{"id":4950,"date":"2010-01-23T16:34:42","date_gmt":"2010-01-23T15:34:42","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=4950"},"modified":"2010-02-02T15:37:05","modified_gmt":"2010-02-02T14:37:05","slug":"meredith-duran-bound-by-your-touch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=4950","title":{"rendered":"[Rezension] Meredith Duran: Bound By Your Touch"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/1416592636\/ueberalles-21\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2010\/1416592636.jpg\" alt=\"\" width=\"128\" height=\"208\" \/><\/a> <strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nViscount Sanburne ist einer der beliebtesten Londoner Taugenichtse, doch Lydia Boye hat keinerlei Interesse daran, von ihm bet\u00f6rt zu werden. Als er mit einem angeblich sensationellen Fundst\u00fcck aus dem alten \u00c4gypten mitten in ihren Vortrag am Arch\u00e4ologischen Institut platzt, identifiziert sie dieses sofort als F\u00e4lschung und stellt Sanburne vor allen Anwesenden blo\u00df. Nicht viel sp\u00e4ter stellt sich allerdings heraus, dass die F\u00e4lschung ausgerechnet von Lydias Vater, der sich zu Ausgrabungen in \u00c4gypten befindet, nach England geschickt wurde. Um den guten Namen ihres Vaters vor einem Skandal zu bewahren, tut sie sich notgedrungen mit Sanburne zusammen und versucht, gemeinsam mit ihm den wahren Verantwortlichen ausfindig zu machen. Dabei muss sie aber auch feststellen, dass sich hinter der charismatischen Fassade des skandalumwitterten Viscounts ein scharfer Verstand und eine beklemmende Vergangenheit verbergen \u2013 und gegen alle Vernunft kommen sich die beiden n\u00e4her \u2026<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nNach einem beachtlichen Deb\u00fctroman, der extrem hohe Erwartungen geweckt hat, liegt mit \u00bbBound by your Touch\u00ab nun das zweite Buch von Meredith Duran vor. Erneut merkt man der studierten Anthropologin ihre Faszination f\u00fcr britische (Kolonial-)Geschichte an \u2013 die Situation in \u00c4gypten zur Zeit der britischen Herrschaft flie\u00dft immer wieder ganz beil\u00e4ufig ins Geschehen ein \u2013, die eigentliche Handlung spielt aber diesmal in England. <\/p>\n<p>Das erste Zusammentreffen der Protagonisten findet nicht gerade unter g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden statt, denn Lydia identifiziert Sanburnes neu erworbene, angeblich wertvolle Stela auf den ersten Blick als F\u00e4lschung. Solcherma\u00dfen vor allen Anwesenden blo\u00dfgestellt, bereitet es James ein gewisses Vergn\u00fcgen, Lydia tags darauf mit der Erkenntnis zu schockieren, dass die F\u00e4lschung zusammen mit den Ausgrabungsst\u00fccken ihres Vaters nach England gekommen ist. Lydia, die fest von der Unschuld ihres Vaters \u00fcberzeugt ist, w\u00fcrde alles daf\u00fcr tun, um seinen tadellosen Ruf zu wahren, und Sanburne wei\u00df das: Er l\u00e4sst sich sein Schweigen teuer bezahlen \u2013 mit einem Kuss, der sie beide einigerma\u00dfen aus der Fassung bringt. Trotzdem (oder gerade deshalb) machen sie sich gemeinsam daran, die Sache aufzukl\u00e4ren und m\u00fcssen bald feststellen, dass sie es mit einem Komplott gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes zu tun haben, das sogar ihr Leben in Gefahr bringt. <\/p>\n<p>Der Krimiplot ist ganz gut ausgearbeitet und bildet einen netten Rahmen f\u00fcr die Geschichte, richtig spannend ist er aber nicht. Er spielt aber ohnehin keine entscheidende Rolle f\u00fcr die Beurteilung des Buches, denn wichtig sind nur die beiden Protagonisten, die Entwicklung ihrer Pers\u00f6nlichkeit und ihrer Beziehung zueinander, aber auch zu ihren Familien. <\/p>\n<p>Lydia ist ein Blaustrumpf, wie er im Buche steht. Nicht zuletzt aus finanziellen Gr\u00fcnden lebt sie im Haushalt ihrer Schwester Sophie und ihres Schwagers George, was insofern eine ziemlich unertr\u00e4gliche Situation ist, weil Sophie ihr vor Jahren den Mann ausgespannt