{"id":3915,"date":"2009-10-31T13:22:08","date_gmt":"2009-10-31T11:22:08","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=3915"},"modified":"2009-10-31T13:22:08","modified_gmt":"2009-10-31T11:22:08","slug":"linda-lael-miller-so-frei-wie-der-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=3915","title":{"rendered":"Linda Lael Miller: So frei wie der Himmel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: McKettrick&#8217;s Luck<\/strong><br \/>\nDie McKettricks, Teil 1<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899415744\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/3899415744.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0373771851\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/0373771851.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt: <\/strong><br \/>\nJesse McKettricks Herz schl\u00e4gt f\u00fcr das weite Land, das seine Vorfahren einst urbar gemacht haben, f\u00fcr die Ranch, auf der er lebt und arbeitet. Nichts kann ihn von hier vertreiben. Doch dann kommt die sch\u00f6ne Cheyenne Bridges nach Indian Rock und mit ihr die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung seines Lebens. Denn Cheyenne soll ihn im Auftrag ihres Bosses mit Charme und notfalls auch List dazu bringen, einen Teil seines Lands abzugeben. Jesse brennt vor Leidenschaft. Aber das Erbe seiner Vorfahren an eine Immobiliengesellschaft verkaufen? Niemals. Stattdessen schmiedet er einen Gegenplan, der seine Widersacherin von dem wilden Zauber der Natur und der unbegrenzten Freiheit \u00fcberzeugen soll und von seiner Liebe. <\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nIch mag Liebesromane. Wirklich! Sie d\u00fcrfen auch ein bisschen kitschig und notfalls sogar ein bisschen pathetisch sein. Die Betonung liegt aber auf \u00bbein bisschen\u00ab. Was hier geboten wird, ist des Guten zu viel, und zwar bei weitem. <\/p>\n<p>Die Geschichte ist austauschbare Standardkost: Cheyenne wird von ihrem Chef in ihre alte Heimatstadt geschickt, um dem reichen Rancher Jesse McKettrick Land abzuschwatzen. Da er in Geld schwimmt und sein Land liebt, lehnt er das lukrative Angebot ab, doch Cheynenne bleibt weiter dran \u2013 nicht zuletzt, weil sie das Honorar, das sie bei diesem Deal verdient, dringend zur Unterst\u00fctzung ihrer Familie braucht. Im Laufe der Handlung verlieben sich Cheyenne und Jesse, der Leser kriegt ganz nebenbei ein wenig Poker-Nachhilfe, und am Ende wird nat\u00fcrlich alles gut. <\/p>\n<p>So eine Story kann nur durch gelungene Figuren zu etwas besonderem werden, und tats\u00e4chlich \u2013 sie sind gar nicht schlecht! Die weibliche Protagonistin Cheyenne ist vielleicht eine Spur zu selbstmitleidig, \u00fcberf\u00fcrsorglich, unentschlossen und wenig zupackend, geht aber letztendlich in Ordnung. Mit der m\u00e4nnlichen Hauptfigur, Jesse McKettrick, hat Linda Lael Miller allerdings einen wirklich tollen Helden geschaffen, er ist ein bisschen Macho, ein bisschen raubeiniger Cowboy, ein bisschen Romantiker \u2013 alles in allem ein wirklich ansprechender Typ, der wei\u00df, was er will und um das, was er will, k\u00e4mpft. <\/p>\n<p>Unter diesen Voraussetzungen h\u00e4tte aus \u00bbSo frei wie der Himmel\u00ab prinzipiell vielleicht kein \u00fcberragendes, aber zumindest ein gutes, unterhaltsames Buch werden k\u00f6nnen \u2013 w\u00e4ren da nicht diese riesige Ansammlung von Klischees und das \u00fcberbordende Pathos, das z.T. fast schon esoterisch anmutet. Einen ersten H\u00f6hepunkt von Millers Welt erlebt man, als Jesse McKettrick Cheyenne das Land zeigt, das sie erwerben will. Schon als sie sich auf dem R\u00fccken ihrer edlen R\u00f6sser auf zur Besichtigung machen, ahnt man, dass gleich Dramatisches passieren wird, denn Cheyenne betet aus unerfindlichen Gr\u00fcnden: \u00bbOh bitte, lass mich das Land nicht zu sehr lieben.\u00ab (S. 58) Wie sie \u00fcberhaupt auf die Idee kommt, sie k\u00f6nne das Land zu sehr lieben, bleibt ihr Geheimnis; ist aber auch egal, denn nat\u00fcrlich bleibt es bei dem frommen Wunsch: Als das Landst\u00fcck, um das es geht, in ihr Blickfeld ger\u00e4t, wird sie von einer wahren Disneyidylle \u00fcberw\u00e4ltigt: \u00bbTausende von B\u00e4umen. Sonnenbeschienene Wiesen, auf denen Wild graste. Ein geschwungener Bach funkelte wie die Quasten an den Tambourst\u00f6ckchen bei <em>Cora&#8217;s Curl and Twirl<\/em>.