{"id":5219,"date":"2010-02-12T11:35:30","date_gmt":"2010-02-12T10:35:30","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=5219"},"modified":"2011-09-01T23:13:52","modified_gmt":"2011-09-01T21:13:52","slug":"unsinn-lesen-mit-irina-im-schatten-des-windes-vol-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=5219","title":{"rendered":"[Unsinn lesen mit Irina] Im Schatten des Windes, Vol. 2"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3453132319\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3453132319.jpg\" \/><\/a> So, endlich kommt der zweite Teil von \u00bbUnsinn lesen\u00ab, Teil 1 findet man <a href=\"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=5161\">hier<\/a>. <\/p>\n<p>Vier Tage sp\u00e4ter, nachdem Hab und Gut endlich gepackt sind, geht es per Kutsche auf in ein neues Leben. Serafinas Gedanken kreisen nach wie vor unentwegt um die Ereignisse in der Hochzeitsnacht, aber auch um ihr \u00c4u\u00dferes. Ihr ist n\u00e4mlich siedend hei\u00df eingefallen, dass sie mager ist, ihre Augen eine komische Farbe haben, der Nasenr\u00fccken viel zu breit, der Mund viel zu gro\u00df und ein Vorderzahn schief ist. Voller Sorge befragt sie Tinkerby, dessen Status irgendwo zwischen Dienstbote und v\u00e4terlicher Freund zu liegen scheint, zum ganzen Ausma\u00df ihrer Unansehnlichkeit. Tinkerby, die Diplomatie in Person, versichert mehr oder weniger glaubhaft, dass sie zwar ein furchtbar h\u00e4ssliches Kind war, ihr Gesicht inzwischen aber an Reiz gewonnen hat und sie nicht mehr ausgemergelt, sondern nur sehr schlank ist. Er wirkt nur ein klitzekleines bisschen bem\u00fcht, nicht zuletzt, weil er im gleichen Atemzug berichtet, schlie\u00dflich auch seine Frau geliebt zu haben, obwohl sie \u2013\u00a0seiner Beschreibung nach \u2013 ziemlich schauderhaft ausgesehen haben muss. Verst\u00e4ndlicherweise ist das der selbstkritischen Serafina keine echte Aufmunterung, ebenso wenig wie die Versicherung, dass sie vielleicht nicht so sch\u00f6n sei wie die Statuen in Kensington Gardens, aber Charakter habe. Charakter! Das d\u00fcrfte wohl die durchsichtigste Besch\u00f6nigung aller Zeiten sein! Weil Serafina aber nun mal ein sonniges Gem\u00fct hat, tr\u00f6stet sie sich mit dem Gedanken, dass ihr Aussehen gar nicht so wichtig sein wird! Aidan liebt sie schlie\u00dflich, so wie sie ihn liebt \u2013 und diese gro\u00dfe Liebe kann ihnen niemand nehmen. (Hoffentlich wei\u00df Aidan das auch!) <\/p>\n<p>Die Reise zum Verlobten muss nachmittags unterbrochen werden, weil Tante Elspeth auf ihren t\u00e4glichen dreist\u00fcndigen Mittagsschlaf besteht. Serafina unternimmt derweil einen kleinen Waldspaziergang, stillt an einem kleinen pl\u00e4tschernden B\u00e4chlein ihren Durst, planscht fr\u00f6hlich und flicht debil summend einen Kranz aus Waldblumen. So gekr\u00f6nt, legt sie sich im weichen Moos nieder und schl\u00e4ft ein.<\/p>\n<p>Der wegen der Zwangshochzeit immer noch w\u00fctende Aidan begibt sich unterdessen auf einen Ausritt in den Wald, in dem er einst mit Feen redete, von l\u00e4ngst vergangenen Zeiten tr\u00e4umte und sich vorstellte, K\u00f6nig Artus \u2013 notfalls auch Lanzelot oder Gawain \u2013 zu sein. Die V\u00f6glein zwitschern, und ein B\u00e4chlein pl\u00e4tschert fr\u00f6hlich \u2026 Moooment! Ein B\u00e4chlein? Welch \u00dcberraschung, es ist das gleiche B\u00e4chlein, neben dem sich Serafina zur Ruhe gebettet hat. Folgerichtig st\u00f6\u00dft Aidan also auf die blumenbekr\u00e4nzte Schlafende, h\u00e4lt sie allerdings f\u00fcr tot. Ist sie aber nicht, sie ist \u00e4u\u00dferst lebendig und schaut ihn aus hellgr\u00fcnen, mit langen dunklen Wimpern umrahmten Augen und mit leicht ge\u00f6ffneten rosigen Lippen an. Schlauberger Aidan wei\u00df nat\u00fcrlich augenblicklich, mit wem er es zu tun hat: mit Titania, der Feenk\u00f6nigin! (Mir fehlen gerade ein paar Smilies, um meinen Gedanken zu diesem Humbug deutlich Ausdruck zu verleihen!) Da er sich, wie wir gerade erfahren haben, schon fr\u00fcher mit Feen unterhalten hat und das f\u00fcr ihn somit nichts Besonderes ist, fordert er zu wissen, wieso sie sich ohne Anstandsdame, die sie vor Schurken wie ihm besch\u00fctzen m\u00fcsste, im Wald herumtreibt. <\/p>\n<p>Tita-fina ist augenblicklich fasziniert. Voller Begeisterung platzt sie damit heraus, dass sie schon immer wissen wollte, wie ein Schurke aussieht und dass der sch\u00f6ne Fremde einen wunderbaren Schurken abgibt, auch wenn sie keine Angst