{"id":3599,"date":"2009-10-11T13:59:02","date_gmt":"2009-10-11T11:59:02","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=3599"},"modified":"2009-10-30T15:15:22","modified_gmt":"2009-10-30T13:15:22","slug":"jason-f-wright-die-mittwochsbriefe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=3599","title":{"rendered":"Jason F. Wright: Die Mittwochsbriefe"},"content":{"rendered":"<p><strong>OT: The Wednesday Letters<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3453266099\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/3453266099.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/0425223477\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/0425223477.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Inhalt: <\/strong><br \/>\nInnerhalb einer einzigen schicksalsschweren Nacht sterben Jack und Laurel, die seit fast vierzig Jahren gl\u00fccklich verheiratet waren. Schweren Herzens finden sich ihre drei Kinder zusammen, um die Begr\u00e4bnisfeierlichkeiten zu organisieren. Jeder hat sein eigenes Problem im Gep\u00e4ck: Matthews Ehe ist ungewollt kinderlos und entsprechend angespannt. Samantha wiederum ist bereits geschieden und muss sich als alleinerziehende Mutter durchk\u00e4mpfen. Und Malcolm ist um seiner Jugendliebe willen mit dem Gesetz in Konflikt geraten und bereits vor Jahren in Brasilien untergetaucht. <\/p>\n<p>Im Keller ihres Elternhauses sto\u00dfen die drei unvermutet auf einen Schatz: kistenweise Briefe des Vaters an die Mutter, die er ihr jahrzehntelang jeden Mittwoch geschrieben hat. Sie bieten wunderbar romantische Liebeserkl\u00e4rungen an seine Frau und zugleich eine r\u00fchrende Geschichte der Familie. Die Lekt\u00fcre ist zun\u00e4chst enorm tr\u00f6stlich. Doch dann taucht ein Brief auf, der die Familie in ihren Grundfesten ersch\u00fcttert und eines der Kinder in den Abgrund zu sto\u00dfen droht. <\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nDreh- und Angelpunkt der Geschichte sind die Briefe von Laurel und Jack Cooper, die ihre Kinder im Keller finden, als sie zur Beerdigung in der Fr\u00fchst\u00fcckspension ihrer Eltern zusammentreffen; sie sind Aufh\u00e4nger, um die Familiengeschichte der Coopers zu erz\u00e4hlen. Die eigentlichen Briefe nehmen dabei allerdings weit weniger Raum ein als erwartet, denn die Aufarbeitung der Inhalte und der Vergangenheit findet naturgem\u00e4\u00df in der Gegenwart statt; zudem liegt ein zweiter Schwerpunkt des Buches auf der Geschichte des Sohnes Malcolm. <\/p>\n<p>Eine tolle Idee, den Kindern die eigene Lebensgeschichte in Briefform zu hinterlassen? Ja, eine wunderbare Idee, dachte ich zun\u00e4chst, doch nach der Lekt\u00fcre des Buches muss ich sagen: Nein, eine bescheuerte Idee \u2013 zumindest, wenn die Briefe wie in diesem Fall Enth\u00fcllungen enthalten, die so viele Fragen aufwerfen und Ungewissheiten verursachen und ein Leben ver\u00e4ndern k\u00f6nnen. Es muss ein Albtraum f\u00fcr ein Kind sein, nach dem Tod der Eltern auf ein Familiengeheimnis dieser Tragweite gesto\u00dfen zu werden, zu dem einem niemand mehr Erk\u00e4rungen liefern und Fragen beantworten kann, um den Schmerz und das Entsetzen zu lindern. Besser nimmt man Geheimnisse dieser Art mit ins Grab, als seine Kinder damit allein zu lassen. <\/p>\n<p>Abgesehen von den Briefen, die sich um besagtes Familiengeheimnis drehen, gibt es nat\u00fcrlich noch eine Reihe weiterer Schreiben von Jack, die Liebeserkl\u00e4rungen in verschiedenster Gestalt enthalten, Erlebnisse mit den Kindern aufarbeiten, Berichte zum Zeitgeschehen liefern und gemeinsame Unternehmungen der Eheleute schildern. Diese sind teils humorvoll, teils sehr gef\u00fchlvoll, teils aber auch vollkommen belanglos. Dass nicht jeder von Jacks im Laufe vieler Jahre geschriebener Briefe gehaltvoll sein kann, ist nur nat\u00fcrlich \u2013 da sie aber ohnehin sehr selektiv gezeigt werden, ist