{"id":1660,"date":"2009-05-14T20:37:44","date_gmt":"2009-05-14T19:37:44","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=1660"},"modified":"2009-05-15T07:23:26","modified_gmt":"2009-05-15T06:23:26","slug":"charlotte-roche-feuchtgebiete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=1660","title":{"rendered":"Charlotte Roche: Feuchtgebiete"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Feuchtgebiete-Charlotte-Roche\/dp\/3832180575%3FSubscriptionId%3D02E5W5871AJF7PMMMS82%26tag%3Dueberalles-21%26linkCode%3Dxm2%26camp%3D2025%26creative%3D165953%26creativeASIN%3D3832180575\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/ecx.images-amazon.com\/images\/I\/31cFcLnV4%2BL._SL160_.jpg\" alt=\"\" width=\"107\" height=\"160\" \/><\/a><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nNach einer missgl\u00fcckten Intimrasur liegt die 18-j\u00e4hrige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der irren Hoffnung, die beiden k\u00f6nnten sich am Krankenbett der Tochter endlich vers\u00f6hnen. Unterdessen nimmt sie jene Bereiche ihres K\u00f6rpers unter die Lupe, die gew\u00f6hnlich als unm\u00e4dchenhaft gelten, und l\u00e4sst Krankenpfleger Robin die Stellen fotografieren, die sich ihrem neugierigen Blick entziehen. Nebenher pflegt sie ihre Sammlung von Avocadokernen, die ihr auch in sexueller Hinsicht wertvolle Dienste leisten. Selbst wenn Helens Besessenheit eine Notoperation n\u00f6tig werden l\u00e4sst &#8211; ihr ungest\u00fcmer Witz und ihre Wahrhaftigkeit machen sie zu einer Sensation nicht nur auf der Station des Krankenhauses. Sie spricht aus, was andere nicht einmal zu denken wagen. <\/p>\n<p>\u00bbFeuchtgebiete\u00ab ist eine Exkursion zu den letzten Tabus der Gegenwart. Mutig, radikal und provokant rebelliert Charlotte Roches Roman gegen Hygienehysterie und die sterile \u00c4sthetik der Frauenzeitschriften, gegen den standardisierten Umgang mit dem weiblichen K\u00f6rper und seiner Sexualit\u00e4t &#8211; und erz\u00e4hlt dabei die wunderbar wilde Geschichte einer ebenso genusss\u00fcchtigen wie verletzlichen Heldin. <\/p>\n<p><strong>Kommentar: <\/strong><br \/>\nDie obige Inhaltsangabe verspricht weit mehr, als das Buch liefert, tut sie doch so, als h\u00e4tte das Buch eine Handlung und die Hauptfigur Helen ein Profil. Das ist mitnichten der Fall; zumindest auf mich macht \u00bbFeuchtgebiete\u00ab den Eindruck, als diene es einzig und allein dem einen Zweck, den Leser zu schockieren. Okay, in der zweiten H\u00e4lfte gibts nebenbei noch sowas \u00e4hnliches wie eine Geschichte, die zeigen soll, dass Helen nur so abgespaced ist, weil sie ungl\u00fccklich, isoliert und traumatisiert ist, aber vorwiegend geht es darum, sich irgendwas in irgendwelche K\u00f6rper\u00f6ffnungen zu stecken, ob nun anal, vaginal oder oral, ob Avocadokerne, komplette Duschk\u00f6pfe, Popel oder was auch immer die Leserschaft mit Ekel erf\u00fcllen und in ungl\u00e4ubiges Staunen versetzen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Dem Buch die Intention zu unterstellen, die Hygienehysterie und die sterile \u00c4sthetik in den Frauenzeitschriften anpragern zu wollen, erscheint mir mehr als haneb\u00fcchen. W\u00e4re das Charlotte Roches Ziel gewesen, h\u00e4tte sie sich auf eine weniger \u00fcbertrieben schockierende Art und Weise mit dem Thema auseinandergesetzt, statt Details zu offenbaren, \u00fcber die kein Mensch Bescheid wissen will \u2013 zumal sie auch nicht wirklich von Interesse sind. M.E. verfolgt das Buch nur das Ziel, durch einen extrem hohen Ekelfaktor mediale Aufmerksamkeit zu erhalten und sich so zu verkaufen \u2013 was ja zugegenerma\u00dfen auch gelungen ist. Ich bin schlie\u00dflich selbst Opfer dieser Marketingstrategie und hab das Buch (immerhin nur) ertauscht, um herauszufinden, wor\u00fcber sich so viele Menschen in meiner Umgebung so sehr echauffieren. Ehrlich gesagt: Ich m\u00f6chte das Buch nicht gerade beim Essen lesen oder gar Helens merkw\u00fcrdige Experimente nachvollziehen, aber nach allem, was ich dar\u00fcber geh\u00f6rt hatte, h\u00e4tte ich mir \u00bbFeuchtgebiete\u00ab weit schlimmer vorgestellt. Es ist definitiv nicht so, dass es mich vor Ekel gesch\u00fcttelt h\u00e4tte (h\u00f6chstens wegen Sprache und Stil), und \u00fcber die Inhalte kann ich mich auch nicht ernsthaft aufregen. Teilweise war der Versuch, in jeder Hinsicht zu schockieren, so durchschaubar und \u00fcbertrieben, dass man sich ein Grinsen \u2013\u00a0verbunden vielleicht mit einem Augenrollen \u2013 kaum verkneifen konnte. Am ehesten \u00e4rgert mich eigentlich, dass ausgerechnet dieses inhaltlich wie sprachlich schlechte und v\u00f6llig unbedeutende Buch so einen wahnsinnigen Verkaufserfolg feiert, der anderen \u2013\u00a0guten! \u2013\u00a0Autoren versagt bleibt, nur weil sie kein Tabuthema bis zum Exzess strapazieren. <\/p>\n<p><strong>Wertung:<\/strong><br \/>\n3\/15 \u2013 Dieses Buch hat die mediale Aufmerksamkeit nicht im Mindesten verdient, kriegt aber ein paar Punkte daf\u00fcr, dass es mich bei der Stange halten konnte, weil ich unbedingt wissen wollte, was der fantasiebegabten Autorin noch so alles einf\u00e4llt. Freunde von Blumenkohl sollten sich \u00fcbrigens gut \u00fcberlegen, ob sie sich das Buch antun wollen, denn ob sie danach jemals wieder Blumenkohl essen k\u00f6nnen, ohne an H\u00e4morrhiden zu denken, erscheint mir fraglich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhalt: Nach einer missgl\u00fcckten Intimrasur liegt die 18-j\u00e4hrige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Sie wartet auf den Besuch ihrer geschiedenen Eltern, in der irren Hoffnung, die beiden k\u00f6nnten sich am Krankenbett der Tochter endlich vers\u00f6hnen. 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