{"id":12896,"date":"2011-05-26T15:17:52","date_gmt":"2011-05-26T13:17:52","guid":{"rendered":"http:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=12896"},"modified":"2011-07-07T08:39:22","modified_gmt":"2011-07-07T06:39:22","slug":"rezension-linda-howard-lauf-des-lebens-oder-olle-kamellen-renommierter-autoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/buecher.ueber-alles.net\/?p=12896","title":{"rendered":"[Rezension] Linda Howard: Lauf des Lebens. Oder: Olle Kamellen renommierter Autoren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Originaltitel: Come Lie With Me<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/3899415760\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2011\/3899415760.jpg\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/exec\/obidos\/ASIN\/1551665492\/ueberalles-21\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ueber-alles.net\/Cover\/2011\/1551665492.jpg\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Klappentext:<\/strong><br \/>\nAls Physiotherapeutin sagt man Dione Kelly wahre Wunder nach. Ihr neuer Patient Blake Remington stellt sie jedoch vor eine gro\u00dfe Herausforderung. Der Flugzeugingenieur sitzt seit einem Sportunfall im Rollstuhl, und aus dem ehemals lebenshungrigen Abenteurer ist ein zynischer Tyrann geworden. Doch Dione bleibt hart, verordnet Blake ein strenges Trainingsprogramm und weicht auch nachts nicht von seiner Seite, wenn Schmerzen den geschundenen K\u00f6rper peinigen. Aber je n\u00e4her sich die beiden kommen, desto fordernder wird Blake, denn er erkennt hinter der k\u00fchlen Fassade eine zutiefst verletzliche Frau. Sein Deal: Er k\u00e4mpft darum, wieder laufen zu lernen, wenn auch sie bereit ist, sich dem Leben zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><strong>Kommentar <span style=\"color: #ff0000;\"> (Achtung, leichte Spoiler!)<\/span>: <\/strong><br \/>\nDione Kelly wird vom Schwager des Flugzeugingenieurs Blake Remington engagiert, um diesem \u00bbdas Leben zu retten\u00ab. Seit Blake bei einem Sportunfall an den Rollstuhl gefesselt ist, leidet er an schweren Depressionen und hat sich v\u00f6llig aufgegeben \u2013\u00a0und das, obwohl er rein k\u00f6rperlich nach zahlreichen Operationen wieder in der Lage w\u00e4re, seine Beine zu benutzen. Gegen Blakes Willen krempelt die Physiotherapeutin sein tristes Leben um und gibt ihm St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck neuen Lebensmut, sodass der Patient schlie\u00dflich wieder anf\u00e4ngt, an sich zu glauben. Schon bald verbindet die beiden weit mehr als ein reines Therapeuten-Patienten-Verh\u00e4ltnis, doch Dione weigert sich aufgrund ihrer Vergangenheit beharrlich, Gef\u00fchle zuzulassen und dauerhafte Beziehungen einzugehen \u2026<\/p>\n<p>Was eigentlich ganz spannend klingt, wenn man sich ein wenig f\u00fcr Physiotherapie und das Zusammenspiel zwischen Geist und K\u00f6rper interessiert, offenbart sich schnell als ziemlich oberfl\u00e4chliches Gepl\u00e4nkel. Die wundersame Heilung von Blake geht nach einem etwas holprigen Start viel zu glatt \u00fcber die B\u00fchne: Der gerade noch Depressive wandelt sich in null Komma nichts in einen wahren Mustersch\u00fcler, der durch \u00dcbereifer gl\u00e4nzt und rasante Fortschritte macht; echte Krisen und R\u00fcckschl\u00e4ge