{"id":15224,"date":"2012-03-15T12:37:13","date_gmt":"2012-03-15T11:37:13","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=15224"},"modified":"2012-03-15T12:37:13","modified_gmt":"2012-03-15T11:37:13","slug":"marginalie-pippi-langstrumpf-unter-anklage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=15224","title":{"rendered":"[Marginalie] Pippi Langstrumpf unter Anklage"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3789141585\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2012\/3789141585.jpg\" \/><\/a>Es ist mal wieder soweit: Politisch korrekte Nervens\u00e4gen haben einen Literaturklassiker aufs Korn genommen. Diesmal steht Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren unter Anklage, die von <a href=\"http:\/\/www.pokubi-sachsen.de\/training\/blickpunkt-rassismus\/dokumente\/informationen-zu-eske-wollrad\/\">Eske Wollrad<\/a> als sch\u00e4dlich f\u00fcr den Nachwuchs ausgemacht wurde. Der Grund ist diesmal nicht etwa das anarchische Weltbild, sondern der im Buch enthaltene Rassismus: Pippi erkl\u00e4rt n\u00e4mlich, das L\u00fcgen in Afrika gelernt zu haben und so verr\u00fcckt zu sein, weil sie sich oft in der N\u00e4he von Negern aufgehalten hat. Au\u00dferdem ist ihr Vater \u00bbS\u00fcdseek\u00f6nig\u00ab (in meiner Kindheit \u2013 vor der Verlagszensur [1] \u2013 war er gar noch \u00bbNegerk\u00f6nig\u00ab) und die <del datetime=\"2012-02-22T16:31:09+00:00\">Negerkinder<\/del> <del datetime=\"2012-02-22T16:31:09+00:00\">schwarzen<\/del> farbigen Kinder verneigen sich vor ihr, was auch kein gutes Bild auf Lindgrens Gesinnung wirft. Und \u00fcberhaupt spiegle die Figurenkonstellation \u2013\u00a0oh Wunder! \u2013 nicht das heutige Gesellschaftsbild, weil alle drei Protagonisten eine wei\u00dfe Hautfarbe und keinen Migrationshintergrund haben. (Wobei \u2026 Pippi ja irgendwie schon, so als Tochter eines Negerk\u00f6nigs!) <\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nEine Welle der Emp\u00f6rung \u00fcber den Angriff der promovierten Theologin auf den Kinderbuchklassiker schwappte zwar Ende letzten Jahres immerhin bis in den <a href=\"http:\/\/www.guardian.co.uk\/books\/2011\/nov\/09\/pippi-longstocking-books-racism\">englischen<\/a> <a href=\"http:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-2059438\/Pippi-Longstocking-books-branded-racist-German-theologian.html\">Sprachraum<\/a> (wo ich auch darauf aufmerksam geworden bin), hierzulande wurde das Thema aber nicht besonders hochgekocht (Artikel gibts u.a. bei der <a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/printarchiv\/familie\/article1408438\/Theologin-Pippi-Langstrumpf-ist-rassistisch.html\">Berliner Mopo<\/a> und der <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/regional\/leipzig\/rassismus\/leipziger-verein-geht-auf-pippi-langstrumpf-los-merkwuerdige-debatte-um-angeblichen-rassismus-in-kinderbuch-klassikern-20856460.bild.html\">Bild<\/a>). Laut Bild sagte selbst Sachsens Ausl\u00e4nderbeauftragter, die Diskussion gehe zu weit und man solle der Weltliteratur keinen Maulkorb verpassen; stattdessen sollten die Eltern mit ihren Kindern \u00fcber das Gelesene sprechen.<\/p>\n<p>So viel Vernunft w\u00fcrde man auch dem einen oder anderen Antidiskriminierungsk\u00e4mpfer w\u00fcnschen \u2013\u00a0dann d\u00fcrfte Agatha Christies Roman vielleicht heute noch \u00bbZehn kleine Negerlein\u00ab hei\u00dfen statt \u00bbUnd dann gabs keines mehr\u00ab, und in den B\u00fcchern von Enid Blyton w\u00fcrden immer noch verbrecherische \u00bbZigeuner\u00ab ihr Unwesen treiben. Bekanntestes Zensurwutbeispiel aus j\u00fcngerer Zeit d\u00fcrfte wohl Mark Twains Buch \u00bbTom Sawyer und Huckleberry Finn\u00ab sein, das inzwischen in einer politisch korrekten Version ver\u00f6ffentlicht wurde, in der \u00bbdie Begriffe \u203aNigger\u2039 und \u203aInjun\u2039, die als Schimpfw\u00f6rter f\u00fcr Schwarze und f\u00fcr Indianer gelten, nicht mehr vorkommen. Statt der 219 \u203aN-W\u00f6rter\u2039 soll jetzt \u203aSklave\u2039 im Text stehen, statt \u203aInjun\u2039 (etwa: \u203aRothaut\u2039) \u203aIndian\u2039\u00ab <a href=\"http:\/\/www.boersenblatt.net\/409093\">(Quelle)<\/a>.