{"id":5161,"date":"2010-02-01T22:04:58","date_gmt":"2010-02-01T21:04:58","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=5161"},"modified":"2011-09-01T23:08:34","modified_gmt":"2011-09-01T21:08:34","slug":"unsinn-lesen-mit-irina-im-schatten-des-windes-vol-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=5161","title":{"rendered":"[Unsinn lesen mit Irina] Im Schatten des Windes, Vol. 1"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3453132319\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/3453132319.jpg\"\/><\/a>Wie gew\u00fcnscht starte ich hiermit die Rubrik \u00bbUnsinn lesen mit Irina\u00ab. Manche B\u00fccher verdienen es einfach nicht besser \u2013 und \u00bb<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3453132319\/ueberalles-21\">Im Schatten des Windes<\/a>\u00ab von Katherine Kingsley geh\u00f6rt eindeutig dazu.<\/p>\n<p>Der 6. Februar 1808 ist ein schicksalhafter Tag f\u00fcr die magere kleine Serafina. Das erschreckend h\u00e4ssliche Kind wird von ihrem dahinsiechenden Vater schnell noch Aidan Delaware, Earl of Aubrey, dem Sohn eines Freundes versprochen, bevor er das Zeitliche segnet. Da die Ehe aber erst am 18. Geburtstag des M\u00e4dchens geschlossen werden kann, \u00fcbergibt er es bis dahin einigerma\u00dfen widerwillig der Obhut der seltsamen Tante aus Wales.<\/p>\n<p>11 Jahre sp\u00e4ter, am 12. Januar 1819, scheint Serafina dem schlechten Einfluss ihrer bekloppten Tante vollkommen erlegen zu sein. Sie steht auf einem Felsen rum, singt (nat\u00fcrlich mit glockenheller Stimme) und betet, dass Aidan, dem sie damals versprochen wurde, sie endlich holt, um sie \u00bbauf den Fl\u00fcgeln der Liebe davonzutragen\u00ab. Dass sie und Aidan \u00fcber Zeit und Raum hinweg zusammengeh\u00f6ren, daran hat sie keinen Zweifel, schlie\u00dflich tr\u00e4umt sie schon seit ihrem vierzehnten Lebensjahr immer wieder davon, wie sie triumphal in eine Stadt einreitet und von ihm in Empfang genommen wird. Zwar hei\u00dfen die beiden nicht Aidan und Serafina, sondern Adam und Sarah, aber mit solchen Kinkerlitzchen h\u00e4lt sie sich nicht auf, zumal es wichtigere Dinge in diesem Traum gibt, die es zu hinterfragen gilt. Adam\/Aidan k\u00fcsst sie n\u00e4mlich, bis ihr fast die Sinne schwinden und er\u00f6ffnet ihr, seinen Schwur bald \u00bbim Fleische zu besiegeln\u00ab. Unser Herzchen wacht leider immer auf, bevor sie herausfindet, wie man einen Schwur im Fleische besiegelt, reimt sich aber blitzgescheit zusammen, dass es sich a) bei diesem Vorgang m\u00f6glicherweise um etwas handelt, was ihr gefallen k\u00f6nnte, und dass sie b) die verklemmte Tante besser nicht danach fragt. <\/p>\n<p>So richtig in Schwung kommt die Handlung etwa vier Monate sp\u00e4ter, um genau zu sein: am 26. April (wie wir wissen, weil uns die Autorin dankenswerterweise stets mit exakten Datumsangaben versorgt). Aidan erf\u00e4hrt n\u00e4mlich just an diesem Tag, dass er so gut wie verheiratet ist \u2013\u00a0und zwar  bereits seit dem 6.02.1808. Sein Vater hatte das Eheversprechen zwischenzeitlich ganz vergessen, jetzt ist es dem praktisch veranlagten Mann aber doch wieder eingefallen, weil die Familie n\u00e4mlich bankrott ist und Serafina ein riesiges Verm\u00f6gen besitzt, das am Tag der Trauung in Aidans Besitz \u00fcbergehen wird. Der arme Aidan steht erst mal unter schwerem Schock und dreht seinem Vater unverst\u00e4ndlicherweise nicht den Hals um. M\u00f6glicherweise ist er einfach zu entsetzt, um zu handeln, weil er n\u00e4mlich zu allem \u00dcbel erfahren muss, dass seine Zuk\u00fcnftige farblos ist, vorstehende Augen, schlechte Z\u00e4hne und einen knochigen K\u00f6rper hat, und nicht nur h\u00e4sslich ist, sondern auch noch ein wenig einnehmendes Wesen hat: \u00bbSie ist gr\u00e4mlich, und sie horcht gern an Schl\u00fcssell\u00f6chern.\u00ab Wie gesagt ist Vater Delaware aber durchaus praktisch veranlagt, deshalb hat er zum Trost f\u00fcr seinen Sohn ein geniales Rezept f\u00fcrs Zusammenleben mit der h\u00e4sslichen Erbin: \u00bbDu brauchst sie ja nicht oft anzuschauen, mein Junge. Ich bin sicher, dass du sie im Ostfl\u00fcgel oder sonstwo unterbringen kannst.\u00ab So hervorragend beraten, f\u00fcgt Aidan sich schlie\u00dflich in sein Schicksal.