{"id":6332,"date":"2010-04-12T16:01:07","date_gmt":"2010-04-12T14:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=6332"},"modified":"2012-01-14T09:32:59","modified_gmt":"2012-01-14T08:32:59","slug":"rezension-lisa-valdez-patience","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=6332","title":{"rendered":"[Rezension] Lisa Valdez: Patience"},"content":{"rendered":"<p>Vicar&#8217;s Daughters, Book 2<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0425210545\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/0425210545.jpg\"  \/><\/a><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nPatience Dare ist eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Sch\u00f6nheit, die allerdings alle Verehrer strikt abweist \u2013 bis ihr Schwager Matthew Morgan Hawkmore mit einem Kuss ihre Leidenschaft entfacht. Die beiden beginnen eine Aff\u00e4re, die Patience in die Welt des BDSM entf\u00fchrt \u2026<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nDen regelm\u00e4\u00dfigen Lesern meines Blogs wird es nicht entgangen sein: Vier Jahre lang habe ich auf die Ver\u00f6ffentlichung von \u00bbPatience\u00ab gewartet \u2013 und ich konnte es <a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=6232\">kaum glauben<\/a>, als ich den Nachfolger des grandiosen Deb\u00fctromans <a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=2313\">\u00bbPassion\u00ab<\/a> schlussendlich doch noch in H\u00e4nden hielt. Meine Erwartungshaltung war zwiesp\u00e4ltig \u2013 einerseits hoffte ich auf einen wenigstens ansatzweise ad\u00e4quaten Nachfolger, andererseits fand ich es kaum vorstellbar, dass ein Buch mit dieser Entstehungsgeschichte und -zeit wirklich gut werden k\u00f6nnte. Und um es vorweg zu nehmen: Das Buch ist nicht nur nicht gut; es ist sogar unterirdisch schlecht. Es wird mir auf immer ein R\u00e4tsel bleiben, dass Berkley dieses Buch so ver\u00f6ffentlich hat, statt die Autorin dazu zu zwingen, notfalls weitere vier Jahre daran zu schreiben (ob das etwas genutzt h\u00e4tte, steht allerdings zugegebenerma\u00dfen in den Sternen). Ich wei\u00df gar nicht, wo ich beginnen soll mit meiner Kritik, denn hier passt einfach gar nichts.<\/p>\n<p>Es f\u00e4ngt schon mit der Handlung an, die nicht nur teilweise unglaubw\u00fcrdig, sondern auch mehr als d\u00fcrftig ist, denn es passiert einfach nichts bzw. nicht viel. Matthew und Patience besch\u00e4ftigen sich mit BDSM-Lektionen, hadern unabh\u00e4ngig voneinander mit ihrer Identit\u00e4t und der Liebe und wollen angeblich niemals im Leben eine Beziehung \u2013 au\u00dfer nat\u00fcrlich miteinander, aber das k\u00f6nnen sie sich ja nicht eingestehen, weil es sonst schlie\u00dflich keinen Konflikt g\u00e4be. Das hindert die beiden aber nicht daran, den anderen im Stillen zu glorifizieren, von einer Beziehung und der ewigen Liebe zu tr\u00e4umen. Dem gesamten Umfeld (Passion, Mark, Tante Matty) ist nat\u00fcrlich vom ersten Augenblick an klar, dass Matt und Patience f\u00fcreinander bestimmt sind, weshalb diverse Kuppelversuche und nervt\u00f6tende Psychogespr\u00e4che stattfinden. Dar\u00fcber hinaus schl\u00e4gt sich vor allem Matt mit einigen oberfl\u00e4chlich abgehandelten Schwierigkeiten herum, die mit seiner Abstammung und seiner finanziellen Situation zu tun haben, und das Happyend muss dann noch kurz durch einen Pseudostreit zwischen den Liebenden hinausgez\u00f6gert werden. <\/p>\n<p>Viel schlimmer noch als die wenig \u00fcberzeugende Handlung sind allerdings die beiden Protagonisten, die beide \u00fcberhaupt nicht stimmig, geschweige denn sympathisch sind. Matthew nervt von Beginn an mit einer seltsamen Mischung aus Arroganz und Selbstmitleid wegen seines gesellschaftlichen Falls. Nachdem herausgekommen ist, dass er nicht der reinbl\u00fctige Sohn eines Earls, sondern ein Bastard ist, wird er von einem Teil der feinen Gesellschaft gemieden. Dar\u00fcber hinaus hat seine Verlobte die Verlobung mit ihm gel\u00f6st \u2013 was ihn sehr verbittert, obwohl er inzwischen r\u00fcckwirkend erkannt hat, dass er sie ohnehin nie geliebt hat und dass die Liebe nichts f\u00fcr ihn ist. Sein selbstgerechter Zorn richtet sich ungerechtfertigterweise auch gegen die Leute, die trotzdem bedingungslos zu ihm halten \u2013 etwa sein Bruder Mark, Protagonist aus \u00bbPassion\u00ab, der sich jedesmal, wenn er Matt als seinen Bruder bezeichnet, darauf hinweisen lassen muss, dass sie nur Halbbr\u00fcder sind.