gibt es nicht. <\/p>\n<p>Daf\u00fcr hadert Dione mit ihrem Leben. Sie ist n\u00e4mlich mit 18 von ihrem damaligen Ehemann vergewaltigt worden und kann seitdem weder Ber\u00fchrungen ertragen noch will sie Bindungen\/Beziehungen eingehen. Soweit verst\u00e4ndlich. Weniger verst\u00e4ndlich ist da schon die Tatsache, dass mit Blake alles total anders ist; er ist der erste Mensch seit Scott, dessen Ber\u00fchrungen sie nicht scheut. Endg\u00fcltig abstrus ist dann ihr Entschluss, Blake zu verf\u00fchren, um ihn von seiner psychosomatisch bedingten Impotenz kurieren. Was f\u00fcr ein bodenloser Quatsch!!! <\/p>\n<p>Blake seinerseits ist nicht nur selbstgef\u00e4llig und tyrannisch, sondern entpuppt sich letztendlich auch als ziemlicher Arsch. Obwohl er \u2013 wie sich am Ende herausstellt \u2013 die ganze Zeit geahnt hat, dass Dione in der Vergangenheit vergewaltigt wurde, bringt er sie immer wieder in Situationen, in denen sie von Panik erfasst wird. Ist aber vielleicht doch ganz gut so, denn manche Leute muss man offenbar zu ihrem Gl\u00fcck zwingen (\u00bbTrotz ihres angestrengten Versuchs, die Beine zusammenzupressen und seine vagabundierende Hand einzuklemmen, wanderte diese noch ein St\u00fcck h\u00f6her\u00ab, S. 153). Am Ende hat Blake Dione \u00bbihre Weiblichkeit zur\u00fcckgegeben\u00ab (S. 197) und das gl\u00fcckliche Paar und die Leser haben sich den Himmel voller schluchzender Geigen redlich verdient:<\/p>\n<blockquote><p>Sie ber\u00fchrte sein Glied, ertastete es langsam und streichelte es. Eine Art Heulen drang aus Blakes Kehle. Pl\u00f6tzlich wusste sie Bescheid. F\u00fcr so viel vitale Festigkeit, f\u00fcr so viel zarte Kraft gab es nur eine Ruhest\u00e4tte, und das war die geheimnisvolle Tiefe ihres weiblichen Scho\u00dfes. Mann und Frau waren daf\u00fcr geschaffen, sich miteinander zu vereinen, waren als zwei H\u00e4lften kreiert, um zu einem Ganzen zu verschmelzen. (\u2026)<\/p>\n<p>Sie f\u00fchlte sich fast eingesch\u00fcchtert von der absoluten Stimmigkeit und Richtigkeit ihrer Verschmelzung, von den hei\u00dfen Lustschaudern, die \u00fcber ihren K\u00f6rper jagten. Alle Barrieren waren jetzt eingerissen. Verschwunden waren die \u00c4ngste und Albtr\u00e4ume, die sie daran gehindert hatten Genuss zu empfinden bei der magischen Hingabe an einen geliebten Mann. (\u2026)<\/p>\n<p>Sie genoss ihn in vollen Z\u00fcgen. Sie himmelte ihn an, sie benutzte ihn, sie versank im Strudel seiner Sinne und bereitete sich voller Wonne darauf vor, in ihm zu ertrinken. Sie vergl\u00fchte lebend in der Hitze ihres eigenen K\u00f6rpers, w\u00e4hrend die Lust immer intensiver und schlie\u00dflich unertr\u00e4glich wurde. (\u2026) Dann wurde diese Lust zu einem Fl\u00e4chenbrand, der sie hinwegfegte. <\/p>\n<p>(Seite 229 ff.)<\/p><\/blockquote>\n<p>\u00dcberhaupt ist der Stil insgesamt eher fragw\u00fcrdig. Erz\u00e4hlt wird die Geschichte prinzipiell aus der personalen Sicht von Dione, allerdings nicht in Ich-Form, sondern in der dritten Person. Zwischendurch flie\u00dfen aber immer mal wieder Gedanken von Blake ein, die da eigentlich nicht sein d\u00fcrften und die beim Lesen eher irritierend sind; zudem wird man bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit von Adjektiven erschlagen (\u00bbSeine Lippen w\u00fchlten spielerisch in ihren Haaren, bevor sie weiterwanderten, um ihre weichen Augenlider, die seidige Fl\u00e4che ihrer exotischen Wangeknochen und die berauschende Frische ihres \u00fcppigen Mundes zu erkunden.