<\/p>\n<p>Am 30. April, zur\u00fcck in Wales, erfahren wir erst mal mehr \u00fcber Seraphinas Tante Elspeth, die sich als eine Art Hexe herausstellt. Sie begeistert sich f\u00fcr alte keltische Br\u00e4uche und \u00dcberlieferungen, ihre Zauberversuche verlaufen aber eher weniger erfolgreich. Das h\u00e4lt sie nat\u00fcrlich nicht davon ab, es weiter zu versuchen, denn Versuch macht ja kluch. Vor lauter Zaubern vergisst die Exzentrikerin bl\u00f6derweise manchmal die eine oder andere unwichtige Angelegenheit \u2013 etwa, dass Aidan geschrieben hat, um die Hochzeit in Gange zu bringen. Ist ja auch nicht weiter wichtig oder gar dringend, und die Hauptsache ist, dass es ihr irgendwann in einem lichten Moment wieder in den Sinn schie\u00dft. Als sie Serafina also in einem Augenblick der Klarheit mitteilt, dass der Traumprinz endlich bereit zur Hochzeit ist, ist die au\u00dfer sich vor Begeisterung und kommt in ihrem \u00dcberschwang gleich auf die elementarste Sache zu sprechen, die mit ihrer anstehenden Ehe verbunden ist: die Hochzeitsnacht. Obwohl sie schlau genug ist, die Schwur-im-Fleische-Sache aus dem Spiel zu lassen, verweigert die verklemmte Tante ungl\u00fccklicherweise die Auskunft. Das veranlasst die wissbegierige Serafina, wilde Spekulationen anzustellen, die uns Lesern nach all dem vorherigen Unsinn einen ersten H\u00f6hepunkt bescheren:<\/p>\n<blockquote><p>W\u00fcrde sie denn nie erfahren, was nach dem K\u00fcssen passierte? Es musste etwas Wundervolles sein, dessen war sie sich sicher, aber \u00fcber den genauen Ablauf war sie sich nicht im Klaren. Sie wusste, dass der Mann seinen Samen irgendwie in die Frau brachte, und dass daraus ein Baby entstand. Doch wie der Mann das machte, war ihr ein R\u00e4tsel und weckte ihre Neugier. Sie stellte sich Aiden mit einer kleinen Pipette vor, wie Tante Elspeth sie bei Kranken verwendete, aber es kam ihr unwahrscheinlich und wenig romantisch vor, dass ihr Mann sie auffordern w\u00fcrde, den Mund zu \u00f6ffnen und etwas zu schlucken (sic!). Was im Bett ablief, musste viel ungew\u00f6hnlicher sein, sonst w\u00fcrde man nicht so ein Geheimnis daraus machen. Es musste wohl irgend etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass die beiden Geschlechter verschiedene K\u00f6rper hatten, und sie mussten sich dabei wohl irgendwie ber\u00fchren, jedenfalls hoffte Serafina das, denn in ihrem Traum hatte sie sich in den Armen des geliebten Mannes unglaublich gl\u00fccklich gef\u00fchlt. (S. 32)<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4hrend man sich noch staunend fragt, ob die Autorin sich f\u00fcr den Oswald Kolle der 90er-Jahre h\u00e4lt und mit diesen ebenso hochinteressanten wie fantasiereichen Ausf\u00fchrungen ihren Beitrag zur Aufkl\u00e4rung ihrer Leser leisten will, tritt auch schon wieder Elspeth in Aktion. Unter der strengen Aufsicht ihres Papageis Basil, der sie nicht ganz zu Unrecht als heimt\u00fcckisch bezeichnet, wirft sie einen Blick in ihre Kristallkugel \u2013 und sieht dort sogar wider Erwarten etwas: einen ziemlich ver\u00e4rgerten Aidan, der die Schuldenscheine seines Vaters in Augenschein nimmt. Das ist an sich nichts Neues, bildet aber einen guten Aufh\u00e4nger, um noch mal auf Serafinas herausragende Qualit\u00e4ten als Braut hinzuweisen: Sie hat ein riesiges Verm\u00f6gen, glaubt an die alten G\u00f6tter und hat von den dunklen Seiten des Lebens keine Ahnung. Zugleich erf\u00e4hrt der aufmerksame Leser, dass hier noch etwas anderes, viel tiefgreifenderes im Gange ist: Es gilt f\u00fcr Aidan und Serafine n\u00e4mlich ganz offensichtlich, ein Schicksal zu erf\u00fcllen und eine fast tausend Jahre alte Karmaschuld zu begleichen. Ja, genau, Karmaschuld! Kar-ma-schuld! Mit dieser h\u00f6chst subtilen Bemerkung, die einem da in einem Nebens\u00e4tzen ganz beil\u00e4ufig um die Ohren gehauen wird, wird man auch schon ins n\u00e4chste Kapitel entlassen. Gott sei Dank \u2013\u00a0war ja wirklich genug f\u00fcr den Anfang! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie gew\u00fcnscht starte ich hiermit die Rubrik \u00bbUnsinn lesen mit Irina\u00ab. Manche B\u00fccher verdienen es einfach nicht besser \u2013 und \u00bbIm Schatten des Windes\u00ab von Katherine Kingsley geh\u00f6rt eindeutig dazu.<\/p>\n<p>Der 6. Februar 1808 ist ein schicksalhafter Tag f\u00fcr die magere kleine Serafina. 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