<br \/>\nPatience gegen\u00fcber verh\u00e4lt Matt sich \u2013 entsprechend seiner Rolle in der BDSM-Beziehung \u2013 jederzeit herrisch, doch das erstreckt sich nicht nur auf die sexuelle Komponente ihrer Beziehung. Als er erf\u00e4hrt, dass Patience bald nach London abreisen wird, um bei einem ber\u00fchmten Lehrer Cello-Unterricht zu nehmen, verhindert er das mit einer hinterh\u00e4ltigen Intrige (die interessanterweise nie herauskommt und im Buch keinerlei Folgen nach sich zieht). Sp\u00e4testens nach dieser Aktion habe ich die Figur, die ich schon von Beginn an nicht besonders mochte, regelrecht gehasst \u2013 und jedes andere Buch h\u00e4tte ich sp\u00e4testens an dieser Stelle abgebrochen.   <\/p>\n<p>Ein Verlust w\u00e4re das nicht gewesen, zumal Patience auch keine \u00fcberzeugendere Figur ist; sie bleibt letztendlich blass und ist nicht sympathischer oder gar stimmiger angelegt als Matt. Obwohl sie nach einem Kuss mit Matthew in voller Leidenschaft entbrannt ist und ihn wie eine L\u00f6win verteidigt, stellt sie von vornherein klar, dass sie keine Beziehung und schon gar keine Hochzeit will, sondern nur eine Aff\u00e4re; ihre Jungfr\u00e4ulichkeit soll dabei aber bittesch\u00f6n gewahrt werden. Ist ja auch kein Thema, es gibt ja noch ne Menge andere Methoden der Befriedigung, vor allem im BDSM-Bereich: Man kann sich zum Beispiel direkt zu Beginn eines solchen Verh\u00e4ltnisses nackt an ein Bett fesseln lassen und seinem Schicksal harren, w\u00e4hrend der Liebhaber erst mal Kartenspielen und einen Trinken geht. Immer gut ist auch Oralsex in verschiedenen Auspr\u00e4gungen \u2013 und darin ist Patience gut. Sie ist n\u00e4mlich zwar eine gl\u00e4ubige, gottesf\u00fcrchtige Vikarstochter, hat aber dennoch schon eine Menge Erfahrung mit diesem Thema. Schlie\u00dflich hat sie von fr\u00fchester Jugend an die Magd mit ihrem Liebhaber beobachtet  und mit Gurken aus dem Garten ihre Technik so sehr perfektioniert, dass Matthew kaum glauben kann, dass er der erste Mann ist, dem sie auf diese Weise Vergn\u00fcgen bereitet. Abgesehen von ihrer sexuellen Aufgeschlossenheit zeichnet sie sich vor allem durch beeindruckende Brustwarzen, eine permanent pulsierende Klitoris und st\u00e4ndiges Heulen aus. <\/p>\n<p>Die Beziehung zwischen Matt und Patience ist f\u00fcr meine Begriffe wirklich schwer verdauliche Kost. Von (wachsender) Liebe ist nicht das Geringste zu bemerken, hinzu kommt der sehr eigene Fetischsex. BDSM ist zugebenerma\u00dfen nicht wirklich mein Thema, es ist mir aber bereits zuvor in diversen Erotikromanen begegnet und nie war es (zumindest f\u00fcr Nicht-Anh\u00e4nger dieses Fetischs) so g\u00e4nzlich unerotisch aufbereitet und beschrieben wie hier. Erschwerend hinzu kommt, dass die Grundsituation nicht \u00fcberzeugt. M\u00f6glicherweise erkennen sich die Anh\u00e4nger extremer Spielarten ja blind, jedenfalls wei\u00df Matt \u2013\u00a0woher auch immer \u2013 sofort, was Passion braucht: n\u00e4mlich Unterwerfung und Dem\u00fctigung. \u00bbIt&#8217;s essential to your happiness und fulfillment, Patience. There is a strong part of you that longs to submit and obey.