hat, den Lydia zu heiraten hoffte. Mit den beiden zusammenzuleben, nimmt sie nur in Kauf, weil die j\u00fcngste Schwester Ana verheiratet werden muss. Das angespannte Verh\u00e4ltnis zu Sophie liegt au\u00dferdem in der sehr engen Beziehung zwischen Lydia und ihrem Vater begr\u00fcndet, der sie \u2013 sehr zu Sophies Neid \u2013 immer bevorzugt hat. Lydia ist dem \u00c4gyptologen ihrerseits treu ergeben und wickelt die Gesch\u00e4fte ihres Vaters in England ab. Sie verf\u00fcgt selbst \u00fcber ein gro\u00dfes Wissen \u00fcber \u00c4gyptologie, ist zuverl\u00e4ssig, kompetent, flei\u00dfig, zielstrebig \u2013 und ziemlich spr\u00f6de. Ihre gescheiterte Liebe zu George hat sie desillusioniert, und sie hat sich im Laufe der Zeit mit ihrer Rolle als alte Jungfer abgefunden, zumal sie keine besondere Sch\u00f6nheit ist. <\/p>\n<p>James ist das genaue Gegenteil von ihr, insofern hat sie auch wenig Sympathie f\u00fcr den gutaussehenden, eloquenten Sohn eines Earls, der in den Tag hineinlebt und in Lydias Augen ein verw\u00f6hnter Nichtsnutz ist. Dass er \u00e4gyptische Artefakte nur deshalb sammelt, um seinen Vater zu \u00e4rgern bzw. zu \u00fcbertreffen, ohne echtes Interesse an der Materie zu haben, macht ihn ihr nicht sympathischer. Doch hinter Sanburnes charismatischer Fassade verbirgt sich nicht nur ein scharfer Verstand, sondern auch eine d\u00fcstere Vergangenheit: Er f\u00fchlt sich mitverantwortlich f\u00fcr das Schicksal seiner Schwester, die als verurteilte M\u00f6rderin in einem Irrenhaus einsitzt und hadert vor allem wegen ihr mit seinem Vater. Erdr\u00fcckt von seiner Mitschuld an den damaligen Ereignissen ist er seines eigenen Lebens mehr als \u00fcberdr\u00fcssig und sucht Vergessen in Drogenexzessen sowie in \u00e4u\u00dferst riskanten, brutalen Boxk\u00e4mpfen, um den psychischen Schmerz zu \u00fcberlagern. Lydia und die Aufdeckung des Betrugs geben seinem Leben nach langer Zeit endlich wieder einen gewissen Sinn, nicht zuletzt weil er schnell feststellt, dass sich unter ihrer langweiligen Oberfl\u00e4che eine wundervolle, leidenschaftliche Frau verbirgt.<\/p>\n<p>Obwohl die Gegens\u00e4tze zwischen den beiden zun\u00e4chst un\u00fcberbr\u00fcckbar scheinen, entwickeln sie sich im Laufe der Handlung beide weit genug zueinander hin, um am Ende zusammenzufinden. Bis es so weit ist, fliegen die Funken, und beide m\u00fcssen vieles \u00fcberdenken und \u00e4ndern, was ihr Leben bis zu diesem Zeitpunkt ausgemacht hat: Sie m\u00fcssen \u00fcber ihren Schatten springen, ihren Stolz hinunterschlucken, Tiefschl\u00e4ge einstecken, \u00c4ngste \u00fcberwinden und Kompromisse eingehen. Ihre Entwicklung ist aber ebenso nachvollziehbar und glaubw\u00fcrdig wie die Figuren an sich, und genau das macht das Buch so gut  \u2013 vorausgesetzt allerdings, man mag B\u00fccher, in denen dar\u00fcber hinaus wenig passiert und die sich mit der Beschreibung von Details und Emotionen aufhalten. Zugegebenerma\u00dfen ist die Sache mit  James Schwester nur bedingt logisch und die Handlung an einigen Stellen ein wenig langgezogen bzw. unn\u00f6tig verwickelt, doch das tut dem sehr guten Gesamteindruck kaum einen Abbruch. <\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><br \/>\n13\/15 \u2013 Ein intensives Buch mit tollen Charakteren, die Raum zur Entwicklung erhalten. Eine Empfehlung f\u00fcr alle, die tiefgr\u00fcndigere B\u00fccher m\u00f6gen und auf Action verzichten k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Inhalt: Viscount Sanburne ist einer der beliebtesten Londoner Taugenichtse, doch Lydia Boye hat keinerlei Interesse daran, von ihm bet\u00f6rt zu werden. Als er mit einem angeblich sensationellen Fundst\u00fcck aus dem alten \u00c4gypten mitten in ihren Vortrag am Arch\u00e4ologischen Institut platzt, identifiziert sie dieses sofort als F\u00e4lschung und stellt Sanburne vor allen Anwesenden blo\u00df. 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