\u00ab, S. 208). Hinzu kommen au\u00dferdem unsinnige Metaphern und Vergleiche (\u00bbSeine Augen gl\u00fchten wie blaue Kohlen\u00ab, S. 110, oder \u00bbDione w\u00e4hlte ihre Worte mit der Behutsamkeit aus, mit der sie auf einer Wiese Wildblumen gepfl\u00fcckt h\u00e4tte\u00ab, S. 157).  <\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>\n<span style=\"font-size: 1.3em; \">Olle Kamellen \u2013\u00a0Freud oder Leid?<\/span><\/p>\n<p>Zu alle dem kommt noch etwas anderes. \u00bbLauf des Lebens\u00ab ist in Deutschland 2009 erschienen, das Original \u00bbCome Lie With Me\u00ab stammt allerdings aus dem Jahr 1984 und ist Howards viertes von inzwischen 94 B\u00fcchern. Zwischen der Ver\u00f6ffentlichung des Originals und der deutschen Lizenzausgabe liegen \u2013\u00a0nach Adam Riese \u2013 25 Jahre. 25 Jahre, in denen sich Linda Howard schriftstellerisch deutlich weiterentwickelt und auch thematisch sehr ver\u00e4ndert hat. (Ich bin zwar wei\u00df Gott kein Linda-Howard-Experte, hab aber doch ein paar ihrer B\u00fccher gelesen und denke, das kann ich auch durchaus feststellen, ohne mich durch ihre komplette Backlist gelesen zu haben.) <\/p>\n<p>Ich frage mich, ob es sinnvoll ist, ein sehr m\u00e4\u00dfiges Fr\u00fchwerk einer inzwischen etablierten Autorin auf den Markt zu werfen? Und noch viel mehr bewegt mich die Frage, ob der Verlag sich selbst, der Autorin und den Lesern einen Gefallen damit tut? Angestammte Howard-Fans werden entt\u00e4uscht sein, weil sie von der Autorin in den letzten Jahren eine andere Qualit\u00e4t gewohnt waren, und Neu-Leser werden vielleicht nie wieder ein Buch von Howard anpacken, weil diese olle Kamelle nun wirklich nicht dazu dienen wird, einen f\u00fcr Linda Howard zu begeistern. Zumal man nicht vergessen darf, dass sich nicht jeder so intensiv mit einem Buch besch\u00e4ftigt wie wir Buchblogger; meine Mutter w\u00fcrde zum Beispiel nie auf die Idee kommen, ein Impressum lesen. Sie w\u00fcrde also auch nicht feststellen, dass das Original von 1984 stammt. Sie f\u00e4nde einige Parts der Handlung einfach nur befremdlich und unglaubw\u00fcrdig \u2013 was sie aber gar nicht w\u00e4ren, wenn man sich vor Augen halten w\u00fcrde, wie alt das Buch ist. Aber m\u00f6glicherweise sch\u00e4tz ich die Lage auch ganz falsch ein, bin selbst zu kritisch und kann einfach nicht ermessen, dass die deutschen Howard-Fans dankbar f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung dieses Fr\u00fchwerks sind!? <\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><br \/>\n6\/15 \u2013\u00a0Kann man schon lesen, wenn man solche B\u00fccher mag. Muss man aber nicht. Definitiv nicht. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Originaltitel: Come Lie With Me<\/p>\n<\/p>\n<p>Klappentext: Als Physiotherapeutin sagt man Dione Kelly wahre Wunder nach. Ihr neuer Patient Blake Remington stellt sie jedoch vor eine gro\u00dfe Herausforderung. Der Flugzeugingenieur sitzt seit einem Sportunfall im Rollstuhl, und aus dem ehemals lebenshungrigen Abenteurer ist ein zynischer Tyrann geworden. 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