\u00ab (S. 107) Und weil Patience sich zwar gegen jegliche gesellschaftliche Konventionen str\u00e4ubt, aber offenbar trotzdem von Natur aus gehorsam ist, sieht sie das auch brav ein und findet ab sofort ebenfalls, dass sie das braucht \u2013 auch wenn ihr das vorher unbekannt war. Und genau hier liegt das Problem: Patience scheint sich ihrer eigenen unterw\u00fcrfigen Seite nicht mal ansatzweise bewusst gewesen zu sein, bevor Matt ihr seine Dominanzspiele aufgedr\u00e4ngt hat, und an mehreren Stellen zwingt er sie zu Dingen, die sie \u00fcberhaupt nicht zu wollen scheint und die ihr zu weit gehen. Es ist nat\u00fcrlich schwierig zu beurteilen, was zu BDSM geh\u00f6rt und was nicht; Valdez konnte mir aber einfach nicht glaubhaft vermitteln, dass die Unterwerfung wirklich in Patiences Natur liegt und sie uneingeschr\u00e4nkt Spa\u00df an der Sache hat bzw. Lust aus der Unterwerfung bezieht. Dass Matt sie am Ende mit Schl\u00e4gen von jahrelang angestautem Leid befreit, sodass sie anschlie\u00dfend endich dar\u00fcber sprechen kann, was sie seit Ewigkeiten belastet, setzt dem Ganzen die Krone auf und kann h\u00f6chstens noch von der Tatsache getoppt werden, dass Patience bei ihrer Entjungferung erkennt, dass sie Eva (ja, die biblische!) ist: \u00bbI am Eve, and I am yours.\u00ab (S. 302)<\/p>\n<p>Zu allen inhaltlichen M\u00e4ngeln kommt die stilistische Eigenheit, die Protagonisten in Kursivschrift aktuelle Vorkommnisse und Aussagen in einer Art innerem Monolog kommentieren zu lassen \u2013 was zum Teil ziemlich \u00fcberstrapaziert wird: <\/p>\n<blockquote><p>\u00bbAnd who knows what your future holds?\u00ab<br \/>\n\u00bbYes, who knows?\u00ab <em>Patience.<\/em><br \/>\n[\u2026]<br \/>\n\u00bbOf course, I could never let him know.\u00ab<br \/>\n\u00bbOf course not.\u00ab <em>Because you&#8217;re a lying cheat.<\/em><br \/>\n[\u2026]<br \/>\n\u00bbFather and Danforth will never know.\u00ab<br \/>\n\u00bbNo, never.\u00ab <em>Because it&#8217;ll be a cold day in hell before I ever become your lover.<\/em><br \/>\n[\u2026]<br \/>\n\u00bbYou should hear him. He&#8217;s still raging about it.\u00ab<br \/>\n<em>At last.<\/em> \u00bbIs he?\u00ab  (S. 171)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ebenfalls enervierend sind zahlreiche Dialoge, die teilweise extrem platt und plakativ sind und klingen, als k\u00e4men sie aus dem Standarddialog-Baukasten. Das liest sich so: <\/p>\n<blockquote><p>\n\u00bbI saw you leave with Patience. Where is she?\u00ab<br \/>\n\u00bbI took her to bed.\u00ab<br \/>\n\u00bbTo her bed, or yours?\u00ab<br \/>\n\u00bbThat&#8217;s none of your business.\u00ab<br \/>\nMark shook his head. \u00bbThat&#8217;s unwise, Matt.\u00ab<br \/>\n\u00bbAnd why is that?\u00ab<br \/>\n\u00bbBecause Patience isn&#8217;t just any woman.\u00ab<br \/>\n\u00bbI know she isn&#8217;t just any woman. That&#8217;s why I want her, because she isn&#8217;t just any woman.\u00ab (S. 50)<\/p><\/blockquote>\n<p>Bleibt zu erw\u00e4hnen, dass wohl ein weiterer Band \u00fcber die j\u00fcngste Vikarstochter Primrose in Planung ist. Ob ich den brauche, wei\u00df ich allerdings noch nicht; mal davon abgesehen, dass ich ohnehin ein wenig daran zweifle, dass Lisa Valdez in absehbarer Zeit ein weiteres Buch schreiben wird. Die Kritik an \u00bbPassion\u00ab soll ja seinerzeit die Schreibblockade bei ihr ausgel\u00f6st haben \u2013\u00a0und ich bin mir ziemlich sicher, dass die negativen Stimmen zu diesem Roman deutlich heftiger ausfallen d\u00fcrften als damals. <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n3\/15 \u2013\u00a0Eine einzige Entt\u00e4uschung. Die einzige Gemeinsamkeit mit \u00bbPassion\u00ab besteht darin, dass in beiden B\u00fcchern Sex eine wichtige Rolle spielt und sehr explizit beschrieben wird. Dar\u00fcber hinaus fehlt \u00bbPatience\u00ab alles, was den Deb\u00fctroman ausgemacht hat: n\u00e4mlich jegliches Gef\u00fchl und glaubw\u00fcrdige, vielschichtige, sympathische Figuren. Und das allerschlimmste ist: Das Buch hat mir irgendwie auch \u00bbPassion\u00ab ein wenig verleidet. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vicar&#8217;s Daughters, Book 2<\/p>\n<p>Inhalt: Patience Dare ist eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Sch\u00f6nheit, die allerdings alle Verehrer strikt abweist \u2013 bis ihr Schwager Matthew Morgan Hawkmore mit einem Kuss ihre Leidenschaft entfacht. 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