{"id":12988,"date":"2011-05-20T18:02:18","date_gmt":"2011-05-20T16:02:18","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=12988"},"modified":"2011-05-20T18:02:18","modified_gmt":"2011-05-20T16:02:18","slug":"rezension-kerstin-gier-in-wahrheit-wird-viel-mehr-gelogen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=12988","title":{"rendered":"[Rezension] Kerstin Gier: In Wahrheit wird viel mehr gelogen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3785760140\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2011\/3404165527.jpg\" \/><\/a> <strong>Klappentext:<\/strong><br \/>\nCarolin spielt virtuos Mandoline, spricht sechs Fremdsprachen und kann im Kopf die Wurzel aus siebenhundertvierundachtzig ausrechnen. Aber als sie sich mit ihrem Exfreund um ein riesiges Erbe streiten muss, ist sie komplett \u00fcberfordert. Verst\u00e4ndlicherweise. Denn sie ist noch keine drei\u00dfig und gerade Witwe geworden. Und das wirft wohl jedes noch so gro\u00dfe Wunderkind aus der Bahn. Zum Gl\u00fcck ist Carolin in ihren schw\u00e4rzesten Stunden nicht allein, und eine illustre Gesellschaft steht ihr bei, unter anderem die schlechteste Therapeutin der Welt, ein Apotheker \u2013 und ein ausgestopfter Foxterrier mit Namen &#8222;Nummer zweihundertdreiundvierzig&#8220; &#8230; <\/p>\n<p><strong>Kommentar:<\/strong><br \/>\nEndlich hab ichs geschafft, mal einen \u00bberwachsenen\u00ab Gier-Roman zu lesen \u2013 der irgendwie ganz anders war als angenommen. Ich hatte n\u00e4mlich nicht wirklich erwartet, ein Buch mit so ernstem Hintergrund zu erwischen.<\/p>\n<p>Die 26-J\u00e4hrige Carolin ist am Boden zerst\u00f6rt, weil ihr Mann Karl vor sechs Wochen \u00fcberraschend an einem Herzinfarkt gestorben ist. Ebenso \u00fcberraschend hat er ihr ein Verm\u00f6gen hinterlassen \u2013 und um dieses muss sie sich jetzt mit seiner habgierigen Verwandtschaft streiten. Dazu f\u00fchlt sie sich nicht wirklich in der Lage, doch mit Hilfe ihrer Familie und eines neuen Freundes stellt sie sich schlie\u00dflich der aktuellen Situation und ihrer Zukunft.<\/p>\n<p>Die Geschichte hat zun\u00e4chst zwei Handlungsstr\u00e4nge: In einem wird die Zeit nach Karls Tod beschrieben, in einem zweiten ihr Kennenlernen sowie das Leben mit ihrem Mann. Carolin und Karl haben sich auf den ersten Blick ineinander verliebt, und sie waren offenbar sehr gl\u00fccklich miteinander; allerdings wirft es ein ziemlich seltsames Licht auf die Beziehung, dass die beiden in einfachsten Verh\u00e4ltnissen gelebt haben, obwohl Karl ein riesiges Verm\u00f6gen besessen hat. Warum Karl seiner Frau nichts davon gesagt hat und sich stattdessen \u2013 zumindest phasenweise \u2013 von den Eltern seiner Frau hat finanziell unterst\u00fctzen lassen, wird nicht mal ansatzweise gekl\u00e4rt. M\u00f6glicherweise sind solche \u00dcberraschungen nach einem unerwarteten Todesfall gar nicht so unrealistisch; f\u00fcr den Leser ist es dennoch ziemlich unbefriedigend. Carolin selbst scheint das Thema weitgehend zu verdr\u00e4ngen, ihre Schwester allerdings ist ziemlich sauer deswegen und nennt Karl nur den \u00bbGeizkragen\u00ab. Auch Carls Eltern sind irritiert, die hinterlassene Erbschaft vers\u00f6hnt sie allerdings mit ihrem verstorbenen Schwiegersohn. <\/p>\n<p>Diese Erbschaft ist Bestandteil der Handlung in der Gegenwart, denn auch wenn Carolin