{"id":2727,"date":"2009-08-27T14:01:14","date_gmt":"2009-08-27T12:01:14","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=2727"},"modified":"2010-12-14T08:46:44","modified_gmt":"2010-12-14T07:46:44","slug":"gedanken-zu-klappentexten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=2727","title":{"rendered":"Gedanken zu Klappentexten"},"content":{"rendered":"<p>Bei <a href=\" http:\/\/turningworld.wordpress.com\/2009\/08\/24\/rezension-matthew-skelton-cirrus-flux\/#comments \">Turning World<\/a> ist gerade eine kleine Diskussion zur Qualit\u00e4t von Rezensionen entbrannt, in deren Zuge auch das Thema \u00bbKlappentexte\u00ab angesprochen wird. Wenn ich das richtig deute, sind die Aussagen der \u00bbKritiker an der Kritik\u00ab zwar mit einem Augenzwinkern zu bewerten, aber sie haben mich dennoch ins Gr\u00fcbeln gebracht.<\/p>\n<p>Ich mag blau\u00e4ugig oder vielleicht auch betriebsblind sein, aber ich finde, hier werden die Klappentexte der Verlage schlechter gemacht, als sie sind. Klar, es sind Werbetexte des Verlages, die den Verkauf des Buches ankurbeln sollen, und somit sind sie Marketinginstrument. Nat\u00fcrlich stellt der Verlag zu diesem Zweck Positives heraus und versucht, eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Zielgruppe abzuholen, indem er deren Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche bedient, aber das hei\u00dft ja noch lange nicht, dass Inhalte regelm\u00e4\u00dfig absichtlich falsch oder einseitig dargestellt werden. <\/p>\n<p>Zugegeben, es kommt immer wieder vor, dass Verlagstexte gar nichts aussagen oder im schlimmsten Fall den Leser wirklich wissentlich auf eine falsche F\u00e4hrte schicken \u2013\u00a0was zweifellos ein absolutes Unding ist, weil es nur zu Frustration bei Konsumenten und\/oder Autoren f\u00fchrt. In letzter Zeit erlebt man das immer wieder mal im Paranormal-Genre, wo in Titeln oder Klappentexten Vampire auftauchen, die aber offenbar vor Drucklegung zu viel Sonne abgekriegt und sich in Staub aufgel\u00f6st haben; anders ist nicht zu erk\u00e4ren, wo sie hingekommen sind. Auch \u00bbRomantic Suspense\u00ab-B\u00fccher und \u00bbLadythriller\u00ab werden gerne mal als klassische Krimis\/Thriller verkauft, was regelm\u00e4\u00dfig zu Beschwerden \u00fcber den (zu) hohen Romance-Anteil f\u00fchrt, w\u00e4hrend sich im umgekehrten Fall die Romantikerinnenfraktion \u00fcber zu wenig Liebe in \u00bbUrban Fantasy\u00ab-B\u00fcchern beschweren, die ihnen als \u00bbRomantasy\u00ab angedreht wurden. <\/p>\n<p>Mir ist also durchaus bewusst, dass verlagsseitig mittels eines Klappentextes falsche Erwartungen geweckt werden <em>k\u00f6nnen<\/em> und dass diese Verlagstexte dann nat\u00fcrlich unzuverl\u00e4ssig und falsch sind. Aber das ist meiner Meinung nach nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Ob man auf solche bekannterma\u00dfen falschen Texte im Zuge einer \u00bbBuchvorstellung\u00ab dennoch zur\u00fcckgreift und sie richtig stellt, oder gleich ganz darauf verzichtet und durch eine eigene Inhaltszusammenfassung ersetzt, liegt wohl im Ermessen jedes Einzelnen und h\u00e4ngt sicher auch vom Grad der Falschinformationen ab; unkommentiert sollte ein falscher Klappentext jedenfalls nicht bleiben.  <\/p>\n<p>Als weiteres Argument gegen Klappentexte wird angef\u00fchrt, dass sie (als Marketinginstrument) nicht neutral seien. Das mag zwar stimmen, impliziert allerdings, dass die Inhaltszusammenfassung eines Kritikers im Gegensatz dazu neutral(er) ist. Aber spiegelt nicht jeder Text das subjektive Empfinden des Verfassers wider \u2013 also nicht nur der Klappentext des Verlages, sondern auch die Inhaltsbeschreibung eines unabh\u00e4ngigen Rezensenten, wenngleich unterschiedliche Intentionen dahinter stehen? Die Inhaltsangabe eines kritischen Lesers ist nicht weniger subjektiv, nur weil sie <em>nicht<\/em> vom Verlag ist \u2013 sie ist m.E. nur <em>anders<\/em> subjektiv. Denn wie hab ich im vor Urzeiten Soziologieseminar gelernt: Es gibt keine Objektivit\u00e4t, jede Meinung und Zusammenfassung ist vom eigenen Hintergrund und Erfahrungshorizont gepr\u00e4gt, alles wird entsprechend der eigenen Erlebnisse wahrgenommen und bewertet.<\/p>\n<p>Ich bin bei diesem Thema nat\u00fcrlich selbst nicht neutral, denn wie man auf meiner eigenen Seite sehen kann, hab ich keinerlei Probleme mit der Verwendung von Klappentexten in \u2013 wohlgemerkt: nicht-professionellen \u2013 Rezensionen. In den meisten F\u00e4llen finde ich sie sogar als kurze Inhaltszusammenfassung bzw. Appetizer bestens geeignet, weil sie normalerweise wesentliche Aussagen \u00fcbers Buch enthalten und Lust auf mehr machen. \u00dcblicherweise erg\u00e4nzt man doch im Rahmen des Kommentars ohnehin wichtige zus\u00e4tzliche Informationen im Zusammenhang mit Aufbau, Figuren usw. Aber ich gebe zu, ich pers\u00f6nlich bin ohnehin kein Freund von ausf\u00fchrlichen Inhaltszusammenfassungen und \u00fcberfliege die normalerweise gro\u00dfz\u00fcgig  \u2013 insbesondere dann, wenn ich das Buch selbst noch lesen will! Ich will ja schlie\u00dflich noch was Neues entdecken und nicht schon das meiste wissen! ;)<\/p>\n<p>Was ich eigentlich sagen wollte: Auch wenn es schwarze Schafe unter den Verlagen gibt, die absichtlich falsche Erwartungen wecken, sind die Mehrzahl der Klappentexte m.E. besser als ihr Ruf und durchaus brauchbar \u2013 auch als Einstieg in eine Kritik. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Turning World ist gerade eine kleine Diskussion zur Qualit\u00e4t von Rezensionen entbrannt, in deren Zuge auch das Thema \u00bbKlappentexte\u00ab angesprochen wird. 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