vor ihm hat. Wenig verwunderlich hat Aidan daraufhin ziemlich schurkische Gedanken, die mit Schwanenh\u00e4lsen und Rosenlippen zu tun haben, doch Serafina nimmt ihm direkt die Butter vom Brot, indem sie ihm verk\u00fcndet, dass er \u00fcberhaupt kein Interesse haben k\u00f6nnte, sie zu verf\u00fchren, weil er sie ja nicht liebe. Nicht ganz zu Unrecht stellt Aidan fest, dass das Rosenlippenm\u00e4dchen ein ziemliches Unschuldslamm ist, wenn sie glaubt, dass es f\u00fcr Verf\u00fchrung Liebe br\u00e4uchte, doch die personifizierte Altklugheit l\u00e4sst sich nicht beirren, schlie\u00dflich hei\u00dft es ja auch <em>Liebes<\/em>spiele. Durchschlagendes Argument, ohne Frage! Und wo die Gute gerade schon dabei ist und die Tante ihren Fragen immer ausweicht, kommt ihr die grandiose Idee, sich von diesem welterfahrenen Schurken aufkl\u00e4ren zu lassen. Klar, warum auch nicht. Mich wundert gar nix mehr. <\/p>\n<p>Aidan offenbar auch nicht. Er befindet sich irgendwo zwischen Belustigung und verzehrendem Begehren und ist selbstverst\u00e4ndlich gerne bereit, seiner Titania zu erkl\u00e4ren, wie die Sache vor sich geht: \u00bbDer Mann schiebt jenen K\u00f6rperteil, der ihn zum Mann macht, in jenen K\u00f6rperteil der Frau, der sie zur Frau macht\u00ab (S. 50). Ah ja. Sehr hilfreich, da kann man sich doch mal wirklich was drunter vorstellen, vor allem wenn man von nichts ne Ahnung hat, so wie Serafina. Erstaunlicherweise verzichtet der Aufkl\u00e4rer auf eine Demonstration zur Veranschaulichung seiner so anschaulichen Erkl\u00e4rungen, er ist also wohl doch nicht ganz so schurkisch wie er zu sein behauptet, obwohl er selbst sich in diesem Augenblick wahnsinnig ruchlos vorkommt. Nachdem auch Serafinas Frage gekl\u00e4rt ist, ob Mann und Frau sich zur Durchf\u00fchrung des Sexualakts ausziehen, warnt der gewissenhafte Aidan sie noch vor ungewollten Schwangerschaften, w\u00e4hrend er erneut von ihrer Sch\u00f6nheit \u00fcberw\u00e4ltigt ist. <\/p>\n<p>Sp\u00e4testens jetzt d\u00e4mmert es auch der unaufmerksamsten Leserin: Irgendwas stimmt hier nicht. Sch\u00f6nheit? Serafina? War vorhin nicht immer wieder die Rede von ihrer Verschrobenheit, H\u00e4sslichkeit? Ist Aidan mit Blindheit geschlagen? Ist Serafina vielleicht wirklich eine Fee, die Aidan verzaubert hat? Oder wurde Serafinas vermeintliche Unattraktivit\u00e4t etwa die ganze Zeit \u00fcber extra so betont wurde, um uns \u2013 welch grandioser Kniff \u2013 auf die falsche F\u00e4hrte zu f\u00fchren?! Wir wissen es nicht, werden es aber sicher irgendwann erfahren, wenn Aidan mal weniger melodramatisch ist als in diesem Moment, wo er unheilvoll verk\u00fcndet, ihm werde am folgenden Tag die Schlinge um den Hals gelegt. <\/p>\n<p>Klar, dass die weichherzige Serafina keinen Sinn f\u00fcr seine Metaphern hat und fast in Tr\u00e4nen ausbricht, weil sie glaubt, er werde geh\u00e4ngt. Passt ja irgendwie auch, schlie\u00dflich ist er ein Schurke. Aidan, ger\u00fchrt von ihrer Sorge, platzt daraufhin mit der Geschichte \u00fcber seine arrangierte Ehe heraus, die sich ihm aber g\u00e4nzlich anders darstellt als ihr. Dabei vers\u00e4umt er nat\u00fcrlich auch nicht, sie als Hexe zu bezeichnen, die die Situation ausnutzt und die er immer verabscheuen wird bis zu ihrem \u2013 hoffentlich fr\u00fchen Tod. Die herzensgute Serafina ist nat\u00fcrlich ganz sch\u00f6n entsetzt \u00fcber so eine Einstellung und h\u00e4lt ihm, lebenserfahren wie sie nun mal ist, einen Vortrag \u00fcber die wahre Liebe. Aidan, der Pragmatiker, bewundert derweil ihre Wangen, \u00bbderen Farbton an die Innenseite karibischer Muscheln\u00ab erinnern, schwarzmalt vor sich hin und k\u00fcsst seine Titiania schlie\u00dflich zum Abschied, wahrscheinlich, um ihr noch mal in Erinnerung zu rufen, wie schurkisch er ist und wie gef\u00e4hrlich Spazierg\u00e4nge im Wald ohne Anstandsdame sind. Mit dieser ereignisreichen Szene ist ja schon mal ein guter Grundstein f\u00fcrs sp\u00e4tere Zusammentreffen der beiden gelegt \u2013 ich freu mich schon sehr drauf! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> So, endlich kommt der zweite Teil von \u00bbUnsinn lesen\u00ab, Teil 1 findet man hier. <\/p>\n<p>Vier Tage sp\u00e4ter, nachdem Hab und Gut endlich gepackt sind, geht es per Kutsche auf in ein neues Leben. Serafinas Gedanken kreisen nach wie vor unentwegt um die Ereignisse in der Hochzeitsnacht, aber auch um ihr \u00c4u\u00dferes. 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