage und der Verf\u00fchrung zu erlernen. 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