{"id":4670,"date":"2010-01-03T16:36:15","date_gmt":"2010-01-03T15:36:15","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=4670"},"modified":"2010-09-25T17:09:41","modified_gmt":"2010-09-25T15:09:41","slug":"sharon-page-samtschwarz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=4670","title":{"rendered":"[Rezension] Sharon Page: Samtschwarz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: Black Silk<\/strong><br \/>\nRodessons T\u00f6chter, Band 2<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899416805\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/3899416805.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0758214715\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/0758214715.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nLondon 1819: Woll\u00fcstig und tabulos sind die geheimen Orgien der Gesellschaft, deren unfreiwillige Zeugin die junge Maryanne wird. Als der Hilferuf einer Bekannten sie eines Abends in ein zwielichtiges Etablissement f\u00fchrt, traut sie ihren Augen nicht. Schockiert von den fremden, erregenden Spielen, die sich ihr darbieten, fl\u00fcchtet sie in ein Nebenzimmer. Nur um dort den Herrn der S\u00fcnde pers\u00f6nlich vorzufinden: Dashiel Blackmore, Lord Swansborough. Ohne es zu wollen, ist sie dem erfahrenen Verf\u00fchrer bereits vom ersten Moment an rettungslos verfallen. Fasziniert von seinem nackten, muskul\u00f6sen K\u00f6rper, folgt sie wie gebannt seiner Aufforderung n\u00e4herzukommen und ger\u00e4t schon bald immer tiefer in den Sog einer Lust, die ebenso fesselnd wie gef\u00e4hrlich ist.<\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nObwohl sie selbst sexuell vollkommen unerfahren ist, gibt Maryanne Hamilton erotische B\u00fccher heraus \u2013 gemeinsam mit der Kurtisane Georgiana. Als ihre Gesch\u00e4ftspartnerin ihr eines Tages einen Hilferuf schickt und sie zu einer Art Orgie lotst, trifft sie dort auf Dahiel Blackmore, Lord Swansborough, f\u00fcr den sie schon lange heimlich schw\u00e4rmt. Nicht ahnend, dass Maryanne die Schw\u00e4gerin eines alten Bekannten von ihm ist, versucht er, sie zu verf\u00fchren \u2013 und Maryanne gibt sich ihm ohne viel Federlesens hin. Drei Monate sp\u00e4ter, als herauskommt, dass die junge Frau schwanger ist, werden die beiden mehr oder weniger zu einer Hochzeit gezwungen. In der Folge gilt es aber nicht nur, die Vernunftehe ertr\u00e4glich zu gestalten oder gar in eine Liebesehe zu wandeln, sondern es m\u00fcssen dar\u00fcber hinaus die Verbrechen aufgekl\u00e4rt werden, die irgendwie mit Dashiel zusammenh\u00e4ngen \u2013 zumal alle Hinweise darauf hindeuten, dass er der gesuchte Frauenm\u00f6rder ist, der in London sein Unwesen treibt \u2026 <\/p>\n<p>W\u00e4hrend das erste Drittel des Buchs ein typischer \u2013 und sehr guter! \u2013 erotischer Roman ist, in dem relativ ausf\u00fchrlich alle m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Sexpraktiken beschrieben werden, wandelt sich \u00bbSamtschwarz\u00ab anschlie\u00dfend mehr und mehr in einen Krimi mit \u00fcberdurchschnittlich hohem Sexanteil. Aufgekl\u00e4rt werden m\u00fcssen einerseits Mordanschl\u00e4ge auf Dashiel selbst, andererseits die Frauenmorde, die Lord Swansborough angeblich begangen haben soll \u2013\u00a0wobei aber eigentlich von Anfang an vollkommen klar ist, dass Dash nicht der gesuchte Frauenm\u00f6rder ist, sondern dass er hereingelegt werden soll. Das ist ein wenig schade, denn aus der Frage, ob Swansborough schuldig ist oder nicht, h\u00e4tte das Buch gro\u00dfe Spannung beziehen k\u00f6nnen. So aber pl\u00e4tschert die Krimihandlung relativ unspektakul\u00e4r vor sich hin, und es werden alle m\u00f6glichen potenziellen Verd\u00e4chtigen abgeklopft, um am Ende mit zwei gro\u00dfen \u00dcberraschungen aufzuwarten, die nicht wirklich absehbar, aber \u2013 wenigstens zum Teil \u2013 glaubw\u00fcrdig sind. Das gro\u00dfe Finale mit dem sadistischen Widersacher ist nichts f\u00fcr zarte Gem\u00fcter und daneben auch ziemlich \u00fcbertrieben \u2013\u00a0ebenso wie die Wahrscheinlichkeit, dass einem unmittelbar nach stundenlanger sadistischer Folter und Todesangst der Sinn nach wildem Sex in den B\u00fcschen