<\/p>\n<p>Mir ist wohl klar, dass gerade in Kinderb\u00fcchern das Thema \u00bbRassismus\u00ab eine sensible Angelegenheit ist, aber andererseits sollte es doch m\u00f6glich sein, einen Klassiker der Weltliteratur in seinem urspr\u00fcnglichen Zustand zu belassen und ggf. mit entsprechenden Erkl\u00e4rungen zu versehen [2], falls man Sorge hat, dass Eltern nicht zu einer vern\u00fcnftigen Aufkl\u00e4rung in der Lage sind. Immerhin ist ein Buch doch auch ein Spiegel der Gesellschaft zu der Zeit, in der es entstanden ist bzw. zu der es spielt und tr\u00e4gt somit zu Bildung und Weltverst\u00e4ndnis bei. Und Geschichte \u00e4ndert sich schlie\u00dflich auch nicht dadurch, dass man Vorkommnisse und Einstellungen totschweigt, die aus heutiger Sicht nicht (mehr) akzeptabel sind; auf diese Weise macht man sie nicht ungeschehen. Insofern kann ich mich nur der Aussage anschlie\u00dfen, dass man lieber aufkl\u00e4ren statt verbieten soll. <\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weitere Verurteilte:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3314100507\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2012\/3314100507.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3551738319\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2012\/3551738319.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3809425737\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2012\/3809425737.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3502510040\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2012\/3502510040.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 0.9em; \">[1] Laut <a href=\"http:\/\/kath.net\/detail.php?id=33809\">Kath.net<\/a> hat der Oetinger Verlag, der die Lindgren-B\u00fccher in Deutschland vertreibt, \u00fcber mehrere Jahre mit Astrid Lindgren \u00fcber die Ersetzung der Begriffe \u00bbNeger\u00ab und \u00bbZigeuner\u00ab korrespondiert, die nicht zuletzt von Eltern als diskriminierend beklagt wurden. Die Autorin verweigerte ihre Zustimmung zu einer diesbez\u00fcglichen \u00c4nderung ebenso wie zun\u00e4chst auch die Erben nach Lindgrens Tod; 2009 kam es dann aber dennoch dazu. Eine Verlagssprecherin sagte dazu, dass die Ver\u00e4nderung einfach n\u00f6tig sei, \u00bbWenn ein Wort nicht mehr im historischen Kontext gesehen werden kann, sondern nur noch als Schimpfwort\u00ab. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 0.9em; \">[2] Reine Aufkl\u00e4rung ist den Policital-Correctness-W\u00e4chtern \u00fcbrigens oft nicht genug, wie das Beispiel \u00bbTim und Struppi im Kongo\u00ab zeigt, wo die wilden Eingeborenen angeblich \u00bbwie Affen aussehen und wie Schwachsinnige sprechen\u00ab. Trotz einer ausf\u00fchrlichen Erkl\u00e4rung im Vorwort zu den Klischees in dieser Zeit, wird der Band vom Verlag Egmont UK mit einer Inhaltswarnung versehen. <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/35\/35851\/1.html\">(Quelle)<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist mal wieder soweit: Politisch korrekte Nervens\u00e4gen haben einen Literaturklassiker aufs Korn genommen. Diesmal steht Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren unter Anklage, die von Eske Wollrad als sch\u00e4dlich f\u00fcr den Nachwuchs ausgemacht wurde. 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