\u00ab (S. 62) Man kann die zwitschernden V\u00f6gelchen und fr\u00f6hlich flatternden bunten Schmetterlinge in dieser Szenerie f\u00f6rmlich vor sich sehen und erwartet fast das Auftauchen des letzten Einhorns! Doch auch ohne Einhorn ist Cheyenne sehr ergriffen. \u00bbTr\u00e4nen stiegen ihr in die Augen. Wieder begann dieser dumpfe Trommelschlag in ihrem Blut zu dr\u00f6hnen und vibrierte durch ihre Venen\u00ab (S. 62), \u00bbDie Sch\u00f6nheit des Landes schien auf ihren ureigensten Rhythmus zu antworten wie ein riesiges unsichtbares Herz\u00ab (S. 65). Doch auch Jesse, dem sein Land ja eigentlich hinreichend bekannt sein sollte, ist ganz hingerissen: \u00bbEhrf\u00fcrchtig nahm Jesse den Hut ab, als ob er eine Kirche betreten h\u00e4tte. Sein Gesicht sah pl\u00f6tzlich ganz anders aus, als ob er das Land nicht nur mit den Augen in sich aufnahm, sondern mit jeder einzelnen Pore seines K\u00f6rpers.\u00ab (S. 63)  <\/p>\n<p>Leider ist die Ergriffenheit aller Anwesenden \u00fcber die glorifizierte Sch\u00f6nheit des Landes nicht der einzige Ausl\u00f6ser f\u00fcr ma\u00dfloses Pathos. Angereichert mit irrsinnigen \u00dcbertriebungen und gesteigert durch verst\u00e4rkende Wiederholungen \u00fcbertrifft sich die Autorin immer wieder aufs Neue selbst und versetzt selbst abgebr\u00fchte Leser in Erstaunen:<\/p>\n<blockquote><p>\n\u00bbSo wild er [Jesse] auch war, so sehr besa\u00df er daneben eine angeborene und vollkommen widerspr\u00fcchliche Ruhe. Als kreiste er um einen inneren Kern, der direkt mit der Unendlichkeit des Seins verbunden war. Wie es wohl w\u00e4re, mit einem Mann wie ihm zu schlafen? Einem Mann, der sich derartig elementar konzentrieren konnte?\u00ab  (S. 96)<\/p>\n<p>\u00bbAber f\u00fcr einen kurzen Moment wollte sie nicht l\u00e4nger Cash Bridges&#8216; Tochter sein. Nicht die verl\u00e4ssliche St\u00fctze ihrer Mutter. Nicht Mitchs Besch\u00fctzerin. Sie wollte nur eines sein. Nur eines.<br \/>\nEine Frau.<br \/>\nEine Frau aus Fleisch und Blut, die sich einem Mann aus Fleisch und Blut hingab. Wen scherten schon die Konsequenzen?\u00ab (S. 198)<\/p>\n<p>\u00bbBestimmt h\u00e4tten sie fantastischen Sex, eine atomare Verschmelzung, aber selbst solche Verschmelzungen k\u00fchlten mit der Zeit ab.\u00ab (S. 199)<\/p>\n<p>\u00bbWahrscheinlich lag ihr auf der Zunge, dass es nicht zu viel bedeutete, dass der Sex fantastisch gewesen war. Dass sie beide schlie\u00dflich erwachsen w\u00e4ren. \u00c4hnliche Gedanken hatte er auch gehabt \u2013 bis zu dem Moment, in dem Cheyenne ihn an Orte f\u00fchrte, von denen er niemals zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tte. Sie hatte ihm die Landschaft seiner eigenen Seele gezeigt, mit der Sonne und dem Schatten, den Schluchten, Bergen und verschlungenen Fl\u00fcssen.\u00ab (S. 214)<\/p><\/blockquote>\n<p>Und als w\u00e4re das nicht ohnehin schon des Guten zu viel, m\u00fcssen wir auch noch \u00fcber ein Schlafzimmer lesen, dessen Decke freskenm\u00e4\u00dfig mit Cowboys und Rinderherden bemalt ist, und philosophischen Gedanken \u00fcber das Leben und nebeineinander existierende unterschiedliche Zeitdimensionen folgen. Wie Cheyenne und eine Schwester von Jesse feststellen, verlaufen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft n\u00e4mlich nicht etwa linear, sondern alles geschieht gleichzeitig. Und weil sich diese Zeitdimensionen manchmal \u00fcberschneiden, kann man hie und da Leute aus der Vergangenheit\/Zukunft treffen (vgl. S. 249f.).  <\/p>\n<p>Die \u00dcbersetzung tr\u00e4gt auch nicht gerade zum Lesevergn\u00fcgen bei. Das f\u00e4ngt mit Kleinigkeiten wie nicht hundertprozentig treffenden W\u00f6rtern an \u2013 zum Beispiel \u00bbb\u00fcrstet\u00ab man Pferde nicht, sondern striegelt sie! \u2013 und endet bei der kompletten Ignoranz des Plusquamperfekts. Und letzteres nervt richtig, denn es ist zum Teil richtig sinnentstellend und verwirrend. Hinzu kommt, dass in manchen Szenen verbindende S\u00e4tze zu fehlen scheinen, wie in folgender Szene, in der Cheyenne Z\u00e4hneputzen will und Jesses Bad aufsucht. \u00bbCheyenne fand mehrere verpackte Zahnb\u00fcrsten. Schlie\u00dflich hatte sie sich bei <em>Lucky&#8217;s<\/em> \u00fcbergeben.\u00ab (S. 205) Nicht, dass man es nicht im Kontext trotzdem verstehen w\u00fcrde, aber es l\u00e4sst einen stutzen und ist nicht wirklich sauber. Ob derartige Auslassungen allerdings aus dem Original kommen, oder erst bei der \u00dcbersetzung passiert ist, wei\u00df ich nicht; sie tragen jedenfalls nicht zur Qualit\u00e4t des Buches bei.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><br \/>\n6\/15 \u2013 Ein Buch, das eigentlich h\u00e4tte nett sein k\u00f6nnen, wenn es nicht unter dem ganzen Kitsch erstickt w\u00e4re.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: McKettrick&#8217;s Luck Die McKettricks, Teil 1<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: Jesse McKettricks Herz schl\u00e4gt f\u00fcr das weite Land, das seine Vorfahren einst urbar gemacht haben, f\u00fcr die Ranch, auf der er lebt und arbeitet. Nichts kann ihn von hier vertreiben. 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