die Auswahl solch unbedeutender Episoden unverst\u00e4ndlich. Dar\u00fcber hinaus ist es dem Aufbau der Geschichte nicht zutr\u00e4glich, dass die Mittwochsbriefe, die einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten umfassen, unsortiert pr\u00e4sentiert werden und damit thematisch extrem springen. Dadurch l\u00f6st sich die aufgebauten Spannung immer wieder in Nichts auf. Auch erz\u00e4hlerisch krankt es an manchen Stellen, etwa beim Bericht \u00fcber Laurels und Jacks Einschleichen bei Elvis und Priscilla Presley in Graceland. Jack arbeitet diesen gemeinsamen Tag in einem seiner Briefe an seiner Frau auf, erkl\u00e4rt in allen Einzelheiten, wie sich alles abgespielt hat \u2013\u00a0als w\u00e4re sie nicht dabei gewesen. War sie aber, und Jacks vorweggeschickte Begr\u00fcndung, er schreibe diesen Brief so detailliert, damit sie sp\u00e4ter ihre Erinnerungsl\u00fccken f\u00fcllen k\u00f6nnen, ist alles andere als glaubw\u00fcrdig und stimmig. <\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Geschichte dreht sich zu weiten Teilen um Sohn Malcolm, der schwierig und aggressiv ist, immer noch seiner Jugendliebe Rain nachtrauert und alles andere als charakterlich gefestigt erscheint. Dass ausgerechnet der unsichere Malcolm von den Enth\u00fcllungen in den Briefen betroffen ist, ist nur logisch; seine Reaktion darauf erscheint dennoch \u00fcberzogen. \u00dcberhaupt sind eigentlich die meisten aktuellen Entwicklungen rund um die ganze Familie inklusive der Aufl\u00f6sung des Familiengeheimnisses einfach eine Nummer zu dick aufgetragen: Da taucht der ehemals alkoholkrankte Bruder des Verstorbenen mit einer tr\u00e4nenr\u00fchrenden Geschichte im Gep\u00e4ck wieder auf und wird umgehend in die Familie integriert, ein Verschw\u00f6rer und ein H\u00fcter eines langj\u00e4hrigen Geheimnisses m\u00fcssen endlich ihr Gewissen erleichtern und am Ende finden alle unvermittelt ihr Gl\u00fcck. Das war selbst mir als heilloser Romantikerin zu viel von \u00bbAlles ist gut\u00ab. Ebenfalls zu viel war mir die Bedeutsamkeit und Allgegenw\u00e4rtigkeit Gottes: Gott hat es so gewollt, Gott gibt die Kraft, alles zu ertragen und verzeihen, Gott wird es schon richten, Gott schenkt uns das ewige Leben und im Himmel werden wir uns alle wiedersehen und f\u00fcr immer zusammen und gl\u00fccklich sein. Mit dieser Art von Religiosit\u00e4t, mehr oder weniger deutlich vorgetragen, kann ich wenig anfangen. <\/p>\n<p>Eine Erw\u00e4hnung wert ist noch der zweite Epiolog: ein \u00bbhandschriftlicher\u00ab Brief, der in einem hinten im Buch eingeklebten Kuvert steckt. Sehr h\u00fcbsch und sehr passend \u2013\u00a0aber inhaltlich eine Entt\u00e4uschung. Der Brief von Malcolm an seine Frau ist kitschig, unn\u00f6tig theatralisch, bringt nichts Neues oder \u00dcberraschendes und ist damit mehr als verzichtbar. Wieder einmal hat es der Autor verpasst, etwas Gro\u00dfes aus einer tollen Idee zu machen.  <\/p>\n<p><strong>Fazit: <\/strong><br \/>\n8\/15 \u2013 Das Buch hat mich zwar von Beginn an in seinen Bann geschlagen, aber dennoch entt\u00e4uscht zur\u00fcckgelassen. Es ist stellenweise sehr aufw\u00fchlend, r\u00fchrend und trotz aller Kritikpunkte unterhaltsam, aber es fehlt ihm die Tiefe. Am Ende hatte ich das Gef\u00fchl, dass man die wunderbare Idee viel, viel besser h\u00e4tte umsetzen k\u00f6nnen, und dass das gro\u00dfe Potenzial zu weiten Teilen ungenutzt blieb, weil zu sehr auf Kitsch und \u00fcberh\u00f6hte Dramatik gesetzt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>OT: The Wednesday Letters<\/p>\n<\/p>\n<p>Inhalt: Innerhalb einer einzigen schicksalsschweren Nacht sterben Jack und Laurel, die seit fast vierzig Jahren gl\u00fccklich verheiratet waren. Schweren Herzens finden sich ihre drei Kinder zusammen, um die Begr\u00e4bnisfeierlichkeiten zu organisieren. 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