verst\u00e4ndlicherweise absolut keinen Nerv hat, sich mit Erbschaftsangelegenheiten auseinanderzusetzen, sitzt ihr doch Karls Familie im Nacken und will zumindest einen Pflichtteil von der Alleinerbin einklagen. Dass Karls Sohn Leo Carolins Ex-Freund ist, vereinfacht die Sache nicht gerade; allerdings verh\u00e4lt sich Leo alles in allem vern\u00fcnftiger als erwartet. Deutlich anstrengender \u2013 und habgieriger! \u2013 ist Karls Bruder Thommi, dem Carolin und Leo am Ende gemeinschaftlich eins auswischen. Daf\u00fcr, dass die ganze Erbschaftsgeschichte im Klappentext so hochgeh\u00e4ngt wird und Carolin gedanklich so sehr besch\u00e4ftigt, verl\u00e4uft sie alles in allem eigentlich ziemlich unspektakul\u00e4r und friedlich; wirklich b\u00f6se Erbschaftsstreitigkeiten sehen definitiv anders aus. Und auch wenn ich finde, dass man das Thema nicht wirklich bis zum Exzess ausreizen muss, h\u00e4tte man doch ein bisschen mehr rausholen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ansonsten geht es vor allem darum, Wunderkind Carolin nach dem Tod ihres Mannes wieder auf die Beine zu bringen und sie dazu zu bewegen, sich ihrer Zukunft zu stellen. Die Familie, vor allem ihre Schwester und ihr Schwager, k\u00fcmmern sich sehr liebe- und aufopferungsvoll um die junge, leicht depressive Witwe. Sie schicken sie dar\u00fcber hinaus zu einer Therapeutin, die zwar vollkommen unf\u00e4hig scheint, aber Carolin trotzdem irgendwie hilft. Au\u00dferdem findet Carolin erstmals in ihrem Leben einen wahren Freund, mit dem sie Freud und Leid teilen kann. Am Ende hat man den Eindruck, dass Carolin so langsam in der Lage ist, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen und vorw\u00e4rts zu blicken; dass sie aber noch einen langen Weg vor sich hat, ist auch klar. Das macht auch Sinn, irgendwie befriedigt es einen aber trotzdem nur bedingt.<\/p>\n<p>Und das gilt f\u00fcrs ganze Buch. Dem Roman fehlt es an Spannung \u2013\u00a0nach einem starken Anfang pl\u00e4tschert es eher vor sich hin, ohne dass viel passieren w\u00fcrde. Carolins Trauer und die verschiedenen Phasen der Trauer sind ganz gut dargestellt, aber eben doch zu oberfl\u00e4chlich, um dem Buch die n\u00f6tige Faszination zu verleihen. \u00dcberhaupt blieb mir Carolin fremd und ihr Verhalten war f\u00fcr mich \u00fcber weite Strecken \u2013 auch schon vor Karls Tod \u2013 nicht nachvollziehbar. Ebenso fand ich ihre Beziehung letztendlich ein wenig undurchsichtig und ich habe mich gefragt, ob Carolin f\u00fcr Karl nicht eher eine Art Heldenverehrung als Liebe empfindet. W\u00fcrde Kerstin Gier nicht so wunderbar locker-flockig schreiben und h\u00e4tte sie nicht einen so guten Humor, h\u00e4tte ich das Buch wohl deutlich schlechter bewertet. <\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><br \/>\n9\/15 \u2013\u00a0Ein Buch, das trotz des ernsten Themas im Wesentlichen vom Humor lebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p> Klappentext: Carolin spielt virtuos Mandoline, spricht sechs Fremdsprachen und kann im Kopf die Wurzel aus siebenhundertvierundachtzig ausrechnen. Aber als sie sich mit ihrem Exfreund um ein riesiges Erbe streiten muss, ist sie komplett \u00fcberfordert. Verst\u00e4ndlicherweise. Denn sie ist noch keine drei\u00dfig und gerade Witwe geworden. 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