stehen k\u00f6nnte. Das eigentliche Ende ist dann f\u00fcr die gesamte Familie zuckers\u00fc\u00df und noch dicker aufgetragen als in den meisten herk\u00f6mmlichen historischen Liebesromanen. <\/p>\n<p>Entscheidend bei der eher m\u00e4\u00dfigen Bewertung des Buchs sind aber die beiden Protagonisten, zu denen ich keine echte Verbindung aufbauen konnte. Die unscheinbare, komplexbehaftete Maryanne stolpert ziemlich blau\u00e4ugig durch die Gegend und in ihr Ungl\u00fcck; ihre Naivit\u00e4t und Inkonsequenz f\u00fchrte bei mir mehrfach zu wildem Augenrollen. Immerhin steht sie aber f\u00fcr ihre Dummheiten gerade und verlangt folglich nicht von Dashiel, dass er sie wegen ihrer Schwangerschaft heiratet; au\u00dferdem ist sie durch und durch loyal, wie sie u.a. bei einem etwas peinlichen Auftritt vor Swansboroughs Familie beweist. Alles in allem wirkt sie aber passiv, bleibt zu jeder Zeit blass \u2013 und ist damit keine Heldin nach meinem Geschmack. <\/p>\n<p>Dash dagegen ist ein extrem finsterer Typ, was sich auch \u00e4u\u00dferlich spiegelt: nicht nur seine Haare und Augen sind dunkel, sondern er tr\u00e4gt dar\u00fcber hinaus grunds\u00e4tzlich nur schwarze Kleidung. Er ist aufgrund seiner schrecklichen Kindheit ein klassischer \u00bbtortured hero\u00ab, der die Vergangenheit vergessen will und Zerstreuung in Alkohol und Sexorgien sucht, um die Erlebnisse auszublenden. Dabei l\u00e4sst er \u2013\u00a0wie es sich f\u00fcr den Protagonisten in einem erotischen Roman geh\u00f6rt \u2013 in sexueller Hinsicht kaum etwas aus, sodass die zwar theoretisch gebildete, aber praktisch unerfahrene Maryanne in alle denkbaren Spielarten eingef\u00fchrt werden kann. Positiv zu vermerken ist Dashs Reaktion auf Maryannes Schwangerschaft: Es gibt keine Ausreden, keine Z\u00f6gern, keine Schuldabschiebung und Ausfl\u00fcchte; er \u00fcbernimmt ohne zu Z\u00f6gern die Verantwortung f\u00fcr sein Handeln. Dass er das ohne jedes Hadern und ohne jeden Zorn tut, ist allerdings angesichts der Situation ein wenig unglaubw\u00fcrdig. Ein bisschen Entsetzen h\u00e4tte ihm mehr Glaubw\u00fcrdigkeit verliehen und der sehr glatt laufenden Beziehung zwischen den Protagonisten vielleicht ein wenig mehr W\u00fcrze verliehen. Doch nicht nur in dieser Angelegenheit, auch sonst ist Swansborough eigentlich viel zu nett daf\u00fcr, dass er ja so schicksalsgebeutelt und \u00bbkaputt\u00ab ist \u2013 er hat viele gute Ans\u00e4tze, kann aber letztendlich dennoch nicht vollends \u00fcberzeugen. <\/p>\n<p>Nicht wirklich relevant, aber erw\u00e4hnenswert ist die \u00dcbersetzung des Titels: Dass aus dem Orignaltitel \u00bbBlack Silk\u00ab im Deutschen \u00bbSamtschwarz\u00ab wurde, ist ein wenig ungl\u00fccklich, weil im Buch schwarze Seide eine Rolle spielt und mehrfach erw\u00e4hnt wird, w\u00e4hrend nicht mal irgendwelche Augen oder Haare \u00bbsamtschwarz\u00ab sind. Es ist anzunehmen, dass eine Eins-zu-eins-\u00dcbersetzung des Originaltitels aus Gr\u00fcnden des Titelschutzes in Deutschland nicht m\u00f6glich war; vielleicht h\u00e4tte man allerdings in diesem Fall besser komplett von irgendwelchen schwarzen Materialien im Titel abgesehen.  <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n8\/15 \u2013 Ein erotischer Roman, der im Verlauf der Handlung mehr und mehr zu einem Krimi wird und letztendlich weder als Krimi noch als Erotikroman endg\u00fcltig \u00fcberzeugen kann. Obwohl trotzdem durchaus unterhaltsam, kommt der zweite Teil der Serie bei Weitem nicht an Teil 1 <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899414888\/ueberalles-21\">(Der Reiz des Verbotenen<\/a>\/<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0758214707\/ueberalles-21\">Sin<\/a>, 13\/15 Punkte) heran.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: Black Silk Rodessons T\u00f6chter, Band 2<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: London 1819: Woll\u00fcstig und tabulos sind die geheimen Orgien der Gesellschaft, deren unfreiwillige Zeugin die junge Maryanne wird. Als der Hilferuf einer Bekannten sie eines Abends in ein zwielichtiges Etablissement f\u00fchrt, traut sie ihren Augen nicht. 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